von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
06. 01. 2012 01:23
Die Lüneburger Jungs sind wieder da, zumindest von einem von ihm kann man das mit Sicherheit sagen: Julian Weiner aus dem Wilschenbrucher Weg 20 in Lüneburg. Er trat im April 2011 gemeinsam mit seinem Kumpel Shahin Shahrasbi als Registrant der Domain gelbes-branchen-buch.info in Erscheinung. Im weiteren Verlauf der “Geschäftsbeziehung” trat er dann zumindest offiziell etwas in den Hintergrund, das Projekt regionales-branchenbuch.info betrieb und betreibt Shahin Shahrasbi nach außen hin allein.
Jetzt ist Julian Weiner zurück. Nein, noch viel mehr, er ist “im Kommen“, wie man auf diversen Presseportalen lesen kann, auf denen er seine Pressemitteilung verbreitet hat. “Glückwunsch”, möchte man da sagen, wenn man mit 23 Jahren ein solches Glückserlebnis feiern kann. Zu seinem neuen Produkt das-branchen-buch.info kann man wohl weniger gratulieren. Es ist ebenso wie gelbes-branchen-buch.info und regionales-branchenbuch.info zu Beginn genau das, was es laut Pressemitteilung nicht sein will: Ein Nutzlosverzeichnis. Ohne eingepflegte Inhalte. Man findet schlicht nichts. Offenbar plant der Lüneburger Jüngling, analog wie bei den Vorgängervarianten zu verfahren. Nämlich erst dann Inhalte einzupflegen, wenn tatsächlich jemand das Spam-Fax, das er am 5. Januar 2012 versendete, zurückschickt und damit einen Auftrag auslöst.
Beim Fax hat sich der im Kommen befindliche Julian Weiner diesmal etwas mehr Mühe gegeben. Es ist augenscheinlich nicht einfach nur ein kopiertes Fax eines anderen Branchenbuch-Betrügers, sondern offenbar ein eigenes. Aber wer weiß das schon so genau bei den vielen Varianten, die da draußen rumschwirren.
Der Inhalt des Faxes liest sich wie immer. Eine “Grundlistung” sei “selbstverständlich kostenfrei”. Dass die Eintragung auf der Website das-branchen-buch.info erfolgen wird, ist explizit nicht zu lesen. Im Gegenteil: Es ist mehrfach von “Das Branchenbuch” die Rede. Im Kleingedruckten steht zu lesen: “Für die Eintragung erweiterter Kontaktdaten berechnen wir insgesamt 797 Euro netto für zwei Jahre.” Durch seine Aufmachung und die Textgestaltung dürfte das Werbefax unter das kürzlich vom BGH gesprochenen Urteil fallen.
Auf keinen Fall sollte dieses Fax ausgefüllt und an die Faxnummer zurückgesendet werden. Unter Umständen wertet Weiner das als Auftrag, für den er bezahlt werden will.
Wieso Julian Weiner?
Achso, wie ich auf Julian Weiner komme? Er ist Teilhaber der so genannten 1. EMA Verwaltungs Ltd., die als Absender des Faxes und im Impressum der Website als Herausgeber genannt wird. Gegründet wurde die Limited am 25.11.2011. Als Teilhaber sind eine gewisse SL24 Limited eingetragen – und eben auch Julian Weiner, Wilschenbrucher Weg 20, 21335 Lüneburg. Die Kopie der Limited-Anmeldung kann hier heruntergeladen werden. Das eine britische Pfund schenke ich Euch, Jungs.
Im Übrigen versucht Julian Weiner wohl, die Spur auf eine falsche Fährte zu lenken. In den “FAQ” auf das-branchen-buch.info ist in manchen Texten von gelbes-branchenbuch.info (Das Projekt von Florian Wilk) die Rede. Denkbar ist aber auch, dass hier einfach schlampig kopiert wurde, ohne die Texte auf das eigene Projekt anzupassen. (Update 6. Januar: Mittlerweile wurde dies korrigiert.) Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass sich Wilk, Weiner und Shahrasbi kennen. Dafür arbeiten Weiner und Shahrasbi einfach zu dilletantisch.
Noch ein wenig Technik-Blahblah:
Die Domain das-branchen-buch.info wurde am 2. Januar erstmalig registriert und wird in Deutschland über Revido.de in Freital gehostet. Als technischen Dienstleister scheint Revido die HL-Komm aus Leipzig zu nutzen, wenn ich das richtig interpretiere.
Auffällig: Revido selbst ist auch eine Limited, die ebenso wie die 1. EMA auch in Wakefield ihren Sitz hat. Das muss aber nichts heißen, Wakefield ist bekannt als Limited-Standort. Die erste Version von gelbes-branchenbuch.info hatte auch seinen offiziellen Firmensitz in Wakefield. Das muss eine Art Paradies für Limited-Gründer sein.
Als Mailadresse wird im Domain-Whois ema-verwaltung@gmx.com angegeben.
Auf dem gleichen Webspace wie das-branchen-buch.info liegt noch die Domain ema-verwaltung.eu. Diese zeigt auch auf das Branchenbuch. Registrant der Domain ist der gleiche wie bei das-branchen-buch.info: ein gewisser Thomas Wood in London. Registriert wurde diese Domain bei United Domains.
Es zeigen sich Parallelen zu regionales-branchenbuch.info: Auch diese Domain wurde bei United Domains registriert und gehostet wird das Angebot ebenso bei Revido in Freital.
Vorbeugend noch einmal die Warnung: Auf keinen Fall das Werbefax ausfüllen und zurückschicken. Das Ganze ist ein Nepp und keinesfalls ein kostenloses, geschweige denn ein ernstzunehmendes Verzeichnis. Wer hier unterschreibt, geht wohl nach Julian Weiners Einschätzung einen Vertrag ein, für den er Geld sehen will. Im Kleingedruckten ist die Rede von “797 Euro netto für zwei Jahre”.
Update, 19. Januar
Inzwischen sind die ersten Rechnungen bei Geschädigten eingetroffen. Zahlungen sind auf das Konto 8801774400 bei der Allianz Bank, Bankleitzahl 70035000 zu leisten. Das ist neu, ebenso wie die erst am 23.12.2011 gegründete (PDF) EMA Deutschland Ltd. & Co. KG. Selbige ist wohl für den Einzug der Rechnungen zuständig, die Komplementärin, die bereits hier angesprochene 1. EMA Verwaltungs Ltd. von Julian Weiner, erstellt offiziell die Website und schafft die Kunden ran. Dass die EMA Deutschland Ltd. & Co. KG auch Julian Weiner gehört, überrascht nicht. Er ist der einzige Kommandatist und mit 1000 Euro an der Ltd. & Co. KG beteiligt. Die Wahl der Rechtsform soll wohl eine gewisse Größe vortäuschen. Oder irgendjemand hat Weiner erzählt, dass damit die Geschäftsführerhaftung abnimmt. Das ist jedoch laut Auskunft meines Anwaltes ein Trugschluss.
