von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
12. 03. 2010 08:55
“Beim Thema blöde Witze bin ich ja recht weit vorn”, schreibt Freund und Kollege Thomas Gigold im AMI-Blog-Artikel über den Dacia Duster. Es ist einer der ersten Artikel für die AMI Auto Mobil International, die wir mittlerweile im vierten Jahr mit einem Weblog betreuen. Thomas’ Artikel zeigt eins ganz deutlich: Wir leben Blogs. Und nehmen uns selbst gern auf die Schippe. Trotzdem bleiben wir immer dem Thema treu und sind nah am Leser. Ich glaube, in von uns betreuten Messeblogs spürt man dies ganz deutlich.
In diesem Jahr wollen wir von Autobloggern und Persönlichkeiten wissen, welches Auto ihr erstes war. Denn im Jubliäumsjahr – die AMI wird 20 – dreht sich alles um die Liebe zum Auto. Den Anfang habe ich mit einem Artikel über meinen Toyota Starlet und dessen tragisches Ende gemacht. Außerdem wollen wir zurückblicken auf 20 Jahre AMI und 20 Jahr automobile Geschichte. Unter anderem werden die besten Autos 1991 in einer Umfrage ermittelt. Und wir wollen die schönsten und verrücktesten Fotos der AMI-Besucher aus den letzten 20 Jahren sehen. Dazu gibt’s natürlich alle Premieren und das wichtigste rund um AMI, die Werkstattmesse AMITEC und die neue AMICOM, die sich der Elektronik im Auto widmet.
Und wenn’s passt, werden wir auch weiter blöde Witze reißen.
05. 03. 2010 10:49
Zum Gelben Branchenbuch habe ich nun auch einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung veröffentlich. Neben bereits bekannten Fakten finden sich hier auch Zitate der IHK Leipzig und von DeTeMedien.
Teurer Eintrag ins Branchenbuch
IHK Leipzig warnt vor Angebot einer ausländischen Firma / Gelbe-Seiten-Herausgeber prüft rechtliche Schritte
Zahlreiche Unternehmer haben in den vergangenen Tagen eine E-Mail erhalten, die teure Folgen haben kann. Unter dem Betreff “Ihr Eintrag im Branchenbuch 2010/2011″ bittet eine Firma um Bestätigung der Daten und Rücksendung an eine Frankfurter Faxnummer. Wer dieser Bitte nachkommt, dessen Unternehmensangaben stehen dann allerdings nicht in den bekannten Gelben Seiten der Deutschen Telekom, sondern auf einer weitgehend unbekannten Internetseite. Kostenpunkt: 780 Euro jährlich bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren.
Die Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) beurteilt das Angebot skeptisch. Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann spricht von “dubiosen und unseriösen Eintragungsofferten”. Zahlreiche Mitgliedsunternehmen hätten sich über das Branchenbuch und die Verantwortlichen beschwert.
Wer bereits unterschrieben hat, dürfte den geschlossenen Vertrag mit der GBB Limited, die laut eigenen Angaben auf den Marshallinseln sitzt, nur schwer wieder los werden. Die GBB gibt als Gerichtsstand Prag an. Auf der Internetseite finden sich weder Impressum noch Kontaktmöglichkeit. Wer genau hinter dem Angebot steckt, lässt sich nicht herausfinden.
Vor zwei Jahren war die Ucalegon Limited aus Bangkok Anbieter des Gelben Branchenbuchs. In den aktuell versendeten Schreiben findet sich dieses Unternehmen wieder: Als Autor des PDF-Dokumentes ist die Ucalegon vermerkt. Zudem bestehen laut Aussage geschädigter Unternehmer Verbindungen zu einem internationalen Inkassobüro mit Geschäftsstellen in Hongkong, Prag, Panama und Johannesburg.
“Leider kann man derartiger Machenschaften nur schwer habhaft werden”, sagt Hofmann. “Wir können nur immer wieder an die Unternehmen appellieren, derartige Angebote mit Angaben wie einem exotischen Firmensitz oder einem fehlenden Impressum vor Unterschriftsleistung genau unter die Lupe zu nehmen und bei Zweifeln nach der Prüfung die Finger davon zu lassen.”
