Update September 2011: Neue Entwicklungen bei regionales-branchenbuch.info und Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg. Bitte ans Ende des Artikels scrollen.
Update 21. April: Der Anbieter wurde offenbar vorerst gestoppt. Der Provider, der die Faxnummer verwaltet, hat diese abgeschalten. Mehr im Update innerhalb des Textes.
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Erneut macht ein “Anbieter” im Bereich der Abzocke mit “Gelben Branchenbüchern” von sich reden. Und weil offenbar sämtliche sinnvollen Domainnamen bereits belegt sind, lautet der Name des Projektes diesmal: gelbes-branchen-buch.info. Man merkt gleich: Hier sind Witzbolde mit zu vielen Bindestrichen am Werk. Witzbolde, die offenbar ausprobieren, wie weit man gehen kann. Und die ihren jugendlichen Leichtsinn noch nicht so ganz im Griff haben. Aber beginnen wir ganz vorn:
Das Fax
Die erste Kontaktaufnahme mit deutschen Unternehmen geschieht mit einem Werbefax. Weil die Masche bislang wohl ganz gut funktioniert, wie man ja auch hier lesen kann, nutzen die beiden Witzbolde, die mutmaßlich dahinterstecken, direkt mal das gleiche Fax wie gelbes-branchenbuch.info von Florian Wilk aus Greifswald, bzw. der DMV Deutscher Medien Verlag Limited:

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Auf den ersten Blick ist es tatsächlich das gleiche Fax. Offenbar wurde nur die Faxnummer für die Zusendung der Rückfaxe sowie die Firmierung geändert. Der Strichcode oben links bedeutet nichts – außer “102030405060708090″ hat irgend etwas zu bedeuten.
Die Rückfaxnummer, die angegeben ist, ist eine gebührenfreie 0800er. Oh, wie aufmerksam. Die Nummer lautet 0800 101 096 132 und gehört meinen Recherchen zufolge der multiConnect GmbH in München.
Update, 21.April: Wie mir multiConnect mitteilt, ist die Nummer im Netz der GTC TeleCommunication Stuttgart geschalten. Auf meine Anfrage hin, teilt mit GTC mit, dass man zum Nutzer der Nummer aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussagen macht, die besagte Nummer aber bereits seit 20. April nicht mehr aktiv ist und der Kunde gesperrt wurde. Warum, wollte GTC nicht mitteilen.
Update Ende.
Im Text des Faxes werden faktisch haargenau die gleichen Formulierungen wie bei gelbes-branchenbuch.info verwendet. Nur den Preis haben die Spaßvögel bei mein-branchenverzeichnis.info geklaut: 497 Euro wollen sie für die Eintragung in ihr “Verzeichnis” pro Jahr. Selbiger Preis steht – wie bei den Vorgänger-Varianten auch – klein neben dem Eintragsformular. Wie gewohnt versucht das Eintragungsangebot durch die Verwendung des Wortes “kostenfrei” den Eindruck zu erwecken, hier würde es sich um ein kostenfreies Angebot handeln. Eine exakte Preisauszeichnung, die auf einen Blick verrät, ab wann Kosten in welcher Höhe entstehen, erfolgt nicht. Zudem soll der Zusatz “wie gewohnt” wohl ein bereits bestehendes Vertragsverhältnis vortäuschen, das aber nicht existiert.
Die Spaßvögel nennen sich im Fax “DRZ eingetragener K. Neuer Wall 80 Hmb.” Steht ganz klein, ganz unten. Außerdem ist zu lesen: “GF S. Shahrasbi”. Die merkwürdigen Abkürzungen sind wohl der untaugliche Versuch, sich zu anonymisieren. Klappt nur nicht. Gleich dazu mehr.
Die Website
Es geht also, das muss man ja immer extra erklären, nicht um einen Eintrag in irgendein Branchenbuch im Wortsinne, sondern um die Eintragung in die unbekannte Website gelbes-branchen-buch.info. Schaut man sich diese Seite näher an, kann man eigentlich nichts anderes tun, als laut zu lachen.
Ja, und viel mehr ist es dann auch nicht. Nichts gegen Minimalismus. Aber diese Website ist gar kein funktionierendes Branchenbuch und soll es wohl auch nie sein. Die schnell dahingeschluderte Website besteht aus wenigen HTML-Dateien und einer suche.php, die aber nichts weiter auswirft als den Standardsatz “Ihre Suchanfrage erzielte 0 Treffer”. (Stand dieser Info: 20. April 2011)
Nutzungsbedingungen und AGB wurden 1:1 von mein-branchenverzeichnis.info bzw. gelbes-branchenbuch.info kopiert, lediglich die Firmierung wurde geändert.
