von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
10. 09. 2009 12:30
Der Iraker Hayder Mohammed Kadhim absolvierte für acht Wochen ein Praktikum in Leipzig.
Wer an den Irak denkt, dem kommen die Bilder aus dem Fernsehen in den Kopf. Krieg, ein zerstörtes Land und jede Menge Leid. Aber auch ein gestürzter Diktator und die Chance auf einen Neubeginn. Diese Chance nutzte auch Hayder Mohammed Kadhim. Der 29-Jährige stammt aus dem Irak und weilte für ein Praktikum in Leipzig. Er gehörte zu 20 irakischen Bürgern, die in Deutschland arbeiten.
Eingeladen wurden sie vom Projekt „Irak-Horizonte 2015: Heute säen, morgen ernten“, das vom Goethe-Institut, der deutschen Botschaft in Bagdad, dem Bundesverband der Deutschen Industrie und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag initiiert wurde. Ziel ist die Weiterbildung junger Hochschulabsolventen, um im Irak qualifizierte Entscheidungsträger in der Regierung und Unternehmen aufzubauen.

Hayder Mohammed Kadhim verbrachte seine Zeit bei der Leipziger Messe und arbeitete im Auslandsmarketing. Abteilungsleiter Thomas Stenzel hat bereits seit längerem Kontakt in das arabische Land in Vorderasien. „Wir hatten vor anderthalb Jahren mit dem Verein Midan zu tun. Das ist die Deutsch-irakische Mittelstandsvereinigung. Deren Leiter erzählte uns von seinen Erlebnissen. Dass die Menschen dort vorankommen und wieder arbeiten wollen“, so Stenzel. Zudem sei der Irak ein wirtschaftlich interessantes Land mit viel Wachstumspotenzial. Das derzeitige Wirtschaftsvolumen betrage nur zehn Prozent von der ursprünglichen Kraft vor dem Krieg.
Als Hayder vor wenigen Wochen nach Deutschland kam, wurde er zum ersten Mal mit der deutschen Sprache und Mentalität konfrontiert. Deutsch kann er trotz eines Sprachkurses nach der kurzen Zeit natürlich noch nicht. Aber sehr gut Englisch, was wichtig ist, gerade bei Auslandsbeziehungen einer Messegesellschaft. „Ich will alles wissen über den Handel und professionelles Messegeschäft. Es ist doch spannend, wenn Firmen für eine Messe nach Deutschland kommen, um hier Fuß zu fassen oder einfach nur um ihr Land zu präsentieren“, meinte er.
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11. 08. 2009 11:11

Taucha. Die umfangreichen Baumaßnahmen in Taucha belasten nicht nur die Anwohner an den Umleitungsstrecken, sondern auch immer mehr die Straßen selbst. Auf der Graßdorfer Straße etwa in Höhe Hans-Sachs-Straße senkt sich nun der Fahrbahnbelag. Vielmehr noch: Ein etwa fußgroßes Loch ist zu sehen. Die Stadtverwaltung hat als erste Reaktion zwei Warnbaken auf die augenscheinlich immer größer werdende Öffnung gestellt. Ab heute soll laut Ordnungsamt gebaut, sprich die Straße aufgerissen und neu verfüllt werden. Aus diesem Grund wird die Graßdorfer ab Matthias-Erzberger-Straße in Richtung B87 zur Einbahnstraße. Wer die Gegenrichtung befahren will, muss eine große Runde über Gießereistraße, Straße des 17. Juni und Gerichtsweg nehmen. Auch Schulbusse fahren diesen Weg. Voraussichtlich am Freitag sei das Loch verfüllt und die Umleitung aufgehoben.
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10. 08. 2009 20:57
Taucha. Zum vierten Mal fand am Wochenende das Country-Fest und Biker-Treffen auf dem Schlosshof statt. Alleinveranstalter Rainer Klöpsch bot Countrymusik, eine große Ausfahrt für Motorradfahrer und erstmals einen Linedance-Workshop. Die Besucherzahlen waren im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig.

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15. 07. 2009 22:30
Man weiß nicht recht, ob man lachen oder weinen soll. Heute ist in Dresden etwas passiert, von dem ich nicht dachte, dass es technisch überhaupt geht. Ab etwa 15.30 Uhr wurden R.SA und Energy Sachsen in der sächsischen Landeshauptstadt faktisch abgeschalten. Stattdessen hörte man auf der R.SA-Frequenz 89,2 MHz nun Hitradio RTL. Und auf der 100,2, die eigentlich Energy gehört, konnte man erstmals in Dresden die Jingles und Moderatoren von Radio Lausitz vernehmen. Was ein Spaß!

