Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Lokales’ Category

Alter Personalausweis heiß begehrt

Taucha. Kleiner und mit mehr Funktionen ausgestattet – so wird der neue Personalausweis, der ab 1. November eingeführt wird, vom Bundesministerium des Innern beschrieben. Doch er wird auch massiv teurer, Kritiker sehen zudem Sicherheitslücken bei den Lesegeräten. Mit der Folge, dass es bundesweit einen regelrechten Ansturm auf den alten Personalausweis gibt. Auch in Taucha ist das der Fall, wie Ordnungsamtsleiter Albrecht Walther auf Anfrage bestätigt: „Seit Anfang vergangener Woche wächst das Interesse an dem bisherigen Ausweis täglich an. Mittlerweile gehen etwa zwei Drittel mehr Anträge ein als normal. Allein am Dienstag waren es 70 Stück“, sagt er. Seiner Meinung nach liege dies an den höheren Kosten für den neuen Personalausweis. Stolze 28,80 Euro für zehn Jahre Gültigkeit müssen Personen über 24 Jahre dafür hinlegen. Jüngere zahlen immerhin noch 22,80 Euro, müssen dann aber auch schon nach sechs Jahren wieder zum Einwohnermeldeamt.


Wer sich heute noch für einen alten Personalausweis entscheidet, hat zehn Jahre Ruhe und kann die Entwicklungen und Diskussionen um das aktualisierte Dokument verfolgen, bevor er dann doch auf den Ausweis im Kreditkartenformat wechseln muss. Unumstritten ist der neue „Perso“ nicht. Künftig soll er auch zur Identifikation im Internet, etwa bei Onlinegeschäften und in Social Networks dienen. Dinge, die allerdings bereits heute ohne Personalausweis möglich sind, etwa mit dem Postident-Verfahren. Wer die Zusatzfunktionen, die bis hin zum Fingerabdruck reichen, nicht nutzen will, kann dies bei der Beantragung angeben. Günstiger wird das Stück Plastik mit integriertem Chip dadurch aber nicht.

Erschien am 28. Oktober 2010 in der Leipziger Volkszeitung.

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  • Trotz Vollsperrung darf jeder durch


    Für Verwirrung bei Autofahrern und Verärgerung bei Anliegern und Gewerbetreibenden sorgt derzeit die Baustelle in der Hohentichelnstraße im Leipziger Nordosten. Seit 13. Oktober ist die Verbindungsstraße zwischen Torgauer- und Permoserstraße voll gesperrt. Wie die Abteilung Verkehrsmanagement des Verkehrs- und Tiefbauamtes mitteilt, wird im Auftrag der Stadtwerke Leipzig ein Elektrokabel verlegt. Aus bautechnologischen Gründen könne dies nur bei einer Vollsperrung der Straße realisiert werden. Eine Sperrung, die offenbar zu spät angekündigt wurde und die gar keine Sperrung im eigentlichen Sinne ist. Denn wer als Autofahrer die Einfahrtsverbotsschilder und Warnbaken missachtet, sieht, dass nach hundert Metern die Straße für Anlieger befahrbar ist. Allerdings tun das die Wenigsten, viele drehen vor den Schildern um – mit teils dramatischen Folgen für die Mieter des Gewerbegebietes.
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  • Unternehmer mieten Parkplatz am Kino


    Taucha. Die Parksituation am Kino in der Karl-Große-Straße entschärft sich. Wie berichtet, hatte die Eigentümergemeinschaft um Axel Fischer, Inhaber der gleichnamigen Modehäuser, die Fläche an eine private Firma verpachtet. Diese ließ Falschparker abschleppen oder verhängte „Vertragsstrafen“. Jetzt entspannt sich die Lage: Neun Unternehmer und Ärzte haben den gesamten Parkplatz für ihre Kunden angemietet. (more…)

    Martin sucht Helden, Roman ist selbst einer

    Zwei Personality-Geschichten vom Wochenende: In der LVZ erschien auf der Szene-Seite am Sonnabend mein Artikel über Martin Neuhofs Projekt 101 Helden. Einen ähnlich lautenden Text habe ich in meinem Blog auf LVZ-Online veröffentlicht.