Die EMA Deutschland ist aber nicht das einzige Unternehmen, das Julian Weiner in Deutschland angemeldet hat. Neben der hier auch schon thematisierten AWS Investment UG ist er ebenso Geschäftsführer der Accersita Payment UG. Selbige wurde am 14.12.2011 als 1st European Marketing Agency UG gegründet (PDF) und bereits am 23.12.2011, also zeitgleich mit Gründung der EMA Deutschland Ltd. & Co. KG, in Accersita Payment UG umbenannt. War der Unternehmensgegenstand vorher noch Webdesign, so soll die Accersita Payment nun “die Erbringung von Abrechnungsserviceleistungen, Onlineabrechnungen sowie erlaubnisfreies Inkasso für verbundene Unternehmen gemäß § 2 Abs. 3 Ziffer 6 RDG, § 15 AktG und der Einzug von angekauften Forderungen von verbundenen Unternehmen im Sinne von § 15 AktG” leisten. Kurz gesagt: Julian Weiner plant also, säumigen und zahlungsunwilligen “Kunden” seines wertlosen und unbekannten Branchenverzeichnisses, mittels eines selbst gegründeten “Inkassounternehmens” die Hölle heiß zu machen. Wichtig dabei ist die Formulierung “erlaubnisfreies Inkasso”. Dies besagt, dass die Accersita Payment nur eigene Forderungen inkassieren darf, mit einem wirklichen Inkassobüro also nicht zu vergleichen ist. Trotz aller Bemühungen Julian Weiners bleibt sein Geschäftsmodell, was es ist: gewerbsmäßiger Betrug.
Update, 27. Januar 2012:
Mittlerweile ging zwischen vermeintlichen “Kunden” und der EMA Deutschland Ltd. & Co. KG diverser Brief-, bzw. Faxwechsel hin und her. Eine Geschädigte leitete mir ein Schreiben weiter, in dem man “nicht nachvollziehen” könne, “weshalb Sie nun meinen, diese Gebühr nicht zahlen zu müssen.” Danach folgt ein Auszug aus dem Kleingedruckten des ursprünglichen Werbefaxes. Um die Forderung zu untermauern, wird “ein aktuelles Urteil in gleicher Angelegenheit” beigelegt. Hier handelt es sich um das bei den Branchenbuch-Abzockern sehr beliebtes Urteil des Amtsgerichtes Münster (Aktenzeichen: 3 C 2811/10), das vom Oktober 2010 ist und damit alles andere als “aktuell”, wie es die EMA Deutschland Ltd. & Co. KG bezeichnet. Was von diesem Urteil zu halten ist, steht unter anderem hier.
22. 12. 2011 16:31
BGH: Wettbewerbswidriges Angebotsschreiben für Eintrag in ein Branchenverzeichnis – Eindruck beim flüchtigen Lesen ist entscheidend
Angebotsschreiben für den Eintrag in ein Branchenverzeichnis sind sowohl unter dem Gesichtspunkt der Verschleierung und auch der Irreführung wettbewerbswidrig. Dies gelte für Eintragsangebote in ein Branchenverzeichnis, welche beim flüchtigen Lesen den Eindruck erwecken, dass es sich lediglich um die Aktualisierung eines bestehenden Eintrags handele.
Der Bundesgerichtshof entschied dazu:
Ein formularmäßig aufgemachtes Angebotsschreiben für einen Eintrag in ein Branchenverzeichnis, das nach seiner Gestaltung und seinem Inhalt darauf angelegt ist, bei einem flüchtigen Leser den Eindruck hervorzurufen, mit der Unterzeichnung und Rücksendung des Schreibens werde lediglich eine Aktualisierung von Eintragungsdaten im Rahmen eines bereits bestehenden Vertragsverhältnisses vorgenommen, verstößt gegen das Verschleierungsverbot des § 4 Nr. 3 UWG sowie gegen das Irreführungsverbot des § 5 Abs. 1 UWG.
Im vorliegenden Fall hatte die DeTeMedien (Gelbe Seiten) die Neue Branchenbuch AG verklagt.
Auf das Urteil des BGH können sich Empfänger von Rechnungen für Einträge in nutzlose, unbekannte und überteuerte Online-Branchenverzeichnisse künftig stützen, um ihre Rechte geltend zu machen. Wichtig ist, mit Bekanntwerden der Forderung einen Widerspruch wegen arglistiger Täuschung gegen den Anbieter zu erklären.
Den kompletten Text des Urteils kann man hier einsehen.
19. 12. 2011 15:37
Im November und Dezember durfte ich mit und für Thomas Gigold vier besondere Wochenenden erleben. Für BMW waren wir jeweils auf unterschiedlichen “Missionen” unterwegs. Ziel war es, den neuen BMW 1er bekannt zu machen und zu zeigen, was der kleinste BMW zu leisten vermag.
Aus diesem Grund wurden acht Missionen ins Leben gerufen, für die man sich bewerben konnte. Wurde man für eine Mission gezogen, bekam man nicht nur einen BMW 1er für ein Wochenende, sondern durfte auch noch in schicken Hotels wohnen und lecker essen. Die eigentliche Arbeit gab es immer am Samstag.
Jeweils vier dieser Missionen haben wir in Text, Foto und Video begleitet. Das hieß für jeden von uns: Vier Wochenenden mit eigentlich fremden Menschen zu verbringen. Fremde Menschen, an die man sich sehr schnell gewöhnte. Und denen man allen den Hauptpreis gönnen würde: Den neuen BMW 1er.
Allerdings: nur einen gibt es zu gewinnen. Darum heißt es jetzt: Auf zur Abstimmung. Jeder darf und soll seinen Favoriten wählen. “Meine” Kandidaten empfehle ich Euch besonders. Da hätten wir zum einen Michael, der den BMW 1er im Drift und Slalom über ein Kasernengelände gepeitscht hat. Oder Tanja, die noch einmal die Fahrschule in Theorie und Praxis bestehen musste. Oder wie wäre es mit Ingrid, die den BMW 1er mit Hilfe einer Handy-App im Großstadtdschungel suchen musste. Oder vielleicht doch Stefan, der drei Mitglieder einer Band in München einladen und ins Studio fahren sollte – inklusive eines Privatkonzerts im Auto und im Studio?
So, und wer soll nun Euer Herzblatt, ääh, Mission-Gewinner sein? Zu gewinnen gibt’s für die, die abstimmen auch etwas: Eine Reise nach Kalifornien.
Danke an Thomas und das gesamte Team, das hat echt Spaß gemacht. Bin gespannt, ob einer meiner Kandidaten das Rennen macht…
15. 12. 2011 20:42
Gestern nachmittag erhielt ich eine E-Mail. “Information der kreuzer-Anzeigenabteilung” stand im Betreff. Das Leipziger Stadtmagazin informierte in blumigen Worten über ein Hochzeits-Spezial in der Februar-Ausgabe.
Ein Auszug:
Das kommende Hochzeits-Spezial der kreuzer-Redaktion gibt Ihnen die Möglichkeit, diese oder auch eine der vielen weiteren sich aufdrängenden Fragen zu beantworten. Eine mehrseitige Zusammenstellung aus interessanten Beiträgen zu Hochzeits-Themen wie Fotografie, Frisuren oder Maßanfertigungen bietet das optimale Umfeld für Ihre Anzeige zum schönsten Tag im Leben.
Auch ein Link zu den Mediadaten war dabei. Wenn man Fragen hätte, dann würde man die am Besten persönlich klären. Am Telefon oder “an Deck im Verlag”.
