von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
21. 01. 2010 16:44
Es bewegt sich was auf dem Gewinnspielmarkt. Allerdings sicher nicht so, wie sich das die beteiligten Firmen vorstellen. Gegen vier Callcenter in Bielefeld und Paderborn ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft, Geschäftsräume wurden durchsucht. Natürlich bestreitet man diese Durchsuchungen. So wie auch damals Novamedia Marketing in Paderborn bestritt, irgend etwas mit Tipptresor oder der Gewinnspielmafia in der Schweiz zu tun zu haben. Das können Thorsten Sucker, Geschäftsführer von Novamedia, seine Gesellschafterin Daniela Ptak und Markus Waldvogel, einstiger Verwaltungsrat bei Euro Lotto Tipp in der Schweiz , jetzt sicher den Ermittlungsbehörden erklären. Und wenn die ihre Arbeit gut machen, dürfte hier ein ganzes Firmenkonstrukt seiner Geschäftstätigkeit beraubt werden.
Das Dumme ist nur: Es stehen bereits andere Firmen parat, die genau die gleiche Masche betreiben. Siehe Win-Express, Deutsche Gewinn Garantie oder wie auch immer sie heute heißen.
Danke an nw-news.de und “rpv” für die Verlinkung und Hinweise
20. 01. 2010 09:48
Wenn ein Unternehmen ankündigt, eine neue Website ins Netz zu stellen, haut das heute normalerweise keinen mehr vom Hocker. Wenn das Unternehmen allerdings ein kommunales ist, für den Webauftritt 50.000 Euro ausgegeben worden sind und dieser dann nicht die Erwartungen der Benutzer erfüllt, schlägt das schon mal hohe Wellen. Der Versuch einer objektiven Analyse.
DAS Thema der Leipziger Twitterer am Dienstag war der Relaunch der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe. Was bis vor kurzem noch eine ganz normale Website im Dreispaltendesign mit linker und rechter Sidebar und mittlerem Contentbereich war, sieht seit Dienstag so aus:

Gegen 14 Uhr begann bei Twitter der Sturm aufgrund dieser Website. Stein des Anstoßes ist vor allem das Design. Die Benutzerführung funktioniert weitgehend über Buttons und Piktogramme. Sidebars und Teaserkästen gibt es nicht, die Website durchzieht ein Matsch aus Grau auf Grau im Querstreifendesign. Der Link zur Homepage ist rechts oben auf einem kleinen Haussysmbol versteckt. Ein Logo im Kopfbereich, wie man das gewöhnt ist, fehlt gänzlich. Die einzig helle und auffällige Fläche in diesem Einheitsgrau ist der gelbe Streifen mit dem LVB-Logo am Fuß der Website. Weshalb (zumindest mein) Blick immer zuerst auf dieses Banner fällt. Zudem ist man durch die Hervorhebung ständig versucht, dort draufzuklicken. Die Typografie ist ein zusätzliches Grauen. Überschriften wurden allesamt mit Versalien, also Großschreibung, realisiert. Das wirkt schreiend und insgesamt nicht freundlich.
Startseite zu unruhig
Die beiden Teaserbilder “Onlineshop” und “Mobilitätsservice” auf der Startseite sind nicht einheitlich und wirken schnell hingeschludert. Am rechten Rand des “Mobilitätsservice” gibt es einen weißen Rand, der bei “Onlineshop” nicht existiert. Oben rechts klebt der Kasten “Verkehrsinfo” direkt an den Piktogrammen, was nicht schön aussieht. Außerdem hat dieser Kasten als einziger abgerundete Ecken – aber auch nur unten. Alle anderen Kästen und Contentbereiche sind durch gerade Ecken abgegrenzt. Mit Design, Einheitlichkeit oder Nachvollziehbarkeit hat das Ganze wenig zu tun. Zudem fragt man sich, warum der Contentbereich links so riesig gewählt wurde, wenn dort nur sechs kleine Piktogramme enthalten sind. Dazu kommt, dass die Abstände zwischen den Kästen nicht einheitlich sind. Zwischen “Verkehrsinfo” und “Onlineshop” klafft eine große Lücke. Insgesamt wirkt die Startseite dadurch sehr unruhig.
Ebenso nicht einheitlich sind die beiden Slider “Meine LVB” und “Hilfe” am linken Bildschirmrand. Bei Klick fahren diese nach rechts über die gesamte Breite der Website. Diesen Effekt sieht man in letzter Zeit häufiger und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Allerdings fragt man sich, warum der Bereich “Meine LVB” nach unten so lang gewählt wurde, obwohl dieser gar nicht so viel Inhalt bereit hält. Zudem ist graue Schrift auf grauem Untergrund eher suboptimal. Der Slider “Hilfe” ist dagegen viel zu voll gepackt. Der “Schließen”-Button ist unten abgeschnitten. Auch das hat mit Design nichts zu tun und sollte eigentlich während eines Usability-Tests vor Live-Schaltung ausgemerzt werden.
Verwirrende Grafiken
Ein starkes Stück, wenn nicht gar eine Frechheit, sind die Silhouetten der Zielgruppen der LVB im Bereich “Tarife“. Während Kinder, Schüler und Azubis noch akzeptabel gestaltet wurden, wirds danach eher finster. Studenten sind offenbar fülliger als Azubis, Erwachsene haben einen Bierbauch, Autofahrer sind unförmig und Senioren sind augenscheinlich Exhibitionisten, die ihren Mantel lüften. Das Ganze wirkt so, als wenn hier nie jemand von “außen” draufgeschaut hat. Dann wäre es sicher aufgefallen, dass diese Grafiken nicht funktionieren und eher diffamierend wirken als ansprechend.
Zur Technik
Die technische Umsetzung der Website lässt sich insgesamt als unfertig beschreiben. Beispiel: Die Suchfunktion. Diese funktioniert augenscheinlich nicht. Trotz Verwendung von Worten, die auf der Website vorkommen, wird nie etwas gefunden. Weder “Newsletter”, noch “Kontakt”, “Fahrplan”, “Fahrgastbeirat”, “Semesterticket” oder “Monatskarte” funktionieren. Man muss zu dem Schluss kommen, dass die Suche noch gar nicht implementiert wurde.
Update: Mittlerweile funktioniert die Suche nach oben genannten Keywords.
Ebenso unfertig ist der RSS-Feed. Dieser versteckt sich unter unteren Navigation und ist nicht direkt in der Website mit link rel= eingefügt, wie das eigentlich üblich wäre. Viel schlimmer ist allerdings: Der Feed funktioniert nicht. Zwar werden Überschriften im Feed generiert, auf die man auch klicken kann. Die kryptische URL bringt dann allerdings nur eine nahezu weiße Seite mit einem Link “zurück zur Übersicht”. Diese sieht dann so aus. Nach Klick auf die Überschriften passiert aber wieder ebenso nichts.
Genauso schlecht oder gar nicht umgesetzt ist die Suchmaschinenoptimierung der Website. Der Seitentitel ist nichtssagend und enthält lediglich den Namen des angewählten Navigationspunktes. Das Meta-Tag “description” fehlt auf allen Seiten. Zudem dürfte die Programmierung dafür gesorgt haben, dass Google die Website so sieht.
Apropos Google: Derzeit verfügt die Website im Google-Index über Sitelinks, also Direktlinks zu wichtigen Navigationspunkten der Website. Diese Sitelinks fügt Google immer dann hinzu, wenn die Suchmaschine der Meinung ist, dass die Navigation logisch angelegt wurde. Sitelinks sind also Ausdruck einer guten Programmierung. Ich sage voraus, dass lvb.de künftig nicht mehr über solche Sitelinks verfügen wird. Dafür spricht unter anderem auch, dass vergessen wurde, Weiterleitungen auf die nicht mehr existenten Links zu legen. Wer also jetzt über Google LVB sucht und dort auf den Sitelink “Fahrpläne für Bus und Tram” klickt, steht kurz auf einer 404-Fehlerseite, danach auf der Startseite und damit im Regen.
