GROSSE WORTE

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for January, 2010

Chat mit einem Adresshändler

Vor einigen Tagen erreichten diverse Verbraucher E-Mails, in denen ihnen 4,6 Millionen E-Mail-Adressen zum Kauf angeboten wurden. 1000 Euro will der Absender der Mail, der sich „Der Mailer“ nennt, für den Datensatz. Heute berichtet die Verbraucherzentrale Sachsen davon und vermutet unter anderem, dass hier gar kein Adresshandel betrieben werden soll, sondern es sich um Betrug handelt.

Dem kann ich – nach meinem derzeitigen Wissensstand – widersprechen. Am Mittwoch vergangener Woche hatte ich die Möglichkeit, mit dem „Mailer“ via ICQ zu chatten. Seine ICQ-Nummer war in der Mail angegeben. Ziel meines Chats war es, herauszufinden, was den Mann dazu treibt, mit Adressen zu handeln. Fazit: Der “Mailer” behauptet felsenfest, es sei legal, Millionen Mail-Adressen zu verkaufen, weil die Besitzer der Adressen schließlich ihre Einwilligung dafür gaben. Einen Auszug möchte ich hier wiedergeben.

[20:50] Hallo.
[20:51] mailer: hallo
[20:51] Sie bieten E-Mail-Adressen an, hörte ich?
[20:51] mailer: ja (more…)

Mit Blog: Motorrad Messe Leipzig

Kurze Werbeunterbrechung: Seit einer Woche bloggt medienrauschen wieder für eine Messe*. Nachdem Thomas und ich im März vergangenen Jahres zum ersten Mal für den Veranstalter TWIN die Motorräder Dortmund 2009 bloggen durften, wird dieses Blog nun weitergeführt. Zur Motorrad Messe Leipzig veröffentlichen wir Aktuelles von den Vorbereitungen und bringen Hintergründe. Während der Messe vom 5. bis 7. Februar sind wir live vor Ort.
Direkt danach ziehen wir dem Blog mittels kleinem Script die Dortmund-Schürze über und bloggen dann für die Motorräder Dortmund 2010 weiter, die vom 4. bis 7. März stattfindet.

Via Twitter kann man beiden Messeblogs auch folgen: Motorrad Messe Leipzig und Motorräder Dortmund

*) Natürlich bloggen wir auch nach wie vor für die GCO.

Hintergründiger Wettbewerb

Ich geb es ganz offen zu: Wie der Hintergrund meiner Twitter-Seite aussieht, ist mir schnurzegal. Twitter nutze ich nur in seltenen Fällen über die eigentliche Website. Und ich gehe davon aus, dass auch meine Follower dies tun. Außerdem muss ich mich nicht über Hintergrundbilder profilieren, sondern über meine Tweets. Obwohl auch das, also das Profilieren, nicht unbedingt ein Ziel ist, das ich mit dem Twittern verfolge.

Trotzdem möchte ich auf einen Wettbewerb des von mir gern gelesenen Blogs Farbwolke hinweisen. Zum zweiten Mal startet dort jetzt ein Twitter Page Contest, bei dem es darum geht, die eigenen Hintergrundgestaltungen der Twitter-Seite zu zeigen und darüber abzustimmen, welches die hübscheste, ausgefallenste, whatever ist. Im vergangenen Jahr kamen einige Perlen ans Tageslicht und Farbwolke-Macher Martin hat auch einige Trends entdeckt, wohin die Reise geht bei der Gestaltung von Twitter-Designs. Ich wünsche viel Spaß und schaue mir gern die eingereichten Vorschläge an. Vielleicht bekomm ich ja doch noch Lust auf ein individuelles Bildchen.

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  • Respekt: LVB und EWERK stellen sich der Kritik

    Die Neugestaltung der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) hat ein mächtiges digitales Rauschen erzeugt. Ein Rauschen, das von Kritik geprägt war und noch immer ist. Design und technische Umsetzung lassen Normalnutzer und Internetprofis gleichermaßen aufschreien. Nähere Infos stehen bereits hier im Blog und auf LVZ-Online. Diese Kritik zeigt eines ganz deutlich: Dem Leipziger ist es nicht egal, wie kommunale Websites aussehen. Einfach aus dem Grund, weil er sie braucht und darum eine entsprechende Benutzerfreundlichkeit erwartet. Wohl deshalb fielen die Wortmeldungen so umfangreich und teilweise verbal entgleist aus.

