Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Lustiges’ Category

“Einmal lesen ersetzt ein Grundstudium”

heute show Das BuchMit Büchern zu Fernsehserien ist das immer so eine Sache. Sie erzählen oft nach, was zu sehen war, geben eventuell Einblicke in die Produktion und bieten Hintergründe. Das war’s dann meist. Zurück bleibt ein Gefühl von “Ja, schön – hätte aber nicht sein gemusst.”

Das alles ist bei “heute show, Das Buch” nicht der Fall. Der Spaß an intelligenter Politik-Satire, den das Team um Oliver Welke an jeder Sendung hat, ist dem Buch regelrecht anzumerken. Ohne Umschweife geht es nach einem Vorwort, das eigentlich gar keins ist, sondern direkt mit der Satire beginnt (“Einmal dieses Buch lesen ersetzt ein Grundstudium in Politik, Sozialpädagogik oder jedem anderen Laberfach. Zweimal lesen gilt in SPD-regierten Bundesländern (und an der Uni Bayreuth) bereits als Promotion.”), direkt ans Eingemachte.

So werden die “coolsten Stellen des Grundgesetzes” nebst ihrer Bedeutung aufgelistet. Beispiele gefällig?

Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Bedeutet genau das, was da steht. Wer anderen Leuten die Würde nimmt, ist charakterlich das Hinterletzte. Wenn sich jemand allerdings selbst die Würde nimmt, indem er beispielsweise Cowboystiefel trägt oder mit 14 in die Junge Union eintritt, kann der Gesetzgeber wenig machen.

Artikel 5: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.
Vermutlich fehlte den Vätern und Müttern des Grundgesetzes die Phantasie für eine Welt mit Internet, in der jeder Honk seinen eigenen Blog hat. Der Zusatz für die Bundesrepublik 2.0 lautet daher: Ja, man kann ständig seine Meinung äußern. Man MUSS aber nicht!!!

Artikel 8: Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung und Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
Da denkt der eine oder andere junge Mann aus Berlin-Neukölln spontan: “Unbewaffnet versammeln? Ich bin doch nicht bescheuert, Du Opfer!”

Apropos Opfer: Lieblingsopfer der heute-show im ZDF ist die FDP. Meist zurecht. In “heute show, Das Buch” finden sich all jene Verfehlungen der einstigen 18-Prozent-Partei. “Aufstieg und (vor allem) Fall der FDP” werden auf 16 Seiten thematisiert. Wunderbar an diesem Buch ist, dass nahezu alle Pictos abgebildet wurden. Also jene Bildchen, die neben Moderator Oliver Welke passend zum Thema zu sehen waren. Da wurde zum Anlass der Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hoteliers der RTL-Spendenmarathon zum FDP-Spendenmarathon umgestaltet. Da singt Guido Westerwelle als Max Raabe “Kein Schwein kreuzt mich an” oder steht in der Savanne und bekommt den Spruch “Serenguido darf nicht sterben” angeheftet.

Nicht so schön wie im Bewegtbild mit Ton ist der Kommentar von Gernot Hassknecht zum Nachlesen. Trotzdem ist es schön, den freundlich-cholerischen Kommentator, der in jeder Folge für einen anderen Sender spricht, nochmals nachlesen zu können. Etwa den hier:
Der feine Herr Köhler hat keinen Bock mehr. “Meinem Amt ist nicht der nötige Respekt entgegengebracht worden!” Ja, da kotz ich doch im Strahl!! Ja, wer hat denn das schöne Amt weggeworfen wie eine alte Rotzfahne?! Für solche Leute gibt’s im Lateinischen ein schönes Wort: Pussies!!!
Da fehlt manchmal nur noch die spontane Überblendung mit dem ZDF-Störbild.

Faktenreich wird es in der “heute show-Infobox”, die passend zu jedem Themenbereich des Buches eingefügt wurde. So erfährt man etwa einiges zur Partei Die Linke (unter der Überschrift “Deutschland schönste Parteien”), zur Globalisierung oder zu Religionen: “Wer sich gerne nebulöse Versprechen anhört und es außerdem ganz gut findet, wenn ihm das Geld aus der Tasche gezogen wird, der sollte ruhig einer Religionsgemeinschaft beitreten. Oder 9Live gucken.”

Natürlich finden neben Oliver Welke auch alle anderen Figuren aus der heute show Platz im Buch: Tina Hausten, Martin Sonneborn, Olaf Schubert, Lutz van der Horst, Ulrich von Heesen, Carsten van Rissen und Christian Ehring.

