von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
06.
01.
2010
07:13
Es ist Winter. Seit Tagen schreiben die Zeitungen dieser und anderer Städte nichts anderes. Zeigen uns Fotoserien von eingeschneiten Häusern, Autos, Menschen und anderem. Was soll man auch sonst bringen im Winter. Schließlich muss man der Zielgruppe ja mitteilen, dass Winter ist. Sonst merkt die das womöglich nicht.
Service, wie man am Besten mit dem Winter zurecht kommt und vielleicht noch Spaß dabei hat, gab es bislang recht wenig. Bis heute. Heute veröffentlichte die BILD Leipzig unter den Überschriften “Der große Bild-Pisten-Check” und “Leipzigs schönste Rodel-Reviere einen nahezu ganzseitigen Artikel mit wenig Text und vielen Fotos. Ganz Leipzig wäre im Rodel-Rausch, heißt es da.
Auch Autorin Doreen Beilke war offenbar bereits in diesem oder einem anderen Rausch und vergaß dabei die Grundlagen des Journalismus. Quellen nennen etwa. Oder zumindest mal zum Telefonhörer greifen und fragen. Und so bediente sich Frau Beilke munter an den Recherchen anderer und kopierte offensichtlich die Liste der Leipziger Rodelberge. Eine Liste, an der in den vergangenen Tagen mehrere Leipziger Twitterer, Blogger oder Leser dieses Blogs mitgearbeitet haben. Was die Liste nicht gleichzeitig zum Allgemeingut macht. Texte auf meiner Website sind urheberrechtlich geschützt, wie man auch im Blog nachlesen kann.
Dass sich die BILD-Redakteurin an unserer Liste bediente, daran habe ich keinen Zweifel. Zu offensichtlich sind die genannten “Pisten” und die Formulierungen. Beispiele: Die Nennung der Siedlung Goldene Hufe in Paunsdorf. Dieser Vorschlag wurde von Kerstin Decker, Redakteurin der LVZ, per Twitter eingereicht. Diese Siedlung ist derart “versteckt” und der Hügel dort nur denen bekannt, die eine persönliche Beziehung zu dieser Ecke Leipzigs haben. Interessant auch, dass meine Formulierung “Paunsdorf/Heiterblick” übernommen wurde. Heiterblick steht dort nur, weil ich mir nicht hundertprozentig sicher war.
Neben dem Foto des Rodelberges in Grünau ist zu lesen: “Neben der Ringstraße am WK4…” Gleiche Formulierung wählte mein Leser Stefan in seinem Kommentar.
Insgesamt aber fälllt auf: Alle genannten Rodelberge stammen aus unserer Liste. Eigene, weitere Rodelberge, die es mit Sicherheit gibt, hat BILD nicht aufgelistet. Im Gegenteil: einige wurden weggelassen. Klar, schließlich will man dem Leser ja Service bieten und nur die “schönsten Rodel-Reviere” zeigen.
Die einzige Recherche-Leistung Doreen Beilkes für diesen Artikel, der auch online zu lesen ist, scheint darin bestanden zu haben, Fotografen loszuschicken, um “Leipzigs schönste Rodel-Reviere” auch optisch ins Bild zu setzen.
Herausgekommen ist ein wirklich schöner Artikel mit viel Service für den Leser, zweifelsohne. Allerdings eben auch ein Artikel, der sich schamlos an den Recherchen anderer bedient. Und dafür werde ich natürlich Honorar verlangen. Das steht allen zu, die an dieser Liste mitgearbeitet haben.
Update 9.53 Uhr: In einem ersten Telefonat fand Doreen Beilke mein Anliegen “putzig” und meinte, “die Rodelberge gehören Euch ja nicht”. So viel Unverständnis überrascht dann selbst mich. Honorar lehnt sie ab, sie kenne die Liste nicht. Die Liste sei von den Redakteuren zusammengestellt worden.