    Nun könnte sich ein kommunales Unternehmen mit zugehaltenen Augen und Ohren zurücklehnen und weiter im Glanze ihrer eigenen Erfolge sonnen. Tut es aber nicht. Die LVB und die technisch verantwortliche Agentur EWERK wagen den Sprung nach vorn und stellen sich der Kritik. In den Kommentaren zu meinem kritischen Artikel bot Thomas Gigold ein Treffen im Rahmen des nächsten Webmontags an. Dieser Einladung folgen LVB und ERWERK nun. Auch der umstrittene Professor Frank Hofmann von der Hochschule Merseburg, der das Design der Website entwickelt, wird anwesend sein. Thomas hat das Ganze als Interims-Ansprechpartner für den Webmontag Leipzig mal aufgeschrieben.

    Ganz wichtig: Was jetzt zählt, sind neben Kritik vor allem Verbesserungsvorschläge. Konstruktive Kritik also, die helfen sollen, die Website der LVB besser zu machen. Wer solche Vorschläge hat und nicht nur meckern will, sollte diese in ein paar Zeilen niederschreiben und Thomas mailen. Hendrik Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von EWERK sagt: “Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, dass es hier um ein nachträgliches Crowdsourcing gehen soll. Vielmehr ist es mir wichtig technische und gestalterische Themenfelder aufzureißen, die wir gezielt in der Veranstaltung besprechen können. Für eine nachträgliche Anpassung gäbe es dann vielfältige Möglichkeiten einer Mitwirkung.” Um diese vier Bereiche soll es gehen: Gestaltung, Usability, technische Umsetzung und PR.

    Von mir gibt’s Respekt für diesen (späten) Schritt des Ganges in die Öffentlichkeit. Vielleicht wird am Ende doch noch alles gut, wenngleich ich nicht glaube, dass im Ergebnis des Webmontages ein komplett anderes Design der Website entstehen wird. Aber vielleicht helfen wir alle gemeinsam mit kleinen Schritten. Und zeigen, welche Kraft in Leipzigs Kreativwirtschaft steckt.

    Es bewegt sich was auf dem Gewinnspielmarkt. Allerdings sicher nicht so, wie sich das die beteiligten Firmen vorstellen. Gegen vier Callcenter in Bielefeld und Paderborn ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft, Geschäftsräume wurden durchsucht. Natürlich bestreitet man diese Durchsuchungen. So wie auch damals Novamedia Marketing in Paderborn bestritt, irgend etwas mit Tipptresor oder der Gewinnspielmafia in der Schweiz zu tun zu haben. Das können Thorsten Sucker, Geschäftsführer von Novamedia, seine Gesellschafterin Daniela Ptak und Markus Waldvogel, einstiger Verwaltungsrat bei Euro Lotto Tipp in der Schweiz , jetzt sicher den Ermittlungsbehörden erklären. Und wenn die ihre Arbeit gut machen, dürfte hier ein ganzes Firmenkonstrukt seiner Geschäftstätigkeit beraubt werden.

    Das Dumme ist nur: Es stehen bereits andere Firmen parat, die genau die gleiche Masche betreiben. Siehe Win-Express, Deutsche Gewinn Garantie oder wie auch immer sie heute heißen.

    Danke an nw-news.de und “rpv” für die Verlinkung und Hinweise

    Die LVB und die Sache mit dem Internet

    Wenn ein Unternehmen ankündigt, eine neue Website ins Netz zu stellen, haut das heute normalerweise keinen mehr vom Hocker. Wenn das Unternehmen allerdings ein kommunales ist, für den Webauftritt 50.000 Euro ausgegeben worden sind und dieser dann nicht die Erwartungen der Benutzer erfüllt, schlägt das schon mal hohe Wellen. Der Versuch einer objektiven Analyse.