Merkwürdig und nicht üblich sind auch die Großschreibungen der URLs. Wer sich vielleicht lvb.de/fahrplan gemerkt hat, wird damit nicht weit kommen, denn nur lvb.de/Fahrplan funktioniert. Hier sollte auf jeden Fall nachgebessert werden.
Allerdings – um auch mal etwas positives zu sagen – ist die Integration von GoogleMaps und die Realisierung des Fahrplanes ein großer Schritt nach vorn. Die Fahrtroute wird auf der Karte angezeigt, inklusive aller Haltestellen auf dem Weg. Zudem wird per kleinem Piktogramm eine Ticketempfehlung gegeben. Für Gelegenheitsfahrer eine Erleichterung.
Leider funktioniert auch diese Integration noch nicht vollends. Bei meinem Test konnte ich zwar eine Route problemlos ermitteln. Verändert man danach aber das Fahrtziel, werden Straßen plötzlich nicht gefunden. Vom Hauptbahnhof in die Ratzelstraße gibt es eine Fahrtroute. Verändert man danach das Ziel auf Antonienstraße (oder eine andere beliebige Straße), wird diese nicht gefunden. Dieses Phänomen der nicht vorhandenen Straßen haben auch andere Nutzer bereits entdeckt.
Gut gemeint aber nicht konsequent umgesetzt ist auch die Verkehrsinfo. Wer auf der Startseite derzeit auf den “Anzeigen”-Button neben “Straßenbauarbeiten Mölkauer Straße” klickt, gelangt zu einer Seite, die unsinnigerweise “Fahrplan” heißt und eine große Karte zeigt. Allerdings ist dort die Baustelle Mölkauer Straße nicht erkennbar. Erst ein erneuter Klick auf diese Baustelle, die jetzt links als letzter Eintrag statt rechts als erster Eintrag angezeigt wird, lässt die Karte an die entsprechende Stelle zoomen. Auch hier sollte nochmal Hand angelegt werden.
Betriebsblindheit?
Entwickelt wurde das “Design” der neuen LVB-Website von Frank Hofmann, Professor für multimediale Anwendungen an der Hochschule Merseburg. Vielleicht liegt hier schon der Hauptgrund für den Reinfall dieses Relaunches. Theoretisches Wissen trifft reale Anforderungen.
Technisch umgesetzt, also programmiert und gehostet wird die Website von eWerk Leipzig. Inwiefern das Unternehmen für diesen Gau mitverantwortlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings muss sich eWerk schon fragen lassen, warum sie hier nicht mit Nachdruck Veto eingelegt haben.
Auf der anderen Seite ist die Zusammenarbeit mit einem großen kommunalen Unternehmen sicher alles andere als leicht. Irgendwann, nachdem man genug gesagt hat, kommt sicher auch bei Agenturen die Resignation und es wird so umgesetzt wie gewünscht. Ich hoffe, bei eWerk existieren genügend Aufzeichnungen über alle Bedenken, die man geäußert hat. Diese würde ich dem Kunden nach dem Sturm der Entrüstung der Nutzer unter die Nase halten.
Wie betriebsblind und unerfahren die Leipziger Verkehrsbetriebe mit dem Thema Internet sind, zeigt bereits die Pressemitteilung, die anlässlich des Relaunchs herausgegeben wurde. Die Website wird dort als “das Internet” bezeichnet. So laufe “das Internet” auf allen gängigen Browsern, jedoch nicht auf Internet Explorer 6.0, weil “für die Browser Internet Explorer eine bundesweite Sicherheitswarnung herausgegeben” wurde. Wer derart ungeschickt Sätze über Internetanwendungen formuliert, sollte vielleicht lieber keine Pressemitteilung herausgeben.
Fazit: Technisch gesehen gibt es bei der neuen Website der LVB durchaus Ansätze, die wegweisend und richtig sind. “Internationale Maßstäbe”, wie die Pressemitteilung laut schreit, werden allerdings nicht gesetzt. Schon gar nicht mit diesem Design, das keines ist. Eine grundlegende Überarbeitung wird sicher nicht möglich sein. Allerdings sollten sich die Beteiligten nochmal an einen Tisch setzen und die Kritikpunkte der Nutzer zum Anlass nehmen, über Optimierungen nachzudenken.
08. 01. 2010 11:48
Das kennt wohl jeder, der im FastFood-Restaurant isst: Oftmals sieht das, was in der Bürger-Packung von links oben nach rechts unten liegt, nicht so aus, wie einem die Werbebildchen über der Theke weiß machen wollen. Das ist – bis zu einem gewissen Grad – okay und verständlich. Dennoch habe ich schon mehrfach Burger zurückgehen lassen, weil sie entweder hilflos in ihrer eigenen erbrochenen Soße lagen oder kalt waren, obwohl sie grad erst frisch zubereitet wurden.
Ein Stück mehr verärgert bin ich allerdings, wenn auf der Packung und an den Werbetafeln etwas drauf steht, das gar nicht drin ist im Burger. Zwiebeln etwa. Beim CBO, dem Chicken Bacon Onion scheint das so zu sein. Auf der Packung abgebildet ist ein gut gebauter Burger, auf dem man ein Stück Hähnchenfleisch, Bacon, Käse, Salat und eine weiße Soße sieht. Zwiebelringe gucken nicht raus. Dreht man die Packung um, wird einem anhand kleiner Bildchen verdeutlicht, was einen erwartet. Käse, ein Porzellanhuhn (?) und Zwiebeln in Form von Ringen. So sieht das aus:

Liest man allerdings die Erklärung, was drin ist in der Packung, wird man überrascht:
Dürfen wir vorstellen: Knuspriges Hähnchenfleisch, würziger Bacon und Röstzwiebeln. Und wieder mal wäre bewiesen: In der Kürze liegt die Würze.
Röstzwiebeln? Aha. Also doch keine Zwiebelringe in einem Burger, der sich Chicken Bacon Onion nennen und auf seiner Packung ein Bildchen von Zwiebelringen tragen darf. Und das, wo onion doch eindeutig “die Zwiebel” heißt. Röstzwiebeln wären, wenn ich mich nicht täusche, die fried onions. Die sehen natürlich auf einer Packung reichlich behämmert aus, klar. Mir erschleicht sich allerdings der Verdacht, dass (zumindest in meinem) CBO gar keine Zwiebeln in irgendeiner Darreichungsform enthalten waren. Wo also ist das “O” im CBO?
Das will ich genauer wissen und habe darum eine Mail an McDonalds geschickt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
heute kaufte ich mir im McDonalds Taucha einen CBO. In Erwartung und Vorfreude der Kombination Hähnchenfleisch, Bacon und Zwiebeln. Beim Essen des Burgers wurde ich allerdings enttäuscht – trotz investigativer Nachforschung durch Hochklappen des Brötchens fand ich keine Zwiebeln. Weder geschmacklich noch augenscheinlich waren Zwiebeln in diesem Burger “verbaut”. Auf der Verpackung las ich dann, dass Röstzwiebeln im CBO enthalten sein sollen. Aber auch hier frage ich mich: Wo sind die? Ehrlich gesagt, komme ich mir dann beim Satz “In der Kürze liegt die Würze” reichlich veralbert vor. Denn würzig ist dieser CBO auf keinen Fall – so ganz ohne Zwiebeln. Außerdem sind auf der Packung eine Zwiebel und Zwiebelringe abgebildet. Das kann man schon fast Täuschung des Kunden nennen und ich bin einigermaßen erbost darüber.Mich würde Ihre Meinung dazu interessieren.
Viele Grüße,
Daniel Große
Das kann man jetzt kleinlich nennen. Allerdings find ich das Ganze schon eine Sauerei. Bin gespannt.