Update 11.47 Uhr: Bei der BILD ist man befremdet über meine Fotografie der Seite. Doreen Beilke meint, ich solle das Foto “runternehmen, da das sonst nur unnötig Ärger mit Fotohonoraren gibt”. Ich sehe das aus Zitiergründen anders, komme ihrer Bitte aber freundlicherweise entgegen. Auch bleibt sie bei ihrer Version: Die Liste ist nicht aus meinem Blog abgeschrieben. “Wir machen so eine Liste jedes Jahr. Eventuell haben ja Deine Leute unsere Liste vom letzten Jahr abgeschrieben”, sagte sie. Natürlich. Macht ja auch jeder, alte Zeitungen aufheben, um dann daraus für Blogs abzuschreiben.
Darum eine Bitte: Wer hat zufällig eine BILD aus dem vergangenen Jahr mit einer solchen Liste? Würde gern vergleichen.
Update 7.1. 15.30 Uhr: Die Online-Redaktion der Stadt Leipzig arbeitet glücklicherweise sauber und so erreichte mich heute die Anfrage, ob Teile der Liste für die Website verwendet werden dürfen. Dieser Bitte kam ich gern nach und so steht nun dieser Newseintrag auf leipzig.de. Vielen Dank und viele Grüße an die Kollegen.
78 Kommentare für "Recherche 2.0: BILD Leipzig kopiert Liste der Rodelberge"
Richtig so, also treffen wir uns bald auf einen Kaffee oder ein Bier, bezahlt ja Frau B.
Ich trinke ein Glas Apfelschorle, hab nur einen Berg beigesteurt.
Nö, zwei: Rosental und die Warze an der Lassalle-Straße
Social comments and analytics for this post…
This post was mentioned on Twitter by dg_4und20: Recherche 2.0: BILD Leipzig bedient sich an fremden Recherchen. http://bit.ly/8NX5Gu…
Das ist echt ein starkes Stück, aber von der Bild ist man ja nichts besseres gewöhnt…
Das will ich so nicht unbedingt stehen lassen. Vor allem die Lokalableger der BILD sind, was Recherchen angeht, oft glaubwürdiger als die Bundesausgabe. Und gerade die Leipziger Kollegen arbeiten normalerweise recht sauber.
das nenne ich frechheit. ich will sofort ein bier! auf kosten von BILD!
wo ist ein anwalt wenn man einen braucht?
[...] Wie heuchlerisch solche Aussagen sind, zeigt sich aber immer wieder, wenn seine Zeitungen Beiträge aus Blogs klauen, ohne die Urheber, auch nur zu fragen oder zu erwähnen und ihre Beschwerden als [...]
Ich beobachte diese Zeitung schon länger und selbst die als “großes” offizielles Medium klauen bis der Arzt kommt. Dieser Fall ist leider kein Einzelfall und Quellenangaben kennen die schon lange nicht. Wir als “kleine” Schreiberlinge bekommen grundsätzlich einen auf den Deckel und können uns nicht dagegen wehren.
Oh Gott Bild. Und dass die Frau das auch noch “putzig” nennt. *würg*
Was hast du nun vor? Weil das ist eine Unverschämtheit
Aber das Gute ist: Nun weiß ich wo ich bald bei euch rodeln kann.
So war das auch gedacht, ja. Aber eben nicht so, dass Zeitungen einfach Dinge aus Blogs abschreiben. Könnte mich ärgern, nicht mit Absicht einen Fehler eingebaut zu haben.
[...] Die Liste hat einige Aufmerksamkeit erregt, sodass sie anscheind auch von der Bild kopiert wurde. [...]
Gut, dann können wir uns zumindest darauf einigen, dass die Bild sich nicht Zeitung nennen darf, weil sie nicht garantieren kann, dass mehr als 50% der Wahrheit entsprechen. Wenn das normaler weise nicht auf den Lokalteil zutrifft, umso besser.
Boa! Das ist ja echt ne Frechheit! Und dann noch so herabwürdigend reagieren.. “putzig” Pfui sag ich da nur und schämen sollten sich die..
Könnte man die Blöd nicht mal abmahnen für sowas? Möchte nicht wissen wie oft sowas bei denen praktiziert wird
Krasse Sache. Wobei das wahrscheinlich viel öfter vorkommt nur die wenigsten eigentlichen Urheber bemerken das dann. Aber das ist natürlich nur eine Spekulation.