Verzapft hat’s die Media Broadcast, bis Januar 2008 noch zur Telekom-Tochter T-Systems zugehörig und seitdem Tochter der französischen TDF-Grupppe. Die Media Broadcast ist für die Abstrahlung der Sender zuständig. Sprecher Wolfgang Speer bestätigt, dass es einen Fehler gegeben hat, sagt allerdings: „Betroffen waren Radio Energy und Radio R.SA, die beiden Programme wurden vertauscht.“
Diese Einschätzung ist als falsch zu bewerten. Nico Nickel, Sprecher des Medienzentrums Leipzig, von wo aus R.SA und Energy senden, dementiert etwa: „Es lief definitiv auf der Energy-Frequenz Radio Lausitz, wir haben das ja selbst gehört“, sagt er. Zudem hätte es diverse verdutzte Anrufe von Hörern gegeben, die statt ihrer Böttcher-und-Fischer-Welle R.SA nun Hitradio RTL hörten. „Der Fehler war in Dresden relativ schnell behoben, in Hoyerswerda und Wilthen dauerte er bis zum frühen Abend an“, so Nico Nickel. Tatsächlich meldete die Media Broadcast gegen 17.55 Uhr den Schaltfehler für beseitigt.
Bei der BCS, Muttergesellschaft der Stadtradios und Hitradio RTL, ist man über den Fehler ebenfalls nicht sonderlich erbaut. „Auch bei uns riefen Hörer an und fragten sich, warum wir nun auf zwei Frequenzen senden. Lustig finden wir das nicht, denn es hätte ja auch uns treffen können“, so Sprecher Rocco Reichel.
Warum der Fehler überhaupt zustande kam, konnte auch Media Broadcast nicht klären. „Solche Schaltungen werden heutzutage nicht mehr manuell vorgenommen sondern per Computer. Es kann sein, dass hier etwas falsch programmiert wurde. Das ist aber ein Einzelfall und sollte auch nicht wieder vorkommen“, sagt er. Ein offizieller Fehlerbericht gehe den Sendern frühestens am Donnerstag zu.
Das Foto ist übrigens ein Symbolfoto. Es zeigt ein Detail im Inneren des Funkturmes Holzhausen bei Leipzig.
11. 06. 2009 11:20

Update: Das Kinderland Leipzig hat seit 17.06.2009 geöffnet.
Taucha. Eigentlich sollte im Inneren der Spielhalle an der Jubischstraße bereits alles fertiggestellt sein. Doch zu sehen ist von dem, was am Freitag dieser Woche als Erlebnisspielplatz öffnen sollte, noch nicht viel. “Es gab bauliche Verzögerungen und auch der Aufbau der Spielgeräte geht nicht so schnell voran wie gedacht”, sagt Günter Mohr, künftiger Betreiber des Hallenspielplatzes. Lediglich ein großes Kletterlabyrinth ist teilweise aufgebaut. Von Klettervulkan mit Rutsche, Ballkanonen und einer Elektro-Kartbahn fehlt noch jede Spur. Insofern ist der Geschäftsmann aus der Nähe von Rostock vom eigentlichen Termin abgerückt und skizziert nun nur noch vorsichtig: “Noch im Juni wollen wir öffnen.”
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10. 06. 2009 10:08
Taucha. Zum mittlerweile 9. Traumberufetag am Geschwister-Scholl-Gymnasium gab es gestern wieder für alle Schüler der neunten bis zwölften Klasse die Gelegenheit der Berufsorientierung. Aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen mit 65 Referenten aus ganz Mitteldeutschland konnten die Schüler wählen. Unter anderem stellten sich Studieneinrichtungen und Organisationen vor, wurden Bewerbertraining und Vorstellungsgespräche durchgeführt. Den Kern der Veranstaltung bildeten aber Eltern der Gymnasiasten und Ehemalige, die von ihrem Beruf erzählten. „Es ist uns wichtig, Leute aus der Praxis da zu haben, denn wir wollen ja nicht Inhalte von Hochglanzbroschüren vermitteln, sondern es soll aus dem Alltag berichtet werden“, sagte Christian Krusemark, verantwortlich für die Studien- und Berufsberatung an der Schule.
