Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Kulturelles’ Category

Taucha. Katharina und Natascha Wiegräbe hatten es sich so schön vorgestellt: Eine Adventsrallye sollte die Tauchaer wieder in die Innenstadt und damit in die Geschäfte locken. In 24 Geschäften gilt es, verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Als Dank dafür gibt es einen Stempel auf eine Teilnahmekarte. Eben jene Teilnahmekarten würden auch mitgenommen, sagt Anke Kauffmann, Inhaberin der Buchhandlung Leselaune. Der Rücklauf an abgestempelten Exemplaren lasse aber auf sich warten. „Es kommen immer mal Kinder vorbei, ausgefüllte Karten habe ich aber noch nicht“, sagt sie. Immerhin: Vier selbst gebastelte Weihnachtskarten hängen bereits in ihrem Geschäft. „Das ist die Aufgabe, die es zu bewältigen gilt, wenn man einen Stempel von uns will“, sagt sie und hofft: Vielleicht passiert ja in dieser Woche noch etwas.
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Langweiliger Experte entpuppt sich als Zauberer

Einem ungewöhnlichen Vortrag lauschten jetzt die Mitglieder der CKV Business Group im Da Capo. Der Verbund von Händlern für Kassensysteme feierte sein 30-jähriges Bestehen im Plagwitzer Oldtimermuseum. Die betreuende Leipziger Agentur Heimrich & Hannot hatte einen Experten vom Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft eingeladen. Was die 100 Gäste dann von Thomas Fraps zu hören bekamen, war ein staubtrockener Vortrag zum Kassenwesen. Der Doktor zeigte vollgepackte Diagramme, verwendete wirre Fachbegriffe und war kurz davor, seine Zuhörer einzuschläfern.

Eine Wendung bekam seine Rede allerdings, als das Mikrofon aussetzte und Funken schlug. Plötzlich wandelte sich Fraps’ Vortrag zur Zaubershow mit komödiantischen Einlagen. Und schnell war klar: Der angebliche Doktor ist keiner. In Wirklichkeit tourt Fraps als falscher Experte mit seinem Zauberprogramm durch Deutschland und unterhält sein Publikum auf stets die gleiche Weise. „Ich zaubere seit meinem 16. Lebensjahr und wollte schon immer etwas anderes machen als diese bloße Abfolge von Tricks, die jeder schon kennt“, so der 40-Jährige. Völlig unbeleckt im Bereich der Technik ist er aber nicht – immerhin hat Fraps ein Diplom in Physik vorzuweisen. „Ich weiß halt gern, welche Gesetze ich da jeden Abend auf der Bühne außer Kraft setze.“

Erschien in der Leipziger Volkszeitung vom 08. Dezember 2007.

Unterhalt für die Eltern

Unterhalt ist so eine Sache. Wer Kinder in die Welt setzt, muss für sie sorgen, das ist klar. Tausende Deutsche sind Eltern, ohne dass ihre Kinder bei ihnen wohnen. Für die wird natürlich Unterhalt fällig. Ob sie den auch zahlen, steht auf einem anderen Blatt. Wenn aber plötzlich die Eltern Unterhalt benötigen, ziehen die Kinder lange Gesichter. Zurecht. Ihre Vorbilder, ausgerechnet ihre Eltern, brauchen plötzlich Unterhalt? Klar, dass sicher die meisten Kinder da einspringen und ihren “Alten” aus der Patsche helfen. So würden das wohl die meisten machen.

Wer allerdings seinen leiblichen Vater nur noch von Erzählungen kennt und dieser seiner Verpflichtung, Unterhalt zu zahlen, nie nachkam und den man auch sonst komplett aus der Erinnerung gelöscht hat, er also faktisch nicht existent ist, wird diesem Fremden wohl nicht gern Geld geben. Bei uns in der Familie gibt es grad wieder diese Situation. Da will der Kommunale Sozialverband einen Schriebs ausgefüllt haben. Inklusive Bescheinigung vom Arbeitgeber, mit Nachweisen, Kopien und dem ganzen Krempel. Möglichst innerhalb von vier Wochen, man hat ja eh nichts anderes zu tun. Da werden dann Dinge abgefragt, die teilweise sittenwidrig erscheinen. Beispielsweise die Einkünfte des Ehepartners – der mit dem leiblichen Vater der betreffenden Person ja nun gar nichts zu tun hat. Sowas wird dann prinzipiell durchgestrichen. Bis sie es lernen.

