GROSSE WORTE

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Wirtschaftliches’ Category

Zum Abschied den Löwen geritten

Taucha. Für Außenstehende muss sich die Szenerie etwas bizarr angesehen haben. Am Sonntagmorgen trafen sich diverse in Schwarz gekleidete Herren an der B87, kurz vor der Autobahnauffahrt Richtung Dresden. Sie tranken Bier aus einem großen Glasstiefel, unterhielten sich und hörten Lieder aus dem Autoradio. „Drei Jahre und ein Tag“ hieß eines davon und was Reinhard Mey da sang, stand einem der Herren noch bevor. Zimmermann Dominic Thier hatte sein Bündel geschnürt und sich bereit gemacht für eine Wanderschaft von drei Jahren und einem Tag. So lange darf sich der Anhänger des Rolandschachtes nicht der Heimat nähern. „Der Rolandschacht ist die Zunft reisender Bauhandwerker“, erklärte Altgeselle Werner Kirscht. „Acht Berufe gehören dieser Zunft an: Maurer, Zimmerer, Steinmetze, Dachdecker, Schreiner, Betonbauer, Steinsetzer und Holzbildhauer“, sagte er weiter. Die Tradition reiche bis ins Jahr 1891 zurück. Seit jener Zeit tragen die Rolandsbrüder einen Schlips, der „blaue Ehrbarkeit“ genannt wird und ziehen durch die Lande. Auch heute sei die Tradition noch lebendig. „Die Wanderschaft hilft bei der Weiterbildung auf beruflicher Ebene und bei der Persönlichkeitsentwicklung der jungen Männer“, so Kirscht.


Genau dafür bereit war Dominic Thier, der zum Abschied über den steinernen Löwen am Ortseingang Leipzigs kletterte und sich danach festen Schrittes auf den Weg machte. Umdrehen durfte er sich nicht – trotz diverser Schluchzer von Freunden und Familienangehörigen. Begleitet wurde Thier von Alexander Sarnow, der bereits seit zweieinhalb Jahren auf der Walz ist. Bereits vor vier Wochen verabschiedete sich Tony Hegen auf die gleiche Art. „Der ist jetzt auf Fehmarn und verdingt sich als Bühnenbauer“, so Werner Kirscht. Und von Christian Kleine, der vor einem Jahr loszog, hörte man, er sei nun in Bamberg.

Erschien am 31. August 2010 in der Leipziger Volkszeitung.

Arbeitsagentur verkennt Bedarf bei Pflegekräften

Frank Gürtler ist frustriert. Der 35-jährige Leipziger ist Altenpflegehelfer und möchte sich zum examinierten Altenpfleger weiterbilden. Die Arbeitsagentur Leipzig, bei der Gürtler derzeit gemeldet ist, verweigert aber die Übernahme der Kosten. Ein Grund dafür sei die laut Agentur nicht zu erwartende Fachkräftenachfrage in diesem Beruf. Pflegeverbände werfen der Behörde mangelnde Kompetenz vor.

Seit 2006 arbeitet Frank Gürtler als Altenpflegehelfer. Zuletzt war er bei der Hauskrankenpflege Susann Julius in Wiederitzsch tätig, absolvierte vor allem Nachtschichten. „Dort war man nach kurzer Zeit zufrieden mit mir. Allerdings sei der Bedarf an Fachkräften höher, weshalb ich als Helfer keine Zukunft hatte“, sagt er. Als er den Entschluss fasste, sich zur Fachkraft weiterbilden zu lassen, bekam Gürtler von dem Unternehmen die Zusage, dort seine praktische Ausbildung durchführen zu können. Auch eine Einstellungszusage wurde ihm ausgestellt, sollte er die Weiterbildung erfolgreich beenden. „Ich war total euphorisch und mir sicher, dass die Arbeitsagentur die Kosten dafür übernehmen wird, da meine Integration ins Berufsleben bereits gesichert ist“, schildert er.