Update 11. Januar 17 Uhr:
McDonalds hat mir eine Mail geschickt. Dank dieser weiß ich nun, dass meine Anfrage die interne Bearbeitungsnummer HSC-10/01-01240 bekommen hat. In der Mail schreibt mir Nils Kuhlmann vom Customer Service, dass er erfahren habe, dass ich beim letzten Besuch enttäuscht wurde. Dafür entschuldigte er sich, dies entspreche natürlich nicht dem hohen Qualitätsanspruch. Er habe sofort mit dem “Restaurant Manager” in Taucha gesprochen. Die Kontrollen würden jetzt verstärkt, damit ich beim nächsten “Mahl” wieder “rundum zufrieden” bin. Und anschreiben soll ich ihn sofort, wenn ich wieder einmal Grund zur Beschwerde habe. Dafür hat er mir auch sofort seine persönliche Mailadresse mitgeteilt: info@mcdonalds.de. “Ich bin wirklich gerne für Sie da”, schreibt er “aus München”.
Wahnsinn. So viel Blindtext hätte ich nicht erwartet.
10. 12. 2009 23:57
Eine etwas längere Geschichte. Nehmen Sie sich einen heißen Tee, was zu Knabbern, kuscheln Sie sich in Ihre Lieblingsdecke und lesen Sie aufmerksam. Spannend wird’s sicher.
In den vergangenen Tagen wurde, wie berichtet, mein Blog von zahlreichen verunsicherten Verbrauchern besucht, die Post von einem Rechtsanwalt erhielten. Zu diesem ist so ziemlich alles gesagt – vorerst jedenfalls.
Die Firma hinter Win-Express
Widmen wir uns daher doch mal etwas genauer der Geschichte und den Firmen dahinter. Beginnen wir ganz von vorn, nämlich bei Win-Express, also jenem Gewinnspiel, bei dem sich angeblich via Telefon unzählige Verbraucher angemeldet und der Abbuchung von 89 Euro zugestimmt haben. Win-Express wird betrieben von der Global Invest Group Ltd.. Als Unternehmenssitz gibt die Global Invest die Ruhrallee 185 in Essen an. Die Ruhrallee 185 ist ein recht großes Bürogebäude. Hier sitzen unter anderem ein (seriöser) Anwalt, ein Immobilienmakler, eine Firma für Wassertechnik und einige mehr. Außerdem hat hier ein Bürodienstleister seinen Sitz, der Firmen ein Virtual Office anbietet. Ein Manager des Bürodienstleisters sagte mir: “Wir mussten der Firma fristlos kündigen, da sie Ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkam. Damit hat sie auch nicht mehr das Recht unsere Adresse weiter zu nutzen, dies verfolgen wir derzeit weiter.”
Die Mitarbeiterin eines anderen großen Unternehmens im Haus bestätigte ebenfalls: “Ja, die Global Invest kennen wir. Die hatten hier bis vor zwei Monaten einen Briefkasten. Nein, kein Büro. Wohin die jetzt gezogen sind, kann ich nicht sagen.”
Halten wir also fest: Die Global Invest Group Ltd. in Essen ist eine Briefkastenfirma, die nach Aussage meiner Informanten nicht mehr in der Ruhrallee 185 sitzt, unbekannt verzogen ist. Ob es dann noch rechtlich wasserdicht ist, diese Adresse auf Websites wie win-express.de anzugeben, entzieht sich meiner Kenntnis. So ist auch zu erklären, warum ein Einspruch bei Global Invest gegen die unrechtmäßig erhobene Forderung nutzlos ist – die Briefe kommen als “unbekannt verzogen” zum Absender zurück.
Die Geschäftsführer und ihre Querverbindungen
Da meine Neugier in solchen Sachen schier unerschöpflich ist, habe ich mir diverse Handelsregisterauszüge, Firmeninfos und Creditreform-Einträge gezogen. Das geht beispielsweise über Genios oder Firmenwissen. Kostet zwischen knapp 3 und gern auch mal 60 Euro und mehr. Legt aber oftmals interessante Infos frei, die ich hier gern teilen will.
Die Global Invest Group Limited ist eine GmbH mit einem eingetragenen Gründungskapital von gerade mal 1500 Euro und einem Mitarbeiter. Gegründet wurde das Unternehmen am 25. März 2009. Als Tätigkeit wird “Factoring” angegeben. Geschäftsführer der Global Invest Essen ist, so liest man auch auf Win-Express.de ein gewisser Manfred Eduard Rabiega. Auch im Handelsregister ist dieser Rabiega mit Wohnort Duisburg verzeichnet. Eigentümer der Global Invest Group Limited GmbH ist die BARU UK Limited in Aldermaston, einem Tausend-Seelen-Nest in Südost-England mit Hang zu Julihochwasser.
Bleiben wir aber bei Rabiega: Manfred Eduard Rabiega ist nicht nur Geschäftsführer bei der Firma, die Win-Express vertreibt, sondern auch bei der Multi Consulting & Service Limited, die den Gewinnspielservice Winfuchs ihr Eigen nennt. Die Multi Consulting & Service Limited wurde am 22. September 2009 gegründet. Firmensitz soll ebenfalls wie bei der Global Invest Group Limited die Ruhrallee 185 in Essen sein. Hauptsitz ist Berkshire in England. Unternehmensgegenstand ist auch hier Factoring. Gründungsstammkapital sind 1000 Euro.
Da Manfred Eduard Rabiega, der in wenigen Tagen seinen 37. Geburtstag feiert, aber offensichtlich über viel Tagesfreizeit verfügt, war er bis vor kurzem noch Geschäftsführer der World Technology D.C. GmbH. Selbige ging am 16. Januar 2009 aus der D.C. – Auto Handel und Vermietung GmbH hervor. Rabiega war bei der World Technology D.C. GmbH vom 23. Juni 2009 bis 28. August 2009 Geschäftsführer. Seitdem führt Devrim Cetindag die Geschäfte.
Und ab jetzt wird es komplizierter. Die World Technology D.C. GmbH ist Gesellschafter bei einer Atlas-Technology GmbH & Co. KG. Beide Unternehmen sitzen seit Ende August 2009 in der Westender Straße in Duisburg. Alleinig vertretungsberechtigt ist hier ebenfalls Devrim Cetindag.
Wieviel weiß der Rechtsanwalt wirklich?
Soweit zu Duisburg. Schauen wir nach Gelsenkirchen. Der Stadt, in der Rechtsanwalt André A. aus Krefeld eine Kanzlei besitzen soll. Ruft man die Krefelder Telefonnummer an, leitet diese (derzeit noch) an eine Telefonnummer mit Vorwahl 0209 weiter. Dort meldete sich während meiner Recherchen ein Mann mit den Worten “Atlas Verwaltung, guten Tag”. Atlas Verwaltung? Herr A. sei nicht zu sprechen, diese Nummer gehöre zu seiner Gelsenkirchener Kanzlei. Der Mitarbeiter sei damit beauftragt, Namen der Anrufer und Aktenzeichen der Schreiben zu notieren und an Herrn A. weiterzuleiten. “Wir sitzen im Büro neben ihm in Gelsenkirchen”, sagte mir der Mitarbeiter.
Später rief mich ein anderer Mitarbeiter der Atlas Verwaltung sogar zurück und erklärte mir nochmals, Herr A. habe das Unternehmen damit beauftragt, für ihn die Telefonate zu übernehmen. Außerdem sagte mir der Mitarbeiter, die Anrufe verärgerter “Kunden” würden sich häufen. Er selbst habe A. bereits mitgeteilt, dass ihm das nicht gefalle.
