Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Schlimmes’ Category

BILD versteht PR-Aktion nicht

Am Freitagabend erlebten tausende Fernsehzuschauer bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest einen Skandal. BigFM-Morgenhans grabschte seiner “schönen Tschechin” an den Busen. Gut, dass der Skandal inszeniert war, kapierte sicher jeder, der die schlecht gespielte Empörung von Suzanka sah und daraufhin der Morgenhans noch schlechter meinte “War doch nur Spass” (mit 5 “s” am Ende).

Gestern nun folgte das, was nach so einem angeblichen Skandal immer folgt. Der Verursacher entschuldigte sich und die Begrapschte sagt, sie hätte das tun müssen, weil eine Grenze überschritten worden sei. Braucht man nur noch eine Zeitung, die den Fake frisst… Wer könnte das sein…?!

busengrapscher.jpg

Na bitte.

Foto: Scan aus “BILD”

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  • Hamsterpups und Hütchenspieler

    Es ist kaum vorstellbar, dass deutsche Radiomacher im Nebenberuf “Hütchenspieler” sind und solche Aktionen initiieren oder auch tatsächlich umsetzen. Schließlich gibt es doch Gesetze, Verordnungen, ethische Regeln – und nicht zuletzt die Landesmedienanstalten, die im Interesse der Hörer sofort eingreifen, wenn auch nur der geringste Verdacht auf Unregelmäßigkeiten im Radio aufkommt – oder etwa nicht?

    blogmedien.de schreibt über die Mechanik von Radiogewinnspielen. Vom geheimnisvollen Geräusch über verlorene Wörter bis zum Geldscheinspiel und dem Bargeldanruf.
    Beim Geräuscheraten gibt es stets mindestens ein Dutzend richtiger Antworten, der Gewinner wird natürlich stets in der Morningshow zur besten Sendezeit gezogen und “Live”-Gespräche sind vorher aufgezeichnet.

    Also rein hypothetisch gesprochen. In Wirklichkeit macht das natürlich kein Radiosender auf der Welt. Und schon gar nicht in Deutschland…

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  • Viscomp: Website für 75 Euro die Woche

    Viscomp geht immernoch um. Heute bekam ich einen Anruf einer verzweifelten Unternehmerin, die den Fehler gemacht hat, und auf die Referenzkundenmasche reingefallen ist. So wie heute bei ihr läuft das in etwa immer ab:

    Update 27. November: Muss mich korrigieren – es ging im geschilderten Fall nicht um eine neue Website, sondern um Suchmaschinenoptimierung.

    Die Leute von Viscomp kamen in ihr Geschäft, redeten ihr gut zu und warben für die Leistungen. Eine Website Suchmaschinenoptimierung könne man ihr bieten. Normalerweise würde das Konzept dafür 3000 Euro kosten – da man aber auf der Suche nach Referenzen sei, ist’s diesmal gratis. Na aber sicher doch. Man würde später nochmal wiederkommen, hier im Laden sei ja auch grad zu viel los. Die Aufgabe der Unternehmerin: den vorbereiteten Vertrag durchlesen und dann hopp oder top sagen.
    Gesagt, getan. Die Herren kamen wieder, die Unternehmerin war skeptisch aber nicht desinteressiert. Allerdings sagte sie, sie könne maximal 75 Euro im Monat ausgeben. Natürlich sei das kein Problem, das vermerken wir im Vertrag – unterschreiben Sie doch erstmal hier. Ritschratschkringel, drunter ist die Unterschrift. Als die Herren weg waren, setzte sich die Unternehmerin erstmal. Denn statt 75 Euro pro Monat standen dort 75 Euro pro Woche.

    Nun sind 75 Euro pro Woche bei 52 Wochen pro Jahr zwar knapp 4000 Euro – und an ein Jahr hat sich die Unternehmerin per Vertrag auch gebunden. Allerdings sind diese 4000 Euro nicht mal unbedingt frech für eine Website. Wenn sie ordentlich gemacht ist und gewisse Standards mitbringt, etwa ein CMS zum Pflegen der Inhalte. (Update: Wie gesagt: Es handelte sich in Wirklichkeit um SEO, von daher sind 4000 Euro schon reichlich frech.) Ich kenne die Arbeiten von Viscomp nicht und konnte der Dame daher auch nicht sagen, ob sie nun unbedingt komplett ins Klo gegriffen hat. Allerdings will sie trotzdem versuchen, gegen den Vertrag vorzugehen. Wegen arglistiger Täuschung. Was nicht leicht werden dürfte – das Rücktrittsrecht für Unternehmer ist kompliziert. Einen Rechtsanwalt hat sie wohl bereits.

