GROSSE WORTE

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Lokales’ Category

Zum Abschied den Löwen geritten

Taucha. Für Außenstehende muss sich die Szenerie etwas bizarr angesehen haben. Am Sonntagmorgen trafen sich diverse in Schwarz gekleidete Herren an der B87, kurz vor der Autobahnauffahrt Richtung Dresden. Sie tranken Bier aus einem großen Glasstiefel, unterhielten sich und hörten Lieder aus dem Autoradio. „Drei Jahre und ein Tag“ hieß eines davon und was Reinhard Mey da sang, stand einem der Herren noch bevor. Zimmermann Dominic Thier hatte sein Bündel geschnürt und sich bereit gemacht für eine Wanderschaft von drei Jahren und einem Tag. So lange darf sich der Anhänger des Rolandschachtes nicht der Heimat nähern. „Der Rolandschacht ist die Zunft reisender Bauhandwerker“, erklärte Altgeselle Werner Kirscht. „Acht Berufe gehören dieser Zunft an: Maurer, Zimmerer, Steinmetze, Dachdecker, Schreiner, Betonbauer, Steinsetzer und Holzbildhauer“, sagte er weiter. Die Tradition reiche bis ins Jahr 1891 zurück. Seit jener Zeit tragen die Rolandsbrüder einen Schlips, der „blaue Ehrbarkeit“ genannt wird und ziehen durch die Lande. Auch heute sei die Tradition noch lebendig. „Die Wanderschaft hilft bei der Weiterbildung auf beruflicher Ebene und bei der Persönlichkeitsentwicklung der jungen Männer“, so Kirscht.


Genau dafür bereit war Dominic Thier, der zum Abschied über den steinernen Löwen am Ortseingang Leipzigs kletterte und sich danach festen Schrittes auf den Weg machte. Umdrehen durfte er sich nicht – trotz diverser Schluchzer von Freunden und Familienangehörigen. Begleitet wurde Thier von Alexander Sarnow, der bereits seit zweieinhalb Jahren auf der Walz ist. Bereits vor vier Wochen verabschiedete sich Tony Hegen auf die gleiche Art. „Der ist jetzt auf Fehmarn und verdingt sich als Bühnenbauer“, so Werner Kirscht. Und von Christian Kleine, der vor einem Jahr loszog, hörte man, er sei nun in Bamberg.

Erschien am 31. August 2010 in der Leipziger Volkszeitung.

Arbeitsagentur verkennt Bedarf bei Pflegekräften

Frank Gürtler ist frustriert. Der 35-jährige Leipziger ist Altenpflegehelfer und möchte sich zum examinierten Altenpfleger weiterbilden. Die Arbeitsagentur Leipzig, bei der Gürtler derzeit gemeldet ist, verweigert aber die Übernahme der Kosten. Ein Grund dafür sei die laut Agentur nicht zu erwartende Fachkräftenachfrage in diesem Beruf. Pflegeverbände werfen der Behörde mangelnde Kompetenz vor.

Seit 2006 arbeitet Frank Gürtler als Altenpflegehelfer. Zuletzt war er bei der Hauskrankenpflege Susann Julius in Wiederitzsch tätig, absolvierte vor allem Nachtschichten. „Dort war man nach kurzer Zeit zufrieden mit mir. Allerdings sei der Bedarf an Fachkräften höher, weshalb ich als Helfer keine Zukunft hatte“, sagt er. Als er den Entschluss fasste, sich zur Fachkraft weiterbilden zu lassen, bekam Gürtler von dem Unternehmen die Zusage, dort seine praktische Ausbildung durchführen zu können. Auch eine Einstellungszusage wurde ihm ausgestellt, sollte er die Weiterbildung erfolgreich beenden. „Ich war total euphorisch und mir sicher, dass die Arbeitsagentur die Kosten dafür übernehmen wird, da meine Integration ins Berufsleben bereits gesichert ist“, schildert er.

Doch so einfach gestaltete sich die Sache nicht. (more…)

Privatradios zeigen bei Hochwasser, was sie können

Sie sind als Dudelfunker verschrien. Auch ich kritisiere immer mal wieder die sächsischen Privatradios. Wenn es aber drauf ankommt, können sie durchaus auch etwas leisten. Mit eigenen Redaktionen, ohne von der Zeitung abzuschreiben, was die Print-Kollegen gern mal den Radiojournalisten vorwerfen.

