von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
16. 10. 2007 10:56
Taucha. In Zeiten von Internet, Computerspielen und einem allumfassenden Fernsehprogramm muss sich ein Zirkus jede Menge einfallen lassen, um Publikum zu finden und zu unterhalten. Noch viel zu tun für den Circus Constanze Busch, der am Wochenende in Taucha gastierte. Denn die Elemente, die einen Zirkus ausmachen, fehlten nahezu komplett oder wurden nur halbherzig umgesetzt. Die Erwartungen vieler Tauchaer wurden daher nicht erfüllt.
„Im Zirkusgeschäft geht es mal rauf und mal runter“, sagt Egon ElGano, der eigentlich Egon Kunzmann heißt. Der 70-jährige Zwickauer kennt das Zirkusgeschäft, ist seit fünf Jahren als Jongleur fester Bestandteil im Circus Constanze Busch. Glaubt man ihm, kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Branche derzeit an einem Tiefpunkt angekommen ist. Am Freitag fanden zur 19-Uhr-Vorstellung nur etwa 50 Tauchaer in das Zirkuszelt auf dem Parkplatz an der Wurzner Straße. Echte Stimmung konnte ob dieser geringen Zuschauerzahl nicht aufkommen. Allerdings hielten sich die Momente, in denen tosender Applaus angebracht wäre, auch eher in Grenzen.
Angekündigt wurden auf Plakaten und in Pressemitteilungen 70 Tiere. Zu sehen bekam man in der Manege nur rund die Hälfte. Ganz im Käfig bleiben mussten etwa die Zebras, die von einigen anwesenden Kindern sehnlichst erwartet wurden. Darauf angesprochen entschuldigte sich Rolf Cramer, der als Chef fungiert und während der Shows den Zirkusdirektor spielt: „Ja, wir haben rund 70 Tiere mit, die treten aber nicht alle auf.“ Ebenso enttäuschend waren die Darbietungen jener Tiere, die es in die Manege schafften: Lamas, die unter den Hälsen von Kamelen krochen und im Kreis rannten. Büffel, die mit den Vorderhufen auf Fußbänken stehen konnten. Und Pferde, die teilweise so unruhig waren, dass man fürchten musste, sie würden jeden Moment über die Absperrung springen.
Zu den wenigen erhellenden Momenten zählte zweifelsohne die Show von Francesco DaCapo, dem Sohn des Zirkusdirektors. Sich vier Tigern, die fauchend die Zähne fletschen, bis auf Armlänge zu nähern, ist keine leichte Übung. Unterhaltsam auch der Clown, der vier Besucher bat, sich auf Stühle zu setzen und die zwei Männer und zwei Frauen anschließend so verknotete, dass ihnen die Stühle unter dem Po weggezogen werden konnten. Artistische Höchstleistung war der Abbau des Tigerkäfigs, der in wenigen Minuten erfolgte. Es blieb allerdings die einzige sportliche Einlage. Das Trapez unter der Zirkuskuppel kam nicht zum Einsatz. „Die Artistin ist krank“, so Rolf Cramer.
Vielleicht hatte sie Schnupfen, was angesichts der ungemütlichen Temperatur im Zelt nicht verwunderlich wäre. Von einer „guten Temperierung“ wurde auf den Plakaten gesprochen. Was nicht gleichzusetzen ist mit „beheizt“, wie Cramer sagte: „Das ist noch ein Überbleibsel aus den Sommermonaten, wo wir das Zelt belüften, damit es nicht zu heiß ist. Die Heizung kommt erst nächsten Monat“, teilte er mit und gab zu, dass dies nicht akzeptabel sei. Auch alle anderen Kritikpunkte verstand Cramer und entschuldigte sich mit den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, denen sich der Zirkus gegenüber sieht.
Nach der Vorstellung verließen die Zuschauer das kühle Zelt sehr schnell. Angesprochen auf ihren Eindruck sagte eine Zuschauerin: „Wir hatten das Gefühl, hier wurde nur das halbe Programm gezeigt.“
Erschien am 16.10.2007 in der Leipziger Volkszeitung.
8 Kommentare für "Ungemütlich und unspektakulär"
Der vorangegangene Artikel über die Leistung des Zirkus Constanze Busch trifft in allen Punkten zu. wir haben heute abend in Wittenberg eine enttäuschende offensichtlich gekürzte Vorstellung erlebt, die eigentlich dazu geeignet ist, in Zukunft Zirkus zu meiden. Es war ein lähmendes Tempo in den Darbietungen, die Clownerie zog einem die Schuhe aus und der Jongleur aus Zwickau setzte noch einen drauf mit der Nummer mit Kindern aus dem Publikum. Im Übrigen war das Programm in einigen Elementen ein Mitmachzirkus, für das einige Zirkusbegeisterte stolze 22€ bzw. 28€ berappt haben. Wir nahmen zum Glück das Angebot für 7€ auf der hinteren Reihe an, so dass der finanzielle Schaden begrenzt war. In einem Beitrag der Chemnitzer Zeitung ist von 6 Tigern die Rede, es traten aber nur 4 auf. Haben die fehlenden 2 das Weite gesucht? Von Seiten der Direktion kam kein Wort der Erklärung für das mangelnde Niveau. Wir wurden nach 90 Minuten, davon 15 Minuten Pause, verabschiedet. Bei allem Verständnis für die schwierige Lage der Zirkusse war das ein Beispiel, wie ein Zirkus nicht überleben kann.
