von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
06.
10.
2011
10:42
Niemand will sterben. Sogar Menschen, die in den Himmel wollen, möchten nicht sterben, um dorthin zu kommen. Und trotzdem: Der Tod ist ein Schicksal, das wir alle teilen. Und so soll es auch sein, denn der Tod ist die beste Erfindung des Lebens. Er ist der Motor des Wandels.
Steve Jobs, Gründer von Apple und Pixar, im Jahr 2005 vor Studenten der Stanford University.
Foto: Screenshot aus diesem Nachruf auf ZDF.de
05.
10.
2011
15:01
Das Amtsgericht München hat entschieden, dass das Formular eines Adressbuchverlags dann täuschend ist, wenn es die Begründung einer Entgeltpflicht und die Laufzeit des Vertrages nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit erkennen lässt.
Im vorliegenden Fall hatte das Unternehmen seinen Irrtum bemerkt und den Vertrag wegen arglistiger Täuschung angefochten. Dies zeigt einmal mehr, dass man durchaus reagieren sollte, wenn man Rechnungen eines windigen Branchenbuch-Abzockers bekommt.
Mehr dazu auf juris
04.
09.
2011
21:58
Es passiert nicht oft, dass ich sprachlos bin. Oder nicht weiß, wie ich einen Text beginnen soll. Bei diesem Text hier ist es so. Wie beginnt man einen Text, in dem man beschreiben wird, wie es ist, wenn direkt vor den eigenen Augen jemand stirbt? Wie beschreibt man, was man gar nicht beschreiben kann? Die Ohnmacht? Das Unfassbare, das erst langsam in einem hochkriecht und dann plötzlich umschlägt in die Gewissheit, dass das Ganze, was man gerade erlebt hat, wirklich passiert ist…
Freitagabend. Wir sind mit guten Freunden beim Passagenfest. Vor Specks Hof bleiben wir stehen. Von gegenüber wird mit dem Beamer die Hauswand angestrahlt. Gegen 22.50 Uhr beginnt eine effektvolle Show. Mit Musik unterlegt werden 3D-Bilder an die Fassade gestrahlt. Die Jahreszahl 1924 wird eingeblendet. Von unten steigen blaue Blubberblasen nach oben. Auf einmal beginnt ein Saxofonist zu spielen, angestrahlt von einem Spot. Fast ganz oben sitzt er auf einer Balkonbrüstung. Etwas mehr als eine Minute spielt er ein Lied. Dann ist es zu Ende, der Spot geht aus, die Zuschauer applaudieren.
Unmittelbar danach passiert das, was so unbegreiflich ist und wohl auch eine Weile bleibt. Etwas Großes fällt zu Boden. In den letzten Millisekunden sehe ich noch, dass es sich dabei um einen Mann handeln muss. Er rudert mit den Händen. Danach folgt ein Geräusch, von dem ich niemandem wünsche, dass er es jemals hören muss. Stille. Gefühlt 10 Sekunden ist totale Stille vor dem Gebäude. Bis die ersten begreifen: Hier ist keine Puppe runtergefallen, das gehörte nicht zur Show. Erste Menschen laufen hin, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Manche weinen. Schlagartig werde ich kreidebleich, mir wird heiß, auf der Stirn bildet sich kalter Schweiß. Auch meiner Familie und unseren Freunden geht es nicht besser. Wir müssen uns setzen. Ich habe mit Sicherheit einen leichten Schock.
Etwa 15 Minuten dauert es, bis der Notarzt kommt. Eigentlich ein Unding, mitten in der Innenstadt und während eines Festes. Der Arzt kann nichts mehr tun. Wir sitzen immer noch in der Nähe dieser unbegreiflichen Szenerie. Später wechseln wir in ein Restaurant, trinken einen Kaffee, versuchen das Ganze zu verarbeiten, zu begreifen. Inzwischen habe ich die Kollegen bei LVZ-Online mit den ersten Informationen versorgt. Zum selbst Schreiben habe ich keine Kraft.
Die Nacht ist schlimm. Mehrfach wache ich auf, merke, dass ich davon geträumt habe. Meiner Familie geht es nicht anders. Auch der Freund, der wie ich den Sturz komplett mitbekommen hatte, berichtet am nächsten Tag von einer grausamen Nacht. Rund 20 Mal, schätzt er, habe er den Mann im Traum fallen sehen.
