GROSSE WORTE

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Werbliches’ Category

Starke Schwankungen und harte Arbeit

Nachbetrachtungen zur sächsischen MA 2010 Radio II

Zweimal im Jahr gibt es für Radiomacher “Zeugnisse”. Konkreter: Zahlen, anhand derer nachgewiesen werden soll, wie hart man gearbeitet habe, um dem Hörer ein gutes Programm zu bieten. Die Mediaanalyse im Juli gilt dabei als preisbildend, weil anhand dieser Zahlen die Werbepreise festgelegt werden.

Logo: Energy SachsenInsofern dürfte vor allem Energy Sachsen freuen, was die Arbeitsgemeinschaft Mediaanalyse (AG.MA) diesmal errechnet hat: Der Sender gewann demnach 25.000 Hörer in der Durchschnittsstunde dazu und liegt nun bei 56.000 Hörern, nachdem man zur MA 2010 Radio I nur 31.000 Hörer vorweisen konnte. Das entspricht einem Plus von 81,6 Prozent (alle Zahlen bezogen auf Sachsen, Gesamtzielgruppe). Bezogen auf den gesamtdeutschen Markt liegt die Steigerung gar bei 87,7 Prozent. Schaut man sich die Zielgruppe 14-49 Jahre an, gewinnt das kleine Energy 97 Prozent hinzu, bei den 14-19-Jährigen sind es knapp 102 Prozent und bei den 20-29-Jährigen 115 Prozent.

Bei derart großen Zugewinnen liegt die Frage nahe, wie diese zustande kommen. Geburtenknick passé? Bei der AG.MA erklärt man das so: “Bei so kleinen Sendern in kleinen Bundesländern sind die Schwankungen normal und im Bereich der Schwankungsbreiten durchaus zulässig. Das ist normale Statistik. Bei der vergangenen MA hatte Energy Sachsen stark verloren, nun gewinnen sie eben wieder. Das lässt sich nicht näher erklären und wir enthalten uns einer Stellungnahme, warum die Zahlen nun besser ausgefallen sind”, so ein Sprecher der AG.MA.

Bei Energy Sachsen sieht man die Sache erwartungsgemäß klarer. Nico Nickel, Sprecher des Medienzentrums Leipzig am Markt, in dem Energy zusammen mit Radio PSR und R.SA sitzt, sagt: “Die neue Mannschaft, die im August 2009 mit Programmchefin Carola Jung aufgestellt wurde, bekommt nun ihr erstes Zeugnis. Diese MA betrachtet ja den Herbst und das Frühjahr und zeigt, dass Energy ein junges Radio macht. Die klare Ausrichtung auf “Hit Music only” wird von der Zielgruppe goutiert. Die Hörer bekommen nun wieder das, was ihnen Trailer und Programm versprechen”, sagt er. Diese Kontinuität herrsche nun ein Jahr vor und würde sich auszahlen. Einen Anstieg der Hörerzahlen habe man bei Energy bereits vorausgesehen. “Das hatten wir bereits mit der im Blick und konnten erahnen, dass es wieder besser wird. Überraschend ist natürlich die Höhe des Anstieges, die nun aber die Vermarktung wieder etwas leichter macht”, so Nickel.

Bei aller Freude zeigen die Zahlen und die starken Zuwächse von rund 100 Prozent aber vor allem eines auf: Die Fehler in der Methodik der Mediaanalyse. Wie sollen Sender und vor allem Werbetreibende vernünftig langfristig planen, wenn einem die März-MA katastrophale Ergebnisse und die Juli-MA passend zum Wetter eitel Sonnenschein beschert? Vor allem Jugend- und kleine Sender klagen seit Jahren über die Methodik. Zur Erhebung der Einschaltquoten werden von den beauftragten Callcentern nur Festnetzanschlüsse angerufen. In Zeiten günstiger Prepaid-Angebote und einer Zielgruppe, die so mobil wie nie ist, gleicht die Abfrage für Jugendwellen einem Kampf Davids gegen Goliath. Während die eigenen Eltern und Großeltern am Festnetz befragt werden, welchen Sender sie hören, geht die MA an den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen schlichtweg vorbei.