Doch so einfach gestaltete sich die Sache nicht. (more…)

Privatradios zeigen bei Hochwasser, was sie können

Sie sind als Dudelfunker verschrien. Auch ich kritisiere immer mal wieder die sächsischen Privatradios. Wenn es aber drauf ankommt, können sie durchaus auch etwas leisten. Mit eigenen Redaktionen, ohne von der Zeitung abzuschreiben, was die Print-Kollegen gern mal den Radiojournalisten vorwerfen.

Beispiel: Die Flut im Osten Sachsens. Von Freitag zu Sonnabend verschärfte sich die Situation in Görlitz. Auch Chemnitz in Zittau waren betroffen. „Wir haben dann sofort den Automatismus rausgenommen und auf unseren Lokalstationen über die Katastrophe berichtet“, sagt Matthias Montag, Programmchef der BCS Sachsen, zu der die Lokalradios wie Radio Leipzig, Radio Dresden etc. und Hitradio RTL gehören. „Wir hatten bis Sonntag und auch zu Wochenbeginn locker zehn Reporter unterwegs, die sowohl die Lokalradios als auch RTL mit Informationen versorgten“, berichtet Montag weiter. Reporter Gunnar Tichi von Radio Zwickau hätte sogar die Schulanfangsfeier seiner eigenen Tochter unterbrochen, um in den Sender zu eilen.
Bei Radio Lausitz wurde am Sonntag das Programm komplett umgestellt. „Die Station wurde vom Mantel abgekoppelt und bekam ein eigenes Sonderprogramm. Wir fanden das angebracht und wichtig. Wenn Leute evakuiert werden müssen, woher sollen sie dann aktuelle Infos bekommen, wenn nicht von uns“, so Montag, der die Leistung seiner Redaktion als „großartig“ bezeichnet. „Das war Radio, wie es sein sollte. Schnell und aktuell, aber trotzdem zurückhaltend seriös“, meint er. Auch online sei das Thema begleitet worden, vor allem auf der Website von Radio Lausitz hätte es zudem viele Hörerkommentare gegeben.

Auch bei Radio PSR und R.SA habe man schnell reagiert, sagt Sprecher Nico Nickel. „Ab Sonnabend hatten wir es in den Nachrichten, gleichzeitig machte sich Falk Lange, unser Landeshauptstadtreporter von Dresden nach Niesky auf, um für beide Sender zu berichten“, sagt er. Hörer hätten sich gemeldet und Augenzeugenberichte geliefert. „Das war weit mehr Wortanteil als wir normalerweise an einem Sonntag haben“, so Nickel. PSR-Programmchef Ulrich Müller sei ab 7 Uhr im Sender gewesen, um die Berichterstattung zu koordinieren. Bei R.SA konzentrierte man sich neben der On-Air- auch auf die Online-Begleitung der Flut. „Auf unserer Facebook-Seite haben wir das Thema begleitet, es fand auch hier Interaktion mit dem Hörer statt“, erzählt Nickel. Nur die Spielshow um 12 Uhr am Sonntag bei R.SA wurde nicht gekippt. „Das sind langfristige Verträge, die wir einhalten müssen. Zudem geht die Sendung nur 15 Minuten, weshalb wir uns entschieden haben, sie zu senden“, so der Sprecher.

Parkplatzpächter lässt abschleppen

Stellfläche an Karl-Große-Straße wird vermarktet / Pächter lässt abschleppen und erhebt Vertragsstrafe

Taucha. In der Stadt gibt es ab sofort weniger Parkplätze. Nachdem das Parken in der Karl-Große-Straße jahrelang geduldet war, weist seit Neuestem ein Schild am Grundstück darauf hin, dass hier Stellplätze zu mieten seien. Unberechtigtes Parken löse eine Vertragsstrafe von 30 Euro aus, zudem müsse damit gerechnet werden, dass der Wagen abgeschleppt wird.