Ein wenig wunderte ich mich schon, warum ich diese Mail bekam. Als ich dann sah, dass die Mail ursprünglich an einen Kunden von mir gerichtet war (dessen Mails ich aber im Rahmen unserer Zusammenarbeit empfange), kam zur Verwunderung auch Verärgerung dazu. Diese Mailadresse ist recht frisch, die Website existiert erst seit 1. November, die Mailadresse steht nur auf der Website im Impressum zu lesen.
Der Kreuzer akquiriert also Anzeigenkunden per E-Mail auf Adressen, die er vorher im Internet zusammengesucht hat. Kurz: Er spamt. Und ist damit nicht besser als die Pillen-, Uhren- und Euro-Lotto-Spammer, die täglich die Mailaccounts verstopfen.
Besonders viel Professionalität bewies die kreuzer-Anzeigenabteilung auch bei der Wahl des Mailprogramms. Unter der Mail stand zu lesen:
Dieses E-Mail wurde mit einer unregistrierten Version von MaxBulk Mailer versandt. MaxBulk Mailer ist ein neues einfach zu bedienendes Serien-E-Mail Programm für den Macintosh.
Ich wusste nicht, dass der Kreuzer nicht mal 60 Euro für ein Programm übrig hat, das immerhin die ehrenvolle Aufgabe hat, Anzeigenkunden zu generieren. Zudem scheint die Kreuzer-Anzeigenabteilung die Anleitung nicht richtig gelesen zu haben. Wäre das so, wäre vielleicht wenigstens die Ansprache persönlich ausgefallen. Stattdessen begnügte man sich mit der allgemein gültigen Ansprache “Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hochzeitshelfer und Trauungsfreunde”.
Entsprechend verärgert fragte ich per Mail zurück, ob diese Art und Weise der Neukundengewinnung denn zielführend wäre. Die Antwort überraschte mich dann doch sehr. Es wäre “durchaus branchenüblich, Serienmails – auch unpersonalisiert – zu verschicken”. Außerdem würde man davon Abstand nehmen, wenn “diese Form des Anzeigenmarketings uneffektiv” wäre. Dem sei aber zum Glück nicht so. Wenn ich Fragen zur Anzeigenschaltung hätte, könnte ich mich ja melden.
Extrem flaches Fahrwasser, auf dem der Kreuzer da schippert. Auf diese Frechheit antwortete ich ziemlich spitz zurück: “Wunderbar, wenn Spamming für Sie sogar lukrativ ist. Weiter so! Dann löschen Sie aber bitte die Mailadresse xyz aus Ihrem Verteiler.” Selbiges wurde bestätigt, allerdings mit dem Hinweis, dass man meine Kommunikation doch “sehr bedenklich” finde und hoffe, dass ich mit meinen Kunden charmanter umgehen würde.
Nun, darüber müssen sich die Serienmailer des Kreuzers nicht ihre Köpfe zerbrechen. Wohl aber über die Rechtslage in Deutschland. Ich könnte jetzt diverse Urteile und Grundsätzlichkeiten dazu posten. Oder anmerken, dass bereits das Speichern der Mailadresse meines Kunden ohne dessen Einwilligung oder Information strafbar ist. Aber vielleicht ist das ja in den Augen des Kreuzers auch “branchenüblich”.
Um es gleich vorweg zu nehmen. Ja, ich bin auch freier Mitarbeiter der LVZ bzw. des LVDG und veröffentliche ab und zu in den Medien des Verlages Texte und Fotos. Aber nein, dieses Posting steht dazu in keinem Verhältnis.
15. 11. 2011 13:03
Das Jahr 1996 in Deutschland. Das Internet steckt noch in den Kinderschuhen. AOL und Compuserve beherrschen den Markt der Anbieter. Google und Facebook existieren noch nicht. An einen Boom des Internets, das einmal unser tägliches Leben beherrscht, ist nicht zu denken. Und dennoch gründet sich in Bonn ein Wetterdienst, der auf das Internet als Verbreitungsweg setzt: Donnerwetter.de. Jetzt, 15 Jahre später, bringt Donnerwetter ein Buch zu dem Thema heraus, das die Menschen mehr interessiert als Finanzkrisen, Bambis für Rüpel-Rapper oder neue iPhone-Varianten.
In “Die 15 meistgestellten Wetter-Fragen” wird dem Ursprung eben dieser auf den Grund gegangen, bevor sie leicht verständlich erklärt werden. Das Buch, das nur als E-Book erhältlich ist, liest sich sehr schnell weg, was an der lockeren Ansprechhaltung liegt. Wie einem guten Freund erklären Karsten Brandt und Michael Klein die Wetterphänomene oder klären über Mythen und Legenden zum Wetter auf. Ohne meteorologisches Fachchinesisch, dafür mit nachvollziehbaren Beispielen.
So werden wir darüber aufgeklärt, dass der Hundertjährige Kalender im Grunde genommen Unsinn ist:
Seit ca. 1900 haben wir verlässliche Messungen der Wetterstationen und so oft man die Daten auch vorwärts und rückwärts betrachtet – ein Wiederholungsmuster ist nicht zu finden.
Gern dahingesagt sind Sätze wie “Das Wetter ändert sich, ich merke das an meiner Narbe.” Oder “Das Wetter macht mich ganz fertig.” Tatsächlich sei es so, dass die Mehrheit aller Menschen wetterfühlig ist. Krank mache das Wetter aber nicht:
Das Wetter macht also nicht krank, es deckt aber Krankheiten und Schwächen im Körper auf. Daher nochmals der wichtige Hinweis: Nur Sie können sich letztlich selbst heilen. Der Arzt als Werkstatt funktioniert insbesondere bei zumindest leichten wetterabhängigen Beschwerden nur sehr eingeschränkt, insbesondere wenn er in nur wenigen Sekunden die Beschwerden beurteilen muss.
Wer sich mit dem Wetter beschäftigt, kommt an Bauernregeln nicht vorbei. Direkt am Beispiel wird erklärt, was dran ist an Sprüchen wie “Genauso wie der Juli war, wird nächstes Mal der Januar”. Fazit der Wetterfrösche aus Bonn:
Einige der alten Regeln zum Wetter der kommenden Wochen und Monate können durchaus noch mit unseren modernen Witterungsvorhersagen mithalten!
Auch mit Mythen und Verschwörungstheorien räumt das Wetterbuch auf. Bestes Beispiel: Die so genannten Chemtrails:
Geht man diesen Hinweisen über “Chemtrails”, die für einen Wetterwechsel gesorgt haben sollen, nach, dann sieht man recht schnell, dass die Wetterveränderung schon seit Tagen von den Wettercomputern erwartet wurde.
Weitere Wetterfragen, um deren Antwort sich die Autoren bemühen, sind beispielsweise “Warum unterscheiden sich Wetterberichte oft voneinander”, “Warum haben Hoch- und Tiefdruckgebiete so komische Namen” und “Gibt es den Klimawandel überhaupt” – letzteres eine durchaus verständliche Frage angesichts schlechter Sommer und eisiger Winter.
Die laut Brandt und Klein meist gestellte Frage an Meteorologen ist die, ob es in diesem Jahr weiße Weihnachten gibt. Glaubt man den Beiden, wird bereits im Sommer eine Antwort darauf verlangt. Dummerweise sei genau diese Frage viel schwerer zu beantworten als etwa “Kann ich morgen grillen?”. Denn zum Problem der Langfristprognose, die nie zuverlässig sein könne, käme ein fieses Ereignis hinzu: Das Weihnachts-Tauwetter.