Die Betreiber
Wenn ich hier immer von “die Betreiber” spreche, so tue ich das in der Annahme, dass einer allein gar nicht so blöd merkbefreit sein kann. Denn genau so, wie sich die Witzbolde nicht die Mühe gemacht haben, wenigstens den Anschein zu erwecken, ein richtiges Unternehmen zu sein, genau so wenig haben sie getan, um ihre Identität zu verwischen.
Widmen wir uns erst dem “S. Shahrasbi”, der auf dem Eintragungsfax vermerkt ist. Im Impressum der Website heißt er nur noch Sahrasbi, da fehlt also das erste “h”. Macht aber nichts, die Handelsregister-Bekanntmachung verrät uns, wie der Inhaber des Unternehmens korrekt heißt.
Demnach handelt es sich um die DRZ e.K., Neuer Wall 80, 20354 Hamburg. Faktisch also ein Einzelunternehmen, bei dem die Rechtsform “eingetragene Kaufleute” gewählt wurde. Eingetragen wurde das Unternehmen am 14.03.2011. Inhaber ist Shahin Shahrasbi, wohnhaft in Lüneburg, geboren am 08.10.1990.
Geschäftsfeld ist “Das Webdesign sowie die Erstellung und Pflege von Datenbanken mit Ausnahme erlaubnispflichtiger Tätigkeiten.”
Nun ist Shahin Shahrasbi ein seltener Name. Was bei der Recherche von Vorteil ist. So findet man recht schnell, dass der 20-jährige Jüngling gern Motorrad fährt, beim HSV Handball spielt oder spielte und ansonsten auf “Fitness, compuer, PARTY!!!” abfährt. Achja, und auf Mädchen steht er. Das alles, nebst einem gar niedlichen Kinderbildchen ist auf netlog.com zu finden. Auch sein Geburtsdatum steht hier noch einmal. (Anmerkung: Das Profil wurde inzwischen gelöscht. Die hier ursprünglich veröffentlichten Fotos und Screenshots habe ich entfernt, nachdem Shahrasbi per Anwalt auf seine Persönlichkeitsrechte aufmerksam machte.)
Im Forum mofapower war er bis 2006 auch unterwegs, bot dort unter anderem öfter Mofas oder Videospiele zum Kauf an, da er dringend Geld brauche. Verständlich, mit 16.
Der zweite im Bunde macht es einem ebenso nicht schwer, ihn ausfindig zu machen. Er ist der Registrant der Domain gelbes-branchen-buch.info. Julian Weiner heißt er und stammt ebenso wie sein Kumpel Shahin Shahrasbi aus Lüneburg. Registriert hat er die Domain am 8. März 2011 bei 1&1. Das mag man ihm fast verzeihen, viele Anfänger und internettechnische Analphabeten gehen zuerst zu 1&1.
Durchsucht man einschlägige Handelsregister-Datenbanken nach Julian Weiner, stößt man auf das Unternehmen ARZ e.K., Neuer Wall 50, 20354 Hamburg. Als Tätigkeitsbeschreibung ist angegeben: “Gegenstand: die Erbringung von Internetdienstleistungen, der Betrieb und die Pflege von Datenbanken sowie Webdesign nebst Durchführung aller damit zusammenhängender Geschäfte.”
Gegründet wurde das Einzelunternehmen am 29.07.2010. von eben Julian Weiner, der am 19.05. 1988 geboren wurde. Noch so ein Jungunternehmer.
ARZ und DRZ also – beide Unternehmen gerade mal 250 Meter voneinander entfernt. ARZ im Neuen Wall 50, DRZ im Neuen Wall 80.
Doch ARZ e.K. ist nicht das einzige Unternehmen von Julian Weiner. Bereits am 12.10.2009 trat er in das Unternehmen AWS Investment UG (haftungsbeschränkt) ein. Selbiges wurde am 27.08.2009 gegründet. Am 6.11.2009 stieg ein Ali Alexander Alagrmi als Gesellschafter ein. Beide sind zu je 50 Prozent am Unternehmen beteiligt. Das Kapital der UG: Sagenhafte 100 Euro.
Tätigkeitsbeschreibung hier: “Gegenstand: Vertrieb von Immobilien und grundstücksgleichen Rechten, Investmentanlagen und Finanzierungen für Immobilien.”
