von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
03. 08. 2007 12:47
Der Brückeneinsturz in Minneapolis ist zweifelsohne als schrecklich zu bezeichnen. Von mindestens vier Toten ist die Rede, 30 Menschen werden noch vermisst. Mitten in dieser Katastrophe gibt es – so schreiben heute diverse Zeitungen – aber auch ein Wunder. Ein Schulbus sei abgestürzt und auf den Trümmern im Fluss liegengeblieben.
BILD-Autorin Katja Stumpp beispielsweise schreibt:
Mittendrin im Horror ein kleines Wunder. Ein Schulbus stürzte ab, blieb auf den Trümmern im Fluss stehen. Die 60 Kinder zwischen fünf und 14 Jahren konnten fast alle unverletzt gerettet werden.
Die LVZ druckt einen Korrespondentenbericht der dpa, der folgende Zeilen enthält:
Ungefähr die Hälfte der Autos versank im Fluss, die anderen blieben zum Teil beschädigt auf Brückentrümmern im Fluss stehen. Dazu zählte ein Schulbus mit rund 60 Kindern…
Welt.de schreibt mit Material von Reuters, AP und SA:
Glück im Unglück hatten die 59 Insassen eines Schulbusses, die vom Schwimmen kamen. Der Bus landete auf den Reifen im Fluss, die Kinder und Erwachsenen konnten sich blutend und mit blauen Flecken an Land retten.
Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was mich daran stört? Nun, die Mär vom Bus, der auf Trümmern im Wasser zum Stehen gekommen ist, stimmt nicht. Oder interpretiere ich die Luftaufnahme, die heute in der LVZ (siehe Scan) zu sehen ist, falsch? Dort sieht man das ganze Ausmaß. Und eben auch, dass auf dem ersten eingestürzten Brückenteil ein großer gelber Bus steht. Dieses Brückenteil liegt aber nicht im Wasser, sondern auf einer Straße, die ursprünglich unter der Brücke entlangführte. Auf dem Brückenteil, das tatsächlich im Wasser liegt, ist kein Bus zu sehen. Und es ist unwahrscheinlich, dass er unterging und auf den Fotos nicht mehr zu sehen ist – wo doch viele Quellen so übereinstimmend berichten, dass er auf Trümmern oder Reifen landete.
Nun reicht dieses Drama sicher aus und ich wünsche natürlich niemandem, dass er mit seinem Auto oder gefangen in einem Bus ins Wasser stürzt. Die Frage ist aber, warum solche Sätze dann in die Agenturen und schließlich in die Zeitung finden? Schaut sich der Redakteur die Fotos nicht an? Sehen die Kollegen nicht, was für mich auf den ersten Blick ersichtlich ist? Dass der Bus sich nichtmal in der Nähe des Wassers befand? Wird hier absichtlich eine “Happy-End-Geschichte” in eine Katastrophe gemalt, um es “menscheln” zu lassen? Ich weiß es nicht. Ich finde es nur merkwürdig.
02. 07. 2007 22:42
Ich kann’s langsam nicht mehr hören. Jedes Jahr vor, während oder nach der GC rumort es in der Branche. Ewiges Thema: Leipzig ist zu weit weg, die Messe zu klein, hat einen zu kleinen Flughafen und – wohl das schlimmste – es liegt im Osten! Dies alles wären Gründe, Europas erfolgreichste und größte Messe für Computerspiele und digitale Unterhaltung ganz schnell zu verlegen. Nach Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt oder München. Boaaaah, ja, das wär geil! Seufz.
In diesem Jahr beginnt die Gerüchteküche bereits sehr zeitig zu brodeln. Diesmal vermutet Falafelkid (Gesundheit!) eine anstehende Verlegung des Events. In seinem Blog “Wii: Definitive speculation” (ach, alles nur Spekulation?) schreibt Falafelkid alias Andreas Garbe, (ein Kölner, der vergangenes Jahr auch in der Jury für die Wahl des besten GC-Produktes saß und wohl Redakteur bei RTL II ist) einige große Messegesellschaften hätten ein Auge auf die GC geworfen.