    Selbst zum Held machte sich in dieser Woche Roman Knoblauch, Moderator von Radio Leipzig. Am Donnerstag wurde ihm ein Stück des Miniskus entfernt, bereits am heutigen Sonntag humpelte er aber schon wieder ins Paunsdorf-Center, um dort neun der zehn Finalistinnen von “So sexy ist Leipzig” vorzustellen. Dazu erschien dieser Text inklusive Foto in der Rubrik “BouL.E.vard” derLeipziger Volkszeitung:

    Also gesund ist das bestimmt nicht! Roman Knoblauch, geschätzter Kollege von Radio Leipzig, hat Knieweh, und zwar heftig. Am Donnerstag musste er sich im Elisabeth-Krankenhaus zur Operation auf den Tisch legen. Heute will er das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen und am morgigen Sonntag schon wieder moderieren – an Krücken, notfalls auch im Rollstuhl. Im Paunsdorf Center will er ab 13 Uhr die zehn Finalistinnen der Aktion “So sexy ist Leipzig” vorstellen, dafür verlässt der kranke Held liebend gern das Bett. Seit einem Jahr plagten ihn Schmerzen im rechten Knie. Trotzdem zog der Triathlet sein tägliches Training durch, bereitete sich auf den Ironman in Frankfurt/Main vor. Dort ist er im Juli eisenhart gelaufen, geschwommen und Rad gefahren. Bei der Operation wurde ihm jetzt ein Teil vom Meniskus entfernt und festgestellt, dass das Knorpelgewebe stark geschädigt ist. “Der Arzt meinte, das sei überfällig gewesen und es sei ihm ein Rätsel, wie ich damit noch Ironman laufen konnte”, gesteht der 41-Jährige. Nach dem Eingriff hatte der “Eisenmann” zunächst höllische Schmerzen, griff sich aber bald wieder seinen Laptop, versendete per Facebook Lebenszeichen und bereitete sich auf die Veranstaltung am Sonntag vor. Seine Tochter Marie (11) geht kurioserweise auch gerade an Krücken, darf wegen einer Bänderdehnung den rechten Fuß nicht belasten.


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  • Geklaute Grafik auf taucha.de (Update)

    Kommunen sitzen auf dem Trockenen. Für Investitionen ist kaum Geld da. Das geht Taucha nicht anders. Dass es allerdings bereits so schlimm ist, dass nicht mal 29 Euro für eine Grafik lockergemacht werden können, überrascht mich dann doch.

    Derzeit wird auf der Startseite der Tauchaer Website das Kartoffelfest angekündigt. Ein Herbstmarkt, der alle Jahre wieder stattfindet. In diesem Jahr dürfte die 14. Auflage des kleinen Festes auf dem Marktplatz stattfinden. Fotos zur Ankündigung müssten bei der Stadtverwaltung Taucha also mehr als genug vorhanden sein.
    Trotzdem entschied man sich, das Kartoffelfest mit einer Grafik anzukündigen, die bestenfalls auf eine Speisekarte für Kinder gehört. So sieht die Grafik aus:

    taucha_kartoffel.jpg

    Abbildung: Screenshot taucha.de am 15. September 21.30 Uhr

    Wer genau hinsieht, entdeckt in Höhe des Mundes der rechten Kartoffel ein Wasserzeichen. Fotosearch steht dort. Tatsächlich stammt das Clipart vom Anbieter Fotosearch, der sich selbst als Agentur für lizenzfreie Fotos versteht. Lizenzfrei heißt jedoch nicht, dass die Fotos nichts kosten. Im Falle des Kartoffel-Cliparts von der CD “Nahrungsmittel mit Persönlichkeiten” sind 29 Euro fällig. Das Foto von der Website zu klauen, in der Vorschaugröße zu speichern, Höhe und Breite zu verhunzen und auf die eigene Website zu stellen ist dämlich. Und wird nur noch dämlicher, weil man durch das Wasserzeichen, das genau solche Fälle verhindern soll, den Diebstahl schnell enttarnt hat.

    Im schlimmsten Fall kommen auf die Stadtverwaltung Taucha jetzt noch höhere Kosten als die ursprünglichen 29 Euro zu, wenn Fotosearch den Klau geistigen Eigentums bemerkt. Mit dem insgesamt blamablen, neuen Internetauftritt hat sich Taucha ohnehin nicht mit Ruhm bekleckert. Immerhin befindet man sich mit dem Bilderklau nun in “bester Gesellschaft“.

