von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
19.
05.
2008
08:56
Achtung! Neue Welle in 2010. Bitte Hinweise und Updates lesen.
Am 19. Mai veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel über das “Gelbe Branchenbuch” der Ucalegon Ltd. In diesem Artikel kritisierte ich den Versand von E-Mails durch diese Limited. Dabei benutzte ich das Wort “Spam”. Das Unternehmen forderte mich auf, den ursprünglichen Artikel und die URL zu entfernen. Eine Forderung, der ich nachkomme, weil ich rechtlichen Streitigkeiten aus dem Weg gehen will. Ich möchte aber einige Dinge näher erklären:
Wie die Ucalegon Ltd. in einer Mail an mich mitteilt, versenden weder sie, noch Partnerverlage oder Akquisegesellschaften Spam. Vielmehr würde es sich bei den Mails um Hinweise nach §33 Bundesdatenschutzgesetz handeln, schreibt mir ein Mitarbeiter. Dieser Paragraph regelt die Benachrichtigungspflicht bei Speicherung von Daten durch Dritte, um das Recht auf Auskunft wahrnehmen zu können. Sprich: Das “Gelbe Branchenbuch” teilt mir mit, welche Daten von mir dort gespeichert sind.
Soweit, so gut. Erstaunlich ist aber, dass der “Eintragungsauftrag”, den die Ucalegon mir schickt, sich nicht deckt mit den Daten, die tatsächlich von mir im “Gelben Branchenbuch” verzeichnet sind. Denn online finden sich sowohl meine Telefon- als auch meine Faxnummer. Auf dem Eintragungsauftrag fehlt meine Telefonnummer allerdings. Zusätzlich steht auf dem Dokument, das ich unterschrieben zurückfaxen soll, der Hinweis: “Wichtig: Bitte ergänzen Sie unbedingt Telefon, Faxnummer und Internetadresse, um bestmögliche Erreichbarkeit zu garantieren.” Danach folgt das Kleingedruckte, in dem unter anderem steht, dass der Eintrag jährlich 780 Euro kostet bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren, zahlbar jährlich im Voraus.
Ich vermute dahinter ein System, um unaufmerksame Unternehmen dazu zu bringen, Geld auszugeben, dass sie sich eigentlich sparen könnten. Bei schnellem Überfliegen könnte man nämlich vermuten, es handelt sich lediglich um eine Korrekturvorlage, die man ergänzen und zurückfaxen soll. Diese Auffassung teilt unter anderem auch die IHK Bielefeld. Ich vermute, das Gelbe Branchenbuch will auf diese Weise normale Einträge in Premium-Einträge verwandeln. Natürlich obliegt es jedem Gewerbetreibenden, Freiberufler und sonstigem Selbständigen, gewissenhaft zu prüfen, was er da eigentlich mit seiner wertvollen Unterschrift besiegelt.
Halten wir also fest: Die E-Mails, die Ucalegon versendet, sind kein Spam, sondern unvollständige Auszüge aus den Daten, die vom jeweiligen Adressat im “Gelben Branchenbuch” gelistet sind. Wer diese Daten ändern lassen will, kann das beim Betreiber beantragen. Das ist sogar gratis, wie im Kleingedruckten zu lesen ist, eine E-Mail würde genügen.
Im Übrigen, so teilt Ucalegon mit, sei meine Bewertung, beim “Gelben Branchenbuch” handele es sich um ein unwichtiges Verzeichnis, ebenso falsch wie naiv. Es handele sich vielmehr um das umfangreichste Branchenbuch Deutschlands. In Kürze würde das Angebot sogar noch erweitert. Ich bleibe jedoch bei meiner Einschätzung, dass sich Unternehmen einen Eintrag in einem “Branchenbuch” sparen können, der derart teuer ist. Erst recht, wenn der Gerichtsstand Prag ist und das Unternehmen in Bangkok sitzt. Und die Suchabfrage “Branchenbuch” bei Google die Website nicht unter den ersten zehn Treffern anzeigt. Und auch nicht unter den ersten zwanzig. Oder 30. Oder 40. Und so weiter. Ich schließe allerdings nicht aus, dass es Unternehmen gibt, denen das egal ist. Die sind dann bei diesem Angebot richtig und zahlen sicher gern.
Ich werde meine Austragung aus den Datenbanken der Ucalegon Ltd. beantragen.
Update:Wie mir die Ucalegon mitteilt, besteht “keine Rechtsgrundlage” für die Löschung meiner Daten. Wahrscheinlich gilt hier auch tschechisches Recht. Oder taiwanesisches.