Nach Eingang prüft der Sozialverband die Angaben und entscheidet dann über die Zahlungspflicht. In meinem Beispiel hier wurde die Person immer freigesprochen. Nach zwei Jahren klopft der Verband dann allerdings wieder an und man muss sich erneut komplett ausziehen und erklären, dass man das wenige Geld zum Leben braucht und leider nicht irgendeinem Ganoven geben kann, der sein Leben nicht in den Griff bekommt und auf Kosten des Staates lebt.

Tschuldigung, aber mit dieser Art von Rechtsstaat kann ich nichts anfangen.

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  • Herr der Konsolen plant Museum in Leipzig

    Herr der Konsolen plant Museum in LeipzigWenn es in Deutschland einen Experten für Spielkonsolen gibt, dann dürfte es der Leipziger René Meyer sein. Der Journalist und Buchautor ist den Geräten hoffnungslos verfallen, hat hunderte alte und die neuesten Exemplare in seiner Stötteritzer Wohnung aufgetürmt. Im August bekam er für seine Sammelleidenschaft einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Kein Wunder also, dass der 37-Jährige auch bei den Medien ein gefragter Experte ist. Jetzt besuchte ein Kamerateam des Nachrichtensenders n-tv den Herrn der Konsolen.

    Redakteurin Stephanie Wätjen interessierte sich vor allem für die neueste Technik. Mit Meyer spielte sie an Nintendos Wii. „Die Konsole ist vor allem etwas für Familien, die Spielspaß suchen. Da kommt man teilweise ganz schön ins Schwitzen“, so der Journalist. Auch zur Playstation 3 sowie zur Xbox 360 und den kleinen Geräten Nintendo DS und Playstation Portable gab er Auskunft. Der Vergleichstest soll am 3. Dezember um 18.30 Uhr bei n-tv im Rahmen einer Spezialsendung laufen.

    Seine Konsolensammlung, die nach der Games Convention nochmals um weitere 100 Geräte anwuchs, will Meyer zukünftig am liebsten in ein kleines Museum umsiedeln. „Es gibt bereits Anfragen verschiedener Städte, ich will die Ausstellung aber in Leipzig etablieren“, sagt er. Jetzt sucht er nach Möglichkeiten und Partnern für die Finanzierung.

    Erschien am 29.11.2007 in der Leipziger Volkszeitung.

    Wiederholungen im Herbst?

    Wieso eigentlich mogelt RTL in den Herbst-Samstagabend eine 80er-Chartshow von 2005? Bin gerade stutzig geworden, als es hieß, Peter Schilling schreibe derzeit sein erstes Buch. Ja, nee, iss klar.

    Überhaupt kommt heute überall nichts gescheitet. Selbst Premiere kannste vergessen. “The Dark” ist zwar nett, aber nix für Mutti und Kind. ;-) Daher, liebes RTL, merke Dir: Du bist heute nur Mittel zum Zweck, eine Alternative. Nix drauf einbilden, Frau Schäferkordt.

    “Halo 3 sieht nicht besser aus als Halo 2″

    Nanana, was ist denn das? Offenbar hat ein Mitarbeiter von Sony Computer Entertainment Europe (SCEE) den Wikipedia-Eintrag zu Microsoft’s kommendem Spiel Halo 3 editiert. Von einer IP, die zu SCEE führt, wurde der Satz “Es wird nicht besser aussehen als Halo 2″ hinzugefügt. Erst vor kurzem wurde EA dabei erwischt, wie das Unternehmen kritische Links aus dem eigenen Eintrag entfernte, die zu Infos über die umstrittenen Geschäftspraktiken des Publishers führten.

    via CVG

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  • Johannes Boie im Ruhestand

    ruhestand.jpgGute Nachricht für alle Blogger, die sich von Johannes Boie missverstanden fühlen: Der SZ-Mann hat sein Gesicht verloren, ist nicht mehr zu erreichen und offenbar in den Ruhestand gegangen.

