GROSSE WORTE

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

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Gelbes Branchenbuch: Neue Abzock-Welle

Im Mai 2008 warnte ich bereits schon einmal vor dem “Gelben Branchenbuch”, das auf gelbesbranchenbuch.com eine Website bereitstellt, die vorgibt, eine Branchenauskunft zu sein. Um die dort zu findenden Einträge in bezahlte Premium-Einträge zu wandeln, versandte der Betreiber, die Ucalegon Ltd., per E-Mail Korrekturabzüge, die man nur kontrollieren und zurückfaxen solle. Wer hier nicht aufpasste, in der Annahme, es handele sich um einen wirklichen Korrekturabzug der richtigen Gelben Seiten, wurde schnell viel Geld los: 780 Euro jährlich bei einer Laufzeit von zwei Jahren, zahlbar im Voraus. Eine Gegenleistung, die diese Summe rechtfertigen würde, gab es nicht. Im Gegenteil: Die Website ist ständig nicht erreichbar, Suchabfragen führen ins Nichts oder dauern ewig. Die Verantwortlichen haben so ihre Probleme mit dem Zend Framework.

Jetzt, im Februar 2010, gibt es offenbar eine neue Welle vom Gelben Branchenbuch. Wieder werden mittelständische Firmen, Freiberufler und offenbar, wenn ich meinen Website-Statistiken Glauben schenken darf, auch börsennotierte Unternehmen angeschrieben. Die Masche ist die Gleiche. Das Gelbe Branchenbuch teilt in der Mail mit, man informiere “gemäß §33 des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes” über den Eintrag im “Gelben Branchenbuch 2010/2011″. Dass es sich dabei nicht etwa um ein Druckerzeugnis, sondern nur um eine schlecht gemachte Website handelt, darauf geht der Versender in der Mail nicht ein. Danach folgen einige Angaben zur Firma, bei der entweder Faxnummer oder Internetadresse fehlen. Außerdem bittet man um Prüfung des Anhangs, den man “gegebenenfalls retournieren” solle.

Der Anhang ist ein PDF-Dokument, auf dem unter der Überschrift “Eintragungsantrag” die Daten des einzutragenden Unternehmens wiederholt werden. Außerdem wird rechts daneben eine Laufzeit angegeben, die zwei Jahren entspricht. Auch in der darunter Leistungsbeschreibung ist von zwei Jahren Laufzeit die Rede. Der Preis blieb stabil: 65 Euro im Monat, sprich 780 Euro im Jahr. Eine Kündigung sei drei Monate vor Ablauf des Vertragszeitraumes schriftlich möglich. Außerdem wird hier die Domain gelbesbranchenbuch.com als Veröffentlichungsmedium für den Eintrag genannt. Allerdings kann sich, so ist zu lesen, die “Internetveröffentlichungsdomain” auch ändern. Heißt: Die Firma, die gelbesbranchenbuch.com betreibt, kann von heute auf morgen die Domain dicht machen und die gesammelten Daten unter einer anderen Website veröffentlichen. Auch steht in der Leistungsbeschreibung, dass der Auftragnehmer berechtigt ist, die Forderungen ganz oder teilweise an Dritte abzutreten. Heißt: Wer zahlen muss, bekommt möglicherweise von so genannten Factoring-Firmen seine Rechnung. Zu beachten ist auch: Wie bereits 2008 steht in dem PDF-Dokument, dass tschechisches Recht gilt und der Gerichtsstand Prag ist.

Vertragspartner ist die so genannte GBB Ltd., die ihren Sitz in Majuro auf den Marshall Islands im Nordpazifik hat. War mir neu, dass die Marshall Islands zu Tschechien gehören – oder wieso glaubt diese Unternehmen, tschechisches Recht anwenden zu können?

Wir halten also fest: War es 2008 noch die Ucalegon Ltd. mit Sitz in Bangkok, die diese Schreiben verschickte, ist es heute die GBB Ltd. mit Sitz in der Hauptstadt einer idylischen Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Was allerdings verwundert: Im PDF-Dokument sind noch immer Spuren der Ucalegon Ltd. zu finden. Der Firmenname steht in den Meta-Daten bei “Verfasser” bzw. “Author”. Auch wurde offensichtlich vergessen, den Titel des PDFs zu ändern. Hier steht immer noch “Unser Angebot 2009″. Ob das nun heißt, dass die Ucalegon Ltd. noch immer für den Versand der “Angebote” verantwortlich ist, weiß ich nicht.

Was allerdings sicher ist: Dieses PDF-Dokument sollte man natürlich NICHT an die genannte Faxnummer mit Frankfurter Vorwahl senden. Denn was dann folgt, ist eine Rechnung über die genannten 780 Euro jährlich bei Laufzeit von zwei Jahren, sprich also 1560 Euro bzw. 1856,40 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) bei quasi nicht vorhandener Gegenleistung. Denn selbst, wenn die Website gelbesbranchenbuch.com mal wider Erwarten funktioniert: Die Daten vieler Firmen stehen längst drin, auch ohne Abzock-Eintragung zu überhöhten Preisen.

Update: Einen guten Eindruck von der Seriosität der Website gelbesbranchenbuch.com bekommt man übrigens auch, wenn man sich den Quelltext der Website anschaut. Dort wird auf eine CSS-Datei gelinkt, die sich offenbar im Verzeichnis “versautesschlafzimmer” befindet.