Update 18.2.2009: Offenbar ist das Gelbe Branchenbuch nun in Österreich sehr aktiv auf Kundengewinnung. Die Suchanfragen aus Österreich zu diesem Thema nehmen rapide zu.
Achtung! Neue Welle in 2010. Bitte Hinweise und Updates lesen.
19 Kommentare für "Vorsicht! Gelbes Branchenbuch will Geld"
Ich erinnere mich dunkel an div. Rechnungen für Einträge in Telefonbücher, die in der Aufmachung nur zu-fäl-lig “Das Örtliche” ähnelten.
Wichtig ist, genau darauf zu achten, was man da unterschreibt … falsch ist es zu glauben, nur “alte Muttchen” würden nicht so genau hinsehen.
Lies dir den §33 doch mal bite sorgfältig durch, dann wirst du feststellen, das die Argumentation dieser Thailändischen-Briefkastenfirma als reine Augenwischerei betrachtet werden kann.
Ich zitiere:
(2) 1Eine Pflicht zur Benachrichtigung besteht nicht, wenn
7.die Daten für eigene Zwecke gespeichert sind und
a)aus allgemein zugänglichen Quellen entnommen sind und eine Benachrichtigung wegen der Vielzahl der betroffenen Fälle unverhältnismäßig ist, oder
(http://www.gesetze-im-internet...../__33.html)
Weiterhin zitiere ich einmal die Wikipedia:
Als Spam [spæm] oder Junk (englisch für: „Abfall“ oder „Plunder“) werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten bezeichnet, welche dem Empfänger unverlangt zugestellt werden und massenhaft versandt wurden oder werbenden Inhalt haben.
1. Die eMail ist elektronisch versendet
2. die eMail ist unverlangt
3. die eMail ist massenhaft versendet
4. die eMail ist werbend
Ich denke viel umfassender kann man mit einer Mail den Begriff Spam nicht ausfüllen.
ich erinnere mich da, ähnlich wie derherold, an ähnliche “geldeinnahmeversuche” (vorsichtig formuliert, will dir ja keine abmahnung einhandeln), in denen unternehmer für einträge in irgendwelche “branchenbücher” zahlen sollten. gab es einige tv berichte bei den üblichen verdächtigen.
der sinn solcher branchenbücher erschliesst sich mir auch nicht wirklich, seit wann sind die gelben seiten nicht mehr gut genug?
[...] die Masche des Dienstes “Gelbes Branchenbuch” berichtete und auch, wie bereits andere vor mir, Feedback vom ominösen Verantwortlichen des Dienstes bekam (man drohte mir aus nicht näher [...]
Bin jetzt auch Empfänger eines solchen Mails. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der “Geschäftsidee” der Österreichischen Firma Construct Data Verlag AG kann nicht geleugnet werden. Zufall
Einfach mal in “Google” nachsehen was die so machen und wie die Referenzen sind.
§ 33 BDSG wird eingehalten. Um Vertrauen zu wecken und Anstand zu zeigen? Aber wie ist es mit § 66 TKG? (Preisangabepflicht bei sogenannte Mehrwertdienstenummern). Ob man in so einem Fall die Nummer sperren lassen kann? Eine Abmahnung der DTAG ist jedenfalls drin. Und die haben ja alle Daten des Betreibers einer 0180 Nummer.
Danke für die ausführliche Dokumentation. Jährlich 780 Euro ist ja wirklich (k)ein Schnäppchen. Werde wohl die Preise für einen Eintrag in meinem kostenlosen Firmenverzeichnis erhöhen müssen.
… was auch sehr niedlich ist: weisst man darauf hin, das gewünschter eintrag nicht im sonderbarsten branchenbuch der welt zu finden ist, wird einem mit anwalt und gerichtskosten gedroht und angeblicher link zur “eintragsfindung” gemailt…. welche aber genau so wenig funktionieren, wie die seite ansich selbst (laut branchenbuch sollte der eintag ja bestehen… GEFUNDEN habe ich ihn aber nach stundenlangem suchen bisher noch nicht!).
für mich riecht das ganze nach betrug!
