Große Worte

von Daniel Große, freier Journalist Leipzig

Archive for the ‘Wirtschaftliches’ Category

BGH: Wettbewerbswidriges Angebotsschreiben für Eintrag in ein Branchenverzeichnis – Eindruck beim flüchtigen Lesen ist entscheidend

Angebotsschreiben für den Eintrag in ein Branchenverzeichnis sind sowohl unter dem Gesichtspunkt der Verschleierung und auch der Irreführung wettbewerbswidrig. Dies gelte für Eintragsangebote in ein Branchenverzeichnis, welche beim flüchtigen Lesen den Eindruck erwecken, dass es sich lediglich um die Aktualisierung eines bestehenden Eintrags handele.

Der Bundesgerichtshof entschied dazu:
Ein formularmäßig aufgemachtes Angebotsschreiben für einen Eintrag in ein Branchenverzeichnis, das nach seiner Gestaltung und seinem Inhalt darauf angelegt ist, bei einem flüchtigen Leser den Eindruck hervorzurufen, mit der Unterzeichnung und Rücksendung des Schreibens werde lediglich eine Aktualisierung von Eintragungsdaten im Rahmen eines bereits bestehenden Vertragsverhältnisses vorgenommen, verstößt gegen das Verschleierungsverbot des § 4 Nr. 3 UWG sowie gegen das Irreführungsverbot des § 5 Abs. 1 UWG.

Im vorliegenden Fall hatte die DeTeMedien (Gelbe Seiten) die Neue Branchenbuch AG verklagt.

Auf das Urteil des BGH können sich Empfänger von Rechnungen für Einträge in nutzlose, unbekannte und überteuerte Online-Branchenverzeichnisse künftig stützen, um ihre Rechte geltend zu machen. Wichtig ist, mit Bekanntwerden der Forderung einen Widerspruch wegen arglistiger Täuschung gegen den Anbieter zu erklären.

Den kompletten Text des Urteils kann man hier einsehen.

Quelle

Kommunen strotzen vor Energie – Volldampf voraus

Nachfolgender Text erschien in “WERTE” – Kundenmagazin der Sachsen Bank Nr. 3/2011

Der Ausstieg aus der Atomenergie stellt Politik, Energieversorger und -erzeuger vor große Herausforderungen. Kommunale Stadtwerke in Mitteldeutschland nutzen den Wandel als Chance und investieren kräftig.

Im Frühjahr hielt die Welt den Atem an. Auf das Erdbeben in Japan folgte ein Tsunami, der die größte atomare Katastrophe seit Tschernobyl auslöste – und einen Bewusstseinswandel der deutschen Bundesregierung bewirkte. Der Ausstieg aus der Kernkraft bis 2022 wurde verkündet. Die abrupte politische Kehrtwende stellt nicht nur die privatwirtschaftlichen Energieversorger vor Herausforderungen, sondern verlangt auch von den kommunalen Stadtwerken ein Umdenken. Doch die öffentlichen Anbieter sind gut vorbereitet. Seit Jahren bereits verfolgen sie mit der Errichtung von Windparks, Solar- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen einen zielstrebigen Weg in Richtung ökologische Energieerzeugung. (more…)

Es geht wieder los bei gelbes-branchenbuch.info. Auf der Website feiert man im Pressebereich den Verkauf des Projektes an “eine europäische Investorengruppe”, wie es dort heißt.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu rechtlichen Streitigkeiten mit der DeTe Medien GmbH aufgrund der gegebenen Wettbewerbsstellung, sodass die Gesellschafterversammlung der Eigentümergesellschaft den Abstoß des Projekts beschlossen hat

ist dort zu lesen.
Und weiter:

Der Kundendienst wird mit einer Überlauffrist weiterhin in Deutschland abgewickelt werden. Ein Dienstleister aus dem norddeutschen Raum zeichnet für den Kundendienst verantwortlich.

Was nichts anderes heißt als: Ab sofort wird ein neuer Anbieter auf Kundenfang gehen und Rechnungen für das zweite Vertragsjahr versenden. Offenbar geschieht dies derzeit auch schon.

Über die “europäische Investorengruppe” erfährt man nichts, auch der Dienstleister aus dem norddeutschen Raum bleibt unerklärt. Lediglich eine neue Adresse findet sich im Impressum: Demnach sei “Gelbes Branchenbuch” (ein Firmenname existiert offenbar nicht mehr) nunmehr in Berlin ansässig. Im Glockenblumenweg 131a habe man Quartier bezogen.

Wirklich? Die Adresse Glockenblumenweg 131a ist ein Siedlungshaus im Stadtteil Neukölln-Rudow. Schmucke Ein- und Mehrfamilienhäuser finden sich hier, gepflegte Vorgärten mit großen Tannen- und Laubbäumen. Keine Adresse, unter der man viel Gewerbe oder ein großes Geschäftshaus vermuten würde. Dennoch scheint die 131a ein gewaltiges Haus mit mehreren Etagen zu sein. Immerhin listet Google Maps hier 24 Firmen, die sich diese Adresse teilen.

Man ahnt es schon: Hier werden nur Briefkästen hängen, natürlich ist die 131a kein Hochhaus. Klickt man sich zu den bei Google genannten Firmen oder ruft man die Telefonnummern an, existieren diese Firmen gar nicht mehr oder geben die Angerufenen an, dort nicht mehr ansässig zu sein.

Insgesamt, so scheint es, haben hier Firmen mit merkwürdigem Geschäftsgebaren ihren Sitz. Unter anderem befindet oder befand sich dort die EDU.CON Privatschulcampus gemeinnützige GmbH. Gemeinnützig, das klingt nach gutem Hause. Dem war wohl offenbar nicht so.
Auch ein Reisedienstleister, der Gewinnbenachrichtigungen an Verbraucher versendet nutzt diese Adresse. Man braucht wohl nicht zu erwähnen, dass die Angeschriebenen nie an einem Reisegewinnspiel oder dergleichen teilgenommen haben, bzw. etwas von einem “Reisedienstleister” gehört hätten.
Ebenso gibt der Onlineshop Thomas Crown House diese Adresse an. Bei Ciao finden sich interessante Details.
Und so könnte man die Liste wohl beliebig fortführen.

Um es kurz zu machen: gelbes-branchenbuch.info ist nach wie vor nicht als seriös oder irgendwie wichtig zu bezeichnen. Auch, weil trotz angeblichen Betreiberwechsels in den AGB nach wie vor die DMV Limited angegeben wird, die mittlerweile gelöscht ist.

Firmen, die Rechnungen oder Mahnungen erhalten, sollten dem widersprechen und vorsorglich kündigen sowie weitere Drohungen ignorieren. Wichtig ist: Ruhig bleiben und nicht fertig machen lassen.

Gehostet wird gelbes-branchenbuch.info übrigens nach wie vor in Deutschland. Vielleicht mag ja einfach mal jemand dem Provider Fibre One in Düsseldorf Bescheid geben. Unter der gleichen IP-Adresse wie gelbes-branchenbuch.info wird auch weiterhin touristenauskunft.eu gehostet, um die es hier auch schon mehrfach ging.

Update, 16.12 Uhr:
Proformarechnung bcsMittlerweile liegt mir eine Rechnung (Download als große Version) vor, die der angeblich neue Anbieter von gelbes-branchenbuch.info versendet hat. Hierbei handelt es sich um eine so genannte Proformarechnung. Rechtlich gesehen bedeutet diese Rechnung eine Auftragsbestätigung, die jedoch noch nicht zur Zahlung auffordert. Im Grunde weist die Proformarechnung nur den Wert der gelieferten Ware aus. Im Normalfall wird nach der Proformarechnung eine richtige Rechnung versandt.

Ich würde hier sofort versuchen, per Fax, E-Mail und schriftlich an die ominöse Adresse im Glockenblumenweg 131a in Berlin zu widersprechen. Hier würde ich erklären, dass es keinen Auftrag zur Listung auf der Website gibt.

Als Kontakttelefonnummer wird die 01805 7060770 genannt. Als Zahlungsabwickler und Proformarechnungssteller ist eine “KML BCS Business Communication Solutions Limited” vermerkt, die angeblich ihren Sitz in Limassol (Zypern) hat.

Freundlicherweise wird auch ein Zahlschein mitgeschickt. Empfänger ist die BCS Business Communication Solutions mit der Kontonummer 16528 bei der BLZ 51230800 (Wirecard Bank AG). Stolze 739 Euro sollen überwiesen werden – oder eben auch nicht, weil eine Proformarechnung ja nicht zur Zahlung verpflichtet.