Until now, the event has been held in Leipzig every August. But, apparently, several large exhibitors are unhappy with the location and are pushing for the show to relocate. Leipzig has a modern site with five halls and additional outdoor space. But the city is hard to reach. Leipzig only has a small airport and is located in the east of the country.
Nun, das Ganze ist – wie gesagt – nicht neu. Tatsächlich hört man immer wieder, vor allem große Publisher würden mit Leipzig ganz und gar nicht zufrieden sein. Was mich bei der Sache nur stört: mit solchen Beiträgen schürt man das Feuer nur noch mehr. Schon kommen die ersten, die laut den Namen ihrer Lieblingsstadt rufen. Einfach, weil die Messe dann für sie besser erreichbar wäre. Um den eigentlichen Fakt, nämlich dass die Aussteller den Standort nicht mehr wollen, geht’s dabei wie üblich nicht.
Persönlich gesprochen: Ich finde diese Diskussionen traurig. Wohl aber kann ich die Überlegungen der Aussteller nachvollziehen, wenn auch nicht gänzlich verstehen. Ich hoffe nur, die Leipziger Messe ist weiterhin stark genug, dieses einzigartige Event hier am Standort zu erhalten. Und von Andreas Garbe wünsche ich mir, dass er seine Informationen einfach mal für sich behält. So lange, bis es wirklich definitiv ist. Aber vielleicht macht sich das einfach schick, Gerüchte mit “Exclusive” zu betiteln.
via planetgameboy, wo viele unsachliche Kommentare zu finden sind.
02. 07. 2007 14:40
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist beleidigt. Er hatte Herbert Grönemeyer in der “Bild am Sonntag” eingeladen, in die CDU einzutreten und ihm gute Chancen auf einen Sitz im Bundestag versprochen. Und was macht der Musiker? Meldet sich einfach nicht. Gestern war Wulff bei “Was erlauben Strunz” in N24 zu Gast. Und das verbreitet der Sender heute als Zusammenfassung:
(more…)
29. 06. 2007 17:31
Wenn einem nichts einfällt, klaut man einfach. Die Strategie ist nicht neu. Aber wie einfallslos muss man sein, um die “Maus” aus der “Sendung mit der Maus” zum Maskottchen für einen Grabsteinkipptester zu machen? Ich glaube nicht, dass der WDR dem zugestimmt hat. Zumal es auch ein Video gibt, in dem sich die Maus – die übrigens “Kippi” heißen muss – hinter einen Grabstein fallen lässt. Wie makarber und schlecht ist das denn bitteschön?
Danke an Karen
Update 05.07.:Einsicht oder Druck vom WDR? Die blaue Friedhofsmaus ist nun nicht mehr auf der Website zu finden, auch das Video ist gelöscht.
29. 06. 2007 10:03
Die öffentliche Zurschaustellung der eigenen Person geht weiter. Nach Twitter und seinen unzähligen Clones, bei denen man in Form von Kurznachrichten der Welt mitteilen kann, was man gerade tut, kommt jetzt eine neue Art des Microbloggings. “Habs gekauft” nennt sich das Ganze und zielt darauf ab, anderen Usern mitzuteilen, was man sich gerade gekauft hat. Viel hat die Website noch nicht zu bieten. Von Computertowern, SonyEricsson-Handys oder einem Top von H&M kann man dort lesen. Auch ein belegtes Brötchen und ein Magnum Mandel haben sich die User gekauft. Wahnsinn, was man alles kaufen kann. Laut Blog soll die Website helfen, anderen Leuten zu zeigen, welche coolen Produkte man besitzt. Wer hinter der unschlagbar genialen Idee steckt, wird nicht verraten – ein Impressum gibt’s auf der Website bislang nicht.
Bin gespannt, wann weitere dieser nützlichen Portale entstehen. habsverkauft.de, habsverschenkt.de oder habszertreten.de sind noch frei. Da geht also noch einiges… Wer will?
