von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
15. 05. 2006 08:34
Am Sonnabend waren wir mal wieder mit dem Kinning die Geldvernichtungsmaschine, liebevoll auch Kleinmesse genannt, besuchen. Ja, wir gehen immer mindestens einmal hin, wenn die bunten und lauten Kotzmühlen Karussells aufgebaut sind. Und natürlich jammern auch heute, nach Abschluss der Frühjahrskleinmesse, die Schausteller in der Zeitung über zurückgehende Besucherzahlen und noch weniger Umsatz, geschweige denn Gewinn.
Aber mal ehrlich – schuld sind die Schausteller selbst. Einige Beispiele: Entenangeln. Sechs mal Angeln kostet 2,50 Euro. Die Schwierigkeit ist nicht, die Enten aus dem Teich zu bekommen, sondern genau die Enten zu bekommen, die eine hohe Punktzahl haben. 13 Punkte bei sechs Enten – nicht schlecht. Dachten wir. Der reichlich desinteressierte Mann zeigte uns ein Körbchen, aus dem sich Töchterchen was raussuchen durfte. Es war traurig. Die Pfennigartikel bekommt man im Dutzend bei der Metro. Das seifenblasenmachende Seepferdchen hielt bis nach Hause.
Weiteres Beispiel: Büchsenwerfen. 12 Bälle für drei Euro. Fast drei Pyramiden hat Lisa-Marie zu unserem Erstaunen damit abgeräumt. Als “Preis” gabs ein 12-Zentimeter-Plüschtier mit Puppengesicht. Herzlichen Glückwunsch.
10. 05. 2006 20:37
(10.05.2006) Anja Schulze wird Energy Sachsen verlassen. Sprecher André Klein bestätigte heute gegenüber Broadcast Magazine entsprechende Gerüchte. Die Programmchefin und Energy trennen sich in beiderseitigem Einvernehmen, wie es heißt. Als Gründe führt der Sender die unterschiedliche Auffassung über die Unternehmensentwicklung und die strategische Positionierung des Senders an. “Unter diesen Umständen herrscht keine Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit”, so Geschäftsführer Volker Schwarzenberg, der nun kommissarisch die Stelle besetzt. Ein neuer Programmchef werde aber gesucht, die Stelle neu ausgeschrieben. (more…)
10. 05. 2006 09:35
Das arme Kind. In der aktuellen Plus-Werbung, die derzeit online die Besucher von Websites nervt, indem sie ungefragt ein lautes Flash-Filmchen abspielt, wird die Grillsaison eröffnet. Zur Bebilderung des Grills, den der geneigte Kunde möglichst kaufen sollte, liegen auch Würstchen auf dem Rost. Schon kommt das Kind (wer das Geschlecht genau bestimmen kann, darf sich bei mir melden) freudestrahlend angerannt. Und muss eine rohe Wurst essen.
Gut, vielleicht wirkt die Wurst vor dem grünen Hintergrund nur so weiß. Trotzdem stelle ich mir unter einer BRATwurst etwas anderes vor. Gleiches ist mir auch schon bei der ach so tollen “Bratmaxe”-Werbung aufgefallen. Und der Spruch “weil sie immer gelingt”, tut ein übriges dazu, dass ich der festen Meinung bin, dass es kein “Wessi” war, der das Feuer erfunden hat. WAS bitteschön soll an einer Bratwurst nicht gelingen? Kleiner Tipp: Echte Thüringer kaufen und lecker einlegen. Rezept nach Wahl. Einschneiden vorher nicht vergessen, so zieht der Geschmack richtig rein und die Würste platzen nicht auf dem Grill. Das Grillgut erst auf den Rost legen, wenn die Holzkohle weiß durchgebrannt ist. So muss keiner Angst vor Krebs haben. Und man kann die Wurst schön braun grillen. Guten Appetit!
10. 05. 2006 09:14
Wer hat die älteste Radio-Morningshow in Sachsen? Hitradio RTL, Energy, PSR oder die StadtradioKette? Antwort: Am längsten sind Böttcher und Fischer auf Sendung, die R.SA stetig steigende Hörerzahlen bringen, aber zwischendurch mal zerstritten waren und eigene Wege gingen. Sechs Jahre ist am 7. Juli Freddy bei Energy on Air – ohne Unterbrechung, aber mit häufig wechselnden männlichen Partnern. Dagegen nehmen sich André und die Morgenmädels von der StadtradioKette bescheiden aus. Vier Jahre haben sie es in dieser Woche miteinander ausgehalten.