Kinobesucher, Patienten der umliegenden Ärzte, Kunden der Apotheke oder Besucher von Anliegern parken seit vielen Jahren auf der großen Stellfläche an der Karl-Große-Straße. Ein kleines Schild wies bislang darauf hin, dass dies ein Privatgrundstück ist. Abkassiert wurde allerdings nie. „Das Parken haben wir dort bislang geduldet“, sagt Axel Fischer, Geschäftsführer des Tauchaer Modehauses, dem als Teil einer Erbengemeinschaft das Grundstück gehört. „Weil Grundsteuer, Regenwasserabgabe und Reinigung aber Geld kosten, haben wir uns jetzt entschlossen, den Platz zu vermarkten“, erklärt er.

Die Vermarktung übernimmt das Unternehmen Wemax aus Halle/Saale. Und dieses lässt Falschparker gnadenlos abschleppen, wie Inhaber Torsten Märker erläutert: (more…)

Mein BASE ist auch Dein BASE – ob Du willst oder nicht

Seit Februar nimmt E-Plus keine Neukunden mehr für Laufzeitverträge auf, sondern bietet stattdessen das Produkt BASE an. Dieses heißt neuerdings “Mein BASE”, kommt ohne Monatspaketpreis, dafür aber mit immer noch zu teuren Minutenpreisen daher. 19 Cent pro Minute in alle deutschen Netze und 19 Cent pro SMS sind heutzutage einfach nicht mehr am Markt orientiert. Da retten auch die Flatrates nichts.

Was also tun, scheint sich E-Plus Service zu fragen – und hat offenbar eine Lösung gefunden. Kunden, die etwa ihren bisherigen BASE-Vertrag kündigen, werden einfach in “Mein BASE” gedrückt, ob sie wollen oder nicht. So geschehen jetzt meiner Mutter. Diese hatte ihren Vertrag gekündigt, Ende September sollte die Frist sein. Die Rückholer von E-Plus ließen nicht lange auf sich warten und meldeten sich nun telefonisch. Man habe ein tolles Produkt namens “Mein BASE”, ob sie es sich nicht nochmal überlegen wolle. Nein, antwortete meine Mutter entschieden, mit Verweis auf die teuren Tarife. Auch nach den zubuchbaren Flats ist man noch immer zu teuer, erklärte sie der Anruferin von EPlus Service und lehnte dankend ab.

Nun kam aber der Trick: “Ich entlasse Sie jetzt sofort aus dem Vertrag. Aus Kulanz.” Das klang sicher gut, hatte nur einen Haken: Die E-Plus-Anruferin macht das nicht aus Nächstenliebe. Auf die mehrmalige Nachfrage meiner Mutter, ob sie nun wirklich vorzeitig aus dem Vertrag sei und ab sofort nichts mehr zu zahlen habe, wurde dies bestätigt. Wer wird da wohl ablehnen.

Zwei Tage später dann ein Schreiben von BASE. “Sie haben sich an das unbeschwerte Telefonvergnügen bei BASE gewöhnt und möchten die guten Konditionen nicht aufgeben. Das freut uns sehr…” Danach die Mitteilung, dass der Mobilfunkvertrag “wunschgemäß” kostenfrei in den “Mein BASE” umgestellt wurde. “Ihr E-Plus Service Vetrag wird um weitere 24 Monate verlängert. Ihre Kündigung wird damit gegenstandslos und gilt als aufgehoben.”

So geht das also: Wenn Kunden aufgrund zu hoher Preise und schwachbrüstig ausgebautem Netz davonlaufen, lügt man ihnen am Telefon einfach Dinge vor, lässt Details weg und erklärt daraufhin die Kündigung des Kunden für nichtig. Äußerst feinfühlig.

Meine Mutter hat nun einen Widerruf inklusive Beschwerde über die Mitarbeiterin geschrieben, in der Hoffnung, dass E-Plus wenigstens dieses versteht.