Die AWS Investment UG ist insofern interessant, als dass die Faxnummer des Unternehmens (04131/2846286) bei der Registrierung der Domain gelbes-branchen-buch.info als Telefonnummer angegeben wurde.
Die Firmenadresse
Es dürfte nicht verwundern, dass die Adresse “Neuer Wall 80″ in Hamburg ein recht großes Haus mit vielen Mietern ist. Das Unternehmen DRZ e.K. kannte bei meinen stichprobenartigen Anrufen im Haus niemand. Auch das dort ansässige “Excellent Business Center” (EBC) weiß von nichts. Einen solchen Mieter habe man nicht. Das EBC bietet Büroräume, Tagungsräume und ein virtuelles Office, also eine virtuelle Präsenz, ohne dort wirklich ein Büro haben zu müssen. Die Adresse Neuer Wall 80 ist übrigens nicht die einzige Niederlassung des EBC. Auch im Neuen Wall 50, also quasi direkt nebenan, hat man so ein Business Center eingerichtet. Man kann zumindest mutmaßen, dass ARZ e.K. und DRZ e.K. nur virtuell Hamburger Unternehmen sind.
Und nun?
Was nun folgt? Keine Ahnung. Werden die beiden Jünglinge Weiner und Shahrasbi wirklich den Mumm haben, die Sache durchzuziehen? Werden Sie Rechnungen an Unternehmen schicken, die dieses Abzocker-Fax unterschrieben und zurückgefaxt haben? Ich hoffe nicht. Jungs, ein wirklich gut gemeinter Rat: Wenn Ihr noch ein wenig Restintelligenz besitzt, lasst Ihr es. Noch habt Ihr nicht viel Schaden angerichtet.
Update, 25. April 2011:
Offenbar war meine Einschätzung, die Burschen hätten noch nicht all zu viel Schaden angerichtet, nicht ganz richtig. Ich bekam einen Anruf eines jung klingenden Mannes, angeblich ein Bekannter von Julian Weiner. Dieser sagte mir, er hätte eine Liste mit Namen und Adressen von rund 100 Unternehmen, die bereits unterschrieben und zurückgefaxt hätten. Tatsächlich bekam ich diese Liste zugemailt, mehr als 100 Unternehmen sind dort zu finden. Eine Stichprobe ergab, dass die von mir befragten Unternehmen tatsächlich ein solches Fax erhalten und unterschrieben hätten, angeblich seien auch bereits Rechnungen verschickt worden.
Sollten Unternehmen bereits gezahlt haben, hat Julian Weiner den Betrug bereits ausgeführt. Und dann dürfte es eng werden für den Lüneburger Jung’.
Update, 26. April 2011:
Auch die Inhaberin eines Blumengeschäftes bestätigte mir heute, bereits eine Rechnung erhalten zu haben. Das Ganze liege nun beim Anwalt. Sie wolle nicht zahlen.
Update, 4. Mai 2011:
Nachdem die Website zwischenzeitlich von gelb auf ein urinfarbenes Irgendwas wechselte, ist sie heute nicht mehr aufrufbar. Stattdessen erscheint ein 404-Fehler: Dokument nicht gefunden. Ob das nur an den schlechten bzw. nicht vorhandenen Programmierkenntnissen von Julian Weiner liegt oder er und seine mutmaßlichen Kumpanen bereits aufgegeben haben, wird die Zukunft zeigen.
Update, 26. Mai 2011: Nachdem Sharasbi mit seinem neuen Projekt regionales-branchenbuch.info weitermacht, wurde das Projekt gelbes-branchen-buch.info offenbar beendet. Die Website zeigt seit Tagen eine Fehlermeldung an.
Update, 5. Mai 2011: regionales-branchenbuch.info
Die eine Website geht, die andere kommt. Nachdem gelbes-branchen-buch.info nun verbraucht ist, versuchen es die Herren jetzt unter der Domain regionales-branchenbuch.info. Die Masche ist abermals die Gleiche, das Fax auch. Lediglich die Angabe der Domain hat sich geändert. Abermals ist sehr klein im Fließtext und unter Verwendung von irreführenden Ausdrücken wie “wie gewohnt kostenfrei”. Als Faxnummer für Rückfaxe ist nun die 0800 5892635 angegeben.