MA 2010 Radio II. Gewinne und Verluste in Sachsen

Nur ganz schnell die Zahlen der aktuellen Mediaanalyse (MA) Radio II in Sachsen, die heute veröffentlicht wurde. Es gab teils hohe Zugewinne, teils aber auch Verluste. Vor allem MDR 1 Radio Sachsen hat verloren, was noch mit Auswirkungen der neuen Grundgesamtheit aus dem vergangenen Jahr zusammenhängen dürfte.

Energy Sachsen: gewinnt 25.000 Hörer (!) und kommt nun auf 56.000 Hörer
HITRADIO RTL SACHSEN: gewinnt 18.000 Hörer und liegt nun bei 86.000 Hörern
MDR 1 RADIO SACHSEN: verliert 44.000 Hörer (!) und hat jetzt 317.000 Hörer
R.SA: verliert 12.000 Hörer und liegt nun bei 119.000 Hörern
Radio PSR: verliert 14.000 Hörer und kommt nun auf 166.000 Hörer
Die Sächsischen Lokalradios gewinnen7.000 Hörer und liegen damit nun bei 125.000 Hörern.
Hörer pro Durchschnittsstunde, 14-49 Jahre, Sachsen.

Weitere Zahlen und Vergleichsmöglichkeiten bei der RMS und reichweiten.de.

Jubeln dürfte heute das Radiozentrum Leipzig mit Radio PSR, R.SA und dem nahezu bereits einverleibten Energy Sachsen. Zwar verlor PSR deutlich, ist aber immernoch sächsischer Marktführer bei den Privaten, R.SA nach wie vor auf Platz 2. Der Zugewinn von Energy Sachsen ist tatsächlich beträchtlich. Glückwunsch an alle Beteiligten.

“Maulkorb” für Online-Werbeträger

Jubeln verboten? Weil die AGOF ihre Erhebungen angepasst hat, dürfen ihr angeschlossene Website-Betreiber ihre Zugriffszahlen zwar nennen, aber nicht vergleichen. Das Portal spieletipps.de fühlte sich daraufhin zu einer witzigen Pressemitteilung veranlasst.

Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) erfasst die Reichweiten von Websites und will nach eigener Definition das Internet zum transparenten und planbaren Werbeträger machen. Damit das in Zukunft besser gelingt, wurden für die neuerliche “Markt-Media-Studie” internet facts 2010-I Anpassungen vorgenommen.

Bislang ging man davon aus, dass ein Nutzer das Internet über verschiedene Wege besucht und sich dafür an mehr als einen Ort begibt oder an einem Ort zwei Rechner nutzt. Das machte aus dem Nutzer einen MultiClient-Nutzer, weil er mindestens zwei Zugangswege zum Internet fand. Neu ist nun, dass davon ausgegangen wird, dass Nutzer das Internet “von mehr als einem Ort aus nutzt und beziehungsweise oder mit mehr als einem Browser pro Rechner online geht”. Bis zu vier Clients sind es nun, die pro Nutzer zugrunde gelegt werden. Was zur Folge hat, dass die Anzahl der MultiClient-Nutzer von bislang 37 Prozent auf nun etwa 75 Prozent stieg.
Außerdem wurde (analog etwa zur Radio-MA) die neue Grundgesamtheit zugrunde gelegt. Neben der bislang deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren werden auch bei der AGOF EU-Ausländer und andere deutschsprachige Ausländer in der Grundgesamtheit erfasst und abgebildet.

Aufgrund dieser Änderungen dürfen die neuen Ergebnisse allerdings nicht mit bisherigen verglichen werden – einfach, weil sie nicht vergleichbar sind. Jubeln über Zuwächse ist den Anbietern, trotz wirklicher Zuwächse, also verboten. Weil diese Rechnerei und theoretischen Annahmen niemandem zu vermitteln sind, fühlte sich das Portal spieletipps zu einer witzigen Pressemitteilung berufen, die ich hier ungekürzt veröffentliche.
(more…)

Wie Attack2net eine Newsplattform pushen will

Hinweis: Dieser Blogeintrag wurde geändert. Die Attack2net Inc. aus Chicago verbietet mir, die Mails, die ich von ihnen erhalten habe, als Spam zu bezeichnen. Entsprechend wurden einzelne Sätze dieses Eintrages geändert.