Tatsächlich lohnt sich ein genauer Blick. Wie Stichproben dieser Zeitung ergaben, sind die Suchergebnisse auf der Internetseite www.gelbesbranchenbuch.com veraltet oder fehlerhaft. In Großstädten werden in vielen Branchen nur sehr wenige Einträge gefunden. Zudem ist die Internetseite entweder sehr langsam oder nicht zu erreichen. Bei der Recherche nach Einträgen werden dem Nutzer sehr oft kryptische Fehlermeldungen präsentiert.
Die Deutsche Telekom Medien (DeTeMedien), die in Deutschland Telefon- und Branchenbücher herausgibt, sieht die Branchenbuch-E-Mails als Verletzung der Markenrechte an “Gelbe Seiten” und der Farbe Gelb, wie Markenmanager Michael Hein sagt. “Leider sehen wir uns häufig damit konfrontiert, dass dritte Unternehmen sich an die Bekanntheit und den guten Ruf unseres Produktes anzulehnen versuchen. Er kündigte an, dass die Telekom “alle gebotenen rechtlichen Schritte” einleiten werde, “um die entsprechenden Aussendungen zu stoppen”.
Fachleute raten Firmeninhabern, die sich dennoch für einen kostenpflichtigen Eintrag interessieren, dass sie Reichweite und Zielgruppe eines Branchenverzeichnisses klären sowie den Herausgeber fragen, ob die Auflistung auch in gedruckter Form erscheint. Leipziger Unternehmer, die sich unsicher sind, können sich an die Rechtsabteilung der IHK Leipzig wenden.
Erschien am 5. März 2010 in der Leipziger Volkszeitung.
22. 02. 2010 13:12
Im Mai 2008 warnte ich bereits schon einmal vor dem “Gelben Branchenbuch”, das auf gelbesbranchenbuch.com eine Website bereitstellt, die vorgibt, eine Branchenauskunft zu sein. Um die dort zu findenden Einträge in bezahlte Premium-Einträge zu wandeln, versandte der Betreiber, die Ucalegon Ltd., per E-Mail Korrekturabzüge, die man nur kontrollieren und zurückfaxen solle. Wer hier nicht aufpasste, in der Annahme, es handele sich um einen wirklichen Korrekturabzug der richtigen Gelben Seiten, wurde schnell viel Geld los: 780 Euro jährlich bei einer Laufzeit von zwei Jahren, zahlbar im Voraus. Eine Gegenleistung, die diese Summe rechtfertigen würde, gab es nicht. Im Gegenteil: Die Website ist ständig nicht erreichbar, Suchabfragen führen ins Nichts oder dauern ewig. Die Verantwortlichen haben so ihre Probleme mit dem Zend Framework.
Jetzt, im Februar 2010, gibt es offenbar eine neue Welle vom Gelben Branchenbuch. Wieder werden mittelständische Firmen, Freiberufler und offenbar, wenn ich meinen Website-Statistiken Glauben schenken darf, auch börsennotierte Unternehmen angeschrieben. Die Masche ist die Gleiche. Das Gelbe Branchenbuch teilt in der Mail mit, man informiere “gemäß §33 des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes” über den Eintrag im “Gelben Branchenbuch 2010/2011″. Dass es sich dabei nicht etwa um ein Druckerzeugnis, sondern nur um eine schlecht gemachte Website handelt, darauf geht der Versender in der Mail nicht ein. Danach folgen einige Angaben zur Firma, bei der entweder Faxnummer oder Internetadresse fehlen. Außerdem bittet man um Prüfung des Anhangs, den man “gegebenenfalls retournieren” solle.