    Schade eigentlich, dass Viscomp so arbeitet. Die Euroweb-Gruppe, zu der Viscomp gehört, hat ein eigentlich lobenswertes Ziel: den Mittelstand ins Netz zu bringen. Und im Werbevideo klingt das alles – trotz sicht- und hörbarer Unsicherheiten der Geschäftsführer, vor der Kamera zu sprechen – auch wirklich gut. Stellt sich also die Frage: Sind es nur die Vertriebsmitarbeiter, die derartige Methoden anwenden, oder wird das Ganze doch von “oben” gelenkt?

    Vielleicht befrage ich die Geschäftsführer demnächst mal dazu. Offen sind die Eurowebler ja – seit Januar haben sie auch ein Blog.

    Die Satiriker von Winfuture

    Winfuture.de, das “Windows Online Magazin” ist – ohne den Kollegen zu nahe treten zu wollen – bislang eher nicht mit spektakulären Enthüllungsgeschichten aufgefallen. Eher liest man dort, was man woanders auch schon lesen konnte. Mit einer Nachricht aber haben sie sich nun selbst ein Denkmal gesetzt – auch wenn’s ein eher fragwürdiges ist.

    Wenn die Satire zur Nachricht wird“, ein Artikel von Bernd Kling.

    via inq

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  • Gerüchte, Übertreibungen, Falschmeldungen

    Ich muss diese Geschichte hier mal etwas erweitern. Aber zuerst zum Anfang: Am Sonntag vermeldete die Financial Times, führende europäische Videospielunternehmen würden eine neue Branchenmesse befürworten. Autor Arndt Ohler schreibt:

    Die beiden rivalisierenden Videospielemessen in Leipzig und Köln könnten bald weitere Konkurrenz bekommen. Nach FTD-Informationen befürworten führende europäische Videospielunternehmen ein Konzept für eine stark auf ganz Europa ausgerichtete Leistungsschau.

    “Es gibt solche Bestrebungen”, bestätigte ein europäischer Topmanager. “Das Thema wird jetzt vom europäischen Verband aufgegriffen”, so der Manager unter Verweis auf die Interactive Software Federation of Europe mit Sitz in Brüssel. Allerdings sei eine derartige Veranstaltung frühestens im Jahr 2010 denkbar.

    Der Rest des Artikels sind bekannte Fakten – und damit endet auch die eigentliche Neuigkeit. Ohler beruft sich auf den Informantenschutz, was sein gutes Recht ist und bestätigte auf meine telefonische Nachfrage den Fakt.

    Nach dieser Meldung rumpelte es gewaltig in der Medienszene, das große Rauschen setzte ein. Viele schrieben ab, ohne selbst zu recherchieren. Wie schon bei Medienrauschen beschrieben, rief ich im Auftrag von saxxess.com bei der Interactive Software Federation of Europe in Brüssel an. Dort sagte mir Jürgen Bänsch:

    “Wir haben noch nie eine Videospielmesse organisiert und werden das wohl auch in zehn Jahren nicht tun. Es gibt hier nur drei Top-Manager, einer davon bin ich, und wir können uns nicht erklären, wie solch eine Meldung zustande kommt. Natürlich diskutieren wir immer wieder neue Ideen. Bislang gibt es in dieser Hinsicht aber weder Ansätze noch Planungen. Der Bericht ist reine Spekulation.”

    Natürlich ist dies kein Beweis dafür, dass die FTD-Meldung falsch ist – immerhin gibt es gerade bei solchen Vereinen und Verbänden immer Leute, die mehr wissen als die anderen. Allerdings hätte jeder Journalist sehr leicht eben dieses Zitat bekommen können, um seine Geschichte über die dritte Videospielmesse anzureichern.