    Update 16.09.2010, 10.10 Uhr:
    Auf Anfrage teilte die Stadtverwaltung Taucha mit, die Verwendung der Grafik sei auf ein Versehen eines Mitarbeiters zurückzuführen. Inzwischen wurde die Grafik entfernt. Ob dem Artikel ein neues Foto oder eine andere Grafik beigestellt wird, konnte noch nicht gesagt werden. “Das wird amtsintern entschieden, wie nun weiter verfahren wird.” Hört Ihr ihn auch wiehern, den Amtsschimmel?

    Update 16.09.2010 12 Uhr:
    Die EDV-Abteilung hat nochmal recherchiert. Demnach wurde die Grafik natürlich gekauft, nur das falsche Bild eingesetzt. Mittlerweile ist die Originalgrafik online. Trotzdem brauchte es drei Wochen, bis dieser Fehler überhaupt mal auffiel – im Haus hat das offenbar niemand gesehen. Interessant bleibt die Geschichte trotzdem. Trotz knapper Kassen, trotz Haushaltskonsolidierung kann es sich die Stadt Taucha leisten, für den Webauftritt eine Kindergarten-Grafik für 29 Euro zu kaufen. Ein Anruf bei Gewerbe-, oder Heimatverein oder den vielen anderen Vereinen, die am Kartoffelfest beteiligt sind, hätte sicher hunderte Fotos zur kostenlosen Nutzung hervorgebracht.

    Die Kultur- und Kreativschaffenden der Stadt haben ein Problem: Die vielen Unternehmen mit maximal zwei Angestellten werden nicht wahrgenommen. Diese Einzelkämpfer zu bündeln, zu vernetzen und gemeinsam nach außen sichtbar zu machen, dieses Ziel verfolgt ab sofort der Verein Kreatives Leipzig. Gestern fand die Auftaktveranstaltung im Kulturtreff Nochbesserleben statt. Weiter bei LVZ-Online…

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  • Zum Abschied den Löwen geritten

    Taucha. Für Außenstehende muss sich die Szenerie etwas bizarr angesehen haben. Am Sonntagmorgen trafen sich diverse in Schwarz gekleidete Herren an der B87, kurz vor der Autobahnauffahrt Richtung Dresden. Sie tranken Bier aus einem großen Glasstiefel, unterhielten sich und hörten Lieder aus dem Autoradio. „Drei Jahre und ein Tag“ hieß eines davon und was Reinhard Mey da sang, stand einem der Herren noch bevor. Zimmermann Dominic Thier hatte sein Bündel geschnürt und sich bereit gemacht für eine Wanderschaft von drei Jahren und einem Tag. So lange darf sich der Anhänger des Rolandschachtes nicht der Heimat nähern. „Der Rolandschacht ist die Zunft reisender Bauhandwerker“, erklärte Altgeselle Werner Kirscht. „Acht Berufe gehören dieser Zunft an: Maurer, Zimmerer, Steinmetze, Dachdecker, Schreiner, Betonbauer, Steinsetzer und Holzbildhauer“, sagte er weiter. Die Tradition reiche bis ins Jahr 1891 zurück. Seit jener Zeit tragen die Rolandsbrüder einen Schlips, der „blaue Ehrbarkeit“ genannt wird und ziehen durch die Lande. Auch heute sei die Tradition noch lebendig. „Die Wanderschaft hilft bei der Weiterbildung auf beruflicher Ebene und bei der Persönlichkeitsentwicklung der jungen Männer“, so Kirscht.


    Genau dafür bereit war Dominic Thier, der zum Abschied über den steinernen Löwen am Ortseingang Leipzigs kletterte und sich danach festen Schrittes auf den Weg machte. Umdrehen durfte er sich nicht – trotz diverser Schluchzer von Freunden und Familienangehörigen. Begleitet wurde Thier von Alexander Sarnow, der bereits seit zweieinhalb Jahren auf der Walz ist. Bereits vor vier Wochen verabschiedete sich Tony Hegen auf die gleiche Art. „Der ist jetzt auf Fehmarn und verdingt sich als Bühnenbauer“, so Werner Kirscht. Und von Christian Kleine, der vor einem Jahr loszog, hörte man, er sei nun in Bamberg.