Der Anhang ist ein PDF-Dokument, auf dem unter der Überschrift “Eintragungsantrag” die Daten des einzutragenden Unternehmens wiederholt werden. Außerdem wird rechts daneben eine Laufzeit angegeben, die zwei Jahren entspricht. Auch in der darunter Leistungsbeschreibung ist von zwei Jahren Laufzeit die Rede. Der Preis blieb stabil: 65 Euro im Monat, sprich 780 Euro im Jahr. Eine Kündigung sei drei Monate vor Ablauf des Vertragszeitraumes schriftlich möglich. Außerdem wird hier die Domain gelbesbranchenbuch.com als Veröffentlichungsmedium für den Eintrag genannt. Allerdings kann sich, so ist zu lesen, die “Internetveröffentlichungsdomain” auch ändern. Heißt: Die Firma, die gelbesbranchenbuch.com betreibt, kann von heute auf morgen die Domain dicht machen und die gesammelten Daten unter einer anderen Website veröffentlichen. Auch steht in der Leistungsbeschreibung, dass der Auftragnehmer berechtigt ist, die Forderungen ganz oder teilweise an Dritte abzutreten. Heißt: Wer zahlen muss, bekommt möglicherweise von so genannten Factoring-Firmen seine Rechnung. Zu beachten ist auch: Wie bereits 2008 steht in dem PDF-Dokument, dass tschechisches Recht gilt und der Gerichtsstand Prag ist.
Vertragspartner ist die so genannte GBB Ltd., die ihren Sitz in Majuro auf den Marshall Islands im Nordpazifik hat. War mir neu, dass die Marshall Islands zu Tschechien gehören – oder wieso glaubt diese Unternehmen, tschechisches Recht anwenden zu können?
Wir halten also fest: War es 2008 noch die Ucalegon Ltd. mit Sitz in Bangkok, die diese Schreiben verschickte, ist es heute die GBB Ltd. mit Sitz in der Hauptstadt einer idylischen Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Was allerdings verwundert: Im PDF-Dokument sind noch immer Spuren der Ucalegon Ltd. zu finden. Der Firmenname steht in den Meta-Daten bei “Verfasser” bzw. “Author”. Auch wurde offensichtlich vergessen, den Titel des PDFs zu ändern. Hier steht immer noch “Unser Angebot 2009″. Ob das nun heißt, dass die Ucalegon Ltd. noch immer für den Versand der “Angebote” verantwortlich ist, weiß ich nicht.
Was allerdings sicher ist: Dieses PDF-Dokument sollte man natürlich NICHT an die genannte Faxnummer mit Frankfurter Vorwahl senden. Denn was dann folgt, ist eine Rechnung über die genannten 780 Euro jährlich bei Laufzeit von zwei Jahren, sprich also 1560 Euro bzw. 1856,40 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) bei quasi nicht vorhandener Gegenleistung. Denn selbst, wenn die Website gelbesbranchenbuch.com mal wider Erwarten funktioniert: Die Daten vieler Firmen stehen längst drin, auch ohne Abzock-Eintragung zu überhöhten Preisen.
Update: Einen guten Eindruck von der Seriosität der Website gelbesbranchenbuch.com bekommt man übrigens auch, wenn man sich den Quelltext der Website anschaut. Dort wird auf eine CSS-Datei gelinkt, die sich offenbar im Verzeichnis “versautesschlafzimmer” befindet.
Update II: Wenn ich oben schrieb, “die Daten vieler Firmen stehen längst drin”, dann heißt das natürlich nicht, dass das Gelbe Branchenbuch ein ernst zu nehmendes Verzeichnis wäre. Im Gegenteil. Die Suche nach zum Beispiel “Malermeister” in Leipzig bringt gerade mal drei Treffer – bei gelbeseiten.de sind es 128. Ich wollte es gerade gern noch mit “Schlüsseldienst” versuchen, aber gelbesbranchenbuch.com ist schon wieder nicht erreichbar, bzw. produziert PHP-Fehler, so wie auch beim Bestellvorgang eines Premium-Produktes.
Update III: Auch in Österreich ist das Gelbe Branchenbuch weiterhin aktiv. Dort sind es laut OTS gleich drei Jahre, die man sich binden soll. Schreiben, die an österreichische Firmen gesandt werden, tragen offenbar noch die Ucalegon Ltd. als Absender. Zudem teilt der Herausgeber der Pressemitteilung, die Herold Business Data GmbH, meinen Eindruck, dass das Gelbe Branchenbuch ein fehlerhaftes bzw. unvollständiges Verzeichnis ist.