Und Achtung: Wer diese Rechnung dennoch zahlt (aus welchem Grund auch immer), sollte den Passus “Reverse Charge” in der Proformarechnung beachten. Diesmal nämlich hat der “Anbieter” des Branchenbuches alles richtig gemacht – er erhebt keine Umsatzsteuer. Diese muss der Leistungsempfänger, also der Empfänger der Rechnung, selbst tragen. Wären nochmal 140,41 Euro, die man ans Finanzamt überweisen müsste. Mehr zu Reverse Charge steht beim Bundesfinanzministerium.

Update, 30.November 2011:
In gewohnter Weise diskutiert man mit Unternehmern, die gegen die Forderung vorgehen. Die Rechtschreib- und Tippfehler auf dem mir vorliegenden Antwortfax lassen entweder auf wenig Intellekt oder auf mangelnde Qualitätskontrolle auf der Gegenseite schließen. Oder beides.

1. Dezember 2011:
Nach Information eines Geschädigten wird bei der Staatsanwaltschaft Stralsund noch immer im Fall gelbes-branchenbuch.info unter dem Aktenzeichen 534 JS 8505/11 ermittelt, namentlich auch gegen die in diesem Blog schon oft genannten Florian W. aus Greifswald und Shahin S. Auf meine Nachfrage teilte man mit, Details würden dem Datenschutz unterliegen, die Ermittlungen wären aber umfangreich und längst nicht abgeschlossen.

5. Dezember 2011:
Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt laut lachen. Hinter dem Projekt gelbes-branchenbuch.info steckt nach wie vor Florian Wilk und seine Media Treuhand GmbH. Update: Florian Wilk bestreitet dies nach wie vor und legt Wert darauf, dass sein Unternehmen Media Treuhand GmbH nur für die “Kundenbetreuung verantwortlich zeichnet.” Die Telefonnummer 01805 7066770, die auf der Proformarechnung von gelbes-branchenbuch.info angegeben ist, ist über die First Communication GmbH aus Frankfurt bei der QuestNet (Cottbus und München) registriert. QuestNet antwortete mir auf meine Anfrage vorhin, Nutzer der Nummer ist die Media Treuhand GmbH, Louisenstr. 6 in 17235 Neustrelitz. Wir erinnern uns: Die Media Treuhand ist eine der diversen Firmen, die Wilk unterhält. Auch heute finden sich noch diverse Einträge auf Websites, die diese Adresse als eine von Wilks genutzten angibt. Update: Wilk verlangt von mir die Löschung der angeblich ehemaligen Privatadresse. Einen Anspruch darauf kann ich nicht erkennen. Zumal die oben genannten Projekte und diverse Online-Verzeichnisse diese Adresse inklusive Telefonnummer als eine von Wilk genutzte Adresse angeben. Erst gestern ließ Wilk seine Stammdaten bei QuestNet ändern. Sie lauten nun wohl auf den Firmensitz in Greifswald.
Update: Wilk wohnt jetzt offiziell auf Zypern.

Meinen Informationen nach routet die 01805 706677(0) direkt an die Nummer 03981 348000 in Neustrelitz. Man könnte also auch, um Kosten zu sparen, direkt diese Festnetznummer von Florian Wilk in Neustrelitz anrufen… Update: Auch diese Info bestreitet Wilk.

Angesichts dieser Fakten sollte die Staatsanwaltschaft Stralsund langsam mal in die Puschen kommen. Die Oberstaatsanwaltschaft Rostock dürfte ein säumiges und langsames Arbeiten nicht gerade gut heißen. Hofft man doch mal.

Update: Reaktion von Florian Wilk
Es ist jedesmal interessant, wie schnell Wilk reagiert. Er rief mich vorhin an, gab vor, nur für einen Kunden zu handeln und nicht unmittelbar der Betreiber von gelbes-branchenbuch.info zu sein. Anschließend schrieb er eine Mail mit einer Stellungnahme, die ich hier auszugsweise veröffentlichen möchte. Ich glaube, diese zeigt sehr deutlich, in welcher Welt Wilk lebt. Die unsrige kann es nicht sein…

Wir haben Ihren Blogeintrag mit Interesse gelesen und zum Anlass genommen, mit unserem Auftraggeber KML BCS Rücksprache zu halten. Es wurde uns versichert, dass das Unternehmen einen hohen Qualitätsanspruch verfolgt und diesen in Zukunft auch weiter steigern möchte.
Bei den von Ihnen genannten Problemfällen kann es sich nur um einen kleinen Auszug von Kunden handeln. Die meisten Kunden von Gelbes-Branchenbuch.info sind mit den Konditionen und Leistungen zufrieden, wie wir auch in unserer Arbeit als Supportdienstleister für diesen Mandanten täglich feststellen.

Wir werden die Angelegenheit dennoch weiter beobachten und wenn nötig über eine Beendigung unseres Servicevertrages nachdenken, wenn die Anzahl der Beschwerden zunehmen sollte. Wir nehmen Ihren Beitrag sehr ernst und werden wenn nötig weitere Schritte einleiten. Zurzeit sehen wir hierzu jedoch keine Veranlassung.

Weiter bittet Wilk darum, dass ich die Zusammenhänge in meinem Blog korrekt darstelle, da teilweise der Eindruck entstehen könnte, dass die Media Treuhand GmbH oder deren Geschäftsleitung als Betreiber fungiere. Soll also heißen: Wilk ist nach eigener Darstellung lediglich Dienstleister. “Zum Zweck der externen Abwicklung des Kundendienstes” würden auch “Rufnummern gemietet und Postanschriften bereitgestellt, um einen reibungslosen Geschäftsablauf zu gewährleisten”, schreibt er weiter.

Bei der KML BCS würden einige Vorgänge nochmals geprüft.

Ich rate weiterhin dazu, eventuelle Forderungen seitens der Media Treuhand, KML BCS oder wie man auch immer sich nennt, genau zu prüfen und notfalls ein anwaltliches Gegenschreiben aufzusetzen, das das Zustandekommen eines Vertrages in Frage stellt. Letzteres müsste in einem gerichtlichen Verfahren geklärt werden. Update: Zu diesem Absatz stellt Florian Wilk fest, dass er nicht Forderungsinhaber ist.

Update, 8. Dezember
Inzwischen leiten mir Unternehmer auch Proformarechnungen weiter, die mit “Unternehmensdatenbank” überschrieben sind und als Internetadresse unternehmensdatenbank.info angeben. 480 Euro sollen hier gezahlt werden. Ansonsten unterscheidet sich die Rechnung nicht von der Rechnung, die gelbes-branchenbuch.info verschickt. Auch hier wird der Glockenblumenweg 131a als Adresse angegeben, Zahlungsempfänger ist wieder die BCS Business Communication Solutions, das Konto bei der Wirecard Bank ist ebenso die 16528 wie auch bei gelbes-branchenbuch.info. Der kaum lesbare Hinweis über dem Datum, der angibt, Zahlungsabwickler wäre die die KML BCS ist auch hier zu finden, die Angabe, das angebliche Unternehmen befände sich in Limassol, fehlt hier gleich mal ganz. Auch auf unternehmensdatenbank.info ist nicht ersichtlich, wer dieses Angebot überhaupt betreibt oder dafür gerade steht. Alles in allem wohl nichts, was man ernst zu nehmen hätte.

Update, 12. Dezember
Ein drittes Projekt ist aufgetaucht, das mit dem Wirecard-Konto 16528 verknüpft ist: Unternehmer erhalten jetzt Proformarechnungen und Zahlungserinnerungen für die-branchensuche.info. Zahlungen sollen auf genanntes Konto erfolgen. Laut Impressum soll eine “BAV VERLAGSGESELLSCHAFT LIMITED” dafür verantwortlich zeichnen. Im Quelltext der Website findet sich noch die “TM Marketing Group Ltd” als Autor. Wir erinnern uns… und stellen fest: Es ist nicht das erste Mal, dass gelbes-branchenbuch.info und ein weiteres Projekt gleiche Kontodaten verwenden. Abzocke und Betrug auf verschiedenen Kanälen. Unternehmerisch durchaus clever gelöst. Auf Applaus verzichte ich trotzdem…

Update, 14. Dezember & 19. Dezember
Offenbar hat Florian Wilk seinen Wohnsitz vor einiger Zeit ganz offiziell von Neustrelitz in wärmere Gefilde verlegt. Laut Meldestelle wohnt er seit 14.06.2011 in 4 Vaniou Spania, Limassol auf Zypern. An dieser Adresse befinden sich die “Avalon Village Houses“, eine Ferienanlage, bestehend aus fünf Häusern, Garten und Pool. Schon merkwürdig, dass Wilk ausgerechnet in das Land zieht, in dem sein Kunde, die ominöse KML BCS Business Communication Solutions ihren Sitz hat.