Beispiel: Die Flut im Osten Sachsens. Von Freitag zu Sonnabend verschärfte sich die Situation in Görlitz. Auch Chemnitz in Zittau waren betroffen. „Wir haben dann sofort den Automatismus rausgenommen und auf unseren Lokalstationen über die Katastrophe berichtet“, sagt Matthias Montag, Programmchef der BCS Sachsen, zu der die Lokalradios wie Radio Leipzig, Radio Dresden etc. und Hitradio RTL gehören. „Wir hatten bis Sonntag und auch zu Wochenbeginn locker zehn Reporter unterwegs, die sowohl die Lokalradios als auch RTL mit Informationen versorgten“, berichtet Montag weiter. Reporter Gunnar Tichi von Radio Zwickau hätte sogar die Schulanfangsfeier seiner eigenen Tochter unterbrochen, um in den Sender zu eilen.
Bei Radio Lausitz wurde am Sonntag das Programm komplett umgestellt. „Die Station wurde vom Mantel abgekoppelt und bekam ein eigenes Sonderprogramm. Wir fanden das angebracht und wichtig. Wenn Leute evakuiert werden müssen, woher sollen sie dann aktuelle Infos bekommen, wenn nicht von uns“, so Montag, der die Leistung seiner Redaktion als „großartig“ bezeichnet. „Das war Radio, wie es sein sollte. Schnell und aktuell, aber trotzdem zurückhaltend seriös“, meint er. Auch online sei das Thema begleitet worden, vor allem auf der Website von Radio Lausitz hätte es zudem viele Hörerkommentare gegeben.

Auch bei Radio PSR und R.SA habe man schnell reagiert, sagt Sprecher Nico Nickel. „Ab Sonnabend hatten wir es in den Nachrichten, gleichzeitig machte sich Falk Lange, unser Landeshauptstadtreporter von Dresden nach Niesky auf, um für beide Sender zu berichten“, sagt er. Hörer hätten sich gemeldet und Augenzeugenberichte geliefert. „Das war weit mehr Wortanteil als wir normalerweise an einem Sonntag haben“, so Nickel. PSR-Programmchef Ulrich Müller sei ab 7 Uhr im Sender gewesen, um die Berichterstattung zu koordinieren. Bei R.SA konzentrierte man sich neben der On-Air- auch auf die Online-Begleitung der Flut. „Auf unserer Facebook-Seite haben wir das Thema begleitet, es fand auch hier Interaktion mit dem Hörer statt“, erzählt Nickel. Nur die Spielshow um 12 Uhr am Sonntag bei R.SA wurde nicht gekippt. „Das sind langfristige Verträge, die wir einhalten müssen. Zudem geht die Sendung nur 15 Minuten, weshalb wir uns entschieden haben, sie zu senden“, so der Sprecher.

Die Sache mit dem Blumenkübel

Seit wenigen Stunden wird eine Lokalgeschichte der Münsterschen Zeitung, Redaktion Neuenkirchen, durch das Twitterdorf gejagt. Der Artikel handelt von einem zerstörten Blumenkübel im Antoniusstift Neuenkirchen. Bewohner des Altenheims seien entsetzt, fassungslos und traurig. Es habe niemand etwas gesehen und der Kübel sei ja auch 150 Euro wert. Es mag an dem unfreiwillig komischen und ein wenig sensationsbetonten Schreibstil liegen, dass gerade diese Geschichte, die man in anderen Zeitungen wohl eher als kleine Polizeimeldung mitgenommen hätte, nun plötzlich die Aufmerksamkeit von gefühlt jedem zweiten Twitternutzer Deutschlands aufgegriffen wird. Das Hashtag #blumenkübel dürfte heute auf Platz 1 der deutschen Trending Topics liegen.

Während anfangs nur Sätze der Verständnislosigkeit über die scheinbar nicht vorhandene Relevanz des Themas getwittert wurden, setzte schnell Kreativität ein. Aktuelle Ereignisse wurden mit dem “Blumenkübel-Desaster” verknüpft. Genau das ist es, was ich an Twitter so liebe. Einige Beispiele, wahllos herausgegriffen:

wtfunblockeduii
Augenzeuge: “Überall war Erde.. Und dann diese Scherben.. Es war wie Krieg.” #blumenkübel

dhaunsch
Steve Jobs: Auch #Blumenkübel anderer Hersteller gehen kaputt.

utzer
#Blumenkübel geschändet, Politiker und Hinterbliebene fordern mehr #Überwachung zur Verhinderung ähnlicher Taten.