Update 23. Februar: Die Ucalegon Ltd. hat auf die Pressemitteilung des “Herold” reagiert. Mit einer launischen Gegenerklärung.
Update 25. Februar: Die genannte Pressemitteilung der Ucalegon ist nicht mehr auf news4press.com und firmenpresse.de zu finden. Offenbar hat der Herold die Löschung verlangt.
Update 27. Februar: Unglaublich. gelbesbranchenbuch.com hat ein Update erfahren. Ein neues Design, neuer technischer Hintergrund und bessere Suchergebnisse. Nach wie vor aber ohne Impressum und klare Angabe, an welche E-Mail-Adresse das Kontaktformular gesendet wird. Zudem sei nun ein Eintrag zum Null-Tarif möglich. Am Button “Jetzt buchen” ist ein Sternchen zu sehen. Erklärt wird dieses Sternchen nirgends. Dafür scheinen die Programmierer Humor zu haben. Und Ostdeutsche zu sein. Das Hintergrundbild zum “kostenlosen Basiseintrag” wurde nach der DDR-Fernsehserie “Du und Dein Garten” benannt. Nach wie vor muss allerdings gesagt werden: Wie das Gelbe Branchenbuch versucht, an Premium-Kunden zu kommen, ist unlauter und unseriös. Ob 65 oder 99 Euro für die gebotenen Leistungen angemessen sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Update 1. März 2010: Nun gibt es auch ein Impressum. Herausgeber des Gelben Branchenbuches ist demnach eine MCP Holding Ltd. aus Belize in Südamerika. Zudem suchen die Verantwortlichen jetzt nach den fünf besten Antworten auf die Frage, warum ihr Produkt besser ist als die Konkurrenz. Unfassbar, die nehmen sich tatsächlich sehr ernst.
18. 02. 2010 01:14
In den vergangenen Wochen haben wir alle ziemlich geschimpft über die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Uns lustig gemacht über die neue Website, das schlimme PR-Sprech des Marketingchefs und des Pressesprechers. Danach folgte ein Webmontag, auf dem man zumindest Besserung gelobte, wenngleich der Großteil der finanziellen Mittel für die Website aufgebraucht seien. Immerhin: Seit wenigen Tagen ist lvb.de ein wenig bunter geworden und die beleidigenden Piktogramme sind zumindest teilweise verschwunden. Ein guter Schritt in die richtige Richtung.
Und da wir Webworker und Journalisten grundgute Kerle durch und durch sind, gibt’s heute von mir ein weiteres Lob. Seit heute, den 18. Februar, kann man sich die LVB auch aufs Handy holen. Nicht nur aufs iPhone als App, sondern auch als Anwendung auf quasi jedes modernere Mobiltelefon, das Java unterstützt. Nach einer Testphase für nur wenige iPhone-Nutzer ist es ab sofort für jeden möglich, die Anwendung namens easy.go zu verwenden. Warum sollte man das tun? Ganz einfach: Um unterwegs schnell und sicher an seinen Fahrschein für Bus und Bahn zu kommen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Bildern.
(more…)
15. 02. 2010 09:10
Nachdem die Bloggerei für die Motorradmesse Leipzig vorbei ist, wechseln Thomas und ich wie angekündigt nach Dortmund. Dort findet vom 4. bis 7. März die 26. MOTORRÄDER statt. In diesem Jahr zum ersten Mal mit der Mobile Electronics, einer fachspezifischen Messe für Hersteller und Einbauer elektronischer Komponenten für Autos, Zweiräder und Boote. Wenn es die nächsten Tage also etwas ruhiger hier wird, nicht wundern.
05. 02. 2010 11:00
Zum Chaos beim Start des GEZ-Forums erschien heute folgender Artikel von mir (in ähnlichem Wortlaut) auf der Medienseite der Leipziger Volkszeitung.