Wenn du einen Anwalt brauchst kann ich dir jemanden empfehlen. Der ist für mich auch schon gegen RTL vorgegangen, die sich an meinen Fotos vergriffen haben.
[...] Mehr Details und den neusten Stand gibt es im Beitrag von Daniel Große. [...]
Wozu die Aufregung? Bleiben wir mal beim Urheberrecht. Es ist fraglich, ob die Schöpfungshöhe bei dem Texten erreicht wurde, die einen urheberrechtlichen Anspruch rechtfertigen würde. Desweiteren könnte man argumentieren, dass die Liste ein Datenbankwerk sei und daher unter den Schutz den Urheberrechts fällt. Das ist eine komplexe Materie, aber selbst dann kommt Datenbankenwerken nur ein begrenzter Schutz vor unberechtigter Vervielfältigung und vor unberechtigter Nutzung der Daten zu.
Ich würde die Aufregung auch putzig nennen. Denn die Chancen einen Anspruch daraus zu begründen und durchzusetzen sind sehr dürftig.
Nun, immerhin reichte die Schöpfungshöhe ja offenbar, einen seitengroßen Artikel draus zu stricken. Und wie gesagt: Ich hätte nichtmal Nein gesagt, wenn sie gefragt hätte. Natürlich nur gegen Honorar. Wenigstens Infohonorar steht mir hier zu. So sehe ich das.
Das Info-Honorar müsste aber nach Werkvertrag im BGB begründet werden. Dem steht entgegen, dass es keinen Werkbesteller gibt.
Was bisher nicht erwähnt worden ist. Die Liste ist ja nicht einem Urheber zuzuordnen. Sie weisen ja selber darauf hin, dass die Formulierungen von anderen Autoren übernommen worden sind. Was die Schöpfungshöhe weiter reduziert.
Also. Moralisch oder journalistisch-ethisch ist das Vorgehen von Bild-Leipzig zu kritisieren. Aber rechtlich wohl nicht angreifbar, genauso wenig wie Ansprüche daraus entstehen.
Was bleibt ist ein blödes Gefühl, aber so oist nun mal das Leben manchmal.
Das heißt also, alle Werke, an denen mehrere Leute mitgearbeitet haben, haben eine geringe Schöpfungshöhe? Wozu brauchen wir dann noch Lizenzen? Dann kopieren wir alle fleißig die Wikipedia-Artikel, bauen hübsch Werbung drum rum und verdienen mit dem Wissen und den Recherchen anderer richtig Kohle.
Polemisch, ich weiß. Aber so langsam reicht’s mir.
Ich bin immer wieder “begeistert” wie journalistische Recherche heutzutage ausgelegt wird. Gerade mit Hinblick auf die Debatte, dass für “hochwertigen” Online-Content die Nutzer endlich Geld an Springer zahlen sollen.
Ich schlage vor, wir betrachten dieses Schaustück an journalistischer Schlamperei und Hochnäsigkeit mit einem überlegenen Lächeln und sehen BILD auch in Zukunft als das, was sie ist: eine Boulevardzeitung, die auf Teufel komm raus verkaufen muss und der Qualität in der Regel egal ist.
PS: Fairerweise hätte man die Story auch mit einem kleinen Kasten versehen können und damit zeigen, wozu Dinge wie Twitter in der Lage sind.
Ein Werk, an dem mehrere Leute mitgearbeitet haben wäre in der Regel unter “Sammelwerk” nach §4 UrhG einzuordnen.
(1) Sammlungen von Werken, Daten oder anderen unabhängigen Elementen, die aufgrund der Auswahl oder Anordnung der Elemente eine persönliche geistige Schöpfung sind (Sammelwerke), werden, unbeschadet eines an den einzelnen Elementen gegebenenfalls bestehenden Urheberrechts oder verwandten Schutzrechts, wie selbständige Werke geschützt.
Jedoch gelten hier gemeinhin besondere Anforderungen an die Schöpfungshöhe.
Ist denke ich schwierig und sicher unbefriedigend.
