Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for March, 2010

Richtig schön anders

Wir befinden und im März 2010. Ganz Radiosachsen versinkt im Einheitsbrei, leidet unter Einfallslosigkeit und claimt sich zu Tode*. Ganz Radiosachsen? Nein. Ein kleiner, tapferer, von unbeugsamen Radiomachern besetzter Sender macht das, was ein Radiosender tun sollte: Radio. Authentisch, unterhaltsam und nah am Hörer.

Seit etwa zwei Wochen läuft bei R.SA Sachsen eine Aktion, die aufhorchen lässt. Alles begann mit den Digedags, jenen Helden aus dem DDR-”Comic” MOSAIK. Die Morgenmoderatoren Thomas Böttcher und Uwe Fischer riefen die Hörer auf, ihre Lieblingsausgabe zu wählen. Ob es nun glückliche Fügung war oder nachgeholfen wurde, dass Ausgabe 154 mit dem Schaufelraddampfer-Rennen als Favorit hervorging, sei mal dahingestellt. Jedenfalls machten die BöFis aus dieser Geschichte eine weitere. Für die Sächsische Dampfschifffahrt arrangieren sie nun ein Schaufelraddampfer-Rennen auf der Elbe. Am 1. April tritt der Dampfer “Stadt Wehlen” gegen den Dampfer “Pirna” an. Auf der Elbe in Dresden, die für diese Veranstaltung eigens gesperrt wird.

Die Vorbereitungen zu diesem Rennen werden quasi minütlich in der Morningshow der BöFis dokumentiert. Da rufen DLRG und Wasserschutzpolizei an, melden sich ehemalige Mitarbeiter der Weißen Flotte und jetzige Mitarbeiter der Sächsischen Dampfschifffahrt. Da wollen anfangs hunderte auf Böttchers Dampfer mitfahren und niemand beim Fischer. Da wird eine Gallionsfigur für Böttchers Schiff gesucht – und gefunden. Und da spielt, wie heute Morgen, eine Dixieland-Band live im Studio, um schonmal eine Kostprobe dessen zu geben, was auf Fischers Schiff am 1. April zu hören sein wird.

Die Eigendynamik, die das Ganze nimmt, und die man förmlich am Radio spüren kann, ist genau das, wofür Radio gemacht wurde. Das ist Kino im Kopf, man lacht mit und nicht über die Moderatoren. Dass das Ganze eine verkaufte Geschichte ist – die Sächsische Dampfschifffahrt ist ein Kunde von R.SA – mag Geschmäckle haben. Allerdings zeigt die Aktion, wie kreativ heutzutage mit Kundenwünschen im Radio umgegangen werden kann. Ohne nervige Spots, ohne peinliche Aktionen. Und wie man gleichzeitig tausende am Radio unterhalten und für eine Sache begeistern kann.

“Richtig schön anders” ist eine der eigenwilligen Übersetzungen des Kürzels R.SA (, für das es keine wirkliche Entsprechung gibt). Eine Übersetzung, die auch von Hörern stammt. Ich glaube allerdings nicht, dass R.SA anders ist. Nein, R.SA ist sich nur der wesentlichen Aufgabe eines Radiosenders treu geblieben. Die Hörer ernst zu nehmen und Radio für die “Leute da draußen” zu machen. Werte, derer sich so mancher Programmchef in Deutschland endlich wieder annehmen sollte.

*) Natürlich war das keine Generalkritik an allen anderen sächsischen Sendern. Es gibt bei jeder Station Elemente, die erwähnungswürdig und gut umgesetzt sind. Die Einleitung hat lediglich dramaturgische Gründe. :-)

Kartelle und Karusselle

Das Thema Gewinnspielclubs und die damit verbundene Verbraucherabzocke beschäftigt mich ja seit längerem. Ich bin damit natürlich nicht allein. Zahlreiche andere Websites, Blogs und auch Fernsehredaktionen versuchen, die wahren Hintergründe der Strukturen von Firmen wie Winexpress, Deutsche Gewinngarantie und so weiter zu ergründen. Jetzt wurde ein viel versprechendes Blog ins Leben gerufen. Unter http://betrugskartell.blogspot.com/ wollen ehemalige und jetzige Mitarbeiter des so genannten “Wiener Karussells” diverse Enthüllungen veröffentlichen. Die erste “inhaltsschwere” Veröffentlichung soll am Sonnabend, den 27. März getätigt werden. Dann wollen die Initiatoren Teile der Netzwerkstruktur offenlegen. Dürfte interessant werden.

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  • Filed under: Mediales
  • Bürgerkrieg in Leipzig: “Ganze Straßenzüge vernichtet”

    Heute und morgen läuft auf Sat.1 “Die Grenze“. Angeblich ein TV-Event, das Deutschland spalten wird. Der Trailer regt zumindest bereits zum Nachdenken an. Ebenso wie eine Umfrage auf dem Leipziger Augustusplatz. Zentrale Fragen: “Glauben Sie, dass in Deutschland ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte?” und “Wird es durch Deutschland wieder eine Grenze geben?” Spannende Antworten.

    Recht weit vorn

    “Beim Thema blöde Witze bin ich ja recht weit vorn”, schreibt Freund und Kollege Thomas Gigold im AMI-Blog-Artikel über den Dacia Duster. Es ist einer der ersten Artikel für die AMI Auto Mobil International, die wir mittlerweile im vierten Jahr mit einem Weblog betreuen. Thomas’ Artikel zeigt eins ganz deutlich: Wir leben Blogs. Und nehmen uns selbst gern auf die Schippe. Trotzdem bleiben wir immer dem Thema treu und sind nah am Leser. Ich glaube, in von uns betreuten Messeblogs spürt man dies ganz deutlich.