Der Schutz Deiner persönlichen Daten ist NewsPush sehr wichtig und somit halten wir uns strikt an die Regeln des Datenschutzes der Vereinigten Staaten von Amerika.

Dieser fast schon ironische Satz steht in den Datenschutz-Bestimmungen der News-Plattform NewsPush. Einer Plattform, die seit Tagen Mails durch die Lande schickt, um auf den Start der ach so tollen Website hinzuweisen, auf der man selbst Pressemitteilungen und andere News einstellen kann. Da gibt’s ja auch kaum welche.

Heute wurde die Strategie geändert. Nachdem man mir in den letzten Tagen eine “Einladung zu Newspush” sandte, bin ich nun plötzlich Mitglied:

HINWEIS: Du erhälst diese Mail als registrierter Benutzer von NewsPush.
Bitte lese diese Mail aufmerksam !
Sie enthält wichtige Nachrichten zur Nutzung von NewsPush !

Das Holperdeutsch setzt sich in der Mail, die mich über die Sensation informiert, dass alle News aus Newspush nun auch bei Google News mitlaufen, weiter fort.

Weiterhin dürfen wir Euch darüber informieren, dass die Probleme mit dem Mailservern nun behoben sein sollten. Sorry, für eventuell entstandene Probleme. Registrierungs-Emails und Systemnachrichten solltet Ihr alle somit nun wieder uneingeschränkt erhalten können. Wer sich von Euch jedoch bereits registriert hat un noch keine Bestätigungsmail bekommen hat, möge bitte unseren Support unter [...] kontaktieren.

Nee, danke, funktioniert alles super. Selbst die, die gar nicht registriert sind, erhalten Registrierungsmails.

Verantwortlich für NewsPush ist die Attack2Net Inc. aus Chigaco, USA. Bis vor wenigen Tagen versuchte das Unternehmen noch, mit einer Wikipedia-Alternative namens WikiBay auf sich aufmerksam zu machen.

Mittel gegen die unverlangt erhaltenen Mails von NewsPush hat man offenbar keine, einen Abmeldelink in der Mail gibt es nicht – zumal man solche Links in zweifelhaften Mails solcher meiner Meinung nach zweifelhaften Unternehmenskonstrukten ohnehin nicht klicken soll. Was bleibt ist der “Mark as Spam”-Button.

Update: Wie oben beschrieben, möchte Attack2Net nicht, dass ihre Mails, die mich unverlangt erreichten, als Spam bezeichnet werden. Nach Rücksprache mit meinem Leipziger Anwalt Markus Heinker habe ich mich entschieden, dieses Wort zu streichen. Ob die unverlangte Zusendung von vier Mails an mich bereits als Spam zu bezeichnen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden und kann aufgrund der kurzen Frist, die mir Attack2Net zur Entfernung des Wortes Spam gestellt hat (bis heute 16 Uhr), nicht abschließend bewertet werden. Die Attack2Net teilte mir per Mail mit: (Originalzitat) “Fakt und nachwerisbar ist: Attack2net Inc. “WILL” auf gar keinen Fall eine “Newsplattform mit Spam pushen!”

Zudem will mir die Attack2Net die Verbreitung meiner Meinung, das Unternehmen sei ein zweifelhaftes Unternehmenskonstrukt, verbieten. Dieser Forderung komme ich nicht nach, da es sich hierbei um freie Meinungsäußerung und eine persönliche Bewertung handelt.

Weiterhin teilt mir die Attack2Net mit, meine Behauptungen wären “nachweislich laut $ 1083 BGB unwahr und damit
strafbar”
. Ich nehme an, mit “$ 1083″ war §1083 des BGB gemeint. Was dieser mit vorliegendem Fall zu tun hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

Auch teilt mir die Attack2Net per Mail mit, ich hätte fragliche Mailadresse, an die das Unternehmen mir die unverlangten Mails schickte, bei “top-nachrichten24″ eingetragen. Den Inhalt des Portals hätte Attack2Net gekauft. “Insofern handelt es sich um eine einzige E-Mail zum geschäftlichen Kontakt und die ist ausdrücklich auch nach letzter BGH-Entscheidung bei ihnen in Deutschland zulässig !”, schreibt mir Rodney Hold von Attack2Net. Hierzu erkläre ich: Ich kenne dieses Portal nicht, habe es noch nie für den Versand von Pressemitteilungen genutzt und bin dort auch nicht registriert.