Dazu möchte ich anmerken, dass wie es eben in der Juristerei ist, andere möglciehrweise zu divergierenden Bewertungen des Falles kommen.
Danke Dir. Ich habe auch gar nicht vor, hier gleich mit dem Anwalt zu drohen. Unbefriedigend ist das trotzdem.
Meine “Erbse” haben sie auch kopiert.. Finde ich schon ein wenig heftig.. Gerade weil die Erbse nun doch nicht so mega geläufig ist..
Wünsch dir viel Glück mit deinem Beitrag.
Hab es mehrfach Retweetet werde es nun noch bei Facebook reinsetzen..
Danke Euch für den Rückhalt. Die Erbse kannte ich ja auch nicht. Ist insgesamt schon sehr auffällig, dass eben diese und nur diese Berge genannt werden. Doreen Beilke meinte lapidar, so riesig sei die Auswahl in Leipzig ja nicht und daher sei es nicht verwunderlich, dass diese Liste entstand. Lächerlich diese Aussage – aber am Ende wird mir das wohl alles nix nützen.
[...] Die Bild-Zeitung hat eine Liste der Rodelberge in Leipzig aus dem Blog von Daniel Große geklaut! Zumindestens sieht das stark so aus. Die Bild hat zuletzt dazu noch behauptet, die Blogger, die die [...]
Sehr, sehr fragwürdig was die gute Dame da behauptet. Ist nur schade um die Mühe die du und andere sich gemacht haben…diese Liste zusammenzutragen. Die Mühe hat sich die Bild offensichtlich ja nicht gemacht.
Aber wie kannst Du nur sowas denken? Natürlich hat sich Frau Beilke die Mühe gemacht. Sie hat ihre Kollegen befragt, weil das “ja auch alles Leipziger sind und sich auskennen”. Hatse gesagt, sagtse.
Recherche 2.0: BILD Leipzig kopiert Liste der Rodelberge » GROSSE WORTE…
Wer klaut hier eigentlich von wem?…
Es ist und bleibt ein Schundblatt…und wird es leider immer geben. Diese Zeitschrift hat schon immer geklaut, falsch behauptet, erpresst und so manchen unschuldigen in den privaten Ruin geschrieben…
Zeitung. Nicht Zeitschrift. Ist ein Unterschied.
[...] Grosse Worte [...]
Pardon…Zeitung!
Die Diskussion von Ansprüchen solltest und wirst du dir sicher schenken. Aber es ist doch schon mal wichtig, dass solch unterentwickelte Redakteure merken, dass sie nicht ganz unbemerkt und plump abschreiben können. Und wieder hast du eine gute Tat für eine bessere Welt vollbracht…
Man kann ja durchaus auch eine solche Liste bei der Recherche einbeziehen, damit muss man auch als Blogger leben. Ob es dafür dann Honorar geben müsste kann ich nicht beurteilen. Mindestens eine Nennung der Quelle hätte aber der Anstand (und vermutlich auch die Rechslage) geboten. Allerdings ist das ja kein neues Phänomen. Ungefragte Übernahme von Informationen, Artikeln oder Fotos (natürlich ohne Quellverweise) hat es ja auch, und gerade bei BILD, schon vor dem Web (<=2.0) gegeben.
Viel beeindruckender ist IMHO allerdings dieses janusköpfige Handeln der großen Verlage. Einerseits Bezahlcontent fordern, Blogger und freie Netzphänomene verurteilen bzw. als schlecht recherchiert brandmarken, und sich aber schön im Social Web bedienen. Ob das jetzt Übernahmen aus Wikipedia oder von Blogs sind ist dabei ja eher nebensächlich.
Würde man hier bitte damit aufhören, der Bild zu unterstellen, sie wäre eine Zeitung?!
die reaktion von der du berichtest entspricht durchaus meinem vorurteil über die sog. bild-zeitung. manche menschen scheinen zu meinen, dass angriff immer die beste verteidigung sei und jeder so blöd wie der leser, für den man zu schreiben glaubt.
mich erinnert das an den schulhof von orientierungsstufen. schubsen und drohen hat den doofen schon damals nicht immer helfen können.