Beim Weihnachtstauwetter handelt es sich um eine sogenannte meteorologische Singularität, also um ein Ereignis, dass in sehr ähnlicher Form immer wieder in vielen Jahren auftritt. Wegen eines Tiefdruckgebietes fließt von Südwesten feuchtwarme Meeresluft nach Mitteleuropa. Diese bringt zum einen Wärme, aber auch ergiebige Regenfälle. Beides lässt eine zuvor gefallende Schneedecke weg schmelzen. Wenn der Boden gefroren ist, tritt ausgerechnet „zwischen den Jahren“ dann auch noch Hochwasser auf. Nicht selten verläuft zu den Weihnachtsfeiertagen eine Luftmassengrenze quer über Deutschland. Dann herrscht im Südwesten milde Luft, im Nordosten kalte Luft vor. Typischerweise tritt das Weihnachtstauwetter zwischen dem 24.12. und dem 28.12. auf, also genau zum Zeitpunkt der Feiertage.
Trotzdem dürfe man die Frage “Gibt es dieses Jahr weiße Weihnachten?” gern immer wieder stellen. Wenn es nicht gerade unter der Juli-Sonne am Strand ist…
“Die 15 meistgestellten Wetterfragen”
Dr. Karsten Brandt & Michael Klein
von Donnerwetter.de
3,99 Euro, nur als E-Book im Amazon-E-Book-Shop. Lesbar auf PC, Mac, Kindle, iPhone, iPad, Android, usw. via Kindle-App.
17. 08. 2011 22:15
Schon peinlich, wenn eine PR-Aktion, die nach außen gar nicht als solche rauskommen sollte, enttarnt wird. Ausgerechnet die ohnehin schon durch Pannen gebeutelten Profis der Agentur Jung von Matt sehen nun ganz schön alt aus. Weil eine Anhalter-Aktion für Mercedes-Benz nicht ausreichend als Werbung bzw. PR gekennzeichnet war, gabs nun eine “umfassende Rüge” vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR). Das tut in erster Linie genauso wenig weh wie eine Rüge vom zahnlosen Presserat, dürfte aber gerade in der PR-Agentur-Szene schlimmere Folgen haben als der Abdruck einer Rüge in einer Tageszeitung.
In einer mehrwöchigen PR-Aktion hatte der Blogger Stefan Gbureck zusammen mit Jung von Matt gezielt Markenbotschaften zu dem Agenturkunden Mercedes Benz platziert und zur Markenbildung des Unternehmens beigetragen. Dabei waren weder die verantwortliche Agentur noch das Unternehmen selbst als Absender und finanzieller Unterstützer der Aktion ersichtlich. Damit wurden nationale wie internationale PR-Richtlinien nicht eingehalten.
So heißt es in der heute veröffentlichten Pressemitteilung (PDF). Auch der Kunde selbst, also Mercedes-Benz wurde gerügt.
Was mich bei der ganzen Aktion wundert: Für dieses Anhalter-Spielchen, bei dem der Anhalter nur von Mercedes-Benz-Fahrern mitgenommen werden wollte, gabs einen Löwen in Cannes. Obwohl schon da bekannt war, dass das Ganze ein Plagiat ist. Peugeot hat diese “Nur mit…”-Aktion schon 2008 durchgeführt. Und ich gehe noch etwas weiter zurück: Die Leipziger Agentur Heimrich & Hannot hat schon 2007 während der Leipziger Automesse AMI für den Kunden Audi eben dieses Spiel gespielt. Typischer Fall von Henne und Ei?
12. 07. 2011 09:33
Die aktuelle Radio-MA ist durch. Nach den Methodenveränderungen bei der ma 2011 Radio I gab es diesmal keine Veränderungen. Die Zahlen spiegeln die Ergebnisse der Befragungen von Januar bis April 2011 wider und sind uneingeschränkt mit der ersten ma 2011 vergleichbar. Hier die trockenen Zahlen für Sachsen mit sehr guten Gewinnen und bösen Verlusten.
JUMP: 113.000 (plus 2000)
Energy Sachsen: 48.000 (minus 19.000)
Hitradio RTL Sachsen: 181.000 (plus 49.000)
MDR 1 Radio Sachsen: 416.000 (plus 42.000)
R.SA: 153.000 (plus 12.000)
Radio PSR: 215.000 (plus 9.000)
Sachsen-Funkpaket (Radio Leipzig usw.): 159.000 (minus 12.000)
Quelle: reichweiten.de, Basis: Gesamt, Angebote: Sachsen, Zielgruppe: Sachsen. Hörer pro Durchschnittsstunde Mo-Fr, 14-49 Jahre
Damit ist Hitradio RTL in Sachsen zum zweiten Mal in Folge der absolute Gewinner, was die Zuwächse angeht. Erstmals ist Hitradio RTL auch wieder vor R.SA. Das Minus für Energy ist bedauerlich. Im Radiozentrum gibt man sich wirklich Mühe, ein passgenaues Programm für die Zielgruppe zu erarbeiten. Die Schwankung bei den Lokalradios in Leipzig, Dresden usw. ist auf normalem Niveau und nicht kritisch. Nachdem es für MDR 1 Radio Sachsen beim letzten Mal nach unten ging, konnten nun wieder mehr Hörer begeistert werden.
Laut Radiozentrale ist die Radionutzung in Deutschland auf unverändert hohem Niveau.
20. 04. 2011 09:26
Die Verbraucherzentrale Sachsen ist eine anbieterunabhängige, überwiegend öffentlich finanzierte, gemeinnützige Organisation. Ziel ihrer Arbeit ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher in Fragen des privaten Konsums zu informieren, zu beraten und zu unterstützen.
Kurz gesagt: Die Verbraucherzentrale berät ausschließlich Endverbraucher, müsste (und dürfte) sich um solche Dinge wie die neuerdings massiv auftauchenden Branchenbücher im Internet also nicht kümmern. Da aber immer mehr Selbstständige und Freiberufler bei der Verbraucherzentrale bezüglich der verschiedenen Varianten der Eintragsdienste vorsprechen, hat man jetzt reagiert. In einer Pressemitteiung geht man auf verschiedene Abzock-Anbieter ein und rät dann…
… auch scheinbar kostenlose Offerten genau durchzulesen und auf versteckte Kostenhinweise zu prüfen. Die Kosten können sich auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden. Wer darauf reingefallen ist, kann den Vertrag unter Umständen wegen arglistiger Täuschung anfechten. Ein Widerrufsrecht besteht dagegen nur für den so genannten klassischen privaten Endverbraucher, nicht aber für Gewerbetreibende, Selbstständige oder Freiberufler. Diese sollten sich zur Unterstützung an ihre Kammern (IHK, Handwerkskammer oder Verbandskammer) wenden oder einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.
Dass die Verbraucherzentralen in Deutschland überhaupt von Unternehmern angerufen oder besucht werden, liegt meiner Meinung nach auch an der Polizei. In Gesprächen mit betroffenen Unternehmern wird immer wieder deutlich, dass viele Polizeireviere offenbar durch Stellenabbau und sonstige Personalnot kaum noch Kapazitäten haben, eine Anzeige aufzunehmen. Stattdessen wird mit fragwürdigem Sach- und Rechtsverständnis die Sache abgewiegelt – und die Unternehmer zur Verbraucherzentrale geschickt. Letzteres hat dann aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Personalknappheit zu tun, sondern mit mangelnder Schulung und Aufklärung der Beamten.
