von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
04. 05. 2009 11:39
Taucha. Thomas läuft auf dem Fußweg. Ein Auto hält neben dem Neunjährigen. Drinnen sitzt ein Mann und fragt nach dem Weg. Thomas schaut kurz, zuckt mit den Achseln, sagt schnell „Tut mir leid, ich kann ihnen nicht helfen, bitte fragen sie einen Erwachsenen“ und geht weiter. Plötzlich reißt der Mann die Autotür auf, rennt hinter dem Jungen her und ruft „Warte, bleib doch mal stehen“. Thomas schreit ganz laut, rennt weg, klammert sich an einen Erwachsenen und erzählt ihm, was passiert ist. „Sehr gut, genau so ist es richtig“, sagt der Mann, der eben noch ein vermeintlicher Kinderschänder war. Ist er aber nicht – glücklicherweise. Denn das Ganze ist nur eine Übung und der angebliche Kriminelle ein Sicherheitsausbilder.
„Ich biete Kurse für Menschen an, die in gefährlichen Berufen arbeiten, aber auch für Schüler und Eltern“, sagt Bernd Mattausch. Vergangene Woche probte er mit Kindern der Klasse 3b der Regenbogengrundschule Taucha den Ernstfall. „Ich bin klein, aber nicht wehrlos“ nennt sich das Sicherheitstraining, das in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Westsachsen und der Kampfkunstschule Mattausch angeboten wird. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2008 in Sachsen 3053 Kinder Opfer von Straftaten. Zwar sind die Fälle von sexuellem Missbrauch bei Kindern rückläufig – „sie für das Thema zu sensibilisieren, ist dennoch wichtig.“ Dieser Meinung ist Sonja Kleine, dreifache Mutter, die den Termin arrangierte. An drei Tagen wurde in und vor der Jubisch-Sporthalle trainiert.
„Es geht darum, Kinder für Gefahrensituationen zu sensibilisieren“, so Bernd Mattausch. Eine Regel lautet dabei: Abstand halten. „Mindestens zwei Meter zu Fremden“, weiß Lisa. Fremd, so lernten die Grundschüler von Kriminalhauptkommissarin Nicole Salomon, sind Menschen, die nicht zur Familie gehören. „Natürlich sollt ihr nicht vor jedem wegrennen, da ist Bauchgefühl nötig“, erklärt sie. Befindet sich ein Kind jedoch in einer Gefahrensituation, gilt es, schnell zu handeln. Bernd Mattausch schlüpft dazu in die Rolle des Kriminellen und versucht, Kinder in ein Auto zu zerren. „Wichtig ist: Schlagt um euch, tretet den Fremden und schreit, so laut ihr könnt“, rät er den Schülern, bevor er jeden Einzelnen scheinbar entführt. Fast alle Kinder können sich losreißen. Nur mit dem Schreien – man glaubt es kaum – klappt es nicht bei allen. „Da existiert oft eine Hemmschwelle, dabei ist die Stimme die stärkste Waffe, die wir haben“, so Mattausch. Am Ende des dreitägigen Kurses wurden alle Kinder auf ihr Wissen geprüft.
Unterstützt wurde das Projekt von der Regenbogengrundschule und der Stadt Taucha.
Erschienen in der Leipziger Volkszeitung vom 4. Mai 2009.
03. 05. 2009 11:55
Taucha. Das Herz der Stadt schlägt wieder. Bei der Eröffnung der Freibadsaison im Parthebad gestern war die Liebe der Tauchaer für ihr kulturelles und sportliches Kleinod deutlich zu spüren. Kein Wunder, dass das Bad schnell gefüllt war.