Die Domain wurde auf Shahin Shahrasbi registriert. Die bei Registrierung angegebene Rufnummer 0179 9698158 war heute am frühen Nachmittag noch existent. Shahrasbi ging auch ans Handy. “Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wenn Sie etwas von uns wollen, schreiben Sie uns”, meinte er vorhin auf meine Frage, warum er glaubt, Unternehmer auf diese lächerliche Art und Weise abzocken zu können. Mittlerweile hört man beim Anrufen dieser Nummer nur die Ansage, diese wäre nicht vergeben.
Vielleicht sollte man für die Kontaktaufnahme darum Shahrasbis private Mailadresse shahin.shahrasbi@gmx.de nutzen. Denn ob Briefpost wirklich den Empfänger erreicht, dürfte fraglich sein. Laut Fax und Website-Impressum soll der Anbieter von regionales-branchenbuch.info eine “DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft” mit Sitz “An den Brodbänken 5″ in 21335 Lüneburg sein. Allerdings kennt man an dieser Adresse ein Unternehmen mit diesem Namen nicht. Hätte mich auch überrascht. Eine Mitarbeiterin einer dort ansässigen Anwaltskanzlei bestätigte mir, dass eine solche Firma dort nicht existiert, auch ein Briefkasten mit diesem Namen sei nicht vorhanden. Das Amtsgericht Lüneburg verneint ebenso: “Ein solches Unternehmen ist nicht registriert”, so ein Mitarbeiter des Handelsregisters. Eine Anfrage beim Gewerbeamt Lüneburg läuft noch. (Update 10. Mai: Auch das Gewerbeamt kennt das Unternehmen nicht.)
Als Provider der Website muss nun das Unternehmen Revido in Freital herhalten, die Domain wurde offenbar bei United Domains registriert. Und ist noch ganz frisch: Erst am Dienstag, den 3. Mai wurde sie beantragt. Die Website regionales-branchenbuch.info ist wie auch der Vorgänger ein Witz. “Unsere Datenbanken sowie der Webinhalt werden derzeit einer umfangreichen Wartung unterzogen. Wir bitten um Ihr Verständnis und sind in Kürze wieder mit allen Features für Sie erreichbar.”, ist dort unter anderem zu lesen. Eine Suchabfrage bringt derzeit einen SQL-Fehler, der immerhin zeigt, dass versucht wird, auf die Datenbank db2794 bei 1und1 zuzugreifen. Also wohl doch kein kompletter Wechsel zu Revido?
Fassen wir also zusammen: Eine nicht funktionierende Website, ein nicht existentes Unternehmen, Kundenfang per Spam-Fax. Alles in allem natürlich optimale Voraussetzungen, um Unternehmern einen überteuerten Eintrag in Höhe von 497 Euro netto pro Jahr anzubieten. Shahrasbi ist offenbar nicht nur dreist, sondern auch technisch inkompetent und blöd merkbefreit.
Update, 10. Mai 2011: Sie können es nicht lassen. Seit gestern Abend werden erneut Faxe ausgesandt – diesmal lautet die Rückfaxnummer 03222 1640106. Hierbei handelt es sich um eine so genannte ortsunabhängige oder auch nationale Rufnummer. Laut Bundesnetzagentur ist diese im Netz von Vodafone geschalten. Ich lasse dies gerade überprüfen.
Update: Lustig: Ruft man diese Nummer an, landet man bei “Arcor Mail & Messaging. Dem persönlichen Posteingangs-Assistenten von Shahin Shahrasbi”. So wird man begrüßt, wenn man diese Nummer anruft.
Unterdessen bestätigte mir auch das Gewerbeamt der Stadt Lüneburg, dass das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft nicht eingetragen ist.
Update, 24. Mai 2011: Shahin Shahrasbi macht wirklich Ernst: Nun werden Rechnungen verschickt. Die Kontodaten lauten: Sparkasse Lüneburg, Konto: 65088916, BLZ: 24050110.
Update, 26. Mai 2011: Immer mehr geschädigte Unternehmer melden sich bei mir, die eine Rechnung der DMM bekommen haben. Inzwischen wurde offenbar auch die Website regionales-branchenbuch.info überarbeitet. Zumindest finden sich nun jene Unternehmen hier wieder, die zur Zahlung aufgefordert sind. Weitere Einträge wurden offenbar nicht vorgenommen – bei den meisten Suchbegriffen bleibt die Suche erfolglos. Und das, obwohl doch angeblich über 10.000 Einträge vorhanden seien…
Unterdessen teilt mir das Handelsregister des Amtsgerichtes Lüneburg mit, dass die DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft tatsächlich gegründet wurde – am 17. Mai 2011, also erst nach Aussendung der Spam-Faxe, auf denen der Name “DMM” allerdings schon verwendet wurde. Als UG (haftungsbeschränkt) ist die DMM unter der Handelsregisternummer 20AR417 eingetragen. Ob die Verwendung des Namens vor Gründung und das kategorische Weglassen der verpflichtenden Angabe “UG (haftungsbeschränkt)” auf Faxen und Rechnungen eine Ordnungswidrigkeit darstellt oder eine strafrechtliche Relevanz hat, kann ich nicht beurteilen.
