von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
27. 01. 2010 22:04
Kurze Werbeunterbrechung: Seit einer Woche bloggt medienrauschen wieder für eine Messe*. Nachdem Thomas und ich im März vergangenen Jahres zum ersten Mal für den Veranstalter TWIN die Motorräder Dortmund 2009 bloggen durften, wird dieses Blog nun weitergeführt. Zur Motorrad Messe Leipzig veröffentlichen wir Aktuelles von den Vorbereitungen und bringen Hintergründe. Während der Messe vom 5. bis 7. Februar sind wir live vor Ort.
Direkt danach ziehen wir dem Blog mittels kleinem Script die Dortmund-Schürze über und bloggen dann für die Motorräder Dortmund 2010 weiter, die vom 4. bis 7. März stattfindet.
Via Twitter kann man beiden Messeblogs auch folgen: Motorrad Messe Leipzig und Motorräder Dortmund
*) Natürlich bloggen wir auch nach wie vor für die GCO.
23. 01. 2010 12:53
Die Neugestaltung der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) hat ein mächtiges digitales Rauschen erzeugt. Ein Rauschen, das von Kritik geprägt war und noch immer ist. Design und technische Umsetzung lassen Normalnutzer und Internetprofis gleichermaßen aufschreien. Nähere Infos stehen bereits hier im Blog und auf LVZ-Online. Diese Kritik zeigt eines ganz deutlich: Dem Leipziger ist es nicht egal, wie kommunale Websites aussehen. Einfach aus dem Grund, weil er sie braucht und darum eine entsprechende Benutzerfreundlichkeit erwartet. Wohl deshalb fielen die Wortmeldungen so umfangreich und teilweise verbal entgleist aus.
Nun könnte sich ein kommunales Unternehmen mit zugehaltenen Augen und Ohren zurücklehnen und weiter im Glanze ihrer eigenen Erfolge sonnen. Tut es aber nicht. Die LVB und die technisch verantwortliche Agentur EWERK wagen den Sprung nach vorn und stellen sich der Kritik. In den Kommentaren zu meinem kritischen Artikel bot Thomas Gigold ein Treffen im Rahmen des nächsten Webmontags an. Dieser Einladung folgen LVB und ERWERK nun. Auch der umstrittene Professor Frank Hofmann von der Hochschule Merseburg, der das Design der Website entwickelt, wird anwesend sein. Thomas hat das Ganze als Interims-Ansprechpartner für den Webmontag Leipzig mal aufgeschrieben.
Ganz wichtig: Was jetzt zählt, sind neben Kritik vor allem Verbesserungsvorschläge. Konstruktive Kritik also, die helfen sollen, die Website der LVB besser zu machen. Wer solche Vorschläge hat und nicht nur meckern will, sollte diese in ein paar Zeilen niederschreiben und Thomas mailen. Hendrik Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von EWERK sagt: “Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, dass es hier um ein nachträgliches Crowdsourcing gehen soll. Vielmehr ist es mir wichtig technische und gestalterische Themenfelder aufzureißen, die wir gezielt in der Veranstaltung besprechen können. Für eine nachträgliche Anpassung gäbe es dann vielfältige Möglichkeiten einer Mitwirkung.” Um diese vier Bereiche soll es gehen: Gestaltung, Usability, technische Umsetzung und PR.
Von mir gibt’s Respekt für diesen (späten) Schritt des Ganges in die Öffentlichkeit. Vielleicht wird am Ende doch noch alles gut, wenngleich ich nicht glaube, dass im Ergebnis des Webmontages ein komplett anderes Design der Website entstehen wird. Aber vielleicht helfen wir alle gemeinsam mit kleinen Schritten. Und zeigen, welche Kraft in Leipzigs Kreativwirtschaft steckt.
20. 01. 2010 09:48
Wenn ein Unternehmen ankündigt, eine neue Website ins Netz zu stellen, haut das heute normalerweise keinen mehr vom Hocker. Wenn das Unternehmen allerdings ein kommunales ist, für den Webauftritt 50.000 Euro ausgegeben worden sind und dieser dann nicht die Erwartungen der Benutzer erfüllt, schlägt das schon mal hohe Wellen. Der Versuch einer objektiven Analyse.