Update, 6. Januar 2012
Wie ich gestern aus gut informierter Quelle erfuhr, hat die Staatsanwaltschaft wohl im Oktober 2011 das Büro von Florian Wilk in der Brandteichstraße 20 in Greifswald ausgeräumt, umfangreiche Akten sichergestellt und auch diverse Computer mitgenommen. Wenige Tage später hat man den Geschäftsbetrieb mit neuen Computern wieder aufgenommen. Mittlerweile existiert kein Büro mehr von Wilk in der Brandteichstraße, das Technologiezentrum hat Wilk offenbar gekündigt. Meinen Recherchen zufolge sitzen Wilks Firmen mittlerweile in der Spiegelsdorfer Wende in Greifswald.

Update, 16. Januar 2012
Wie mir eine Geschädigte von “die-branchensuche.info” mitteilte, ist das Konto 16528 bei der Wirecard Bank AG inzwischen erloschen oder gekündigt worden. Zahlungen auf dieses Konto gehen an den Absender zurück. Also alles wie immer: Rechnung, Zahlungserinnerung, Mahnung, letzte Mahnung mit Drohungen – und plötzlich ist das Konto nicht mehr existent, das dort eingegangene Geld sicher bereits auf dem Weg nach Zypern oder sonst wohin.

Update, 23. Januar 2012
Obwohl das Konto bei der Wirecard Bank angeblich erloschen sein soll, versucht die angeblich existierende “KML BCS” weiterhin, die Zahlungen für gelbes-branchenbuch.info und wohl auch die-branchensuche.info einzufordern. Nun behilft man sich reichlich unbeholfen mit einem wohl “offiziell” wirken sollenden Schreiben. “KML BCS Inkasso- und Vollstreckungsabteilung” steht oben drüber. Der Rest des Briefkopfes ist gleich – wieder wird der Glockenblumenweg in Berlin als Postanschrift genannt. Einen Firmensitz verschweigt man nun komplett. Bis diesen Freitag, 27.01.2012 will man das Geld sehen.

Kümmern Sie sich bitte umgehend um diese Angelegenheit und überweisen Sie den Gesamtbetrag auf unser untenstehendes Konto, um gerichtliche Mahn- und Vollstreckungsmaßnahmen zu vermeiden.

,
versucht man Druck aufzubauen. Und weiter heißt es:

Beachten Sie bitte, dass wir bei unstrittiger Forderung einen Negativeintrag in unserer Schuldnerdatenbank vornehmen werden, wenn Sie die Zahlung nicht pünktlich leisten.

Die Hervorhebung des Wörtchens “unserer” erfolgte durch mich. Denn das ist der springende Punkt. Die angeblich existente KML BCS – wohl in Person Florian Wilks – macht sich also einen Negativvermerk über den “Schuldner”. Na Wahnsinn. Weiterhin droht man damit, ein Mahngericht einzuschalten. Wie gesagt, Florian – wir warten drauf.

Unternehmen, die diesem Treiben ein Ende setzen wollen, sollten ihre Rechtsabteilung oder ihren Rechtsanwalt bitten, eine Feststellungsklage vorzubereiten, mit der festgestellt wird, ob hier überhaupt ein Vertrag zustande kam. Nach einschlägigen Erfahrungen diverser Anwälte, mit denen ich dazu sprach, beantworten die deutschen Gerichte diese Frage mit Nein.

Update, 27.Januar 2012:
Im Impressum auf gelbes-branchenbuch.info heißt es nun, “Domaininhaber und Seitenbetreiber” sei die Publishing and Literary Service Limited, 6 Whitlow Park Road, Sheffield S11 9NP. Das scheint unglaubwürdig. Dieses Unternehmen befindet sich derzeit in Liquidation. Eine Anfrage an Companies House nach neuen Entwicklungen bei dieser Limited ist raus.

Update, 30. Januar 2012:
Florian Wilk versucht offenbar, sein ramponiertes Image im Web ein wenig aufzubessern. Neuerdings versucht er es mit einem Blog. Auf florian-wilk.de gibt er an, “IT-Berater” zu sein. Im ersten Eintrag vom 29.1.2012 heißt es:

Florian Wilk berät seit 2008 erfolgreich kleine und mittlere Unternehmen in allen Belangen der IT. Sie möchten eine neue Software einführen oder die Hardware umstellen?
Ihr Firmennetzwerk muss eingerichtet oder erweitert werden?
Sie suchen nach einer CRM Software, mit der Sie Ihr Alltagsgeschäft verwalten und Ihren tagtäglichen Arbeitsabläufen Kapazitäten einsparen können?

Außerdem bietet Florian Wilk ein Beratungsgespräch in “unseren Büros in Greifswald” an, ohne die Adresse zu nennen. Ein Impressum und eine Kontakt-Seite sucht man auf diesem Blog vergebens. Registriert wurde die Domain am 28.1.2012 beim Provider “Planet-Hosting by B & S GmbH & Co.Kg” in Eltville am Rhein. Als Adresse hat Wilk bei der Domainregistrierung die Brandteichstraße 20 in Greifswald angegeben, wo er schon länger keine Büroräume mehr besitzt.
Update, 2. Februar 2012: Mittlerweile gibt es auf seinem Blog auf florian-wilk.de eine Kontakt- und Impressumsseite. Auf dieser gibt Florian Wilk nun an, dass die Geschäftsräume in Greifswald “nicht mehr aktuell” wären. Stattdessen will er nun in der Friedrichstraße 32 in Berlin ein Büro haben, oder wohnen. Auch eine Mobilfunknummer findet sich. “Für Notfälle”, wie er schreibt. Desweiteren findet sich eine Faxnummer, die weiterhin laut Vorwahl nach Greifswald führt. Beide Nummern gab er schon in frühen Web-Projekten an.

Randnotiz: Wilk scheint sich auch als Hausverwalter zu versuchen. Am 29.6.2011 gründete er die Marquardt Hausverwaltungsgesellschaft Ltd.

Das Jahr 1996 in Deutschland. Das Internet steckt noch in den Kinderschuhen. AOL und Compuserve beherrschen den Markt der Anbieter. Google und Facebook existieren noch nicht. An einen Boom des Internets, das einmal unser tägliches Leben beherrscht, ist nicht zu denken. Und dennoch gründet sich in Bonn ein Wetterdienst, der auf das Internet als Verbreitungsweg setzt: Donnerwetter.de. Jetzt, 15 Jahre später, bringt Donnerwetter ein Buch zu dem Thema heraus, das die Menschen mehr interessiert als Finanzkrisen, Bambis für Rüpel-Rapper oder neue iPhone-Varianten.

DonnerwetterIn “Die 15 meistgestellten Wetter-Fragen” wird dem Ursprung eben dieser auf den Grund gegangen, bevor sie leicht verständlich erklärt werden. Das Buch, das nur als E-Book erhältlich ist, liest sich sehr schnell weg, was an der lockeren Ansprechhaltung liegt. Wie einem guten Freund erklären Karsten Brandt und Michael Klein die Wetterphänomene oder klären über Mythen und Legenden zum Wetter auf. Ohne meteorologisches Fachchinesisch, dafür mit nachvollziehbaren Beispielen.

So werden wir darüber aufgeklärt, dass der Hundertjährige Kalender im Grunde genommen Unsinn ist:

Seit ca. 1900 haben wir verlässliche Messungen der Wetterstationen und so oft man die Daten auch vorwärts und rückwärts betrachtet – ein Wiederholungsmuster ist nicht zu finden.

Gern dahingesagt sind Sätze wie “Das Wetter ändert sich, ich merke das an meiner Narbe.” Oder “Das Wetter macht mich ganz fertig.” Tatsächlich sei es so, dass die Mehrheit aller Menschen wetterfühlig ist. Krank mache das Wetter aber nicht:

Das Wetter macht also nicht krank, es deckt aber Krankheiten und Schwächen im Körper auf. Daher nochmals der wichtige Hinweis: Nur Sie können sich letztlich selbst heilen. Der Arzt als Werkstatt funktioniert insbesondere bei zumindest leichten wetterabhängigen Beschwerden nur sehr eingeschränkt, insbesondere wenn er in nur wenigen Sekunden die Beschwerden beurteilen muss.

Wer sich mit dem Wetter beschäftigt, kommt an Bauernregeln nicht vorbei. Direkt am Beispiel wird erklärt, was dran ist an Sprüchen wie “Genauso wie der Juli war, wird nächstes Mal der Januar”. Fazit der Wetterfrösche aus Bonn:

Einige der alten Regeln zum Wetter der kommenden Wochen und Monate können durchaus noch mit unseren modernen Witterungsvorhersagen mithalten!

Auch mit Mythen und Verschwörungstheorien räumt das Wetterbuch auf. Bestes Beispiel: Die so genannten Chemtrails:

Geht man diesen Hinweisen über “Chemtrails”, die für einen Wetterwechsel gesorgt haben sollen, nach, dann sieht man recht schnell, dass die Wetterveränderung schon seit Tagen von den Wettercomputern erwartet wurde.