    Erschien am 31. August 2010 in der Leipziger Volkszeitung.

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  • Arbeitsagentur verkennt Bedarf bei Pflegekräften

    Frank Gürtler ist frustriert. Der 35-jährige Leipziger ist Altenpflegehelfer und möchte sich zum examinierten Altenpfleger weiterbilden. Die Arbeitsagentur Leipzig, bei der Gürtler derzeit gemeldet ist, verweigert aber die Übernahme der Kosten. Ein Grund dafür sei die laut Agentur nicht zu erwartende Fachkräftenachfrage in diesem Beruf. Pflegeverbände werfen der Behörde mangelnde Kompetenz vor.

    Seit 2006 arbeitet Frank Gürtler als Altenpflegehelfer. Zuletzt war er bei der Hauskrankenpflege Susann Julius in Wiederitzsch tätig, absolvierte vor allem Nachtschichten. „Dort war man nach kurzer Zeit zufrieden mit mir. Allerdings sei der Bedarf an Fachkräften höher, weshalb ich als Helfer keine Zukunft hatte“, sagt er. Als er den Entschluss fasste, sich zur Fachkraft weiterbilden zu lassen, bekam Gürtler von dem Unternehmen die Zusage, dort seine praktische Ausbildung durchführen zu können. Auch eine Einstellungszusage wurde ihm ausgestellt, sollte er die Weiterbildung erfolgreich beenden. „Ich war total euphorisch und mir sicher, dass die Arbeitsagentur die Kosten dafür übernehmen wird, da meine Integration ins Berufsleben bereits gesichert ist“, schildert er.

    Doch so einfach gestaltete sich die Sache nicht. (more…)

    Privatradios zeigen bei Hochwasser, was sie können

    Sie sind als Dudelfunker verschrien. Auch ich kritisiere immer mal wieder die sächsischen Privatradios. Wenn es aber drauf ankommt, können sie durchaus auch etwas leisten. Mit eigenen Redaktionen, ohne von der Zeitung abzuschreiben, was die Print-Kollegen gern mal den Radiojournalisten vorwerfen.

    Beispiel: Die Flut im Osten Sachsens. Von Freitag zu Sonnabend verschärfte sich die Situation in Görlitz. Auch Chemnitz in Zittau waren betroffen. „Wir haben dann sofort den Automatismus rausgenommen und auf unseren Lokalstationen über die Katastrophe berichtet“, sagt Matthias Montag, Programmchef der BCS Sachsen, zu der die Lokalradios wie Radio Leipzig, Radio Dresden etc. und Hitradio RTL gehören. „Wir hatten bis Sonntag und auch zu Wochenbeginn locker zehn Reporter unterwegs, die sowohl die Lokalradios als auch RTL mit Informationen versorgten“, berichtet Montag weiter. Reporter Gunnar Tichi von Radio Zwickau hätte sogar die Schulanfangsfeier seiner eigenen Tochter unterbrochen, um in den Sender zu eilen.
    Bei Radio Lausitz wurde am Sonntag das Programm komplett umgestellt. „Die Station wurde vom Mantel abgekoppelt und bekam ein eigenes Sonderprogramm. Wir fanden das angebracht und wichtig. Wenn Leute evakuiert werden müssen, woher sollen sie dann aktuelle Infos bekommen, wenn nicht von uns“, so Montag, der die Leistung seiner Redaktion als „großartig“ bezeichnet. „Das war Radio, wie es sein sollte. Schnell und aktuell, aber trotzdem zurückhaltend seriös“, meint er. Auch online sei das Thema begleitet worden, vor allem auf der Website von Radio Lausitz hätte es zudem viele Hörerkommentare gegeben.

