von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
26. 11. 2008 20:36
Viscomp geht immernoch um. Heute bekam ich einen Anruf einer verzweifelten Unternehmerin, die den Fehler gemacht hat, und auf die Referenzkundenmasche reingefallen ist. So wie heute bei ihr läuft das in etwa immer ab:
Update 27. November: Muss mich korrigieren – es ging im geschilderten Fall nicht um eine neue Website, sondern um Suchmaschinenoptimierung.
Die Leute von Viscomp kamen in ihr Geschäft, redeten ihr gut zu und warben für die Leistungen. Eine Website Suchmaschinenoptimierung könne man ihr bieten. Normalerweise würde das Konzept dafür 3000 Euro kosten – da man aber auf der Suche nach Referenzen sei, ist’s diesmal gratis. Na aber sicher doch. Man würde später nochmal wiederkommen, hier im Laden sei ja auch grad zu viel los. Die Aufgabe der Unternehmerin: den vorbereiteten Vertrag durchlesen und dann hopp oder top sagen.
Gesagt, getan. Die Herren kamen wieder, die Unternehmerin war skeptisch aber nicht desinteressiert. Allerdings sagte sie, sie könne maximal 75 Euro im Monat ausgeben. Natürlich sei das kein Problem, das vermerken wir im Vertrag – unterschreiben Sie doch erstmal hier. Ritschratschkringel, drunter ist die Unterschrift. Als die Herren weg waren, setzte sich die Unternehmerin erstmal. Denn statt 75 Euro pro Monat standen dort 75 Euro pro Woche.
Nun sind 75 Euro pro Woche bei 52 Wochen pro Jahr zwar knapp 4000 Euro – und an ein Jahr hat sich die Unternehmerin per Vertrag auch gebunden. Allerdings sind diese 4000 Euro nicht mal unbedingt frech für eine Website. Wenn sie ordentlich gemacht ist und gewisse Standards mitbringt, etwa ein CMS zum Pflegen der Inhalte. (Update: Wie gesagt: Es handelte sich in Wirklichkeit um SEO, von daher sind 4000 Euro schon reichlich frech.) Ich kenne die Arbeiten von Viscomp nicht und konnte der Dame daher auch nicht sagen, ob sie nun unbedingt komplett ins Klo gegriffen hat. Allerdings will sie trotzdem versuchen, gegen den Vertrag vorzugehen. Wegen arglistiger Täuschung. Was nicht leicht werden dürfte – das Rücktrittsrecht für Unternehmer ist kompliziert. Einen Rechtsanwalt hat sie wohl bereits.
Schade eigentlich, dass Viscomp so arbeitet. Die Euroweb-Gruppe, zu der Viscomp gehört, hat ein eigentlich lobenswertes Ziel: den Mittelstand ins Netz zu bringen. Und im Werbevideo klingt das alles – trotz sicht- und hörbarer Unsicherheiten der Geschäftsführer, vor der Kamera zu sprechen – auch wirklich gut. Stellt sich also die Frage: Sind es nur die Vertriebsmitarbeiter, die derartige Methoden anwenden, oder wird das Ganze doch von “oben” gelenkt?
Vielleicht befrage ich die Geschäftsführer demnächst mal dazu. Offen sind die Eurowebler ja – seit Januar haben sie auch ein Blog.
25. 11. 2008 17:03
Folgende Meldung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung erreichte mich heute:
„Hessen ist für japanische Unternehmen ein wichtiger Standort. Mit der Veranstaltung Umwelttechnologie – Hessen trifft Japan“ wollen wir den Wissens- und Informationsaustausch weiterführen, bestehende Kontakte zwischen japanischen und hessischen Unternehmen verstärken und neue Kontakte ermöglichen“, sagte Wirtschaftsminister Alois Rhiel am Mittwoch vor Ort im Städel Museum in Frankfurt.[...]
Und weil diese Aussage so wahnsinnig ultrasensationell spektulär ist, wurde sie zusammen mit der anderthalbseitigen Pressemitteilung unter Sperrfrist gestellt. Bis morgen, Mittwoch, 15.30 Uhr.
Nun kann man ja verstehen, dass es am Dienstagnachmittag doof aussieht, eine Meldung rauszuschicken, in der bereits ein Zitat vom Mittwoch steht. Allerdings ist die Sperrfrist ein schon längst überholtes Relikt – und nur in ganz seltenen Fällen anzuwenden – wie an anderer Stelle bereits mehrfach geäußert wurde.
Die PM ist wohl die Abschlussmeldung der Veranstaltung “Umwelttechnologie- Hessen trifft Japan“, die nur morgen stattfindet. Insofern ist es sehr merkwürdig, warum man diese Abschlussmeldung nicht einfach NACH der Veranstaltung verschickt. Aber schön, dass wir schon jetzt wissen, was der Wirtschaftsminister zu sagen werden gehabt hat. Oder so.