André A. indes bestreitet, die Atlas Verwaltung jemals beauftragt zu haben. Was merkwürdig erscheint, angesichts der Tatsache, dass die Atlas Verwaltungs GmbH Gesellschafter der Atlas Call GmbH & Co. KG ist. Einem Callcenter, das ebenso wie die Atlas Verwaltung und André A. in der Marienstraße 14 in Gelsenkirchen sitzt. Die Atlas Verwaltungs GmbH übrigens hatte bis September 2009 ihren Sitz noch in Duisburg. Eine Verbindung zur Atlas-Technology und Rabiega oder Devrim Cetindag lässt sich zwar (noch) nicht herstellen. Aber merkwürdig ist das schon: A. streitet ab, dass die Atlas Call von ihm beauftragt wurde, obwohl das doch eigentlich ein normaler Vorgang wäre, wenn die Atlas Call ein normales Callcenter ist.
Ich habe André A. mit diesen Recherchen konfrontiert. Als Antwort erhielt ich:
Tatsache bleibt, dass die Fa. Atlas nicht vom mir beauftragt ist.
Das ich mich über die Nachbarschaft zur Fa. Atlas auch in gefühlter Nähe zu Herr Rabiega befinde, war mir nicht bekannt bzw. bewusst. Ich habe Herrn Rabiega nie getroffen und stehe/stand zu ihm oder der Fa. Global Invest in keinerlei Kontakt.
Ich werde Ihre Information allerdings aufgreifen und den Standort meiner Zweigstelle überdenken, da ich auch nicht den Anschein der Nähe zu Global Invest/Rabiega aufkommen lassen will.
Soviel vorerst zu Rechtsanwalt A.
UniScore: Kurz vor der Liquidation?
In seinen Schreiben gibt André A. an, die Interessen der UniScore Forderungsmanagement AG in der Schweiz zu vertreten. Diese UniScore habe die Forderungen der Global Invest Group Limited Essen gekauft. So etwas nennt man (wie bereits verlinkt) Factoring. Die UniScore hofft also, dass die Forderungen der Global Invest rechtmäßig sind. Und A. hofft dies wohl auch, um möglichst viel Geld hereinzubekommen.
Schauen wir uns die UniScore Forderungsmanagement etwas genauer an. Das Schöne am Handelsregister der verschiedenen Kantone in der Schweiz ist: Sie sind kostenlos nutzbar. Und die Mitarbeiter der jeweiligen Registerverwaltungen sind äußerst auskunftsfreudig. Das ist doppelt schön, denn ich höre Schweizer sehr gern reden. Viel lieber als Österreicher. Aber ich schweife ab.
Die UniScore Forderungsmanagement AG sitzt in der Industriestraße 21 in Alpnach Dorf. Die UniScore ist ein traditionelles Unternehmen, es besteht bereits seit 1930 und wurde von Josef Ackermann gegründet. 1960 übernahm Adolf Ackermann das Unternehmen und ließ im Oktober 1963 die Einzelfirma “Elektro Ackermann” eintragen. Im Dezember 1981 hat die “Ackermann Haushalt + Küchen AG” die Tätigkeit der erloschenen Einzelfirma übernommen. Sitz war Kaisten. Seit 10. September 2009 heißt das Unternehmen UniScore Forderungsmanagement AG und sitzt in Alpnach Dorf.
Verwaltungsrat der UniScore war bis zum 9. Dezember 2009 noch ein Andreas Marbach. Wie gesagt: er war es. Auch besitzt die UniScore derzeit keinen Geschäftssitz. Im Handelsregister ist eine Änderung vermerkt, die sich so liest: “Die Gesellschaft hat ihr Domizil eingebüsst.” Was das heißt, erklärt Jan Turi, stellvertretender Leiter des Handelsregisters Obwalden: “Das Unternehmen hat angegeben, ihren derzeitigen Firmensitz aufgegeben zu haben und verfügt derzeit über keine eingetragene Adresse. Wir haben die Firma aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen einen neuen Sitz vorzuweisen. Tut sie das nicht, werden wir dies in der amtlichen Publikation vermerken”, so Turi.
Update 25. Februar 2010:
Die Uniscore Forderungsmanagement AG hat wieder einen Geschäftssitz. Sie sitzt nun in der Neuhofstraße 3a, 6340 Baar (Schweiz). Neuer alleiniger Verwaltungsrat ist Sascha Weischede, deutscher Staatsangehöriger aus Wädenswil. Offenbar ist die neue Adresse auch wieder nur ein Tummelplatz für Briefkastenfirmen.
Update Ende.
Außer dem Geschäftssitz fehlt der UniScore außerdem, wie oben geschrieben, seit wenigen Tagen der Verwaltungsrat – Andreas Marbach sei ausgeschieden. “Er hat uns mitgeteilt, aussteigen zu wollen. Er hat wohl von den merkwürdigen Machenschaften in Deutschland und den Drohbriefen des Anwalts gehört und wollte damit nicht in Verbindung gebracht werden”, sagt Turi. Die UniScore bezeichnet Turi damit als “derzeit in doppeltem Sinne in keinem gesetzmäßigen Zustand”. Auch hier gelte die 30-Tage-Frist. Werde diese Frist nicht eingehalten, werde das Handelsregister einen Richter mit der Liquidation des Unternehmens beauftragen.
Eine Löschung des Unternehmens zum jetzigen Zeitpunkt würde zum Zahlungsziel der Amberge-Forderungen passen: Dort war stehts von 4. Dezember die Rede. Denkbar also, dass sich das Ganze jetzt in Wohlgefallen auflöst – sicher gibt es verunsicherte Menschen, die aufgrund des Schreibens von Amberge gezahlt haben. Das Schleppnetz wurde ausgebreitet, einige blieben hängen. Auftrag erfüllt, die AG kann liquidiert werden. Mutmaßungen, natürlich. Aber denkbar.
Andreas Marbach hat außer bis vor kurzem bei der UniScore auch bei weiteren Unternehmen “treuhänderisch”, wie Turi sagt, den Verwaltungsrat übernommen. In der Summe sind es rund 15 Firmen, bei denen er zeichnungsberechtigt war oder ist. Auffällig: Die meisten dieser Firmen sitzen in der Industriestraße 21 in Alpnach Dorf. Ein Hochhaus? Mitnichten. Was Google Maps derzeit noch als Feld ausweist, ist seit etwa zwei Jahren ein vierstöckiges Gebäude. Unter anderem hat hier das Medizintechnikunternehmen Leuag AG ihren Sitz. Eine Mitarbeiterin sagte mir, die Leuag sitze in der vierten Etage und habe im Erdgeschoss ihr Lager. In der zweiten und dritten Etage gebe es weitere Büroräume. Außerdem sei ein Briefkasten montiert, an dem “viele Firmennamen” stehen.
“Ja, die Industriestraße 21 wird seit einiger Zeit gern von solchen Firmen als Geschäftssitz genutzt. Wir sehen das mit den Briefkastenfirmen nicht gern. Verboten ist das allerdings nicht. Zumal wir hier nur eine kleine Verwaltung sind, die sich nicht um jeden Einzelfall kümmern kann. Heißt: Wir können nicht immer nachsehen, ob es diese Firmen wirklich gibt”, sagt Jan Turi vom Handelsregister Obwalden. Andreas Marbach zählt er aber zu den seriösen Unternehmern. “Er zahlt seine Rechnungen pünktlich und seine anderen Gesellschaften sind noch nie aufgefallen”, sagt er. Wie gesagt: Die Schweizer sind erstaunlich auskunftsfreudig.
Alles nur eine Steuerhinterziehung?
Nach diesen neuen Erkenntnissen stellte sich für mich die Frage: Ist die UniScore in diesem schwebenden Zustand überhaupt noch berechtigt, Forderungen von deutschen Verbrauchern einzufordern? Jan Turi wusste darauf keine Antwort. Darum wandte ich mich heute nochmals per Mail an André A. Ich schrieb ihm gegen 10.45 Uhr:
1) Ist Ihnen bekannt, dass die UniScore Forderungsmanagement, also Ihre Mandantin, sich derzeit in keinem gesetzmäßigen Zustand befindet? Die Uniscore verfügt aktuell über keinen Verwaltungsrat und über kein Domizil. Was sagen Sie dazu?
2) Bleibt angesichts dieser Tatsachen die Uniscore Ihre Mandantin?
