Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Schlimmes’ Category

Gesprächstherapeuten wollen Ballerspiele verbieten

Heute erreichte mich ein Brief von der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie e.V. Was es alles gibt. Die dort versammelten Experten Psychotherapeuten fordern ein Verbot von Computerspielen (unterstrichen), in denen Jugendliche für das Töten und Foltern von Menschen belohnt werden. Solche Spiele würden zunehmend verharmlosend als “Ballerspiele” vermarktet. Die Psychos meinen, der Begriff “Medienkompetenz” würde als Deckmantel dafür herhalten. Darum fordern sie eine “Medienbildung” für Kinder Jugendliche. Erreicht werden soll ein gesetzliches Verbot gewaltverherrlichender Spiele, damit “der Grundkonsens einer humanen Gesellschaft erhalten” bleibe.

Zu Wort kommt in der leseunfreundlichen fünfseitigen Pressemitteilung eine gewisse Elke Ostbomk-Fischer. Die ist immerhin Hochschul-Dozentin und Mitglied in diesem Psycho-Verein. Diese wirft jungen Menschen vor, mittlerweile eine “Medienverwahrlosung” entschreckendes Ausmaßes erreicht zu haben. Politischen Verantwortlichen rät sie, umgehend zu handeln, “bevor eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen vom Strudel der Gewalt mitgezogen wird.” Boah, liebe Elke, haben Sie im Nebenfach Theatralik studiert?

Konkret wird die dolle Dozentin nicht. So nennt sie weder Beispiele für solche Spiele, die unsere Kinder in einen Gewaltstrudel ziehen würden, noch, was sie konkret an diesen bösen Spielen stört. Wahrscheinlich kennt Frau Ostbomk-Fischer nicht ein einziges. Stattdessen wird die “Bundesratdrucksache 2007-0001-0100/76-07″ zitiert, in der Killerspiele so beschrieben werden: “Spielprogramme, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnlichen Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen.”

Ein absoluter Lacher ist die Checkliste, mit deren Hilfe man ein Computerspiel selbst beurteilen soll. Zu finden, wie auch die komplette Pressemitteilung, auf der Website des merkwürdigen Vereins ohne Sachkompetenz.

Aber vielleicht sollte ich nicht so hart ins Gericht gehen mit Frau Elke. Denn immerhin hatte sie eine schwere Kindheit, wie in ihrer Vita zu lesen ist:

Frühe Begegnung mit sozialen Problemlagen durch den Beruf der Mutter als Leiterin einer Kindertagesstätte im Sozialen Brennpunkt.

Machen Sie sich nichts draus – alles wird gut…

Der Inquirer hat auch was dazu. Inklusive Links zu Studien in den Kommentaren.

Mit BILD geht das Licht aus

Am 8. Dezember um 20 Uhr soll nach dem Willen von BILD, BUND, Greenpeace, WWF, Google und ProSieben jeder für fünf Minuten das Licht ausschalten. Dies sei eine “eindringliche Mahnung, die national und international zu mehr Klimaschutz aufrufe, sagen die Organisatoren. Ein Zeichen an die Teilnehmer des Weltklimagipfels auf Bali sei das, sich für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Die “Zeil” in Frankfurt, Schloss Neuschwanstein oder der Kölner Dom hätten bereits zugesagt, bei diesem “Zeichen” mitzumachen und sich zu verdunkeln.

Tschuldigung, aber darf ich das für eine schwachsinnige und scheinheilige Aktion halten? ProSieben will natürlich ausführlich darüber berichten – in einem Galileo Spezial ab 19.59 Uhr. Bin gespannt, wie man die dunkle Zeil zeigen will. Oder Lieschen Müller zu ihren Gründen befragt, die sie dazu getrieben haben, ihre Weihnachtsbaumbeleuchtung auszuschalten. “Ich will doch die Erde retten”, wird sie sagen und sich gut dabei fühlen. Die Arme.

Muss mal im Keller gucken, irgendwo hab ich noch 100-Watt-Birnen. Die werde ich zur Feier des Tages reinschrauben.

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  • IE6 ist mir egal

    Seit dem ich das neue Theme hier habe, bekomme ich Mails und Kommentare diverser Leute, die sich mit mir freuen, dass die Site wieder schick aussieht. Ist nicht mein Verdienst, sondern von den Jungs und Mädels (mutmaße ich einfach mal) von DesignDesease, die das Theme entwarfen.

    Allerdings scheint es Probleme mit dem Layout zu geben. Die Sidebar rutscht auf der rechten Seite ganz runter, bis der Content links zu Ende ist. Das sieht vielleicht doof aus. Nein, nicht im Firefox. Auch nicht in Opera, Safari oder Camino. Wer macht wohl Probleme? Genau, Redmond mit ihrem Sicherheitsrisiko, dem offenen Scheunentor, liebevoll auch “IE6″ genannt. Dieses Stück Schundsoftware, die sich nicht an standardkonformes XHTML und CSS hält, bzw. dieses falsch interpretiert. Rotzfrech, weils ja der IE ist.