    DAS Thema der Leipziger Twitterer am Dienstag war der Relaunch der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe. Was bis vor kurzem noch eine ganz normale Website im Dreispaltendesign mit linker und rechter Sidebar und mittlerem Contentbereich war, sieht seit Dienstag so aus:


    Gegen 14 Uhr begann bei Twitter der Sturm aufgrund dieser Website. Stein des Anstoßes ist vor allem das Design. Die Benutzerführung funktioniert weitgehend über Buttons und Piktogramme. Sidebars und Teaserkästen gibt es nicht, die Website durchzieht ein Matsch aus Grau auf Grau im Querstreifendesign. Der Link zur Homepage ist rechts oben auf einem kleinen Haussysmbol versteckt. Ein Logo im Kopfbereich, wie man das gewöhnt ist, fehlt gänzlich. Die einzig helle und auffällige Fläche in diesem Einheitsgrau ist der gelbe Streifen mit dem LVB-Logo am Fuß der Website. Weshalb (zumindest mein) Blick immer zuerst auf dieses Banner fällt. Zudem ist man durch die Hervorhebung ständig versucht, dort draufzuklicken. Die Typografie ist ein zusätzliches Grauen. Überschriften wurden allesamt mit Versalien, also Großschreibung, realisiert. Das wirkt schreiend und insgesamt nicht freundlich.

    Startseite zu unruhig
    Die beiden Teaserbilder “Onlineshop” und “Mobilitätsservice” auf der Startseite sind nicht einheitlich und wirken schnell hingeschludert. Am rechten Rand des “Mobilitätsservice” gibt es einen weißen Rand, der bei “Onlineshop” nicht existiert. Oben rechts klebt der Kasten “Verkehrsinfo” direkt an den Piktogrammen, was nicht schön aussieht. Außerdem hat dieser Kasten als einziger abgerundete Ecken – aber auch nur unten. Alle anderen Kästen und Contentbereiche sind durch gerade Ecken abgegrenzt. Mit Design, Einheitlichkeit oder Nachvollziehbarkeit hat das Ganze wenig zu tun. Zudem fragt man sich, warum der Contentbereich links so riesig gewählt wurde, wenn dort nur sechs kleine Piktogramme enthalten sind. Dazu kommt, dass die Abstände zwischen den Kästen nicht einheitlich sind. Zwischen “Verkehrsinfo” und “Onlineshop” klafft eine große Lücke. Insgesamt wirkt die Startseite dadurch sehr unruhig.

    Ebenso nicht einheitlich sind die beiden Slider “Meine LVB” und “Hilfe” am linken Bildschirmrand. Bei Klick fahren diese nach rechts über die gesamte Breite der Website. Diesen Effekt sieht man in letzter Zeit häufiger und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Allerdings fragt man sich, warum der Bereich “Meine LVB” nach unten so lang gewählt wurde, obwohl dieser gar nicht so viel Inhalt bereit hält. Zudem ist graue Schrift auf grauem Untergrund eher suboptimal. Der Slider “Hilfe” ist dagegen viel zu voll gepackt. Der “Schließen”-Button ist unten abgeschnitten. Auch das hat mit Design nichts zu tun und sollte eigentlich während eines Usability-Tests vor Live-Schaltung ausgemerzt werden.

    Verwirrende Grafiken
    Ein starkes Stück, wenn nicht gar eine Frechheit, sind die Silhouetten der Zielgruppen der LVB im Bereich “Tarife“. Während Kinder, Schüler und Azubis noch akzeptabel gestaltet wurden, wirds danach eher finster. Studenten sind offenbar fülliger als Azubis, Erwachsene haben einen Bierbauch, Autofahrer sind unförmig und Senioren sind augenscheinlich Exhibitionisten, die ihren Mantel lüften. Das Ganze wirkt so, als wenn hier nie jemand von “außen” draufgeschaut hat. Dann wäre es sicher aufgefallen, dass diese Grafiken nicht funktionieren und eher diffamierend wirken als ansprechend.

    Zur Technik
    Die technische Umsetzung der Website lässt sich insgesamt als unfertig beschreiben. Beispiel: Die Suchfunktion. Diese funktioniert augenscheinlich nicht. Trotz Verwendung von Worten, die auf der Website vorkommen, wird nie etwas gefunden. Weder “Newsletter”, noch “Kontakt”, “Fahrplan”, “Fahrgastbeirat”, “Semesterticket” oder “Monatskarte” funktionieren. Man muss zu dem Schluss kommen, dass die Suche noch gar nicht implementiert wurde.
    Update: Mittlerweile funktioniert die Suche nach oben genannten Keywords.