    Stattdessen wurde kopiert nur zitiert. Spiegel Online tat dies beispielsweise. Oder golem.de, wo man immerhin scheibchenweise Updates nachlieferte und sich bei den beiden deutschen Verbänden BIU und G.A.M.E. umhörte. Auch bei heise waren offensichtlich die Telefone kaputt.
    Ganz schlimm einige Spielewebsites. Giga.de beschränkte die Meldung auf wenige Sätze, forderte aber sogleich Meinungen ab.
    Gameports hat die Sache komplett nicht verstanden und schreibt Unsinn:

    Die “Interactive Software Federation of Europe” plant angeblich nun sogar eine dritte Spielemesse, die ebenfalls in Deutschland stattfinden soll.
    Das berichtet die “Financial Times Deutschland” (FTD) in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Funktionär eines europäischen Spieleherstellers.

    Woher Gameports die Info hat, die Messe solle in Deutschland stattfinden, wissen wohl nur die dortigen Kollegen. Vielleicht war ja noch Satz im Kaffee.
    Gameswelt.de übertreibt maßlos und schreibt von einer “riesigen” Spielemesse und setzt das Adjektiv in Anführungszeichen – grad so, als sei dies ein Zitat von irgend jemandem.Im Text ist dann auch von einer “Mega-Messe” die Rede.

    Den Vogel schießt aber it-business.de ab. So schreibt Kollegin Heidi Schuster nicht nur, dass es bereits ein Konzept gebe, sondern zitiert auch nicht näher genannte “Medienberichte”, die besagen würden, die neue Messe würde nur den Handel und Journalisten adressieren. Woher sie ihre Weisheit nimmt, bleibt ihr Geheimnis.
    Dann wird es komplett abstrus:

    Die Games Convention in Leipzig war bisher die einzige Spielemesse in Deutschland. Seit ihrer Gründung wurden unter anderem die US-Spielemesse Electronic Entertainment Expo (E3) eingestellt als auch die europäische Spielemesse ECTS, dem Mittelpunkt der London Gamesweek, die unter anderem auch die Entwicklerkonferenz Game Developers Conference Europe sowie Sonys Verbraucherveranstaltung PlayStation Experience umfasste.

    Das Ende der ECTS quasi indirekt auf die Etablierung der GC zu schieben, mag schmeichelhaft sein für die Leipziger Messe, allerdings dürften eher Streitigkeiten im eigenen Land die Folge gewesen sein.
    Und was Heidi Schuster dazu bewogen hat, eine Falschmeldung über das Ende der E3 nach Jahren nochmal zu verbreiten, wüsste ich gern. Die E3 ist nicht tot, wenngleich sie sich auch über die Jahre gewandelt hat. Als tot kann man höchstens das einstige Konzept bezeichnen.

    Außerdem scheint Kollegin Schuster ein Problem mit ihrem Kalender zu haben. Über die etablierte Games Convention in Leipzig und Branchenneuling Gamescom in Köln schreibt sie:

    Jetzt buhlen die beiden Veranstaltungsorte um Aussteller und Besucher, da Leipzig die Messe Games Convention unter eigener Regie fortführen will und Köln die Gamescom im Sommer 2009 veranstaltet. Beide Messen finden zudem fast zeitgleich statt.

    “Fast zeitgleich”? Zur Erinnerung: Die GC in Leipzig findet vom 19. bis 23. August statt – und die Gamescom in Köln vom 19. bis 23. August. Na, merken Sie was?

    Ehrlich gesagt – die schludrige und gedankenlose Arbeitsweise einiger Kollegen beunruhigt mich mehr als der Fakt, dass durch die Streitigkeiten zwischen Leipzig und Köln wirklich noch eine dritte Messe kommen könnte. Anhaltspunkte dafür gibt es bislang nur wenige.

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  • Beate Uhse, Heise und andere: Update zur Datenpanne

    Kurzes Langes Update zur Datenpanne bei Beate Uhse. Zuerst die offizielle Stellungnahme der Beate Uhse AG im Wortlaut:

    Sehr geehrter Herr Grosse,

    vielen Dank, dass Sie uns auf die fehlerhaften Sicherheitseinstellungen unseres webservers aufmerksam gemacht haben. Offenbar sind diese im Rahmen eines upgrades unseres shopsystems entstanden.