    Ich habe jetzt diverse Dinge versucht. Dem CSS da drei Pixel geklaut, dort dazu getan, das margin verringert. Hat alles nichts genützt. Ich höre jetzt auf, auf diese alte Software zu optimieren. Im Chat mit einem Freund musste ich mir gerade anhören, ich solle für meine Leser bloggen und an sie denken. Weil doch der IE6 immernoch den Markt dominieren würde. Bin ich jetzt also überheblich, wenn es mir egal ist, wie diese Seite mit dem IE aussieht?

    Ich glaube nicht. Denn erstens gibt es auch andere Statistiken. Und zweitens halte ich meine Besucher für so mündig und clever, dass sie merken, wenn hier was nicht stimmt. Und von selbst einen richtigen Browser verwenden. Außerdem erübrigt es sich zu erwähnen, dass man stets die aktuellste Version eines Browsers nutzen sollte. Und die 6 ist nunmal nicht die aktuellste. Selbst IE7 ist noch immer voller Bugs.

    Aus diesem Grund – vor allem aber, weil ich kein XP habe – nutze ich schon ewig keinen Internet Explorer mehr. Reicht schon, dass das Drecksding ja quasi dauernd im Hintergrund hängt, wenn man Windows nutzt. Solche “Fehler” bemerke ich daher auch erst, wenn man mich drauf anspricht. Dass der Hinweis von einem Menschen kommt, der seit Jahren im Netz lebt – und das 15+ Stunden am Tag – und es eigentlich besser wissen müsste, schockiert mich ein wenig…

    Vielleicht kann mir ja mal jemand sagen, wie die Site im IE7 aussieht?

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  • WEIHNACHTSKOLLER!

    Bitte begreift es doch endlich, liebe Verkaufsstrategen und Supermarkteinrichter: ES IST NOCH NICHT WEIHNACHTEN, wir haben gerade mal ANFANG NOVEMBER! Tiefsten Herbst also. Mit Regen und so. Kein Schnee. Hört ihr? Kein Schnee!

    Aber auf mich hört ja eh keiner. Stattdessen blinkern bereits jetzt überall die ach so romantischen Weihnachtslichter. Der Hauptbahnhof hat sich in eine klischeebehaftete, kitschige Kulisse getaucht. Mit Weihnachtsbäumen und goldenen Kugeln dran. Anfang November, man stelle sich das vor! Ebenso das Paunsdorf-Center, in dem hektisch die Beleuchtung und Deko angebracht wird. Auch Onlineshops haben sich bereits die obligatorische rote Mütze aufgesetzt. In den Supermärkten werden die Pfefferkuchen und Weihnachtsmänner bereits seit Mitte Oktober grau. Und die Stadt Leipzig verkündet, dass am 13. November die Blautanne auf dem Markt aufgestellt wird. Gleich neben das große Loch, in dem mal Züge halten sollen, irgendwann. Wie romantisch.

    Und bei all diesen wunderbaren Vorbereitungen soll man sich auf das ach so tolle Fest freuen? Sich schonmal drauf einstimmen? Sorry, aber da vergeht’s mir. Achso – wer übrigens denkt, an Heiligabend noch morgens über den Weihnachtsmarkt schlendern zu können, hat sich geschnitten. Der geht nur bis 23.12. Warum auch sollte ein Weihnachtsmarkt bis Weihnachten gehen?

    Und jetzt nennt mich einen unromantischen Grobian. Aber dieses immer zeitiger beginnende Kommerzfest hat mit Weihnachten und besinnlicher Vorfreude schon lange nichts mehr zu tun.

    So, und jetzt muss ich los, Weihnachtsbaum kaufen.

    Schon wieder: Pressemitteilung mit Verteiler

    Irgendwie lernen es die öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht, wie man per E-Mail kommuniziert. Nach dem WDR glänzt jetzt der hr, bzw die Pressestelle von hr2 mit einem kommunikativen Fehlschlag. Eine gestern Nachmittag per E-Mail verschickte Pressemitteilung ging an 301 Empfänger. Nicht schlimm? Nein, dieser Fakt allein ist nicht schlimm. Wohl aber, dass alle 301 Adressen direkt in die Mail kopiert wurden. Von der Jugendpresse über die Kulturredaktionen des Landes bis zu Radio- und Fachmedien findet sich dort alles.