3) Angesichts des Drucks von außen, unter anderem von der Verbraucherzentrale, haben Sie noch immer keine Zweifel daran, dass die Forderungen rechtmäßig erhoben werden?
Eine Antwort habe ich bis kurz vor 0 Uhr darauf ebenso wenig erhalten wie auf diese Frage:
4) Warum erheben Sie auf Ihre Forderungen keine Mehrwertsteuer, obwohl Sie nach RVG, VV Nr. 7008 dazu verpflichtet sind?
Richtig gelesen: In den Schreiben vom 18.11.2009, die A. verschickt, sind die Hauptforderung von 89 Euro zuzüglich einer Gebühr laut Nr.2300 VV RVG, Post- und Telekommunikationsentgelte nach Nr. 7200 VV RVG sowie Rücklastschriftsgebühren aufgeführt. Das RVG ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Dies besagt: “Der Rechtsanwalt hat als Dienstleister ebenfalls die Mehrwertsteuer abzuführen. Das RVG erlaubt dem Rechtsanwalt in VV Nr. 7008, diese auf seine Mandanten umzulegen. Deshalb ist auf alle Gebühren mit Ausnahme der Auslagen für Gerichtskosten die Mehrwertsteuer zu berechnen.” Heißt für mich: Hier hätte A. Umsatzsteuer geltend machen müssen, zumal die Forderungen auf sein eigenes Konto eingezahlt werden sollen, es also seine Umsätze sind. Ich mag mich täuschen, A. könnte das klarstellen. Tat er bislang aber nicht.
Forderung widersprechen
A. stellt sich für mich tot. Nicht jedoch für Verbraucher, die ihm einen Widerspruch schickten, wie etwa dieser Kommentar und andere zeigen. Wer sich wehrt und A. einen Widerspruch schickt, dem wird die Forderung erlassen. Eine Begründung, warum dies so ist oder gar eine Entschuldigung liefern weder A. noch die UniScore mit.
Vorsicht vor Trittbrettfahrern
Die Geschichte zeigt eines ganz deutlich: Am Telefon sollte man irgendwelchen Anrufern auf keinen Fall persönliche Daten wie die Kontonummer nennen. Wie unbedarft, unbesonnen und – ja ich möchte sogar dumm sagen – offenbar einige Menschen dieser Republik sind, beweist ein Fall, der mir per Kommentar und Mail angetragen wurde. Offenbar versuchen Trittbrettfahrer oder Vertraute von A. jetzt, einige Menschen doch noch zur Zahlung zu bewegen. Angeblich ruft ein Anwalt namens Schmidt von der Kanzlei Lindemann & Schmidt aus Berlin jetzt bei Empfängern des Anwalts-Schreibens an. “Er hat mich massiv unter Druck gesetzt und mir ein Mahnverfahren über 400 Euro angedroht”, schreibt mir die Besucherin meines Blogs. Besagter Schmidt habe einen “Vergleich” angeboten. Die Dame solle nun zwei Raten á 59 Euro zahlen – und ist offenbar darauf eingegangen. Ohne etwas schriftliches in der Hand zu haben. Ohne überhaupt zu wissen, mit wem sie da wirklich gesprochen hat. Nach dem Anruf mit dem vermeintlichen Anwalt klingelte wieder das Telefon – ein so genannter Kontrollanruf von der Telefonnummer 03222332555. Was der Kontrollanruf sollte, habe ich nicht herausfinden können. Womöglich hat sich die Dame aber nun erneut an Win-Express oder andere solche Firmen gebunden.
Bei einem solchen sorglosen Umgang mit sensiblen Daten habe ich keine Fragen mehr…
Bei einem Anruf bei der Kanzlei Lindemann & Schmidt in Berlin sagte mir Anwalt Michael Lindemann: “Das ist absurd. Wir rufen nicht bei Leuten an. Wenn es eine Forderung gibt, verschicken wir Briefe. Von einem Anwalt André A. habe ich noch nie gehört. Offenbar bedient sich da jemand unseres Namens.”
02. 12. 2009 18:14
Ich warne hier immer mal wieder vor dubiosen Firmen, die offenbar ungefragt bei Verbrauchern Geld abbuchen für augenscheinlich nicht erkennbare oder beauftragte Dienstleistungen. Im Mai schrieb ich zu solch einem Fall einen Blogeintrag. Seit 23. November kommen auf diesen Eintrag vermehrt Kommentare, in denen sich Besucher dieser Seite besorgt über Mahnschreiben eines Rechtsanwaltes äußern. Die Kommentare beginnen ab hier. Dort ist nachzulesen, wen André A. vertritt und welche Forderungen er hat.
André A. existiert
Nachdem viele Geschädigte und ich zwischenzeitlich auch die Existenz des Anwaltes anzweifelten, hier die gute Nachricht: Er existiert. Heute hatte ich nach diversen Recherchen in dieser Sache die Gelegenheit, mit A. zu telefonieren; er rief mich zurück. Er bestätigte, Anwalt in Krefeld zu sein, eine Niederlassung in Gelsenkirchen zu haben und Absender des Mahnschreibens zu sein. Beauftragt wurde er von der UniScore Forderungsmanagement AG in Alpnach Dorf (Schweiz), die UniScore ist also Amberges Mandantin. “Mir wurde von meiner Mandantin mitgeteilt, dass Forderungen bestehen, die aus einem Abonnement resultieren. Diese Abos wurden telefonisch beauftragt und zu diesen Beauftragungen bestehen Aufzeichnungen. Das ist das, was mir von meiner Mandantin mitgeteilt wurde”, sagt A. Aus diesen Schilderungen heraus ergab sich für ihn, dass die Verträge rechtmäßig zustande kamen. “Ich hatte zu keiner Zeit Anlass, anzunehmen, dass diese Forderungen nicht rechtmäßig zustande kamen”, sagt er und führt weiter aus: “Meine Mandantin sieht sich in dieser Sache auch als Geschädigte, wenn sich herausstellen sollte, dass die Forderungen nicht rechtmäßig sind. Es ist nicht im Interesse der UniScore, irgendjemanden zu betrügen.”
Einspruch erheben
Empfänger seines Mahnschreibens, die der Meinung sind, die Forderung bestehe zu unrecht, sollten ihm dies mitteilen. “Am Besten per Post auf eine der angegebenen Anschriften”, sagt A. In dem Schreiben sollte dargelegt werden, wie sich der Sachverhalt verhält. “Im Zweifel muss ich dann nachfragen, ob es eventuell Beweise gibt, die das Zustandekommen eines Vertrages und somit die Rechtmäßigkeit der Forderung belegen”, so der Anwalt.
Was mit den Empfängern des Schreibens passiert, die weder reagieren, noch zahlen, wollte ich von ihm wissen. “Das weiss ich nicht. Bislang bin ich nur damit beauftragt, diese Forderungen einzuholen. Ob meine Mandantin an diese Kunden nochmals rantreten will, entzieht sich meiner Kenntnis”, so A.
Factoring
Ein Hinweis noch zur UniScore Forderungsmanagement AG: Laut den Schilderungen des Anwaltes ist die UniScore in diesem Fall auch nur “Opfer”. Die UniScore ist eine so genannte Factoringgesellschaft. UniScore kauft von Unternehmen also offene Forderungen auf und spekuliert darauf, diese Forderungen ganz oder zumindest in Teilen eintreiben zu können.
Wenn es also ein Unternehmen gibt, dem Geschädigte sauer sein können, ist es die Global Invest Group Ltd. in Essen. Diese betreibt die Gewinnspieleintragsdienste WinExpress, extrawin.TV und mit Sicherheit noch einige weitere. Als Director dieser Limited ist ein Manfred Eduard Rabiega eingetragen. Der Gewinnspielservice Winfuchs wird von der Multi Consulting & Service Limited betrieben, der als Director ebenfalls Rabiega vorsteht. Einsprüche gegen Forderungen und Kündigungen von vermeintlichen Abos sollten also direkt an diese Firmen gestellt werden.