Weitere Wetterfragen, um deren Antwort sich die Autoren bemühen, sind beispielsweise “Warum unterscheiden sich Wetterberichte oft voneinander”, “Warum haben Hoch- und Tiefdruckgebiete so komische Namen” und “Gibt es den Klimawandel überhaupt” – letzteres eine durchaus verständliche Frage angesichts schlechter Sommer und eisiger Winter.

Die laut Brandt und Klein meist gestellte Frage an Meteorologen ist die, ob es in diesem Jahr weiße Weihnachten gibt. Glaubt man den Beiden, wird bereits im Sommer eine Antwort darauf verlangt. Dummerweise sei genau diese Frage viel schwerer zu beantworten als etwa “Kann ich morgen grillen?”. Denn zum Problem der Langfristprognose, die nie zuverlässig sein könne, käme ein fieses Ereignis hinzu: Das Weihnachts-Tauwetter.

Beim Weihnachtstauwetter handelt es sich um eine sogenannte meteorologische Singularität, also um ein Ereignis, dass in sehr ähnlicher Form immer wieder in vielen Jahren auftritt. Wegen eines Tiefdruckgebietes fließt von Südwesten feuchtwarme Meeresluft nach Mitteleuropa. Diese bringt zum einen Wärme, aber auch ergiebige Regenfälle. Beides lässt eine zuvor gefallende Schneedecke weg schmelzen. Wenn der Boden gefroren ist, tritt ausgerechnet „zwischen den Jahren“ dann auch noch Hochwasser auf. Nicht selten verläuft zu den Weihnachtsfeiertagen eine Luftmassengrenze quer über Deutschland. Dann herrscht im Südwesten milde Luft, im Nordosten kalte Luft vor. Typischerweise tritt das Weihnachtstauwetter zwischen dem 24.12. und dem 28.12. auf, also genau zum Zeitpunkt der Feiertage.

Trotzdem dürfe man die Frage “Gibt es dieses Jahr weiße Weihnachten?” gern immer wieder stellen. Wenn es nicht gerade unter der Juli-Sonne am Strand ist…

“Die 15 meistgestellten Wetterfragen”
Dr. Karsten Brandt & Michael Klein
von Donnerwetter.de
3,99 Euro, nur als E-Book im Amazon-E-Book-Shop. Lesbar auf PC, Mac, Kindle, iPhone, iPad, Android, usw. via Kindle-App.

Gewinnspiel-Abzocke: Es geht wieder los

Einige Zeit war Ruhe in Sachen Gewinnspiel-Abzocke. Nachdem Anfang des Jahres einige Betrüger vom Landgericht Essen zu Haftstrafen verurteilt wurden, kommt nun wieder Bewegung in die Sache.

Die Verbraucherzentrale Sachsen berichtet aktuell, dass die Firma Winfuxx 24 aus Düsseldorf Briefe verschickt. In diesen teilt das Unternehmen mit, sie sollten “ein Spielsystem aus dem Gewinnservice Winfuxx24 vorzeitig gekündigt haben. Ausnahmsweise würde per Zahlschein für die letzte Spielperiode zwischen Dezember 2011 und Februar 2012 der letzte festgesetzte Betrag von 99.90 Euro übersandt, meint die Firma. Dieser Betrag solle rechtzeitig bezahlt werden, andernfalls würde sich der Vertrag automatisch um weitere zwölf Monate zum Preis von 33,30 Euro pro Monat verlängern”, heißt es in einer Mitteilung der Verbraucherzentrale.

Die angeschriebenen Verbraucher wussten natürlich nichts von einem Gewinnspiel. Auch war unklar, woher das Unternehmen die Kontodaten hat. Die Verbraucherzentrale rät, sehr sparsam mit persönlichen Daten umzugehen. Wer Post von dem seltsamen Anbieter erhalten habe, solle schriftlich mitteilen, dass es bislang keine vertraglichen Beziehungen gab und die Forderung zurückgewiesen wird.

Übrigens sitzt Winfuxx 24 in der Steinstrasse 25 in Düsseldorf – in Nachbarschaft zur Komödie Düsseldorf. Man hofft, dass Winfuxx 24 das Lachen bald vergeht.

Hoppa! Der Geheimtipp, der keiner mehr ist

Die Agiou Ioannou in Stalis auf Kreta. Die Einkaufsstraße am Strand ist nahezu rund um die Uhr belebt. Nur morgens gegen 9 Uhr, wenn die ersten Ladeninhaber ihre Aufsteller und Waren vor die Tür räumen, herrscht noch etwas Müdigkeit. Nur wenige Touristen laufen um diese Zeit durch die Straße, die auch Beach Road genannt wird. Etwa zwei Kilometer ist sie lang und reicht bis in den größeren Ort Malia, wo sie nochmals auf etwa zwei Kilometern Tavernen, Boutiquen, Supermärkte, größere Restaurants, Hotels, Strandbars und so weiter bietet. Ein wunderschönes Sammelsurium an Geschäften der verschiedensten Art mit wirklich netten und hilfsbereiten Mitarbeitern bzw. Besitzern. Ich glaube, so viel Bitte und Danke habe ich während unseres Urlaubes im August noch nie in einer Woche gesagt und gehört.


So richtig entfaltet die Straße aber ihr Flair am Abend. Ab 19.30 Uhr, wenn die Sonne hinter der Lassithi-Hochebene verschwunden ist und die Temperaturen auf angenehme 28 Grad sinken. Dann füllt sich die Beach Road mit Touristen. Vor den Restaurants stehen die Mitarbeiter, die einen auf freundliche Art und Weise hineinlocken wollen. “Look at the menu, we have great fish!”, ruft der eine, während gegenüber Pizzen angeboten werden. Wieder andere fordern auf, einen Cocktail an der Strandbar zu schlürfen. Lehnt man freundlich ab, erntet man ein Lächeln und die Hoffnung, doch morgen wiederzukommen.

Ein Restaurant auf der Straße allerdings ist komplett anders. Das “Marias Golden Beach“. Zwar steht hier auch ein Mitarbeiter (wir vermuteten, es ist der Chef oder zumindest der Chef-Platzanweiser) am Ende der fünf Stufen und ruft: “Kannst Du gucken die Karte, kostet nichts!” Dennoch wird, bleibt man fünf Minuten davor stehen, schnell klar: Hier muss man rein. Erster Grund: Es ist brechend voll. Jeden Abend. Das muss etwas bedeuten. Während die Tavernen wenige Meter weiter überschaubar gefüllt sind, fällt es schwer, bei “Maria” einen freien Tisch zu erspähen. Kein Problem für den Chef-Anweiser. Kurzerhand werden bei größeren Gruppen Tische zusammengerückt, Gäste gebeten, schnell einen Tisch weiter zu rücken. Und dauert es doch mal länger, gibts eine Runde Ouzo auf Kosten des Hauses. Da wartet man gern. Unkompliziertheit trifft griechische Gastfreundschaft und Freundlichkeit.

Zweiter Grund: Das Flair allgemein. Es ist kaum zu beschreiben, was in einem vorgeht, wenn aus der leisen Hintergrundmusik plötzlich ein lauter Sirtaki wird. Erst geht ein Teller zu Bruch (mit Absicht natürlich), dann wird “Hoppa” gerufen. Schon eilt der mutmaßliche Chef zu auserwählten Damen (oder Herren), reiht sie korrekt ein, erklärt die wenigen Schritte, die man wissen muss. Und dann gehts auch schon los. Der Sirtaki wird noch lauter gedreht, Platzanweiser und Damen bahnen sich ihren Weg durchs Restaurant. Stühle werden beiseite gerückt, damit die Tänzer ungehindert zwei Runden um die Gäste drehen können. Rund 20 Minuten später wiederholt sich das gleiche Spiel. Mit anderen Damen oder Herren. Und wieder einem Teller, der auf dem Fliesenboden zerspringt.

Es mag nicht viel sein, mit dem im “Marias Golden Beach” die Gäste unterhalten werden. Aber es wirkt. Weil es authentisch und ehrlich ist. Und ja, auch das Essen ist ein Traum. Wer irgendwann mal in Stalis weilt, muss unbedingt dorthin. Und den Griechischen Teller und den Mixed Grill probieren. Ihr werdet Euren Enkeln noch davon erzählen.

O-Punkt S-Punkt, Tino Standhaft und viel Regen beim Sommerfest

Taucha. Wer ein Sommerfest veranstalten will, kann für alles sorgen: Ein Festzelt, gute Musik, Essen und Trinken. Was man nicht planen kann, ist das Wetter. Und so fiel das Sommerfest auf dem Gut Graßdorf am Freitag herbstlichen Temperaturen und am Sonnabend dem Regen zum Opfer. Echte Partystimmung wollte daher nicht aufkommen.