DAS Thema der Leipziger Twitterer am Dienstag war der Relaunch der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe. Was bis vor kurzem noch eine ganz normale Website im Dreispaltendesign mit linker und rechter Sidebar und mittlerem Contentbereich war, sieht seit Dienstag so aus:

Gegen 14 Uhr begann bei Twitter der Sturm aufgrund dieser Website. Stein des Anstoßes ist vor allem das Design. Die Benutzerführung funktioniert weitgehend über Buttons und Piktogramme. Sidebars und Teaserkästen gibt es nicht, die Website durchzieht ein Matsch aus Grau auf Grau im Querstreifendesign. Der Link zur Homepage ist rechts oben auf einem kleinen Haussysmbol versteckt. Ein Logo im Kopfbereich, wie man das gewöhnt ist, fehlt gänzlich. Die einzig helle und auffällige Fläche in diesem Einheitsgrau ist der gelbe Streifen mit dem LVB-Logo am Fuß der Website. Weshalb (zumindest mein) Blick immer zuerst auf dieses Banner fällt. Zudem ist man durch die Hervorhebung ständig versucht, dort draufzuklicken. Die Typografie ist ein zusätzliches Grauen. Überschriften wurden allesamt mit Versalien, also Großschreibung, realisiert. Das wirkt schreiend und insgesamt nicht freundlich.
Startseite zu unruhig
Die beiden Teaserbilder “Onlineshop” und “Mobilitätsservice” auf der Startseite sind nicht einheitlich und wirken schnell hingeschludert. Am rechten Rand des “Mobilitätsservice” gibt es einen weißen Rand, der bei “Onlineshop” nicht existiert. Oben rechts klebt der Kasten “Verkehrsinfo” direkt an den Piktogrammen, was nicht schön aussieht. Außerdem hat dieser Kasten als einziger abgerundete Ecken – aber auch nur unten. Alle anderen Kästen und Contentbereiche sind durch gerade Ecken abgegrenzt. Mit Design, Einheitlichkeit oder Nachvollziehbarkeit hat das Ganze wenig zu tun. Zudem fragt man sich, warum der Contentbereich links so riesig gewählt wurde, wenn dort nur sechs kleine Piktogramme enthalten sind. Dazu kommt, dass die Abstände zwischen den Kästen nicht einheitlich sind. Zwischen “Verkehrsinfo” und “Onlineshop” klafft eine große Lücke. Insgesamt wirkt die Startseite dadurch sehr unruhig.
Ebenso nicht einheitlich sind die beiden Slider “Meine LVB” und “Hilfe” am linken Bildschirmrand. Bei Klick fahren diese nach rechts über die gesamte Breite der Website. Diesen Effekt sieht man in letzter Zeit häufiger und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Allerdings fragt man sich, warum der Bereich “Meine LVB” nach unten so lang gewählt wurde, obwohl dieser gar nicht so viel Inhalt bereit hält. Zudem ist graue Schrift auf grauem Untergrund eher suboptimal. Der Slider “Hilfe” ist dagegen viel zu voll gepackt. Der “Schließen”-Button ist unten abgeschnitten. Auch das hat mit Design nichts zu tun und sollte eigentlich während eines Usability-Tests vor Live-Schaltung ausgemerzt werden.
Verwirrende Grafiken
Ein starkes Stück, wenn nicht gar eine Frechheit, sind die Silhouetten der Zielgruppen der LVB im Bereich “Tarife“. Während Kinder, Schüler und Azubis noch akzeptabel gestaltet wurden, wirds danach eher finster. Studenten sind offenbar fülliger als Azubis, Erwachsene haben einen Bierbauch, Autofahrer sind unförmig und Senioren sind augenscheinlich Exhibitionisten, die ihren Mantel lüften. Das Ganze wirkt so, als wenn hier nie jemand von “außen” draufgeschaut hat. Dann wäre es sicher aufgefallen, dass diese Grafiken nicht funktionieren und eher diffamierend wirken als ansprechend.
Zur Technik
Die technische Umsetzung der Website lässt sich insgesamt als unfertig beschreiben. Beispiel: Die Suchfunktion. Diese funktioniert augenscheinlich nicht. Trotz Verwendung von Worten, die auf der Website vorkommen, wird nie etwas gefunden. Weder “Newsletter”, noch “Kontakt”, “Fahrplan”, “Fahrgastbeirat”, “Semesterticket” oder “Monatskarte” funktionieren. Man muss zu dem Schluss kommen, dass die Suche noch gar nicht implementiert wurde.
Update: Mittlerweile funktioniert die Suche nach oben genannten Keywords.
Ebenso unfertig ist der RSS-Feed. Dieser versteckt sich unter unteren Navigation und ist nicht direkt in der Website mit link rel= eingefügt, wie das eigentlich üblich wäre. Viel schlimmer ist allerdings: Der Feed funktioniert nicht. Zwar werden Überschriften im Feed generiert, auf die man auch klicken kann. Die kryptische URL bringt dann allerdings nur eine nahezu weiße Seite mit einem Link “zurück zur Übersicht”. Diese sieht dann so aus. Nach Klick auf die Überschriften passiert aber wieder ebenso nichts.