Und noch eine Bitte
Mir erscheinen die Aussagen von A. Bitte unterlasst in den Kommentaren künftig Anschuldigungen, Hasstiraden oder die Worte Betrüger etc. in Verbindung mit André A. Ich werde solche Kommentare nicht mehr freischalten oder löschen bzw. bearbeiten, um mich und Euch nicht angreifbar zu machen.
Update
Bitte dazu auch dieses Update beachten.
12. 11. 2009 22:59
Heute Abend fand in Leipzig die erste PR-Konferenz der Hugin Group statt. Unter dem etwas sperrigen Namen “Twitter, Krise & Co. Public Relations 2009. Der Beginn einer neuen Ära?” wurde über Twitter und die möglicherweise daraus resultierende Veränderung der PR von Unternehmen diskutiert. Ich führe sonst nicht gern Protokoll, aber ich finde die Ansichten der Personen des Podiums recht interessant und will sie gern mit Euch teilen.
Eingeladen waren Silvana Kürschner, Strategy Director Games Convention Global, Alexander Witt, Geschäftsführer der pioneer pr aus Leipzig, Andreas Milles, Brand Evangelist bei spreadshirt, Dr. Stephan Dahl von der University Middlesex London, Klaus Feldgen, Online-Redakteur beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und Bernhard Kellner, Pressechef bei der Langenscheidt Verlagsgruppe.
Dass Twitter, Blogs und Co. kein Teufelszeug sind, sondern vor allem Chancen bietet, wissen wir alle, die wir praktisch im Netz und mit all diesem Kram täglich leben. Für alle anderen veranschaulichte Stephan Dahl die Möglichkeiten in seinem lebhaften Kurzvortrag. So verglich er das Web 1.0 mit dem Web “two point o”, wie der in London lebende gebürtige Deutsche sagte. “Wer heute etwas im Web sucht, bekommt vor allem zuerst die Social-Media-Plattformen als Ergebnisse präsentiert”, meinte er und bewies es mit einer Suchanfrage nach seinem Namen, die neben dem Twitter- auch das Facebook-Profil und die Wikipedia-Seite zeigte. Gerade für Unternehmen böten sich aus diesem Fakt heraus viele Chancen.
Bernhard Keller von Langenscheidt brachte ein plastisches Praxisbeispiel mit. Mit dem Projekt jugendwort.de sei in der Vergangenheit experimentiert worden, was mit ein bisschen Twitter, Youtube-Vernetzung und Unterstützung von myspace möglich ist. Laut Kellner hätte sich die Akzeptanz der Website durch den Einsatz der zweinulligen Angebote deutlich gesteigert. Es wurden mehr Vorschläge eingereicht und die Abverkäufe des Buches hätten sich auch gesteigert.
Klaus Feldgen vom Bundespresseamt – der Mann vom Amt, wie er sich selbst mehfach nannte – überzeugte durch einen Humor, den sich mancher Stand-Up-Comedian abschauen sollte. Nicht oder nur halb ausgesprochene Pointen und ein verschmitztes Lächeln ließen fast vergessen, dass Feldgen immerhin direkt für die Bundeskanzlerin arbeitet. “Angela Merkel als Bundeskanzlerin twittert nicht”, stellte er von Anfang an klar.
Insgesamt hielten sich die “interaktiven Features” der Online-Kommunikation des Bundespresseamtes sehr in Grenzen. Anfangs waren es moderierte Foren. “Immer dann, wenn es etwas zu diskutieren gab. Das war meist zeitlich und auf ein Thema begrenzt”, so Feldgen. Ein Beispiel war der Amoklauf von Erfurt. Außerdem gab es 2003 ein mobiles TV-Studio, das Wünsche und Visionen der Bürger für ein Leben in 2010 einfing. Seit 2006 gibt es mit direktzurkanzlerin.de eine Website, die zumindest ein wenig Nutzerbeteiligung bietet. Jede Woche können die Nutzer über drei Fragen an die Kanzlerin abstimmen, die dann direkt zu Merkel finden und von ihr beantwortet werden.
Für das Bundespresseamt steht in Sachen Web 2.0 eines fest: Keine Interaktivität ohne Moderation, keine Einladung zur Partizipation ohne strategische Zielsetzung und interaktive Features nur mit Planung der personellen Ressourcen. Denn eines sei klar: Aktivitäten im Social Web kosten nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit. Für seine Sechs-Mann-Abteilung sei das derzeit nicht umsetzbar.
Silvana Kürschner von der Leipziger Messe schilderte in ihrem kurzen Vortrag, mit welchen Maßnahmen eine Messe wie die Games Convention und ihre Nachfolgeveranstaltung Games Convention Online im Web 2.0 unterwegs ist. Maßnahmen, an denen ich nicht ganz unschuldig bin. Seit 2006 hat die Games Convention ein Blog, das ich mit Thomas Gigold verantworte. 2008 kam zum Blog ein Twitter-Account hinzu, der sich thematisch am Blog orientiert. Mittlerweile betreibt die Leipziger Messe mit unserer Hilfe weitere Blogs und wird von uns in Sachen Social Media beraten. “Wir wollten in den Dialog mit der Zielgruppe treten. Das geht mit einem Blog am Besten. Und die externen Partner sichern uns eine schnelle Reaktion auf Anfragen”, sagte Silvana Kürschner. Letztlich sei die Etablierung von Blogs und die Ansprache via Twitter aber auch ein Kostenfaktor. Die Generierung von 20.000 Klicks auf eine Website innerhalb eines Monats würde mittels Google-Adwords- oder Display-Kampagnen um einiges teurer als die Beauftragung eines Dienstleisters. Allerdings warnte sie vor Kommentaren: “Nur rund fünf Prozent der User sagen wirklich, was sie denken und wollen. Seien Sie also nicht so euphorisch”, meinte sie.
Alexander Witt von pioneer pr stellte ähnlich wie Stephan Dahl fest, dass sich für Unternehmen im Social-Media-Bereich viele Potenziale bieten. Zuhören, was die Zielgruppe will, sei allerdings ganz wichtig. “Die Grenzen verschwimmen. Kommunizierten PR-Abteilungen früher nur mit Journalisten, wird nun zunehmend mit den Kunden direkt gesprochen. Für viele Firmen ist das erstmal ein Schock”, sagte er. Trotzdem sollten sich Unternehmen trauen, etwa Twitter einzusetzen. “Es dauert gewisse Zeit, bis sich Erfolge einstellen. Das wird kein Sprint, sondern eher ein Marathon. Und es macht Arbeit, unterstützt aber die Kommunikation”, so Witt.
Andreas Milles, der vor allem in Leipzig durch seine Arbeit für spreadshirt und sein häufiges Auftauchen auf diversen Events, Konferenzen, Barcamps etc. kein Unbekannter ist, plauderte gewohnt locker und mit Händen in den Hosentaschen über das richtige Zuhören und zeigte anhand von Netvibes, wie einfach Monitoring und Konkurrenzbeobachtung dank des Web 2.0 heutzutage ist.
Bei der anschließenden Diskussionsrunde wurde vor allem eines klar: Insgesamt war sich das Podium einig: Ein klares Bekenntnis zu Social Media. Allerdings immer unter der Maßgabe, dann erst recht darauf zu hören, was die Zielgruppe will.
Insgesamt eine schöne Veranstaltung mit gut ausgesuchten Referenten und guten Gesprächen danach.
04. 11. 2009 09:55
Die Oktober-Ausgabe des Magazins WERTE, das die Sachsen Bank an ihre Kunden verschickt, behandelt als Titelthema die Unternehmensnachfolge in Mitteldeutschland. Auf vier Seiten kommen Unternehmer, Politiker und Experten für die Nachfolge zu Wort. Der längere Artikel ist die zweite Zulieferung meinerseits für das qualitativ hochwertige Produkt aus dem Hause Facts & Figures. Vielen Dank abermals an Chefredakteurin Sabine Schlosser für die angenehme Zusammenarbeit. Die Recherchen für die nächste Auusgabe, die im Februar 2010 erscheinen soll, laufen bereits.