Dass ich nicht nur nur “eine einzige Mail zum geschäftlichen Kontakt” erhalten habe, sondern mehrere, sei einem technischen Fehler geschuldet, den Attack2Net in einer weiteren Mail mit “HAck auf den Mailserver” bzw. “ein Fehler in den MailQUerys” beschrieb.

Ab sofort: Blogs bei LVZ-Online

Ich bin wirklich stolz, Euch (neben meiner Arbeit für die AMI) folgende Neuigkeit verkünden zu dürfen: Ab sofort gibt es bei LVZ-Online Blogs. Für die Umsetzung bin ich, gemeinsam mit einem Team bei LVZ-Online, verantwortlich.

Vom Start weg haben wir drei Blogs: In “Geschichten aus dem Hinterstübchen” berichtet Juliette Guttmann von ihrem Leben in Leipzig (und heute von der re:publica in Berlin). Außerdem wurde jetzt die Kolumne von HCL-Spielerin Anne Ulbricht in ein Blog überführt. Und auch ich darf bloggen. “Großes Netz” heißt mein Blog, in dem ich die Leipziger Netz- und Kreativszene beobachte und über sie schreibe.

Ich freue mich auf viele gute Artikel unserer Autoren und eine rege Nutzerbeteiligung in Form von Kommentaren.

Richtig schön anders

Wir befinden und im März 2010. Ganz Radiosachsen versinkt im Einheitsbrei, leidet unter Einfallslosigkeit und claimt sich zu Tode*. Ganz Radiosachsen? Nein. Ein kleiner, tapferer, von unbeugsamen Radiomachern besetzter Sender macht das, was ein Radiosender tun sollte: Radio. Authentisch, unterhaltsam und nah am Hörer.

Seit etwa zwei Wochen läuft bei R.SA Sachsen eine Aktion, die aufhorchen lässt. Alles begann mit den Digedags, jenen Helden aus dem DDR-”Comic” MOSAIK. Die Morgenmoderatoren Thomas Böttcher und Uwe Fischer riefen die Hörer auf, ihre Lieblingsausgabe zu wählen. Ob es nun glückliche Fügung war oder nachgeholfen wurde, dass Ausgabe 154 mit dem Schaufelraddampfer-Rennen als Favorit hervorging, sei mal dahingestellt. Jedenfalls machten die BöFis aus dieser Geschichte eine weitere. Für die Sächsische Dampfschifffahrt arrangieren sie nun ein Schaufelraddampfer-Rennen auf der Elbe. Am 1. April tritt der Dampfer “Stadt Wehlen” gegen den Dampfer “Pirna” an. Auf der Elbe in Dresden, die für diese Veranstaltung eigens gesperrt wird.

Die Vorbereitungen zu diesem Rennen werden quasi minütlich in der Morningshow der BöFis dokumentiert. Da rufen DLRG und Wasserschutzpolizei an, melden sich ehemalige Mitarbeiter der Weißen Flotte und jetzige Mitarbeiter der Sächsischen Dampfschifffahrt. Da wollen anfangs hunderte auf Böttchers Dampfer mitfahren und niemand beim Fischer. Da wird eine Gallionsfigur für Böttchers Schiff gesucht – und gefunden. Und da spielt, wie heute Morgen, eine Dixieland-Band live im Studio, um schonmal eine Kostprobe dessen zu geben, was auf Fischers Schiff am 1. April zu hören sein wird.

Die Eigendynamik, die das Ganze nimmt, und die man förmlich am Radio spüren kann, ist genau das, wofür Radio gemacht wurde. Das ist Kino im Kopf, man lacht mit und nicht über die Moderatoren. Dass das Ganze eine verkaufte Geschichte ist – die Sächsische Dampfschifffahrt ist ein Kunde von R.SA – mag Geschmäckle haben. Allerdings zeigt die Aktion, wie kreativ heutzutage mit Kundenwünschen im Radio umgegangen werden kann. Ohne nervige Spots, ohne peinliche Aktionen. Und wie man gleichzeitig tausende am Radio unterhalten und für eine Sache begeistern kann.

