von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
18. 12. 2009 09:50
Jetzt ist das Familienglück für Friederike „Freddy“ Holzapfel (ehemals Lippold) perfekt. Nachdem die einstige Morgenmoderatorin von Energy Sachsen am 24. Oktober ihren Freund Tilo heiratete, kam am 15. Dezember das gemeinsame Kind zur Welt. Es ist ein Junge, der Ferdinand heißt. Die wichtigsten Zahlen: 8.05 Uhr, 3740 Gramm und 54 Zentimenter. Die treffendsten Adjektive: hundemüde, rotbäckig und zuckersüß. Papa Tilo war bei der Geburt dabei. „Was man da sieht, ist ein absolutes Wunder, ich war sehr ergriffen“, sagt er. Seiner Friederike leistet er auch jetzt im Krankenhaus St. Elisabeth Gesellschaft. In einem Elternzimmer schläft er im Bett direkt neben Mama Freddy, Ferdinand liegt im Babybettchen daneben. Bei der Namensgebung waren sie die jungen Eltern sofort einig. „Es sollte was klassisches sein. Tilo wollte etwas mehrsilbiges, das gut zu Holzapfel passt“, erzählt Freddy. Auf der Favoritenliste sei lange Zeit auch Anton gewesen, Ferdinand habe sich dann aber durchgesetzt.

Was Friederike jetzt vor allem vermisst, ist das Schwanger sein. „Ich habe die Schwangerschaft sehr genossen, das war wirklich super. Ich hatte keine Beschwerden, alle waren nett zu mir und haben sich über meine Riesenmurmel gefreut“, lächelt sie. Den ersten Monat bekommt sie Unterstützung von ihrem Ehemann. „Ich habe jetzt erstmal vier Wochen Elternzeit, insgesamt will ich vier Monate nehmen“, so Tilo. In ihrer gemeinsamen Wohnung sei für Ferdinand alles fertig. „Das Bett und die Wickelkommode stehen und wir haben ein wenig umgebaut, zusätzliche Wände eingezogen, die es bislang nicht gab“, zählt Freddy auf. Weihnachten soll in diesem Jahr ganz ruhig verlaufen. Trotzdem fährt die kleine Familie nach Bad Düben zu Mama Lippold. „Wir werden uns unter anderem das Krippenspiel anschauen. Die vergangenen Jahre war ich immer die Jungfrau Maria, aber jetzt hab ich ja selbst ein Kind zu versorgen“, lächelt sie.
Erschien in ähnlicher Form am 18. Dezember 2009 in der Leipziger Volkszeitung.
15. 12. 2009 17:49
Uwe Schneider ist seit Freitag vergangener Woche nicht mehr Programmchef der Stadtradiokette (Radio Leipzig, Radio Dresden usw.) und Hitradio RTL. Diese Meldung schwappte gestern vom Dresdner Ammonhof nach Leipzig. „Nach elf Jahren kreativer Zusammenarbeit sind wir uns nicht mehr einig geworden über den künftigen Weg der Sender“, begründet Tino Utassy, Geschäftsführer der BCS Broadcast Sachsen die Vertragsauflösung.
Die BCS ist Programmanbieter der Rundfunkstationen. Gesellschafter der BCS sind die Studio-Gong-Gruppe, die Neue Welle und die RTL Group. Mit eben diesen Gesellschaftern und Utassy sei sich Schneider am Ende nicht mehr einig geworden. „Das lief über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten, die Entscheidung fiel dann vergangene Woche“, so Utassy. Mit der aktuellen Marktforschung oder der Mediaanalyse hätte die Entscheidung aber nichts zu tun. „Im Gegenteil, das Jahr ist für die BCS ganz ordentlich verlaufen“, sagt der Geschäftsführer. Uwe Schneider selbst ist enttäuscht: „Das ist eine rein politische Entscheidung und absolut unnütz.“ Schneider war erst im Oktober 2008 als Nachfolger von Klaus Vorbrodt zum Programmchef von Hitradio RTL berufen worden. Erste Handlung war eine Formatänderung auf Adult Contemporary (AC, aktuelle Hits für Erwachsene), auf das außer R.SA alle sächsischen Privatradios setzen. Dem vorausgegangen war eine Hörerumfrage mit 180 000 Teilnehmern.