Update II: Wenn ich oben schrieb, “die Daten vieler Firmen stehen längst drin”, dann heißt das natürlich nicht, dass das Gelbe Branchenbuch ein ernst zu nehmendes Verzeichnis wäre. Im Gegenteil. Die Suche nach zum Beispiel “Malermeister” in Leipzig bringt gerade mal drei Treffer – bei gelbeseiten.de sind es 128. Ich wollte es gerade gern noch mit “Schlüsseldienst” versuchen, aber gelbesbranchenbuch.com ist schon wieder nicht erreichbar, bzw. produziert PHP-Fehler, so wie auch beim Bestellvorgang eines Premium-Produktes.

Update III: Auch in Österreich ist das Gelbe Branchenbuch weiterhin aktiv. Dort sind es laut OTS gleich drei Jahre, die man sich binden soll. Schreiben, die an österreichische Firmen gesandt werden, tragen offenbar noch die Ucalegon Ltd. als Absender. Zudem teilt der Herausgeber der Pressemitteilung, die Herold Business Data GmbH, meinen Eindruck, dass das Gelbe Branchenbuch ein fehlerhaftes bzw. unvollständiges Verzeichnis ist.

Update 23. Februar: Die Ucalegon Ltd. hat auf die Pressemitteilung des “Herold” reagiert. Mit einer launischen Gegenerklärung.

Update 25. Februar: Die genannte Pressemitteilung der Ucalegon ist nicht mehr auf news4press.com und firmenpresse.de zu finden. Offenbar hat der Herold die Löschung verlangt.

Update 27. Februar: Unglaublich. gelbesbranchenbuch.com hat ein Update erfahren. Ein neues Design, neuer technischer Hintergrund und bessere Suchergebnisse. Nach wie vor aber ohne Impressum und klare Angabe, an welche E-Mail-Adresse das Kontaktformular gesendet wird. Zudem sei nun ein Eintrag zum Null-Tarif möglich. Am Button “Jetzt buchen” ist ein Sternchen zu sehen. Erklärt wird dieses Sternchen nirgends. Dafür scheinen die Programmierer Humor zu haben. Und Ostdeutsche zu sein. Das Hintergrundbild zum “kostenlosen Basiseintrag” wurde nach der DDR-Fernsehserie “Du und Dein Garten” benannt. Nach wie vor muss allerdings gesagt werden: Wie das Gelbe Branchenbuch versucht, an Premium-Kunden zu kommen, ist unlauter und unseriös. Ob 65 oder 99 Euro für die gebotenen Leistungen angemessen sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Update 1. März 2010: Nun gibt es auch ein Impressum. Herausgeber des Gelben Branchenbuches ist demnach eine MCP Holding Ltd. aus Belize in Südamerika. Zudem suchen die Verantwortlichen jetzt nach den fünf besten Antworten auf die Frage, warum ihr Produkt besser ist als die Konkurrenz. Unfassbar, die nehmen sich tatsächlich sehr ernst.

Die GEZ und der Supergau im Internet

“Wir haben eine Anfrage von der GEZ. Die wollen sich öffnen, im Netz präsenter sein. Wir sollen das Image ein wenig aufmöbeln. Die sind gar nicht böse. Sagen die. Hat jemand ne Idee?”

“Hm. Lass uns doch Mitarbeiterblogs einrichten. Dann verdonnern wir ein paar Angestellte zum bloggen, notfalls schreiben wir die ersten Einträge selbst.”

“Okay. Und weiter?”

“Wie wäre es mit einem Forum? Genau, ein Forum! Wo jeder seine Fragen zur GEZ posten kann. Viele Leute wissen jar gar nicht, warum sie zahlen müssen und so weiter. Das verschafft der GEZ jede Menge Transparenz.”

“Gute Idee, machen wir.”

Natürlich wird das Gespräch zwischen den Mitarbeitern der Kölner Division der Agentur Media Consulta nicht so abgelaufen sein. Und sicher war die Sache auch gut gemeint, der GEZ, dem gebührenfinanzierten Gebühreneinzugsapparat, ein neues Image zu geben. Weg vom Wegelagerer, der fremden Leuten an ihr Geld will, hin zum Servicedienstleister, der auf seine Kunden hört. Das Problem ist nur: Gerade bei der GEZ funktioniert das eben nicht nur durch virale Spots und der Öffnung durch ein Forum. Gerade bei der GEZ dürfte das Problem schwerwiegender sein und tiefer liegen.

Seit dem heutigen Tag hat die GEZ unter gez-meine-meinung.de also ein Forum online. Ein Forum, das der betreuenden Agentur und/oder den Onlineredakteuren bei der “Behörde” jede Menge Arbeit macht. Denn heute Nachmittag wurde das Forum regelrecht überrannt. Nicht von auskunftsfreudigen Gebührenpflichtigen. Nein, von Forentrollen und – sagen wir mal vorsichtig – GEZ-Gegnern. Ich habe mir das Treiben einige Zeit angesehen. So schnell wie Threads geöffnet waren und dort Antworten gepostet waren, so schnell waren die Themen auch wieder gelöscht. Später wurden bereits erste Benutzerkonten gelöscht, weil Nutzernamen wie “Hitler” und Sonderzeichen in Hakenkreuz-Optik nur schwerlich in die Demokratie passen. Dass sie überhaupt angelegt werden konnten, ist eine andere Sache – und eindeutig ein Versäumnis der betreuenden Agentur.