“Richtig schön anders” ist eine der eigenwilligen Übersetzungen des Kürzels R.SA (, für das es keine wirkliche Entsprechung gibt). Eine Übersetzung, die auch von Hörern stammt. Ich glaube allerdings nicht, dass R.SA anders ist. Nein, R.SA ist sich nur der wesentlichen Aufgabe eines Radiosenders treu geblieben. Die Hörer ernst zu nehmen und Radio für die “Leute da draußen” zu machen. Werte, derer sich so mancher Programmchef in Deutschland endlich wieder annehmen sollte.

*) Natürlich war das keine Generalkritik an allen anderen sächsischen Sendern. Es gibt bei jeder Station Elemente, die erwähnungswürdig und gut umgesetzt sind. Die Einleitung hat lediglich dramaturgische Gründe. :-)

Bürgerkrieg in Leipzig: “Ganze Straßenzüge vernichtet”

Heute und morgen läuft auf Sat.1 “Die Grenze“. Angeblich ein TV-Event, das Deutschland spalten wird. Der Trailer regt zumindest bereits zum Nachdenken an. Ebenso wie eine Umfrage auf dem Leipziger Augustusplatz. Zentrale Fragen: “Glauben Sie, dass in Deutschland ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte?” und “Wird es durch Deutschland wieder eine Grenze geben?” Spannende Antworten.

Recht weit vorn

“Beim Thema blöde Witze bin ich ja recht weit vorn”, schreibt Freund und Kollege Thomas Gigold im AMI-Blog-Artikel über den Dacia Duster. Es ist einer der ersten Artikel für die AMI Auto Mobil International, die wir mittlerweile im vierten Jahr mit einem Weblog betreuen. Thomas’ Artikel zeigt eins ganz deutlich: Wir leben Blogs. Und nehmen uns selbst gern auf die Schippe. Trotzdem bleiben wir immer dem Thema treu und sind nah am Leser. Ich glaube, in von uns betreuten Messeblogs spürt man dies ganz deutlich.

In diesem Jahr wollen wir von Autobloggern und Persönlichkeiten wissen, welches Auto ihr erstes war. Denn im Jubliäumsjahr – die AMI wird 20 – dreht sich alles um die Liebe zum Auto. Den Anfang habe ich mit einem Artikel über meinen Toyota Starlet und dessen tragisches Ende gemacht. Außerdem wollen wir zurückblicken auf 20 Jahre AMI und 20 Jahr automobile Geschichte. Unter anderem werden die besten Autos 1991 in einer Umfrage ermittelt. Und wir wollen die schönsten und verrücktesten Fotos der AMI-Besucher aus den letzten 20 Jahren sehen. Dazu gibt’s natürlich alle Premieren und das wichtigste rund um AMI, die Werkstattmesse AMITEC und die neue AMICOM, die sich der Elektronik im Auto widmet.

Und wenn’s passt, werden wir auch weiter blöde Witze reißen.

Gelbes Branchenbuch: Neue Abzock-Welle

Im Mai 2008 warnte ich bereits schon einmal vor dem “Gelben Branchenbuch”, das auf gelbesbranchenbuch.com eine Website bereitstellt, die vorgibt, eine Branchenauskunft zu sein. Um die dort zu findenden Einträge in bezahlte Premium-Einträge zu wandeln, versandte der Betreiber, die Ucalegon Ltd., per E-Mail Korrekturabzüge, die man nur kontrollieren und zurückfaxen solle. Wer hier nicht aufpasste, in der Annahme, es handele sich um einen wirklichen Korrekturabzug der richtigen Gelben Seiten, wurde schnell viel Geld los: 780 Euro jährlich bei einer Laufzeit von zwei Jahren, zahlbar im Voraus. Eine Gegenleistung, die diese Summe rechtfertigen würde, gab es nicht. Im Gegenteil: Die Website ist ständig nicht erreichbar, Suchabfragen führen ins Nichts oder dauern ewig. Die Verantwortlichen haben so ihre Probleme mit dem Zend Framework.