Etwa 30 Eltern und ehemalige Schüler hätten sich dafür gefunden. Wie auch Erik Fengler, der im vergangenen Jahr sein Abitur machte und seitdem viel in der Welt rumkommt: als Pilotenschüler bei Austrian Airlines. „Es gibt ein Auswahlverfahren, das relativ hart ist. Nur sechs Prozent der Bewerber kommen so weit, dass sie zur medizinischen Untersuchung zugelassen werden. Das sollte aber niemanden entmutigen, sondern eher anspornen, zu eben diesen sechs Prozent zu gehören“, meinte der künftige Pilot. „Abwechslungsreich und hart sowie psychisch anstrengend ist der Beruf“, schilderte Erik. Dafür werde man mit einem Einstiegsgehalt ab 4000 Euro brutto belohnt, das je nach Dienstjahr und -grad auf bis zu 12 000 Euro steigen kann.
Gespannt hörte auch Dennis Schneider zu. „Ich bin bereits Segelflieger, habe mich auch schon bei der Lufthansa beworben. Allerdings muss ich nun fast ein Jahr warten, um zur ersten Prüfung zugelassen zu werden“, sagte er. Zuerst wolle er daher seinen Wehrdienst absolvieren. „Und wenn mir das zu lange dauert mit dem Piloten, fange ich bei der Bundespolizei an, da habe ich mich auch schon beworben“, so Dennis.
Auf dem Weg zum Traumberuf braucht es gute Noten, insofern passte die Würdigung zweier Schüler für ihre herausragenden Leistungen zu diesem Tag: Sarah Künast und Sebastian Hörl wurden gewürdigt und bekamen vom Sponsor IKK Sachsen zwei VIP-Tickets für die Summer Opening Party im Belantis Vergnügungspark Leipzig überreicht.
Erschien am 10. Juni 2009 in der Leipziger Volkszeitung.
08. 06. 2009 09:12
Taucha. Das Eiscafé Galerie unweit des Marktplatzes ist von jeher Ausstellungsort professioneller und ambitionierter Künstler. Seit Donnerstagabend hängen dort aber ganz besondere Werke: Die Hobbykünstler des Malkurses der Tauchaer Außenstelle der Kreisvolkshochschule Delitzsch zeigen ihre Bilder.
Sie heißen „Berge bei Murnau mit See“, „Medusa“ oder „Harlekin“ und es sind durchaus einige Kunstwerke unter den Gemälden, Collagen, Aquarellen oder Tuschezeichnungen. „Diese Vielfalt der eingesetzten Techniken war mir wichtig“, sagt Jürgen Franke. Der Grafiker leitet seit vielen Jahren den Malkurs. „Als ich angefangen habe, hörte ich immer wieder von verschiedenen Seiten, in der Volkshochschule würde man nur Landschaften malen. Das wurmte mich und spornte mich gerade dazu an, eben nicht nur auf Wald, Strand und Flüsse zu setzen“. Und so lernen die Teilnehmer des Kurses beispielsweise auch, wie Porträts entstehen oder Architektur auf Leinwand verewigt werden kann.
Ganz ausgeschlossen sind Landschaften aber nicht, wie die Berge über dem Murnauer Staffelsee von Agnes Kind zeigen. „Die Anregung dafür habe ich von einem Bild von Gabriele Münter“, erzählt sie. Wie Münter habe sie ihr Gemälde im Stil des Expressionismus gemalt. Gleich daneben räkelt sich die Medusa aus der griechischen Mythologie. Sabine Franiel hat sie geschaffen, ebenso wie eine Collage aus Geschenkpapier und Farbe. Seit dem Jahr 2000 – und damit von Anfang an – ist Petra Vetter dabei. „Malen ist gut für die Seele, man kann prima abschalten dabei“, sagt sie und erntet Kopfnicken der anderen Kursteilnehmer.
Für Ingrid Exner, Inhaberin des Eiscafés Galerie, kommt die neue Ausstellung gerade recht zum zehnjährigen Bestehen ihres Ladens. „Es ist schön, bereits so lange für die Tauchaer da sein zu dürfen. Ich freue mich über jeden weiteren Tag“, sagt sie. Die Arbeiten der Volkshochschüler sind etwa zwei Monate lang zu sehen, einige Werke können auch gekauft werden.
Erschien am 6. Juni 2009 in der Leipziger Volkszeitung.
02. 06. 2009 13:14
Es ähnelt einem Glaubenskrieg. Twitter und Werbung – verträgt sich das? Was in Blogs mittlerweile recht akzeptiert ist, nämlich das Schalten von Werbung, scheint bei Twitter gehasst. Trotzdem wollte ich es ausprobieren und habe mir vor einigen Wochen einen Account bei Magpie geholt. Seitdem twittert Magpie in einstellbaren Intervallen Werbung. Das sieht dann etwa so aus. Die Reaktionen meiner Follower waren eher…. verhalten.