Auswirkungen auf das laufende Programm habe die Entlassung Schneiders derzeit nicht. „Ich bin jetzt erstmal kommissarisch Programmchef. Die nächsten Wochen werden wir uns auf Nachfolgersuche geben. Aktuell gibt es noch niemanden, den wir im Blick haben“, erklärt Utassy.
10. 12. 2009 23:57
Eine etwas längere Geschichte. Nehmen Sie sich einen heißen Tee, was zu Knabbern, kuscheln Sie sich in Ihre Lieblingsdecke und lesen Sie aufmerksam. Spannend wird’s sicher.
In den vergangenen Tagen wurde, wie berichtet, mein Blog von zahlreichen verunsicherten Verbrauchern besucht, die Post von Rechtsanwalt André Amberge erhielten. Zu Amberge ist so ziemlich alles gesagt – vorerst jedenfalls.
Die Firma hinter Win-Express
Widmen wir uns daher doch mal etwas genauer der Geschichte und den Firmen dahinter. Beginnen wir ganz von vorn, nämlich bei Win-Express, also jenem Gewinnspiel, bei dem sich angeblich via Telefon unzählige Verbraucher angemeldet und der Abbuchung von 89 Euro zugestimmt haben. Win-Express wird betrieben von der Global Invest Group Ltd.. Als Unternehmenssitz gibt die Global Invest die Ruhrallee 185 in Essen an. Die Ruhrallee 185 ist ein recht großes Bürogebäude. Hier sitzen unter anderem ein (seriöser) Anwalt, ein Immobilienmakler, eine Firma für Wassertechnik und einige mehr. Außerdem hat hier ein Bürodienstleister seinen Sitz, der Firmen ein Virtual Office anbietet. Ein Manager des Bürodienstleisters sagte mir: “Wir mussten der Firma fristlos kündigen, da sie Ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkam. Damit hat sie auch nicht mehr das Recht unsere Adresse weiter zu nutzen, dies verfolgen wir derzeit weiter.”
Die Mitarbeiterin eines anderen großen Unternehmens im Haus bestätigte ebenfalls: “Ja, die Global Invest kennen wir. Die hatten hier bis vor zwei Monaten einen Briefkasten. Nein, kein Büro. Wohin die jetzt gezogen sind, kann ich nicht sagen.”
Halten wir also fest: Die Global Invest Group Ltd. in Essen ist eine Briefkastenfirma, die nach Aussage meiner Informanten nicht mehr in der Ruhrallee 185 sitzt, unbekannt verzogen ist. Ob es dann noch rechtlich wasserdicht ist, diese Adresse auf Websites wie win-express.de anzugeben, entzieht sich meiner Kenntnis. So ist auch zu erklären, warum ein Einspruch bei Global Invest gegen die unrechtmäßig erhobene Forderung nutzlos ist – die Briefe kommen als “unbekannt verzogen” zum Absender zurück.
Die Geschäftsführer und ihre Querverbindungen
Da meine Neugier in solchen Sachen schier unerschöpflich ist, habe ich mir diverse Handelsregisterauszüge, Firmeninfos und Creditreform-Einträge gezogen. Das geht beispielsweise über Genios oder Firmenwissen. Kostet zwischen knapp 3 und gern auch mal 60 Euro und mehr. Legt aber oftmals interessante Infos frei, die ich hier gern teilen will.
Die Global Invest Group Limited ist eine GmbH mit einem eingetragenen Gründungskapital von gerade mal 1500 Euro und einem Mitarbeiter. Gegründet wurde das Unternehmen am 25. März 2009. Als Tätigkeit wird “Factoring” angegeben. Geschäftsführer der Global Invest Essen ist, so liest man auch auf Win-Express.de ein gewisser Manfred Eduard Rabiega. Auch im Handelsregister ist dieser Rabiega mit Wohnort Duisburg verzeichnet. Eigentümer der Global Invest Group Limited GmbH ist die BARU UK Limited in Aldermaston, einem Tausend-Seelen-Nest in Südost-England mit Hang zu Julihochwasser.