    Und was sagt man da? Danke! So wie es sich gehört. Hauptsache, die Sprecherin hat den Verteiler auch gut gepflegt…

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  • Rad neu erfinden

    Wahnsinn! Da hat ein selbst ernannter Domainexperte die tolle Idee gehabt, die bereits bestehende Top Level Domain .ps (Palästina) glatt nochmal zu erfinden, bzw. zu “entwickeln”. PS, das klingt nach Auto, dachte er sich und vertickert nun auf der IAA die Domain auto.ps. Super.

    Ich hab übrigens die TLD .com neu erfunden. Jeder, der was mit Computern zu tun hat, sollte sofort eine .com-Domain kaufen. Und .bh steht nicht für Bahrain, sondern logischerweise für Dessous-Hersteller. Und das West-Jordan-Land und Gaza brauchen sicher auch keine Endung .wg – das ist doch viel besser geeignet für studentische Wohngemeinschaften. Und den Malediven erkennen wir gleich mal ihr .mv ab und verschleudern an jeden in Mecklenburg-Vorpommern eine Domain. Mensch, bin ich innovativ!

    Der .ps-Irrsinn zum Nachlesen auf dem Auto.de-Blog.

    Stylishe Suchmaschine. Na und?

    Microsofts neue Suchoberfläche tafiti sieht ja ganz schick aus. Aber wozu in aller Welt braucht man das? Als Beispiel minimalistischen Designs und schneller Verfügbarkeit war Google schon immer Vorreiter. Mit tafiti kommt nun eine Suchmaschine, die erstmal die Installation einer Software (Silverlight) verlangt. Das ist nicht nur suboptimal, das ist sogar große Scheiße. Und wenn ich dann quasi gezwungen werde, mit dem Internet Explodrer zu suchen, hört’s auf. Zudem sieht’s mir zu sehr nach Mac aus. Wieder nur geklaut. Keine neuen Ideen mehr in Redmond?

    Sehe grad, nichtmal das Erläuterungsvideo kann man sich ohne Silverlight anschauen. Na, dann eben nicht…

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  • Gute Ideen und Kreativität für immer weggesperrt

    Arlett Drexler, Moderatorin bei Antenne Bayern, hat sich im Tierheim eingesperrt und will erst wieder rauskommen, wenn alle Tiere vermittelt sind. Herzlichen Glückwunsch. Für diese noch nie da gewesene Idee, sich irgendwo einzuschließen. Nach angeblichen Protestaktionen irgendwelcher Moderatoren, die sich im Studio einschließen, nun also eine Einsperraktion im Tierheim. Und auf der Senderwebsite präsentiert man natürlich die Tiere dazu, die vermittelt werden sollen.

    Antenne Bayern ist Marktführer unter den Privaten. Deutschlandweit. Über eine Million Menschen hören den Sender in der Durchschnittsstunde. Ich frage mich, warum dieser Sender nicht einfach eine ehrliche “Wir vermitteln Tiere”-Sendung auf die Beine stellen kann und stattdessen solch eine überzogene und völlig sinnlose Aktion startet. Weil Sommerloch ist? Weil’s lustig sein soll? Sorry, nein, ist es nicht. Weil jeder weiß, dass Arlett längst wieder daheim auf der Couch sitzt.

    Kann mir bitte einer sagen, wo der Käfig mit den wirklich guten Radiomachern steht, die man vor Jahren offenbar weggesperrt hat? Ich würde die Leute gern rauslassen, um das Radio zu retten.

    Bei Iris Berben wird mir kotzübel

    Tschuldigung für die Begrifflichkeit, aber seit ich das gelesen habe, ist mir die alte Dame noch mehr egal, als sie es vorher schon war. Und wenn eine Zeitschrift namens Feinschmecker über das Essen von Affenfleisch schreibt – und das noch nichtmal kritisch – dann gehört diese Zeitschrift für mich abgeschafft. Ich bin beileibe kein Vegetarier oder totaler Verfechter von Umwelt- und Naturschutz. Aber irgendwo hörts auf. Bei der Ralley Paris-Dakar wird’s sicher auch ‘ne andere Verpflegung gegeben haben als Affenfleisch. Wobei ich mich wirklich frage, warum das überhaupt sein muss. Aber bitte – wer unbedingt will

    Ein weiterer Beweis, dass Menschen doch nicht die klügsten Lebewesen sind.

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  • Da gänndsch bleede währn (3)

    … wenn man von Finanzoptimierern wie der Deutschen Vermögensberatung telefonisch belästigt wird und zu hören bekommt, sie hätten meine Telefonnummer von einem Hausbauer, bei dem man mal eine Anfrage gestellt hat. Liebe Kern-Haus-Verkäufer im Paunsdorf-Center: So geht das nicht. Und ich fühle mich abermals bestätigt, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, nicht mit Euch zu bauen.


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