22. 11. 2008 11:54
Ganz kurz zum kalten Sonnabend: Der Leipziger Marcel Radzei ist seit 2003 erfolgreich im Internet tätig – mit seinem Vergleichsportal billigflieger.de. Ein Porträt über das Unternehmen habe ich für saxxess.com geschrieben.
20. 11. 2008 09:48
Winfuture.de, das “Windows Online Magazin” ist – ohne den Kollegen zu nahe treten zu wollen – bislang eher nicht mit spektakulären Enthüllungsgeschichten aufgefallen. Eher liest man dort, was man woanders auch schon lesen konnte. Mit einer Nachricht aber haben sie sich nun selbst ein Denkmal gesetzt – auch wenn’s ein eher fragwürdiges ist.
“Wenn die Satire zur Nachricht wird“, ein Artikel von Bernd Kling.
via inq
19. 11. 2008 11:14
Ich möchte kein russischer Spammer sein. Denn dann würde ich mich mit solchen Mails völlig zum Eimer machen:
Aufmerksamkeit!Liebes Mitglied Autoscout24,
Wir haben kьrzlich bemerkt, dass eine oder mehr Versuche in zu Ihrem autoscout24 Konto von einem auslдndischen IP Adresse loggen..Wenn Sie kьrzlich auf Ihr Konto zugegriffen haben, wдhrend Reisen, dьrfte der ungewцhnliche Klotz in Versuchen von Ihnen eingeleitet worden sein. Jedoch, wenn Sie den Klotz in nicht eingeleitet haben, bitte Besuch autoscout24 sobald mцglich, Ihre Identitдt zu beglaubigen:
http://autoscout24[vermeintliche scamm-adresse].html
Beglaubigt, dass Ihre Identitдt ein SicherheitsmaЯ ist, das sichern wird, dass Sie die einzige Person mit Zugriff auf das Konto sind. Dank fьr Ihre Geduld, als wir zusammenarbeiten, Ihr Konto zu schьtzen.
Fьr mehr Informationen sieht bitte den Verbindungsblasebalg:
Thunderbird und Firefox stufen diese Website bereits als gefährlich ein. Was zu tun ist, wird jeder selbst wissen.
18. 11. 2008 22:20
So, wenn wir schon Pizzen testen, dann auch richtig – mit eigenem Blog. Vor wenigen Minuten habe ich pizzablogger.de gelauncht, als eigenes Projektblog für “Die Ofenfrische” von Dr. Oetker. Heißt für alle Fertigpizzen-Hasser: Hier lasse ich Euch weitgehend damit in Ruhe.
18. 11. 2008 14:02
Taucha. Wer als Tauchaer abends etwas erleben und sich amüsieren will, muss nicht immer die paar Meter nach Leipzig fahren. Oft liegt das Gute so nah, sprich vor der Haustür. Wie zum Beispiel am Sonnabend im Café Esprit. Bereits wenige Minuten nach Beginn des Programms „Damenwahl“ verrieten die Gesichter der Besucher, dass sie die richtige Abendunterhaltung gewählt hatten. Denn auf der kleinen Bühne standen die Melankomiker. Die „drei lustigen Zwei“, wie sich Jürgen Denkewitz und Waldemar Rösler auch nennen, begrüßten ihr Publikum mit einem in Selbstmitleid getränkten Lied. Eigentlich seien sie ja krank, die Kinder würden sie zu Hause vermissen und verhungert seien sie ohnehin fast. „Aber wir sind trotzdem gern für Sie da“, sangen sie, um daraufhin so richtig loszulegen. „Unser Programm könnte auch ,Fitness-Studio‘ heißen, denn heute bekommt jeder sein Fett weg“, kündigte Denkewitz an.
Zuerst priesen die beiden Musiker, die sich seit der zweiten Klasse kennen, sich selbst und ihre Vorzüge an. Der eine habe Bauch, der andere nicht, der eine besitze Haare, der andere zwei Meter Stirn. Das Fazit: „Zusammen ergeben wir den idealen Mann“. Wortspiele liegen dem Duo; vor allem Jürgen Denkwitz, der eigentlich Diplom-Journalist ist, hatte merklich seine wahre Freude daran, mit den Worten zu jonglieren. Das funktionierte meist sehr gut, lediglich beim Song über das Internet kamen sie kurz vom Kurs ab, warfen mit Abkürzungen um sich und wirkten dabei wie die Fantastischen Vier in deren Titel „MfG“.