    Es waren die Email-Adressdaten der Interessenten an einem unserer Weihnachtsgewinnspiele nach außen hin sichtbar. Die Anmeldung zu dem Gewinnspiel ist ganzjährig möglich. Adress-, Bank- oder Bestelldaten waren zu keiner Zeit von der Lücke betroffen und daher nicht einsehbar.

    Das konkrete Problem ist bereits behoben, wir werden jedoch alle weiteren Systeme einer sorgfältigen Prüfung unterziehen.

    Wir bedanken uns nochmals für Ihren Hinweis und verbleiben
    mit freundlichen Grüßen

    Assia Tschernookoff
    Leiterin Unternehmenskommunikation
    Beate Uhse AG

    Bemerkenswert finde ich, dass jegliches Bedauern fehlt. Zudem werde ich mit ß und Substantive immer groß geschrieben, nicht nur manchmal.

    Wichtiges Update zu den Fakten. Wie Beate Uhse richtig mitteilt, waren zu keiner Zeit Bestelldaten einsehbar. Lediglich die Mailadressen, das Datum und die Uhrzeit des Einloggens auf lustkatalog.de waren ersichtlich. Ob es sich dabei um wirkliche Kunden des Versandhauses handelt, ist auch nicht klar. Andere Behauptungen sind falsch. Ich sage das nur vorsichtshalber, eh sich Medien draufstürzen, die nur mit halbem Auge mitlesen und dabei falsch abschreiben. Solls ja geben.

    Wie lange die Daten einsehbar waren, kann ich nicht sagen, auf diese Frage hat Beate Uhse nicht geantwortet.

    Nach dem Daten-Gau bei Uhse folgte die Verlinkung meiner Website bei Heise. Und danach der Absturz meiner Website, weil gleichzeitig auch Blogs und standard.at zu mir linkten. Das war wohl zu viel für meinen eigentlich sehr guten Hoster Hosteurope, der daraufhin das Verzeichnis /blog sperrte. Danke auch. Sehr nett, was man dann für Mails bekommt:

    [...] Es befinden sich diverse Fehlermeldungen in Ihrem error.log u.a. auch das Sie die maximale Anzahl an gleichzeitigen Verbindungen (70) für Ihre Webpräsenz überschritten haben.

    Bitte tragen Sie Sorge dafür, dass die Ursache für die Sperrung umgehend behoben wird.

    Sobald dies geschehen ist, kontaktieren Sie bitte unseren Support[...]

    Nee iss klar, die sperren meine Website und ich soll dann sagen, wann die Ursache dafür behoben ist. Wie bitte soll ich prüfen, woher meine Referrer kommen, wenn mein externer Counter gar nicht mitzählen kann? Etwa über das Logfile oder das schlimme Webalizer? Ich bitte Euch. Habe dann Torsten Kleinz angerufen und ihn gebeten, die Verlinkung zu meiner Seite von heise.de zu löschen. Danach (und einer Mail von mir) war Hosteurope dann so gnädig, mir meine Website zurückzugeben.
    Ich kann’s ja nachvollziehen, dass man bei einem Webpack XL (wobei ich nicht die 2.0er Variante habe, sondern den Vorgänger) keinen Traffic wie bei großen Sites verlangen kann. Aber ein wenig Feingefühl im Umgang mit den Kunden muss doch machbar sein. Vor allem nervt dann das neuerdings unkompetente Personal an der Hotline (das war schon mal viel besser), das mit Halbsätzen wie “weiß ich nicht” über “kann schon mal vorkommen” bis “eigentlich keine Sache für die Hotline” zu argumentieren versucht.
    Nun, schauen wir, wie lange das noch gut geht.