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#blumenkübel BILD spricht mit dem Schwager der Nichte. “Er war schon immer labil”!

Die Redaktion indes steht hinter der Autorin des Textes. “Die Autorin ist eine Praktikantin von uns, die heute ihre erste Praktikumswoche beendet hat. Natürlich hat diese Geschichte keinen großen Stellenwert für unseren Onlineauftritt. Aber wenn die Bewohner eines Altenheimes traurig sind über solch eine Tat, dann ist das für uns als Lokalredaktion ein Thema, das wir aufgreifen und darüber berichten”, sagte mir ein Redaktionsmitarbeiter. Er selbst wusste noch nichts vom Hype um die Blumenkübel-Story, fand die Reaktionen darauf aber “recht witzig.”

Ich selbst bin etwas zwiegespalten. Natürlich ist das keine Geschichte, die bundesweit interessiert. Allerdings – und da gebe ich dem Kollegen Recht – ist dieser Vorfall ein Thema für die Zeitung, wenn es Betroffene gibt. Nun erscheint ein Blumenkübel für 150 Euro keine große Sache, auch wenn es ein “großer Blumenkübel” war. Für die direkt vom Thema betroffenen ist das allerdings ein Problem. Ich hätte hier sicher nur eine Mini-Meldung für’s Print im Stil einer Polizeimeldung draus gemacht. Für den Onlineauftritt taugt so ein Artikel jedenfalls nur bedingt.

Update 15:43 Uhr:
Die Kollegen der Münsterschen Zeitung freuen sich über den Hype und haben gleich einen längeren Artikel dazu verfasst.

Parkplatzpächter lässt abschleppen

Stellfläche an Karl-Große-Straße wird vermarktet / Pächter lässt abschleppen und erhebt Vertragsstrafe

Taucha. In der Stadt gibt es ab sofort weniger Parkplätze. Nachdem das Parken in der Karl-Große-Straße jahrelang geduldet war, weist seit Neuestem ein Schild am Grundstück darauf hin, dass hier Stellplätze zu mieten seien. Unberechtigtes Parken löse eine Vertragsstrafe von 30 Euro aus, zudem müsse damit gerechnet werden, dass der Wagen abgeschleppt wird.

Kinobesucher, Patienten der umliegenden Ärzte, Kunden der Apotheke oder Besucher von Anliegern parken seit vielen Jahren auf der großen Stellfläche an der Karl-Große-Straße. Ein kleines Schild wies bislang darauf hin, dass dies ein Privatgrundstück ist. Abkassiert wurde allerdings nie. „Das Parken haben wir dort bislang geduldet“, sagt Axel Fischer, Geschäftsführer des Tauchaer Modehauses, dem als Teil einer Erbengemeinschaft das Grundstück gehört. „Weil Grundsteuer, Regenwasserabgabe und Reinigung aber Geld kosten, haben wir uns jetzt entschlossen, den Platz zu vermarkten“, erklärt er.

Die Vermarktung übernimmt das Unternehmen Wemax aus Halle/Saale. Und dieses lässt Falschparker gnadenlos abschleppen, wie Inhaber Torsten Märker erläutert: (more…)

R.SA bei Facebook: Schon jetzt ein Erfolg

Dem Radiosender R.SA, der kleinen Tochter von Radio PSR, wird oft (zu Unrecht) nachgesagt, er sei der Rentnersender in Sachsen. Möglicherweise hängt hier noch das Image des Vorgängers oldie.fm an. In Wahrheit ist R.SA der letzte verbliebene Sender im Freistaat, der seine Hörer ernst zu nehmen scheint, ihnen nicht dauernd Claims wie “Die beste Musik” und erfundene Wörter wie “Vielfalthammer” um die Ohren haut. Stattdessen gibt es lockere und unverkrampfte Moderationen, grad so, als würden die Radiomacher mit ihrem besten Freund sprechen, gepaart mit Oldies, 80ern und deutschen Songs. Diese Offenheit, Natürlichkeit und ein guter Schuss Selbstironie zahlen sich aus. Bei jeder MA. Und nun auch bei Facebook.

