In den vergangenen Wochen haben wir alle ziemlich geschimpft über die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Uns lustig gemacht über die neue Website, das schlimme PR-Sprech des Marketingchefs und des Pressesprechers. Danach folgte ein Webmontag, auf dem man zumindest Besserung gelobte, wenngleich der Großteil der finanziellen Mittel für die Website aufgebraucht seien. Immerhin: Seit wenigen Tagen ist lvb.de ein wenig bunter geworden und die beleidigenden Piktogramme sind zumindest teilweise verschwunden. Ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Und da wir Webworker und Journalisten grundgute Kerle durch und durch sind, gibt’s heute von mir ein weiteres Lob. Seit heute, den 18. Februar, kann man sich die LVB auch aufs Handy holen. Nicht nur aufs iPhone als App, sondern auch als Anwendung auf quasi jedes modernere Mobiltelefon, das Java unterstützt. Nach einer Testphase für nur wenige iPhone-Nutzer ist es ab sofort für jeden möglich, die Anwendung namens easy.go zu verwenden. Warum sollte man das tun? Ganz einfach: Um unterwegs schnell und sicher an seinen Fahrschein für Bus und Bahn zu kommen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Bildern.

Um an die Anwendung zu kommen, genügt eine SMS mit dem Wort easy an die 82000 (iPhone- und Android-Nutzer gehen dafür in den entsprechenden App Store oder Android Market). Für Kunden von T-Mobile ist diese SMS kostenlos, Kunden aller anderen Anbieter müssen 12 Cent dafür zahlen. Nach dem Versand der SMS erhält der Nutzer eine URL mit dem Downloadlink für die easy.go. Nach dem Klick darauf fragt die Installationsroutine, für welche Region man die Anwendung nutzen will. Standardmässig voreingestellt ist LVB, man kann aber auch HAVAG für die Halleschen Verkehrsbetriebe wählen.


Danach kann die Anwendung heruntergeladen werden. In meinem Fall wurde mein SonyEricsson W890i perfekt erkannt.


Der Download ging flott – dies ist natürlich vom jeweilig verwendeten Netz und der Signalstärke abhängig.


Nach der Installation, die ebenso sehr zügig ging, fragt die Anwendung, ob sie sich starten darf. Aber gern doch. Der Startbildschirm von easy.go zeigt sich aufgeräumt mit den bereits von der Website bekannten Buttons.


Die Menüführung ist logisch. Über dem jeweils selektierten Button wird angezeigt, um welchen Menüpunkt es sich handelt. Eine gute Idee ist die eingeblendete Uhr. So hat man auch während des Kartenkaufs oder der Abfrage von Fahrplänen stets die Zeit im Blick.
Ein Klick auf “Fahrplan” und danach beispielsweise auf “Tram” lässt die Anwendung bei der ersten Verwendung ins Internet gehen, um die Linien zu downloaden. Wählt man später diesen Menüpunkt erneut, werden die Linien aus dem Speicher geladen. Das gleiche funktioniert bei Buslinien.

Nach Klick auf “Tram” sieht man dieses Bild:


Eine Liste mit allen Tramlinien wird angezeigt, die man beliebig scrollen kann. Ich habe mich für Linie 13 entschieden, wähle diese aus und klicke danach auf Richtung Knautkleeberg. Wieder wird eine Liste angezeigt, diesmal die Haltestellen vom Start bis Ziel.


Auch das Suchen nach bestimmten Haltestellen ist natürlich möglich. Und hier passiert etwas, das ich bei mobilen Applikationen bislang noch nicht kannte: Das Vorschlagen von Suchergebnissen während des Tippens, das man aus dem Netz bereits kennt, funktioniert auch hier. Zumindest für mich war das neu und ich freute mich, dass dies so gut klappt.


Als nächstes wollte ich eine Fahrkarte kaufen. Ich wählte mein Ziel. Von der Endstelle der 13 in Taucha zum Hauptbahnhof:


Anhand meiner Wunsch-Abfahrtszeit um 10 Uhr fand easy.go auch Verbindungen, die dazu passen. Ich wählte die Abfahrt um 10.05 Uhr. Die Anwendung zeigt, der Weg dauere 24 Minuten und ich muss nicht umsteigen. Prima.


Nach der Auswahl dieser Verbindung wurden mir die Haltestellen auf meinem Weg angezeigt, nebst einem Button zum Kauf der Tickets.


Jetzt nur noch auswählen, welche Fahrkarte man braucht (mehrere Tickets können scheinbar nicht auf einmal gekauft werden).


Kurz vor dem Kauf:


Nachdem der Benutzer “Kaufen” gedrückt hat, bekommt er sofort eine SMS vom Netzbetreiber mit dem Hinweis, dass der jeweilige Betrag belastet wurde und mit der nächsten Rechnung fällig ist. Bevor man sein Ticket kaufen kann, ist jedoch eine einmalige Registrierung des Handys innerhalb der App nötig. Dazu wählt man im Startmenü den Menüpunkt “Fahrkarte” und wird dann durch die Registrierung geführt. Dafür ist es erforderlich, ein Passwort zu wählen. Dieses darf offenbar nur vierstellig sein. Darauf hingewiesen wird der Benutzer jedoch nicht.

Nach dem Kauf des Tickets erscheint dieses sofort in der Übersicht “Meine Fahrkarten”. Diese virtuellen Fahrkarten muss man dem Kontrolleur auch zeigen. Dafür kann es nötig sein, dass der Kontrolleur zur besseren Einsichtnahme das Mobiltelefon des Fahrgastes in die Hand bekommt. Diesem Vorgang stimmen Benutzer von easy.go ausdrücklich zu. Mehr dazu steht in den FAQ auf der Website oder in den neuen AGB der LVB (PDF) für easy.go.

Technisch umgesetzt hat die mobile Anwendung das Jenaer IT-Unternehmen the agent factory. Meiner Meinung nach eine solide Applikation, die gerade mir als Quasi-Nicht-Straßenbahnfahrer die Möglichkeit gibt, schnell ein Ticket zu kaufen, wenn ich doch mal eins benötige, ohne die Tarifstruktur kennen zu müssen. Von mir gibt’s alle zehn Daumen hoch.