Darum will ich es jetzt wissen: Was haltet Ihr von Anzeigen im Twitter-Stream?
Seit April kann man beim Branchendienst turi2 Werbung über Twitter buchen. Werbung, die die 3500 Follower dann lesen können, wenn es der Werbekunde wünscht. Für meinen privaten Twitter-Account sicher kein Geschäftsmodell.
Derzeit steht mein Magpie-Konto bei 9.43 Euro. Allein dieser Tweet brachte 1,97 Euro. Wenigstens bis zu den ersten 50 Euro (ab da beginnen Auszahlungen) wollte ich mein Konto noch behalten. Bis zum Ende der Umfrage diesen Freitag habe ich die Anzeigen erstmal deaktiviert. Ob ich sie danach wieder erlaube, hängt vom Umfrageergebnis ab. Darum: Mitmachen, bitte.
18. 05. 2009 14:14
Die LBBW und damit auch die Sachsen Bank hat ein neues Kundenmagazin. “WERTE” heißt es und wird von FACTS & FIGURES, der Corporate Publishing-Division der FTD produziert. Im Auftrag von Chefredakteurin Sabine Schlosser habe ich einen längeren Artikel zur Vernetzung der mitteldeutschen Wirtschaft geschrieben. Unter der Überschrift “Wachstumstreiber Mitteldeutschland” ist von innovativen Clustern zu lesen, die die Wirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stärken.
Ein kurzer Auszug:
In Mitteldeutschland steckt mehr, als mancher Außenstehende vermutet. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung überflügelt die Region sogar die bundesdeutsche Produktivitätssteigerung. Preisbereinigt ist das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zwischen den Jahren 2000 und 2008 um 13,4 Prozent gewachsen. In Gesamtdeutschland lag das Plus dagegen nur bei 10,1 Prozent.
Beim Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem konnte Sachsen-Anhalt 2008 sogar den höchsten Zuwachs verbuchen: 52.790 Euro wurden pro Kopf erwirtschaftet – das Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr toppt deutlich die bundesweite Steigerungsquote von 1,4 Prozent. Ein überdurchschnittliches Wachstum erzielten auch die Thüringer mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent auf 48.491 Euro pro Erwerbstätigem. Sachsen liegt mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 48.518 Euro ebenfalls über dem bundesweiten Durchschnitt.
Absolut betrachtet hat Mitteldeutschland mit seinen 8,9 Millionen Einwohnern jedoch noch Nachholbedarf: Die Produktivität der drei Bundesländer liegt rund ein Viertel unter dem gesamtdeutschen Niveau. Die Region ist jedoch stark im Export: Die Ausfuhren stiegen zwischen 2000 und 2006 um das Doppelte. Im Jahr 2008 wurden durch Exporte in Mitteldeutschland 47 Milliarden Euro erwirtschaftet.
13. 05. 2009 13:15
Heute rief eine Dame bei mir an, die vorgab, “aus dem Hause Tipptresor” anzurufen. Ich würde im August meine “zwei Monate Gratis-Teilnahme am Gewinnspiel” aufgebraucht haben und ob ich danach verlängern lassen wolle, fragte sie. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich ihr Unternehmen nicht kenne und ließ mir noch zweimal den Namen “Tipptresor” nennen. Nochmals sagte ich ihr, dass ich nie an einem Gewinnspiel teilgenommen habe und keine solche Firma kenne. “Doch, haben Sie, definitiv!” maulte die Dame, die eben noch freundlich war – und legte auf.
Tipptresor? Gewinnspiele? Das kam mir doch gleich bekannt vor – die Freunde vom “Alpenkönig” sollen aber angeblich nicht dahinterstecken, meinte die Dame noch auf meine Frage. Wer dann? Im Anti-Spam-Forum geht Benutzer “asd” davon aus, dass hinter den Anrufen die Firma Novamedia Marketing GmbH aus Paderborn steckt. Allerdings ist der Benutzer “asd” auch noch sehr neu im Forum und daher schlecht einzuschätzen. Denkbar ist auch, dass hier eine falsche Fährte gelegt werden soll. Auch im Forum von Sat.1 geht Userin “lara2188″ davon aus, dass die Firma Novamedia für die Anrufe verantwortlich ist. Auf telefonische Anfrage sagte mir Geschäftsführer Thorsten Sucker, er wisse nichts von Gewinnspielen und schloss definitiv aus, dass diese Anrufe von seinem Unternehmen kommen. Er bedankte sich aber und wollte recherchieren, was im Netz da so über ihn geschrieben stehe.