Seit gestern hat R.SA eine Facebook-Seite. Moderator Marcus Poschlod trommelt fleißig im Programm dafür. Mit beachtlichem Ergebnis: Heute früh überholte R.SA mit 220 Fans nach nur einem Tag die Dresdner Kollegen von Hitradio RTL. Diese haben seit Anfang des Jahres eine Facebook-Seite mit derzeit 213 Fans.
Nun ist es nicht so, dass Fans bei Facebook sofort irgend etwas bringen würden, geschweige denn bessere MA-Zahlen oder vermarktungsrelevante Vorteile. Allerdings zeigt der schnelle Anstieg der Fan-Zahlen die Affinität der Zielgruppe zum Internet. Und die scheint bei den R.SA-Hörern offenbar weitaus größer als bei den RTL-Hörern.

R.SA sollte jetzt diesen Schwung und die Anfangs-Euphorie nutzen und echte Inhalte auf der Facebook-Seite generieren. Nur da zu sein, reicht auf Dauer nicht. Die Zielgruppe will unterhalten werden. Aber auch das wird der Sender schaffen.

Update: Gute Recherche ist alles, hüstel. Wie ich gerade sehe, bezieht R.SA in guter Manier die Hörer mit in die Gestaltung der Facebook-Seite ein. Auf Augenhöhe mit der Zielgruppe. Kann auch nicht jeder Sender.

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  • Filed under: Lokales, Mediales
  • Starke Schwankungen und harte Arbeit

    Nachbetrachtungen zur sächsischen MA 2010 Radio II

    Zweimal im Jahr gibt es für Radiomacher “Zeugnisse”. Konkreter: Zahlen, anhand derer nachgewiesen werden soll, wie hart man gearbeitet habe, um dem Hörer ein gutes Programm zu bieten. Die Mediaanalyse im Juli gilt dabei als preisbildend, weil anhand dieser Zahlen die Werbepreise festgelegt werden.

    Logo: Energy SachsenInsofern dürfte vor allem Energy Sachsen freuen, was die Arbeitsgemeinschaft Mediaanalyse (AG.MA) diesmal errechnet hat: Der Sender gewann demnach 25.000 Hörer in der Durchschnittsstunde dazu und liegt nun bei 56.000 Hörern, nachdem man zur MA 2010 Radio I nur 31.000 Hörer vorweisen konnte. Das entspricht einem Plus von 81,6 Prozent (alle Zahlen bezogen auf Sachsen, Gesamtzielgruppe). Bezogen auf den gesamtdeutschen Markt liegt die Steigerung gar bei 87,7 Prozent. Schaut man sich die Zielgruppe 14-49 Jahre an, gewinnt das kleine Energy 97 Prozent hinzu, bei den 14-19-Jährigen sind es knapp 102 Prozent und bei den 20-29-Jährigen 115 Prozent.

    Bei derart großen Zugewinnen liegt die Frage nahe, wie diese zustande kommen. Geburtenknick passé? Bei der AG.MA erklärt man das so: “Bei so kleinen Sendern in kleinen Bundesländern sind die Schwankungen normal und im Bereich der Schwankungsbreiten durchaus zulässig. Das ist normale Statistik. Bei der vergangenen MA hatte Energy Sachsen stark verloren, nun gewinnen sie eben wieder. Das lässt sich nicht näher erklären und wir enthalten uns einer Stellungnahme, warum die Zahlen nun besser ausgefallen sind”, so ein Sprecher der AG.MA.

    Bei Energy Sachsen sieht man die Sache erwartungsgemäß klarer. Nico Nickel, Sprecher des Medienzentrums Leipzig am Markt, in dem Energy zusammen mit Radio PSR und R.SA sitzt, sagt: “Die neue Mannschaft, die im August 2009 mit Programmchefin Carola Jung aufgestellt wurde, bekommt nun ihr erstes Zeugnis. Diese MA betrachtet ja den Herbst und das Frühjahr und zeigt, dass Energy ein junges Radio macht. Die klare Ausrichtung auf “Hit Music only” wird von der Zielgruppe goutiert. Die Hörer bekommen nun wieder das, was ihnen Trailer und Programm versprechen”, sagt er. Diese Kontinuität herrsche nun ein Jahr vor und würde sich auszahlen. Einen Anstieg der Hörerzahlen habe man bei Energy bereits vorausgesehen. “Das hatten wir bereits mit der im Blick und konnten erahnen, dass es wieder besser wird. Überraschend ist natürlich die Höhe des Anstieges, die nun aber die Vermarktung wieder etwas leichter macht”, so Nickel.