20. 04. 2011 02:59
Update September 2011: Neue Entwicklungen bei regionales-branchenbuch.info und Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg. Bitte ans Ende des Artikels scrollen.
Update 21. April: Der Anbieter wurde offenbar vorerst gestoppt. Der Provider, der die Faxnummer verwaltet, hat diese abgeschalten. Mehr im Update innerhalb des Textes.
Direkt zu regionales-branchenbuch.info springen
Weitere Updates am Ende des Textes beachten.
Erneut macht ein “Anbieter” im Bereich der Abzocke mit “Gelben Branchenbüchern” von sich reden. Und weil offenbar sämtliche sinnvollen Domainnamen bereits belegt sind, lautet der Name des Projektes diesmal: gelbes-branchen-buch.info. Man merkt gleich: Hier sind Witzbolde mit zu vielen Bindestrichen am Werk. Witzbolde, die offenbar ausprobieren, wie weit man gehen kann. Und die ihren jugendlichen Leichtsinn noch nicht so ganz im Griff haben. Aber beginnen wir ganz vorn:
Das Fax
Die erste Kontaktaufnahme mit deutschen Unternehmen geschieht mit einem Werbefax. Weil die Masche bislang wohl ganz gut funktioniert, wie man ja auch hier lesen kann, nutzen die beiden Witzbolde, die mutmaßlich dahinterstecken, direkt mal das gleiche Fax wie gelbes-branchenbuch.info von Florian Wilk aus Greifswald, bzw. der DMV Deutscher Medien Verlag Limited:
Auf den ersten Blick ist es tatsächlich das gleiche Fax. Offenbar wurde nur die Faxnummer für die Zusendung der Rückfaxe sowie die Firmierung geändert. Der Strichcode oben links bedeutet nichts – außer “102030405060708090″ hat irgend etwas zu bedeuten.
Die Rückfaxnummer, die angegeben ist, ist eine gebührenfreie 0800er. Oh, wie aufmerksam. Die Nummer lautet 0800 101 096 132 und gehört meinen Recherchen zufolge der multiConnect GmbH in München.
Update, 21.April: Wie mir multiConnect mitteilt, ist die Nummer im Netz der GTC TeleCommunication Stuttgart geschalten. Auf meine Anfrage hin, teilt mit GTC mit, dass man zum Nutzer der Nummer aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussagen macht, die besagte Nummer aber bereits seit 20. April nicht mehr aktiv ist und der Kunde gesperrt wurde. Warum, wollte GTC nicht mitteilen.
Update Ende.
Im Text des Faxes werden faktisch haargenau die gleichen Formulierungen wie bei gelbes-branchenbuch.info verwendet. Nur den Preis haben die Spaßvögel bei mein-branchenverzeichnis.info geklaut: 497 Euro wollen sie für die Eintragung in ihr “Verzeichnis” pro Jahr. Selbiger Preis steht – wie bei den Vorgänger-Varianten auch – klein neben dem Eintragsformular. Wie gewohnt versucht das Eintragungsangebot durch die Verwendung des Wortes “kostenfrei” den Eindruck zu erwecken, hier würde es sich um ein kostenfreies Angebot handeln. Eine exakte Preisauszeichnung, die auf einen Blick verrät, ab wann Kosten in welcher Höhe entstehen, erfolgt nicht. Zudem soll der Zusatz “wie gewohnt” wohl ein bereits bestehendes Vertragsverhältnis vortäuschen, das aber nicht existiert.
Die Spaßvögel nennen sich im Fax “DRZ eingetragener K. Neuer Wall 80 Hmb.” Steht ganz klein, ganz unten. Außerdem ist zu lesen: “GF S. Shahrasbi”. Die merkwürdigen Abkürzungen sind wohl der untaugliche Versuch, sich zu anonymisieren. Klappt nur nicht. Gleich dazu mehr.
Die Website
Es geht also, das muss man ja immer extra erklären, nicht um einen Eintrag in irgendein Branchenbuch im Wortsinne, sondern um die Eintragung in die unbekannte Website gelbes-branchen-buch.info. Schaut man sich diese Seite näher an, kann man eigentlich nichts anderes tun, als laut zu lachen.

Ja, und viel mehr ist es dann auch nicht. Nichts gegen Minimalismus. Aber diese Website ist gar kein funktionierendes Branchenbuch und soll es wohl auch nie sein. Die schnell dahingeschluderte Website besteht aus wenigen HTML-Dateien und einer suche.php, die aber nichts weiter auswirft als den Standardsatz “Ihre Suchanfrage erzielte 0 Treffer”. (Stand dieser Info: 20. April 2011)
Nutzungsbedingungen und AGB wurden 1:1 von mein-branchenverzeichnis.info bzw. gelbes-branchenbuch.info kopiert, lediglich die Firmierung wurde geändert.
Die Betreiber
Wenn ich hier immer von “die Betreiber” spreche, so tue ich das in der Annahme, dass einer allein gar nicht so blöd merkbefreit sein kann. Denn genau so, wie sich die Witzbolde nicht die Mühe gemacht haben, wenigstens den Anschein zu erwecken, ein richtiges Unternehmen zu sein, genau so wenig haben sie getan, um ihre Identität zu verwischen.
Widmen wir uns erst dem “S. Shahrasbi”, der auf dem Eintragungsfax vermerkt ist. Im Impressum der Website heißt er nur noch Sahrasbi, da fehlt also das erste “h”. Macht aber nichts, die Handelsregister-Bekanntmachung verrät uns, wie der Inhaber des Unternehmens korrekt heißt.
Demnach handelt es sich um die DRZ e.K., Neuer Wall 80, 20354 Hamburg. Faktisch also ein Einzelunternehmen, bei dem die Rechtsform “eingetragene Kaufleute” gewählt wurde. Eingetragen wurde das Unternehmen am 14.03.2011. Inhaber ist Shahin Shahrasbi, wohnhaft in Lüneburg, geboren am 08.10.1990.
Geschäftsfeld ist “Das Webdesign sowie die Erstellung und Pflege von Datenbanken mit Ausnahme erlaubnispflichtiger Tätigkeiten.”
Nun ist Shahin Shahrasbi ein seltener Name. Was bei der Recherche von Vorteil ist. So findet man recht schnell, dass der 20-jährige Jüngling gern Motorrad fährt, beim HSV Handball spielt oder spielte und ansonsten auf “Fitness, compuer, PARTY!!!” abfährt. Achja, und auf Mädchen steht er. Das alles, nebst einem gar niedlichen Kinderbildchen ist auf netlog.com zu finden. Auch sein Geburtsdatum steht hier noch einmal. (Anmerkung: Das Profil wurde inzwischen gelöscht. Die hier ursprünglich veröffentlichten Fotos und Screenshots habe ich entfernt, nachdem Shahrasbi per Anwalt auf seine Persönlichkeitsrechte aufmerksam machte.)
Im Forum mofapower war er bis 2006 auch unterwegs, bot dort unter anderem öfter Mofas oder Videospiele zum Kauf an, da er dringend Geld brauche. Verständlich, mit 16.
