von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
05.
03.
2010
10:49
Zum Gelben Branchenbuch habe ich nun auch einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung veröffentlich. Neben bereits bekannten Fakten finden sich hier auch Zitate der IHK Leipzig und von DeTeMedien.
Teurer Eintrag ins Branchenbuch
IHK Leipzig warnt vor Angebot einer ausländischen Firma / Gelbe-Seiten-Herausgeber prüft rechtliche Schritte
Zahlreiche Unternehmer haben in den vergangenen Tagen eine E-Mail erhalten, die teure Folgen haben kann. Unter dem Betreff “Ihr Eintrag im Branchenbuch 2010/2011″ bittet eine Firma um Bestätigung der Daten und Rücksendung an eine Frankfurter Faxnummer. Wer dieser Bitte nachkommt, dessen Unternehmensangaben stehen dann allerdings nicht in den bekannten Gelben Seiten der Deutschen Telekom, sondern auf einer weitgehend unbekannten Internetseite. Kostenpunkt: 780 Euro jährlich bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren.
Die Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) beurteilt das Angebot skeptisch. Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann spricht von “dubiosen und unseriösen Eintragungsofferten”. Zahlreiche Mitgliedsunternehmen hätten sich über das Branchenbuch und die Verantwortlichen beschwert.
Wer bereits unterschrieben hat, dürfte den geschlossenen Vertrag mit der GBB Limited, die laut eigenen Angaben auf den Marshallinseln sitzt, nur schwer wieder los werden. Die GBB gibt als Gerichtsstand Prag an. Auf der Internetseite finden sich weder Impressum noch Kontaktmöglichkeit. Wer genau hinter dem Angebot steckt, lässt sich nicht herausfinden.
Vor zwei Jahren war die Ucalegon Limited aus Bangkok Anbieter des Gelben Branchenbuchs. In den aktuell versendeten Schreiben findet sich dieses Unternehmen wieder: Als Autor des PDF-Dokumentes ist die Ucalegon vermerkt. Zudem bestehen laut Aussage geschädigter Unternehmer Verbindungen zu einem internationalen Inkassobüro mit Geschäftsstellen in Hongkong, Prag, Panama und Johannesburg.
“Leider kann man derartiger Machenschaften nur schwer habhaft werden”, sagt Hofmann. “Wir können nur immer wieder an die Unternehmen appellieren, derartige Angebote mit Angaben wie einem exotischen Firmensitz oder einem fehlenden Impressum vor Unterschriftsleistung genau unter die Lupe zu nehmen und bei Zweifeln nach der Prüfung die Finger davon zu lassen.”
Tatsächlich lohnt sich ein genauer Blick. Wie Stichproben dieser Zeitung ergaben, sind die Suchergebnisse auf der Internetseite www.gelbesbranchenbuch.com veraltet oder fehlerhaft. In Großstädten werden in vielen Branchen nur sehr wenige Einträge gefunden. Zudem ist die Internetseite entweder sehr langsam oder nicht zu erreichen. Bei der Recherche nach Einträgen werden dem Nutzer sehr oft kryptische Fehlermeldungen präsentiert.
Die Deutsche Telekom Medien (DeTeMedien), die in Deutschland Telefon- und Branchenbücher herausgibt, sieht die Branchenbuch-E-Mails als Verletzung der Markenrechte an “Gelbe Seiten” und der Farbe Gelb, wie Markenmanager Michael Hein sagt. “Leider sehen wir uns häufig damit konfrontiert, dass dritte Unternehmen sich an die Bekanntheit und den guten Ruf unseres Produktes anzulehnen versuchen. Er kündigte an, dass die Telekom “alle gebotenen rechtlichen Schritte” einleiten werde, “um die entsprechenden Aussendungen zu stoppen”.
Fachleute raten Firmeninhabern, die sich dennoch für einen kostenpflichtigen Eintrag interessieren, dass sie Reichweite und Zielgruppe eines Branchenverzeichnisses klären sowie den Herausgeber fragen, ob die Auflistung auch in gedruckter Form erscheint. Leipziger Unternehmer, die sich unsicher sind, können sich an die Rechtsabteilung der IHK Leipzig wenden.
Erschien am 5. März 2010 in der Leipziger Volkszeitung.
3 Kommentare für "Teurer Eintrag ins Branchenbuch"
Ich hab’ kürzlich erst 2 dicke Wälzer von ~’96 entsorgt. (URLs und eMail-Adressen in gedruckter Form, ja, sowas hat’s tatsächlich mal gegeben (á 60 DM…und nie wirklich ‘reingesehen).
Der erste hat noch “Yellow pages of…” geheißen, beim zweiten hat man “Yellow” durch “Y…” ersetzt gehabt.
“Verletzung der Markenrechte an «Gelbe Seiten» und der Farbe Gelb” – so hat sich der Markenmanager (was es nicht alles gibt) tatsächlich ausgedrückt? Bei der in der BRD eingetragenen Marke “Gelbe Seiten” könnte (Stichwort generischer Begriff) man vielleicht noch mitgehen, aber selbst bei Magenta hat sich das damalige Urteil nicht auf die Farbe generell, sondern auf den Zusammenhang zum eigentlichen Produkt bzw. Markenauftritt bezogen.
Nicht, daß Hühner fürderhin nur noch ohne Eigelb legen dürfen.
Natürlich könnte man der hinter dem GBB stehenden dubiosen Fa. unterstellen, sie wollten von der Bekanntheit der GS profitieren. Allerdings ist die Farbe Gelb nun mal seit jeher diese Farbe für einschlägige Verzeichnisse (m.W. aus der Historie, weil auf ungebleichtem gelblichem Papier gedruckt worden ist).
Ja, so hat er sich wirklich ausgedrückt. Ich nehme an, er meinte es auch im Zusammenhang mit dem eigentlichen Produkt. Das Gelb ist ja nichtmal identisch, soweit ich gesehen hab.
Also wenn die Simpsons in D plötzlich nicht mehr gelb sein dürfen, werd’ ich aber stinksauer.
← Achtung, gelbes Smiley.
Kommentar hinterlassen? Bitteschön!
Aber bitte beachten: Dein erster Kommentar auf diesem Blog ist nicht sofort für alle sichtbar. Aufgrund des hohen Spamaufkommens habe ich mich dazu entschlossen, neue Kommentatoren zu moderieren. Die Freischaltung kann mehrere Stunden oder Tage in Anspruch nehmen. Werbliche Kommentare, speziell von Möchtegern-SEOs mit MFA-Seiten sind nicht erwünscht. Als Name ist immer Vor- und/oder Nachname bzw. der Nickname zu verwenden. Keywords, die offensichtlich nur dem Suchmaschinenranking dienlich sind, werden nicht akzeptiert.