    Bei aller Freude zeigen die Zahlen und die starken Zuwächse von rund 100 Prozent aber vor allem eines auf: Die Fehler in der Methodik der Mediaanalyse. Wie sollen Sender und vor allem Werbetreibende vernünftig langfristig planen, wenn einem die März-MA katastrophale Ergebnisse und die Juli-MA passend zum Wetter eitel Sonnenschein beschert? Vor allem Jugend- und kleine Sender klagen seit Jahren über die Methodik. Zur Erhebung der Einschaltquoten werden von den beauftragten Callcentern nur Festnetzanschlüsse angerufen. In Zeiten günstiger Prepaid-Angebote und einer Zielgruppe, die so mobil wie nie ist, gleicht die Abfrage für Jugendwellen einem Kampf Davids gegen Goliath. Während die eigenen Eltern und Großeltern am Festnetz befragt werden, welchen Sender sie hören, geht die MA an den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen schlichtweg vorbei.

    Ready to launch oder: Huracan – der Selbsttest

    Ich bin kein großer Karussell-Fan. Ich mag es nicht, wenn sich alles dreht, ich nicht mehr weiß, wohin ich schauen soll und ich nur noch hoffe, dass es schnell vorbei ist. Aber ich mag Achterbahnen. Als kürzlich der 5fach-Looping auf der Kleinmesse war, bin ich mehrfach gefahren. Der Adrenalin-Kick und das Dauergrinsen danach sind nicht zu beschreiben. Überschläge, Drehungen, Ruckeln oder sonstiges machen mir nichts aus.


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    Heute bot sich wieder die Gelegenheit dafür. Bei Belantis wird seit April eine neue Achterbahn gebaut. Huracan ist der Name der neuen, großen Achterbahn, die ab Sonnabend für jeden zugänglich ist. Der rote Rollercoaster steht gleich am Anfang des Freizeitparks. Er ist die erste Attraktion der achten Themenwelt, die in den nächsten Jahren entsteht. Das “Reich der Sonnentempel” soll das Land Südamerika repräsentieren, zehn bis zwölf Millionen Euro will Belantis in diese Welt investieren. Huracan allein wird mit etwa fünf Millionen Euro zu Buche schlagen, heißt es.

    32 Meter hoch, fünf Überschläge, maximal 85 Kilometer pro Stunde. Soweit die Fakten. Jetzt zum Selbsttest, denn ich wollte unbedingt mitfahren. Zuerst allerdings durften sechs mehr oder weniger bebuste Mädels erst den Fotografen und Kameramännern schöne Augen machen und danach die Achterbahn einweihen. Mit gellenden Schreien und fröhlich winkenden Armen.

    Danach, endlich, die Gelegenheit, Huracan auszuprobieren. Schön groß sind die Wagen, in die jeweils sechs Personen passen. Das so genannte “Cinema-Seating” sorgt dafür, dass auch die hinteren Passagiere alles sehen – sie sitzen leicht höher als ihre Vordermänner. In den schick angemalten Wagen fühlt man sich gleich wohl. Die Sitze sind weich, der große Haltebügel, den man selbst von oben vor den Körper ziehen muss, fühlt sich ebenfalls gut an und gibt ein Gefühl von Sicherheit. Dann fährt der Wagen aus dem Bahnhof. Eine kleine Rechtskurve und schon steht man kurz vor dem 32 Meter hohen Liftturm.

    Beeindruckend und erhaben steht er da. Und wartet darauf, einen mit hinauf zu nehmen. Ganz langsam bewegt sich das Kettenband, plötzlich ein Ruck. Der Wagen wird angezogen und neigt sich in die Senkrechte. Wir liegen und blicken in den Himmel. So in etwa müssen sich Astronauten fühlen. Wissend, dass sie gleich tausende Kilometer von daheim entfernt und der Technik ausgeliefert sind, nicht mehr zurück können. Etwa fünf Sekunden später neigt sich der Wagen wieder in die normale Position. Für einen kurzen Moment genieße ich die Aussicht über Belantis. Doch ich komme nicht dazu – der Wagen stürzt in die Tiefe. Schreie, Panik, Adrenalinausstoß, ein breites Grinsen im Gesicht. 95 Grad beträgt die Neigung, mit der es abwärts geht, steiler als Senkrecht. Danach folgen Überschläge, Rollen, Schrauben. Bevor man es richtig realisiert, ist alles schon wieder vorbei.