Hier ein Auszug aus dem aktuellen Artikel:
Nirgends ist das Thema Unternehmensnachfolge im Mittelstand so akut wie in den neuen Bundesländern. Doch die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich in Mitteldeutschland oft schwierig. Nur wer rechtzeitig vorsorgt, weiß sein Lebenswerk in guten Händen.
Nach der politischen Wende wagten vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen viele Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Jetzt, 20 Jahre danach, befindet sich ein Großteil der mutigen Gründer von damals im Vorruhestandsalter und denkt ans Aufhören. Doch ein Unternehmen in die Hände eines Nachfolgers zu legen, ist alles andere als leicht. Das Loslassen im Alter fällt schwer, wenn man ein hohes Risiko auf sich genommen, ein Unternehmen gegründet und Arbeitsplätze geschaffen hat. Zu groß scheint die Gefahr, dass das Werk der vergangenen Jahre zunichte gemacht werden könnte, die mühevoll geschaffenen Arbeitsplätze vielleicht nicht mehr sicher sind.
[...]
Familienexterne Nachfolgelösungen gewinnen im Freistaat Sachsen nach einer Analyse des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge stehen pro Jahr zwischen 1700 und 2700 Unternehmensübergaben in sächsischen Familienunternehmen an – die höchste Zahl in den neuen Bundesländern. Keine leichte Aufgabe, konstatiert das IfM, vor allem aufgrund der Abwanderung qualifizierter junger Menschen in den 1990er Jahren. Ein vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass im Freistaat Übernahmen durch Mitarbeiter die häufigste familienexterne Nachfolgelösung in den neuen Bundesländern ist. Allerdings sei diese Variante nicht von allen Unternehmen favorisiert: Nur ein Viertel plant von vornherein dieses Szenario ein.
29. 10. 2009 20:36
Neue Wochenzeitung „Weiter“ erscheint ab Freitag in Leipzig
Leipzig bekommt eine neue Verkaufs-Wochenzeitung. „Weiter“ heißt sie, erscheint am Freitag zum ersten Mal und soll ein journalistisches Printprodukt für alle Leipziger werden. Initiatoren, Herausgeber und Chefredakteure sind Jan Kröger, Constanze Kretzschmar, Dirk Stascheit und Jonathan Fasel, allesamt volontierte und fast fertige Studenten der Journalistik. Ich sprach exklusiv für dieses Blog mit Jonathan Fasel über das Projekt und Journalismus in der Messestadt.
Jonathan, warum braucht es Eurer Meinung nach eine neue Zeitung für Leipzig?
Am Anfang unseres Studiums hatten wir das Gefühl, dass Leipzig zwar Medienstadt ist, aber trotzdem zu wenig bietet. Die etablierten Medien sind häufig zu behäbig, erzählen Geschichten nicht genug zu Ende und bleiben zu kurz an einem Thema dran. Außerdem gibt es kein wirkliches politisches Stadtmagazin. Kreuzer & Co. berichten nur ansatzweise über Politik. Zudem glauben wir, dass der Journalismus in vielen Tageszeitungen Deutschlands zu verkrustet ist und immer stärker von wirtschaftlichen Zwängen bestimmt wird, auch und vor allem innerhalb der Redaktion.

Und warum ist es mitten in der Krise, die auch vor den Medien nicht Halt macht, eine gute Idee, ein Printprodukt auf den Markt zu bringen? Warum nicht Online?
Weil wir ehrgeizig sind. Und weil wir glauben, Print wirkt nachhaltiger und bleibt mehr bei den Leuten hängen. Wir wollen mit unseren Geschichten nicht verhallen, wir wollen aufmischen und Aufreger bringen. Dazu braucht es ein Printmedium.
Aber vor allem junge Leute, wie Ihr es selbst seid, leben im Internet und beziehen dort gratis ihre Nachrichten. Und immer mehr etablierte Medien drängen ins Internet.
Das ist richtig, Online vernachlässigen wir ja auch nicht. Wir bieten auf unserer Website Anreißer zu den Geschichten. Wer sie komplett lesen möchte, hat in Kürze die Möglichkeit, ein Online-Abo abzuschließen. Das heißt, er muss das Printprodukt nicht kaufen.
Was sagt der Name „Weiter“ aus?
Wir heißen „Weiter“, weil wir weiter denken und tiefer in ein Thema blicken, als das jede andere Tages- und Wochenzeitung Leipzigs tun kann. Es gab in unseren Namensfindungskonferenzen einige sehr komische Vorschläge. „Weiter“ hat sich dann am Ende durchgesetzt. Das mag für manche wie „Vorwärts“ klingen und damit vielleicht einen linken Touch bekommen. Wir positionieren uns aber mit Absicht nicht in eine bestimmte politische Ecke.
Wie viele Mitarbeiter und Autoren habt Ihr?
Wir haben ein Team aus etwa 20 freien Autoren, die bislang komplett ehrenamtlich arbeiten.
Das heißt, sie betreiben Journalismus als Hobby?
Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben natürlich viele Studenten dabei, die aber größtenteils bereits volontiert haben. Aber es gibt auch freie Autoren, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen und sich bekannt machen wollen.
Wie stellt ihr da die journalistische Qualität sicher?
Wir haben eine doppelte oder sogar dreifache Absicherung. Zum einen gibt es ein Redaktionsstatut, nach dem alle Autoren arbeiten müssen. Zum anderen verfahren wir nach dem Sechs-Augen-Prinzip. Das heißt, der Autor, ein Chefredakteur und ein anderer Autor lesen über jeden Text.
Wie findet Ihr Eure Themen?
Die freien Autoren bieten uns Geschichten an und wir diskutieren zusammen darüber, das gleiche geschieht mit den Themen, die wir einbringen. Einmal in der Woche treffen wir uns in einer Kneipe zur Redaktionskonferenz. Dazu gibt es unzählige Treffen und Telefonate aller Chefredakteure. Auch online funktioniert die Teamarbeit, etwa per Mail, Chat oder GoogleDocs.
Das heißt, alle entscheiden darüber, ob ein Thema ins Blatt findet oder nicht?
Im Prinzip ja. Wir geben gerade jungen Autoren die Möglichkeit, ihre Themen bei uns umzusetzen. Bei anderen Zeitungen werden viele Geschichten geblockt, weil es nicht ins Redaktionskonzept passt oder vom Umfang her einfach nicht umzusetzen ist. Wir wollen hier auch die jungen Kollegen an die Hand nehmen, ihnen eine Plattform bieten.
Also die Fortsetzung des „Spiesser“-Konzepts für die ältere Zielgruppe?
So ähnlich, ja. Allerdings haben wir als junges Team natürlich auch eine junge Sicht auf die die Themen. Hinzu kommt bei uns eine fundierte Recherche.
Nenne bitte kurz die harten Fakten der Zeitung.
Wir erscheinen in A4, haben 16 Seiten, die komplett in Farbe erscheinen und beginnen mit einer Auflage von 1500 Stück zum Preis von einem Euro. Aufmacher ist zur Erstausgabe: “Steigende Kriminalität, weniger Polizisten.”
Wir funktioniert Euer Vertrieb?
Es gibt bislang drei Wege. Zum einen der Verkauf auf der Straße.
So wie die „Kippe“?
Ja, so wie die Kippe. Allerdings wollen wir es so ähnlich machen wie etwa die „BILD“-Verkäufer an der Straße. Zudem haben wir einen festen Stand – in der Grimmaischen Straße Ecke Neumarkt.
Und die anderen Vertriebswege?
Über das Abo. Bislang gibt es eine Handvoll Abonnenten. Die Zeitungen werden ausgetragen per Rad oder per Post verschickt. Zudem gibt es erste ausgewählte Verkaufsstellen, etwa der Kiosk am Augustusplatz.