Kurzum: Dieses Buch ist der adäquate Ersatz für die heute show-freie Zeit und ein ultimatives politisches Nachschlagewerk für alle, die politisches Hintergrundwissen und -interesse mitbringen. Und Politik nicht ganz so ernst nehmen. Also genau wie die Politiker dieses Landes selbst.

Oliver Welke, Morten Kühne:
heute-show, Das Buch
Rowohlt Berlin, Hardcover, 240 S., 18,95 €
ISBN: 978-3-87134-699-6

Infos und Leseprobe.

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  • Pressemitteilung aus dem Google Translator

    Soeben erreichte mich eine Pressemitteilung (ich nehme jedenfalls an, dass das eine sein soll), die offenbar durch den Google Translator gejagt wurde. Der ist zwar in der Vergangenheit deutlich besser geworden – aber dennoch selten wirklich treffsicher. Wie eben jene Mitteilung, bei der am Ende nur eines bleibt: Ein Schmerz im Bauch vor Lachen und ein großes WTF über dem Kopf. Ein Auszug.

    GXE Will Im Jahr 2011 Gewinnen

    DENTON, DE — Mar 30, 2011 / (http://www.myprgenie.com) — Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren haben Tausende von neuen Kräften ins Internet Spiel Handel Markt eintrat. Deshalb wird es konkurrenzfähiger im Jahr 2011. Um einen guten Erfolg in dieser Konkurrenz zu erhalten, zieht IGXE eine unanfechtbare Lichtpause.

    [...]

    IGXE ist eine hervoragende Website, die den besten Service an den Kunden bietet. WOW Gold findet immer ein Hauptposition im Vertrieb. Um diese Konkurrenz zu gewinnen, setzt IGXE mehr Aufmerksamkeit auf eine Reihe von neuen Produkten wie RIFT Gold, RuneScape Gold, Runes of Magic Gold, EVE ISK usw. RIFT ist ein neu erschienenes Spiel, das sich fängt bei der Registrierung Trend in World of Warcraft. “Nur mit diversifizierte Produkte und Erfüllung der Anforderungen der Kunden können wir eine bessere Fortschritte in diesem Jahr machen,” sagt Herr Kevin, der CEO von IGXE. Ab März wurde eine neue Abteilung von IGXE gesetzt. Die Abteilung ist verantwortlich für die Auswahl der besten Produkte für den Vertrieb. Welche ist die heißeste umsatzstärkste Produkt? Welche sind die belie btesten Spiele unter den Spielern? Diese Art von Informationen werden durch diese neue Abteilung gesammelt und verwendet, um sicherzustellen, am IGXE das Best in diesem Markt zu halten.

    Gleichzeitig machen die andere Abteilungen auch Vorbereitung für die Herausforderungen. Die Kunden-Service-Abteilung machte eine Berufsausbildung, damit können die Arbeiter mehr über die Produkte wissen. [...]

    Die alle Angaben zeigen, dass IGXE hat schon vorbereitet für diesen Wettbewerb. Und es glaubt, dass mit der Bemühungen der aller Teammitgliedern wird IGXE im Jahr 2011 gewinnen.

    Falsch. All diese Angaben zeigen, dass sich IGXE, wer auch immer das ist, lächerlich macht und offenbar dringend einen Übersetzer und/oder deutschen PR-Verantwortlichen braucht. Mal anrufen dort. Aber vorher bereite ich mich vor.

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  • Stehende Gewässer nicht füttern!

    Die Stadt Leipzig wartete soeben mit einer Pressemitteilung auf, die diese Überschrift trug:

    Fütterungsverbot für stehende Gewässer im öffentlichen Raum

    Ahja. Keine Sorge, liebes Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport, ich habe noch nie stehende Gewässer gefüttert. Ich wüsste gar nicht, was stehende Gewässer so essen. Essen sie überhaupt was? Und nehmen sie etwas von Fremden? Oder holen sie sich lieber schnell etwas am Stehimbiss? Nunja…

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  • Rodeln in Leipzig

    Ausnahmsweise auch mal wieder ein erfreuliches Thema. Nämlich die Erinnerung an die Rodelliste Leipzig. Anfang des Jahres hatten Twitter-User und Besucher dieses Blogs die Liste zusammengestellt, die ich später in einem eigenes Projekt zusammengefasst hatte. Auf http://leipzig.rodelliste.de/ kann man sehen, in welchen Stadtteilen die schönsten, besten und waghalsigsten Rodelberge warten. Alle Einträge sind kommentier- und bewertbar. Auch Vorschläge für neue Rodelberge können gemacht werden, dazu einfach das Kontaktformular ausfüllen oder kommentieren.

