von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
22.
02.
2010
13:12
Im Mai 2008 warnte ich bereits schon einmal vor dem “Gelben Branchenbuch”, das auf gelbesbranchenbuch.com eine Website bereitstellt, die vorgibt, eine Branchenauskunft zu sein. Um die dort zu findenden Einträge in bezahlte Premium-Einträge zu wandeln, versandte der Betreiber, die Ucalegon Ltd., per E-Mail Korrekturabzüge, die man nur kontrollieren und zurückfaxen solle. Wer hier nicht aufpasste, in der Annahme, es handele sich um einen wirklichen Korrekturabzug der richtigen Gelben Seiten, wurde schnell viel Geld los: 780 Euro jährlich bei einer Laufzeit von zwei Jahren, zahlbar im Voraus. Eine Gegenleistung, die diese Summe rechtfertigen würde, gab es nicht. Im Gegenteil: Die Website ist ständig nicht erreichbar, Suchabfragen führen ins Nichts oder dauern ewig. Die Verantwortlichen haben so ihre Probleme mit dem Zend Framework.
Jetzt, im Februar 2010, gibt es offenbar eine neue Welle vom Gelben Branchenbuch. Wieder werden mittelständische Firmen, Freiberufler und offenbar, wenn ich meinen Website-Statistiken Glauben schenken darf, auch börsennotierte Unternehmen angeschrieben. Die Masche ist die Gleiche. Das Gelbe Branchenbuch teilt in der Mail mit, man informiere “gemäß §33 des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes” über den Eintrag im “Gelben Branchenbuch 2010/2011″. Dass es sich dabei nicht etwa um ein Druckerzeugnis, sondern nur um eine schlecht gemachte Website handelt, darauf geht der Versender in der Mail nicht ein. Danach folgen einige Angaben zur Firma, bei der entweder Faxnummer oder Internetadresse fehlen. Außerdem bittet man um Prüfung des Anhangs, den man “gegebenenfalls retournieren” solle.
Der Anhang ist ein PDF-Dokument, auf dem unter der Überschrift “Eintragungsantrag” die Daten des einzutragenden Unternehmens wiederholt werden. Außerdem wird rechts daneben eine Laufzeit angegeben, die zwei Jahren entspricht. Auch in der darunter Leistungsbeschreibung ist von zwei Jahren Laufzeit die Rede. Der Preis blieb stabil: 65 Euro im Monat, sprich 780 Euro im Jahr. Eine Kündigung sei drei Monate vor Ablauf des Vertragszeitraumes schriftlich möglich. Außerdem wird hier die Domain gelbesbranchenbuch.com als Veröffentlichungsmedium für den Eintrag genannt. Allerdings kann sich, so ist zu lesen, die “Internetveröffentlichungsdomain” auch ändern. Heißt: Die Firma, die gelbesbranchenbuch.com betreibt, kann von heute auf morgen die Domain dicht machen und die gesammelten Daten unter einer anderen Website veröffentlichen. Auch steht in der Leistungsbeschreibung, dass der Auftragnehmer berechtigt ist, die Forderungen ganz oder teilweise an Dritte abzutreten. Heißt: Wer zahlen muss, bekommt möglicherweise von so genannten Factoring-Firmen seine Rechnung. Zu beachten ist auch: Wie bereits 2008 steht in dem PDF-Dokument, dass tschechisches Recht gilt und der Gerichtsstand Prag ist.
Vertragspartner ist die so genannte GBB Ltd., die ihren Sitz in Majuro auf den Marshall Islands im Nordpazifik hat. War mir neu, dass die Marshall Islands zu Tschechien gehören – oder wieso glaubt diese Unternehmen, tschechisches Recht anwenden zu können?
Wir halten also fest: War es 2008 noch die Ucalegon Ltd. mit Sitz in Bangkok, die diese Schreiben verschickte, ist es heute die GBB Ltd. mit Sitz in der Hauptstadt einer idylischen Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Was allerdings verwundert: Im PDF-Dokument sind noch immer Spuren der Ucalegon Ltd. zu finden. Der Firmenname steht in den Meta-Daten bei “Verfasser” bzw. “Author”. Auch wurde offensichtlich vergessen, den Titel des PDFs zu ändern. Hier steht immer noch “Unser Angebot 2009″. Ob das nun heißt, dass die Ucalegon Ltd. noch immer für den Versand der “Angebote” verantwortlich ist, weiß ich nicht.
Was allerdings sicher ist: Dieses PDF-Dokument sollte man natürlich NICHT an die genannte Faxnummer mit Frankfurter Vorwahl senden. Denn was dann folgt, ist eine Rechnung über die genannten 780 Euro jährlich bei Laufzeit von zwei Jahren, sprich also 1560 Euro bzw. 1856,40 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) bei quasi nicht vorhandener Gegenleistung. Denn selbst, wenn die Website gelbesbranchenbuch.com mal wider Erwarten funktioniert: Die Daten vieler Firmen stehen längst drin, auch ohne Abzock-Eintragung zu überhöhten Preisen.
