von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
04. 07. 2007 11:56
Also ich finde ja, mit ihrem neuen Header-Image hat sich die LVB keinen Gefallen getan. Der Kopf der Dame sieht aus, als ginge er trichterförmig nach hinten. Und der Mann daneben grinst fies. Und was hat der da in der Hand? Einen weißen Knüppel, den er der Frau gleich von hinten auf den Kopf haut? Man könnte jetzt unsachlich werden und sagen, das wäre ja nichts neues in den Bahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe… Zudem fehlt mir in dem Bildchen auch die Visualisierung der Straßenbahn. Oder seh ich das zu eng?
03. 07. 2007 21:28
Das abendliche Vorleseritual am Bett unserer Tochter war heute überraschend anders. Weil “Hexe Lilli” gestern zu Ende ging, griff ich zu einem Buch, das sie von unserer Freundin geschenkt bekam. Und das war in der Tat eine Überraschung. Denn es kommt nicht oft vor, dass man von einem Kinderbuch derart fasziniert ist und selbst lachen muss. Bei “Durch und durch Clarice Bean” von Lauren Child war das aber so.
Clarice Bean ist ein Schulmädchen, das viel lieber Detektivin wäre, so wie Ruby Redfort, die Heldin in ihrem Lieblingsbuch. Und wie das so ist bei Schulmädchen: sie haben keinen Bock auf Schule und ihre Lehrer.
Mrs Wilberton behauptet, ich besäße durch und durch auch nicht einen Funken Konzentration. Ich versuche, ihr das Gegenteil zu beweisen, und deshalb darf ich nicht vergessen, mich zu konzentrieren. Ich denke die ganze Zeit daran. Ich versuche verzweifelt, mich nicht nicht zu konzentrieren, und ich sage mir immer wieder: “Nicht in Gedanken versinken, so wie gestern.” Und dann denke ich daran, wie ich gestern in Gedanken versunken bin und wie ich mir dabei überlegt habe, dass ich Mrs. Wilbeton zuhören muss, weil sie mir doch so viel zu erzählen hat.
Und dann frage ich mich, wie soll ich den ganzen Kram, den sie mir erzählen will, überhaupt in meinem Kopf unterbringen? Und dann frage ich mich, ob ich alles rausschmeißen sollte, was ich nicht mehr brauche – ihr wisst schon, wie damals, als mein Dad den Dachboden entrümpelt hat, nur haben wir dann beschlossen, dass wir nichts entbehren können und deshalb musste er den ganzen Kram wieder zurückbringen. Aber vielleicht wird in meinem Kopf ja wertvoller Raum blockiert von den nicht wichtigen Dingen und deshalb kann ich mich nicht k o n z e n t r i e r e n, weil mein Konzentrationsraum voll gepackt ist mit Sachen wie “Ellbogen vom Tisch” und “Du darfst deinen Bruder nicht kneifen” [...]
Ja, ein Buch nahezu ohne Punkt und Komma*, das in etwa so geschrieben ist, wie Mädchen im Alter von 10 wirklich reden. Witzig dazu ist die Typographie, die ich hier nur schwerlich übernehmen kann. Auch die Illustrationen, die schon fast Karikaturen sind, lassen einen herzhaft lachen. Glücklicherweise ist die Geschichte in Kapitel aufgeteilt, sonst hätte ich vor lauter Begeisterung alle 180 Seiten vorgelesen…
Kurzum: unbedingt empfehlenswert! Und die kleinen Bücher mit nur 32 Seiten schauen wir uns auch mal genauer an.
*) Die Satzzeichen sind wirklich komisch gesetzt, ist wohl bei der Übersetzung passiert. Stört aber nur ein kleines bisschen.
02. 07. 2007 22:42
Ich kann’s langsam nicht mehr hören. Jedes Jahr vor, während oder nach der GC rumort es in der Branche. Ewiges Thema: Leipzig ist zu weit weg, die Messe zu klein, hat einen zu kleinen Flughafen und – wohl das schlimmste – es liegt im Osten! Dies alles wären Gründe, Europas erfolgreichste und größte Messe für Computerspiele und digitale Unterhaltung ganz schnell zu verlegen. Nach Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt oder München. Boaaaah, ja, das wär geil! Seufz.
In diesem Jahr beginnt die Gerüchteküche bereits sehr zeitig zu brodeln. Diesmal vermutet Falafelkid (Gesundheit!) eine anstehende Verlegung des Events. In seinem Blog “Wii: Definitive speculation” (ach, alles nur Spekulation?) schreibt Falafelkid alias Andreas Garbe, (ein Kölner, der vergangenes Jahr auch in der Jury für die Wahl des besten GC-Produktes saß und wohl Redakteur bei RTL II ist) einige große Messegesellschaften hätten ein Auge auf die GC geworfen.