    Hint: Sarkasmus! Es ist mir durchaus bewusst, dass dies ein anderer Johannes Boie sein kann. Passte nur grad so schön.

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  • “Frosch-Plage” in St. Moritz

    Taucha. „Heute predigen die Kinder, da hat es der Pfarrer leicht. Denn Kinder können manches eben doch besser erklären. Anschaulicher und nicht so umständlich“, sagte Pfarrer Michael Gehre am Sonntagmorgen in der Tauchaer Kirche St. Moritz. Und wahrlich, was die Kinder der Kirchgemeinde in den vergangenen Wochen einstudierten und nun aufführten, konnte sich sehen lassen. „Israel in Ägypten“ hieß das Kindermusical, das von der Kurrende und einer kleinen Band gestaltet wurde. Erzählt wurde die Geschichte des Volkes Israel, die Unterdrückung durch die Ägypter und die zehn Plagen, die Gott über das Land schickte.

    Ein schwieriges Thema, das aber so unterhaltsam angegangen wurde, dass es manch Zuschauer ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte. Etwa, als die Frosch-Plage über Ägypten hereinbrach und die Kinder sangen: „Oho, da zappelte ein kleiner Frosch an meinem Popo!“ Die Viehpest wurde wehklagend musikalisch untermalt: „Babette, meine Kuh, du warst mein einziges Tier! Babette, meine Kuh, mein Herz hing so sehr an dir“, schallte es durch die Kirche. Die Musik, unter anderem gespielt von MDR-Soloposaunist Eckhardt Wiegräbe, MDR-Konzertmeister Andreas Hartmann an der Violine und Grünen-Stadtrat Mario Glaetzer am Bass, sorgte dafür, dass das biblische Thema fast in den Hintergrund geriet.

    Komponiert wurde das Stück von Thomas Riegler, die Gesamtleitung übernahm der Musiker Frank Zimpel, der in St. Moritz teilzeitweise als Kantor angestellt ist. „Die Hauptarbeit haben aber die Kinder geleistet, beispielsweise die Texte gelernt und die Kulisse gestaltet“, so Zimpel. Der etwas andere Gottesdienst war der letzte des Schuljahres. Zugleich wurde die Gemeindepädagogin Ria Müller-Oestreich in den Ruhestand verabschiedet. Sie danke allen, die ihr in den vergangenen fünf Jahren den Rücken stärkten: „Vor allem aber gilt mein Dank den Kindern. Sie waren meine Aufgabe, mein Lebenselixier.“

    Erschien am 10.07.2007 in der Leipziger Volkszeitung.

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  • Vorband war nur Übermittlungsfehler

    Schon merkwürdig, wie manche Fakten in die “Bild” finden. Gestern berichtete die Leipziger Ausgabe in Text und Foto vom “Genesis”-Konzert im Leipziger Zentralstadion. Eine “PHILharmonie” wäre es gewesen. Ganz beseelt von dem wahnsinnig tollen Konzert (das allerdings wohl von schlechtem Sound getrübt wurde), muss die Redakteurin dann beim Schreiben ihres Artikels Eingebungen, Halluzinationen oder einfach nur viel Phantasie gehabt haben. Denn sie schrieb:

    Erst die britische Reggae-Band UB 40.

    Humm? Genesis brauchen eine Vorband? Und dann ausgerechnet UB 40, die selbst Stadien füllen? Zwei solche Mega-Acts auf einmal? Nein, natürlich nicht. Vorbands werden in der Regel erst eingesetzt, wenn der Veranstalter merkt, die Karten verkaufen sich eher schlecht. Bei Genesis in Leipzig war dies aber nicht der Fall – die Karten gingen weg wie warme Semmeln.

    Auch “Bild” merkte das und korrigierte heute ihren Fehler von gestern. Die Art und Weise allerdings, wie sie das tat, überrascht. Denn nicht etwa der eigene Fehler ist Aufhänger der Geschichte, sondern der schlechte Sound und “Pfand-Ärger”.