Bleiben wir aber bei Rabiega: Manfred Eduard Rabiega ist nicht nur Geschäftsführer bei der Firma, die Win-Express vertreibt, sondern auch bei der Multi Consulting & Service Limited, die den Gewinnspielservice Winfuchs ihr Eigen nennt. Die Multi Consulting & Service Limited wurde am 22. September 2009 gegründet. Firmensitz soll ebenfalls wie bei der Global Invest Group Limited die Ruhrallee 185 in Essen sein. Hauptsitz ist Berkshire in England. Unternehmensgegenstand ist auch hier Factoring. Gründungsstammkapital sind 1000 Euro.
Da Manfred Eduard Rabiega, der in wenigen Tagen seinen 37. Geburtstag feiert, aber offensichtlich über viel Tagesfreizeit verfügt, war er bis vor kurzem noch Geschäftsführer der World Technology D.C. GmbH. Selbige ging am 16. Januar 2009 aus der D.C. – Auto Handel und Vermietung GmbH hervor. Rabiega war bei der World Technology D.C. GmbH vom 23. Juni 2009 bis 28. August 2009 Geschäftsführer. Seitdem führt Devrim Cetindag die Geschäfte.
Und ab jetzt wird es komplizierter. Die World Technology D.C. GmbH ist Gesellschafter bei einer Atlas-Technology GmbH & Co. KG. Beide Unternehmen sitzen seit Ende August 2009 in der Westender Straße in Duisburg. Alleinig vertretungsberechtigt ist hier ebenfalls Devrim Cetindag.
Wieviel weiß Rechtsanwalt André Amberge wirklich?
Soweit zu Duisburg. Schauen wir nach Gelsenkirchen. Der Stadt, in der Rechtsanwalt André Amberge aus Krefeld eine Kanzlei besitzen soll. Ruft man die Krefelder Telefonnummer 02151 656611 an, leitet diese (derzeit noch) an die Telefonnummer 0209 36105972 weiter. Dort meldete sich während meiner Recherchen ein Mann mit den Worten “Atlas Verwaltung, guten Tag”. Atlas Verwaltung? Herr Amberge sei nicht zu sprechen, diese Nummer gehöre zu Amberges Gelsenkirchener Kanzlei. Der Mitarbeiter sei damit beauftragt, Namen der Anrufer und Aktenzeichen der Schreiben zu notieren und an Herrn Amberge weiterzuleiten. “Wir sitzen im Büro neben Herrn Amberge in Gelsenkirchen”, sagte mir der Mitarbeiter.
Später rief mich ein anderer Mitarbeiter der Atlas Verwaltung sogar zurück und erklärte mir nochmals, Herr Amberge habe das Unternehmen damit beauftragt, für ihn die Telefonate zu übernehmen. Außerdem sagte mir der Mitarbeiter, die Anrufe verärgerter “Kunden” würden sich häufen. Er selbst habe Amberge bereits mitgeteilt, dass ihm das nicht gefalle.
André Amberge indes bestreitet, die Atlas Verwaltung jemals beauftragt zu haben. Was merkwürdig erscheint, angesichts der Tatsache, dass die Atlas Verwaltungs GmbH Gesellschafter der Atlas Call GmbH & Co. KG ist. Einem Callcenter, das ebenso wie die Atlas Verwaltung und André Amberge in der Marienstraße 14 in Gelsenkirchen sitzt. Die Atlas Verwaltungs GmbH übrigens hatte bis September 2009 ihren Sitz noch in Duisburg. Eine Verbindung zur Atlas-Technology und Rabiega oder Devrim Cetindag lässt sich zwar (noch) nicht herstellen. Aber merkwürdig ist das schon: Amberge streitet ab, dass die Atlas Call von ihm beauftragt wurde, obwohl das doch eigentlich ein normaler Vorgang wäre, wenn die Atlas Call ein normales Callcenter ist.
Ich habe André Amberge mit diesen Recherchen konfrontiert. Als Antwort erhielt ich:
Tatsache bleibt, dass die Fa. Atlas nicht vom mir beauftragt ist.