Update: Einen guten Eindruck von der Seriosität der Website gelbesbranchenbuch.com bekommt man übrigens auch, wenn man sich den Quelltext der Website anschaut. Dort wird auf eine CSS-Datei gelinkt, die sich offenbar im Verzeichnis “versautesschlafzimmer” befindet.
Update II: Wenn ich oben schrieb, “die Daten vieler Firmen stehen längst drin”, dann heißt das natürlich nicht, dass das Gelbe Branchenbuch ein ernst zu nehmendes Verzeichnis wäre. Im Gegenteil. Die Suche nach zum Beispiel “Malermeister” in Leipzig bringt gerade mal drei Treffer – bei gelbeseiten.de sind es 128. Ich wollte es gerade gern noch mit “Schlüsseldienst” versuchen, aber gelbesbranchenbuch.com ist schon wieder nicht erreichbar, bzw. produziert PHP-Fehler, so wie auch beim Bestellvorgang eines Premium-Produktes.
Update III: Auch in Österreich ist das Gelbe Branchenbuch weiterhin aktiv. Dort sind es laut OTS gleich drei Jahre, die man sich binden soll. Schreiben, die an österreichische Firmen gesandt werden, tragen offenbar noch die Ucalegon Ltd. als Absender. Zudem teilt der Herausgeber der Pressemitteilung, die Herold Business Data GmbH, meinen Eindruck, dass das Gelbe Branchenbuch ein fehlerhaftes bzw. unvollständiges Verzeichnis ist.
Update 23. Februar: Die Ucalegon Ltd. hat auf die Pressemitteilung des “Herold” reagiert. Mit einer launischen Gegenerklärung.
Update 25. Februar: Die genannte Pressemitteilung der Ucalegon ist nicht mehr auf news4press.com und firmenpresse.de zu finden. Offenbar hat der Herold die Löschung verlangt.
Update 27. Februar: Unglaublich. gelbesbranchenbuch.com hat ein Update erfahren. Ein neues Design, neuer technischer Hintergrund und bessere Suchergebnisse. Nach wie vor aber ohne Impressum und klare Angabe, an welche E-Mail-Adresse das Kontaktformular gesendet wird. Zudem sei nun ein Eintrag zum Null-Tarif möglich. Am Button “Jetzt buchen” ist ein Sternchen zu sehen. Erklärt wird dieses Sternchen nirgends. Dafür scheinen die Programmierer Humor zu haben. Und Ostdeutsche zu sein. Das Hintergrundbild zum “kostenlosen Basiseintrag” wurde nach der DDR-Fernsehserie “Du und Dein Garten” benannt. Nach wie vor muss allerdings gesagt werden: Wie das Gelbe Branchenbuch versucht, an Premium-Kunden zu kommen, ist unlauter und unseriös. Ob 65 oder 99 Euro für die gebotenen Leistungen angemessen sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Update 1. März 2010: Nun gibt es auch ein Impressum. Herausgeber des Gelben Branchenbuches ist demnach eine MCP Holding Ltd. aus Belize in Südamerika. Zudem suchen die Verantwortlichen jetzt nach den fünf besten Antworten auf die Frage, warum ihr Produkt besser ist als die Konkurrenz. Unfassbar, die nehmen sich tatsächlich sehr ernst.
20 Kommentare für "Gelbes Branchenbuch: Neue Abzock-Welle"
Vielen Dank für diese ausführliche Info, die ich durch den Existenzgründerverein vfe-kelkheim bekam und nach einem entsprechendem Link googelte. Ich werde diesen Link an meine örtliche IHK weiterleiten, um dies so gut wie möglich zu verbreiten.
Hoffentlich tun das auch viele andere.
mr-pommeroys
Nix zu Danken, Mr Pommeroys. Viele Grüße an Miss Sophie.
IHK Wiesbaden , Dihk und Ahk wurden mit Mails informiert wie versprochen ! Und auf Twitter.
Nun fehlen noch alle restlichen IHK-Städte der noch hoffentlich vielen folgenden Leser !!!
Grüße mr-pommeroys
[...] Quelle: danielgrosse.com / Zum Artikel [...]
[...] Gelbes Branchenbuch: Neue Abzock-Welle » GROSSE WORTE (tags: internet) [...]
[...] habe ich nun auch einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung veröffentlich. Neben bereits bekannten Fakten finden sich hier auch Zitate der IHK Leipzig und von [...]
[...] Nach eine Google Suche zu dem Thema bin ich über einen kleinen Umweg auf den Blog von Daniel Große gestoßen, der den kompletten Sachverhalt schon sehr schön beschrieben hat: Gelbes Branchenbuch: Neue Abzock-Welle [...]
Ich hab diese Mail diese Woche zum zweiten Mal bekommen, da ich im Februar nicht reagiert habe.
Zum Teil enthält sie falsche Angaben, zum Teil völlig veraltete.
Besonders hinterhältig finde ich diesen Satz:
“Wir bitten Sie freundlichst, die Daten zu überprüfen sowie den Anhang und diesen gegebenfalls an uns per Fax zurückzusenden.”