    Ebenso unfertig ist der RSS-Feed. Dieser versteckt sich unter unteren Navigation und ist nicht direkt in der Website mit link rel= eingefügt, wie das eigentlich üblich wäre. Viel schlimmer ist allerdings: Der Feed funktioniert nicht. Zwar werden Überschriften im Feed generiert, auf die man auch klicken kann. Die kryptische URL bringt dann allerdings nur eine nahezu weiße Seite mit einem Link “zurück zur Übersicht”. Diese sieht dann so aus. Nach Klick auf die Überschriften passiert aber wieder ebenso nichts.

    Genauso schlecht oder gar nicht umgesetzt ist die Suchmaschinenoptimierung der Website. Der Seitentitel ist nichtssagend und enthält lediglich den Namen des angewählten Navigationspunktes. Das Meta-Tag “description” fehlt auf allen Seiten. Zudem dürfte die Programmierung dafür gesorgt haben, dass Google die Website so sieht.

    Apropos Google: Derzeit verfügt die Website im Google-Index über Sitelinks, also Direktlinks zu wichtigen Navigationspunkten der Website. Diese Sitelinks fügt Google immer dann hinzu, wenn die Suchmaschine der Meinung ist, dass die Navigation logisch angelegt wurde. Sitelinks sind also Ausdruck einer guten Programmierung. Ich sage voraus, dass lvb.de künftig nicht mehr über solche Sitelinks verfügen wird. Dafür spricht unter anderem auch, dass vergessen wurde, Weiterleitungen auf die nicht mehr existenten Links zu legen. Wer also jetzt über Google LVB sucht und dort auf den Sitelink “Fahrpläne für Bus und Tram” klickt, steht kurz auf einer 404-Fehlerseite, danach auf der Startseite und damit im Regen.

    Merkwürdig und nicht üblich sind auch die Großschreibungen der URLs. Wer sich vielleicht lvb.de/fahrplan gemerkt hat, wird damit nicht weit kommen, denn nur lvb.de/Fahrplan funktioniert. Hier sollte auf jeden Fall nachgebessert werden.

    Allerdings – um auch mal etwas positives zu sagen – ist die Integration von GoogleMaps und die Realisierung des Fahrplanes ein großer Schritt nach vorn. Die Fahrtroute wird auf der Karte angezeigt, inklusive aller Haltestellen auf dem Weg. Zudem wird per kleinem Piktogramm eine Ticketempfehlung gegeben. Für Gelegenheitsfahrer eine Erleichterung.

    Leider funktioniert auch diese Integration noch nicht vollends. Bei meinem Test konnte ich zwar eine Route problemlos ermitteln. Verändert man danach aber das Fahrtziel, werden Straßen plötzlich nicht gefunden. Vom Hauptbahnhof in die Ratzelstraße gibt es eine Fahrtroute. Verändert man danach das Ziel auf Antonienstraße (oder eine andere beliebige Straße), wird diese nicht gefunden. Dieses Phänomen der nicht vorhandenen Straßen haben auch andere Nutzer bereits entdeckt.

    Gut gemeint aber nicht konsequent umgesetzt ist auch die Verkehrsinfo. Wer auf der Startseite derzeit auf den “Anzeigen”-Button neben “Straßenbauarbeiten Mölkauer Straße” klickt, gelangt zu einer Seite, die unsinnigerweise “Fahrplan” heißt und eine große Karte zeigt. Allerdings ist dort die Baustelle Mölkauer Straße nicht erkennbar. Erst ein erneuter Klick auf diese Baustelle, die jetzt links als letzter Eintrag statt rechts als erster Eintrag angezeigt wird, lässt die Karte an die entsprechende Stelle zoomen. Auch hier sollte nochmal Hand angelegt werden.

    Betriebsblindheit?
    Entwickelt wurde das “Design” der neuen LVB-Website von Frank Hofmann, Professor für multimediale Anwendungen an der Hochschule Merseburg. Vielleicht liegt hier schon der Hauptgrund für den Reinfall dieses Relaunches. Theoretisches Wissen trifft reale Anforderungen.
    Technisch umgesetzt, also programmiert und gehostet wird die Website von eWerk Leipzig. Inwiefern das Unternehmen für diesen Gau mitverantwortlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings muss sich eWerk schon fragen lassen, warum sie hier nicht mit Nachdruck Veto eingelegt haben.
    Auf der anderen Seite ist die Zusammenarbeit mit einem großen kommunalen Unternehmen sicher alles andere als leicht. Irgendwann, nachdem man genug gesagt hat, kommt sicher auch bei Agenturen die Resignation und es wird so umgesetzt wie gewünscht. Ich hoffe, bei eWerk existieren genügend Aufzeichnungen über alle Bedenken, die man geäußert hat. Diese würde ich dem Kunden nach dem Sturm der Entrüstung der Nutzer unter die Nase halten.