    In diesem Jahr wollen wir von Autobloggern und Persönlichkeiten wissen, welches Auto ihr erstes war. Denn im Jubliäumsjahr – die AMI wird 20 – dreht sich alles um die Liebe zum Auto. Den Anfang habe ich mit einem Artikel über meinen Toyota Starlet und dessen tragisches Ende gemacht. Außerdem wollen wir zurückblicken auf 20 Jahre AMI und 20 Jahr automobile Geschichte. Unter anderem werden die besten Autos 1991 in einer Umfrage ermittelt. Und wir wollen die schönsten und verrücktesten Fotos der AMI-Besucher aus den letzten 20 Jahren sehen. Dazu gibt’s natürlich alle Premieren und das wichtigste rund um AMI, die Werkstattmesse AMITEC und die neue AMICOM, die sich der Elektronik im Auto widmet.

    Und wenn’s passt, werden wir auch weiter blöde Witze reißen.

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  • Filed under: Lokales, Mediales, Persönliches, Werbliches, Wirtschaftliches
  • Teurer Eintrag ins Branchenbuch

    Zum Gelben Branchenbuch habe ich nun auch einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung veröffentlich. Neben bereits bekannten Fakten finden sich hier auch Zitate der IHK Leipzig und von DeTeMedien.

    Teurer Eintrag ins Branchenbuch

    IHK Leipzig warnt vor Angebot einer ausländischen Firma / Gelbe-Seiten-Herausgeber prüft rechtliche Schritte

    Zahlreiche Unternehmer haben in den vergangenen Tagen eine E-Mail erhalten, die teure Folgen haben kann. Unter dem Betreff “Ihr Eintrag im Branchenbuch 2010/2011″ bittet eine Firma um Bestätigung der Daten und Rücksendung an eine Frankfurter Faxnummer. Wer dieser Bitte nachkommt, dessen Unternehmensangaben stehen dann allerdings nicht in den bekannten Gelben Seiten der Deutschen Telekom, sondern auf einer weitgehend unbekannten Internetseite. Kostenpunkt: 780 Euro jährlich bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren.

    Die Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) beurteilt das Angebot skeptisch. Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann spricht von “dubiosen und unseriösen Eintragungsofferten”. Zahlreiche Mitgliedsunternehmen hätten sich über das Branchenbuch und die Verantwortlichen beschwert.

    Wer bereits unterschrieben hat, dürfte den geschlossenen Vertrag mit der GBB Limited, die laut eigenen Angaben auf den Marshallinseln sitzt, nur schwer wieder los werden. Die GBB gibt als Gerichtsstand Prag an. Auf der Internetseite finden sich weder Impressum noch Kontaktmöglichkeit. Wer genau hinter dem Angebot steckt, lässt sich nicht herausfinden.
    Vor zwei Jahren war die Ucalegon Limited aus Bangkok Anbieter des Gelben Branchenbuchs. In den aktuell versendeten Schreiben findet sich dieses Unternehmen wieder: Als Autor des PDF-Dokumentes ist die Ucalegon vermerkt. Zudem bestehen laut Aussage geschädigter Unternehmer Verbindungen zu einem internationalen Inkassobüro mit Geschäftsstellen in Hongkong, Prag, Panama und Johannesburg.

    “Leider kann man derartiger Machenschaften nur schwer habhaft werden”, sagt Hofmann. “Wir können nur immer wieder an die Unternehmen appellieren, derartige Angebote mit Angaben wie einem exotischen Firmensitz oder einem fehlenden Impressum vor Unterschriftsleistung genau unter die Lupe zu nehmen und bei Zweifeln nach der Prüfung die Finger davon zu lassen.”

    Tatsächlich lohnt sich ein genauer Blick. Wie Stichproben dieser Zeitung ergaben, sind die Suchergebnisse auf der Internetseite www.gelbesbranchenbuch.com veraltet oder fehlerhaft. In Großstädten werden in vielen Branchen nur sehr wenige Einträge gefunden. Zudem ist die Internetseite entweder sehr langsam oder nicht zu erreichen. Bei der Recherche nach Einträgen werden dem Nutzer sehr oft kryptische Fehlermeldungen präsentiert.

    Die Deutsche Telekom Medien (DeTeMedien), die in Deutschland Telefon- und Branchenbücher herausgibt, sieht die Branchenbuch-E-Mails als Verletzung der Markenrechte an “Gelbe Seiten” und der Farbe Gelb, wie Markenmanager Michael Hein sagt. “Leider sehen wir uns häufig damit konfrontiert, dass dritte Unternehmen sich an die Bekanntheit und den guten Ruf unseres Produktes anzulehnen versuchen. Er kündigte an, dass die Telekom “alle gebotenen rechtlichen Schritte” einleiten werde, “um die entsprechenden Aussendungen zu stoppen”.

    Fachleute raten Firmeninhabern, die sich dennoch für einen kostenpflichtigen Eintrag interessieren, dass sie Reichweite und Zielgruppe eines Branchenverzeichnisses klären sowie den Herausgeber fragen, ob die Auflistung auch in gedruckter Form erscheint. Leipziger Unternehmer, die sich unsicher sind, können sich an die Rechtsabteilung der IHK Leipzig wenden.

    Erschien am 5. März 2010 in der Leipziger Volkszeitung.


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