Das ich mich über die Nachbarschaft zur Fa. Atlas auch in gefühlter Nähe zu Herr Rabiega befinde, war mir nicht bekannt bzw. bewusst. Ich habe Herrn Rabiega nie getroffen und stehe/stand zu ihm oder der Fa. Global Invest in keinerlei Kontakt.
Ich werde Ihre Information allerdings aufgreifen und den Standort meiner Zweigstelle überdenken, da ich auch nicht den Anschein der Nähe zu Global Invest/Rabiega aufkommen lassen will.
Soviel vorerst zu Amberge.
UniScore: Kurz vor der Liquidation?
In seinen Schreiben gibt André Amberge an, die Interessen der UniScore Forderungsmanagement AG in der Schweiz zu vertreten. Diese UniScore habe die Forderungen der Global Invest Group Limited Essen gekauft. So etwas nennt man (wie bereits verlinkt) Factoring. Die UniScore hofft also, dass die Forderungen der Global Invest rechtmäßig sind. Und Amberge hofft dies wohl auch, um möglichst viel Geld hereinzubekommen.
Schauen wir uns die UniScore Forderungsmanagement etwas genauer an. Das Schöne am Handelsregister der verschiedenen Kantone in der Schweiz ist: Sie sind kostenlos nutzbar. Und die Mitarbeiter der jeweiligen Registerverwaltungen sind äußerst auskunftsfreudig. Das ist doppelt schön, denn ich höre Schweizer sehr gern reden. Viel lieber als Österreicher. Aber ich schweife ab.
Die UniScore Forderungsmanagement AG sitzt in der Industriestraße 21 in Alpnach Dorf. Die UniScore ist ein traditionelles Unternehmen, es besteht bereits seit 1930 und wurde von Josef Ackermann gegründet. 1960 übernahm Adolf Ackermann das Unternehmen und ließ im Oktober 1963 die Einzelfirma “Elektro Ackermann” eintragen. Im Dezember 1981 hat die “Ackermann Haushalt + Küchen AG” die Tätigkeit der erloschenen Einzelfirma übernommen. Sitz war Kaisten. Seit 10. September 2009 heißt das Unternehmen UniScore Forderungsmanagement AG und sitzt in Alpnach Dorf.
Verwaltungsrat der UniScore war bis zum 9. Dezember 2009 noch ein Andreas Marbach. Wie gesagt: er war es. Auch besitzt die UniScore derzeit keinen Geschäftssitz. Im Handelsregister ist eine Änderung vermerkt, die sich so liest: “Die Gesellschaft hat ihr Domizil eingebüsst.” Was das heißt, erklärt Jan Turi, stellvertretender Leiter des Handelsregisters Obwalden: “Das Unternehmen hat angegeben, ihren derzeitigen Firmensitz aufgegeben zu haben und verfügt derzeit über keine eingetragene Adresse. Wir haben die Firma aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen einen neuen Sitz vorzuweisen. Tut sie das nicht, werden wir dies in der amtlichen Publikation vermerken”, so Turi.
Update 25. Februar 2010:
Die Uniscore Forderungsmanagement AG hat wieder einen Geschäftssitz. Sie sitzt nun in der Neuhofstraße 3a, 6340 Baar (Schweiz). Neuer alleiniger Verwaltungsrat ist Sascha Weischede, deutscher Staatsangehöriger aus Wädenswil. Offenbar ist die neue Adresse auch wieder nur ein Tummelplatz für Briefkastenfirmen.
Update Ende.
Außer dem Geschäftssitz fehlt der UniScore außerdem, wie oben geschrieben, seit wenigen Tagen der Verwaltungsrat – Andreas Marbach sei ausgeschieden. “Er hat uns mitgeteilt, aussteigen zu wollen. Er hat wohl von den merkwürdigen Machenschaften in Deutschland und den Drohbriefen des Anwalts gehört und wollte damit nicht in Verbindung gebracht werden”, sagt Turi. Die UniScore bezeichnet Turi damit als “derzeit in doppeltem Sinne in keinem gesetzmäßigen Zustand”. Auch hier gelte die 30-Tage-Frist. Werde diese Frist nicht eingehalten, werde das Handelsregister einen Richter mit der Liquidation des Unternehmens beauftragen.