    Wie betriebsblind und unerfahren die Leipziger Verkehrsbetriebe mit dem Thema Internet sind, zeigt bereits die Pressemitteilung, die anlässlich des Relaunchs herausgegeben wurde. Die Website wird dort als “das Internet” bezeichnet. So laufe “das Internet” auf allen gängigen Browsern, jedoch nicht auf Internet Explorer 6.0, weil “für die Browser Internet Explorer eine bundesweite Sicherheitswarnung herausgegeben” wurde. Wer derart ungeschickt Sätze über Internetanwendungen formuliert, sollte vielleicht lieber keine Pressemitteilung herausgeben.

    Fazit: Technisch gesehen gibt es bei der neuen Website der LVB durchaus Ansätze, die wegweisend und richtig sind. “Internationale Maßstäbe”, wie die Pressemitteilung laut schreit, werden allerdings nicht gesetzt. Schon gar nicht mit diesem Design, das keines ist. Eine grundlegende Überarbeitung wird sicher nicht möglich sein. Allerdings sollten sich die Beteiligten nochmal an einen Tisch setzen und die Kritikpunkte der Nutzer zum Anlass nehmen, über Optimierungen nachzudenken.

    Warum es Win-Express und Co. immer geben wird

    In den vergangenen Monaten dominierte hier vor allem ein Thema das Geschehen: Die vermeintlichen Betrügerfirmen Win-Express, Global Invest Limited, Uniscore Forderungsmanagement und ihr mutmaßlicher anwaltlicher Erfüllungsgehilfe bzw. dessen Trittbrettfahrer und Nachfolge- oder Nachahmerfirmen wie Deutsche Gewinngarantie. Ich habe zum Teil Tage und Nächte mit Recherchen verbracht, Geld für Handelsregistereinträge ausgegeben, mit besorgten Menschen telefoniert, gemailt und versucht, Dinge auch mit Hilfe der Menschen klarzustellen, die hier fleißig und rege Kommentare abgeben. All das habe ich gemacht, um die zum Teil beängstigten Verbraucher, die Post von undurchsichtigen Anwälten und Briefkastenfirmen wie Win-Express bzw. Global Invest erhalten, zu beraten oder ihnen wenigstens einen Tipp zu geben, wie sie sich künftig verhalten sollen. Allerdings: Lesen und verstehen muss man diese Hinweise und Kommentare auch. Doch damit haben offenbar einige Zeitgenossen so ihre Probleme.

    Grund zu dieser Annahme habe ich, weil ich gestern per Einschreiben einen Brief eines Mannes aus Essen bekam. Darin schrieb er, er wolle fristgemäß zum nächstmöglichen Termin kündigen und bat um Bestätigung. Adressiert war der Brief tatsächlich an mich. Auf dem Schreiben stand unter meinem Namen in Klammern: “Bitte weiter leiten an die Deutsche Garantie GmbH Payment by Afendis AG”.
    Dass er das Wort “Gewinn” vergessen hat, ist noch verschmerzbar. Dass dieser Mann aus Essen allerdings glaubt, ICH könne seine Kündigung an irgendwelche nicht existenten Firmen weiterleiten, oder hätte vielleicht mit ihnen zu tun, ist dann doch reichlich zynisch.