Genauso schlecht oder gar nicht umgesetzt ist die Suchmaschinenoptimierung der Website. Der Seitentitel ist nichtssagend und enthält lediglich den Namen des angewählten Navigationspunktes. Das Meta-Tag “description” fehlt auf allen Seiten. Zudem dürfte die Programmierung dafür gesorgt haben, dass Google die Website so sieht.
Apropos Google: Derzeit verfügt die Website im Google-Index über Sitelinks, also Direktlinks zu wichtigen Navigationspunkten der Website. Diese Sitelinks fügt Google immer dann hinzu, wenn die Suchmaschine der Meinung ist, dass die Navigation logisch angelegt wurde. Sitelinks sind also Ausdruck einer guten Programmierung. Ich sage voraus, dass lvb.de künftig nicht mehr über solche Sitelinks verfügen wird. Dafür spricht unter anderem auch, dass vergessen wurde, Weiterleitungen auf die nicht mehr existenten Links zu legen. Wer also jetzt über Google LVB sucht und dort auf den Sitelink “Fahrpläne für Bus und Tram” klickt, steht kurz auf einer 404-Fehlerseite, danach auf der Startseite und damit im Regen.
Merkwürdig und nicht üblich sind auch die Großschreibungen der URLs. Wer sich vielleicht lvb.de/fahrplan gemerkt hat, wird damit nicht weit kommen, denn nur lvb.de/Fahrplan funktioniert. Hier sollte auf jeden Fall nachgebessert werden.
Allerdings – um auch mal etwas positives zu sagen – ist die Integration von GoogleMaps und die Realisierung des Fahrplanes ein großer Schritt nach vorn. Die Fahrtroute wird auf der Karte angezeigt, inklusive aller Haltestellen auf dem Weg. Zudem wird per kleinem Piktogramm eine Ticketempfehlung gegeben. Für Gelegenheitsfahrer eine Erleichterung.
Leider funktioniert auch diese Integration noch nicht vollends. Bei meinem Test konnte ich zwar eine Route problemlos ermitteln. Verändert man danach aber das Fahrtziel, werden Straßen plötzlich nicht gefunden. Vom Hauptbahnhof in die Ratzelstraße gibt es eine Fahrtroute. Verändert man danach das Ziel auf Antonienstraße (oder eine andere beliebige Straße), wird diese nicht gefunden. Dieses Phänomen der nicht vorhandenen Straßen haben auch andere Nutzer bereits entdeckt.
Gut gemeint aber nicht konsequent umgesetzt ist auch die Verkehrsinfo. Wer auf der Startseite derzeit auf den “Anzeigen”-Button neben “Straßenbauarbeiten Mölkauer Straße” klickt, gelangt zu einer Seite, die unsinnigerweise “Fahrplan” heißt und eine große Karte zeigt. Allerdings ist dort die Baustelle Mölkauer Straße nicht erkennbar. Erst ein erneuter Klick auf diese Baustelle, die jetzt links als letzter Eintrag statt rechts als erster Eintrag angezeigt wird, lässt die Karte an die entsprechende Stelle zoomen. Auch hier sollte nochmal Hand angelegt werden.
Betriebsblindheit?
Entwickelt wurde das “Design” der neuen LVB-Website von Frank Hofmann, Professor für multimediale Anwendungen an der Hochschule Merseburg. Vielleicht liegt hier schon der Hauptgrund für den Reinfall dieses Relaunches. Theoretisches Wissen trifft reale Anforderungen.
Technisch umgesetzt, also programmiert und gehostet wird die Website von eWerk Leipzig. Inwiefern das Unternehmen für diesen Gau mitverantwortlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings muss sich eWerk schon fragen lassen, warum sie hier nicht mit Nachdruck Veto eingelegt haben.
Auf der anderen Seite ist die Zusammenarbeit mit einem großen kommunalen Unternehmen sicher alles andere als leicht. Irgendwann, nachdem man genug gesagt hat, kommt sicher auch bei Agenturen die Resignation und es wird so umgesetzt wie gewünscht. Ich hoffe, bei eWerk existieren genügend Aufzeichnungen über alle Bedenken, die man geäußert hat. Diese würde ich dem Kunden nach dem Sturm der Entrüstung der Nutzer unter die Nase halten.
Wie betriebsblind und unerfahren die Leipziger Verkehrsbetriebe mit dem Thema Internet sind, zeigt bereits die Pressemitteilung, die anlässlich des Relaunchs herausgegeben wurde. Die Website wird dort als “das Internet” bezeichnet. So laufe “das Internet” auf allen gängigen Browsern, jedoch nicht auf Internet Explorer 6.0, weil “für die Browser Internet Explorer eine bundesweite Sicherheitswarnung herausgegeben” wurde. Wer derart ungeschickt Sätze über Internetanwendungen formuliert, sollte vielleicht lieber keine Pressemitteilung herausgeben.