Dabei hatte Veranstalter Carsten Wulf im Vorfeld alle Voraussetzungen getroffen: Mit Olaf Schliebe holte er am Freitag abermals den in Taucha mittlerweile bekannten DJ in die Stadt. Als „DJ O-Punkt S-Punkt“ ging Schliebe in den 1990ern mit seiner Sendung „High Energy“ bei Energy Sachsen in die Radiogeschichte ein, moderierte später bei oldie.fm, dem heutigen R.SA. Wer dem quirligen DJ zuschaut, kann kaum glauben, dass er bereits 57 Jahre alt ist. „Hand drauf, ich scherze nicht“, lächelte er, als er die Skepsis bemerkte. Seit 35 Jahren legt er bei Festen, Privatpartys und anderen Veranstaltungen auf, unter anderem auch im Tauchaer Club Einigkeit. „Von dort kennen mich viele und wissen, dass ich eigentlich der Oldies-Mann bin. Da gibt es dann bei manchen Partys wie dieser hier enttäuschte Gesichter, wenn ich eher Querbeet auflege, aber ich versuche, die Mischung zu wahren“, so der Leipziger.

Olaf schliebe 2

Am Sonnabend unterhielt dann der Ausnahmegitarrist Tino Standhaft das Festzelt vor der Reithalle. „Der Dauerregen war natürlich hinderlich, da bewegte es nicht viele nach Draußen“, resümierte Carsten Wulf. „Das Zelt war trotzdem recht voll, Tino hat wunderbar gespielt und viel Applaus eingeheimst“, so der Veranstalter.

Sorgen machen ihm die zunehmenden Beschwerden der Anwohner über die Lautstärke seiner Events. „Trotz Ankündigung und Genehmigung stehen immer wieder Leute hier, die um Ruhe bitten“, so Wulf. „Wir können das ja verstehen und wollen auch niemanden mit Absicht verärgern. Aber wir planen für die Zukunft und können nur auf Verständnis hoffen“, sagt Wulfs Lebensgefährtin Margot Witt. Als Kompromiss werde ab 22 Uhr die Lautstärke bereits gedrosselt. Ein wenig Besserung könnte nach dem Umbau eintreten, der derzeit in vollem Gange ist. Direkt im Gut entsteht neben der Reiterklause ein Veranstaltungssaal, der für etwa 200 Gäste ausgelegt ist und in dem dann auch Disco stattfinden könnte.

Erschien am 4. Juli 2011 in der Leipziger Volkszeitung.

  • Comments Off
  • Filed under: Kulturelles, Lokales, Musikalisches, Wirtschaftliches
  • Beethovens Neunte für Japan

    Beethovens 9. Sinfonie wird am Pfingstmontag im Gewandhaus aufgeführt. Zu dem Konzert laden die Deutsch-Japanische Gesellschaft Leipzig und die Kampfkunstschule Yoseikan. Es musizieren der Metropolitan Freude Chor Tokio und der Festchor für 150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan. Das Konzert beginnt 15 Uhr im Großen Saal, bereits ab 12 Uhr findet im Hauptfoyer eine Erlebnisausstellung zu japanischen Themen statt. Die Einnahmen kommen einem Kinderheim im von der Reaktor-Katastrophe betroffenen Gebiet Japans zugute.

    „Ursprünglich war geplant, den Erlös für unser zukünftiges deutsch-japanisches Kulturzentrum zu nutzen“, so Jörg Schiffner, Inhaber der Kampfkunstschule Yoseikan. In Großzschocher wollen er und Thomas Schulze von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Leipzig der Entwicklung Rechnung tragen, dass sich in der Stadt immer mehr Menschen für die japanische Kultur interessieren würden. Für das Projekt begeistern konnten sie Akio Takano, Pressesprecher des Bach-Archives. „Er war im Frühjahr Teil einer Leipzig-Delegation in Tokio. Dort hat er vor hochrangigen Managern der japanischen Wirtschaft für das Projekt geworben. Leider wackelte drei Tage später die Erde – mit den bekannten Konsequenzen“, berichtet Jörg Schiffner. Als die ersten Bilder aus der Katastrophenregion eintrafen, war für die Organisatoren des Konzertes klar, dass die Bestimmung des Erlöses umgewidmet wird. „Wir wollen ein Kinderheim unterstützen, das von drei deutschen Franziskaner-Schwestern betreut wird. Nach dem Erdbeben ist es unbrauchbar geworden, die Kinder leben derzeit in einer Turnhalle“, so Schiffner.

    Die Idee vom Kulturzentrum ist trotz aller Rückschläge auf der Suche nach einer Finanzierung nicht gestorben. Ein Dreiseitenhof in Großzschocher befindet sich bereits in Schiffners Besitz, in dieser Woche soll die Bauvoranfrage an die Ämter verschickt werden. „Wir wollen Kampfkunst mit anderen japanischen Kunstformen kombinieren“, kündigt Jörg Schiffner an. Durch die Verbindung mit Kaligraphie, Tuschmalerei, japanischer Druckkunst, Origami und Gesundheitsdisziplin basierend auf Yoga könne ein Ort entstehen, an dem man die fernöstliche Kultur erleben könne. Die Baukosten schätzt er auf vier Millionen Euro – die Finanzierung ist ungeklärt. Sponsoren werden gesucht. In einem ersten Schritt soll ein Trainingsraum gebaut werden.

    Benefizkonzert für Japan, Ludwig van Beethoven: 9. Sinfonie d-Moll op. 125, Karten ab 25 Euro. Beginn: 15 Uhr, ab 12 Uhr japanische Erlebnisausstellung im Foyer, nur für Besucher des Konzerts.

    Erschien am 9. Juni 2010 in der Leipziger Volkszeitung, Kultur

    Die Verbraucherzentrale Sachsen ist eine anbieterunabhängige, überwiegend öffentlich finanzierte, gemeinnützige Organisation. Ziel ihrer Arbeit ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher in Fragen des privaten Konsums zu informieren, zu beraten und zu unterstützen.

    Quelle

    Kurz gesagt: Die Verbraucherzentrale berät ausschließlich Endverbraucher, müsste (und dürfte) sich um solche Dinge wie die neuerdings massiv auftauchenden Branchenbücher im Internet also nicht kümmern. Da aber immer mehr Selbstständige und Freiberufler bei der Verbraucherzentrale bezüglich der verschiedenen Varianten der Eintragsdienste vorsprechen, hat man jetzt reagiert. In einer Pressemitteiung geht man auf verschiedene Abzock-Anbieter ein und rät dann…

    … auch scheinbar kostenlose Offerten genau durchzulesen und auf versteckte Kostenhinweise zu prüfen. Die Kosten können sich auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden. Wer darauf reingefallen ist, kann den Vertrag unter Umständen wegen arglistiger Täuschung anfechten. Ein Widerrufsrecht besteht dagegen nur für den so genannten klassischen privaten Endverbraucher, nicht aber für Gewerbetreibende, Selbstständige oder Freiberufler. Diese sollten sich zur Unterstützung an ihre Kammern (IHK, Handwerkskammer oder Verbandskammer) wenden oder einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.

    Dass die Verbraucherzentralen in Deutschland überhaupt von Unternehmern angerufen oder besucht werden, liegt meiner Meinung nach auch an der Polizei. In Gesprächen mit betroffenen Unternehmern wird immer wieder deutlich, dass viele Polizeireviere offenbar durch Stellenabbau und sonstige Personalnot kaum noch Kapazitäten haben, eine Anzeige aufzunehmen. Stattdessen wird mit fragwürdigem Sach- und Rechtsverständnis die Sache abgewiegelt – und die Unternehmer zur Verbraucherzentrale geschickt. Letzteres hat dann aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Personalknappheit zu tun, sondern mit mangelnder Schulung und Aufklärung der Beamten.

    Update September 2011: Neue Entwicklungen bei regionales-branchenbuch.info und Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg. Bitte ans Ende des Artikels scrollen.

    Update 21. April: Der Anbieter wurde offenbar vorerst gestoppt. Der Provider, der die Faxnummer verwaltet, hat diese abgeschalten. Mehr im Update innerhalb des Textes.

    Direkt zu regionales-branchenbuch.info springen

    Weitere Updates am Ende des Textes beachten.


    Erneut macht ein “Anbieter” im Bereich der Abzocke mit “Gelben Branchenbüchern” von sich reden. Und weil offenbar sämtliche sinnvollen Domainnamen bereits belegt sind, lautet der Name des Projektes diesmal: gelbes-branchen-buch.info. Man merkt gleich: Hier sind Witzbolde mit zu vielen Bindestrichen am Werk. Witzbolde, die offenbar ausprobieren, wie weit man gehen kann. Und die ihren jugendlichen Leichtsinn noch nicht so ganz im Griff haben. Aber beginnen wir ganz vorn:

    Das Fax
    Die erste Kontaktaufnahme mit deutschen Unternehmen geschieht mit einem Werbefax. Weil die Masche bislang wohl ganz gut funktioniert, wie man ja auch hier lesen kann, nutzen die beiden Witzbolde, die mutmaßlich dahinterstecken, direkt mal das gleiche Fax wie gelbes-branchenbuch.info von Florian Wilk aus Greifswald, bzw. der DMV Deutscher Medien Verlag Limited:

    Fax gelbes branchen buch 400

    Klick öffnet Großansicht

    Auf den ersten Blick ist es tatsächlich das gleiche Fax. Offenbar wurde nur die Faxnummer für die Zusendung der Rückfaxe sowie die Firmierung geändert. Der Strichcode oben links bedeutet nichts – außer “102030405060708090″ hat irgend etwas zu bedeuten.