Update, 10. Juni 2011: Das Amtsgericht Lüneburg hat in einem Schreiben an mich die Eintragung der DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt) konkretisiert und damit obige Angabe berichtigt. Demnach wurde das Unternehmen am 31.05.2011 im Handelsregister unter der Nummer HRB203168 eingetragen. Das Grund oder Stammkapital der Gesellschaft beträgt 100 Euro, als Vorstand und Geschäftsführer wurde Shahin Kai Shahrasbi, geboren am 8.10.1990 in Lüneburg eingetragen. Dem Amtsgericht wurde ein Gesellschaftsvertrag mit Datum vom 4. Mai 2011 vorgelegt.
Die Handelsregistereintragung kann auch hier eingesehen werden.
Für das Zustandekommen der Verträge heißt das nichts – laut GmbH-Gesetz gibt es eine Rückwirkung. Heißt: Zwar hat Shahrasbi vor Eintragung der UG als Privatmann und auf eigene Haftung gehandelt. Allerdings sind geschlossene Verträge mit der Eintragung der UG nun auf die UG übertragen worden. Ob die Verträge jedoch rechtmäßig zustande kamen – und ob überhaupt zu zahlen ist, müsste im Zweifel wohl ein Gericht beantworten. Es dürfte interessant werden, ob der Lüneburger Jung’ tatsächlich auf die Zahlungen besteht und seine lächerlichen Förderungen vor Gericht geltend macht.
Übrigens fehlt nach wie vor auf der Website des Kaspers die offizielle Firmierung der DMM. Dass es sich um eine UG (haftungsbeschränkt) handelt, erfährt der Nutzer nicht. Damit verstößt Shahin Kai Shahrasbi de facto gegen § 5a, Abs.1 GmbHG.
Update, 16. Juni 2011: Die DMM verschickt nun Mahnungen.
Update, 30. Juni 2011: Laut Mitteilung eines Anwaltes lässt Shahin Shahrasbi bzw. die DMM nun die offenen Forderungen über das Inkassobüro debitas eintreiben. Zuzüglich zur offenen Forderung von 591,43 Euro rechnet die debitas Auslagen, Kontoführungskosten und Inkassokosten hinzu. Die Endsumme beläuft sich auf 707,93 Euro. Der Mandantschaft wurde seitens des Anwaltes geraten, nichts zu zahlen und eine eventuelle Klage abzuwarten.
Mit der debitas dürften Geschädigte der DMM nun endlich mal einen Ansprechpartner haben – auf Faxe wird seit geraumer Zeit nicht mehr reagiert, Post an die Adresse der DMM in Lüneburg kommt als unzustellbar zurück. Laut Aussagen der debitas werden alle Mandanten vorher genau geprüft.
5. Juli 2011: Schau an, plötzlich weiß Shahrasbi, wie er mit ausgeschriebenem Namen heißt und dass man seine komplette Firmierung anzugeben hat. Da wird wohl die IHK einen Tipp gegeben haben…
19. Juli 2011: Wie mir zwei Anwälte unabhängig voneinander mitteilen, lässt das Inkassounternehmen debitas von den Forderungen ab, nachdem die Anwälte eine Anfechtung erklärt hatten. Auf Anfrage teilte mir die Geschäftsführung der debitas soeben mit, dass eine Nachprüfung ergeben hätte, dass dieser Mandant (also die DMM) nicht mehr betreut werden könne. Auf Deutsch: Shahrasbi ist rausgeflogen.
Unternehmen, die nun aufgrund der Forderung der debitas doch noch zahlen oder gezahlt haben, sind ihr Geld trotzdem los. Rechtlich sei es so, dass die Forderung dann noch an den Mandanten weitergeleitet werden müsse, auch wenn kein Vertragsverhältnis mehr besteht. Zurücklehnen können sich Unternehmer wohl trotzdem nicht – es ist durchaus zu erwarten, dass Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg einen anderen Weg wählt, um seine Forderungen, von denen er offenbar glaubt, sie bestünden zurecht, durchzusetzen.