Ich bringe mal schnell meine Daten auf den aktuellen Stand und wenn ich das Kleingedruckte nicht lese, habe ich in 3 Minuten knapp 2000€ ausgegeben.
Ach mano—- wie heißt den das wenn bei manchen Firmen die server zusammenbrechen vor einer Email Flut.
leider kann ich sowas nicht.
Das scheint eine ähnliche Masche zu sein wie die der Fa. regio design s.r.o. aus Tschechien, die Faxe verschickt und Broschüren mit Werbeanzeigen verkaufen will. DEinen Auftragsbestätigung wird versprochen, kommt aber nie. Damit ja keiner auf die Idee kommt doch noch zu widerrufen. Kostenmäßig wird richtig zugelangt: Der Auftrag, wie aber nur im kleingedruckten zu lesen ist, läuft über zwei Jahre und ist unkündbar. Die viermalige AUsführung der Broschüre innerhalb diese zwei Jahre soll jeweils 990 € kosten. Die IHK und auch die Aussenhandelskammer beurteilt die Firma als hochgradig unseriös, da die Kostenstruktur verschleiert wird. Also: Bloss nicht machen!!!
Hallo!
Auch wir haben heute diese Mail wiedermal erhalten.
Also, nachdem ich dieses Weblog hier fand, habe ich auch mal versucht, in diesem ominösen Branchenbuch irgendwas aus unserem Umkreis zu finden, so mal rein interessehalber. Das Ergebnis war eher … sagen wir mal erschütternd. Dort sind Firmen aufgeführt, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, naja, wenn denen auf Belize das aber auch keiner sagt!
Hat schonmal jemand versucht, sich vom Mailverteiler über den benannten Link abzumelden?
Wenn ja, mit welchem Erfolg? Noch mehr unseriöse Mails erhalten?
Ist ja fast so schön wie die Lotteriegewinne aus Spanien…
LG
Nanny
Sicher kommt dann noch mehr Müll. Ich würde nie solche Abmeldelinks klicken.
Hallo,
haben Sie Kenntnis darüber, ob Ucalegon die durch eine Inkassogesellschaft namens Feigenbaum & Stern Ltd., Hongkong, angekündigten gerichtlichen Verfahren in Prag auch tatsächlich führt? Es kommen massive Drohschreiben mit einer Vielzahl angeblicher Entscheidungen in Prag und in Deutschland.
VG
A.
Ja, das genannte Inkassounternehmen ist für die Ucalegon bzw. die verbundenen Partner”verlage” tätig. Ob die Forderungen tatsächlich durchgeboxt werden, weiss ich nicht. Jemand von den Betroffenen hier vielleicht?
Hallo,
auch ich habe die Mail über einen Eintrag bei Gelbes Branchenbuch erhalten.
Allerdings gibt es jetzt im März eine Nachfassaktion mit Frist zur Abgabe des PDF-Dokuments bis zum 15.04.10.
- Also weiterhin “Finger weg von der dubiosen Branchenbuch!”.
Gruß
Reinhard Ferber
hallo,
wollte hier nur mal bekannt geben,dass ich 2008 darauf reigefallen bin (wie kann man nur so blöd sein).mal wieder stress im büro kam ein anruf von gelbe seiten (nicht gelbes branchenbuch)wir faxen ihnen ein formular bitte unterschreiben und zurück faxen.habe es kurz übersehen mit im auftrag unterschrieben und gefaxt.am gleichen tag schriftlich wiederrufen.erst kamen mahnungen (feigenbaum stern global debt collection).heute kam ein vergleichsangebot über ca die hälfte der summe. letzte woche kam eine email vom gelben branchenbuch mit der gleichen aufforderung wie 2008.
[...] Sachen Gelbes Branchenbuch scheinen sich neue Entwicklungen abzuzeichnen. Heute erhielt ich einen Anruf eines Münchner [...]
Wir sind auch reingefallen. Da auch wir viel zu spät gesehen haben, dass sich im Kleingedruckten die Summe für das Angebot befindet, haben wir unsere Daten korrigiert. Ein paar Tage später haben wir widerrufen, denn wir wollten das Angebot nicht. Angeblich sei der Widerruf für uns als Unternehmer jedoch nicht rechtens. Ein sog. Dr. Peter Habenforth wedelt mit Paragraphen um sich und droht mit Eintrag ins Schuldnerverzeichnis etc.
Das Unternehmen ist wirklich unseriös! Finger weg!
Hat jemand schon einmal eine Klage gegen die gewonnen?
[...] Achtung! Neue Welle in 2010. Bitte Hinweise und Updates lesen. [...]
An alle, die hier nach Dr. Habenforth suchen! Ich bin an Eurer Geschichte interessiert. Bitte mailt mir (Kontakt siehe hier. Was ist Euch/Ihnen passiert? Wie versuchen die “Macher” hinter Das Gelbe Branchenbuch, an Ihr Geld zu kommen? Danke!
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