    Die Rückfaxnummer, die angegeben ist, ist eine gebührenfreie 0800er. Oh, wie aufmerksam. Die Nummer lautet 0800 101 096 132 und gehört meinen Recherchen zufolge der multiConnect GmbH in München.
    Update, 21.April: Wie mir multiConnect mitteilt, ist die Nummer im Netz der GTC TeleCommunication Stuttgart geschalten. Auf meine Anfrage hin, teilt mit GTC mit, dass man zum Nutzer der Nummer aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussagen macht, die besagte Nummer aber bereits seit 20. April nicht mehr aktiv ist und der Kunde gesperrt wurde. Warum, wollte GTC nicht mitteilen.
    Update Ende.

    Im Text des Faxes werden faktisch haargenau die gleichen Formulierungen wie bei gelbes-branchenbuch.info verwendet. Nur den Preis haben die Spaßvögel bei mein-branchenverzeichnis.info geklaut: 497 Euro wollen sie für die Eintragung in ihr “Verzeichnis” pro Jahr. Selbiger Preis steht – wie bei den Vorgänger-Varianten auch – klein neben dem Eintragsformular. Wie gewohnt versucht das Eintragungsangebot durch die Verwendung des Wortes “kostenfrei” den Eindruck zu erwecken, hier würde es sich um ein kostenfreies Angebot handeln. Eine exakte Preisauszeichnung, die auf einen Blick verrät, ab wann Kosten in welcher Höhe entstehen, erfolgt nicht. Zudem soll der Zusatz “wie gewohnt” wohl ein bereits bestehendes Vertragsverhältnis vortäuschen, das aber nicht existiert.

    Die Spaßvögel nennen sich im Fax “DRZ eingetragener K. Neuer Wall 80 Hmb.” Steht ganz klein, ganz unten. Außerdem ist zu lesen: “GF S. Shahrasbi”. Die merkwürdigen Abkürzungen sind wohl der untaugliche Versuch, sich zu anonymisieren. Klappt nur nicht. Gleich dazu mehr.

    Die Website
    Es geht also, das muss man ja immer extra erklären, nicht um einen Eintrag in irgendein Branchenbuch im Wortsinne, sondern um die Eintragung in die unbekannte Website gelbes-branchen-buch.info. Schaut man sich diese Seite näher an, kann man eigentlich nichts anderes tun, als laut zu lachen.

    Screen 400

    Ja, und viel mehr ist es dann auch nicht. Nichts gegen Minimalismus. Aber diese Website ist gar kein funktionierendes Branchenbuch und soll es wohl auch nie sein. Die schnell dahingeschluderte Website besteht aus wenigen HTML-Dateien und einer suche.php, die aber nichts weiter auswirft als den Standardsatz “Ihre Suchanfrage erzielte 0 Treffer”. (Stand dieser Info: 20. April 2011)

    Nutzungsbedingungen und AGB wurden 1:1 von mein-branchenverzeichnis.info bzw. gelbes-branchenbuch.info kopiert, lediglich die Firmierung wurde geändert.

    Die Betreiber
    Wenn ich hier immer von “die Betreiber” spreche, so tue ich das in der Annahme, dass einer allein gar nicht so blöd merkbefreit sein kann. Denn genau so, wie sich die Witzbolde nicht die Mühe gemacht haben, wenigstens den Anschein zu erwecken, ein richtiges Unternehmen zu sein, genau so wenig haben sie getan, um ihre Identität zu verwischen.

    Widmen wir uns erst dem “S. Shahrasbi”, der auf dem Eintragungsfax vermerkt ist. Im Impressum der Website heißt er nur noch Sahrasbi, da fehlt also das erste “h”. Macht aber nichts, die Handelsregister-Bekanntmachung verrät uns, wie der Inhaber des Unternehmens korrekt heißt.
    Demnach handelt es sich um die DRZ e.K., Neuer Wall 80, 20354 Hamburg. Faktisch also ein Einzelunternehmen, bei dem die Rechtsform “eingetragene Kaufleute” gewählt wurde. Eingetragen wurde das Unternehmen am 14.03.2011. Inhaber ist Shahin Shahrasbi, wohnhaft in Lüneburg, geboren am 08.10.1990.
    Geschäftsfeld ist “Das Webdesign sowie die Erstellung und Pflege von Datenbanken mit Ausnahme erlaubnispflichtiger Tätigkeiten.”

    Nun ist Shahin Shahrasbi ein seltener Name. Was bei der Recherche von Vorteil ist. So findet man recht schnell, dass der 20-jährige Jüngling gern Motorrad fährt, beim HSV Handball spielt oder spielte und ansonsten auf “Fitness, compuer, PARTY!!!” abfährt. Achja, und auf Mädchen steht er. Das alles, nebst einem gar niedlichen Kinderbildchen ist auf netlog.com zu finden. Auch sein Geburtsdatum steht hier noch einmal. (Anmerkung: Das Profil wurde inzwischen gelöscht. Die hier ursprünglich veröffentlichten Fotos und Screenshots habe ich entfernt, nachdem Shahrasbi per Anwalt auf seine Persönlichkeitsrechte aufmerksam machte.)

    Im Forum mofapower war er bis 2006 auch unterwegs, bot dort unter anderem öfter Mofas oder Videospiele zum Kauf an, da er dringend Geld brauche. Verständlich, mit 16.

    Der zweite im Bunde macht es einem ebenso nicht schwer, ihn ausfindig zu machen. Er ist der Registrant der Domain gelbes-branchen-buch.info. Julian Weiner heißt er und stammt ebenso wie sein Kumpel Shahin Shahrasbi aus Lüneburg. Registriert hat er die Domain am 8. März 2011 bei 1&1. Das mag man ihm fast verzeihen, viele Anfänger und internettechnische Analphabeten gehen zuerst zu 1&1.

    Durchsucht man einschlägige Handelsregister-Datenbanken nach Julian Weiner, stößt man auf das Unternehmen ARZ e.K., Neuer Wall 50, 20354 Hamburg. Als Tätigkeitsbeschreibung ist angegeben: “Gegenstand: die Erbringung von Internetdienstleistungen, der Betrieb und die Pflege von Datenbanken sowie Webdesign nebst Durchführung aller damit zusammenhängender Geschäfte.”
    Gegründet wurde das Einzelunternehmen am 29.07.2010. von eben Julian Weiner, der am 19.05. 1988 geboren wurde. Noch so ein Jungunternehmer.
    ARZ und DRZ also – beide Unternehmen gerade mal 250 Meter voneinander entfernt. ARZ im Neuen Wall 50, DRZ im Neuen Wall 80.

    Doch ARZ e.K. ist nicht das einzige Unternehmen von Julian Weiner. Bereits am 12.10.2009 trat er in das Unternehmen AWS Investment UG (haftungsbeschränkt) ein. Selbiges wurde am 27.08.2009 gegründet. Am 6.11.2009 stieg ein Ali Alexander Alagrmi als Gesellschafter ein. Beide sind zu je 50 Prozent am Unternehmen beteiligt. Das Kapital der UG: Sagenhafte 100 Euro.
    Tätigkeitsbeschreibung hier: “Gegenstand: Vertrieb von Immobilien und grundstücksgleichen Rechten, Investmentanlagen und Finanzierungen für Immobilien.”

    Die AWS Investment UG ist insofern interessant, als dass die Faxnummer des Unternehmens (04131/2846286) bei der Registrierung der Domain gelbes-branchen-buch.info als Telefonnummer angegeben wurde.

    Die Firmenadresse
    Es dürfte nicht verwundern, dass die Adresse “Neuer Wall 80″ in Hamburg ein recht großes Haus mit vielen Mietern ist. Das Unternehmen DRZ e.K. kannte bei meinen stichprobenartigen Anrufen im Haus niemand. Auch das dort ansässige “Excellent Business Center” (EBC) weiß von nichts. Einen solchen Mieter habe man nicht. Das EBC bietet Büroräume, Tagungsräume und ein virtuelles Office, also eine virtuelle Präsenz, ohne dort wirklich ein Büro haben zu müssen. Die Adresse Neuer Wall 80 ist übrigens nicht die einzige Niederlassung des EBC. Auch im Neuen Wall 50, also quasi direkt nebenan, hat man so ein Business Center eingerichtet. Man kann zumindest mutmaßen, dass ARZ e.K. und DRZ e.K. nur virtuell Hamburger Unternehmen sind.