Der zweite im Bunde macht es einem ebenso nicht schwer, ihn ausfindig zu machen. Er ist der Registrant der Domain gelbes-branchen-buch.info. Julian Weiner heißt er und stammt ebenso wie sein Kumpel Shahin Shahrasbi aus Lüneburg. Registriert hat er die Domain am 8. März 2011 bei 1&1. Das mag man ihm fast verzeihen, viele Anfänger und internettechnische Analphabeten gehen zuerst zu 1&1.
Durchsucht man einschlägige Handelsregister-Datenbanken nach Julian Weiner, stößt man auf das Unternehmen ARZ e.K., Neuer Wall 50, 20354 Hamburg. Als Tätigkeitsbeschreibung ist angegeben: “Gegenstand: die Erbringung von Internetdienstleistungen, der Betrieb und die Pflege von Datenbanken sowie Webdesign nebst Durchführung aller damit zusammenhängender Geschäfte.”
Gegründet wurde das Einzelunternehmen am 29.07.2010. von eben Julian Weiner, der am 19.05. 1988 geboren wurde. Noch so ein Jungunternehmer.
ARZ und DRZ also – beide Unternehmen gerade mal 250 Meter voneinander entfernt. ARZ im Neuen Wall 50, DRZ im Neuen Wall 80.
Doch ARZ e.K. ist nicht das einzige Unternehmen von Julian Weiner. Bereits am 12.10.2009 trat er in das Unternehmen AWS Investment UG (haftungsbeschränkt) ein. Selbiges wurde am 27.08.2009 gegründet. Am 6.11.2009 stieg ein Ali Alexander Alagrmi als Gesellschafter ein. Beide sind zu je 50 Prozent am Unternehmen beteiligt. Das Kapital der UG: Sagenhafte 100 Euro.
Tätigkeitsbeschreibung hier: “Gegenstand: Vertrieb von Immobilien und grundstücksgleichen Rechten, Investmentanlagen und Finanzierungen für Immobilien.”
Die AWS Investment UG ist insofern interessant, als dass die Faxnummer des Unternehmens (04131/2846286) bei der Registrierung der Domain gelbes-branchen-buch.info als Telefonnummer angegeben wurde.
Die Firmenadresse
Es dürfte nicht verwundern, dass die Adresse “Neuer Wall 80″ in Hamburg ein recht großes Haus mit vielen Mietern ist. Das Unternehmen DRZ e.K. kannte bei meinen stichprobenartigen Anrufen im Haus niemand. Auch das dort ansässige “Excellent Business Center” (EBC) weiß von nichts. Einen solchen Mieter habe man nicht. Das EBC bietet Büroräume, Tagungsräume und ein virtuelles Office, also eine virtuelle Präsenz, ohne dort wirklich ein Büro haben zu müssen. Die Adresse Neuer Wall 80 ist übrigens nicht die einzige Niederlassung des EBC. Auch im Neuen Wall 50, also quasi direkt nebenan, hat man so ein Business Center eingerichtet. Man kann zumindest mutmaßen, dass ARZ e.K. und DRZ e.K. nur virtuell Hamburger Unternehmen sind.
Und nun?
Was nun folgt? Keine Ahnung. Werden die beiden Jünglinge Weiner und Shahrasbi wirklich den Mumm haben, die Sache durchzuziehen? Werden Sie Rechnungen an Unternehmen schicken, die dieses Abzocker-Fax unterschrieben und zurückgefaxt haben? Ich hoffe nicht. Jungs, ein wirklich gut gemeinter Rat: Wenn Ihr noch ein wenig Restintelligenz besitzt, lasst Ihr es. Noch habt Ihr nicht viel Schaden angerichtet.
Update, 25. April 2011:
Offenbar war meine Einschätzung, die Burschen hätten noch nicht all zu viel Schaden angerichtet, nicht ganz richtig. Ich bekam einen Anruf eines jung klingenden Mannes, angeblich ein Bekannter von Julian Weiner. Dieser sagte mir, er hätte eine Liste mit Namen und Adressen von rund 100 Unternehmen, die bereits unterschrieben und zurückgefaxt hätten. Tatsächlich bekam ich diese Liste zugemailt, mehr als 100 Unternehmen sind dort zu finden. Eine Stichprobe ergab, dass die von mir befragten Unternehmen tatsächlich ein solches Fax erhalten und unterschrieben hätten, angeblich seien auch bereits Rechnungen verschickt worden.
Sollten Unternehmen bereits gezahlt haben, hat Julian Weiner den Betrug bereits ausgeführt. Und dann dürfte es eng werden für den Lüneburger Jung’.
Update, 26. April 2011:
Auch die Inhaberin eines Blumengeschäftes bestätigte mir heute, bereits eine Rechnung erhalten zu haben. Das Ganze liege nun beim Anwalt. Sie wolle nicht zahlen.
Update, 4. Mai 2011:
Nachdem die Website zwischenzeitlich von gelb auf ein urinfarbenes Irgendwas wechselte, ist sie heute nicht mehr aufrufbar. Stattdessen erscheint ein 404-Fehler: Dokument nicht gefunden. Ob das nur an den schlechten bzw. nicht vorhandenen Programmierkenntnissen von Julian Weiner liegt oder er und seine mutmaßlichen Kumpanen bereits aufgegeben haben, wird die Zukunft zeigen.
Update, 26. Mai 2011: Nachdem Sharasbi mit seinem neuen Projekt regionales-branchenbuch.info weitermacht, wurde das Projekt gelbes-branchen-buch.info offenbar beendet. Die Website zeigt seit Tagen eine Fehlermeldung an.
Update, 5. Mai 2011: regionales-branchenbuch.info
Die eine Website geht, die andere kommt. Nachdem gelbes-branchen-buch.info nun verbraucht ist, versuchen es die Herren jetzt unter der Domain regionales-branchenbuch.info. Die Masche ist abermals die Gleiche, das Fax auch. Lediglich die Angabe der Domain hat sich geändert. Abermals ist sehr klein im Fließtext und unter Verwendung von irreführenden Ausdrücken wie “wie gewohnt kostenfrei”. Als Faxnummer für Rückfaxe ist nun die 0800 5892635 angegeben.
Die Domain wurde auf Shahin Shahrasbi registriert. Die bei Registrierung angegebene Rufnummer 0179 9698158 war heute am frühen Nachmittag noch existent. Shahrasbi ging auch ans Handy. “Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wenn Sie etwas von uns wollen, schreiben Sie uns”, meinte er vorhin auf meine Frage, warum er glaubt, Unternehmer auf diese lächerliche Art und Weise abzocken zu können. Mittlerweile hört man beim Anrufen dieser Nummer nur die Ansage, diese wäre nicht vergeben.