Update: Nach wenigen Stunden meldete sich BASE/E-Plus bei mir und meiner Mutter. Die Angelegenheit wird nun geklärt, die Vertragsverlängerung wurde bereits storniert.

Update 2: Die Vertragsverlängerung ist zwar storniert, allerdings weigert sich BASE, das Versprechen einzuhalten, meine Mutter vorzeitig aus dem Vertrag zu entlassen. Die Fachabteilung hätte geprüft und meint, das ginge nicht. Glaube ich nicht. Wir sind uns sicher, dass da was geht…

Update 3: Nach einigen Wochen gibt es nun eine Klärung: Es wird Gutschriften geben, die dafür sorgen sollten, dass bis zum Jahresende nur noch Nullrechnungen entstehen.

Starke Schwankungen und harte Arbeit

Nachbetrachtungen zur sächsischen MA 2010 Radio II

Zweimal im Jahr gibt es für Radiomacher “Zeugnisse”. Konkreter: Zahlen, anhand derer nachgewiesen werden soll, wie hart man gearbeitet habe, um dem Hörer ein gutes Programm zu bieten. Die Mediaanalyse im Juli gilt dabei als preisbildend, weil anhand dieser Zahlen die Werbepreise festgelegt werden.

Logo: Energy SachsenInsofern dürfte vor allem Energy Sachsen freuen, was die Arbeitsgemeinschaft Mediaanalyse (AG.MA) diesmal errechnet hat: Der Sender gewann demnach 25.000 Hörer in der Durchschnittsstunde dazu und liegt nun bei 56.000 Hörern, nachdem man zur MA 2010 Radio I nur 31.000 Hörer vorweisen konnte. Das entspricht einem Plus von 81,6 Prozent (alle Zahlen bezogen auf Sachsen, Gesamtzielgruppe). Bezogen auf den gesamtdeutschen Markt liegt die Steigerung gar bei 87,7 Prozent. Schaut man sich die Zielgruppe 14-49 Jahre an, gewinnt das kleine Energy 97 Prozent hinzu, bei den 14-19-Jährigen sind es knapp 102 Prozent und bei den 20-29-Jährigen 115 Prozent.

Bei derart großen Zugewinnen liegt die Frage nahe, wie diese zustande kommen. Geburtenknick passé? Bei der AG.MA erklärt man das so: “Bei so kleinen Sendern in kleinen Bundesländern sind die Schwankungen normal und im Bereich der Schwankungsbreiten durchaus zulässig. Das ist normale Statistik. Bei der vergangenen MA hatte Energy Sachsen stark verloren, nun gewinnen sie eben wieder. Das lässt sich nicht näher erklären und wir enthalten uns einer Stellungnahme, warum die Zahlen nun besser ausgefallen sind”, so ein Sprecher der AG.MA.

Bei Energy Sachsen sieht man die Sache erwartungsgemäß klarer. Nico Nickel, Sprecher des Medienzentrums Leipzig am Markt, in dem Energy zusammen mit Radio PSR und R.SA sitzt, sagt: “Die neue Mannschaft, die im August 2009 mit Programmchefin Carola Jung aufgestellt wurde, bekommt nun ihr erstes Zeugnis. Diese MA betrachtet ja den Herbst und das Frühjahr und zeigt, dass Energy ein junges Radio macht. Die klare Ausrichtung auf “Hit Music only” wird von der Zielgruppe goutiert. Die Hörer bekommen nun wieder das, was ihnen Trailer und Programm versprechen”, sagt er. Diese Kontinuität herrsche nun ein Jahr vor und würde sich auszahlen. Einen Anstieg der Hörerzahlen habe man bei Energy bereits vorausgesehen. “Das hatten wir bereits mit der im Blick und konnten erahnen, dass es wieder besser wird. Überraschend ist natürlich die Höhe des Anstieges, die nun aber die Vermarktung wieder etwas leichter macht”, so Nickel.