.~.
macht es keinen sinn, die IPs durchzugehen? ich hatte gleich zwei kommentare bei meinem beitrag, die mich in die dumme jungen-ecke stellen wollten. beide stammten aus dem axel-springer verlag (http://multipunkt.blog.de/2010.....l-7684856/)
BILD verbreitet in mir eine unbändige Wut.
Wer guten Journalismus sucht, ist bei der BILD sicherlich sowieso falsch aufgehoben – aber ich möchte nicht wissen, wie vielen es schon so ging wie dir, die sich schlussendlich der Macht des Konzerns unterordnen mussten.
Schau mal in der Stadtbibliothek nach, ob die die Leipziger Bild archiviert haben bzw.
Ansonsten nach Artikel direkt fragen.
Sicher macht es Sinn, sich die IPs der Kommentargeber genau anzusehen. Das tue ich im Einzelfall auch, genauso wie ich meine Logfiles und Statistiken sehr genau durchsehe. Interessant, welche IPs zum Beispiel so über das Bildblog kommen. Bislang hat mich in der Sache aber niemand dumm angegangen.
Die Aufzeichnung der IPs wird übrigens nach 500 Zugriffen immer wieder überschrieben und nicht dauerhaft gespeichert. Das nur für die Datenschützer.
Danke Dir.
Bin gerade über BILDBlog drauf gestoßen, krasse Sache das, aber was soll man von der BILD auch erwarten…
@schlatterboy Ich weiß nicht, ob das mit dem “Bild darf sich nicht Zeitung nennen” nicht eine urban legend ist. Ich hab bisher gehört, dass sie es nicht dürfen, weil man dafür ein Mindestmaß an Recherche haben muss. Bisher hab ich aber nirgendwo im Netz auch nur die Nennung eines Urteils gesehen.
Aber es stimmt, früher stand “BILD Zeitung” auf der 1. Seite, jetzt nur noch “BILD”. Ob sie dazu verdonnert wurden, würde ich aber gern mal definitiv wissen
@noch ein Frank:
ist eine legende. BILD hat sich nur aus marketinggründen gekürzt. damit mehr platz für schlagzeilen auf der ersten seite ist
es gibt kein gesetzt, was den begriff zeitung definiert, bzw. die nutzung untersagt.
ein vorteil hat der ganze spass. google-SERP platz 4 beim suchbegriff “rodeln leipzig”
Ja, logisch ist das nur eine Ente. Ich vermute, mal aus einem Aprilscherz oder Witz heraus entstanden.
@thomas w: Das hatte der Artikel zwei Stunden nach Veröffentlichung. Bäh.
Du unterstellst der Bild (auf Grund der von dir angeführten sehr hohen Übereinstimmung der Formulierungen) sie hätten deine Liste ohne Angabe der Quelle übernommen. Die Bild behauptet sie würden diese Liste jedes Jahr machen (können sie dir ja putzigerweise mal aus ihrem Archiv raussuchen) und du hättest abgeschrieben.
Ich wäre an deiner Stelle schon auf dem Weg zum Anwalt.
Nicht kaufen (versteht sich), nicht verlinken (kontraproduktiv), es sei denn, es muss ausnahmsweise als Beleg sein, und dann gut überlegen, ob man wirklich drauf klicken sollte (nein). Nur allernötigstenfalls zitieren (und ganz besonders nie ohne Gegenrecherche). Soviel kann man auf Dauer schonmal tun.
Die Nachfrage bei Kollegen ist nunmal die einfachste Methode der Recherche, so auch bei uns in der Redaktion immer praktiziert. Ein Rundgang und gefragt, welche Berge sie so kennen.
Das evtl. zusätzlich diese Liste hier mit verwendet wurde, ist vll. nicht schön. Eine solche Aufregung ist aber m.E. nach übertrieben.