22. Juli 2011: Unterdessen geht eine Lüneburger Anwaltskanzlei gegen mich vor und macht Unterlassungsansprüche geltend. Im Namen Shahin Shahrasbis fordert die Kanzlei mich auf, angebliche ehrverletzenden Äußerungen zu entfernen. Diese können mein Anwalt und ich allerdings nicht erkennen. Dafür kam ich dem Wunsch nach, auf die Veröffentlichung privater Bilder des Mandanten zu verzichten. Insofern wurden heute Morgen die bis dahin hier zu findenden Fotos, die Shahin Sharasbi zeigen, gelöscht.
5. September 2011: Offenbar hat Shahin Shahrasbi den Sitz seines Unternehmens nach Chemnitz verlegt. Im Impressum heißt es nun:
Regionales Branchenbuch.Info wird betrieben von:
DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt)
Schulstraße 38
09125 Chemnitz
HRB 203168
In den einschlägigen Auskunftsverzeichnissen findet sich jedoch noch kein Hinweis auf eine Verlegung des Geschäftssitzes. In der Schulstraße 38 in Chemnitz befindet sich der so genannte Europark. Ein Gewerbepark, an dem über 70 Firmen sitzen. Der perfekte Ort, um nicht aufzufallen. Nach meinen Informationen hat sich Shahin Shahrasbi dort nicht direkt eingemietet, sondern nutzt die Dienste der BSD Bürosharing Deutschland UG. Selbige verspricht auf ihrer Website eine “Repräsentative Geschäftsadresse im Europark Chemnitz” und eine “Korrespondenzadresse / Postservice” sowie virtuelle Büros. Auf Deutsch: Shahrasbi nutzt einen Briefkasten in Chemnitz. Post dorthin dürfte unbeantwortet bleiben. (Update: Die Post wird innerhalb des Europarks in einen Briefkasten zugestellt, an dem rund 60 Firmennamen angebracht sind. Die BSD Bürosharing gewährt also rund 60 Firmen mit ihrem “virtuellen Büro” Asyl. Briefkastenfirmen mitten in Deutschland – rechtlich gedeckelt, weil man als Unternehmen eine Postanschrift und einen Geschäftssitz haben darf. Die DMM jedoch gibt auf der Website im Impressum vor, die Postanschrift wäre der Geschäftssitz. Auch auf den neuesten Rechnungen verschweigt das Unternehmen, unter welcher Adresse es seinen Geschäftssitz hat.
Nach meinen Recherchen hat der Empfang des Europarks täglich rund zehn Anfragen von verärgerten “Kunden” der DMM zu bewältigen.
7. September 2011
Shahrasbi macht unbeirrt weiter. Nachdem er vergangene Woche offenbar wieder Eintragungsfaxe versendete, bekamen heute erste “Kunden” neue Rechnungen. Als Absender ist hier schon die DMM mit der neuen Adresse in der Schulstraße 38 in Chemnitz angegeben. Ganz unten auf der Rechnung findet sich aber noch der Hinweis, dass die DMM beim Registergericht Lüneburg gemeldet sei. Interessant ist, dass auf der Rechnung nicht ersichtlich ist, wo man den “Kunden” überhaupt eingetragen haben will. Es heißt nur: “Wunschgemäß haben wir Ihre Eintragung durchgeführt.”
Als Kontoverbindung wird nun die Postbank angegeben. Die Kontonummer lautet: 39 942 202, die Bankleitzahl ist die 200 100 20 – die auf die Postbank in Hamburg vergeben ist. Meiner Meinung nach ein Zeichen dafür, dass sich Shahrasbi weiterhin im Raum Hamburg/Lüneburg aufhält und die Chemnitzer Adresse nur zur Irreführung gebucht wurde.
Lustig auch der Hinweis auf der Rechnung, dass der Zahlungsempfänger das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft sei und nicht das Produkt Regionales Branchenbuch. Offenbar war Shahrasbi sogar zu unbeholfen, bei der Postbank ein Alias für sein Konto einrichten zu lassen.
Im Übrigen fehlt auf der Rechnung die Angabe einer Steuernummer bzw. Identifikationsnummer, wie es laut § 14 Abs. 4 in Verbindung mit § 14a Abs. 5 UStG verlangt wird. Entsprechend kann diese Rechnung als nicht rechtmäßig gelten. Das Finanzamt Lüneburg freut sich sicher über eine entsprechende Mitteilung.