    Und der Vollständigkeit halber noch die Referrer:

    Boocompany: Beate Uhse: Gibs mir, Du Datenschlampe!
    Heul nicht! Sag was!: Beate Uhse und die Kundendaten
    Netzpolitik.org: Beate Uhse GmbH: Keine Lust auf Datenschutz?
    Heise.de: Beate Uhse: Tausende E-Mail-Adressen veröffentlicht
    Focus Online: Datenschutzpanne bei Beate Uhse
    derstandard.at: Datenpanne bei Beate Uhse
    Spiegel.de: Datenschutz ist etwas anderes (im Netzwelt-Ticker, vierteMeldung)
    gulli.com: Datenleck bei Sexversand (ja, man kann tolle Wortspiele machen bei dem Thema!)
    Basler Zeitung: Peinliche Panne bei Beate Uhse
    CTRL von blogs.taz.de: Sexkunden öffentlich im Internet
    IT-Weblog: Penetrationstest bei Beate Uhse
    blog.perished.de: Beate Uhse Kundendaten im Internet aufgetaucht?
    T-Online.de: Pikante Datenpanne bei Beate Uhse
    Tagesanzeiger.ch: Peinliche Datenpanne bei Beate Uhse
    cappellmeister.com: Datengau bei Beate Uhse-Ableger lustkatalog.de
    q-vadis.net: Das Netz hat ein Gedächtnis
    Der Göttinger Landbote: Ich weiß, wo Du bestellt hast…
    Markenpost.de: Datenschutzpanne bei Beate Uhse

    Und dann konnte ich das Thema doch noch verkaufen:
    stern.de: Ungeschützt bei Beate Uhse

    ‘Ne ganz schöne Liste geworden. (wird ständig aktualisiert) Hätte nicht gedacht, dass das so viel Staub aufwirbelt.

    Bemerkenswert war die schlechte Krisen-PR von Exitec und Beate Uhse. Exitec war kurz nach 9 Uhr noch gar nicht zu erreichen, später hatte ich dann eine Mitarbeiterin dran, die erstmal sehen musste, wer überhaupt die Mail gelesen haben könnte. Später sah ich dann in den Logfiles, dass das Unternehmen wohl schon seit kurz nach 8 auf meiner Website rumstieg. Erst halb 11 war lustkatalog.de so gesichert, dass keiner mehr in die /tpl- und anderen Verzeichnisse schauen konnte. Dabei sind das im FTP-Programm wenige Klicks.
    Eine Stellungnahme von Exitec gab es bis zum Nachmittag nicht. Gegen 14.30 Uhr hieß es telefonisch, man berate noch und so lange nehme man keine Stellung. Kurz vor 17 Uhr trudelte dann obige Mail von der Sprecherin der Beate Uhse AG ein. Telefonisch war sie gegen 17.50 Uhr nicht mehr erreichbar.

    So, wenngleich ich bislang nicht Kunde bei Beate Uhse war, so hab ich mit der Aktion doch eines erreicht: Dass zumindest im Netz nun auch mein Name in einem Atemzug mit dem Versandhaus auftaucht. :-)

    Auf der Suche nach einer E-Mail-Adresse im Netz bin ich gerade über komische Dinge gestolpert. Da existieren Listen auf einer Website, die nicht für Jedermann bestimmt sind: Kundendaten von Beate Uhse.

    Konkret geht es um die Website lustkatalog.de, offenbar eine Website zur direkten Bestellung von Artikeln aus dem Beate-Uhse-Shop. Innerhalb dieser Website gibt es die Möglichkeit, ganz offen und frei in den Verzeichnissen spazieren zu gehen, wenn man die Deeplinks kennt. Google kennt einen davon – und was für einen: eine .csv-Datei mit einigen hundert Mailadressen von Kunden des Shops.

    Offenbar handelt es sich dabei um die Logdatei zum Online-Adventskalender 2006 des Versandhauses. Innerhalb der .csv-Datei – und den anderen 25 frei zugänglichen Listen – finden sich aber auch neuere Einträge, etwa von Ende 2007, Mai 2008 oder ganz aktuell aus dem August 2008. Mitgeschnitten wurden das Datum und die Zeit des Einloggens, sowie die Mailadresse des Empfängers, der offenbar einen Newsletter von Beate Uhse bekam und dort einen Link klickte. Nicht nur .de-Adressen wurden geloggt, auch die Mailadressen von Kunden aus Frankreich, Großbritannien oder Belgien sind zu sehen. In einer Datei finden sich 1860 @-Zeichen – wobei fairerweise gesagt werden muss, dass diverse Mailadressen doppelt und dreifach eingetragen sind.