Until now, the event has been held in Leipzig every August. But, apparently, several large exhibitors are unhappy with the location and are pushing for the show to relocate. Leipzig has a modern site with five halls and additional outdoor space. But the city is hard to reach. Leipzig only has a small airport and is located in the east of the country.
Nun, das Ganze ist – wie gesagt – nicht neu. Tatsächlich hört man immer wieder, vor allem große Publisher würden mit Leipzig ganz und gar nicht zufrieden sein. Was mich bei der Sache nur stört: mit solchen Beiträgen schürt man das Feuer nur noch mehr. Schon kommen die ersten, die laut den Namen ihrer Lieblingsstadt rufen. Einfach, weil die Messe dann für sie besser erreichbar wäre. Um den eigentlichen Fakt, nämlich dass die Aussteller den Standort nicht mehr wollen, geht’s dabei wie üblich nicht.
Persönlich gesprochen: Ich finde diese Diskussionen traurig. Wohl aber kann ich die Überlegungen der Aussteller nachvollziehen, wenn auch nicht gänzlich verstehen. Ich hoffe nur, die Leipziger Messe ist weiterhin stark genug, dieses einzigartige Event hier am Standort zu erhalten. Und von Andreas Garbe wünsche ich mir, dass er seine Informationen einfach mal für sich behält. So lange, bis es wirklich definitiv ist. Aber vielleicht macht sich das einfach schick, Gerüchte mit “Exclusive” zu betiteln.
via planetgameboy, wo viele unsachliche Kommentare zu finden sind.
02. 07. 2007 14:44
„Game Over“. Der Schriftzug auf dem selbst gemalten Banner ist missverständlich. Denn während „Game Over“ in Computerspielen ausdrückt, dass nichts mehr geht, steht den 86 Tauchaer Gymnasiasten, die am Sonnabend ihr Abiturzeugnis erhielten, die ganze Welt noch offen.
Es war ein wahrlich erhebender und festlicher Moment, der mit dem Einmarsch der Abiturienten begann, begleitet von stehenden Ovationen ihrer Eltern und Großeltern. Schulleiterin Kristina Danz ließ es sich in ihrer anschließenden Rede nicht nehmen, ihre Schützlinge noch einmal zu kommandieren: „Bitte stehen Sie auf“, sagte sie und freute sich schmunzelnd, dass ihre Anweisungen auch am letzten Tag noch so gut klappen. „Sie müssen die Schule nun für immer verlassen und sind nur noch als Ehemalige gern gesehen. Sind Sie sicher, dass Sie das wollen?“ Die Antwort der jungen Damen und Herren in ihren blauen Mänteln war laut und eindeutig: „Ja, ich will!“
Neben dem Lehrplan habe man in den zurückliegenden Jahren vor allem versucht, den Schülern die Grundwerte zu vermitteln. „Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Zivilcourage. Ob wir es geschafft haben, zeigt sich auf dem weiteren Lebensweg eines jeden Einzelnen“, so Danz.
Ohne Zweifel beginnt für alle jetzt ein bewegtes Leben. Allen voran Lisa Heynig aus dem Leistungskurs Biologie. Sie schaffte es, das Abitur mit 1,0 abzuschließen. Für die Zukunft hat sie bereits feste Pläne: Ein Studium der Psychologie und eine spätere Arbeit am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Fünf weitere Schüler schlossen mit 1,5 oder darunter ab, elf waren besser als 2,0. Besonders geehrt wurden unter anderem Christoph Leonhardt, der für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen wurde, sowie Andrea Matusche und Alexandra Steen, die neben Lisa Heynig ein Online-Stipendium von e-fellows.net bekamen.
Der Chor des Gymnasiums sorgte für das festliche Rahmenprogramm und schloss mit „California Dreaming“. Für einige Schüler bleibt es kein Traum – sie haben sich für einen teils längeren Auslandsaufenthalt entschieden. Ein Tag, der vielen Eltern Tränen der Rührung und des Stolzes in die Augen trieb.
Erschien in der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2007.
02. 07. 2007 14:40
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist beleidigt. Er hatte Herbert Grönemeyer in der “Bild am Sonntag” eingeladen, in die CDU einzutreten und ihm gute Chancen auf einen Sitz im Bundestag versprochen. Und was macht der Musiker? Meldet sich einfach nicht. Gestern war Wulff bei “Was erlauben Strunz” in N24 zu Gast. Und das verbreitet der Sender heute als Zusammenfassung:
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