Fazit: Technisch gesehen gibt es bei der neuen Website der LVB durchaus Ansätze, die wegweisend und richtig sind. “Internationale Maßstäbe”, wie die Pressemitteilung laut schreit, werden allerdings nicht gesetzt. Schon gar nicht mit diesem Design, das keines ist. Eine grundlegende Überarbeitung wird sicher nicht möglich sein. Allerdings sollten sich die Beteiligten nochmal an einen Tisch setzen und die Kritikpunkte der Nutzer zum Anlass nehmen, über Optimierungen nachzudenken.
07. 01. 2010 09:36
Nachfolgender Artikel erschien am 7. Januar 2010 in der Leipziger Volkszeitung und bei LVZ-Online
Taucha. „Sammler sind glückliche Menschen“, soll Goethe mal gesagt haben. Auch wenn ihm dieses Zitat nicht hundertprozentig nachgewiesen werden kann, lässt sich an der Richtigkeit dieser Feststellung nicht zweifeln – wenn man Dietmar Bock kennt. Der Tauchaer sammelt alles zum Thema Bockbier. Und ist damit nicht nur glücklich, sondern bleibt auch ganz gelassen.
„Deutschlands erstes privates Bockbiermuseum“ steht an der Tür des ausgebauten Kellers eines Tauchaer Einfamilienhauses. Hinter dieser Tür mit dem unscheinbaren Satz verbirgt er sich, der Bockbier-Schatz von Dietmar Bock. Weiterlesen bei LVZ-Online…
06. 01. 2010 07:13
Es ist Winter. Seit Tagen schreiben die Zeitungen dieser und anderer Städte nichts anderes. Zeigen uns Fotoserien von eingeschneiten Häusern, Autos, Menschen und anderem. Was soll man auch sonst bringen im Winter. Schließlich muss man der Zielgruppe ja mitteilen, dass Winter ist. Sonst merkt die das womöglich nicht.
Service, wie man am Besten mit dem Winter zurecht kommt und vielleicht noch Spaß dabei hat, gab es bislang recht wenig. Bis heute. Heute veröffentlichte die BILD Leipzig unter den Überschriften “Der große Bild-Pisten-Check” und “Leipzigs schönste Rodel-Reviere einen nahezu ganzseitigen Artikel mit wenig Text und vielen Fotos. Ganz Leipzig wäre im Rodel-Rausch, heißt es da.
Auch Autorin Doreen Beilke war offenbar bereits in diesem oder einem anderen Rausch und vergaß dabei die Grundlagen des Journalismus. Quellen nennen etwa. Oder zumindest mal zum Telefonhörer greifen und fragen. Und so bediente sich Frau Beilke munter an den Recherchen anderer und kopierte offensichtlich die Liste der Leipziger Rodelberge. Eine Liste, an der in den vergangenen Tagen mehrere Leipziger Twitterer, Blogger oder Leser dieses Blogs mitgearbeitet haben. Was die Liste nicht gleichzeitig zum Allgemeingut macht. Texte auf meiner Website sind urheberrechtlich geschützt, wie man auch im Blog nachlesen kann.
Dass sich die BILD-Redakteurin an unserer Liste bediente, daran habe ich keinen Zweifel. Zu offensichtlich sind die genannten “Pisten” und die Formulierungen. Beispiele: Die Nennung der Siedlung Goldene Hufe in Paunsdorf. Dieser Vorschlag wurde von Kerstin Decker, Redakteurin der LVZ, per Twitter eingereicht. Diese Siedlung ist derart “versteckt” und der Hügel dort nur denen bekannt, die eine persönliche Beziehung zu dieser Ecke Leipzigs haben. Interessant auch, dass meine Formulierung “Paunsdorf/Heiterblick” übernommen wurde. Heiterblick steht dort nur, weil ich mir nicht hundertprozentig sicher war.
Neben dem Foto des Rodelberges in Grünau ist zu lesen: “Neben der Ringstraße am WK4…” Gleiche Formulierung wählte mein Leser Stefan in seinem Kommentar.
Insgesamt aber fälllt auf: Alle genannten Rodelberge stammen aus unserer Liste. Eigene, weitere Rodelberge, die es mit Sicherheit gibt, hat BILD nicht aufgelistet. Im Gegenteil: einige wurden weggelassen. Klar, schließlich will man dem Leser ja Service bieten und nur die “schönsten Rodel-Reviere” zeigen.