    Nun fragt man sich, wer für solch eine Schlamperei verantwortlich ist. Auch dazu finden sich in den Listen Hinweise. Wie es scheint, wurde das CRM-System, das hier versagt hat, im Oktober und Anfang November 2007 ausgiebig von der betreuenden Agentur getestet. Wenn man mal von den vielen Logins einiger Mitarbeiter in den genannten Zeiträumen ausgeht. Exitec heißt die Agentur, die seit Oktober 2001 eine Tochter von Beate Uhse ist und auch andere große Namen als Referenzen anführt. Kundenpflege und Communitylösungen hat sich das Flensburger Unternehmen auf die Fahnen geschrieben. Dass die gesammelten Daten dann an die Öffentlichkeit gelangen und so für einen kleinen Datenschutzskandal sorgen, war sicher nicht gedacht.

    Dummerweise geht das Versäumnis des Dienstleisters weiter, denn lustkatalog.de beherbergt offenbar auch die Websites pabo.at, einem Beate-Uhse-Erotikshop für Österreich. Auch dort finden sich so genannte Clips: Excel-Dateien mit Mailadressen von Kunden. Ungeschützt und frei zugänglich für Jeden, der erstmal einen Einstieg jenseits der normalen Index-Datei hat. Einen solchen zu finden, ist nicht schwer. Ich will trotzdem Exitec die Möglichkeit geben, sich zu äußern und vor allem die Website sicher zu machen. Daher gibt’s an dieser Stelle keinen Deeplink zu den Listen.

    Update 1.9. 9.43 Uhr: Nach kurzer Rücksprache mit einer Mitarbeiterin von Exitec soll es sich nicht um Kundendaten handeln, auch nicht um Empfänger von Newslettern. Es sei “etwas anderes”. Allerdings sei die Mitarbeiterin keine Technikerin, der Fall werde geprüft, man will sich wieder melden. Diese Aussage wirkt so stümperhaft wie falsch, wenn man sich die Mailadressen mal so anschaut. Was für Daten sollen es sonst sein? Alles persönliche Bekannte des Dienstleisters? Wohl eher nicht.

    Update 10.34 Uhr: Die Verzeichnisse sind nunmehr geschützt. Trotzdem wird es Monate dauern, bis die Seiten aus Google und Co. verschwunden sind.

    Update 19.45 Uhr: Nachdem nun die Website wieder freigeschalten ist (Hosteurope hatte sie gesperrt, weil angeblich zu viele Zugriffe erfolgten; werde wohl wechseln müssen) noch ein paar Hinweise:

    - Nein, ich habe nicht, wie manche User bei heise.de vermuten, nach meiner eigenen Mailadresse gesucht. Wenn das so wäre, würd ich das sagen, bin ja nicht prüde.

    - Zu keiner Zeit waren Bestelldaten oder Adressen von Kunden einsehbar.

    - Die Beate Uhse AG hat mittlerweile per Mail den Fehler eingeräumt. Es lag wohl am Upgrade des Shopsystems. Das erscheint unlogisch, ist aber die offizielle Antwort darauf. Das Shopsystem möchte ich sehen, das selbständig die Zugriffsrechte von sämtlichen auf dem Server befindlichen Verzeichnissen ändert. Nungut, man muss ja nicht alles verstehen. Ein Wort des Bedauerns findet sich in der Mail nicht.

    - Ein Artikel von mir soll noch bei stern.de erscheinen.

    Pappnasen

    Unglaublich, was Mitarbeiter in Elektrofachmärkten über sich ergehen lassen müssen. Konnte ich heute im MediaMarkt wieder erleben, als ich an der Infokasse stand und mir eine Rechnung drucken ließ. Ich glaube, diese Mitarbeiter dort kommen mit dem Abschaum der Gesellschaft in Berührung.

    Eine Familie beispielsweise (Mutter, Vater und sowas, was die beiden vielleicht als Kinder bezeichnen würden) brüllte im Chor, sie würden sofort einen Mitarbeiter verlangen, der vor zu ihnen kommt und ihnen diese Kaffeemaschine umtauscht. Die würde nicht funktionieren und sie hätten ja auch nochmal Benzin ausgegeben und überhaupt, was wäre das für ein Service. Mutter und Vater übertrumpften sich in der Lautstärke und weil das offenbar noch nicht reicht, stieg der geschätzt 16-Jährige Sohn in diesen Chor mit ein und rief noch lauter seinen Unmut in Richtung Kleingeräteabteilung. Dem flüchtigen Beobachter fiel sofort auf: Die defekte Kaffeemaschine war deren kleinstes Problem.