Eine Löschung des Unternehmens zum jetzigen Zeitpunkt würde zum Zahlungsziel der Amberge-Forderungen passen: Dort war stehts von 4. Dezember die Rede. Denkbar also, dass sich das Ganze jetzt in Wohlgefallen auflöst – sicher gibt es verunsicherte Menschen, die aufgrund des Schreibens von Amberge gezahlt haben. Das Schleppnetz wurde ausgebreitet, einige blieben hängen. Auftrag erfüllt, die AG kann liquidiert werden. Mutmaßungen, natürlich. Aber denkbar.
Andreas Marbach hat außer bis vor kurzem bei der UniScore auch bei weiteren Unternehmen “treuhänderisch”, wie Turi sagt, den Verwaltungsrat übernommen. In der Summe sind es rund 15 Firmen, bei denen er zeichnungsberechtigt war oder ist. Auffällig: Die meisten dieser Firmen sitzen in der Industriestraße 21 in Alpnach Dorf. Ein Hochhaus? Mitnichten. Was Google Maps derzeit noch als Feld ausweist, ist seit etwa zwei Jahren ein vierstöckiges Gebäude. Unter anderem hat hier das Medizintechnikunternehmen Leuag AG ihren Sitz. Eine Mitarbeiterin sagte mir, die Leuag sitze in der vierten Etage und habe im Erdgeschoss ihr Lager. In der zweiten und dritten Etage gebe es weitere Büroräume. Außerdem sei ein Briefkasten montiert, an dem “viele Firmennamen” stehen.
“Ja, die Industriestraße 21 wird seit einiger Zeit gern von solchen Firmen als Geschäftssitz genutzt. Wir sehen das mit den Briefkastenfirmen nicht gern. Verboten ist das allerdings nicht. Zumal wir hier nur eine kleine Verwaltung sind, die sich nicht um jeden Einzelfall kümmern kann. Heißt: Wir können nicht immer nachsehen, ob es diese Firmen wirklich gibt”, sagt Jan Turi vom Handelsregister Obwalden. Andreas Marbach zählt er aber zu den seriösen Unternehmern. “Er zahlt seine Rechnungen pünktlich und seine anderen Gesellschaften sind noch nie aufgefallen”, sagt er. Wie gesagt: Die Schweizer sind erstaunlich auskunftsfreudig.
Alles nur eine Steuerhinterziehung?
Nach diesen neuen Erkenntnissen stellte sich für mich die Frage: Ist die UniScore in diesem schwebenden Zustand überhaupt noch berechtigt, Forderungen von deutschen Verbrauchern einzufordern? Jan Turi wusste darauf keine Antwort. Darum wandte ich mich heute nochmals per Mail an André Amberge. Ich schrieb ihm gegen 10.45 Uhr:
1) Ist Ihnen bekannt, dass die UniScore Forderungsmanagement, also Ihre Mandantin, sich derzeit in keinem gesetzmäßigen Zustand befindet? Die Uniscore verfügt aktuell über keinen Verwaltungsrat und über kein Domizil. Was sagen Sie dazu?
2) Bleibt angesichts dieser Tatsachen die Uniscore Ihre Mandantin?
3) Angesichts des Drucks von außen, unter anderem von der Verbraucherzentrale, haben Sie noch immer keine Zweifel daran, dass die Forderungen rechtmäßig erhoben werden?
Eine Antwort habe ich bis kurz vor 0 Uhr darauf ebenso wenig erhalten wie auf diese Frage:
4) Warum erheben Sie auf Ihre Forderungen keine Mehrwertsteuer, obwohl Sie nach RVG, VV Nr. 7008 dazu verpflichtet sind?