Die einzige Recherche-Leistung Doreen Beilkes für diesen Artikel, der auch online zu lesen ist, scheint darin bestanden zu haben, Fotografen loszuschicken, um “Leipzigs schönste Rodel-Reviere” auch optisch ins Bild zu setzen.
Herausgekommen ist ein wirklich schöner Artikel mit viel Service für den Leser, zweifelsohne. Allerdings eben auch ein Artikel, der sich schamlos an den Recherchen anderer bedient. Und dafür werde ich natürlich Honorar verlangen. Das steht allen zu, die an dieser Liste mitgearbeitet haben.
Update 9.53 Uhr: In einem ersten Telefonat fand Doreen Beilke mein Anliegen “putzig” und meinte, “die Rodelberge gehören Euch ja nicht”. So viel Unverständnis überrascht dann selbst mich. Honorar lehnt sie ab, sie kenne die Liste nicht. Die Liste sei von den Redakteuren zusammengestellt worden.
Update 11.47 Uhr: Bei der BILD ist man befremdet über meine Fotografie der Seite. Doreen Beilke meint, ich solle das Foto “runternehmen, da das sonst nur unnötig Ärger mit Fotohonoraren gibt”. Ich sehe das aus Zitiergründen anders, komme ihrer Bitte aber freundlicherweise entgegen. Auch bleibt sie bei ihrer Version: Die Liste ist nicht aus meinem Blog abgeschrieben. “Wir machen so eine Liste jedes Jahr. Eventuell haben ja Deine Leute unsere Liste vom letzten Jahr abgeschrieben”, sagte sie. Natürlich. Macht ja auch jeder, alte Zeitungen aufheben, um dann daraus für Blogs abzuschreiben.
Darum eine Bitte: Wer hat zufällig eine BILD aus dem vergangenen Jahr mit einer solchen Liste? Würde gern vergleichen.
Update 7.1. 15.30 Uhr: Die Online-Redaktion der Stadt Leipzig arbeitet glücklicherweise sauber und so erreichte mich heute die Anfrage, ob Teile der Liste für die Website verwendet werden dürfen. Dieser Bitte kam ich gern nach und so steht nun dieser Newseintrag auf leipzig.de. Vielen Dank und viele Grüße an die Kollegen.
03. 01. 2010 13:10
Update 15. Januar: Die Liste der Leipziger Rodelberge hat ein neues zu Hause. Bitte folgt dem Link. Unten stehende Liste wird nicht weiter aktualisiert. Kommentare sind geschlossen.
Trotz anstrengender Suche im Netz hab ich noch keine Liste der Rodelhügel in Leipzig gefunden. Sicher, auf Anhieb fallen einem drei, vier Plätze ein, die man noch aus Kinderzeiten kennt oder wo man schonmal war. Aber eine richtige Liste scheint nicht zu existieren.
Darum hier ein Experiment: Lasst uns doch einfach gemeinsam eine solche Liste aufstellen. Ich fange mal an mit einigen Rodelbergen Leipzigs, die ich gefunden hab. Und Ihr ergänzt einfach per Kommentar oder Twitter an @dg_4und20. Einige Vorschläge meiner Follower sind bereits eingearbeitet. Vielleicht entsteht ja im Laufe der Zeit eine richtige Liste mit Suchfunktion und Google-Maps-Anbindung.
Update 15. Januar: Die Liste der Leipziger Rodelberge hat ein neues zu Hause. Bitte folgt dem Link. Unten stehende Liste wird nicht weiter aktualisiert. Kommentare sind geschlossen.
Rodeln in Leipzig und Umgebung:
Bienitz:
Engelsdorf:
Gohlis:
Großzschocher
Grünau:
Knauthain:
Lößnig:
Markkleeberg/Auenhain:
Markranstädt:
Messegelände (Leipzig-Nordost):
Meusdorf:
Paunsdorf/Heiterblick
Rückmarsdorf
Schleußig:
Schönefeld:
Stötteritz:
Südvorstadt:
Taucha:
Thekla:
Zentrum:
Zentrum-Nord:
Zentrum-Südost:
Zentrum-West:
Update 7.1. 15.30 Uhr: Die Online-Redaktion der Stadt Leipzig fragte heute an, ob Teile der Liste für die Website verwendet werden dürfen. Dieser Bitte kam ich gern nach und so steht nun dieser Newseintrag auf leipzig.de. Vielen Dank und viele Grüße an die Kollegen.
15. 12. 2009 17:49
Uwe Schneider ist seit Freitag vergangener Woche nicht mehr Programmchef der Stadtradiokette (Radio Leipzig, Radio Dresden usw.) und Hitradio RTL. Diese Meldung schwappte gestern vom Dresdner Ammonhof nach Leipzig. „Nach elf Jahren kreativer Zusammenarbeit sind wir uns nicht mehr einig geworden über den künftigen Weg der Sender“, begründet Tino Utassy, Geschäftsführer der BCS Broadcast Sachsen die Vertragsauflösung.