Worum geht es eigentlich? Offenbar ruft ein Unternehmen, dass nahezu wöchentlich anders heißt, bei Menschen an, deren kompletter Namen dem Unternehmen bekannt ist. Daraufhin wird gefragt, ob man das Gewinnspiel, bei dem man registriert sei, verlängern lassen möchte. Entschließt man sich dazu, werden nach Abgleich der Kontodaten 55 Euro abgebucht. Eine Gegenleistung ist nicht ersichtlich. Es scheint auch Fälle zu geben, in denen die Kontodaten dem Unternehmen bereits bekannt sind. Tipp: Niemandem, aber auch wirklich niemandem, die eigenen Kontodaten per Telefon durchgeben. Das sollte eigentlich klar sein, ich bin jedesmal trotzdem immer wieder geschockt, wie oft das scheinbar passiert. Das Beste wird sein, den Anruf zu ignorieren und aufzulegen – allerdings danach das Konto trotzdem im Auge zu behalten.
Zurück zur Novamedia Marketing GmbH in Paderborn. Aber die hat doch damit nichts zu tun, sagt der Geschäftsführer! Wirklich? Schauen wir mal:
Das Unternehmen wurde laut Handelsregisterauszug Ende 1989 in Paderborn gegründet und hatte mit Stand 2008 einen Mitarbeiter. Gesellschafter und mit genau 50 Prozent beteiligt an der Ein-Mann-GmbH ist die S & S Service & Solution GmbH & Co. KG mit gleichem Firmensitz. Als Geschäftsgegenstand der Novamedia ist “Telemarketing und Unternehmensberatung” verzeichnet. Ein Callcenter, so sagte mir Geschäftsführer Thorsten Sucker, unterhalte das Unternehmen aber nicht.
Die S & S Service & Solution GmbH & Co. KG wurde Ende 2005 gegründet. Geschäftsführerin ist Daniela Ptak. Geschäftsgegenstand hier: “Erbringung von sonstigen persönlichen Dienstleistungen”. Als aktuellste “News” auf der Website der S & S ist ein Eintrag vom 15. Dezember 2006 zu finden. Dort wird ein “ganzspezieller” Partner vorgestellt: Die Time for Holiday AG. Der Name Time for Holiday fiel in einer Berichterstattung des Schweizer Verbraucherportals ktipp.ch. Im Jahr 2006 wurden offenbar Schweizer Bürger von einer deutschen Werbeagentur angerufen. Man hätte Traumferien gewonnen hieß es, später stellte sich heraus, dass die Gratis-Reisen nicht gratis waren. Als “einer der Reiseveranstalter” wurde hier die Time for Holiday AG genannt, Daniela Ptak wurde als “Mitarbeiterin” zitiert.
Time for Holiday und S & S Service & Solution sind also offenbar miteinander “verwandt”. Und haben wohl doch etwas mit Gewinnspielen zu tun. Wir spulen kurz zurück: Im Forum von Antispam heißt es, hinter SunnyTipp, Sunwin oder Tipptresor stecke die Euro Lotto Tipp AG aus der Schweiz. Schaut man sich die Gesellschafter- bzw. die ehemalige Gesellschafterstruktur an, erkennt man schnell, dass Markus Waldvogel sowohl bei Euro Lotto Tipp als auch bei Time for Holiday im Verwaltungsrat sitzt oder saß. In der Vergangenheit fiel das Unternehmen immer wieder durch Verkaufsshows auf, auf denen laut Teilnehmern eher minderwertige Waren zu überhöhten Preisen angeboten wurden.
Zusammengefasst: Am Unternehmen Novamedia Marketing aus Paderborn ist ein Unternehmen beteiligt, das offenbar in ein weit reichendes Unternehmensgeflecht gehört, das immer wieder im Zusammenhang mit dubiosem Telefonmarketing und unerlaubten Abbuchungen auftaucht. Was Novamedia Marketing genau macht, wollte mir der Geschäftsführer nicht sagen, er bestreitet jedoch wie gesagt, etwas mit den Anrufen zu tun zu haben.
Bislang scheint es recht wenige Geschädigte von SunnyTipp, Spielfox oder Tipptresor zu geben. Möglich aber, dass die Firma bzw. das Projekt bereits unter anderem Namen versucht, Kasse zu machen.
Bitte auch das Update beachten: Gewinnkomet, Tipptresor etc..