Bei strahlendem Sonnenschein begann das Familienprogramm bereits um 8.30 Uhr. Rund 50 Kinder trafen sich an der Sparkasse, um mit Eltern und Mitgliedern des Parthebadvereins durch die Innenstadt zu ziehen. Ihr Auftrag: Parthelino, das Maskottchen des Bades, zu finden. „Der ist uns leider nach dem Ostereiersuchen abhanden gekommen“, meinte Heike Meyer, Vorsitzende des Vereins. Und damit auch jedes Kind weiß, wie der rundliche Sympathieträger mit dem breiten Lächeln aussieht, durfte er gemalt werden. Beim Kunst- und Kulturverein (KuKuTa) im Café Esprit gab es eigens für diesen Zweck ein etwas anderes Pflastermalen. Nicht auf das Straßen-, sondern auf Wundpflaster wurde hier gemalt. Mit diesem Bild vor Augen ging’s auf den Schlosshof. Dort warteten Mitglieder des Fördervereins Schloss Taucha auf die Kinder. Der Schlossvogt und die Schlossgeister erzählten eine Geschichte – von Parthelino jedoch keine Spur. Fündig wurden die kleinen Badbesucher schließlich in der Badergasse. Das Maskottchen saß in einem Feuerwehrauto und rasselte mit dem Schlüssel. Kurz vor 10 Uhr war es dann soweit: Das Absperrband wurde zerschnitten und Parthelino öffnete, begleitet vom Spielmannszug Taucha, das Tor. (more…)
30. 04. 2009 10:48
Im Mai soll das erste Leipziger Twitter-Grillen stattfinden. Nein, nicht Twitterer sollen gegrillt werden, auch keine Spatzen. Höchstens schon der Failwhale. So er denn kommt. Aber erstmal müsst Ihr kommen, Ihr Leipziger Twitterer! In Leben gerufen hat die Idee der gute Martin aka @ritman77 (Er ist viel netter als sein Twitter-Background aussieht). Wann wird gegrillt? Das liegt an Euch! Martin hat dazu eine Umfrage gestartet. Also: Mitgemacht und dann ran an den Grill! Und ich bin mir sicher, bis zum Termin bekommt Martin noch ein schönes Logo hin. Sollte doch kein Problem sein für einen Mediengestalter…
23. 04. 2009 19:51
Energy Sachsen hat, wie viele andere auch, eine Webcam, die den Moderator bei der Arbeit zeigt. Das Besondere ist aber eine Tafel, auf der entweder lustige Sprüche stehen, den Hörern und Websitebesuchern ein schönes Wochenende gewünscht wird und so weiter. Aktuell steht auf der Tafel das hier:

Nur eine von vielen Gesten, wie man seinem ehemaligen Chef zeigen kann, dass man hinter ihm steht.
Mit Dank an “Info Rmant”, der/die mir das Bild per Mail schickte. Als Betreff der Mail wählte er/sie “miese, niedergeschlagene Stimmung in der MG” (Mediengruppe)
22. 04. 2009 20:47
“Thomas Wetzel ist ein erfahrener Radiomacher, der sich in der Branche bestens auskennt und weiß, was junge Hörer wollen. Es war nicht einfach, einen so zielstrebigen, durchsetzungsfähigen und disziplinierten Profi mit frischen Ideen und ehrgeizigen Zielen zu bekommen. Er war mein absoluter Wunschkandidat und ich freue mich, künftig gemeinsam mit Thomas Wetzel arbeiten und das Beste für den Ausbau unserer Marktposition tun zu können.”
(Volker Schwarzenberg, damaliger Geschäftsführer von Energy Sachsen im Januar 2008.)
„Carola Jung besitzt langjährige Radioerfahrung. In der Zusammenarbeit mit ihr sehen wir langfristiges Entwicklungspotenzial, das für den zukünftigen Erfolg der Radiobranche so wichtig ist. Thomas Wetzel, der die Programmverantwortung in einer schwierigen Übergangsphase übernommen hatte, möchten die Gesellschafter an dieser Stelle ganz herzlich für die geleistete Arbeit danken.“
(Christopher Franzen, Geschäftsführer von Energy Sachsen am 22. April 2009.)
Bei Energy Sachsen herrscht weiter Unruhe. Nachdem Anfang des Jahres Geschäftsführer Volker Schwarzenberg gehen musste und Christopher Franzen, rechte Hand von Mehrheitsgesellschafter (56 Prozent) Frank Otto, diese Geschäfte übernahm, wurde nun Programmchef Thomas Wetzel entsorgt. Nach etwas mehr als einem Jahr im Amt. Und das von jetzt auf gleich. In der heute versandten Pressemitteilung heißt es lapidar, Wetzel verlasse das Unternehmen, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden. So wird das immer ausgedrückt, wenn jemand gegangen wird. Für diesen Schluss spricht unter anderem auch, dass Wetzel nicht einmal ein Zitat in der Pressemitteilung bekam. Da muss es ordentlich gekracht haben. Update: Nach Informationen von Christopher Franzen ging Wetzel auf eigenen Wunsch (siehe Updates am Ende des Textes; Überschrift entsprechend geändert)
Der erfolgreiche Programmchef und Chefredakteur Wetzel hatte große Pläne mit Energy Sachsen. Der 37-jährige kam von Radio Top40 in Thüringen, baute den Sender zu einer Marke aus. Gleiches wollte er mit Energy Sachsen erreichen. Mehr “Griffigkeit” sollte der Jugendsender bekommen. “Was fehlt, ist der gehobene Zeigefinger, der uns unverwechselbarer macht. Aus Bekanntheit muss wieder Kult werden”, sagte er mir nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr. Mit Schwarzenberg war er auf einer Wellenlänge, wie auch obiges Zitat des damaligen Geschäftsführers beweist. Jetzt, wo Christopher Franzen die Geschicke des Senders (mutmaßlich von Hamburg aus) leitet, scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Vielleicht gaben die internen Trackings aber auch schon eine katastrophale Richtung der MA-Zahlen vor. Die MA Radio 2009/I bescheinigte Energy Sachsen einen Zugewinn von 2000 Hörern gesamt, in der Zielgruppe der 20- bis 29-jährigen verlor der Sender aber diese 2000 Hörer.