Was sich heute im GEZ-Forum abspielte, war ein Trauerspiel sondersgleichen. Ernste Beiträge wurden sofort von den Trollen in Grund und Boden kommentiert und mit antisemitischen oder anders beleidigenden Wortäußerungen versehen. Mit dem Ergebnis, dass die Administratoren das komplette Thema löschten. Mit Transparenz oder einer “neuen GEZ” hatte das Ganze wenig zu tun. Mal davon abgesehen, dass die Übersichtlichkeit litt, weil es Media Consulta offenbar vergessen hatte, Unterforen anzulegen, um den Themenfluss ein wenig zu steuern. So wurde immer stehts in den “Hauptarm” des Forums gepostet. Entsprechende Hinweise der Nutzer, mal für Ordnung zu sorgen, wurden zum einen nicht beachtet und zum anderen nicht beantwortet. Überhaupt ist mir kein einziger Kommentar der GEZ-Redakteure aufgefallen. Sicher waren alle nur damit beschäftigt, User zu sperren und Beiträge zu löschen.

Das schlimme daran ist: Es war abzusehen. Es war von vornherein klar, dass ein Forum, so wie es Media Consulta geplant hat, nicht funktionieren kann. Nicht bei der GEZ, bei einem solchen Apparat, der ein schlechteres Image als alle Journalisten, Schönheitschirurgen und Politker zusammen hat. So etwas kann nicht funktionieren und muss in solch einem PR-Gau enden, wie wir ihn heute erlebt haben.

Meine Empfehlung an die GEZ und Media Consulta: Alle Beiträge löschen, Forum abschalten. Und nochmal neu nachdenken. So jedenfalls wird nichts draus. Ernsthafte Diskussionen werden in diesem Forum nicht zustandekommen.

Warum es Win-Express und Co. immer geben wird

In den vergangenen Monaten dominierte hier vor allem ein Thema das Geschehen: Die vermeintlichen Betrügerfirmen Win-Express, Global Invest Limited, Uniscore Forderungsmanagement und ihr mutmaßlicher anwaltlicher Erfüllungsgehilfe bzw. dessen Trittbrettfahrer und Nachfolge- oder Nachahmerfirmen wie Deutsche Gewinngarantie. Ich habe zum Teil Tage und Nächte mit Recherchen verbracht, Geld für Handelsregistereinträge ausgegeben, mit besorgten Menschen telefoniert, gemailt und versucht, Dinge auch mit Hilfe der Menschen klarzustellen, die hier fleißig und rege Kommentare abgeben. All das habe ich gemacht, um die zum Teil beängstigten Verbraucher, die Post von undurchsichtigen Anwälten und Briefkastenfirmen wie Win-Express bzw. Global Invest erhalten, zu beraten oder ihnen wenigstens einen Tipp zu geben, wie sie sich künftig verhalten sollen. Allerdings: Lesen und verstehen muss man diese Hinweise und Kommentare auch. Doch damit haben offenbar einige Zeitgenossen so ihre Probleme.

Grund zu dieser Annahme habe ich, weil ich gestern per Einschreiben einen Brief eines Mannes aus Essen bekam. Darin schrieb er, er wolle fristgemäß zum nächstmöglichen Termin kündigen und bat um Bestätigung. Adressiert war der Brief tatsächlich an mich. Auf dem Schreiben stand unter meinem Namen in Klammern: “Bitte weiter leiten an die Deutsche Garantie GmbH Payment by Afendis AG”.
Dass er das Wort “Gewinn” vergessen hat, ist noch verschmerzbar. Dass dieser Mann aus Essen allerdings glaubt, ICH könne seine Kündigung an irgendwelche nicht existenten Firmen weiterleiten, oder hätte vielleicht mit ihnen zu tun, ist dann doch reichlich zynisch.

Allerdings: Es spiegelt genau das wider, worauf solche Firmen überhaupt ihre Existenz begründen. Auf der – ich muss das so drastisch sagen – Dummheit mancher Menschen. Und darauf, dass offenbar keiner mehr richtig zuhört und in der Lage ist, richtig zu lesen. Natürlich gibt es unter den Betroffenen auch viele, die wirkliche Opfer sind, weil ihre Bankdaten bereits im Umlauf waren. Ich spekuliere allerdings, dass ein Großteil der jetzt Abgezockten ihre Situation selbst herbeigeführt haben. Eben weil vor Bekanntgabe personenbezogener Daten am Telefon nicht nachgedacht wird. Da will jemand meine Bankdaten? Naklar, ich geb sie ihm. Da will jemand Ratenzahlung vereinbaren für eine Forderung, für die es gar keinen Vertrag gibt? Kein Problem, er bekommt seine Raten. Doch, ich vermute, es gibt Tausende Menschen “da draußen”, die genau das machen. Weil sie es nicht besser wissen. Oder weil sie Angst vor irgendwelchen Konsequenzen haben, die ihnen diese Firmen versuchen einzureden.

Als wäre dieses Einschreiben, für das der Essener Herr 4,40 Euro zum Fenster rausgeworfen hat, nicht genug, rief dann gestern auch noch ein anderer Mensch an, offenbar im Auftrag seines Vaters, der im Hintergrund aufgeregt zu hören war. “Ist da Win-Express?”, fragte mich der Mann. Er hätte im Internet Win-Express eingegeben “und da kam dann eine Seite, wo ich auf Kontakt geklickt hab und dachte, Sie sind das.” Ja, richtig. Ich bin’s. Ich selbst. Mehr aber eben auch nicht.

Würde Charles Darwin noch leben, er hätte seine pure Freude an manchen Mitmenschen. Er könnte seine Forschungen von Evolution auf Involution ausweiten.

Eine etwas längere Geschichte. Nehmen Sie sich einen heißen Tee, was zu Knabbern, kuscheln Sie sich in Ihre Lieblingsdecke und lesen Sie aufmerksam. Spannend wird’s sicher.