Vielleicht sollte man für die Kontaktaufnahme darum Shahrasbis private Mailadresse shahin.shahrasbi@gmx.de nutzen. Denn ob Briefpost wirklich den Empfänger erreicht, dürfte fraglich sein. Laut Fax und Website-Impressum soll der Anbieter von regionales-branchenbuch.info eine “DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft” mit Sitz “An den Brodbänken 5″ in 21335 Lüneburg sein. Allerdings kennt man an dieser Adresse ein Unternehmen mit diesem Namen nicht. Hätte mich auch überrascht. Eine Mitarbeiterin einer dort ansässigen Anwaltskanzlei bestätigte mir, dass eine solche Firma dort nicht existiert, auch ein Briefkasten mit diesem Namen sei nicht vorhanden. Das Amtsgericht Lüneburg verneint ebenso: “Ein solches Unternehmen ist nicht registriert”, so ein Mitarbeiter des Handelsregisters. Eine Anfrage beim Gewerbeamt Lüneburg läuft noch. (Update 10. Mai: Auch das Gewerbeamt kennt das Unternehmen nicht.)
Als Provider der Website muss nun das Unternehmen Revido in Freital herhalten, die Domain wurde offenbar bei United Domains registriert. Und ist noch ganz frisch: Erst am Dienstag, den 3. Mai wurde sie beantragt. Die Website regionales-branchenbuch.info ist wie auch der Vorgänger ein Witz. “Unsere Datenbanken sowie der Webinhalt werden derzeit einer umfangreichen Wartung unterzogen. Wir bitten um Ihr Verständnis und sind in Kürze wieder mit allen Features für Sie erreichbar.”, ist dort unter anderem zu lesen. Eine Suchabfrage bringt derzeit einen SQL-Fehler, der immerhin zeigt, dass versucht wird, auf die Datenbank db2794 bei 1und1 zuzugreifen. Also wohl doch kein kompletter Wechsel zu Revido?
Fassen wir also zusammen: Eine nicht funktionierende Website, ein nicht existentes Unternehmen, Kundenfang per Spam-Fax. Alles in allem natürlich optimale Voraussetzungen, um Unternehmern einen überteuerten Eintrag in Höhe von 497 Euro netto pro Jahr anzubieten. Shahrasbi ist offenbar nicht nur dreist, sondern auch technisch inkompetent und blöd merkbefreit.
Update, 10. Mai 2011: Sie können es nicht lassen. Seit gestern Abend werden erneut Faxe ausgesandt – diesmal lautet die Rückfaxnummer 03222 1640106. Hierbei handelt es sich um eine so genannte ortsunabhängige oder auch nationale Rufnummer. Laut Bundesnetzagentur ist diese im Netz von Vodafone geschalten. Ich lasse dies gerade überprüfen.
Update: Lustig: Ruft man diese Nummer an, landet man bei “Arcor Mail & Messaging. Dem persönlichen Posteingangs-Assistenten von Shahin Shahrasbi”. So wird man begrüßt, wenn man diese Nummer anruft.
Unterdessen bestätigte mir auch das Gewerbeamt der Stadt Lüneburg, dass das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft nicht eingetragen ist.
Update, 24. Mai 2011: Shahin Shahrasbi macht wirklich Ernst: Nun werden Rechnungen verschickt. Die Kontodaten lauten: Sparkasse Lüneburg, Konto: 65088916, BLZ: 24050110.
Update, 26. Mai 2011: Immer mehr geschädigte Unternehmer melden sich bei mir, die eine Rechnung der DMM bekommen haben. Inzwischen wurde offenbar auch die Website regionales-branchenbuch.info überarbeitet. Zumindest finden sich nun jene Unternehmen hier wieder, die zur Zahlung aufgefordert sind. Weitere Einträge wurden offenbar nicht vorgenommen – bei den meisten Suchbegriffen bleibt die Suche erfolglos. Und das, obwohl doch angeblich über 10.000 Einträge vorhanden seien…
Unterdessen teilt mir das Handelsregister des Amtsgerichtes Lüneburg mit, dass die DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft tatsächlich gegründet wurde – am 17. Mai 2011, also erst nach Aussendung der Spam-Faxe, auf denen der Name “DMM” allerdings schon verwendet wurde. Als UG (haftungsbeschränkt) ist die DMM unter der Handelsregisternummer 20AR417 eingetragen. Ob die Verwendung des Namens vor Gründung und das kategorische Weglassen der verpflichtenden Angabe “UG (haftungsbeschränkt)” auf Faxen und Rechnungen eine Ordnungswidrigkeit darstellt oder eine strafrechtliche Relevanz hat, kann ich nicht beurteilen.
Update, 10. Juni 2011: Das Amtsgericht Lüneburg hat in einem Schreiben an mich die Eintragung der DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt) konkretisiert und damit obige Angabe berichtigt. Demnach wurde das Unternehmen am 31.05.2011 im Handelsregister unter der Nummer HRB203168 eingetragen. Das Grund oder Stammkapital der Gesellschaft beträgt 100 Euro, als Vorstand und Geschäftsführer wurde Shahin Kai Shahrasbi, geboren am 8.10.1990 in Lüneburg eingetragen. Dem Amtsgericht wurde ein Gesellschaftsvertrag mit Datum vom 4. Mai 2011 vorgelegt.
Die Handelsregistereintragung kann auch hier eingesehen werden.
Für das Zustandekommen der Verträge heißt das nichts – laut GmbH-Gesetz gibt es eine Rückwirkung. Heißt: Zwar hat Shahrasbi vor Eintragung der UG als Privatmann und auf eigene Haftung gehandelt. Allerdings sind geschlossene Verträge mit der Eintragung der UG nun auf die UG übertragen worden. Ob die Verträge jedoch rechtmäßig zustande kamen – und ob überhaupt zu zahlen ist, müsste im Zweifel wohl ein Gericht beantworten. Es dürfte interessant werden, ob der Lüneburger Jung’ tatsächlich auf die Zahlungen besteht und seine lächerlichen Förderungen vor Gericht geltend macht.
Übrigens fehlt nach wie vor auf der Website des Kaspers die offizielle Firmierung der DMM. Dass es sich um eine UG (haftungsbeschränkt) handelt, erfährt der Nutzer nicht. Damit verstößt Shahin Kai Shahrasbi de facto gegen § 5a, Abs.1 GmbHG.
Update, 16. Juni 2011: Die DMM verschickt nun Mahnungen.
Update, 30. Juni 2011: Laut Mitteilung eines Anwaltes lässt Shahin Shahrasbi bzw. die DMM nun die offenen Forderungen über das Inkassobüro debitas eintreiben. Zuzüglich zur offenen Forderung von 591,43 Euro rechnet die debitas Auslagen, Kontoführungskosten und Inkassokosten hinzu. Die Endsumme beläuft sich auf 707,93 Euro. Der Mandantschaft wurde seitens des Anwaltes geraten, nichts zu zahlen und eine eventuelle Klage abzuwarten.
Mit der debitas dürften Geschädigte der DMM nun endlich mal einen Ansprechpartner haben – auf Faxe wird seit geraumer Zeit nicht mehr reagiert, Post an die Adresse der DMM in Lüneburg kommt als unzustellbar zurück. Laut Aussagen der debitas werden alle Mandanten vorher genau geprüft.
5. Juli 2011: Schau an, plötzlich weiß Shahrasbi, wie er mit ausgeschriebenem Namen heißt und dass man seine komplette Firmierung anzugeben hat. Da wird wohl die IHK einen Tipp gegeben haben…
19. Juli 2011: Wie mir zwei Anwälte unabhängig voneinander mitteilen, lässt das Inkassounternehmen debitas von den Forderungen ab, nachdem die Anwälte eine Anfechtung erklärt hatten. Auf Anfrage teilte mir die Geschäftsführung der debitas soeben mit, dass eine Nachprüfung ergeben hätte, dass dieser Mandant (also die DMM) nicht mehr betreut werden könne. Auf Deutsch: Shahrasbi ist rausgeflogen.