Bei aller Freude zeigen die Zahlen und die starken Zuwächse von rund 100 Prozent aber vor allem eines auf: Die Fehler in der Methodik der Mediaanalyse. Wie sollen Sender und vor allem Werbetreibende vernünftig langfristig planen, wenn einem die März-MA katastrophale Ergebnisse und die Juli-MA passend zum Wetter eitel Sonnenschein beschert? Vor allem Jugend- und kleine Sender klagen seit Jahren über die Methodik. Zur Erhebung der Einschaltquoten werden von den beauftragten Callcentern nur Festnetzanschlüsse angerufen. In Zeiten günstiger Prepaid-Angebote und einer Zielgruppe, die so mobil wie nie ist, gleicht die Abfrage für Jugendwellen einem Kampf Davids gegen Goliath. Während die eigenen Eltern und Großeltern am Festnetz befragt werden, welchen Sender sie hören, geht die MA an den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen schlichtweg vorbei.

“Maulkorb” für Online-Werbeträger

Jubeln verboten? Weil die AGOF ihre Erhebungen angepasst hat, dürfen ihr angeschlossene Website-Betreiber ihre Zugriffszahlen zwar nennen, aber nicht vergleichen. Das Portal spieletipps.de fühlte sich daraufhin zu einer witzigen Pressemitteilung veranlasst.

Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) erfasst die Reichweiten von Websites und will nach eigener Definition das Internet zum transparenten und planbaren Werbeträger machen. Damit das in Zukunft besser gelingt, wurden für die neuerliche “Markt-Media-Studie” internet facts 2010-I Anpassungen vorgenommen.

Bislang ging man davon aus, dass ein Nutzer das Internet über verschiedene Wege besucht und sich dafür an mehr als einen Ort begibt oder an einem Ort zwei Rechner nutzt. Das machte aus dem Nutzer einen MultiClient-Nutzer, weil er mindestens zwei Zugangswege zum Internet fand. Neu ist nun, dass davon ausgegangen wird, dass Nutzer das Internet “von mehr als einem Ort aus nutzt und beziehungsweise oder mit mehr als einem Browser pro Rechner online geht”. Bis zu vier Clients sind es nun, die pro Nutzer zugrunde gelegt werden. Was zur Folge hat, dass die Anzahl der MultiClient-Nutzer von bislang 37 Prozent auf nun etwa 75 Prozent stieg.
Außerdem wurde (analog etwa zur Radio-MA) die neue Grundgesamtheit zugrunde gelegt. Neben der bislang deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren werden auch bei der AGOF EU-Ausländer und andere deutschsprachige Ausländer in der Grundgesamtheit erfasst und abgebildet.

Aufgrund dieser Änderungen dürfen die neuen Ergebnisse allerdings nicht mit bisherigen verglichen werden – einfach, weil sie nicht vergleichbar sind. Jubeln über Zuwächse ist den Anbietern, trotz wirklicher Zuwächse, also verboten. Weil diese Rechnerei und theoretischen Annahmen niemandem zu vermitteln sind, fühlte sich das Portal spieletipps zu einer witzigen Pressemitteilung berufen, die ich hier ungekürzt veröffentliche.
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Zurück in die Zukunft

Ostprodukte sind im Jahr 20 nach der Wende angesagter denn je. Ob Konsumgüter oder Industriewaren – es wird wieder “Ost” gekauft. Doch es genügt nicht, nur auf die Herkunft zu setzen.