Die BCS ist Programmanbieter der Rundfunkstationen. Gesellschafter der BCS sind die Studio-Gong-Gruppe, die Neue Welle und die RTL Group. Mit eben diesen Gesellschaftern und Utassy sei sich Schneider am Ende nicht mehr einig geworden. „Das lief über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten, die Entscheidung fiel dann vergangene Woche“, so Utassy. Mit der aktuellen Marktforschung oder der Mediaanalyse hätte die Entscheidung aber nichts zu tun. „Im Gegenteil, das Jahr ist für die BCS ganz ordentlich verlaufen“, sagt der Geschäftsführer. Uwe Schneider selbst ist enttäuscht: „Das ist eine rein politische Entscheidung und absolut unnütz.“ Schneider war erst im Oktober 2008 als Nachfolger von Klaus Vorbrodt zum Programmchef von Hitradio RTL berufen worden. Erste Handlung war eine Formatänderung auf Adult Contemporary (AC, aktuelle Hits für Erwachsene), auf das außer R.SA alle sächsischen Privatradios setzen. Dem vorausgegangen war eine Hörerumfrage mit 180 000 Teilnehmern.
Auswirkungen auf das laufende Programm habe die Entlassung Schneiders derzeit nicht. „Ich bin jetzt erstmal kommissarisch Programmchef. Die nächsten Wochen werden wir uns auf Nachfolgersuche geben. Aktuell gibt es noch niemanden, den wir im Blick haben“, erklärt Utassy.
17. 11. 2009 19:46
Taucha. Am Sonntag fand der diesjährige Literaturwettbewerb der Stadt Taucha seinen festlichen Abschluss. Bei einer Gala wurden die nominierten Werke in drei Kategorien verlesen und anschließend die Gewinner ausgezeichnet. Die Veranstalter lobten die hohe Qualität der Einsendungen im Nachwuchsbereich.
Es gehört einiges dazu, an einem Sonntagnachmittag den Lichthof der Grundschule Am Park mit kulturinteressierten Menschen zu füllen. Dem Kunst- und Kulturverein Taucha (Kukuta) gelang dies zur Literaturgala ohne Weiteres. Insofern deckte sich das Interesse mit den Einsendungen zum Literaturpreis. Das Motto dieses Mal: „Das Leben ist ein großes Kino“. Genau 232 Werke, so viele wie nie zuvor, erreichten den Kukuta und die Stadt Taucha, die gemeinsam mit dem Tauchaer Verlag als Veranstalter fungierten. „Wir haben Geschichten und Gedichte aus allen Bundesländern erhalten, aber auch aus Österreich, der Schweiz, der Türkei und Norwegen. Natürlich alle in deutscher Sprache“, so Kukuta-Mitglied Tobias Meier, der als Moderator durch den Abend führte.
(more…)
29. 10. 2009 20:36
Neue Wochenzeitung „Weiter“ erscheint ab Freitag in Leipzig
Leipzig bekommt eine neue Verkaufs-Wochenzeitung. „Weiter“ heißt sie, erscheint am Freitag zum ersten Mal und soll ein journalistisches Printprodukt für alle Leipziger werden. Initiatoren, Herausgeber und Chefredakteure sind Jan Kröger, Constanze Kretzschmar, Dirk Stascheit und Jonathan Fasel, allesamt volontierte und fast fertige Studenten der Journalistik. Ich sprach exklusiv für dieses Blog mit Jonathan Fasel über das Projekt und Journalismus in der Messestadt.
Jonathan, warum braucht es Eurer Meinung nach eine neue Zeitung für Leipzig?
Am Anfang unseres Studiums hatten wir das Gefühl, dass Leipzig zwar Medienstadt ist, aber trotzdem zu wenig bietet. Die etablierten Medien sind häufig zu behäbig, erzählen Geschichten nicht genug zu Ende und bleiben zu kurz an einem Thema dran. Außerdem gibt es kein wirkliches politisches Stadtmagazin. Kreuzer & Co. berichten nur ansatzweise über Politik. Zudem glauben wir, dass der Journalismus in vielen Tageszeitungen Deutschlands zu verkrustet ist und immer stärker von wirtschaftlichen Zwängen bestimmt wird, auch und vor allem innerhalb der Redaktion.

Und warum ist es mitten in der Krise, die auch vor den Medien nicht Halt macht, eine gute Idee, ein Printprodukt auf den Markt zu bringen? Warum nicht Online?