André Hardt war im Mai 2002 Nachfolger von Falko Maiwald. Kritiker prognostizierten damals ein rasches Ende: André Hardt hatte zu oft den Sender gewechselt. Zur allgemeinen Überaschung führte er jedoch die Stationen zum besten Ergebnis seit ihrem Bestehen. Anfangs standen Kristin Kunze und Saskia Grams an der Seite Hardts. Letztere schaffte zwischenzeitlich den Absprung zum MDR-Fernsehen. Später ging Kristin Kunze, um auf Fuerteventura eine Modeboutique zu gründen, Mitglieder der Dresdner Mädchenband „Nonets“ sprangen zeitweise ein.
Ein Jahr später kehrte Kristin Kunze zurück. Heimweh – lautete die offizielle Erklärung. Insider wussten aber, dass die Sehnsucht auch André Hardt galt. Die beiden waren seit Jahren ein Paar. André Hardt: „Ich habe hier mein berufliches und privates Glück gefunden.“ Am 1. Juli soll geheiratet werden. Trauzeuge wird der Mann, der täglich per Telefon zugeschaltet ist: Micha Klein vom Wetterdienst Donnerwetter.de. Das Wettergespräch ist seit langem Kult. „Wir haben Hörer, die nur deswegen einschalten“, sagt André Hardt, der mit Klein witzig über politische und zeitgeschichtliche Dinge philosophiert. Um das Wetter geht’s nur am Rande.
Vier Jahre Morningshow bedeuten vier Jahre zeitiges Zubettgehen und vier Jahre in Dunkelheit aufzustehen. Fröhlichkeit auf Zwang? „Nein, es macht wirklich Spaß“, meint Hardt energisch. „Sonst würde ich das nicht mehr machen. Ehrlich.“
Erschienen am 10. Mai 2006 in der Leipziger Volkszeitung.
01. 03. 2006 16:44
„Komm, wir fahren nach Amsterdam!“ – diese gesungene Aufforderung kennen mittlerweile tausende Deutsche jeden Alters. Vorgetragen wird sie vom Duo Cora und Swetlana von dem Bottlenberg. Die beiden Musikerinnen mit eingetragener Lebenspartnerschaft schrieben den Titel in den 80ern, seit 1984 ist er bekannt und mittlerweile Kult. „Vor drei Jahren bemerkten wir, dass der Song wieder aktuell ist“, berichtete Sängerin Swetlana bei ihrem Leipzig-Besuch vergangene Woche. Ein Discobetreiber habe damals die beiden eingeladen. „Er erzählte etwas von einer 2000-Mann-Halle und einer Zielgruppe von 13 bis 30. Das konnten wir nicht glauben“, sagte Cora. Überzeugt wurden die beiden dann, als hunderte Teenies ihre Titel mitsingen konnten. „Die kannten alle Texte, das war gigantisch“, erzählten die beiden 54-Jährigen begeistert.
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21. 02. 2006 17:06
So voll war Panitzschs Kirche zuletzt beim Weihnachtsoratorium. Bis auf den letzten Platz ausverkauft und hoffnungslos überfüllt war das Gotteshaus. Alle wollten ihn sehen und hören: Heinz Rudolf Kunze. Nicht
singend, sondern lesend brillierte der 49-Jährige zusammen mit Gitarrist und Manager Wolfgang Stute.
Mit viel Witz, den man sich bei Stand Up Comedians wünscht, erklärte er, warum es sich nicht lohne, mit Frauen zu diskutieren (“Es ist, wie einem Pony Altgriechisch beibringen”), warum Gerhard Schröder und Angela Merkel besser geheiratet hätten und was ein Hochzeitstag und Seitenstechen gemein hätten. Dem einen oder anderen mag die Wortwahl zuweilen vulgär vorgekommen sein. Doch auch wenn das böse F-Wort wohl noch nie so oft in der Kirche Panitzsch verwandt wurde – zahlreiche Lacher, feuchte Augen und ein tosender Applaus waren Kunze sicher.
Erschien am 21.02.2006 in der Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung und in der Leipziger Volkszeitung
07. 02. 2006 12:17
… aus einer aktuellen Presseinfo der Stadt Leipzig: (Hervorhebung durch mich)
Ehrung für Leipzigs zweitälteste Bürgerin: Frieda Springer feiert am 10. Februar im Alten- und Pflegeheim „Martin Andersen Nexö“ ihren 105. Geburtstag. Der Geschäftsführende Oberbürgermeister Andreas Müller wird sie zu diesem seltenen Jubiläum besuchen und ihr die Glückwünsche der Stadt überbringen. Die älteste Leipzigerin, Ida Götze, kann am 9. April ihren 100. Geburtstag begehen. Sie lebt im Alten- und Pflegeheim „Albert Schweitzer“.