    Der schlechte Sound beim Genesis-Konzert – woran lag es? Stadion-Geschäftsführer Wilfried Lonzen (62): “Einen Soundcheck mit der Band gab es nicht. Es wurde nur ein Rauschen eingespielt, so die Technik abgestimmt. Aber natürlich ist die Akustik in einem leeren Stadion anders als in einer vollen Arena.” Ärgerlich auch: Pro Trinkbecher wurden stolze 2,50 Euro Pfand verlangt. Doch mit dem letzten Genesis-Song waren alle Buden zu, keine Rückgabe mehr möglich.

    Und erst nachdem “Bild” die Fehler der anderen auflistete, folgte in Fettdruck dieser Satz:

    bild_060707_uebermittlungsf.jpg

    Wie “Bild” überhaupt auf die Idee kam, UB 40 würde Genesis unterstützen, bleibt ein Rätsel. Denn offenbar trat Genesis in ganz Deutschland ohne Vorband auf.

    Durch und durch einfach witzig und völlig anders

    clarice-bean.jpgDas abendliche Vorleseritual am Bett unserer Tochter war heute überraschend anders. Weil “Hexe Lilli” gestern zu Ende ging, griff ich zu einem Buch, das sie von unserer Freundin geschenkt bekam. Und das war in der Tat eine Überraschung. Denn es kommt nicht oft vor, dass man von einem Kinderbuch derart fasziniert ist und selbst lachen muss. Bei “Durch und durch Clarice Bean” von Lauren Child war das aber so.

    Clarice Bean ist ein Schulmädchen, das viel lieber Detektivin wäre, so wie Ruby Redfort, die Heldin in ihrem Lieblingsbuch. Und wie das so ist bei Schulmädchen: sie haben keinen Bock auf Schule und ihre Lehrer.

    Mrs Wilberton behauptet, ich besäße durch und durch auch nicht einen Funken Konzentration. Ich versuche, ihr das Gegenteil zu beweisen, und deshalb darf ich nicht vergessen, mich zu konzentrieren. Ich denke die ganze Zeit daran. Ich versuche verzweifelt, mich nicht nicht zu konzentrieren, und ich sage mir immer wieder: “Nicht in Gedanken versinken, so wie gestern.” Und dann denke ich daran, wie ich gestern in Gedanken versunken bin und wie ich mir dabei überlegt habe, dass ich Mrs. Wilbeton zuhören muss, weil sie mir doch so viel zu erzählen hat.

    Und dann frage ich mich, wie soll ich den ganzen Kram, den sie mir erzählen will, überhaupt in meinem Kopf unterbringen? Und dann frage ich mich, ob ich alles rausschmeißen sollte, was ich nicht mehr brauche – ihr wisst schon, wie damals, als mein Dad den Dachboden entrümpelt hat, nur haben wir dann beschlossen, dass wir nichts entbehren können und deshalb musste er den ganzen Kram wieder zurückbringen. Aber vielleicht wird in meinem Kopf ja wertvoller Raum blockiert von den nicht wichtigen Dingen und deshalb kann ich mich nicht k o n z e n t r i e r e n, weil mein Konzentrationsraum voll gepackt ist mit Sachen wie “Ellbogen vom Tisch” und “Du darfst deinen Bruder nicht kneifen” [...]

    Ja, ein Buch nahezu ohne Punkt und Komma*, das in etwa so geschrieben ist, wie Mädchen im Alter von 10 wirklich reden. Witzig dazu ist die Typographie, die ich hier nur schwerlich übernehmen kann. Auch die Illustrationen, die schon fast Karikaturen sind, lassen einen herzhaft lachen. Glücklicherweise ist die Geschichte in Kapitel aufgeteilt, sonst hätte ich vor lauter Begeisterung alle 180 Seiten vorgelesen…

    Kurzum: unbedingt empfehlenswert! Und die kleinen Bücher mit nur 32 Seiten schauen wir uns auch mal genauer an.

    *) Die Satzzeichen sind wirklich komisch gesetzt, ist wohl bei der Übersetzung passiert. Stört aber nur ein kleines bisschen.


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