Warum gibt es „Weiter“ nicht ganz normal im Zeitschriftenladen?
Weil das Pressegrosso für uns nicht zu bezahlen ist. Wir müssten über 53 Prozent des Verkaufspreises abgeben, das ist einfach nicht drin. Dafür sprechen wir eben gezielt Läden, Kneipen und Kioske an. Das Netz der beteiligten Händler ist im Internet einzusehen und wird sich auch weiter vergrößern.
Stichwort Anzeigenkunden.
Es gibt zur Erstausgabe zwei Anzeigenkunden, die keinen direkten Leipzig-Bezug haben. Natürlich suchen wir weitere Anzeigenkunden, speziell in und aus Leipzig.
Keine Angst vor den etablierten Medien, die es ohnehin schon schwer haben, Anzeigenkunden zu akquirieren?
Nicht wirklich, nein. Denn wir bieten ein anderes Werbeumfeld als die LVZ. Von der BILD mal komplett abgesehen, das ist ja ein ganz anderes Genre. Wir sehen uns auch nicht als Konkurrenz zur LVZ – sondern eher als Ergänzung.
Eure Zielgruppe?
Alle Leipziger und jeder, dem Leipzig am Herzen liegt.
Wie betreibt Ihr Leser-Blatt-Bindung?
Über die Themen. Wir werden Themen haben, die jeden Leipziger betreffen. Und wir geben Themen den Raum, um sie rundum zu beleuchten. Der Aufmacher der Erstausgabe etwa geht über vier Seiten mit Grafiken, Fotos und anderen Gestaltungselementen. Dazu bieten wir auch Stilmittel, die andere nicht bieten, etwa Doppelporträts zu einem Thema, Satire und anderes.
Und das Layout?
Hat Magazincharakter und ist sehr luftig. Wir haben eine Studentin aus der HGB rekrutiert und eine Freundin, die im Agenturbereich tätig ist. Beide haben ihre Erfahrungen eingebracht und aus ihren zwei Vorschlägen haben wir ein Produkt entwickelt.
Ich danke für das Gespräch und wünsche einen erfolgreichen Start.
Wir danken auch und sind gespannt.
Die Macher:
Jonathan Fasel, 25, Student der Journalistik und Politikwissenschaften, kommt ursprünglich aus München und hat sich während des Studiums in Leipzig verliebt. Sein Volontariat absolvierte er beim Print-Medienservice Südwest, einer Ausgründung der Rheinpfalz. Fasel konzipierte die Jugendseite „Downtown“ des SachsenSonntag und verantwortete sie eine Zeit lang. Fasel ist der Sohn von Christoph Fasel, Journalist und Buchautor.
Dirk Stascheit, Gründer der Kurzzeittageszeitung „Der Leipziger“, die 2003 für 14 Tage auf Probe erschien. Er ist unter anderem auch zuständig für die Website von „Weiter“.
Jan Kröger, Student der Journalistik und Politikwissenschaften, volontierte beim MDR-Hörfunk.
Constanze Kretzschmar ist ebenfalls Studentin der Journalistik und Politikwissenschaften, volontierte bei der “Rheinischen Post” in Düsseldorf.
Alle vier Macher sind Gesellschafter einer UG, also einer Mini-GmbH in Gründung.
26. 10. 2009 12:54

Taucha. Wenn ein Bundestagsabgeordneter wie Manfred Kolbe (CDU) zur Feier eines Entenhauses auf dem kleinen Schöppenteich in Taucha kommt, darf die Frage erlaubt sein, warum ihm das so wichtig ist. „Ich finde es gut, wenn private Unternehmer durch Sponsoring solche Maßnahmen umzusetzen helfen“, begründete er bei der gestrigen „Enthüllung“ der neuen Unterkunft für das liebe Federvieh. Selbiges war ob des ungewohnten Trubels mit Musik, Gulaschkanone und rund 50 Menschen auf die benachbarte Parthe geflüchtet. Nur drei Nutrias harrten am Teichrand aus – und verpassten so auch nicht, wie Bernd Rossa und Norman Imm die Plane vom Haus zogen und den Spruch „Ein Herz für Taucha“ nebst Name und Logo des Heimatvereins freigaben.
Unternehmer René Werner, selbst Mitglied im Verein, hatte das Haus im Mai 2003 errichtet, es mit der Werbung für seine Firma versehen und damit ein monatelanges, groteskes Politikum ausgelöst. Die neue Behausung, die Werner gemeinsam mit André Hamann, Hersteller von Spielhäusern, gestaltete, gehört nun offiziell dem Heimatverein. Damit ist das Quartier offenbar so politisch korrekt, dass Kolbe zum Mikrofon griff und sich zu waghalsigen Vergleichen hingezogen fühlte: „Das neue Entenhaus ist fast so schön wie der Bundestag. Ich wünsche ihm alles Gute“, sprach er, während aus den Lautsprechern von Diskjockey Roland der „Ententanz“ von Frank Zander und den Schlümpfen tönte.
Erschien am 26. Oktober 2009 in der Leipziger Volkszeitung.
25. 10. 2009 10:47

Taucha. Ende des Jahres verliert die Parthestadt ein bekanntes Geschäft. Goldschmiedemeister Siegfried Mäckel schließt seinen Laden in der Leipziger Straße gegenüber des Schöppenteiches. „Ich gehe in den Ruhestand“, so der freundliche 75-Jährige.
Seit 16 Jahren ist der Juwelier mit seiner Werkstatt in Taucha ein Begriff, die Kunden besuchten ihn zuletzt etwa für Anpassungen von Ringen und Ketten oder Reparaturen. Seine goldenen Jahre hatte Mäckel zu DDR-Zeiten, wie er erzählt: „Damals gab es ja nichts, es musste viel angefertigt werden.“ Hier waren die geschickten Hände und der scharfe Blick des Goldschmieds gefragt, der zu Spitzenzeiten drei Gesellen beschäftigte. Heute steht ihm seine Frau Gertraud zur Seite, hilft vor allem beim Verkauf mit.
Bevor er nach Taucha kam, hatte Mäckel sein Geschäft am Dittrichring in Leipzig. 33 Jahre lang. „Dann musste ich aus dem Haus raus und fand den Laden hier, der vielen Einwohnern heute noch als Gemüse-Lehmann bekannt ist“, erinnert er sich. Bevor er eröffnen konnte, musste er zahlreiche Umbauten vornehmen. Der Verkaufsraum wurde umgestaltet, Panzerglas eingebaut. Was Ganoven nicht beeindruckte. Zwölf Mal versuchten Einbrecher im ersten Jahr, die Scheiben einzuwerfen, schafften es auch einmal und räumten den Laden leer. Seitdem hat Mäckel Rollläden vor den Fenstern. „Sonst hätte ich wohl Ärger mit der Versicherung bekommen“, meint er. Konkurrenz zu den Uhrmachern der Stadt habe nie bestanden. „Unsere Geschäftsfelder sind ja doch unterschiedlich“, erklärt der ruhige Mann. Probleme bereitete ihm dafür die Eröffnung des Paunsdorf Centers 1994. „Danach wurde es schwerer“, sagt er.
Seit 1959 ist Mäckel im Besitz des Meistertitels. Am vergangenen Sonnabend wurde er gemeinsam mit weiteren Handwerkern im Leipziger Gewandhaus geehrt und erhielt den Goldenen Meisterbrief. Diese 50 Jahre wollte Siegfried Mäckel wohl noch voll machen, bevor er sich zur Ruhe setzt. Bis Jahresende findet nun ein Ausverkauf statt. Eine Nachfolgersuche blieb trotz zahlreicher Bemühungen, etwa bei der Innung oder im privaten und beruflichen Umfeld erfolglos.
Erschien am 22. Oktober 2009 in der Leipziger Volkszeitung.