    Allerdings: Es spiegelt genau das wider, worauf solche Firmen überhaupt ihre Existenz begründen. Auf der – ich muss das so drastisch sagen – Dummheit mancher Menschen. Und darauf, dass offenbar keiner mehr richtig zuhört und in der Lage ist, richtig zu lesen. Natürlich gibt es unter den Betroffenen auch viele, die wirkliche Opfer sind, weil ihre Bankdaten bereits im Umlauf waren. Ich spekuliere allerdings, dass ein Großteil der jetzt Abgezockten ihre Situation selbst herbeigeführt haben. Eben weil vor Bekanntgabe personenbezogener Daten am Telefon nicht nachgedacht wird. Da will jemand meine Bankdaten? Naklar, ich geb sie ihm. Da will jemand Ratenzahlung vereinbaren für eine Forderung, für die es gar keinen Vertrag gibt? Kein Problem, er bekommt seine Raten. Doch, ich vermute, es gibt Tausende Menschen “da draußen”, die genau das machen. Weil sie es nicht besser wissen. Oder weil sie Angst vor irgendwelchen Konsequenzen haben, die ihnen diese Firmen versuchen einzureden.

    Als wäre dieses Einschreiben, für das der Essener Herr 4,40 Euro zum Fenster rausgeworfen hat, nicht genug, rief dann gestern auch noch ein anderer Mensch an, offenbar im Auftrag seines Vaters, der im Hintergrund aufgeregt zu hören war. “Ist da Win-Express?”, fragte mich der Mann. Er hätte im Internet Win-Express eingegeben “und da kam dann eine Seite, wo ich auf Kontakt geklickt hab und dachte, Sie sind das.” Ja, richtig. Ich bin’s. Ich selbst. Mehr aber eben auch nicht.

    Würde Charles Darwin noch leben, er hätte seine pure Freude an manchen Mitmenschen. Er könnte seine Forschungen von Evolution auf Involution ausweiten.

    Keine Zwiebeln im McDonalds CBO?

    Das kennt wohl jeder, der im FastFood-Restaurant isst: Oftmals sieht das, was in der Bürger-Packung von links oben nach rechts unten liegt, nicht so aus, wie einem die Werbebildchen über der Theke weiß machen wollen. Das ist – bis zu einem gewissen Grad – okay und verständlich. Dennoch habe ich schon mehrfach Burger zurückgehen lassen, weil sie entweder hilflos in ihrer eigenen erbrochenen Soße lagen oder kalt waren, obwohl sie grad erst frisch zubereitet wurden.

    Ein Stück mehr verärgert bin ich allerdings, wenn auf der Packung und an den Werbetafeln etwas drauf steht, das gar nicht drin ist im Burger. Zwiebeln etwa. Beim CBO, dem Chicken Bacon Onion scheint das so zu sein. Auf der Packung abgebildet ist ein gut gebauter Burger, auf dem man ein Stück Hähnchenfleisch, Bacon, Käse, Salat und eine weiße Soße sieht. Zwiebelringe gucken nicht raus. Dreht man die Packung um, wird einem anhand kleiner Bildchen verdeutlicht, was einen erwartet. Käse, ein Porzellanhuhn (?) und Zwiebeln in Form von Ringen. So sieht das aus:


    Liest man allerdings die Erklärung, was drin ist in der Packung, wird man überrascht:

    Dürfen wir vorstellen: Knuspriges Hähnchenfleisch, würziger Bacon und Röstzwiebeln. Und wieder mal wäre bewiesen: In der Kürze liegt die Würze.

    Röstzwiebeln? Aha. Also doch keine Zwiebelringe in einem Burger, der sich Chicken Bacon Onion nennen und auf seiner Packung ein Bildchen von Zwiebelringen tragen darf. Und das, wo onion doch eindeutig “die Zwiebel” heißt. Röstzwiebeln wären, wenn ich mich nicht täusche, die fried onions. Die sehen natürlich auf einer Packung reichlich behämmert aus, klar. Mir erschleicht sich allerdings der Verdacht, dass (zumindest in meinem) CBO gar keine Zwiebeln in irgendeiner Darreichungsform enthalten waren. Wo also ist das “O” im CBO?

    Das will ich genauer wissen und habe darum eine Mail an McDonalds geschickt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    heute kaufte ich mir im McDonalds Taucha einen CBO. In Erwartung und Vorfreude der Kombination Hähnchenfleisch, Bacon und Zwiebeln. Beim Essen des Burgers wurde ich allerdings enttäuscht – trotz investigativer Nachforschung durch Hochklappen des Brötchens fand ich keine Zwiebeln. Weder geschmacklich noch augenscheinlich waren Zwiebeln in diesem Burger “verbaut”. Auf der Verpackung las ich dann, dass Röstzwiebeln im CBO enthalten sein sollen. Aber auch hier frage ich mich: Wo sind die? Ehrlich gesagt, komme ich mir dann beim Satz “In der Kürze liegt die Würze” reichlich veralbert vor. Denn würzig ist dieser CBO auf keinen Fall – so ganz ohne Zwiebeln. Außerdem sind auf der Packung eine Zwiebel und Zwiebelringe abgebildet. Das kann man schon fast Täuschung des Kunden nennen und ich bin einigermaßen erbost darüber.