    Alle Einträge der Rodelliste stehen unter der CC-Lizenz. Das macht das Kopieren leichter, wenn man die Lizenz beachtet. Sollte zu schaffen sein, Kollegen.

    Und einen Twitter-Account hat die Rodelliste natürlich auch. :)

    Das ambitionierte Ziel war es übrigens, eine Plattform zu schaffen, die recht einfach auch auf andere Städte erweiterbar ist. Wer also Lust hat, das Ganze für Halle, Dresden, Magdeburg, Hamburg, Köln etc. in die Hand zu nehmen: Einfach bei mir melden, ich richte das dann ein.

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  • Karlie Hase und der Tod

    Karl Braun ist Thüringer, Journalist und leidenschaftlicher Fernsehmacher. Auf myspass.de hat er eine Webshow, die ihresgleichen sucht. Als Karlie Hase mischt er sich deutschlandweit unters Volk, hält ihnen das Mikro unter die Nase und lässt sie einfach reden. Mit teils sehr witzigen Ergebnissen, wie selbst das Video von der Körperwelten-Ausstellung beweist. Die ganze Story bei “Großes Netz”.

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  • Die Sache mit dem Blumenkübel

    Seit wenigen Stunden wird eine Lokalgeschichte der Münsterschen Zeitung, Redaktion Neuenkirchen, durch das Twitterdorf gejagt. Der Artikel handelt von einem zerstörten Blumenkübel im Antoniusstift Neuenkirchen. Bewohner des Altenheims seien entsetzt, fassungslos und traurig. Es habe niemand etwas gesehen und der Kübel sei ja auch 150 Euro wert. Es mag an dem unfreiwillig komischen und ein wenig sensationsbetonten Schreibstil liegen, dass gerade diese Geschichte, die man in anderen Zeitungen wohl eher als kleine Polizeimeldung mitgenommen hätte, nun plötzlich die Aufmerksamkeit von gefühlt jedem zweiten Twitternutzer Deutschlands aufgegriffen wird. Das Hashtag #blumenkübel dürfte heute auf Platz 1 der deutschen Trending Topics liegen.

    Während anfangs nur Sätze der Verständnislosigkeit über die scheinbar nicht vorhandene Relevanz des Themas getwittert wurden, setzte schnell Kreativität ein. Aktuelle Ereignisse wurden mit dem “Blumenkübel-Desaster” verknüpft. Genau das ist es, was ich an Twitter so liebe. Einige Beispiele, wahllos herausgegriffen:

    wtfunblockeduii
    Augenzeuge: “Überall war Erde.. Und dann diese Scherben.. Es war wie Krieg.” #blumenkübel

    dhaunsch
    Steve Jobs: Auch #Blumenkübel anderer Hersteller gehen kaputt.

    utzer
    #Blumenkübel geschändet, Politiker und Hinterbliebene fordern mehr #Überwachung zur Verhinderung ähnlicher Taten.

    falingo
    #blumenkübel BILD spricht mit dem Schwager der Nichte. “Er war schon immer labil”!

    Die Redaktion indes steht hinter der Autorin des Textes. “Die Autorin ist eine Praktikantin von uns, die heute ihre erste Praktikumswoche beendet hat. Natürlich hat diese Geschichte keinen großen Stellenwert für unseren Onlineauftritt. Aber wenn die Bewohner eines Altenheimes traurig sind über solch eine Tat, dann ist das für uns als Lokalredaktion ein Thema, das wir aufgreifen und darüber berichten”, sagte mir ein Redaktionsmitarbeiter. Er selbst wusste noch nichts vom Hype um die Blumenkübel-Story, fand die Reaktionen darauf aber “recht witzig.”

    Ich selbst bin etwas zwiegespalten. Natürlich ist das keine Geschichte, die bundesweit interessiert. Allerdings – und da gebe ich dem Kollegen Recht – ist dieser Vorfall ein Thema für die Zeitung, wenn es Betroffene gibt. Nun erscheint ein Blumenkübel für 150 Euro keine große Sache, auch wenn es ein “großer Blumenkübel” war. Für die direkt vom Thema betroffenen ist das allerdings ein Problem. Ich hätte hier sicher nur eine Mini-Meldung für’s Print im Stil einer Polizeimeldung draus gemacht. Für den Onlineauftritt taugt so ein Artikel jedenfalls nur bedingt.