In den vergangenen Tagen wurde, wie berichtet, mein Blog von zahlreichen verunsicherten Verbrauchern besucht, die Post von Rechtsanwalt André Amberge erhielten. Zu Amberge ist so ziemlich alles gesagt – vorerst jedenfalls.

Die Firma hinter Win-Express
Widmen wir uns daher doch mal etwas genauer der Geschichte und den Firmen dahinter. Beginnen wir ganz von vorn, nämlich bei Win-Express, also jenem Gewinnspiel, bei dem sich angeblich via Telefon unzählige Verbraucher angemeldet und der Abbuchung von 89 Euro zugestimmt haben. Win-Express wird betrieben von der Global Invest Group Ltd.. Als Unternehmenssitz gibt die Global Invest die Ruhrallee 185 in Essen an. Die Ruhrallee 185 ist ein recht großes Bürogebäude. Hier sitzen unter anderem ein (seriöser) Anwalt, ein Immobilienmakler, eine Firma für Wassertechnik und einige mehr. Außerdem hat hier ein Bürodienstleister seinen Sitz, der Firmen ein Virtual Office anbietet. Ein Manager des Bürodienstleisters sagte mir: “Wir mussten der Firma fristlos kündigen, da sie Ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkam. Damit hat sie auch nicht mehr das Recht unsere Adresse weiter zu nutzen, dies verfolgen wir derzeit weiter.”
Die Mitarbeiterin eines anderen großen Unternehmens im Haus bestätigte ebenfalls: “Ja, die Global Invest kennen wir. Die hatten hier bis vor zwei Monaten einen Briefkasten. Nein, kein Büro. Wohin die jetzt gezogen sind, kann ich nicht sagen.”

Halten wir also fest: Die Global Invest Group Ltd. in Essen ist eine Briefkastenfirma, die nach Aussage meiner Informanten nicht mehr in der Ruhrallee 185 sitzt, unbekannt verzogen ist. Ob es dann noch rechtlich wasserdicht ist, diese Adresse auf Websites wie win-express.de anzugeben, entzieht sich meiner Kenntnis. So ist auch zu erklären, warum ein Einspruch bei Global Invest gegen die unrechtmäßig erhobene Forderung nutzlos ist – die Briefe kommen als “unbekannt verzogen” zum Absender zurück.

Die Geschäftsführer und ihre Querverbindungen
Da meine Neugier in solchen Sachen schier unerschöpflich ist, habe ich mir diverse Handelsregisterauszüge, Firmeninfos und Creditreform-Einträge gezogen. Das geht beispielsweise über Genios oder Firmenwissen. Kostet zwischen knapp 3 und gern auch mal 60 Euro und mehr. Legt aber oftmals interessante Infos frei, die ich hier gern teilen will.

Die Global Invest Group Limited ist eine GmbH mit einem eingetragenen Gründungskapital von gerade mal 1500 Euro und einem Mitarbeiter. Gegründet wurde das Unternehmen am 25. März 2009. Als Tätigkeit wird “Factoring” angegeben. Geschäftsführer der Global Invest Essen ist, so liest man auch auf Win-Express.de ein gewisser Manfred Eduard Rabiega. Auch im Handelsregister ist dieser Rabiega mit Wohnort Duisburg verzeichnet. Eigentümer der Global Invest Group Limited GmbH ist die BARU UK Limited in Aldermaston, einem Tausend-Seelen-Nest in Südost-England mit Hang zu Julihochwasser.

Bleiben wir aber bei Rabiega: Manfred Eduard Rabiega ist nicht nur Geschäftsführer bei der Firma, die Win-Express vertreibt, sondern auch bei der Multi Consulting & Service Limited, die den Gewinnspielservice Winfuchs ihr Eigen nennt. Die Multi Consulting & Service Limited wurde am 22. September 2009 gegründet. Firmensitz soll ebenfalls wie bei der Global Invest Group Limited die Ruhrallee 185 in Essen sein. Hauptsitz ist Berkshire in England. Unternehmensgegenstand ist auch hier Factoring. Gründungsstammkapital sind 1000 Euro.

Da Manfred Eduard Rabiega, der in wenigen Tagen seinen 37. Geburtstag feiert, aber offensichtlich über viel Tagesfreizeit verfügt, war er bis vor kurzem noch Geschäftsführer der World Technology D.C. GmbH. Selbige ging am 16. Januar 2009 aus der D.C. – Auto Handel und Vermietung GmbH hervor. Rabiega war bei der World Technology D.C. GmbH vom 23. Juni 2009 bis 28. August 2009 Geschäftsführer. Seitdem führt Devrim Cetindag die Geschäfte.

Und ab jetzt wird es komplizierter. Die World Technology D.C. GmbH ist Gesellschafter bei einer Atlas-Technology GmbH & Co. KG. Beide Unternehmen sitzen seit Ende August 2009 in der Westender Straße in Duisburg. Alleinig vertretungsberechtigt ist hier ebenfalls Devrim Cetindag.