    Wenige Minuten später wollte ein Mann mit einem Karton, auf dem ein Ventilator abgebildet war, den Markt verlassen, direkt an der Infokasse vorbei. Auf die freundliche Frage, ob die Mitarbeiterin mal den Kassenbon sehen dürfte, erntete sie nur ein “Der iss nich von Euch, ihr kennt wo Eure eigenen Kartons nicht, oder was? Pappnasen!”

    Ich glaube, man muss vieles überhören, um dort nicht auszurasten. Am Ende entschuldigte ich mich noch bei den Damen, weil ich sie mit meinem Rechnungsproblem abhielt. Irgendwie war mir das ein Bedürfnis. Ich könnte dort nicht arbeiten.

    Klingelt’s?

    “Wir haben morgen so eine Geschichte über Handy-Klingeltöne im Blatt.”

    “Ach, dieses Thema, in dem erklärt wird, was der Klingelton über den Menschen verrät?”

    “Ja, ist ‘ne dpa-Geschichte, die schon in anderen Medien lief. Hilft uns aber, unsere “Modernes-Leben-Seite” zu füllen.”

    “Super. Wir wollt ihr sie bebildern?”

    “Also oben machen wir ein fünfspaltiges Riesenfoto von einem Mann, der eine Frau fotografiert. Mit dem Handy, das passt ja zur Story.”

    “Ahja. Und weiter?”

    “Dann haben wir noch Ralf Schumacher, der entgeistert auf sein Handy stiert und einen Fußballfan, der ein Handy in der Hand hält. Allerdings ist dann noch Platz für ein weiteres Foto. Mir will aber absolut nichts mehr einfallen.”

    “Och, da finden wir schon was. Schau mal, das hier.”

    Klingelton-Symbolfoto

    “Nunja, das zeigt aber das Menü eines Handys, in dem gerade die Nachrichtenfunktion aktiviert ist. Wo ist da der Bezug zum Klingelton?”

    “Na dann muss es eben die Bildunterschrift bringen!”

    “Okay, dann schreiben wir drunter: ‘Die Auswahl an Klingeltönen für moderne Handys ist gewaltig.’ Was sagst Du?”

    “Das klingt super. Wird schon keiner merken, dass es mein altes K750i ist, das 2005 vorgestellt wurde.”

    Man weiß es nicht genau, ob das Gespräch zwischen Redakteur und Fotograf in der LVZ wirklich so ablief. Und normalerweise mache ich meine Kollegen im Leipziger Petersteinweg auch nicht schlecht. Aber manchmal fragt man sich wirklich, wie dort die Fäden zusammenlaufen – oder auch nicht. Und ob sich die Kollegen auch mal selbst kontrollieren.

    Nichts gegen Symbolfotos, wenn sie wirklich sinnvoll sind. Diese Fotos waren’s aber nicht.

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  • Leipzig an der Saale

    Hilfe, tut das weh. Keine Ahnung, ob die dpa oder die Mitteldeutsche Zeitung für diesen Schwachsinn verantwortlich ist. Eigentlich hätte es aber auf einer der beiden Seiten auffallen müssen, dass Leipzig nicht an der Saale liegt:

    «Ich glaube, dass die GC in Deutschland und Asien gebraucht wird», sagte Marzin und deutete an, dass die Computerspiel-Schau im nächsten Jahr auch ohne Verbandsunterstützung in der Stadt an der Saale ausgetragen werden könnte.

    Habe den Kollegen der MZ mal eine Mail geschrieben, damit der Fehler im Artikel behoben werden kann.

    Update 9.40 Uhr: Wie mir Redaktionsleiter Gero Hirschelmann mailte, bedauere er den Fehler, der auf dpa-Seite entstanden sei. “Leider ist es uns nicht möglich, jeden Text der Agenturen von Anfang bis Ende zu lesen, so dass wir dpa etc. vertrauen müssen. In diesem Fall zu Unrecht”, so Hirschelmann. Mittlerweile wurde die GC textlich wieder nach Leipzig verlegt – und nicht an die Saale.

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