Weil wir ehrgeizig sind. Und weil wir glauben, Print wirkt nachhaltiger und bleibt mehr bei den Leuten hängen. Wir wollen mit unseren Geschichten nicht verhallen, wir wollen aufmischen und Aufreger bringen. Dazu braucht es ein Printmedium.
Aber vor allem junge Leute, wie Ihr es selbst seid, leben im Internet und beziehen dort gratis ihre Nachrichten. Und immer mehr etablierte Medien drängen ins Internet.
Das ist richtig, Online vernachlässigen wir ja auch nicht. Wir bieten auf unserer Website Anreißer zu den Geschichten. Wer sie komplett lesen möchte, hat in Kürze die Möglichkeit, ein Online-Abo abzuschließen. Das heißt, er muss das Printprodukt nicht kaufen.
Was sagt der Name „Weiter“ aus?
Wir heißen „Weiter“, weil wir weiter denken und tiefer in ein Thema blicken, als das jede andere Tages- und Wochenzeitung Leipzigs tun kann. Es gab in unseren Namensfindungskonferenzen einige sehr komische Vorschläge. „Weiter“ hat sich dann am Ende durchgesetzt. Das mag für manche wie „Vorwärts“ klingen und damit vielleicht einen linken Touch bekommen. Wir positionieren uns aber mit Absicht nicht in eine bestimmte politische Ecke.
Wie viele Mitarbeiter und Autoren habt Ihr?
Wir haben ein Team aus etwa 20 freien Autoren, die bislang komplett ehrenamtlich arbeiten.
Das heißt, sie betreiben Journalismus als Hobby?
Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben natürlich viele Studenten dabei, die aber größtenteils bereits volontiert haben. Aber es gibt auch freie Autoren, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen und sich bekannt machen wollen.
Wie stellt ihr da die journalistische Qualität sicher?
Wir haben eine doppelte oder sogar dreifache Absicherung. Zum einen gibt es ein Redaktionsstatut, nach dem alle Autoren arbeiten müssen. Zum anderen verfahren wir nach dem Sechs-Augen-Prinzip. Das heißt, der Autor, ein Chefredakteur und ein anderer Autor lesen über jeden Text.
Wie findet Ihr Eure Themen?
Die freien Autoren bieten uns Geschichten an und wir diskutieren zusammen darüber, das gleiche geschieht mit den Themen, die wir einbringen. Einmal in der Woche treffen wir uns in einer Kneipe zur Redaktionskonferenz. Dazu gibt es unzählige Treffen und Telefonate aller Chefredakteure. Auch online funktioniert die Teamarbeit, etwa per Mail, Chat oder GoogleDocs.
Das heißt, alle entscheiden darüber, ob ein Thema ins Blatt findet oder nicht?
Im Prinzip ja. Wir geben gerade jungen Autoren die Möglichkeit, ihre Themen bei uns umzusetzen. Bei anderen Zeitungen werden viele Geschichten geblockt, weil es nicht ins Redaktionskonzept passt oder vom Umfang her einfach nicht umzusetzen ist. Wir wollen hier auch die jungen Kollegen an die Hand nehmen, ihnen eine Plattform bieten.
Also die Fortsetzung des „Spiesser“-Konzepts für die ältere Zielgruppe?
So ähnlich, ja. Allerdings haben wir als junges Team natürlich auch eine junge Sicht auf die die Themen. Hinzu kommt bei uns eine fundierte Recherche.
Nenne bitte kurz die harten Fakten der Zeitung.
Wir erscheinen in A4, haben 16 Seiten, die komplett in Farbe erscheinen und beginnen mit einer Auflage von 1500 Stück zum Preis von einem Euro. Aufmacher ist zur Erstausgabe: “Steigende Kriminalität, weniger Polizisten.”
Wir funktioniert Euer Vertrieb?
Es gibt bislang drei Wege. Zum einen der Verkauf auf der Straße.
So wie die „Kippe“?
Ja, so wie die Kippe. Allerdings wollen wir es so ähnlich machen wie etwa die „BILD“-Verkäufer an der Straße. Zudem haben wir einen festen Stand – in der Grimmaischen Straße Ecke Neumarkt.
Und die anderen Vertriebswege?
Über das Abo. Bislang gibt es eine Handvoll Abonnenten. Die Zeitungen werden ausgetragen per Rad oder per Post verschickt. Zudem gibt es erste ausgewählte Verkaufsstellen, etwa der Kiosk am Augustusplatz.
Warum gibt es „Weiter“ nicht ganz normal im Zeitschriftenladen?
Weil das Pressegrosso für uns nicht zu bezahlen ist. Wir müssten über 53 Prozent des Verkaufspreises abgeben, das ist einfach nicht drin. Dafür sprechen wir eben gezielt Läden, Kneipen und Kioske an. Das Netz der beteiligten Händler ist im Internet einzusehen und wird sich auch weiter vergrößern.