27. 06. 2007 09:33
Der erste Sportartikelhersteller, die erste Automarke, der erste Radiosender – es scheint, als gäbe es in Bezug auf Second Life kein Ende der “wir waren die Ersten und sind obercool”-Chartliste. Nun hat die erste Chipsfabrik in der virtuellen Welt geöffnet. Intersnack, das Unternehmen hinter “funny frisch”, hat in Second Life eine komplette Fertigungsstraße gebaut.
Auszug aus der Pressemitteilung:
In den realistisch nachempfundenen Werkshallen werden sämtliche Herstellungsschritte von der Kartoffelanlieferung über das Waschen, Sortieren, Schälen, Frittieren und Würzen bis hin zur Verpackung dargestellt. Der virtuelle Produktionsleiter Snackwell Carter – gesteuert vom „realen“ Produktionsleiter der funny-frisch-Chips – führt zur Eröffnung durch das Werk und erklärt den Besuchern die Produktionsabläufe. [...] Auch in Zukunft werden die Besucher bei regelmäßigen Rundgänge mit Produktionsleiter Snackwell Carter den Produktionsprozess hautnah erleben können.
Snackwell Carter… Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Oder besser nicht, bei dem Glutamat, das die Jungs da reinmischen… Auch die Rechtfertigungen, warum man dem Zug noch hinterher rennt, werden immer skurriler:
“funny-frisch steht für genussvolle Lebensfreude pur und für Party – also gemeinsam erlebten Spaß. Beides Merkmale, die auch Second Life auszeichnen”, erklärt Christopher Ferkinghoff, Chef von Intersnack Deutschland. “Deshalb haben wir uns für einen Auftritt in dieser neuartigen Kommunikationswelt entschieden.”
Passenderweise hat silicon.de die Meldung in die Rubrik “auch das noch” gepackt.
06. 06. 2007 21:17
Ich frage mich gerade, ob “Volksmusiker”, oder was man allgemein zu den Dauergrinsern sagt, überhaupt zu irgendwas nütze sind. Mal davon abgesehen, dass das hier wieder so eine Geschichte sein dürfte, bei der das Management gesagt hat: “Hia, Stefan, da schreibma fei ma was scheens mit dein Kind un so. Des kimmt imma guad!”
Rutschen kanner nicht, sprechen kanner nicht, Trompete blasen eh nicht…
Update: Wobei der eigentliche Witz ja erst unter dem Artikel steht: in Form von Google-Anzeigen.

Los, Stefan, rutsch, du Sau! Sonst kimm i mid dera Peitsch’n! – Is’ gut, Stefanie!
23. 05. 2007 09:23
Mir tun die Anwohner rund um das Zentralstadion sehr leid. Da ziehen sie an den Brennpunkt der Stadt, an dem Konzerte und andere Open-Air-Veranstaltungen stattfinden und dann regen sie sich über “Lärmbelästigung” auf. Wie jetzt wieder in den Kommentaren bei heldenstadt.de. Herbert Grönemeyer oder seine Mannen haben es sich doch glatt erlaubt, einen Soundcheck zu machen. Und – oh welch Erkenntnis – bereits der war laut. Genervt fühle man sich jetzt. Wahnsinn. Ich frage mich manchmal, ob wir wirklich die Großstadt sind, die wir vorgeben sein zu wollen. Da kommen große Künstler in unsere Stadt, starten hier ihre Deutschlandtournee und dann haben wir uns mimosenhaft, wenn ein paar Tage mal Krach ist. Sofern man ein Konzert als Krach bezeichnen kann. Da gibts sicher schlimmeren Krach.
Anderes Beispiel, gleiches Problem: die Kleinmesse und ihre sonnabendlichen Feuerwerke. Seit Jahrzehnten finden die statt. Jetzt, im 21. Jahrhundert muss man sich plötzlich drüber aufregen und erwirken, dass diese nicht mehr an allen Sonnabenden während des Volksfestes stattfinden dürfen. Ergebnis: die Schausteller, die sich ohnehin schon eher mit sich selbst beschäftigen, als Gäste zu bespaßen, schauen an dem Sonnabend in die Röhre.