Richtig gelesen: In den Schreiben vom 18.11.2009, die Amberge verschickt, sind die Hauptforderung von 89 Euro zuzüglich einer Gebühr laut Nr.2300 VV RVG, Post- und Telekommunikationsentgelte nach Nr. 7200 VV RVG sowie Rücklastschriftsgebühren aufgeführt. Das RVG ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Dies besagt: “Der Rechtsanwalt hat als Dienstleister ebenfalls die Mehrwertsteuer abzuführen. Das RVG erlaubt dem Rechtsanwalt in VV Nr. 7008, diese auf seine Mandanten umzulegen. Deshalb ist auf alle Gebühren mit Ausnahme der Auslagen für Gerichtskosten die Mehrwertsteuer zu berechnen.” Heißt für mich: Hier hätte Amberge Umsatzsteuer geltend machen müssen, zumal die Forderungen auf sein eigenes Konto eingezahlt werden sollen, es also seine Umsätze sind. Ich mag mich täuschen, Amberge könnte das klarstellen. Tat er bislang aber nicht.
Forderung widersprechen
Amberge stellt sich für mich tot. Nicht jedoch für Verbraucher, die ihm einen Widerspruch schickten, wie etwa dieser Kommentar und andere zeigen. Wer sich wehrt und Amberge einen Widerspruch schickt, dem wird die Forderung erlassen. Eine Begründung, warum dies so ist oder gar eine Entschuldigung liefern weder Amberge noch die UniScore mit.
Vorsicht vor Trittbrettfahrern
Die Geschichte zeigt eines ganz deutlich: Am Telefon sollte man irgendwelchen Anrufern auf keinen Fall persönliche Daten wie die Kontonummer nennen. Wie unbedarft, unbesonnen und – ja ich möchte sogar dumm sagen – offenbar einige Menschen dieser Republik sind, beweist ein Fall, der mir per Kommentar und Mail angetragen wurde. Offenbar versuchen Trittbrettfahrer oder Vertraute von Amberge jetzt, einige Menschen doch noch zur Zahlung zu bewegen. Angeblich ruft ein Anwalt namens Schmidt von der Kanzlei Lindemann & Schmidt aus Berlin jetzt bei Empfängern des Amberge-Schreibens an. “Er hat mich massiv unter Druck gesetzt und mir ein Mahnverfahren über 400 Euro angedroht”, schreibt mir die Besucherin meines Blogs. Besagter Schmidt habe einen “Vergleich” angeboten. Die Dame solle nun zwei Raten á 59 Euro zahlen – und ist offenbar darauf eingegangen. Ohne etwas schriftliches in der Hand zu haben. Ohne überhaupt zu wissen, mit wem sie da wirklich gesprochen hat. Nach dem Anruf mit dem vermeintlichen Anwalt klingelte wieder das Telefon – ein so genannter Kontrollanruf von der Telefonnummer 03222332555. Was der Kontrollanruf sollte, habe ich nicht herausfinden können. Womöglich hat sich die Dame aber nun erneut an Win-Express oder andere solche Firmen gebunden.
Bei einem solchen sorglosen Umgang mit sensiblen Daten habe ich keine Fragen mehr…
Bei einem Anruf bei der Kanzlei Lindemann & Schmidt in Berlin sagte mir Anwalt Michael Lindemann: “Das ist absurd. Wir rufen nicht bei Leuten an. Wenn es eine Forderung gibt, verschicken wir Briefe. Von einem Anwalt André Amberge habe ich noch nie gehört. Offenbar bedient sich da jemand unseres Namens.”
07. 12. 2009 08:07
Heinz Rudolf Kunze hat mal gesagt und gesungen “Abschied muss man üben“. Doch wie soll man etwas so endgültiges üben? Wie soll man etwas üben, das man nicht versteht? Oder akzeptieren will. Abschied kann man nicht üben. Man kann ihn nur hinnehmen. Und zurückdenken. An die schöne Zeit, die man gemeinsam hatte.
Das hier, Paps, ist für Dich.
Am 16. August 2009 starb mein Vater.
Heute wäre er 59 Jahre alt geworden.
02. 12. 2009 18:14
Ich warne hier immer mal wieder vor dubiosen Firmen, die offenbar ungefragt bei Verbrauchern Geld abbuchen für augenscheinlich nicht erkennbare oder beauftragte Dienstleistungen. Im Mai schrieb ich zu solch einem Fall einen Blogeintrag. Seit 23. November kommen auf diesen Eintrag vermehrt Kommentare, in denen sich Besucher dieser Seite besorgt über Mahnschreiben eines Rechtsanwaltes André Amberge äußern. Die Kommentare beginnen ab hier. Dort ist nachzulesen, wen André Amberge vertritt und welche Forderungen er hat.