    Auch bei Radio PSR und R.SA habe man schnell reagiert, sagt Sprecher Nico Nickel. „Ab Sonnabend hatten wir es in den Nachrichten, gleichzeitig machte sich Falk Lange, unser Landeshauptstadtreporter von Dresden nach Niesky auf, um für beide Sender zu berichten“, sagt er. Hörer hätten sich gemeldet und Augenzeugenberichte geliefert. „Das war weit mehr Wortanteil als wir normalerweise an einem Sonntag haben“, so Nickel. PSR-Programmchef Ulrich Müller sei ab 7 Uhr im Sender gewesen, um die Berichterstattung zu koordinieren. Bei R.SA konzentrierte man sich neben der On-Air- auch auf die Online-Begleitung der Flut. „Auf unserer Facebook-Seite haben wir das Thema begleitet, es fand auch hier Interaktion mit dem Hörer statt“, erzählt Nickel. Nur die Spielshow um 12 Uhr am Sonntag bei R.SA wurde nicht gekippt. „Das sind langfristige Verträge, die wir einhalten müssen. Zudem geht die Sendung nur 15 Minuten, weshalb wir uns entschieden haben, sie zu senden“, so der Sprecher.

    Die Sache mit dem Blumenkübel

    Seit wenigen Stunden wird eine Lokalgeschichte der Münsterschen Zeitung, Redaktion Neuenkirchen, durch das Twitterdorf gejagt. Der Artikel handelt von einem zerstörten Blumenkübel im Antoniusstift Neuenkirchen. Bewohner des Altenheims seien entsetzt, fassungslos und traurig. Es habe niemand etwas gesehen und der Kübel sei ja auch 150 Euro wert. Es mag an dem unfreiwillig komischen und ein wenig sensationsbetonten Schreibstil liegen, dass gerade diese Geschichte, die man in anderen Zeitungen wohl eher als kleine Polizeimeldung mitgenommen hätte, nun plötzlich die Aufmerksamkeit von gefühlt jedem zweiten Twitternutzer Deutschlands aufgegriffen wird. Das Hashtag #blumenkübel dürfte heute auf Platz 1 der deutschen Trending Topics liegen.

    Während anfangs nur Sätze der Verständnislosigkeit über die scheinbar nicht vorhandene Relevanz des Themas getwittert wurden, setzte schnell Kreativität ein. Aktuelle Ereignisse wurden mit dem “Blumenkübel-Desaster” verknüpft. Genau das ist es, was ich an Twitter so liebe. Einige Beispiele, wahllos herausgegriffen:

    wtfunblockeduii
    Augenzeuge: “Überall war Erde.. Und dann diese Scherben.. Es war wie Krieg.” #blumenkübel

    dhaunsch
    Steve Jobs: Auch #Blumenkübel anderer Hersteller gehen kaputt.

    utzer
    #Blumenkübel geschändet, Politiker und Hinterbliebene fordern mehr #Überwachung zur Verhinderung ähnlicher Taten.

    falingo
    #blumenkübel BILD spricht mit dem Schwager der Nichte. “Er war schon immer labil”!

    Die Redaktion indes steht hinter der Autorin des Textes. “Die Autorin ist eine Praktikantin von uns, die heute ihre erste Praktikumswoche beendet hat. Natürlich hat diese Geschichte keinen großen Stellenwert für unseren Onlineauftritt. Aber wenn die Bewohner eines Altenheimes traurig sind über solch eine Tat, dann ist das für uns als Lokalredaktion ein Thema, das wir aufgreifen und darüber berichten”, sagte mir ein Redaktionsmitarbeiter. Er selbst wusste noch nichts vom Hype um die Blumenkübel-Story, fand die Reaktionen darauf aber “recht witzig.”

    Ich selbst bin etwas zwiegespalten. Natürlich ist das keine Geschichte, die bundesweit interessiert. Allerdings – und da gebe ich dem Kollegen Recht – ist dieser Vorfall ein Thema für die Zeitung, wenn es Betroffene gibt. Nun erscheint ein Blumenkübel für 150 Euro keine große Sache, auch wenn es ein “großer Blumenkübel” war. Für die direkt vom Thema betroffenen ist das allerdings ein Problem. Ich hätte hier sicher nur eine Mini-Meldung für’s Print im Stil einer Polizeimeldung draus gemacht. Für den Onlineauftritt taugt so ein Artikel jedenfalls nur bedingt.

    Update 15:43 Uhr:
    Die Kollegen der Münsterschen Zeitung freuen sich über den Hype und haben gleich einen längeren Artikel dazu verfasst.


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