    Update 15:43 Uhr:
    Die Kollegen der Münsterschen Zeitung freuen sich über den Hype und haben gleich einen längeren Artikel dazu verfasst.

    “Maulkorb” für Online-Werbeträger

    Jubeln verboten? Weil die AGOF ihre Erhebungen angepasst hat, dürfen ihr angeschlossene Website-Betreiber ihre Zugriffszahlen zwar nennen, aber nicht vergleichen. Das Portal spieletipps.de fühlte sich daraufhin zu einer witzigen Pressemitteilung veranlasst.

    Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) erfasst die Reichweiten von Websites und will nach eigener Definition das Internet zum transparenten und planbaren Werbeträger machen. Damit das in Zukunft besser gelingt, wurden für die neuerliche “Markt-Media-Studie” internet facts 2010-I Anpassungen vorgenommen.

    Bislang ging man davon aus, dass ein Nutzer das Internet über verschiedene Wege besucht und sich dafür an mehr als einen Ort begibt oder an einem Ort zwei Rechner nutzt. Das machte aus dem Nutzer einen MultiClient-Nutzer, weil er mindestens zwei Zugangswege zum Internet fand. Neu ist nun, dass davon ausgegangen wird, dass Nutzer das Internet “von mehr als einem Ort aus nutzt und beziehungsweise oder mit mehr als einem Browser pro Rechner online geht”. Bis zu vier Clients sind es nun, die pro Nutzer zugrunde gelegt werden. Was zur Folge hat, dass die Anzahl der MultiClient-Nutzer von bislang 37 Prozent auf nun etwa 75 Prozent stieg.
    Außerdem wurde (analog etwa zur Radio-MA) die neue Grundgesamtheit zugrunde gelegt. Neben der bislang deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren werden auch bei der AGOF EU-Ausländer und andere deutschsprachige Ausländer in der Grundgesamtheit erfasst und abgebildet.

    Aufgrund dieser Änderungen dürfen die neuen Ergebnisse allerdings nicht mit bisherigen verglichen werden – einfach, weil sie nicht vergleichbar sind. Jubeln über Zuwächse ist den Anbietern, trotz wirklicher Zuwächse, also verboten. Weil diese Rechnerei und theoretischen Annahmen niemandem zu vermitteln sind, fühlte sich das Portal spieletipps zu einer witzigen Pressemitteilung berufen, die ich hier ungekürzt veröffentliche.
    (more…)

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  • Welcome to Twitter!

    Mehr solcher großartigen “News-Shows” bei current.com

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  • Richtig schön anders

    Wir befinden und im März 2010. Ganz Radiosachsen versinkt im Einheitsbrei, leidet unter Einfallslosigkeit und claimt sich zu Tode*. Ganz Radiosachsen? Nein. Ein kleiner, tapferer, von unbeugsamen Radiomachern besetzter Sender macht das, was ein Radiosender tun sollte: Radio. Authentisch, unterhaltsam und nah am Hörer.

    Seit etwa zwei Wochen läuft bei R.SA Sachsen eine Aktion, die aufhorchen lässt. Alles begann mit den Digedags, jenen Helden aus dem DDR-”Comic” MOSAIK. Die Morgenmoderatoren Thomas Böttcher und Uwe Fischer riefen die Hörer auf, ihre Lieblingsausgabe zu wählen. Ob es nun glückliche Fügung war oder nachgeholfen wurde, dass Ausgabe 154 mit dem Schaufelraddampfer-Rennen als Favorit hervorging, sei mal dahingestellt. Jedenfalls machten die BöFis aus dieser Geschichte eine weitere. Für die Sächsische Dampfschifffahrt arrangieren sie nun ein Schaufelraddampfer-Rennen auf der Elbe. Am 1. April tritt der Dampfer “Stadt Wehlen” gegen den Dampfer “Pirna” an. Auf der Elbe in Dresden, die für diese Veranstaltung eigens gesperrt wird.

    Die Vorbereitungen zu diesem Rennen werden quasi minütlich in der Morningshow der BöFis dokumentiert. Da rufen DLRG und Wasserschutzpolizei an, melden sich ehemalige Mitarbeiter der Weißen Flotte und jetzige Mitarbeiter der Sächsischen Dampfschifffahrt. Da wollen anfangs hunderte auf Böttchers Dampfer mitfahren und niemand beim Fischer. Da wird eine Gallionsfigur für Böttchers Schiff gesucht – und gefunden. Und da spielt, wie heute Morgen, eine Dixieland-Band live im Studio, um schonmal eine Kostprobe dessen zu geben, was auf Fischers Schiff am 1. April zu hören sein wird.