Das Image der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) soll verbessert werden. Dazu gehört neben einem neuen Logo, das nun in grün mit einem dunklen Punkt daherkommt, auch eine Offensive im Internet. Unter gez-meine-meinung.de schreiben Mitarbeiter Blogs, laden unregelmäßig zum Chat ein und dürfen sich Gebührenzahler in einem Forum unterhalten.
Dieser Einladung folgten am ersten Tag viele – und damit begann das Chaos. Weil die GEZ transparent sein will, entschied sich die betreuende Agentur Media Consulta für ein weitgehend offenes Forum. Mit dem Ergebnis, dass Benutzernamen wie „Hitler“, Sonderzeichen in Hakenkreuz-Optik und beleidigende Kommentare für Stunden sichtbar waren. Immerhin sorgten die Online-Redakteure dafür, dass die teils antisemitischen Parolen verschwanden – dass sie überhaupt ohne Prüfung durchgelassen wurden, gleicht einem Skandal. „Das Forum soll allen diskussionswilligen Nutzern eine Plattform bieten“, sagt GEZ-Sprecherin Nicole Hurst und versucht zu erklären: „Das Ziel der Transparenz sollte auch dadurch unterstrichen werden, dass wir ein offenes Forum anbieten. Nach einer Flut von Einträgen, die in den ersten beiden Tagen eingingen und von denen sich viele nicht an die Netiquette hielten, haben wir unser Forum umgestellt. Wir wollen dadurch sicher gehen, dass wir Beleidigungen, Diffamierungen und Beschimpfungen keine Plattform bieten“, so Hurst.
Umgestellt heißt: Benutzer und Beiträge werden erst nach Prüfung freigeschalten. Dennoch behält sich die Redaktion weiterhin das Recht vor, Kommentare nachträglich zu löschen oder Einträge zu bearbeiten. Was teils groteske Züge annimmt. So gibt es zahlreiche Themen, bei denen der erste Eintrag fehlt. Darunter finden sich dann Beiträge von Benutzern, die Bezug auf diesen fehlenden Kommentar nehmen – was das Forum sehr undurchsichtig erscheinen lässt. Auch allgemein fehlt die Ordnung. Das Forum besteht derzeit aus nur einem Hauptforum, eine Gliederung nach Themen gibt es nicht. Mehrfache Hinweise von Benutzern auf diesen Umstand werden nicht beantwortet. Überhaupt soll das Forum nicht als Kommunikationskanal mit der GEZ dienen. „Wir haben erkennen müssen, dass die User sich im Forum weniger untereinander austauschen als vielmehr uns Fragen stellen, die sie umgehend beantwortet haben wollen. Das ist von uns vorgesehen – aber erst in den Experten-Chats“, so Nicole Hurst. Heißt im Klartext: Benutzer sollen sich untereinander über die Gebührenpflicht austauschen – streng überwacht von der GEZ. Grad so, als gäbe es dafür nicht längst unabhängige Foren.
02. 02. 2010 21:55
“Wir haben eine Anfrage von der GEZ. Die wollen sich öffnen, im Netz präsenter sein. Wir sollen das Image ein wenig aufmöbeln. Die sind gar nicht böse. Sagen die. Hat jemand ne Idee?”
“Hm. Lass uns doch Mitarbeiterblogs einrichten. Dann verdonnern wir ein paar Angestellte zum bloggen, notfalls schreiben wir die ersten Einträge selbst.”
“Okay. Und weiter?”
“Wie wäre es mit einem Forum? Genau, ein Forum! Wo jeder seine Fragen zur GEZ posten kann. Viele Leute wissen jar gar nicht, warum sie zahlen müssen und so weiter. Das verschafft der GEZ jede Menge Transparenz.”
“Gute Idee, machen wir.”
Natürlich wird das Gespräch zwischen den Mitarbeitern der Kölner Division der Agentur Media Consulta nicht so abgelaufen sein. Und sicher war die Sache auch gut gemeint, der GEZ, dem gebührenfinanzierten Gebühreneinzugsapparat, ein neues Image zu geben. Weg vom Wegelagerer, der fremden Leuten an ihr Geld will, hin zum Servicedienstleister, der auf seine Kunden hört. Das Problem ist nur: Gerade bei der GEZ funktioniert das eben nicht nur durch virale Spots und der Öffnung durch ein Forum. Gerade bei der GEZ dürfte das Problem schwerwiegender sein und tiefer liegen.