Im Frühjahr 2005 verhalf ausgerechnet eine TV-Castingshow einem Ostprodukt zum Erfolg in Gesamtdeutschland. Unter dem Namen Nu Pagadi feierte damals die Gewinnerband des Pro-Sieben-Formats „Popstars“ erste Erfolge. Den gleichen Namen trägt ein Produkt aus dem sächsischen Radebeul. „Plötzlich war unsere Frühstückscreme Nu Pagadi sprichwörtlich in aller Munde“, erinnert sich Karl-Heinz Hartmann, Geschäftsführer der heutigen Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren. Nach 14 erfolgreichen Jahren in den neuen Bundesländern wagte der Manager mit seinen Nudossi-Produkten die Ausweitung des Verkaufsgebietes auf verschiedene Länder im Altbundesgebiet.
Die Popband existierte nur ein Jahr. Nudossi dagegen wird – nach zwischenzeitlich überstandenem Insolvenzverfahren – noch immer verkauft, auch im Westteil der Republik. Im Jahr 2009 stieg der Umsatz des Unternehmens um zehn Prozent. Was nicht allein dem „Ostbonus“ zu verdanken sei, wie Hartmann meint: „Vor allem die jungen Menschen interessiert es nicht, ob wir eine ehemalige DDR-Marke sind. Die wollen Qualität und genau darüber profilieren wir uns“, sagt er. Ein Konzept, das aufzugehen scheint: Ein Test der Zeitschrift Öko-Test bescheinigte Nudossi qualitativ hochwertige Inhaltsstoffe und zeichnete die Nuss-Nougat-Creme mit einem „sehr gut“ aus. Das Konkurrenzprodukt Nutella bekam dagegen nur den Stempel „gut“.
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Ready to launch oder: Huracan – der Selbsttest

Ich bin kein großer Karussell-Fan. Ich mag es nicht, wenn sich alles dreht, ich nicht mehr weiß, wohin ich schauen soll und ich nur noch hoffe, dass es schnell vorbei ist. Aber ich mag Achterbahnen. Als kürzlich der 5fach-Looping auf der Kleinmesse war, bin ich mehrfach gefahren. Der Adrenalin-Kick und das Dauergrinsen danach sind nicht zu beschreiben. Überschläge, Drehungen, Ruckeln oder sonstiges machen mir nichts aus.


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Heute bot sich wieder die Gelegenheit dafür. Bei Belantis wird seit April eine neue Achterbahn gebaut. Huracan ist der Name der neuen, großen Achterbahn, die ab Sonnabend für jeden zugänglich ist. Der rote Rollercoaster steht gleich am Anfang des Freizeitparks. Er ist die erste Attraktion der achten Themenwelt, die in den nächsten Jahren entsteht. Das “Reich der Sonnentempel” soll das Land Südamerika repräsentieren, zehn bis zwölf Millionen Euro will Belantis in diese Welt investieren. Huracan allein wird mit etwa fünf Millionen Euro zu Buche schlagen, heißt es.

32 Meter hoch, fünf Überschläge, maximal 85 Kilometer pro Stunde. Soweit die Fakten. Jetzt zum Selbsttest, denn ich wollte unbedingt mitfahren. Zuerst allerdings durften sechs mehr oder weniger bebuste Mädels erst den Fotografen und Kameramännern schöne Augen machen und danach die Achterbahn einweihen. Mit gellenden Schreien und fröhlich winkenden Armen.

Danach, endlich, die Gelegenheit, Huracan auszuprobieren. Schön groß sind die Wagen, in die jeweils sechs Personen passen. Das so genannte “Cinema-Seating” sorgt dafür, dass auch die hinteren Passagiere alles sehen – sie sitzen leicht höher als ihre Vordermänner. In den schick angemalten Wagen fühlt man sich gleich wohl. Die Sitze sind weich, der große Haltebügel, den man selbst von oben vor den Körper ziehen muss, fühlt sich ebenfalls gut an und gibt ein Gefühl von Sicherheit. Dann fährt der Wagen aus dem Bahnhof. Eine kleine Rechtskurve und schon steht man kurz vor dem 32 Meter hohen Liftturm.