    Die Eigendynamik, die das Ganze nimmt, und die man förmlich am Radio spüren kann, ist genau das, wofür Radio gemacht wurde. Das ist Kino im Kopf, man lacht mit und nicht über die Moderatoren. Dass das Ganze eine verkaufte Geschichte ist – die Sächsische Dampfschifffahrt ist ein Kunde von R.SA – mag Geschmäckle haben. Allerdings zeigt die Aktion, wie kreativ heutzutage mit Kundenwünschen im Radio umgegangen werden kann. Ohne nervige Spots, ohne peinliche Aktionen. Und wie man gleichzeitig tausende am Radio unterhalten und für eine Sache begeistern kann.

    “Richtig schön anders” ist eine der eigenwilligen Übersetzungen des Kürzels R.SA (, für das es keine wirkliche Entsprechung gibt). Eine Übersetzung, die auch von Hörern stammt. Ich glaube allerdings nicht, dass R.SA anders ist. Nein, R.SA ist sich nur der wesentlichen Aufgabe eines Radiosenders treu geblieben. Die Hörer ernst zu nehmen und Radio für die “Leute da draußen” zu machen. Werte, derer sich so mancher Programmchef in Deutschland endlich wieder annehmen sollte.

    *) Natürlich war das keine Generalkritik an allen anderen sächsischen Sendern. Es gibt bei jeder Station Elemente, die erwähnungswürdig und gut umgesetzt sind. Die Einleitung hat lediglich dramaturgische Gründe. :-)

    “Millionär” macht einsam

    Folgende Mail schrieb ich heute an Tommy Jaud, den meiner Meinung nach besten Comedyautor Deutschlands. Die Mail werden nur diejenigen wirklich verstehen, die Jauds 2007 erschienenes Werk “Millionär” auch gelesen haben, was mir aber mal herzlich egal ist. ;-)

    Sehr geehrter Herr Jaud,
    ich möchte nicht aufgenommen werden zu Schulungszwecken. Und ich möchte mich beschweren.

    Der Grund: Das Lesen Ihres Buches “Millionär” macht einsam. Als ich mir am Samstagnachmittag Ihr Buch kaufte, ahnte ich noch nicht, dass ich damit den Rest des Tages und die Hälfte der Nacht zubringen würde. Bereits im Laden las ich die erste Seite und vergaß so fast, das Buch zu bezahlen. Die Kasse sieht man ja nicht, so mit einem Buch vor den Augen. Zu Hause verschlang ich dann weitere Seiten – sehr zum Leidwesen meiner Frau, denn das Lesen Ihrer Bücher geht nie leise von statten. Nach jedem dritten Satz muss man lachen. Und ich lache sehr laut beim Lesen.

    Am Abend, ich hatte das Buch noch immer vor den Augen, versuchte meine Frau dann etwas aberwitziges: Sie setzte sich neben mich, um auch ihrerseits ein Buch zu lesen. Sie werden sich denken, was passierte: Sie hielt es neben mir lachendem und vor Freude zappelndem Menschen nicht lange aus. Und ging ins Bett.

    Da saß ich nun. Einsam. Bis 2.45 Uhr morgens. Zu diesem Zeitpunkt ging gerade der Summer von Annabelles alter WG. Und ich stellte mit Erschrecken fest: Ich war gar nicht müde. Hier entstand das zweite Problem: Um diese Uhrzeit noch etwas sinnvolles anzustellen ist schwer – außer man liest Ihr Buch noch einmal. Oder den Vollidioten. Oder den Resturlaub, der sich irgendwie nicht so leicht runterliest. Ich entschied mich für den Fernseher. Dummerweise kamen aber keine Dokus mehr, nicht mal eine Kochsendung. Und daran sind nur Sie schuld!

    So, das war’s – ich muss jetzt auch schnell auf spiegel.de schauen, ich glaub, es ist was passiert.

    Also, machen Sie’s gut! Sie sind echt Welt!

    Viele Grüße,
    Daniel Große

    Bereits 2007 war ich von Tommy Jauds Vollidiot begeistert. Den “Millionär” habe ich schon lange mal kaufen und lesen wollen, bin nun eigentlich viel zu spät dran – habs aber nicht bereut. Unnötig zu sagen, dass ich das Buch jedem Mann empfehle. Ja, jedem Mann. Für Frauen ist das nix.

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