Seit dem heutigen Tag hat die GEZ unter gez-meine-meinung.de also ein Forum online. Ein Forum, das der betreuenden Agentur und/oder den Onlineredakteuren bei der “Behörde” jede Menge Arbeit macht. Denn heute Nachmittag wurde das Forum regelrecht überrannt. Nicht von auskunftsfreudigen Gebührenpflichtigen. Nein, von Forentrollen und – sagen wir mal vorsichtig – GEZ-Gegnern. Ich habe mir das Treiben einige Zeit angesehen. So schnell wie Threads geöffnet waren und dort Antworten gepostet waren, so schnell waren die Themen auch wieder gelöscht. Später wurden bereits erste Benutzerkonten gelöscht, weil Nutzernamen wie “Hitler” und Sonderzeichen in Hakenkreuz-Optik nur schwerlich in die Demokratie passen. Dass sie überhaupt angelegt werden konnten, ist eine andere Sache – und eindeutig ein Versäumnis der betreuenden Agentur.
Was sich heute im GEZ-Forum abspielte, war ein Trauerspiel sondersgleichen. Ernste Beiträge wurden sofort von den Trollen in Grund und Boden kommentiert und mit antisemitischen oder anders beleidigenden Wortäußerungen versehen. Mit dem Ergebnis, dass die Administratoren das komplette Thema löschten. Mit Transparenz oder einer “neuen GEZ” hatte das Ganze wenig zu tun. Mal davon abgesehen, dass die Übersichtlichkeit litt, weil es Media Consulta offenbar vergessen hatte, Unterforen anzulegen, um den Themenfluss ein wenig zu steuern. So wurde immer stehts in den “Hauptarm” des Forums gepostet. Entsprechende Hinweise der Nutzer, mal für Ordnung zu sorgen, wurden zum einen nicht beachtet und zum anderen nicht beantwortet. Überhaupt ist mir kein einziger Kommentar der GEZ-Redakteure aufgefallen. Sicher waren alle nur damit beschäftigt, User zu sperren und Beiträge zu löschen.
Das schlimme daran ist: Es war abzusehen. Es war von vornherein klar, dass ein Forum, so wie es Media Consulta geplant hat, nicht funktionieren kann. Nicht bei der GEZ, bei einem solchen Apparat, der ein schlechteres Image als alle Journalisten, Schönheitschirurgen und Politker zusammen hat. So etwas kann nicht funktionieren und muss in solch einem PR-Gau enden, wie wir ihn heute erlebt haben.
Meine Empfehlung an die GEZ und Media Consulta: Alle Beiträge löschen, Forum abschalten. Und nochmal neu nachdenken. So jedenfalls wird nichts draus. Ernsthafte Diskussionen werden in diesem Forum nicht zustandekommen.
02. 02. 2010 20:54
Der gestrige Webmontag war ein Erfolg. Zumindest, was die Zahl der Besucher angeht. In Bezug auf den Fehl-Launch der LVB-Website blieb Marketingleiter Peter Nebe in erster Linie Antworten schuldig und der für das Grusel-Design zuständige Frank Hofmann erschien gar nicht erst. Er habe zu spät erfahren, dass dies eine Abendveranstaltung wäre – den Nachmittag hätte er sich freigehalten. Tschuldigung, Prof, wir haben tagsüber alle was zu tun…
Eine Zusammenfassung habe ich für LVZ-Online geschrieben.
Die bezaubernden Mädels von projecter haben auch eine Zusammenfassung geschrieben.
Und Sabine von adconsys hat auch was geschrieben.
Der nächste Webmontag Leipzig findet am 1. März im Tapetenwerk, Lützner Straße 91, statt. Bereits jetzt ist das Event ausgebucht. Scheint, als würde Leipzigs Kreativszene nun wirklich enger zusammen zu rücken.