Wir haben versucht, für einen Mandanten per Feststellungsklage zu klären, ob unsere Madantin den vom Gelben Branchenbuch geforderten betrag zahlen muß. Rechtsanwalt A. D. in Braunschweig, der im Namen des Gelben Branchenbuchs die Forderungen eintreibt, ist für eine solche Klage plötzlich nicht mehr “zustellungsbevollmächtigt” – schade, wir hätten den Prozeß gern durchgefochten und haben Herrn D. deshalb geschrieben:
“Sehr geehrter Herr Kollege,
in vorbezeichneter Angelegenheit haben wir heute Ihren armseligen Schriftsatz vom 13.07.2009 an das Amtgericht Münster erhalten, nach dem Sie für unsere Klage nicht zustellungsbevollmächtigt sind. Sie lassen sich also nur für vor den Karren Ihrer Mandantschaft spannen, wenn es darum geht, ahnungslose Bürger mit unbegründeten Forderungen zu überziehen. Wir werden Ihr Verhalten und das Ihrer Mandantschaft an geeigneter Stelle bekannt machen.”
Letzteres ist hiermit geschehen
Habe mit heutigem Datum Anzeige bei der Staatsanwaltschaft München erstattet. Ich gehe davon aus, dass der Trick jetzt mit neuem Namen weiterläuft.
22.2.2010
Und gegen wen? Schreibe gerade an einem aktuellen Artikel dazu. Die Hintermänner sind ja nicht zu fassen, sitzen sonstwo. Die Website hat kein Impressum, die Domains wurden anonym registriert. Da gibts quasi nichts greifbares. Wer dort einen Vertrag abschließt, ist meiner Meinung nach selbst schuld, wenn er sich im Vorfeld nicht informiert.
[...] Mai 2008 warnte ich bereits schon einmal vor dem “Gelben Branchenbuch”, das auf gelbesbranchenbuch.com eine Website [...]
Hallo,
heute hat es mich auch erwischt.
Natürlich will ich dort keinen Premium Eintrag, von daher, so habe ich die Mail verstanden, muss ich dann auch nichts zahlen.
Aber die Daten stimmen nicht und ich möchte sie eigentlich ganz gelöscht haben.
Gibt es zum Thema Löschung schon was Neues? (s.o.)
Denn wenn nicht, dann mach ich mir gar nicht die Mühe, die Löschung zu beantragen.
Da mein Eintrag darüber eh nicht findbar ist, ist es uninteressant.
Sehr geehrter Herr Große,
heute erreichte eine dieser Mails unser Unternehmen, die Abzocker… korrigiere: Qualitätsanbieter geben nunmehr die Marshall Inseln als Sitz an. Trotz der sicher nicht geringen Umzugs- und Reisekosten konnte das Gelbe Branchengedöns aber seinen günstigen Preis von 780 €/jähl. halten, in unseren Zeiten sicher keine Selbstverständlichkeit.
Danke für Ihre Recherche und den Bericht, beruflich und privat wünsche ich Ihnen viel Glück und Erfolg!
Jens Rost, Hannover
Vielen Dank, die Info mit den Marshall Inseln hatte ich ja bereits im Update verbaut, auf das ich hingewiesen hatte: http://www.danielgrosse.com/bl.....ock-welle/
@lemburg: Nein, ich gehe nach wie vor davon aus, dass sich das transatlantische Unternehmen uns seine angeschlossenen “Partnerverlage” (dass denen das nicht selbst peinlich vorkommt) auch weiterhin weigert, Daten zu löschen. Ich würde auch keinen Korrekturauftrag per Mail dahin schicken. Und Vorsicht! Nicht in dem Auftrags-PDF korrigieren und zurückschicken. Dies gilt nach Auffassung der Branchenbrüder und offenbar nach tschechischem Recht auf einer Atlantik-Insel als Vertrag. Am Besten gar nicht reagieren und die Mails als Spam einsortieren.
Nachdem ich die Startseite Ihres Blogs und nicht nur den über google gefundenen Link zu diesem älteren Eintrag gelesen habe, wurde ich fündig. Liest sich gut recherchiert und spannend, ich war schon früher ein Fan der Sendung “Nepper, Schlepper, Bauernfänger” und finde es wirklich schade, dass diese Sendung eingestellt wurde.
Danke für Ihre Antwort und: Weiter so!
Kein Problem. Und Danke für Besuch und Kommentar.
@ Daniel Große
Genau so dachte ich es mir und reagiere gar nicht darauf!
Danke!
Ich habe versucht, meine private eMail-Adresse löschen zu lassen, die nur deswegen dort verzeichnet ist, weil die – wie allzu viele andere auch – zu blöd sind, Texte richtig abzutippen.
Aber keine Reaktion!
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