Taucha. In Zeiten von Internet, Computerspielen und einem allumfassenden Fernsehprogramm muss sich ein Zirkus jede Menge einfallen lassen, um Publikum zu finden und zu unterhalten. Noch viel zu tun für den Circus Constanze Busch, der am Wochenende in Taucha gastierte. Denn die Elemente, die einen Zirkus ausmachen, fehlten nahezu komplett oder wurden nur halbherzig umgesetzt. Die Erwartungen vieler Tauchaer wurden daher nicht erfüllt.

zirkus_2.jpg„Im Zirkusgeschäft geht es mal rauf und mal runter“, sagt Egon ElGano, der eigentlich Egon Kunzmann heißt. Der 70-jährige Zwickauer kennt das Zirkusgeschäft, ist seit fünf Jahren als Jongleur fester Bestandteil im Circus Constanze Busch. Glaubt man ihm, kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Branche derzeit an einem Tiefpunkt angekommen ist. Am Freitag fanden zur 19-Uhr-Vorstellung nur etwa 50 Tauchaer in das Zirkuszelt auf dem Parkplatz an der Wurzner Straße. Echte Stimmung konnte ob dieser geringen Zuschauerzahl nicht aufkommen. Allerdings hielten sich die Momente, in denen tosender Applaus angebracht wäre, auch eher in Grenzen.

Angekündigt wurden auf Plakaten und in Pressemitteilungen 70 Tiere. Zu sehen bekam man in der Manege nur rund die Hälfte. Ganz im Käfig bleiben mussten etwa die Zebras, die von einigen anwesenden Kindern sehnlichst erwartet wurden. Darauf angesprochen entschuldigte sich Rolf Cramer, der als Chef fungiert und während der Shows den Zirkusdirektor spielt: „Ja, wir haben rund 70 Tiere mit, die treten aber nicht alle auf.“ Ebenso enttäuschend waren die Darbietungen jener Tiere, die es in die Manege schafften: Lamas, die unter den Hälsen von Kamelen krochen und im Kreis rannten. Büffel, die mit den Vorderhufen auf Fußbänken stehen konnten. Und Pferde, die teilweise so unruhig waren, dass man fürchten musste, sie würden jeden Moment über die Absperrung springen.

Zu den wenigen erhellenden Momenten zählte zweifelsohne die Show von Francesco DaCapo, dem Sohn des Zirkusdirektors. Sich vier Tigern, die fauchend die Zähne fletschen, bis auf Armlänge zu nähern, ist keine leichte Übung. Unterhaltsam auch der Clown, der vier Besucher bat, sich auf Stühle zu setzen und die zwei Männer und zwei Frauen anschließend so verknotete, dass ihnen die Stühle unter dem Po weggezogen werden konnten. Artistische Höchstleistung war der Abbau des Tigerkäfigs, der in wenigen Minuten erfolgte. Es blieb allerdings die einzige sportliche Einlage. Das Trapez unter der Zirkuskuppel kam nicht zum Einsatz. „Die Artistin ist krank“, so Rolf Cramer.

Vielleicht hatte sie Schnupfen, was angesichts der ungemütlichen Temperatur im Zelt nicht verwunderlich wäre. Von einer „guten Temperierung“ wurde auf den Plakaten gesprochen. Was nicht gleichzusetzen ist mit „beheizt“, wie Cramer sagte: „Das ist noch ein Überbleibsel aus den Sommermonaten, wo wir das Zelt belüften, damit es nicht zu heiß ist. Die Heizung kommt erst nächsten Monat“, teilte er mit und gab zu, dass dies nicht akzeptabel sei. Auch alle anderen Kritikpunkte verstand Cramer und entschuldigte sich mit den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, denen sich der Zirkus gegenüber sieht.

Nach der Vorstellung verließen die Zuschauer das kühle Zelt sehr schnell. Angesprochen auf ihren Eindruck sagte eine Zuschauerin: „Wir hatten das Gefühl, hier wurde nur das halbe Programm gezeigt.“

Erschien am 16.10.2007 in der Leipziger Volkszeitung.