Etwa 80 Prozent der Songtexte seien Eigenproduktionen, der Rest „gut geklaut“, wie Denkewitz es formulierte. Er ist es auch, der den meisten Wortanteil im Programm hat. Rösler ist eher derjenige, der mal hineinrufen darf. „Ich spiele meine Rolle, klar. Dafür kann ich mehr Instrumente, auf die ich mich aber auch konzentrieren muss. Außerdem hat Jürgen die bessere Stimme“, lobte er seinen Kollegen.
Denkewitz ist hauptberuflicher Liedermacher, unter anderem auch mit einem Kinderprogramm, Rösler ernährt sich und die Familie zusätzlich noch von seinem ersten Job als Vertriebsingenieur. Seit elf Jahren touren die Melankomiker durch die Lande. „Jürgen stand eines Tages vor meiner Tür und fragte, ob wir nicht mal wieder wie in alten Schulzeiten Musik machen sollten. Seitdem gibt es uns im Doppelpack“, so Rösler. Geht man sich im Laufe der Zeit nicht irgendwann auf die Nerven? „Nö, wir sind beide verrückt.“ Zum Glück. Wer sie verpasst hat: Die zweistündige „Damenwahl“ gibt es das nächste Mal am 28. und 29. November in der Kulturmühle Bischheim bei Dresden und am 15. Dezember im Leipziger Froschcafé zu sehen.
Erschien am 18. November 2008 in der Leipziger Volkszeitung.
17. 11. 2008 15:38
Zwei Abende unterhielt Comedian Michael Mittermeier sein Publikum in der ausverkauften Arena. Zwischendurch kam er kurz bei Radio Leipzig vorbei. Moderator Jan Lüdtke interessierte sich nicht nur für die spaßige, sondern auch für die ernste Seite des 42-Jährigen. Der Begründer der deutschen Stand-Up-Comedy zeigte sich politisch sehr interessiert und bestens informiert, wusste von der Prügelei zweier Mitglieder der sächsischen NPD-Fraktion in dieser Woche zu berichten und sagte auch seine Meinung zur Wahl Barack Obamas: „Es war eigentlich egal, wer nach Bush kam, jeder wäre besser gewesen, selbst ein Hund. Jetzt wird er als der Messias bezeichnet, da muss man ein bisschen halblang machen.“ Die ausverkauften Veranstaltungen bestätigten seinen Eindruck von Leipzig, dass er hier „immer geile Shows“ erlebt hat. Überhaupt mag er Auftritte im Osten. „Ich meine das auch gar nicht böse, im Gegenteil. Ich passe mein Programm immer gern an und nehme auch die Sachsen aufs Korn, mein Publikum steckt das ganz gut weg.“ Auf seiner neuen DVD sei auch ein 18-minütiger „Ostblock“ drauf. „Da sieht man mal, was der Mittermeier so macht, wenn er beispielsweise in Erfurt ist.“
Erschien am 15. November 2008 in der Leipziger Volkszeitung.
14. 11. 2008 20:29
Ganz vergessen im Alltagsstress: Für alle, die Kinder haben, empfehle ich heute die ARD-Radionacht “Wenn Träume Feuer speien”. Läuft seit 20 Uhr und noch bis 1 Uhr. Und ist wirklich hörenswert. Ein Radio Teddy mit öffentlich-rechtlichen Mitteln. Hörspiele, Lieder, Geschichten, Interviews. Zu hören beispielsweise über MDR Figaro und auf SWR2, Bayern 2, hr2, NDR Info, Nordwestradio, radioBERLIN 88,8, SR 2 und WDR 5. Einschalten!
14. 11. 2008 17:01

So sieht es aus, das Starterpaket des neuen Projektes von trnd. “Die Ofenfrische” heißt es. 5000 trnd-Partner testen die Frischteig-Pizzen von Dr. Oetker. Dazu hat jedes Projektmitglied einen Gutschein über 25 Euro für Pizzen bekommen. Das Geld muss vorher ausgelegt werden, nach dem Test bekommt man es retour, wenn man die Bons einschickt. Etwas umständliches Handling, aber okay. Schließlich lässt sich Tiefkühlware nicht so gut verschicken.
Außerdem sind diverse magnetische Notizblöcke zum an-den-Kühlschrank-pappen dabei, Infoflyer und ein Umfragenblock. Viel Schreibkram, der auf mich und die noch einzuladenden Pizzatester zukommt, aber auch daran wurde gedacht – 2 Kulis liegen auch bei.
Über die Pizzen kann ich jetzt noch nicht viele Worte verlieren, wir hatten sie glaube ich erst zwei dreimal. Darum nur schonmal jetzt so viel: Demnächst wird’s eine oder zwei Pizzaparties geben. Und ich werde berichten. Hoffentlich schmecken die Pizzen besser als die UP!Grades damals.