Jetzt, im Februar 2010, gibt es offenbar eine neue Welle vom Gelben Branchenbuch. Wieder werden mittelständische Firmen, Freiberufler und offenbar, wenn ich meinen Website-Statistiken Glauben schenken darf, auch börsennotierte Unternehmen angeschrieben. Die Masche ist die Gleiche. Das Gelbe Branchenbuch teilt in der Mail mit, man informiere “gemäß §33 des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes” über den Eintrag im “Gelben Branchenbuch 2010/2011″. Dass es sich dabei nicht etwa um ein Druckerzeugnis, sondern nur um eine schlecht gemachte Website handelt, darauf geht der Versender in der Mail nicht ein. Danach folgen einige Angaben zur Firma, bei der entweder Faxnummer oder Internetadresse fehlen. Außerdem bittet man um Prüfung des Anhangs, den man “gegebenenfalls retournieren” solle.

Der Anhang ist ein PDF-Dokument, auf dem unter der Überschrift “Eintragungsantrag” die Daten des einzutragenden Unternehmens wiederholt werden. Außerdem wird rechts daneben eine Laufzeit angegeben, die zwei Jahren entspricht. Auch in der darunter Leistungsbeschreibung ist von zwei Jahren Laufzeit die Rede. Der Preis blieb stabil: 65 Euro im Monat, sprich 780 Euro im Jahr. Eine Kündigung sei drei Monate vor Ablauf des Vertragszeitraumes schriftlich möglich. Außerdem wird hier die Domain gelbesbranchenbuch.com als Veröffentlichungsmedium für den Eintrag genannt. Allerdings kann sich, so ist zu lesen, die “Internetveröffentlichungsdomain” auch ändern. Heißt: Die Firma, die gelbesbranchenbuch.com betreibt, kann von heute auf morgen die Domain dicht machen und die gesammelten Daten unter einer anderen Website veröffentlichen. Auch steht in der Leistungsbeschreibung, dass der Auftragnehmer berechtigt ist, die Forderungen ganz oder teilweise an Dritte abzutreten. Heißt: Wer zahlen muss, bekommt möglicherweise von so genannten Factoring-Firmen seine Rechnung. Zu beachten ist auch: Wie bereits 2008 steht in dem PDF-Dokument, dass tschechisches Recht gilt und der Gerichtsstand Prag ist.

Vertragspartner ist die so genannte GBB Ltd., die ihren Sitz in Majuro auf den Marshall Islands im Nordpazifik hat. War mir neu, dass die Marshall Islands zu Tschechien gehören – oder wieso glaubt diese Unternehmen, tschechisches Recht anwenden zu können?

Wir halten also fest: War es 2008 noch die Ucalegon Ltd. mit Sitz in Bangkok, die diese Schreiben verschickte, ist es heute die GBB Ltd. mit Sitz in der Hauptstadt einer idylischen Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Was allerdings verwundert: Im PDF-Dokument sind noch immer Spuren der Ucalegon Ltd. zu finden. Der Firmenname steht in den Meta-Daten bei “Verfasser” bzw. “Author”. Auch wurde offensichtlich vergessen, den Titel des PDFs zu ändern. Hier steht immer noch “Unser Angebot 2009″. Ob das nun heißt, dass die Ucalegon Ltd. noch immer für den Versand der “Angebote” verantwortlich ist, weiß ich nicht.

Was allerdings sicher ist: Dieses PDF-Dokument sollte man natürlich NICHT an die genannte Faxnummer mit Frankfurter Vorwahl senden. Denn was dann folgt, ist eine Rechnung über die genannten 780 Euro jährlich bei Laufzeit von zwei Jahren, sprich also 1560 Euro bzw. 1856,40 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) bei quasi nicht vorhandener Gegenleistung. Denn selbst, wenn die Website gelbesbranchenbuch.com mal wider Erwarten funktioniert: Die Daten vieler Firmen stehen längst drin, auch ohne Abzock-Eintragung zu überhöhten Preisen.

Update: Einen guten Eindruck von der Seriosität der Website gelbesbranchenbuch.com bekommt man übrigens auch, wenn man sich den Quelltext der Website anschaut. Dort wird auf eine CSS-Datei gelinkt, die sich offenbar im Verzeichnis “versautesschlafzimmer” befindet.