Natürlich ist das eine Möglichkeit der Recherche und gar nicht falsch. Es ist doch aber wirklich verwunderlich, dass ausgerechnet NUR Rodelberge aus unserer Liste in der BILD-Liste auftauchen. Keine anderen, obwohl es zahlreiche andere gibt, wie die Nachmeldungen nach Veröffentlichung ja zeigen. Die LVZ etwa hat am Tag der BILD-Veröffentlichung auch von einem anderen Rodelberg ein Foto gehabt. Es ist also bei weitem nicht so, wie Doreen Beilke meint, dass die Auswahl sehr gering sei.
[...] Recherche 2.0: BILD Leipzig kopiert Liste der Rodelberge » GROSSE WORTE "Ob das jemand merkt wenn wir da einfach diese Internetliste abdrucken, die von Leuten aus dem Netz erstellt wurde? Ach, die lesen doch keine Zeitung mehr, machen wir mal…" (tags: johournaille) [...]
“Dann kopieren wir alle fleißig die Wikipedia-Artikel, bauen hübsch Werbung drum rum und verdienen mit dem Wissen und den Recherchen anderer richtig Kohle.”
Schlechtes Beispiel, Daniel. Die Lizenz der Wikipedia erlaubt diese Art der Verwertung explizit. Solange du dich an die Lizenzbestimmungen (Nennung von Autor & Quelle, Weitergabe unter gleichen Bedingungen) hälst, darfst du die Inhalte der Wikipedia frei nutzen und auch mit Ihnen Geld verdienen. Siehe:
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/
http://de.wikipedia.org/wiki/W.....ternutzung
BILD macht keine Fehler, NIEMAND macht Fehler in diesem Land.
Noch nicht gemerkt?
Hmm, ich hab zwar leider keine Zeitung mehr aus dem Jahre 2008/2009 rumfliegen, aber frag doch mal in der örtlichen Bibliothek nach, die haben sowas normalerweise. Vielleicht hats die UniBiblio auch online.
Nur da sich im Bildarchiv zum Thema Rodeln nix findet, vermute ich mal, dass des dreist gelogen war ^^ Immerhin hätten sie sich ja dann selbst als Quelle angeben können.
@jo Danke Dir, Jörg-Olaf. Dann war das wirklich ein schlechtes Beispiel.
@camu Okay, sich selbst als Quelle angeben, macht niemand. Du hast Zugang zum Archiv der BILD? Oder wie war das gemeint?
Fiktiv…
Klingeling. Abheb.
“Große.”
“Daniel, ja, hier Doreen, Bild Leipzig, weißt schon. Ja, sorry, ist dumm gelaufen, wir schicken Dir 50 € und in der nächsten Ausgabe setzen wir einen kleinen Vermerk ‘rein, daß Du uns die Liste freundlicherweise zur Verfügung gestellt hast. OK?”
*So* hätte das im Nachhinein ablaufen können statt Herumeierei und Verteilen des Vorganges im Netz nach Schnellballprinzip (wie passend) – sowas nennt man Schadensbegrenzung. Und Blogger Daniel hätte das Problem, wie er das Honorar an seine “Informanten” verteilen soll.
Das wäre das geringere Problem. Ein Glühweinabend bei uns daheim oder ein Twitter-Meeting im Telegraph oder so und die Sache wäre geritzt.
Aber warum sollte eine BILD-Mitarbeiterin sich so tief sinken lassen? Wo sie doch gar nicht gemacht hat.
Na, eben – nichts.
So war’s auch gemeint.
Klarer Fall: Es muss dringend ein Leistungsschutzrecht für Blogs her!
Kann ja nicht sein, dass die Blogger Qualitätsrecherche betreiben und die großen Verlage dann einfach so kostenlos die Inhalte übernehmen. Das macht die Grundlage der Blogs kaputt …
Eine gute Nachricht zwischendurch: Die Onlineredaktion von leipzig.de findet unsere Liste interessant und will sie (nach vorheriger Anfrage) übernehmen. Link folgt dann als Update im Text.
Also, ein Gutes hat auch die ganz Bild-Geschichte (jedenfalls für mich): Wieder ein lesenswertes Blog entdeckt (via 6vor9 bei BILDblog). Dafür schon mal Danke. Und sorry, denn ich besitze leider keine Bildausgabe. Auch nicht die Regio-Ausgabe Leipzig vor einem Jahr. Und ich verstehe, wie wütend der Diebstahl und darauf folgend ein Kommentar wie “putzig” macht.