Ja, nee – is klar!
Update: Mittlerweile ist die Meldung berichtigt. Ida Götze wird 107. Stolzes Alter.
05. 02. 2006 19:30
Laut leipzig.de wählt Leipzig am 26.Februar erneut den Oberbürgermeister. Bei der heutigen Wahl erreichte keiner der sieben Bewerber die absolute Mehrheit.
Demnach kam Favorit Burkhard Jung (SPD) auf 41,6 Prozent, Uwe Albrecht (CDU) auf 32,7 Prozent und Dietmar Pellmann (Linke.PDS) auf 15,5 Prozent. Der Einzelbewerber Benedict Rehbein erreichte immerhin 2,4 Prozent der Stimmen, Michael Weichert (Grüne) vertrauten 6,1 Prozent, Bernd-Rüger Kern (DSU) wollten 0,9 Prozent und Karsten Werner (BüSo) wählten 0,8 Prozent.
Bescheiden war die Wahlbeteiligung. Nur 34,9 Prozent der Wahlberechtigten nutzten ihre Chance auf Mitbestimmung in der Leipziger Kommunalpolitik. Ich hätte gern gewollt – bin als Tauchaer mit Zwangszugehörgkeit zu Delitzsch (what the f**k…) aber nicht zugelassen.
Knapp 35 Prozent… Wo sind die, die damals am Lautesten nach Wahlen riefen?
03. 02. 2006 11:00
So ein Oberbürgermeisterkandidat hat es nicht leicht. Auf allen Terminen muss gezeigt werden, dass man der Beste und Einzige in Frage kommende Oberbürgermeister (OBM) ist. Dumm nur, wenn man plötzlich feststellt, dass es einem an Relevanz mangelt. Aus diesem Grund wurde Burkhard Jung, der Bewerber der SPD, aus dem Online-Lexikon Wikipedia gelöscht.
Unter www.wikipedia.org befindet sich die freie Enzyklopädie. Jeder kann dort Beiträge lesen und verfassen. So tat das auch ein Benutzer und trug Daten zum SPD-Kandidaten ein. Bereits sieben Minuten später kam aber die erste Gegenwehr eines anderen Benutzers. „Relevanz?“ schrieb der als Löschantrag in ein Forum. Und tatsächlich: Die Regeln der Wikipedia besagen, dass Politiker nur aufgenommen werden dürfen, wenn sie schon OBM sind. Oder aber Landtagsabgeordnete. So wie Michael Weichert (Bündnis 90/Die Grünen), Uwe Albrecht (CDU) und Dietmar Pellmann (Linkspartei), die bereits in der Wissensdatenbank verewigt sind. Und so kam, was kommen musste: Wenige Tage später flog Jung raus.
Mangelnde Relevanz. Das tut weh. Wenigstens bringt Burkhard Jung eines mit, was bereits seine zwei Vorgänger auszeichnete. Er ist in der richtigen Partei, musisch begabt und hat mehrfach seinen Mann gestanden. Denn seit mehr als 15 Jahren hat Leipzig einen Oberbürgermeister aus der SPD, der ein Musikinstrument spielen kann und vier Kinder hat. Hinrich Lehmann-Grube spielt Bratsche, Wolfgang Tiefensee Cello und Burkhard Jung greift gern zur Gitarre. Und wenn er es zum Rathauschef schafft, bekommt er wie seine Vorgänger auch einen Wikipedia-Eintrag.
Erschienen am 3. Februar in der Leipziger Volkszeitung. Vielen Dank an René Meyer für den Recherchetipp!
03. 02. 2006 09:07
Ein “fiehisch” fieser Rechtschreibfehler prangt heute auf der Titelseite der Leipziger Volkszeitung. Als Anzeige:

Falsch deshalb, weil das erste Wort natürlich von “Vieh” kommt. Insofern müsste es “viehisch” heißen. So fragt sich auch xipolis.net bei der Abfrage nach “fiehisch“: “Oder meinten Sie: viehisch?”
Natürlich meinte das der Radiosender.
Mal ganz davon abgesehen, dass ein großes V auch typographisch schöner ausgesehen hätte als das F. Setzen, sechs!