Irgendwie müssen sich einige Leute mal entscheiden, was sie wollen. Entweder in einer Stadt wohnen, die sich immer mehr zum positiven entwickelt und das Potenzial hat, zur Weltstadt zu werden oder in einer nichtssagenden ostdeutschen Provinz ihr kleines Leben mit ihren Paragraphen und Verordnungen zu leben.
19. 05. 2007 00:22
Das Regierungspräsidium Leipzig hat eine neue Website. Barrierefrei, wie das RP schreibt. Stimmt nur nicht. Zumindest, wenn man mit Firefox die Seiten ansteuert. Dann sieht die neue Website schlimm aus. Okay, bei Benutzung von Opera oder IE wird die Site zumindest nicht zerschossen, wirklich schöner macht sie das aber nicht.
In der Pressemitteilung zum Start der neuen Website schreibt Sprecher Stefan Barton:
Das Regierungspräsidium würde sich über ein reges Interesse an seinem neuen Internet – Auftritt freuen und ist gern bereit und interessiert, Anregungen, Hinweise, Empfehlungen oder auch Kritiken über die Nutzung der bereit gestellten kommunikativen Elemente entgegen zu nehmen.
‘tschuldigung Kollege, aber das klingt so steif wie die Website aussieht. Und “die kommunikativen Elemente” funktionieren nur bedingt. Schauen wir uns mal den Quelltext an.
Eines kann man mit Sicherheit sagen: an Meta-Tags mangelt es nicht. Teilweise werden die gleich doppelt vergeben, teils sind Meta-Tags vergeben, die es gar nicht gibt. Am besten gefällt mir meta name=”task” content=”Nein”. Oder meta name=”key-words” ist auch nicht schlecht. Die Keywords für die Website des RP sind übrigens Internetauftritt und Internet. Glückwunsch.
Der verschwenderische Umgang mit falschen und unsinnigen Bindestrichen zieht sich bis in die Presseabteilung, die (siehe oben) den Internetauftritt trennt und mit Leerzeichen zwischen den Bindestrichen versieht. Wenn ich sowas sehe, drehen sich bei mir Zehen- und Fußnägel nach oben. Wo habt ihr das her? Wo wart ihr auf der Schule? Wart ihr doch, oder? Gruslig, echt. Genauso wie WEB kein Eigenname ist, dass man es dauernd groß schreiben muss. Bis ins Impressum zieht sich das. WEB-Master und WEB-Seiten stehen da. Herrlich. Wie auf einer Vereinswebsite oder einer privaten Seite, auf der man seinen Skatkumpels mal die neuesten Urlaubsfotos zeigt.
Aber zurück zum Quelltext: Wenn schon Javascript eingesetzt wird, sollte man den type bitte auch deklarieren, zumindest wenn man mutigerweise in xhtml schreibt, ohne es wirklich zu können. Dazu kommen noch diverse p, die erst geschlossen werden, bevor sie überhaupt geöffnet wurden und br, die daraufhin auch bloss nicht funktionieren oder Fehler zurückmelden.
Der HTML-Validator für Firefox meldet 101 Fehler auf der Pressemitteilungs-Seite. Auf der Impressums-Seite sinds bereits 221. Ich hoffe, das sind nur die kleinen Baustellen, von denen die Pressemitteilung spricht:
Gleichwohl bittet die Behörde um Verständnis für die erforderliche Arbeit an noch kleineren „Baustellen“. Man ist bemüht, diese sehr schnell zum Abschluss zu bringen.
Dann schauen wir in einigen Tagen nochmal vorbei. War vielleicht auch fies, gleich am dritten Tag der Freischaltung des “Internet – Portals” zu gucken. Kann man sicher nicht verlangen, dass da alles funktioniert bei einem Regierungspräsidium…
Danke an heldenstadt.de für die Inspiration zur Abendstunde
Update:Vielleicht sollten sich die Experten des RP mal diese Checkliste anschauen.
Update 2 vom 23.05.2007: Mittlerweile wird die Website mit Firefox richtig dargestellt. Die merkwürdigen meta-Tags sind geblieben
04. 04. 2007 17:52
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Yeah!