Beeindruckend und erhaben steht er da. Und wartet darauf, einen mit hinauf zu nehmen. Ganz langsam bewegt sich das Kettenband, plötzlich ein Ruck. Der Wagen wird angezogen und neigt sich in die Senkrechte. Wir liegen und blicken in den Himmel. So in etwa müssen sich Astronauten fühlen. Wissend, dass sie gleich tausende Kilometer von daheim entfernt und der Technik ausgeliefert sind, nicht mehr zurück können. Etwa fünf Sekunden später neigt sich der Wagen wieder in die normale Position. Für einen kurzen Moment genieße ich die Aussicht über Belantis. Doch ich komme nicht dazu – der Wagen stürzt in die Tiefe. Schreie, Panik, Adrenalinausstoß, ein breites Grinsen im Gesicht. 95 Grad beträgt die Neigung, mit der es abwärts geht, steiler als Senkrecht. Danach folgen Überschläge, Rollen, Schrauben. Bevor man es richtig realisiert, ist alles schon wieder vorbei.

“Nochmal, nochmal”, schreit das Adrenalin im Körper. “Muss nicht unbedingt”, sagt der Kopf, der während der Fahrt mehrfach an den Gummi des Haltebügels prallte. Doch nicht ganz so weich. Okay, noch einmal also. Wieder rauf, Aussicht, runter, schreien, überschlagen, drehen, rollen, schrauben. Als der Wagen im Bahnhof ankam, fühlte ich etwas flaues im Magen, bekam für einen Moment Kopfschmerzen und mir wurde plötzlich warm. Nach dem Aussteigen musste ich einige Sekunden das Laufen wieder üben. Aber: Es hat Spaß gemacht und ich bin sicher nicht das letzte Mal gefahren.

Was ich derzeit noch als Problem sehe: Wenn man im Bahnhof ankommt, stehen mindestens zwei Wagen vor einem. Deren Passagiere müssen erst aussteigen und neue zusteigen, bevor man selbst aussteigen kann. Das könnte sich als Staufalle erweisen, gerade wenn großer Andrang herrscht. Was mit Sicherheit passieren wird, wenn am Sonnabend die Attraktion offiziell eröffnet. Um keinen Frust bei den Besuchern aufkommen zu lassen, soll es ein Ticketsystem geben: Das so genannte Fastride-System funktioniert wie das Nummern ziehen beim Amt. Jeder Gast kann täglich einmal kostenfrei einen Zeitpunkt bestimmen, an dem er ohne Anstehen über einen gesonderten Eingang fahren darf. Das System stamme aus den USA, wo es meist mit Zusatzkosten verbunden sei.

Noch mehr Fotos gibt es im Flickr-Account von Belantis.

O2 will keine Kunden mehr

Anders als in der Überschrift dargestellt kann ich mir nicht erklären, wieso O2 plant, die Kopplung von Handy und Notebook – neuerdings “Tethering” genannt – zu verbieten. Damit schickt O2, wie René von mobiflip.de es so schön ausdrückt, seinen eigenen Datentarif in die Steinzeit.

Kann denn keiner der Netzbetreiber mehr zuhören und einfach das machen, was der Kunde will? Gerade Mobilfunkanbieter leiden nun wirklich an allem, aber nicht an Geldnot. Was also bitte soll der Mist? Nehmt Euer vieles Geld, investiert es in zuverlässige Technik und freut Euch über zufriedene Kunden. Ist das so schwer?

Und vor allem: Was heißt das nun für FONIC? Wird man dort künftig auch derart geknebelt? Ich hoffe doch sehr auf die Vernunft von O2.


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Dies ist das Weblog von Daniel Große. Ich bin freier Journalist in Leipzig und veröffentliche hier ausgewählte Referenzen sowie private und berufliche Ansichten und Ereignisse. Außerdem übe ich Kritik an Online-, Print-, TV- und Rundfunkmedien oder mache mich schamlos über missglückte Pressemitteilungen und eigenartige Unternehmens-PR lustig. Das klingt nach dem, was es ist: ein unterhaltsames Blog mit breitem Themenspektrum ohne irgendeine Spezialisierung.
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