Unternehmen, die nun aufgrund der Forderung der debitas doch noch zahlen oder gezahlt haben, sind ihr Geld trotzdem los. Rechtlich sei es so, dass die Forderung dann noch an den Mandanten weitergeleitet werden müsse, auch wenn kein Vertragsverhältnis mehr besteht. Zurücklehnen können sich Unternehmer wohl trotzdem nicht – es ist durchaus zu erwarten, dass Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg einen anderen Weg wählt, um seine Forderungen, von denen er offenbar glaubt, sie bestünden zurecht, durchzusetzen.
22. Juli 2011: Unterdessen geht eine Lüneburger Anwaltskanzlei gegen mich vor und macht Unterlassungsansprüche geltend. Im Namen Shahin Shahrasbis fordert die Kanzlei mich auf, angebliche ehrverletzenden Äußerungen zu entfernen. Diese können mein Anwalt und ich allerdings nicht erkennen. Dafür kam ich dem Wunsch nach, auf die Veröffentlichung privater Bilder des Mandanten zu verzichten. Insofern wurden heute Morgen die bis dahin hier zu findenden Fotos, die Shahin Sharasbi zeigen, gelöscht.
5. September 2011: Offenbar hat Shahin Shahrasbi den Sitz seines Unternehmens nach Chemnitz verlegt. Im Impressum heißt es nun:
Regionales Branchenbuch.Info wird betrieben von:
DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt)
Schulstraße 38
09125 Chemnitz
HRB 203168
In den einschlägigen Auskunftsverzeichnissen findet sich jedoch noch kein Hinweis auf eine Verlegung des Geschäftssitzes. In der Schulstraße 38 in Chemnitz befindet sich der so genannte Europark. Ein Gewerbepark, an dem über 70 Firmen sitzen. Der perfekte Ort, um nicht aufzufallen. Nach meinen Informationen hat sich Shahin Shahrasbi dort nicht direkt eingemietet, sondern nutzt die Dienste der BSD Bürosharing Deutschland UG. Selbige verspricht auf ihrer Website eine “Repräsentative Geschäftsadresse im Europark Chemnitz” und eine “Korrespondenzadresse / Postservice” sowie virtuelle Büros. Auf Deutsch: Shahrasbi nutzt einen Briefkasten in Chemnitz. Post dorthin dürfte unbeantwortet bleiben. (Update: Die Post wird innerhalb des Europarks in einen Briefkasten zugestellt, an dem rund 60 Firmennamen angebracht sind. Die BSD Bürosharing gewährt also rund 60 Firmen mit ihrem “virtuellen Büro” Asyl. Briefkastenfirmen mitten in Deutschland – rechtlich gedeckelt, weil man als Unternehmen eine Postanschrift und einen Geschäftssitz haben darf. Die DMM jedoch gibt auf der Website im Impressum vor, die Postanschrift wäre der Geschäftssitz. Auch auf den neuesten Rechnungen verschweigt das Unternehmen, unter welcher Adresse es seinen Geschäftssitz hat.
Nach meinen Recherchen hat der Empfang des Europarks täglich rund zehn Anfragen von verärgerten “Kunden” der DMM zu bewältigen.
7. September 2011
Shahrasbi macht unbeirrt weiter. Nachdem er vergangene Woche offenbar wieder Eintragungsfaxe versendete, bekamen heute erste “Kunden” neue Rechnungen. Als Absender ist hier schon die DMM mit der neuen Adresse in der Schulstraße 38 in Chemnitz angegeben. Ganz unten auf der Rechnung findet sich aber noch der Hinweis, dass die DMM beim Registergericht Lüneburg gemeldet sei. Interessant ist, dass auf der Rechnung nicht ersichtlich ist, wo man den “Kunden” überhaupt eingetragen haben will. Es heißt nur: “Wunschgemäß haben wir Ihre Eintragung durchgeführt.”
Als Kontoverbindung wird nun die Postbank angegeben. Die Kontonummer lautet: 39 942 202, die Bankleitzahl ist die 200 100 20 – die auf die Postbank in Hamburg vergeben ist. Meiner Meinung nach ein Zeichen dafür, dass sich Shahrasbi weiterhin im Raum Hamburg/Lüneburg aufhält und die Chemnitzer Adresse nur zur Irreführung gebucht wurde.
Lustig auch der Hinweis auf der Rechnung, dass der Zahlungsempfänger das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft sei und nicht das Produkt Regionales Branchenbuch. Offenbar war Shahrasbi sogar zu unbeholfen, bei der Postbank ein Alias für sein Konto einrichten zu lassen.
Im Übrigen fehlt auf der Rechnung die Angabe einer Steuernummer bzw. Identifikationsnummer, wie es laut § 14 Abs. 4 in Verbindung mit § 14a Abs. 5 UStG verlangt wird. Entsprechend kann diese Rechnung als nicht rechtmäßig gelten. Das Finanzamt Lüneburg freut sich sicher über eine entsprechende Mitteilung.
14. 04. 2011 10:01
Heute ging ein gutes Stück Leipziger Wirtschafts-Geschichte zu Ende. Die Games City Leipzig existiert nicht mehr, die Leipziger Messe verabschiedet sich endgültig vom Thema Computerspiele. Die Games Convention Online wurde heute abgesagt:
Die GAMES CONVENTION ONLINE 2011 wird nicht stattfinden. Der Fachkongress mit begleitender Ausstellung war für den 07. und 08. Juli geplant. Die Mehrheit der Branche signalisierte, in diesem Jahr nicht an der Business- und Networking-Plattform für Browser, Client und Mobile Games teilzunehmen, so dass die Veranstaltung sich betriebswirtschaftlich nicht mehr positiv darstellen ließe.
Das Know-how und das Dienstleistungsnetzwerk stehe aber weiterhin zur Verfügung, um marktgerechte Veranstaltungen durchzuführen, erklärte Heike Fischer, Pressesprecherin der Leipziger Messegesellschaft. Voraussetzung dafür seien effiziente Konzepte mit hohem Nutzwert. „Wenn die Industrie neue Formate oder neue Standorte für wirksame Veranstaltungen der Spielebranche sucht, können wir schnell darauf reagieren und unsere erprobte Struktur aktivieren“, sagte Fischer.
Damit geht in Leipzig eine gute Idee unter, die mit der Etablierung der Games Convention im Jahr 2002 begann, eine Wendung im Jahr 2008 bekam und schließlich als Messe für Online-, Browser und Mobile Games ausgerichtet wurde. Im vergangenen Jahr dann wurde kurz vor Messebeginn die GAMES CONVENTION ONLINE zur reinen Fachmesse erklärt, in diesem Jahr sollte sie als Kongress stattfinden.
Ich wünsche mir für die Leipziger Messe, dass die Absage der GCO nicht an ihr hängen bleibt. Die (wechselnden) Projektteams der GC und GCO haben über Jahre bewiesen, dass sie fachlich den richtigen Riecher hatte und in der Lage war (und ist), geniale Publikumsveranstaltungen zu etablieren.
Danke, GC(O), es war schön mit Dir.