Viele Grüße aus Köln
Thomas
Die müssen solche Mitarbeiter doch speziell suchen oder selber züchten, anders kann man sich diesen moralischen Bodensatz gar nicht erklären. Es ist ja eine Sache,als Schreibttischtäter in seinen Texten Menschen zu erniedrigen, zu beleidigen oder zu verurteilen, zu lügen, zu beschönigen und zu verschweigen, wie es nun mal gang und gäbe bei Springer (und auch anderen) ist. Aber es bedarf schon einer gewissen moralischen Tiefe, das dann auch Aug’ in Aug’ (bzw. Ohr in Ohr) weiterzuführen. Jemanden also direkt ins Gesicht zu lügen, zumal mit dem Wissen, daß der andere sich nicht wehren kann und einem nichtmal was böses wollte.
Wo findet man solches Gesindel? Ich würde mich im Bette umwälzen, wenn ich bei einer solchen Aktion erwischt worden wäre. Es wäre mir über alle Maßen peinlich und ich würde mich für mein Verhalten schämen. Es wäre mir ganz sicher nicht möglich, dieses Verhalten nicht nur nicht zu verteidigen, sondern gar als gut und richtig darzustellen UND im Gegenzug dem eigentlichen Urheber als Bösewicht und Plagiator zu bezeichnen. Meine Fresse, was für abgrundtief verdorbene Menschen leben in diesem Land und werden für sowas noch bezahlt?
Das bekräftigt meine Einstellung beim Umgang mit Journalisten: Erstmal Namen und bisherige Arbeitgeber abfragen, dann eine intensive Google-Recherche machen. Und wenn dabei Springer auftaucht, die Person zum Teufel jagen. Ein “journalistisches” Arbeitsverhältnis bei Springer muß gesellschaftlich geächtet sein. Wer sich in diesem Pfuhl wälzt, braucht nicht auf Gnade hoffen. Ein solches Arbeitsverhältnis muß einem so peinlich sein, daß man sich nicht traut es zu nennen. Und wer dann noch solche Dinger verbricht wie Frau Beilke, hat nicht mal den Welpenschutz eines Voluntärs oder Praktikanten. Solche Personen haben das Prinzip Springer veratmet und sind verdorben für die Zunft. Anständige Medien sollten sich nicht bei Springer infizieren, indem sie deren Brut einen Job geben. Spinger muß einen Einbahnstraße mit Sackgasse für Journalisten werden. Wer sich für diesen Verlag entscheidet, bleibt dort bis zum Ende oder wechselt den Beruf.
Hach, wäre das schön…wird aber nicht passieren
Kleiner Rant am Rande, aber wenn ich sowas lese kommt es mir einfach hoch.
MB
Hi, also ich finde das Verhalten der Bild (nicht nur in diesem Falle) auch sehr beschämend.
Nunja, was ich eigentlich sagen wollte:
Hat die Deutsche Bücherei nicht ein Archiv für alles in Deutschland erschienenen, also auch für Zeitungen? Dort müssten sich also die alten Ausgaben finden lassen.
Aber das bedarf dann schon einiger Arbeit, alle Bildzeitungen durchzugehen. Wenn sich die Dame von der Bild so sicher ist, dass es den Artikel schon gab, sollte sie doch wenigstens in der Lage sein zu sagen, wann der Artikel erschien (falls überhaupt;)).
@Daniel Große
Als Journalist UND studierter Jurist gibt es für mich eigentlich nichts zu deuteln an folgenden Fakten:
- das Verhalten der Bild ist unschön, insbesondere wegen des Kopierens ganzer Textblöcke
- das Verhalten der Bild ist keinesfalls eine Verletzung des Urheberrechts. Denn allgemein öffentliche Fakten zu sammeln allein schafft kein geistiges Werk. Das wäre in etwa, als ob ein Urheberrecht entstünde, weil man in einer Reisereportage schreibt, welche Hotels sich in welcher Stadt befinden. Das kann jeder schreiben, weil es einfach so IST.