Was der wirkliche Grund für Wetzels Rausschmiss ist, wird wohl offiziell nicht geklärt werden können. Thomas Wetzel war heute Abend nicht zu erreichen und Christopher Franzen von der Frank Otto Mediengruppe rief mich schon für diesen Artikel nie zurück, trotz mehrmaligen Anrufs bei der Sekretärin, die wohl nur als Wachhund, der Anrufer verbellen soll, eingestellt wurde. Mehr als diese Pressemitteilung wird wohl nicht kommen.
Bedauerlich ist der Rauswurf Wetzels, weil ihm bereits vor seinem Antritt bei Energy Sachsen von ehemaligen Mitarbeitern gute Führungsqualitäten und Charaktereigenschaften nachgesagt wurden. Sein Weggang bei Top40 veranlasste so manchen Insider, dem Sender das Ende seiner erfolgreichen Tage vorauszusagen. Bei Energy Sachsen war Wetzel beliebt. Morgenmoderatorin Friederike “Freddy” Lippold sagte kürzlich zu mir, unter Wetzels Führung blühe sie neu auf, sie könne endlich wieder sie selbst sein. Wetzel glaubte an die Stärke und den Erfolg von Freddy, wollte die Marke weiter ausbauen. Ich hoffe nicht, dass Sie nun Bewerbungen schreiben muss.
Update:
So schnell geht das: Kaum geschrieben, melden sich Insider und Kenner der Szene bei mir, die sagen, Thomas Wetzel hätte zu viel gekostet. Und noch krasser: Angeblich soll Carola Jung den in Leipzig beheimateten Sender Energy Sachsen von Berlin aus lenken. Na herzlichen Glückwunsch zu dieser hervorragenden Entscheidung. Scheint, als müsste ich doch nochmal bei Otto/Franzen nachhaken.
Update 23. April 11.35 Uhr:
Wie mir Christopher Franzen auf Anfrage eben mitteilte, war es Thomas Wetzels Wunsch, bei Energy Sachsen auszuscheiden. “Er hat darum gebeten, weil er andere Pläne hat. Er hat einen ordentlichen Job geleistet, die Situation hat sich deutlich verbessert, die MA ist ordentlich verlaufen”, so Franzen. Carola Jung, die in Berlin lebe, werde nun täglich zwischen Leipzig und der Hauptstadt pendeln. “Von Berlin aus kann man diesen Job nicht erledigen, das weiß jeder, der sich im Radiogeschäft auskennt.”
Update 23. April 19.50 Uhr:
Energy-Mitarbeiter bedanken sich bei ihrem Programmchef.
03. 04. 2009 10:35
Verdammt ruhig hier, ich weiss. Während der AMI kommt man quasi zu nichts, außer zum Bloggen.
Trotzdem werde ich mir heute Abend die Zeit nehmen und noch nach Chemnitz fahren. Dort finden die Studentischen Medientage der TU statt. Und ich soll neben namhaften Kollegen die Zukunft der Medien diskutieren bzw. zum Einsatz von Blogs und Twitter etwas sagen. Freue mich auf eine interessante Diskussion.
04. 03. 2009 09:54
Vorhin prophezeite ich per Twitter noch einen Katastrophentag für Radiomacher. Zumindest für den sächsischen Raum irrte ich mich – alle Sender gewannen im Vergleich zur MA 2008 Radio II dazu. Und im Ranking veränderte sich auch etwas.
Die Zahlen der Privaten im Einzelnen:
Bruttokontakte / Hörer pro Durchschnittsstunde
1) Radio PSR: 191.000
2) Sachsen Funkpaket (Sächsische Lokalradios): 131.000
3) Hitradio RTL Sachsen: 115.000
4) R.SA: 114.000
5) Energy Sachsen: 47.000
MDR 1 Radio Sachsen kommt auf 325.000 und ist damit Gesamtsieger in Sachsen.
Quelle: RMS / Angebote für Sachsen, Vorfilter/Gebiet Sachsen
Unter den Privaten bleibt PSR damit Nummer eins, gewann 1000 Hörer pro Durchschnittsstunde hinzu. Auf Platz 3 – und das ist erstaunlich – liegt nun Hitradio RTL Sachsen. Zur letzten MA lag RTL noch 19.000 Hörer hinter R.SA und war damit Dritter. Nun machte RTL einen gewaltigen Satz nach oben und ist mit 23.000 neu dazu gewonnen Hörern der klare Gewinner dieser Mediaanalyse – ein Plus von 25 Prozent.