Wieviel weiß Rechtsanwalt André Amberge wirklich?
Soweit zu Duisburg. Schauen wir nach Gelsenkirchen. Der Stadt, in der Rechtsanwalt André Amberge aus Krefeld eine Kanzlei besitzen soll. Ruft man die Krefelder Telefonnummer 02151 656611 an, leitet diese (derzeit noch) an die Telefonnummer 0209 36105972 weiter. Dort meldete sich während meiner Recherchen ein Mann mit den Worten “Atlas Verwaltung, guten Tag”. Atlas Verwaltung? Herr Amberge sei nicht zu sprechen, diese Nummer gehöre zu Amberges Gelsenkirchener Kanzlei. Der Mitarbeiter sei damit beauftragt, Namen der Anrufer und Aktenzeichen der Schreiben zu notieren und an Herrn Amberge weiterzuleiten. “Wir sitzen im Büro neben Herrn Amberge in Gelsenkirchen”, sagte mir der Mitarbeiter.
Später rief mich ein anderer Mitarbeiter der Atlas Verwaltung sogar zurück und erklärte mir nochmals, Herr Amberge habe das Unternehmen damit beauftragt, für ihn die Telefonate zu übernehmen. Außerdem sagte mir der Mitarbeiter, die Anrufe verärgerter “Kunden” würden sich häufen. Er selbst habe Amberge bereits mitgeteilt, dass ihm das nicht gefalle.

André Amberge indes bestreitet, die Atlas Verwaltung jemals beauftragt zu haben. Was merkwürdig erscheint, angesichts der Tatsache, dass die Atlas Verwaltungs GmbH Gesellschafter der Atlas Call GmbH & Co. KG ist. Einem Callcenter, das ebenso wie die Atlas Verwaltung und André Amberge in der Marienstraße 14 in Gelsenkirchen sitzt. Die Atlas Verwaltungs GmbH übrigens hatte bis September 2009 ihren Sitz noch in Duisburg. Eine Verbindung zur Atlas-Technology und Rabiega oder Devrim Cetindag lässt sich zwar (noch) nicht herstellen. Aber merkwürdig ist das schon: Amberge streitet ab, dass die Atlas Call von ihm beauftragt wurde, obwohl das doch eigentlich ein normaler Vorgang wäre, wenn die Atlas Call ein normales Callcenter ist.

Ich habe André Amberge mit diesen Recherchen konfrontiert. Als Antwort erhielt ich:

Tatsache bleibt, dass die Fa. Atlas nicht vom mir beauftragt ist.

Das ich mich über die Nachbarschaft zur Fa. Atlas auch in gefühlter Nähe zu Herr Rabiega befinde, war mir nicht bekannt bzw. bewusst. Ich habe Herrn Rabiega nie getroffen und stehe/stand zu ihm oder der Fa. Global Invest in keinerlei Kontakt.

Ich werde Ihre Information allerdings aufgreifen und den Standort meiner Zweigstelle überdenken, da ich auch nicht den Anschein der Nähe zu Global Invest/Rabiega aufkommen lassen will.

Soviel vorerst zu Amberge.

UniScore: Kurz vor der Liquidation?
In seinen Schreiben gibt André Amberge an, die Interessen der UniScore Forderungsmanagement AG in der Schweiz zu vertreten. Diese UniScore habe die Forderungen der Global Invest Group Limited Essen gekauft. So etwas nennt man (wie bereits verlinkt) Factoring. Die UniScore hofft also, dass die Forderungen der Global Invest rechtmäßig sind. Und Amberge hofft dies wohl auch, um möglichst viel Geld hereinzubekommen.

Schauen wir uns die UniScore Forderungsmanagement etwas genauer an. Das Schöne am Handelsregister der verschiedenen Kantone in der Schweiz ist: Sie sind kostenlos nutzbar. Und die Mitarbeiter der jeweiligen Registerverwaltungen sind äußerst auskunftsfreudig. Das ist doppelt schön, denn ich höre Schweizer sehr gern reden. Viel lieber als Österreicher. Aber ich schweife ab.

Die UniScore Forderungsmanagement AG sitzt in der Industriestraße 21 in Alpnach Dorf. Die UniScore ist ein traditionelles Unternehmen, es besteht bereits seit 1930 und wurde von Josef Ackermann gegründet. 1960 übernahm Adolf Ackermann das Unternehmen und ließ im Oktober 1963 die Einzelfirma “Elektro Ackermann” eintragen. Im Dezember 1981 hat die “Ackermann Haushalt + Küchen AG” die Tätigkeit der erloschenen Einzelfirma übernommen. Sitz war Kaisten. Seit 10. September 2009 heißt das Unternehmen UniScore Forderungsmanagement AG und sitzt in Alpnach Dorf.

Verwaltungsrat der UniScore war bis zum 9. Dezember 2009 noch ein Andreas Marbach. Wie gesagt: er war es. Auch besitzt die UniScore derzeit keinen Geschäftssitz. Im Handelsregister ist eine Änderung vermerkt, die sich so liest: “Die Gesellschaft hat ihr Domizil eingebüsst.” Was das heißt, erklärt Jan Turi, stellvertretender Leiter des Handelsregisters Obwalden: “Das Unternehmen hat angegeben, ihren derzeitigen Firmensitz aufgegeben zu haben und verfügt derzeit über keine eingetragene Adresse. Wir haben die Firma aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen einen neuen Sitz vorzuweisen. Tut sie das nicht, werden wir dies in der amtlichen Publikation vermerken”, so Turi.

Update 25. Februar 2010:
Die Uniscore Forderungsmanagement AG hat wieder einen Geschäftssitz. Sie sitzt nun in der Neuhofstraße 3a, 6340 Baar (Schweiz). Neuer alleiniger Verwaltungsrat ist Sascha Weischede, deutscher Staatsangehöriger aus Wädenswil. Offenbar ist die neue Adresse auch wieder nur ein Tummelplatz für Briefkastenfirmen.
Update Ende.