    Und nun?
    Was nun folgt? Keine Ahnung. Werden die beiden Jünglinge Weiner und Shahrasbi wirklich den Mumm haben, die Sache durchzuziehen? Werden Sie Rechnungen an Unternehmen schicken, die dieses Abzocker-Fax unterschrieben und zurückgefaxt haben? Ich hoffe nicht. Jungs, ein wirklich gut gemeinter Rat: Wenn Ihr noch ein wenig Restintelligenz besitzt, lasst Ihr es. Noch habt Ihr nicht viel Schaden angerichtet.

    Update, 25. April 2011:
    Offenbar war meine Einschätzung, die Burschen hätten noch nicht all zu viel Schaden angerichtet, nicht ganz richtig. Ich bekam einen Anruf eines jung klingenden Mannes, angeblich ein Bekannter von Julian Weiner. Dieser sagte mir, er hätte eine Liste mit Namen und Adressen von rund 100 Unternehmen, die bereits unterschrieben und zurückgefaxt hätten. Tatsächlich bekam ich diese Liste zugemailt, mehr als 100 Unternehmen sind dort zu finden. Eine Stichprobe ergab, dass die von mir befragten Unternehmen tatsächlich ein solches Fax erhalten und unterschrieben hätten, angeblich seien auch bereits Rechnungen verschickt worden.
    Sollten Unternehmen bereits gezahlt haben, hat Julian Weiner den Betrug bereits ausgeführt. Und dann dürfte es eng werden für den Lüneburger Jung’.

    Update, 26. April 2011:
    Auch die Inhaberin eines Blumengeschäftes bestätigte mir heute, bereits eine Rechnung erhalten zu haben. Das Ganze liege nun beim Anwalt. Sie wolle nicht zahlen.

    Update, 4. Mai 2011:
    Nachdem die Website zwischenzeitlich von gelb auf ein urinfarbenes Irgendwas wechselte, ist sie heute nicht mehr aufrufbar. Stattdessen erscheint ein 404-Fehler: Dokument nicht gefunden. Ob das nur an den schlechten bzw. nicht vorhandenen Programmierkenntnissen von Julian Weiner liegt oder er und seine mutmaßlichen Kumpanen bereits aufgegeben haben, wird die Zukunft zeigen.

    Update, 26. Mai 2011: Nachdem Sharasbi mit seinem neuen Projekt regionales-branchenbuch.info weitermacht, wurde das Projekt gelbes-branchen-buch.info offenbar beendet. Die Website zeigt seit Tagen eine Fehlermeldung an.

    Update, 5. Mai 2011: regionales-branchenbuch.info
    Die eine Website geht, die andere kommt. Nachdem gelbes-branchen-buch.info nun verbraucht ist, versuchen es die Herren jetzt unter der Domain regionales-branchenbuch.info. Die Masche ist abermals die Gleiche, das Fax auch. Lediglich die Angabe der Domain hat sich geändert. Abermals ist sehr klein im Fließtext und unter Verwendung von irreführenden Ausdrücken wie “wie gewohnt kostenfrei”. Als Faxnummer für Rückfaxe ist nun die 0800 5892635 angegeben.

    Die Domain wurde auf Shahin Shahrasbi registriert. Die bei Registrierung angegebene Rufnummer 0179 9698158 war heute am frühen Nachmittag noch existent. Shahrasbi ging auch ans Handy. “Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wenn Sie etwas von uns wollen, schreiben Sie uns”, meinte er vorhin auf meine Frage, warum er glaubt, Unternehmer auf diese lächerliche Art und Weise abzocken zu können. Mittlerweile hört man beim Anrufen dieser Nummer nur die Ansage, diese wäre nicht vergeben.

    Vielleicht sollte man für die Kontaktaufnahme darum Shahrasbis private Mailadresse shahin.shahrasbi@gmx.de nutzen. Denn ob Briefpost wirklich den Empfänger erreicht, dürfte fraglich sein. Laut Fax und Website-Impressum soll der Anbieter von regionales-branchenbuch.info eine “DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft” mit Sitz “An den Brodbänken 5″ in 21335 Lüneburg sein. Allerdings kennt man an dieser Adresse ein Unternehmen mit diesem Namen nicht. Hätte mich auch überrascht. Eine Mitarbeiterin einer dort ansässigen Anwaltskanzlei bestätigte mir, dass eine solche Firma dort nicht existiert, auch ein Briefkasten mit diesem Namen sei nicht vorhanden. Das Amtsgericht Lüneburg verneint ebenso: “Ein solches Unternehmen ist nicht registriert”, so ein Mitarbeiter des Handelsregisters. Eine Anfrage beim Gewerbeamt Lüneburg läuft noch. (Update 10. Mai: Auch das Gewerbeamt kennt das Unternehmen nicht.)

    Als Provider der Website muss nun das Unternehmen Revido in Freital herhalten, die Domain wurde offenbar bei United Domains registriert. Und ist noch ganz frisch: Erst am Dienstag, den 3. Mai wurde sie beantragt. Die Website regionales-branchenbuch.info ist wie auch der Vorgänger ein Witz. “Unsere Datenbanken sowie der Webinhalt werden derzeit einer umfangreichen Wartung unterzogen. Wir bitten um Ihr Verständnis und sind in Kürze wieder mit allen Features für Sie erreichbar.”, ist dort unter anderem zu lesen. Eine Suchabfrage bringt derzeit einen SQL-Fehler, der immerhin zeigt, dass versucht wird, auf die Datenbank db2794 bei 1und1 zuzugreifen. Also wohl doch kein kompletter Wechsel zu Revido?

    Fassen wir also zusammen: Eine nicht funktionierende Website, ein nicht existentes Unternehmen, Kundenfang per Spam-Fax. Alles in allem natürlich optimale Voraussetzungen, um Unternehmern einen überteuerten Eintrag in Höhe von 497 Euro netto pro Jahr anzubieten. Shahrasbi ist offenbar nicht nur dreist, sondern auch technisch inkompetent und blöd merkbefreit.

    Update, 10. Mai 2011: Sie können es nicht lassen. Seit gestern Abend werden erneut Faxe ausgesandt – diesmal lautet die Rückfaxnummer 03222 1640106. Hierbei handelt es sich um eine so genannte ortsunabhängige oder auch nationale Rufnummer. Laut Bundesnetzagentur ist diese im Netz von Vodafone geschalten. Ich lasse dies gerade überprüfen.
    Update: Lustig: Ruft man diese Nummer an, landet man bei “Arcor Mail & Messaging. Dem persönlichen Posteingangs-Assistenten von Shahin Shahrasbi”. So wird man begrüßt, wenn man diese Nummer anruft.

    Unterdessen bestätigte mir auch das Gewerbeamt der Stadt Lüneburg, dass das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft nicht eingetragen ist.

    Update, 24. Mai 2011: Shahin Shahrasbi macht wirklich Ernst: Nun werden Rechnungen verschickt. Die Kontodaten lauten: Sparkasse Lüneburg, Konto: 65088916, BLZ: 24050110.

    Update, 26. Mai 2011: Immer mehr geschädigte Unternehmer melden sich bei mir, die eine Rechnung der DMM bekommen haben. Inzwischen wurde offenbar auch die Website regionales-branchenbuch.info überarbeitet. Zumindest finden sich nun jene Unternehmen hier wieder, die zur Zahlung aufgefordert sind. Weitere Einträge wurden offenbar nicht vorgenommen – bei den meisten Suchbegriffen bleibt die Suche erfolglos. Und das, obwohl doch angeblich über 10.000 Einträge vorhanden seien…
    Unterdessen teilt mir das Handelsregister des Amtsgerichtes Lüneburg mit, dass die DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft tatsächlich gegründet wurde – am 17. Mai 2011, also erst nach Aussendung der Spam-Faxe, auf denen der Name “DMM” allerdings schon verwendet wurde. Als UG (haftungsbeschränkt) ist die DMM unter der Handelsregisternummer 20AR417 eingetragen. Ob die Verwendung des Namens vor Gründung und das kategorische Weglassen der verpflichtenden Angabe “UG (haftungsbeschränkt)” auf Faxen und Rechnungen eine Ordnungswidrigkeit darstellt oder eine strafrechtliche Relevanz hat, kann ich nicht beurteilen.

    Update, 10. Juni 2011: Das Amtsgericht Lüneburg hat in einem Schreiben an mich die Eintragung der DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt) konkretisiert und damit obige Angabe berichtigt. Demnach wurde das Unternehmen am 31.05.2011 im Handelsregister unter der Nummer HRB203168 eingetragen. Das Grund oder Stammkapital der Gesellschaft beträgt 100 Euro, als Vorstand und Geschäftsführer wurde Shahin Kai Shahrasbi, geboren am 8.10.1990 in Lüneburg eingetragen. Dem Amtsgericht wurde ein Gesellschaftsvertrag mit Datum vom 4. Mai 2011 vorgelegt.
    Die Handelsregistereintragung kann auch hier eingesehen werden.