23. 01. 2010 12:53
Die Neugestaltung der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) hat ein mächtiges digitales Rauschen erzeugt. Ein Rauschen, das von Kritik geprägt war und noch immer ist. Design und technische Umsetzung lassen Normalnutzer und Internetprofis gleichermaßen aufschreien. Nähere Infos stehen bereits hier im Blog und auf LVZ-Online. Diese Kritik zeigt eines ganz deutlich: Dem Leipziger ist es nicht egal, wie kommunale Websites aussehen. Einfach aus dem Grund, weil er sie braucht und darum eine entsprechende Benutzerfreundlichkeit erwartet. Wohl deshalb fielen die Wortmeldungen so umfangreich und teilweise verbal entgleist aus.
Nun könnte sich ein kommunales Unternehmen mit zugehaltenen Augen und Ohren zurücklehnen und weiter im Glanze ihrer eigenen Erfolge sonnen. Tut es aber nicht. Die LVB und die technisch verantwortliche Agentur EWERK wagen den Sprung nach vorn und stellen sich der Kritik. In den Kommentaren zu meinem kritischen Artikel bot Thomas Gigold ein Treffen im Rahmen des nächsten Webmontags an. Dieser Einladung folgen LVB und ERWERK nun. Auch der umstrittene Professor Frank Hofmann von der Hochschule Merseburg, der das Design der Website entwickelt, wird anwesend sein. Thomas hat das Ganze als Interims-Ansprechpartner für den Webmontag Leipzig mal aufgeschrieben.
Ganz wichtig: Was jetzt zählt, sind neben Kritik vor allem Verbesserungsvorschläge. Konstruktive Kritik also, die helfen sollen, die Website der LVB besser zu machen. Wer solche Vorschläge hat und nicht nur meckern will, sollte diese in ein paar Zeilen niederschreiben und Thomas mailen. Hendrik Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von EWERK sagt: “Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, dass es hier um ein nachträgliches Crowdsourcing gehen soll. Vielmehr ist es mir wichtig technische und gestalterische Themenfelder aufzureißen, die wir gezielt in der Veranstaltung besprechen können. Für eine nachträgliche Anpassung gäbe es dann vielfältige Möglichkeiten einer Mitwirkung.” Um diese vier Bereiche soll es gehen: Gestaltung, Usability, technische Umsetzung und PR.
Von mir gibt’s Respekt für diesen (späten) Schritt des Ganges in die Öffentlichkeit. Vielleicht wird am Ende doch noch alles gut, wenngleich ich nicht glaube, dass im Ergebnis des Webmontages ein komplett anderes Design der Website entstehen wird. Aber vielleicht helfen wir alle gemeinsam mit kleinen Schritten. Und zeigen, welche Kraft in Leipzigs Kreativwirtschaft steckt.
21. 01. 2010 16:44
Es bewegt sich was auf dem Gewinnspielmarkt. Allerdings sicher nicht so, wie sich das die beteiligten Firmen vorstellen. Gegen vier Callcenter in Bielefeld und Paderborn ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft, Geschäftsräume wurden durchsucht. Natürlich bestreitet man diese Durchsuchungen. So wie auch damals Novamedia Marketing in Paderborn bestritt, irgend etwas mit Tipptresor oder der Gewinnspielmafia in der Schweiz zu tun zu haben. Das können Thorsten Sucker, Geschäftsführer von Novamedia, seine Gesellschafterin Daniela Ptak und Markus Waldvogel, einstiger Verwaltungsrat bei Euro Lotto Tipp in der Schweiz , jetzt sicher den Ermittlungsbehörden erklären. Und wenn die ihre Arbeit gut machen, dürfte hier ein ganzes Firmenkonstrukt seiner Geschäftstätigkeit beraubt werden.
Das Dumme ist nur: Es stehen bereits andere Firmen parat, die genau die gleiche Masche betreiben. Siehe Win-Express, Deutsche Gewinn Garantie oder wie auch immer sie heute heißen.
Danke an nw-news.de und “rpv” für die Verlinkung und Hinweise