Danke für den Kommentar und die Schilderung Ihrer Eindrücke. Die Sache mit den Tigern kann ich sogar noch verstehen, das sind immerhin Raubtiere und nicht jeden Tag gleich gut “drauf”. Der Rest allerdings war wirklich beschämend.
hallo,
de zirkus ist momentan auch bei uns in altenburg und ich muss sagen, dass meine mum, sogr mein kleiner bruder und ich total enttäuscht waren von der vorstellung. ich war schon seit jahren nicht mehr im zirkus und hatte mich total auf eine gute vorführung gefreut. da meine mum auch immer alles sehen möchte, saßen wir wie immer in der loge. doch hätten wir vorher gewusst, was uns da erwartet, hätten wir nie soviel dafür ausgegeben und wären lieber schick ausgegangen. der direktor hat uns nicht einmal gesagt, das die artistin krank ist. vor allem finde ich es auch eine frechheit, so groß werbung zu machen und dann sieht man gar nix. die tiere sahen genauso gelangweilt aus, wie die schausteller. also ich kann nur jeden davon abraten und sagen, dass man im sommer lieber einmal mehr mt seinen kindern in den zoo gehen sollte, weil selbst die tiere dort mehr können, wie in diesem zirkus.
Hallo Cathleen. Danke Dir für Deine Meinung. Es ist echt beschämend, dass diese Artistin angeblich immernoch krank ist. Dieser Zirkus gehört stillgelegt. Ist schlimm, dass sich das “Unternehmen” dies nicht eingestehen will. Das grenzt ja schon an Konkursverschleppung sowas.
Hallo
Oh, wie recht doch alle haben, ich hätte das Geld lieber bedüftigen Kindern spenden sollen. Ich jedenfalls habe vom Circus für die nächsten Jahre ausgesorgt, wenn das Circus ist was da gezeigt wurde.Aber bei allem was auch immer die Wirtschafliche grundlage des ganzen ausmacht, scheint da wie mir aufgefallen ist doch die sache noch tiefer zu liegen. Was ich beobachten konnte war das sich die sogenannte Circusfamilie untereinander scheinbar nicht so richtig mag und der eifer fehlt dieses Unternehmen gemeinsam aufrecht zu erhalten. So habe ich selbst gesehen als wir die (lächerliche) Tierschau uns ansehenwollten, das man sich untereinander nicht grün ist. Unteranderem wurde gemoppt und bei einem Angestellten der Arm umgedreht und geradenicht zimperlich miteinander umgegannen. was sich wenn man es genau beobachtet hat in der Vorstellung weiter ging. Bei dem Auf und abbau des Löwenkäfig ging die ganze sache dezenter aber unmißverständlich weiter. So wird das nichts´Kinder. Da seit ihr auf dem absteigenden Ast.
Punkt um: Nein Danke nicht noch einmahl.
Wir waren gestern im Circus BUSCH, welcher in der Stadt Zerbst gastierte. Irgendwie hatte ich den Eindruck, das fast keiner der Artisten richtig Lust zur Vorstellung hatte. Der Clown war nicht wirklich geschminkt, und nicht so sehr für die Kinder da. Ich glaube nicht, das ein Kind “die Wiedervereinigung” von vier Zuschauer verstanden hat. Was uns aber am meisten geschockt hat war die Pflege und Unterbringung der Tiere. Die Pferde standen in ihrem eigenen Dreck. Und der Anblick der Tiger, die in einem viel zu kleinen Käfig im Kreis liefen, machte uns sehr traurig…
und kein Erbarmen an der Kasse – so haben wir 110 EUR in Dessau hingeblättert für eines der schlimmsten Circuserlebnisse. Die ramponierten Dekorationen, der miserable Konservensound, die Moderation absolut ohne jegliche künstlerische Kompetenz, die Clownerie ist peinlich, das gesamte künstlerische Programm ist ein freudlos runtergetrottetes Laienstück.
Eines der Pferde hatte eine Schürfwunde an der Seite und gepflegt nenn ich etwas anderes! Zumal die Pfede wohl untereinander sich nicht unbedingt gemocht haben- Kein wunder bei dem wenig Platz.

Die Darsteller wollten schon für´s Leiter Hoch klettern Applaus haben_ Sorry aber selbst des hätt ich eleganter hinbekommen! Zumal Sie nicht grad freundlich mit ihrem Publikum umgegangen sind! So wurde beim Rausgehen schon mal geschubt und gerempelt oder einfach auch grob am Arm bei Seite gezerrt.Frauen wurden mit Kamele verglichen und ein Junge so Heftig auf den Rücken des Esels geschwungen, dass man dachte der bricht sich gleich was!
Auf die Frage wo denn die toiletten seien wurde mir gesagt ich könne hinter einen der wagen gehen!
Ich konnte mehr als hinter die Kulissen schauen und wenn jemand noch mehr wissen möchte-meldet euch
Diese Leute können einen Nur Leid tun
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