Update II: Wenn ich oben schrieb, “die Daten vieler Firmen stehen längst drin”, dann heißt das natürlich nicht, dass das Gelbe Branchenbuch ein ernst zu nehmendes Verzeichnis wäre. Im Gegenteil. Die Suche nach zum Beispiel “Malermeister” in Leipzig bringt gerade mal drei Treffer – bei gelbeseiten.de sind es 128. Ich wollte es gerade gern noch mit “Schlüsseldienst” versuchen, aber gelbesbranchenbuch.com ist schon wieder nicht erreichbar, bzw. produziert PHP-Fehler, so wie auch beim Bestellvorgang eines Premium-Produktes.

Update III: Auch in Österreich ist das Gelbe Branchenbuch weiterhin aktiv. Dort sind es laut OTS gleich drei Jahre, die man sich binden soll. Schreiben, die an österreichische Firmen gesandt werden, tragen offenbar noch die Ucalegon Ltd. als Absender. Zudem teilt der Herausgeber der Pressemitteilung, die Herold Business Data GmbH, meinen Eindruck, dass das Gelbe Branchenbuch ein fehlerhaftes bzw. unvollständiges Verzeichnis ist.

Update 23. Februar: Die Ucalegon Ltd. hat auf die Pressemitteilung des “Herold” reagiert. Mit einer launischen Gegenerklärung.

Update 25. Februar: Die genannte Pressemitteilung der Ucalegon ist nicht mehr auf news4press.com und firmenpresse.de zu finden. Offenbar hat der Herold die Löschung verlangt.

Update 27. Februar: Unglaublich. gelbesbranchenbuch.com hat ein Update erfahren. Ein neues Design, neuer technischer Hintergrund und bessere Suchergebnisse. Nach wie vor aber ohne Impressum und klare Angabe, an welche E-Mail-Adresse das Kontaktformular gesendet wird. Zudem sei nun ein Eintrag zum Null-Tarif möglich. Am Button “Jetzt buchen” ist ein Sternchen zu sehen. Erklärt wird dieses Sternchen nirgends. Dafür scheinen die Programmierer Humor zu haben. Und Ostdeutsche zu sein. Das Hintergrundbild zum “kostenlosen Basiseintrag” wurde nach der DDR-Fernsehserie “Du und Dein Garten” benannt. Nach wie vor muss allerdings gesagt werden: Wie das Gelbe Branchenbuch versucht, an Premium-Kunden zu kommen, ist unlauter und unseriös. Ob 65 oder 99 Euro für die gebotenen Leistungen angemessen sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Update 1. März 2010: Nun gibt es auch ein Impressum. Herausgeber des Gelben Branchenbuches ist demnach eine MCP Holding Ltd. aus Belize in Südamerika. Zudem suchen die Verantwortlichen jetzt nach den fünf besten Antworten auf die Frage, warum ihr Produkt besser ist als die Konkurrenz. Unfassbar, die nehmen sich tatsächlich sehr ernst.

Auch wieder mit Blog: Motorräder in Dortmund

Nachdem die Bloggerei für die Motorradmesse Leipzig vorbei ist, wechseln Thomas und ich wie angekündigt nach Dortmund. Dort findet vom 4. bis 7. März die 26. MOTORRÄDER statt. In diesem Jahr zum ersten Mal mit der Mobile Electronics, einer fachspezifischen Messe für Hersteller und Einbauer elektronischer Komponenten für Autos, Zweiräder und Boote. Wenn es die nächsten Tage also etwas ruhiger hier wird, nicht wundern.


Empfehlungen




Schuldnerberatung Leipzig
Werbung
Fußpflege Taucha

Kategorien


Archiv


Dauerbrenner

Über

Dies ist das Weblog von Daniel Große. Ich bin freier Journalist in Leipzig und veröffentliche hier ausgewählte Referenzen sowie private und berufliche Ansichten und Ereignisse. Außerdem übe ich Kritik an Online-, Print-, TV- und Rundfunkmedien oder mache mich schamlos über missglückte Pressemitteilungen und eigenartige Unternehmens-PR lustig. Das klingt nach dem, was es ist: ein unterhaltsames Blog mit breitem Themenspektrum ohne irgendeine Spezialisierung.
Projekte & Kontakt

Meta


bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis
Bloggeramt.de