    “Nochmal, nochmal”, schreit das Adrenalin im Körper. “Muss nicht unbedingt”, sagt der Kopf, der während der Fahrt mehrfach an den Gummi des Haltebügels prallte. Doch nicht ganz so weich. Okay, noch einmal also. Wieder rauf, Aussicht, runter, schreien, überschlagen, drehen, rollen, schrauben. Als der Wagen im Bahnhof ankam, fühlte ich etwas flaues im Magen, bekam für einen Moment Kopfschmerzen und mir wurde plötzlich warm. Nach dem Aussteigen musste ich einige Sekunden das Laufen wieder üben. Aber: Es hat Spaß gemacht und ich bin sicher nicht das letzte Mal gefahren.

    Was ich derzeit noch als Problem sehe: Wenn man im Bahnhof ankommt, stehen mindestens zwei Wagen vor einem. Deren Passagiere müssen erst aussteigen und neue zusteigen, bevor man selbst aussteigen kann. Das könnte sich als Staufalle erweisen, gerade wenn großer Andrang herrscht. Was mit Sicherheit passieren wird, wenn am Sonnabend die Attraktion offiziell eröffnet. Um keinen Frust bei den Besuchern aufkommen zu lassen, soll es ein Ticketsystem geben: Das so genannte Fastride-System funktioniert wie das Nummern ziehen beim Amt. Jeder Gast kann täglich einmal kostenfrei einen Zeitpunkt bestimmen, an dem er ohne Anstehen über einen gesonderten Eingang fahren darf. Das System stamme aus den USA, wo es meist mit Zusatzkosten verbunden sei.

    Noch mehr Fotos gibt es im Flickr-Account von Belantis.

    Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt, nicht vom Bürger. Ginge es nach den Deutschen, hätte Joachim Gauck aber wohl bereits das Rennen gemacht. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich die Aktivitäten um seine Person im Internet anschaut. So entstehen immer mehr Gruppen und Websites, die mit zum Teil kreativen Mitteln klar Stellung beziehen für den DDR-Bürgerrechtler.
    Eine Zusammenfassung der Netz-Aktionen von Gauck-Fans für LVZ-Online.

    Am morgigen Donnerstag ist Gauck um 18 Uhr in der Kuppelhalle des LVZ-Gebäudes zu Gast. Ich werde von dort über den Twitter-Account lvzonline berichten. Wer Fragen hat, kann diese mit dem Hashtag #gauckLVZ versehen stellen. Wir leiten diese dann weiter.

    Pädagogik mit Hunden

    Mölkauer Verein schult Kinder / Spenden für neues Gelände gesucht

    Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen, lernen Schüler beim Hundesportverein Leipzig-Mölkau den richtigen Umgang mit Hunden. Und erfüllen damit zugleich einen Teil ihres offiziellen Lehrplans.

    “Schaut euch mal den Hund hier an. Will der spielen?”, fragt Dagmar Apitz, während sie auf eine Zeichnung eines Schäferhundes zeigt. “Nein, der hat die Ohren nach vorn gelegt und fletscht die Zähne, der ist wütend”, ruft ein Junge und wird für seine richtige Erklärung gelobt. Rund 50 Schüler der Klassen 2a und 2b der Theodor-Körner-Schule aus Paunsdorf sind an diesem Vormittag zu Gast beim Hundesportverein Leipzig-Mölkau. Der Verein ist, wie viele andere Ortsgruppen in ganz Deutschland, dem Verein für Deutsche Schäferhunde angeschlossen und bildet nicht nur seine Vierbeiner aus, sondern schult auch Kinder im Umgang mit den Fellträgern.
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    Dies ist das Weblog von Daniel Große. Ich bin freier Journalist in Leipzig und veröffentliche hier ausgewählte Referenzen sowie private und berufliche Ansichten und Ereignisse. Außerdem übe ich Kritik an Online-, Print-, TV- und Rundfunkmedien oder mache mich schamlos über missglückte Pressemitteilungen und eigenartige Unternehmens-PR lustig. Das klingt nach dem, was es ist: ein unterhaltsames Blog mit breitem Themenspektrum ohne irgendeine Spezialisierung.
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