Wenn man da noch bedenkt, daß viele große Zeitungen und sogar Redaktionen vom TV (tagesschau,heute usw.) sich auf Bild berufen, wird das Ganze noch erschreckender.
@Rechthaber: Das ist richtig. Nur ist es ja so, dass BILD nicht die Fakten gesammelt hat, sondern aus einer gesammelten Quelle abgeschrieben hat. Das heißt also, alle Dinge, die öffentlich sind und nur noch zusammengetragen werden müssen, unterliegen keinem Urheberrecht? Interessant….
[...] nahe, dass die BILD eine Liste mit den schönsten Rodelbergen Leipzigs zum allergrößten Teil von hier übernommen hat, ohne auf die Quelle zu verweisen, geschweige denn den Autor um Erlaubnis zu [...]
@68
Wenn dem so wäre (“allgemein öffentliche Fakten”), wieso ist dann aber die Abkupferei einen z.B. Lexikons, Wörterbuchs oder Stadtplans trotzdem ein Bruch des Urheberrechts und wird bestraft?
Also wenn DAS alles ist… bei “Paunsdorf/Heiterblick” kann man m.E. nicht von einer “Formulierung” sprechen. Die Bild-Zeitung macht jeden Tag schlimme Fehler, und ganz sicher “klaut” sie auch – aber die Rodelberg-Liste ist dafür kein gutes Beispiel.
Glaub mir, sie ist es. Wenn Du den Artikel richtig gelesen hättest, hättest Du bemerkt, dass es eben nicht nur um diese einzelne Formulierung geht, sondern und die Erwähnung aller Beispiele. Aber egal.
Mal so ganz allgemein gesprochen, ich find den Vorgang schlicht peinlich, aber rechtlich wenig relevant: In Leipzig werden noch ganz andere Dinge ganz anders “gestohlen”. Zum Beispiel scheint es nunmehr (aus Zeitnot?) ein Volkssport bei der Leipziger Volkszeitung zu sein, Ideenkonstrukte oder eben auch ganze Passagen bei “Recherchen” aus dem Netz zu übernehmen. Auch bei der Bild zeigt man sich durchaus “animiert”, so manchem Thema, was nicht sofort mit drei Worten zu beschreiben ist, zu folgen.
Noch sehen sie das Netz als ein schönes Recherchetool für die knapper werdende Zeit im Job.
Beweise für diese Art des “geistigen Diebstahls” gibts genug – nur zicken wir bei der L-IZ.de – als “qualitätsferne Onliner”
nicht rum und nehmen es sportlich und mit einem Lächeln: Ihr wollt eine Idee oder Passagen aus unseren Artikeln übernehmen, ohne zu fragen? – hey kein Problem – wir haben noch drei andere und freuen uns still daran, wie ihr Euch teilweise auch wegen uns ändern müßt – origineller werdet ihr dadurch trotzdem nicht
@Daniel Große: also ärgern wir uns alle im Netz Tätigen einfach nicht weiter und sind wie gewohnt fleissig/qualitätsbewußt, fröhlich und “anders”. Soll Frau Doreen Beilke es doch putzig finden, wenn ihr Horizont bei “das machen wir doch immer so…” endet.
Seit nun fast einem Jahr lese ich persönlich beide “großen” Zeitungen nicht mehr und es war überaus förderlich für die Kreativität – Zeit hats ja auch vorher schon nicht mehr gekostet
Hätte von der Bild-Zeitung auch nichts anderes erwartet! Aber seit einiger Zeit macht sowieso jeder was er will!
LG, Michael
@Michael Freitag: Da magst Du insgesamt recht haben. Allerdings finde ich es gefährlich, keine Zeitungen zu lesen. Ich will als Journalist trotzdem wissen, was so über unsere Stadt geschrieben wird. Und sei es nur, um zu sehen, wer von wem abschreibt.
So gefährlich ist es übrigens nicht, keine Zeitung mehr zu lesen
es hilft sogar hier und da dabei, originalen Gedanken ohne vorverdauten Anteilen einen Platz zu schaffen … Aber lassen wir das … Alles wird schön, bunt und granatenstark …