Stichwort Anzeigenkunden.
Es gibt zur Erstausgabe zwei Anzeigenkunden, die keinen direkten Leipzig-Bezug haben. Natürlich suchen wir weitere Anzeigenkunden, speziell in und aus Leipzig.
Keine Angst vor den etablierten Medien, die es ohnehin schon schwer haben, Anzeigenkunden zu akquirieren?
Nicht wirklich, nein. Denn wir bieten ein anderes Werbeumfeld als die LVZ. Von der BILD mal komplett abgesehen, das ist ja ein ganz anderes Genre. Wir sehen uns auch nicht als Konkurrenz zur LVZ – sondern eher als Ergänzung.
Eure Zielgruppe?
Alle Leipziger und jeder, dem Leipzig am Herzen liegt.
Wie betreibt Ihr Leser-Blatt-Bindung?
Über die Themen. Wir werden Themen haben, die jeden Leipziger betreffen. Und wir geben Themen den Raum, um sie rundum zu beleuchten. Der Aufmacher der Erstausgabe etwa geht über vier Seiten mit Grafiken, Fotos und anderen Gestaltungselementen. Dazu bieten wir auch Stilmittel, die andere nicht bieten, etwa Doppelporträts zu einem Thema, Satire und anderes.
Und das Layout?
Hat Magazincharakter und ist sehr luftig. Wir haben eine Studentin aus der HGB rekrutiert und eine Freundin, die im Agenturbereich tätig ist. Beide haben ihre Erfahrungen eingebracht und aus ihren zwei Vorschlägen haben wir ein Produkt entwickelt.
Ich danke für das Gespräch und wünsche einen erfolgreichen Start.
Wir danken auch und sind gespannt.
Die Macher:
Jonathan Fasel, 25, Student der Journalistik und Politikwissenschaften, kommt ursprünglich aus München und hat sich während des Studiums in Leipzig verliebt. Sein Volontariat absolvierte er beim Print-Medienservice Südwest, einer Ausgründung der Rheinpfalz. Fasel konzipierte die Jugendseite „Downtown“ des SachsenSonntag und verantwortete sie eine Zeit lang. Fasel ist der Sohn von Christoph Fasel, Journalist und Buchautor.
Dirk Stascheit, Gründer der Kurzzeittageszeitung „Der Leipziger“, die 2003 für 14 Tage auf Probe erschien. Er ist unter anderem auch zuständig für die Website von „Weiter“.
Jan Kröger, Student der Journalistik und Politikwissenschaften, volontierte beim MDR-Hörfunk.
Constanze Kretzschmar ist ebenfalls Studentin der Journalistik und Politikwissenschaften, volontierte bei der “Rheinischen Post” in Düsseldorf.
Alle vier Macher sind Gesellschafter einer UG, also einer Mini-GmbH in Gründung.
26. 10. 2009 12:54

Taucha. Wenn ein Bundestagsabgeordneter wie Manfred Kolbe (CDU) zur Feier eines Entenhauses auf dem kleinen Schöppenteich in Taucha kommt, darf die Frage erlaubt sein, warum ihm das so wichtig ist. „Ich finde es gut, wenn private Unternehmer durch Sponsoring solche Maßnahmen umzusetzen helfen“, begründete er bei der gestrigen „Enthüllung“ der neuen Unterkunft für das liebe Federvieh. Selbiges war ob des ungewohnten Trubels mit Musik, Gulaschkanone und rund 50 Menschen auf die benachbarte Parthe geflüchtet. Nur drei Nutrias harrten am Teichrand aus – und verpassten so auch nicht, wie Bernd Rossa und Norman Imm die Plane vom Haus zogen und den Spruch „Ein Herz für Taucha“ nebst Name und Logo des Heimatvereins freigaben.
Unternehmer René Werner, selbst Mitglied im Verein, hatte das Haus im Mai 2003 errichtet, es mit der Werbung für seine Firma versehen und damit ein monatelanges, groteskes Politikum ausgelöst. Die neue Behausung, die Werner gemeinsam mit André Hamann, Hersteller von Spielhäusern, gestaltete, gehört nun offiziell dem Heimatverein. Damit ist das Quartier offenbar so politisch korrekt, dass Kolbe zum Mikrofon griff und sich zu waghalsigen Vergleichen hingezogen fühlte: „Das neue Entenhaus ist fast so schön wie der Bundestag. Ich wünsche ihm alles Gute“, sprach er, während aus den Lautsprechern von Diskjockey Roland der „Ententanz“ von Frank Zander und den Schlümpfen tönte.
Erschien am 26. Oktober 2009 in der Leipziger Volkszeitung.