    Für das Zustandekommen der Verträge heißt das nichts – laut GmbH-Gesetz gibt es eine Rückwirkung. Heißt: Zwar hat Shahrasbi vor Eintragung der UG als Privatmann und auf eigene Haftung gehandelt. Allerdings sind geschlossene Verträge mit der Eintragung der UG nun auf die UG übertragen worden. Ob die Verträge jedoch rechtmäßig zustande kamen – und ob überhaupt zu zahlen ist, müsste im Zweifel wohl ein Gericht beantworten. Es dürfte interessant werden, ob der Lüneburger Jung’ tatsächlich auf die Zahlungen besteht und seine lächerlichen Förderungen vor Gericht geltend macht.

    Übrigens fehlt nach wie vor auf der Website des Kaspers die offizielle Firmierung der DMM. Dass es sich um eine UG (haftungsbeschränkt) handelt, erfährt der Nutzer nicht. Damit verstößt Shahin Kai Shahrasbi de facto gegen § 5a, Abs.1 GmbHG.

    Update, 16. Juni 2011: Die DMM verschickt nun Mahnungen.

    Update, 30. Juni 2011: Laut Mitteilung eines Anwaltes lässt Shahin Shahrasbi bzw. die DMM nun die offenen Forderungen über das Inkassobüro debitas eintreiben. Zuzüglich zur offenen Forderung von 591,43 Euro rechnet die debitas Auslagen, Kontoführungskosten und Inkassokosten hinzu. Die Endsumme beläuft sich auf 707,93 Euro. Der Mandantschaft wurde seitens des Anwaltes geraten, nichts zu zahlen und eine eventuelle Klage abzuwarten.

    Mit der debitas dürften Geschädigte der DMM nun endlich mal einen Ansprechpartner haben – auf Faxe wird seit geraumer Zeit nicht mehr reagiert, Post an die Adresse der DMM in Lüneburg kommt als unzustellbar zurück. Laut Aussagen der debitas werden alle Mandanten vorher genau geprüft.

    5. Juli 2011: Schau an, plötzlich weiß Shahrasbi, wie er mit ausgeschriebenem Namen heißt und dass man seine komplette Firmierung anzugeben hat. Da wird wohl die IHK einen Tipp gegeben haben…

    19. Juli 2011: Wie mir zwei Anwälte unabhängig voneinander mitteilen, lässt das Inkassounternehmen debitas von den Forderungen ab, nachdem die Anwälte eine Anfechtung erklärt hatten. Auf Anfrage teilte mir die Geschäftsführung der debitas soeben mit, dass eine Nachprüfung ergeben hätte, dass dieser Mandant (also die DMM) nicht mehr betreut werden könne. Auf Deutsch: Shahrasbi ist rausgeflogen.
    Unternehmen, die nun aufgrund der Forderung der debitas doch noch zahlen oder gezahlt haben, sind ihr Geld trotzdem los. Rechtlich sei es so, dass die Forderung dann noch an den Mandanten weitergeleitet werden müsse, auch wenn kein Vertragsverhältnis mehr besteht. Zurücklehnen können sich Unternehmer wohl trotzdem nicht – es ist durchaus zu erwarten, dass Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg einen anderen Weg wählt, um seine Forderungen, von denen er offenbar glaubt, sie bestünden zurecht, durchzusetzen.

    22. Juli 2011: Unterdessen geht eine Lüneburger Anwaltskanzlei gegen mich vor und macht Unterlassungsansprüche geltend. Im Namen Shahin Shahrasbis fordert die Kanzlei mich auf, angebliche ehrverletzenden Äußerungen zu entfernen. Diese können mein Anwalt und ich allerdings nicht erkennen. Dafür kam ich dem Wunsch nach, auf die Veröffentlichung privater Bilder des Mandanten zu verzichten. Insofern wurden heute Morgen die bis dahin hier zu findenden Fotos, die Shahin Sharasbi zeigen, gelöscht.
     
    5. September 2011: Offenbar hat Shahin Shahrasbi den Sitz seines Unternehmens nach Chemnitz verlegt. Im Impressum heißt es nun:

    Regionales Branchenbuch.Info wird betrieben von:
    DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt)
    Schulstraße 38
    09125 Chemnitz
    HRB 203168

    In den einschlägigen Auskunftsverzeichnissen findet sich jedoch noch kein Hinweis auf eine Verlegung des Geschäftssitzes. In der Schulstraße 38 in Chemnitz befindet sich der so genannte Europark. Ein Gewerbepark, an dem über 70 Firmen sitzen. Der perfekte Ort, um nicht aufzufallen. Nach meinen Informationen hat sich Shahin Shahrasbi dort nicht direkt eingemietet, sondern nutzt die Dienste der BSD Bürosharing Deutschland UG. Selbige verspricht auf ihrer Website eine “Repräsentative Geschäftsadresse im Europark Chemnitz” und eine “Korrespondenzadresse / Postservice” sowie virtuelle Büros. Auf Deutsch: Shahrasbi nutzt einen Briefkasten in Chemnitz. Post dorthin dürfte unbeantwortet bleiben. (Update: Die Post wird innerhalb des Europarks in einen Briefkasten zugestellt, an dem rund 60 Firmennamen angebracht sind. Die BSD Bürosharing gewährt also rund 60 Firmen mit ihrem “virtuellen Büro” Asyl. Briefkastenfirmen mitten in Deutschland – rechtlich gedeckelt, weil man als Unternehmen eine Postanschrift und einen Geschäftssitz haben darf. Die DMM jedoch gibt auf der Website im Impressum vor, die Postanschrift wäre der Geschäftssitz. Auch auf den neuesten Rechnungen verschweigt das Unternehmen, unter welcher Adresse es seinen Geschäftssitz hat.
    Nach meinen Recherchen hat der Empfang des Europarks täglich rund zehn Anfragen von verärgerten “Kunden” der DMM zu bewältigen.

    7. September 2011
    Shahrasbi macht unbeirrt weiter. Nachdem er vergangene Woche offenbar wieder Eintragungsfaxe versendete, bekamen heute erste “Kunden” neue Rechnungen. Als Absender ist hier schon die DMM mit der neuen Adresse in der Schulstraße 38 in Chemnitz angegeben. Ganz unten auf der Rechnung findet sich aber noch der Hinweis, dass die DMM beim Registergericht Lüneburg gemeldet sei. Interessant ist, dass auf der Rechnung nicht ersichtlich ist, wo man den “Kunden” überhaupt eingetragen haben will. Es heißt nur: “Wunschgemäß haben wir Ihre Eintragung durchgeführt.”

    Als Kontoverbindung wird nun die Postbank angegeben. Die Kontonummer lautet: 39 942 202, die Bankleitzahl ist die 200 100 20 – die auf die Postbank in Hamburg vergeben ist. Meiner Meinung nach ein Zeichen dafür, dass sich Shahrasbi weiterhin im Raum Hamburg/Lüneburg aufhält und die Chemnitzer Adresse nur zur Irreführung gebucht wurde.

    Lustig auch der Hinweis auf der Rechnung, dass der Zahlungsempfänger das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft sei und nicht das Produkt Regionales Branchenbuch. Offenbar war Shahrasbi sogar zu unbeholfen, bei der Postbank ein Alias für sein Konto einrichten zu lassen.

    Im Übrigen fehlt auf der Rechnung die Angabe einer Steuernummer bzw. Identifikationsnummer, wie es laut § 14 Abs. 4 in Verbindung mit § 14a Abs. 5 UStG verlangt wird. Entsprechend kann diese Rechnung als nicht rechtmäßig gelten. Das Finanzamt Lüneburg freut sich sicher über eine entsprechende Mitteilung.


    Empfehlungen



              


    Nachrichten
    Hochzeitsauto Leipzig
    Friseur Leipzig
    Fotomodel Leipzig

    Kategorien


    Archiv


    Dauerbrenner

    Über

    Dies ist das Weblog von Daniel Große. Ich bin freier Journalist in Leipzig und veröffentliche hier ausgewählte Referenzen sowie private und berufliche Ansichten und Ereignisse. Vorrangig geht es um Online-, Print-, TV- und Rundfunkmedien, Unternehmen und das Leben an sich. Das klingt nach dem, was es ist: ein unterhaltsames Blog mit breitem Themenspektrum ohne irgendeine Spezialisierung.
    Projekte & Kontakt

    Großes Netz

    Die neuesten Artikel in meinem Blog auf LVZ-Online:


    Meta


    bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis
    Bloggeramt.de