Außer dem Geschäftssitz fehlt der UniScore außerdem, wie oben geschrieben, seit wenigen Tagen der Verwaltungsrat – Andreas Marbach sei ausgeschieden. “Er hat uns mitgeteilt, aussteigen zu wollen. Er hat wohl von den merkwürdigen Machenschaften in Deutschland und den Drohbriefen des Anwalts gehört und wollte damit nicht in Verbindung gebracht werden”, sagt Turi. Die UniScore bezeichnet Turi damit als “derzeit in doppeltem Sinne in keinem gesetzmäßigen Zustand”. Auch hier gelte die 30-Tage-Frist. Werde diese Frist nicht eingehalten, werde das Handelsregister einen Richter mit der Liquidation des Unternehmens beauftragen.

Eine Löschung des Unternehmens zum jetzigen Zeitpunkt würde zum Zahlungsziel der Amberge-Forderungen passen: Dort war stehts von 4. Dezember die Rede. Denkbar also, dass sich das Ganze jetzt in Wohlgefallen auflöst – sicher gibt es verunsicherte Menschen, die aufgrund des Schreibens von Amberge gezahlt haben. Das Schleppnetz wurde ausgebreitet, einige blieben hängen. Auftrag erfüllt, die AG kann liquidiert werden. Mutmaßungen, natürlich. Aber denkbar.

Andreas Marbach hat außer bis vor kurzem bei der UniScore auch bei weiteren Unternehmen “treuhänderisch”, wie Turi sagt, den Verwaltungsrat übernommen. In der Summe sind es rund 15 Firmen, bei denen er zeichnungsberechtigt war oder ist. Auffällig: Die meisten dieser Firmen sitzen in der Industriestraße 21 in Alpnach Dorf. Ein Hochhaus? Mitnichten. Was Google Maps derzeit noch als Feld ausweist, ist seit etwa zwei Jahren ein vierstöckiges Gebäude. Unter anderem hat hier das Medizintechnikunternehmen Leuag AG ihren Sitz. Eine Mitarbeiterin sagte mir, die Leuag sitze in der vierten Etage und habe im Erdgeschoss ihr Lager. In der zweiten und dritten Etage gebe es weitere Büroräume. Außerdem sei ein Briefkasten montiert, an dem “viele Firmennamen” stehen.
“Ja, die Industriestraße 21 wird seit einiger Zeit gern von solchen Firmen als Geschäftssitz genutzt. Wir sehen das mit den Briefkastenfirmen nicht gern. Verboten ist das allerdings nicht. Zumal wir hier nur eine kleine Verwaltung sind, die sich nicht um jeden Einzelfall kümmern kann. Heißt: Wir können nicht immer nachsehen, ob es diese Firmen wirklich gibt”, sagt Jan Turi vom Handelsregister Obwalden. Andreas Marbach zählt er aber zu den seriösen Unternehmern. “Er zahlt seine Rechnungen pünktlich und seine anderen Gesellschaften sind noch nie aufgefallen”, sagt er. Wie gesagt: Die Schweizer sind erstaunlich auskunftsfreudig.

Alles nur eine Steuerhinterziehung?
Nach diesen neuen Erkenntnissen stellte sich für mich die Frage: Ist die UniScore in diesem schwebenden Zustand überhaupt noch berechtigt, Forderungen von deutschen Verbrauchern einzufordern? Jan Turi wusste darauf keine Antwort. Darum wandte ich mich heute nochmals per Mail an André Amberge. Ich schrieb ihm gegen 10.45 Uhr:

1) Ist Ihnen bekannt, dass die UniScore Forderungsmanagement, also Ihre Mandantin, sich derzeit in keinem gesetzmäßigen Zustand befindet? Die Uniscore verfügt aktuell über keinen Verwaltungsrat und über kein Domizil. Was sagen Sie dazu?

2) Bleibt angesichts dieser Tatsachen die Uniscore Ihre Mandantin?

3) Angesichts des Drucks von außen, unter anderem von der Verbraucherzentrale, haben Sie noch immer keine Zweifel daran, dass die Forderungen rechtmäßig erhoben werden?

Eine Antwort habe ich bis kurz vor 0 Uhr darauf ebenso wenig erhalten wie auf diese Frage:

4) Warum erheben Sie auf Ihre Forderungen keine Mehrwertsteuer, obwohl Sie nach RVG, VV Nr. 7008 dazu verpflichtet sind?

Richtig gelesen: In den Schreiben vom 18.11.2009, die Amberge verschickt, sind die Hauptforderung von 89 Euro zuzüglich einer Gebühr laut Nr.2300 VV RVG, Post- und Telekommunikationsentgelte nach Nr. 7200 VV RVG sowie Rücklastschriftsgebühren aufgeführt. Das RVG ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Dies besagt: “Der Rechtsanwalt hat als Dienstleister ebenfalls die Mehrwertsteuer abzuführen. Das RVG erlaubt dem Rechtsanwalt in VV Nr. 7008, diese auf seine Mandanten umzulegen. Deshalb ist auf alle Gebühren mit Ausnahme der Auslagen für Gerichtskosten die Mehrwertsteuer zu berechnen.” Heißt für mich: Hier hätte Amberge Umsatzsteuer geltend machen müssen, zumal die Forderungen auf sein eigenes Konto eingezahlt werden sollen, es also seine Umsätze sind. Ich mag mich täuschen, Amberge könnte das klarstellen. Tat er bislang aber nicht.

Forderung widersprechen
Amberge stellt sich für mich tot. Nicht jedoch für Verbraucher, die ihm einen Widerspruch schickten, wie etwa dieser Kommentar und andere zeigen. Wer sich wehrt und Amberge einen Widerspruch schickt, dem wird die Forderung erlassen. Eine Begründung, warum dies so ist oder gar eine Entschuldigung liefern weder Amberge noch die UniScore mit.

