Es ist Winter. Seit Tagen schreiben die Zeitungen dieser und anderer Städte nichts anderes. Zeigen uns Fotoserien von eingeschneiten Häusern, Autos, Menschen und anderem. Was soll man auch sonst bringen im Winter. Schließlich muss man der Zielgruppe ja mitteilen, dass Winter ist. Sonst merkt die das womöglich nicht.

Service, wie man am Besten mit dem Winter zurecht kommt und vielleicht noch Spaß dabei hat, gab es bislang recht wenig. Bis heute. Heute veröffentlichte die BILD Leipzig unter den Überschriften “Der große Bild-Pisten-Check” und “Leipzigs schönste Rodel-Reviere einen nahezu ganzseitigen Artikel mit wenig Text und vielen Fotos. Ganz Leipzig wäre im Rodel-Rausch, heißt es da.

Auch Autorin Doreen Beilke war offenbar bereits in diesem oder einem anderen Rausch und vergaß dabei die Grundlagen des Journalismus. Quellen nennen etwa. Oder zumindest mal zum Telefonhörer greifen und fragen. Und so bediente sich Frau Beilke munter an den Recherchen anderer und kopierte offensichtlich die Liste der Leipziger Rodelberge. Eine Liste, an der in den vergangenen Tagen mehrere Leipziger Twitterer, Blogger oder Leser dieses Blogs mitgearbeitet haben. Was die Liste nicht gleichzeitig zum Allgemeingut macht. Texte auf meiner Website sind urheberrechtlich geschützt, wie man auch im Blog nachlesen kann.

bild_rodelberge_liste_240.jpgDass sich die BILD-Redakteurin an unserer Liste bediente, daran habe ich keinen Zweifel. Zu offensichtlich sind die genannten “Pisten” und die Formulierungen. Beispiele: Die Nennung der Siedlung Goldene Hufe in Paunsdorf. Dieser Vorschlag wurde von Kerstin Decker, Redakteurin der LVZ, per Twitter eingereicht. Diese Siedlung ist derart “versteckt” und der Hügel dort nur denen bekannt, die eine persönliche Beziehung zu dieser Ecke Leipzigs haben. Interessant auch, dass meine Formulierung “Paunsdorf/Heiterblick” übernommen wurde. Heiterblick steht dort nur, weil ich mir nicht hundertprozentig sicher war.
Neben dem Foto des Rodelberges in Grünau ist zu lesen: “Neben der Ringstraße am WK4…” Gleiche Formulierung wählte mein Leser Stefan in seinem Kommentar.
Insgesamt aber fälllt auf: Alle genannten Rodelberge stammen aus unserer Liste. Eigene, weitere Rodelberge, die es mit Sicherheit gibt, hat BILD nicht aufgelistet. Im Gegenteil: einige wurden weggelassen. Klar, schließlich will man dem Leser ja Service bieten und nur die “schönsten Rodel-Reviere” zeigen.

Die einzige Recherche-Leistung Doreen Beilkes für diesen Artikel, der auch online zu lesen ist, scheint darin bestanden zu haben, Fotografen loszuschicken, um “Leipzigs schönste Rodel-Reviere” auch optisch ins Bild zu setzen.

Herausgekommen ist ein wirklich schöner Artikel mit viel Service für den Leser, zweifelsohne. Allerdings eben auch ein Artikel, der sich schamlos an den Recherchen anderer bedient. Und dafür werde ich natürlich Honorar verlangen. Das steht allen zu, die an dieser Liste mitgearbeitet haben.

Update 9.53 Uhr: In einem ersten Telefonat fand Doreen Beilke mein Anliegen “putzig” und meinte, “die Rodelberge gehören Euch ja nicht”. So viel Unverständnis überrascht dann selbst mich. Honorar lehnt sie ab, sie kenne die Liste nicht. Die Liste sei von den Redakteuren zusammengestellt worden.

Update 11.47 Uhr: Bei der BILD ist man befremdet über meine Fotografie der Seite. Doreen Beilke meint, ich solle das Foto “runternehmen, da das sonst nur unnötig Ärger mit Fotohonoraren gibt”. Ich sehe das aus Zitiergründen anders, komme ihrer Bitte aber freundlicherweise entgegen. Auch bleibt sie bei ihrer Version: Die Liste ist nicht aus meinem Blog abgeschrieben. “Wir machen so eine Liste jedes Jahr. Eventuell haben ja Deine Leute unsere Liste vom letzten Jahr abgeschrieben”, sagte sie. Natürlich. Macht ja auch jeder, alte Zeitungen aufheben, um dann daraus für Blogs abzuschreiben.
Darum eine Bitte: Wer hat zufällig eine BILD aus dem vergangenen Jahr mit einer solchen Liste? Würde gern vergleichen.

Update 7.1. 15.30 Uhr: Die Online-Redaktion der Stadt Leipzig arbeitet glücklicherweise sauber und so erreichte mich heute die Anfrage, ob Teile der Liste für die Website verwendet werden dürfen. Dieser Bitte kam ich gern nach und so steht nun dieser Newseintrag auf leipzig.de. Vielen Dank und viele Grüße an die Kollegen.