    Mich würde Ihre Meinung dazu interessieren.

    Viele Grüße,
    Daniel Große

    Das kann man jetzt kleinlich nennen. Allerdings find ich das Ganze schon eine Sauerei. Bin gespannt.

    Update 11. Januar 17 Uhr:
    McDonalds hat mir eine Mail geschickt. Dank dieser weiß ich nun, dass meine Anfrage die interne Bearbeitungsnummer HSC-10/01-01240 bekommen hat. In der Mail schreibt mir Nils Kuhlmann vom Customer Service, dass er erfahren habe, dass ich beim letzten Besuch enttäuscht wurde. Dafür entschuldigte er sich, dies entspreche natürlich nicht dem hohen Qualitätsanspruch. Er habe sofort mit dem “Restaurant Manager” in Taucha gesprochen. Die Kontrollen würden jetzt verstärkt, damit ich beim nächsten “Mahl” wieder “rundum zufrieden” bin. Und anschreiben soll ich ihn sofort, wenn ich wieder einmal Grund zur Beschwerde habe. Dafür hat er mir auch sofort seine persönliche Mailadresse mitgeteilt: info@mcdonalds.de. “Ich bin wirklich gerne für Sie da”, schreibt er “aus München”.

    Wahnsinn. So viel Blindtext hätte ich nicht erwartet.

    Dietmar Bock hat Bock auf Bockbier

    Nachfolgender Artikel erschien am 7. Januar 2010 in der Leipziger Volkszeitung und bei LVZ-Online

    Taucha. „Sammler sind glückliche Menschen“, soll Goethe mal gesagt haben. Auch wenn ihm dieses Zitat nicht hundertprozentig nachgewiesen werden kann, lässt sich an der Richtigkeit dieser Feststellung nicht zweifeln – wenn man Dietmar Bock kennt. Der Tauchaer sammelt alles zum Thema Bockbier. Und ist damit nicht nur glücklich, sondern bleibt auch ganz gelassen.

    „Deutschlands erstes privates Bockbiermuseum“ steht an der Tür des ausgebauten Kellers eines Tauchaer Einfamilienhauses. Hinter dieser Tür mit dem unscheinbaren Satz verbirgt er sich, der Bockbier-Schatz von Dietmar Bock. Weiterlesen bei LVZ-Online

    Recherche 2.0: BILD Leipzig kopiert Liste der Rodelberge

    Es ist Winter. Seit Tagen schreiben die Zeitungen dieser und anderer Städte nichts anderes. Zeigen uns Fotoserien von eingeschneiten Häusern, Autos, Menschen und anderem. Was soll man auch sonst bringen im Winter. Schließlich muss man der Zielgruppe ja mitteilen, dass Winter ist. Sonst merkt die das womöglich nicht.

    Service, wie man am Besten mit dem Winter zurecht kommt und vielleicht noch Spaß dabei hat, gab es bislang recht wenig. Bis heute. Heute veröffentlichte die BILD Leipzig unter den Überschriften “Der große Bild-Pisten-Check” und “Leipzigs schönste Rodel-Reviere einen nahezu ganzseitigen Artikel mit wenig Text und vielen Fotos. Ganz Leipzig wäre im Rodel-Rausch, heißt es da.