Vorsicht vor Trittbrettfahrern
Die Geschichte zeigt eines ganz deutlich: Am Telefon sollte man irgendwelchen Anrufern auf keinen Fall persönliche Daten wie die Kontonummer nennen. Wie unbedarft, unbesonnen und – ja ich möchte sogar dumm sagen – offenbar einige Menschen dieser Republik sind, beweist ein Fall, der mir per Kommentar und Mail angetragen wurde. Offenbar versuchen Trittbrettfahrer oder Vertraute von Amberge jetzt, einige Menschen doch noch zur Zahlung zu bewegen. Angeblich ruft ein Anwalt namens Schmidt von der Kanzlei Lindemann & Schmidt aus Berlin jetzt bei Empfängern des Amberge-Schreibens an. “Er hat mich massiv unter Druck gesetzt und mir ein Mahnverfahren über 400 Euro angedroht”, schreibt mir die Besucherin meines Blogs. Besagter Schmidt habe einen “Vergleich” angeboten. Die Dame solle nun zwei Raten á 59 Euro zahlen – und ist offenbar darauf eingegangen. Ohne etwas schriftliches in der Hand zu haben. Ohne überhaupt zu wissen, mit wem sie da wirklich gesprochen hat. Nach dem Anruf mit dem vermeintlichen Anwalt klingelte wieder das Telefon – ein so genannter Kontrollanruf von der Telefonnummer 03222332555. Was der Kontrollanruf sollte, habe ich nicht herausfinden können. Womöglich hat sich die Dame aber nun erneut an Win-Express oder andere solche Firmen gebunden.

Bei einem solchen sorglosen Umgang mit sensiblen Daten habe ich keine Fragen mehr…

Bei einem Anruf bei der Kanzlei Lindemann & Schmidt in Berlin sagte mir Anwalt Michael Lindemann: “Das ist absurd. Wir rufen nicht bei Leuten an. Wenn es eine Forderung gibt, verschicken wir Briefe. Von einem Anwalt André Amberge habe ich noch nie gehört. Offenbar bedient sich da jemand unseres Namens.”

Rette Deine Freiheit!

Abermals ein schön animiertes und erschreckend detailreiches Video von Alexander Lehmann. Nach “Du bist Terrorist” rät er nun: “Rette Deine Freiheit“. Unbedingt die Hinweise auf der Website lesen und den Links folgen, um die Argumente nachvollziehen zu können.

Am 27. September ist Bundestagswahl.

Corinna

Und dann war da noch diese Geschichte, die wohl nicht nur uns Leipziger berührt hat. Nichtmal ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von Michelle wurde wieder ein Mädchen entführt, missbraucht und getötet. Für die Neue Ruhr Zeitung nahm ich an der Pressekonferenz teil, bei der Einzelheiten zum mutmaßlichen Mörder mitgeteilt wurden. Danke für den Auftrag, auch wenn der Anlass nicht unbedingt Freude machte.

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  • Die Mauer steht wieder!

    Zugegeben, ich kenne die Stuttgarter Zeitung nicht. Und ohne Twitter würde ich sie wohl auch nicht kennen. Doch weil ich dem mutmaßlich automatisierten Twitter-Account der @StZ_NEWS folge, komme ich ab und zu auch mal auf deren Website vorbei. Dort heißt es erstmal, wie so oft auf Websites von Lokalzeitungen: Die Augen schärfen für das, was sich Content nennt. Der geht nämlich schnell mal unter zwischen all den lauten, bunten und blinkenden Bannern. Und wie ich so versuchte, zwischen Redaktion und Werbung zu trennen, fiel mir dieser Button in der rechten Sidebar auf:

    stz_archiv

    Ich kann ja verstehen, dass man irgendwie versucht, den Leuten klar zu machen, dass das Archiv der Tageszeitung sehr weit zurückreicht. Man sozusagen in der Geschichte blättern kann. Dass man sich bei der Stuttgarter Zeitung aber offenbar nichts sehnlicher wünscht, als dass die Mauer wieder steht, finde ich dann doch reichlich merkwürdig. Es gäbe sicher erfreulichere Momente der Zeitgeschichte, die man durch zurückblättern im großen Stuttgarter Zeitungsarchiv für einen Moment ungeschehen machen kann.

    Tipptresor, Gewinnkomet, Ptak und Konsorten

    Kleines Update zu bereits getätigter Warnung vor Tipptresor. Wie vermutet scheint das Imperium von Daniela Ptak und Konsorten mittlerweile den Projektnamen geändert bzw. parallel zweite und dritte Namen erfunden zu haben. Aktuell wird wohl auch versucht, unter dem Namen Gewinnkomet abzuzocken. Die Masche ist gleich. Angeblich soll man auf einen Anruf hin Gewinnspiele verlängern oder kündigen, dafür werden persönliche Angaben, unter anderem auch Kontonummern verglichen. Ist man so dumm, und gibt die Nummer raus, ist man später mindestens 55 Euro ärmer.