Der Zugewinn bei Hitradio RTL Sachsen stärkt auch die Sachsen-Hit-Kombi, die Vermarkungsgemeinschaft der Stadtradios und RTL. Diese gewinnt 28.000 Hörer hinzu – der höchste Zuwachs bei den Kombis. Die radiokombi sachsen (umfasst PSR, R.SA und Energy) gewann 2000 Hörer hinzu und kommt nun auf insgesamt 333.000 Hörer.
Erfreulich der Zuwachs für Energy Sachsen. 2000 Hörer gewann die Jugendwelle. Allerdings: In der Zielgruppe der 20- bis 29-Jährigen verlor Energy 2000 Hörer.
Update: Als einziger Sender in Sachsen verliert übrigens der Dreiländersender JUMP Hörer: 13.000 an der Zahl. Schade für den Sender, der im Jahr 2000 so gut begann und mittlerweile so bedeutungslos geworden ist.
Bei Fehlern in meiner Interpretation bitte umgehend Mail oder Kommentar – man verguckt sich so leicht bei den Daten.
27. 02. 2009 17:02
Am 23. Januar 2009 erschien nachfolgender Artikel von mir in der Leipziger Volkszeitung. Auf die Geschichte hin meldete sich der MDR bei mir, um Protagonistin Irma Berger in die Talkshow “Unter uns” einzuladen. Heute, am 27. Februar 2009, ist die 77-Jährige, die nicht aufhören will, zu arbeiten, zu Gast in eben jener Sendung. 22 Uhr im MDR-Fernsehen.

Taucha/Leipzig. Am 8. Januar feierte Irma Berger ihren 77. Geburtstag. An diesem Donnerstag ruhte sich die Tauchaerin aber nicht zu Hause aus, sondern ging auf Arbeit. „Das war doch nicht so wichtig, soll ich nur wegen meines Geburtstages die wichtige Schulung sausen lassen?“, fragt sie. „Meine Gäste kamen eh erst abends, darum konnte ich vormittags genau wie alle anderen zur Arbeit gehen“, sagt die rüstige Frau. Seit über drei Jahren arbeitet sie begleitend zur Rente im Callcenter der TAS Telemarketing AG in Leipzig. Und denkt noch lange nicht ans Aufhören.
(more…)
26. 02. 2009 10:20
Wenn es um Computerspiele geht, führt in Leipzig kein Weg an René Meyer vorbei. Auf der Games Convention stellte der 38-Jährige schon zweimal Teile seiner Spielkonsolen-Sammlung aus. Jetzt ist er bei der Buchmesse dabei – und zeigt Schätze seiner Sammlung von Computermagazinen. Was viele nicht nachvollziehen können, der Journalist und Autor sammelt leidenschaftlich gern „alte Schinken“. In 20 Jahren hat er etliche Raritäten zusammengetragen, so besitzt er das weltweit bedeutendste Magazin der Computergeschichte, die Januar-Ausgabe der „Popular Electronics“. Der Hobbysammler: „Die Studenten Paul Allen und Bill Gates lasen darin vom ersten Home-Computer der Welt, dem Altair 8800. Dieser Moment gilt als ausschlaggebend für die Gründung von Microsoft. Es ist also wirklich Weltgeschichte, die sich in den unscheinbaren Blättern verbirgt.“ Außerdem ist Meyer stolzer Besitzer der Erstausgabe von „Happy Computer“. Das Heft sei darum so wertvoll, weil es zuerst unter dem Namen „Hobby Computer“ erschien. Aus rechtlichen Gründen wurde es ab der zweiten Ausgabe umbenannt. Während der Buchmesse (12. bis 15. März) sind diese und viel mehr Schätze, die René Meyer sonst fein säuberlich geordnet und abgeheftet hat, in der Glashalle zu sehen. Hinter Glas, wie wertvolle Kunstwerke.
Erschien am 26. Februar 2009 in der Leipziger Volkszeitung.
23. 02. 2009 09:27
Damit man mir nicht wieder unterstellt, ich sei parteiisch oder nicht objektiv genug, sei hier kurz darauf hingewiesen, dass offenbar auch die Sächsischen Stadtradios jegliches Feingefühl und ihre Bodenständigkeit verloren haben. Das aktuelle MA-Gewinnspiel “Ohrenbohren” wird mit “das weltweit erste akustische Bilderrätsel” angekündigt. Was Quatsch ist, denn die Geräuscheraterei gibts schon etwas länger. Da ist es egal, mit welchem ausgedachten Wort man das Spiel umschreibt…