André Amberge existiert
Nachdem viele Geschädigte und ich zwischenzeitlich auch die Existenz des Anwaltes anzweifelten, hier die gute Nachricht: André Amberge existiert. Heute hatte ich nach diversen Recherchen in dieser Sache die Gelegenheit, mit André Amberge zu telefonieren; er rief mich zurück. André Amberge bestätigte, Anwalt in Krefeld zu sein, eine Niederlassung in Gelsenkirchen zu haben und Absender des Mahnschreibens zu sein. Beauftragt wurde er von der UniScore Forderungsmanagement AG in Alpnach Dorf (Schweiz), die UniScore ist also Amberges Mandantin. “Mir wurde von meiner Mandantin mitgeteilt, dass Forderungen bestehen, die aus einem Abonnement resultieren. Diese Abos wurden telefonisch beauftragt und zu diesen Beauftragungen bestehen Aufzeichnungen. Das ist das, was mir von meiner Mandantin mitgeteilt wurde”, sagt Amberge. Aus diesen Schilderungen heraus ergab sich für ihn, dass die Verträge rechtmäßig zustande kamen. “Ich hatte zu keiner Zeit Anlass, anzunehmen, dass diese Forderungen nicht rechtmäßig zustande kamen”, sagt er und führt weiter aus: “Meine Mandantin sieht sich in dieser Sache auch als Geschädigte, wenn sich herausstellen sollte, dass die Forderungen nicht rechtmäßig sind. Es ist nicht im Interesse der UniScore, irgendjemanden zu betrügen.”
Einspruch erheben
Empfänger seines Mahnschreibens, die der Meinung sind, die Forderung bestehe zu unrecht, sollten ihm dies mitteilen. “Am Besten per Post auf eine der angegebenen Anschriften”, sagt Amberge. In dem Schreiben sollte dargelegt werden, wie sich der Sachverhalt verhält. “Im Zweifel muss ich dann nachfragen, ob es eventuell Beweise gibt, die das Zustandekommen eines Vertrages und somit die Rechtmäßigkeit der Forderung belegen”, so der Anwalt.
Was mit den Empfängern des Schreibens passiert, die weder reagieren, noch zahlen, wollte ich von ihm wissen. “Das weiss ich nicht. Bislang bin ich nur damit beauftragt, diese Forderungen einzuholen. Ob meine Mandantin an diese Kunden nochmals rantreten will, entzieht sich meiner Kenntnis”, so André Amberge.
Factoring
Ein Hinweis noch zur UniScore Forderungsmanagement AG: Laut den Schilderungen des Anwaltes ist die UniScore in diesem Fall auch nur “Opfer”. Die UniScore ist eine so genannte Factoringgesellschaft. UniScore kauft von Unternehmen also offene Forderungen auf und spekuliert darauf, diese Forderungen ganz oder zumindest in Teilen eintreiben zu können.
Wenn es also ein Unternehmen gibt, dem Geschädigte sauer sein können, ist es die Global Invest Group Ltd. in Essen. Diese betreibt die Gewinnspieleintragsdienste WinExpress, extrawin.TV und mit Sicherheit noch einige weitere. Als Director dieser Limited ist ein Manfred Eduard Rabiega eingetragen. Der Gewinnspielservice Winfuchs wird von der Multi Consulting & Service Limited betrieben, der als Director ebenfalls Rabiega vorsteht. Einsprüche gegen Forderungen und Kündigungen von vermeintlichen Abos sollten also direkt an diese Firmen gestellt werden.
Und noch eine Bitte
Mir erscheinen die Aussagen von Amberge plausibell. Bitte unterlasst in den Kommentaren künftig Anschuldigungen, Hasstiraden oder die Worte Betrüger etc. in Verbindung mit André Amberge. Ich werde solche Kommentare nicht mehr freischalten oder löschen bzw. bearbeiten, um mich und Euch nicht angreifbar zu machen.
Update
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