    Hinter den genannten “Projekten” steckt die FAB Management AG aus Cham in der Schweiz. Sowohl tipptresor.com als auch gewinnkomet.com sind auf dieses Unternehmen registriert. Die Schreibfehler im Ortsnamen sind mutmaßlich mit Absicht dort drin. Interessant ist die Angabe des administrativen Kontaktes: Daniela Ptak bei Service & Solution. Wir erinnern uns: Die Service & Solution GmbH & Co. KG mit Sitz in Paderborn ist zu 50 Prozent beteiligt an der Novamedia Marketing GmbH mit exakt gleichem Firmensitz in Paderborn. Es fällt immer schwerer zu glauben, was Geschäftsführer Thorsten Sucker sagte. Nämlich, dass er sich nicht erklären könne, wer da bei den ahnungslosen Leuten anruft.

    gewinnkomet.com und tipptresor.com teilen sich im übrigen das DNS lwpn.net. Eben diesen Nameserver nutzen auch weitere Domains – etwa luck24.de sowie luck24.at, luck24.com und luck24.net. Luck24 sitzt in Wien und beschäftigt sich laut eigenen Angaben mit IT-Service und “Fulfillment“, also der Vertragsnachbearbeitung, unter anderem Rechnungsstellung und Mahnung. Auch das Geschäftsfeld “Lotto u. Gaming” wird angegeben – eigenen Angaben zufolge erstellt man Flash-Spiele. Insgesamt wirkt die Website recht alibihaft – ähnlich wie die von Service & Solution. Konkrete Projekte oder Referenzen finden sich nicht.

    Kurzer, weiterer Exkurs noch: Im Forum von Sat.1 wird davon ausgegangen, dass Novamedia Marketing aus Paderborn ein Callcenter auf Mallorca unterhält. Dies bestritt Thorsten Sucker im Telefonat mit mir. Sicher ist es dann auch nur ein Zufall, dass ich noch am Tag meines ersten Postings zu Tipptresor Zugriffe über Google auf mein Blog hatte, die aus Mallorca kamen. Gesucht wurde nach “Daniela Ptak”. Am nächsten Tag kamen dann von der gleichen IP Suchanfragen nach eben diesem Namen, einige Stunden später wurde auch nach “Thorsten Sucker” gesucht. Aber was heißt das schon…

    Update 2. Juni 2009:
    Bei mir haben sich ehemalige Mitarbeiter von Novamedia Marketing gemeldet. Den Ausführungen zufolge betreibt das Unternehmen ein Callcenter in Lippstadt. Von dort aus verkauft es die Produkte Spielfox, Sunny Tipp, Tipptresor und Gewinnkomet. Angeblich wird der Chef aus Paderborn – meine Informanten vermuten, dass es sich um Thorsten Sucker handelt – von zwei Bodyguards begleitet. Es soll aber auch noch einen Herrn Koch in der Leitungsebene geben. Pro “Abschluss” bekäme Novamedia 165 Euro. Wobei mir nicht klar ist, von wem die Firma dieses Geld bekommt. Pro Tag sollen um die 100 Abschlüsse erzielt werden, die Stornorate läge bei etwa 45 Prozent. Das würde bedeuten, allein das Callcenter Lippstadt macht einen Wochenumsatz von 45.000 Euro, im Monat also um die 180.000 Euro. Angeblich gibt es in Paderborn ein weiteres Callcenter, das noch mehr schafft.
    Ob diese Angaben stimmen, kann ich nicht nachvollziehen.

    Heute 14 Uhr in Leipzig: Grundgesetz lesen

    Für alle, die meinem Twitter-Account nicht folgen, sei hier nochmal drauf hingewiesen: Heute, 14 Uhr findet auf dem Augustusplatz vor der Oper ein “Flashmob” statt. Anlässlich des 60. Jahrestages des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland – und seiner aktuell immer stärker zunehmenden Gefährdung – soll aus dem Grundgesetz gelesen werden.

    Derweil beweist eine deutsche Werbeagentur ihr fehlendes Feingefühl in der aktuellen Debatte. Weil der Spot “Du bist Terrorist” für KemperTrautmann an die von ihr erdachte Kampagne “Du bist Deutschland“, tschuldigung, “Du bist Deutschland” erinnert, wurde Designstudent Alexander Lehmann dafür abgemahnt. Halt – noch nicht abgemahnt, es wurde ihm bislang nur angedroht. Was soll das denn? Eine Art Warnschuss? Weil man sich selbst nicht sicher ist, ob man hier überhaupt abmahnen darf? Oder weil man dem armen Mann nicht gleich sein komplettes Geld abnehmen will? Weil sich Alexander, genau wie die Deutschland-Kampagne mit seinem Land auseinandersetzte? Ich könnte verstehen, wenn sich KemperTrautmann gegen das offensichtliche Plagiat der Website wehrt – das war vielleicht etwas unklug von Alexander. Aber das Video und die Website ansich? Diese Forderung dürfte unhaltbar sein. Zudem fragt man sich, ob KemperTrautmann bislang geschlafen und all die Adaptionen und Verarschungen nicht mitbekommen hat.

    Darum: Heute Grundgesetz lesen gehen – für mehr Meinungs- und Pressefreiheit.

    Update: Viel war nicht los. Einige wenige Fotos in meinem Flickr-Account.

    Update 2: Im Falle der angedrohten Abmahnung an Alexander Lehmann scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Die Verwendung von “Du bist…” wurde nicht bemängelt, sondern die Nutzung der Fotos der Website “Du bist Deutschland.” Alle Details bei Alexander im Blog.

    Auch DU!

    Ja, DU! Ganz genau DU! Du bist Terrorist. Beweise?

    Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

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    Dies ist das Weblog von Daniel Große. Ich bin freier Journalist in Leipzig und veröffentliche hier ausgewählte Referenzen sowie private und berufliche Ansichten und Ereignisse. Außerdem übe ich Kritik an Online-, Print-, TV- und Rundfunkmedien oder mache mich schamlos über missglückte Pressemitteilungen und eigenartige Unternehmens-PR lustig. Das klingt nach dem, was es ist: ein unterhaltsames Blog mit breitem Themenspektrum ohne irgendeine Spezialisierung.

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