    Auch Autorin Doreen Beilke war offenbar bereits in diesem oder einem anderen Rausch und vergaß dabei die Grundlagen des Journalismus. Quellen nennen etwa. Oder zumindest mal zum Telefonhörer greifen und fragen. Und so bediente sich Frau Beilke munter an den Recherchen anderer und kopierte offensichtlich die Liste der Leipziger Rodelberge. Eine Liste, an der in den vergangenen Tagen mehrere Leipziger Twitterer, Blogger oder Leser dieses Blogs mitgearbeitet haben. Was die Liste nicht gleichzeitig zum Allgemeingut macht. Texte auf meiner Website sind urheberrechtlich geschützt, wie man auch im Blog nachlesen kann.

    bild_rodelberge_liste_240.jpgDass sich die BILD-Redakteurin an unserer Liste bediente, daran habe ich keinen Zweifel. Zu offensichtlich sind die genannten “Pisten” und die Formulierungen. Beispiele: Die Nennung der Siedlung Goldene Hufe in Paunsdorf. Dieser Vorschlag wurde von Kerstin Decker, Redakteurin der LVZ, per Twitter eingereicht. Diese Siedlung ist derart “versteckt” und der Hügel dort nur denen bekannt, die eine persönliche Beziehung zu dieser Ecke Leipzigs haben. Interessant auch, dass meine Formulierung “Paunsdorf/Heiterblick” übernommen wurde. Heiterblick steht dort nur, weil ich mir nicht hundertprozentig sicher war.
    Neben dem Foto des Rodelberges in Grünau ist zu lesen: “Neben der Ringstraße am WK4…” Gleiche Formulierung wählte mein Leser Stefan in seinem Kommentar.
    Insgesamt aber fälllt auf: Alle genannten Rodelberge stammen aus unserer Liste. Eigene, weitere Rodelberge, die es mit Sicherheit gibt, hat BILD nicht aufgelistet. Im Gegenteil: einige wurden weggelassen. Klar, schließlich will man dem Leser ja Service bieten und nur die “schönsten Rodel-Reviere” zeigen.

    Die einzige Recherche-Leistung Doreen Beilkes für diesen Artikel, der auch online zu lesen ist, scheint darin bestanden zu haben, Fotografen loszuschicken, um “Leipzigs schönste Rodel-Reviere” auch optisch ins Bild zu setzen.

    Herausgekommen ist ein wirklich schöner Artikel mit viel Service für den Leser, zweifelsohne. Allerdings eben auch ein Artikel, der sich schamlos an den Recherchen anderer bedient. Und dafür werde ich natürlich Honorar verlangen. Das steht allen zu, die an dieser Liste mitgearbeitet haben.

    Update 9.53 Uhr: In einem ersten Telefonat fand Doreen Beilke mein Anliegen “putzig” und meinte, “die Rodelberge gehören Euch ja nicht”. So viel Unverständnis überrascht dann selbst mich. Honorar lehnt sie ab, sie kenne die Liste nicht. Die Liste sei von den Redakteuren zusammengestellt worden.

    Update 11.47 Uhr: Bei der BILD ist man befremdet über meine Fotografie der Seite. Doreen Beilke meint, ich solle das Foto “runternehmen, da das sonst nur unnötig Ärger mit Fotohonoraren gibt”. Ich sehe das aus Zitiergründen anders, komme ihrer Bitte aber freundlicherweise entgegen. Auch bleibt sie bei ihrer Version: Die Liste ist nicht aus meinem Blog abgeschrieben. “Wir machen so eine Liste jedes Jahr. Eventuell haben ja Deine Leute unsere Liste vom letzten Jahr abgeschrieben”, sagte sie. Natürlich. Macht ja auch jeder, alte Zeitungen aufheben, um dann daraus für Blogs abzuschreiben.
    Darum eine Bitte: Wer hat zufällig eine BILD aus dem vergangenen Jahr mit einer solchen Liste? Würde gern vergleichen.

    Update 7.1. 15.30 Uhr: Die Online-Redaktion der Stadt Leipzig arbeitet glücklicherweise sauber und so erreichte mich heute die Anfrage, ob Teile der Liste für die Website verwendet werden dürfen. Dieser Bitte kam ich gern nach und so steht nun dieser Newseintrag auf leipzig.de. Vielen Dank und viele Grüße an die Kollegen.


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    Dies ist das Weblog von Daniel Große. Ich bin freier Journalist in Leipzig und veröffentliche hier ausgewählte Referenzen sowie private und berufliche Ansichten und Ereignisse. Außerdem übe ich Kritik an Online-, Print-, TV- und Rundfunkmedien oder mache mich schamlos über missglückte Pressemitteilungen und eigenartige Unternehmens-PR lustig. Das klingt nach dem, was es ist: ein unterhaltsames Blog mit breitem Themenspektrum ohne irgendeine Spezialisierung.

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