Am nächsten Tag liegen Blumen vor dem Haus. Gegen Mittag zieht ein indischer Wagen durch die City, begleitet von dutzenden Sängern in bunten Gewändern. Direkt vor dem Unglücksort wird einem gewissen Krishna gehuldigt. Krishna – eine hinduistische Form des Göttlichen. Ein Gott, der Mensch geworden ist. Wie grotesk. Ein bunter Wagen mit laut plärrender Musik und wild hüpfenden Menschen zieht an den Blumen und dem Grablicht vorbei.
Nein, es gibt keinen Gott. Nicht an diesem Wochenende. Und auch sonst nicht.
Kurzer Nachtrag, weil ich darauf angesprochen wurde: Natürlich gestehe ich jedem seine Religion und die Ausübung selbiger zu. Das oben beschriebene bezog sich lediglich auf die unwirkliche Szenerie eines bunten, lauten Wagens mit fröhlichen Menschen, die an den Blumen vorüberzogen – und sicherlich gar nicht wussten, was sich da wenige Stunden vorher abspielte.
26.
08.
2011
17:24
Am Montag, den 29. August soll JUMP, die Popwelle des MDR anders klingen. In der Radioszene kursieren angeblich seit Monaten Gerüchte um die Neuausrichtung des Senders, der im Jahr 2000 mit viel Elan und schönen Ideen startete, um danach sehr schnell abzubauen. Heute wurden in einer Pressemitteilung die Details mitgeteilt. Eines wird danach klar: Es sind eher kosmetische Änderungen. Und Innovationen kann man wohl nicht erwarten.
Wichtigste Neuerungen: Die Zugehörigkeit zur Dreiländeranstalt MDR wird wieder deutlicher hervorgehoben. Aus JUMP wird MDR JUMP. Und der Sender wird “erwachsener”, wie es Sprecherin Susanne Odenthal formulierte. Künftig werde der Hörer verstärkt mit “Sie” angesprochen.
Morningshow. Wie alle anderen.
Die Morgenschiene übernehmen Sarah von Neuburg und Lars-Christian Karde, die von RPR1 kommen.
Inhaltlich sind keine Überraschungen zu erwarten – die Pressemitteilung spricht von “gut gelaunten und bestens informierten” Moderatoren. Neben den Themen des Tages gebe es Comedy, Musik und viel Service, halbstündlich ausführliche Nachrichten mit einem hohen Anteil regionaler Meldungen. Alle 15 Minuten will man Wetter und Verkehrs-Updates bieten. Und prominente Gäste sollen auch zu Wort kommen. Also genau das, was alle anderen Sender morgens auch bieten.
Entsprechend grotesk wirkt da das Zitat von Hörfunkdirektor Jörg-Michael Möller: „Das ganze Redaktionsteam hat in den letzten Wochen und Monaten hart und mit großer Begeisterung an den Veränderungen gearbeitet. Mit dem neuen MDR JUMP haben wir ein Radioprogramm weiterentwickelt, das eine echte Abwechslung bieten soll. Es ist ein klar erkennbar öffentlich- rechtliches Unterhaltungsprogramm für die 20-49-Jährigen. MDR JUMP will der Soundtrack Mitteldeutschlands werden.“
Okay, vielleicht bietet ja der Rest des neuen MDR JUMP etwas, das diesem Zitat gerecht wird.
Sport am Samstag. Wie alle anderen.
Nein, leider nicht. Als weitere Neuerung habe man den Fußball in der Sendung MDR JUMP AM WOCHENENDE (ja, das schreit wirklich so in der Pressemeldung) entdeckt. Ab 16.55 Uhr gibt es die “legendäre ARD-Schlusskonferenz” live und in voller Länge mit allen Spielen der 1. Bundesliga. Vielleicht interessiere ich mich zu wenig für den Ballsport, um jetzt vor lauter Begeisterung durch die Decke zu gehen. Aber ist es außerdem nicht so, dass MDR Info und andere MDR-Wellen ohnehin schon Fußball live bringen? Mal davon abgesehen, dass Fußball im Radio so ziemlich das nervigste ist, was es geben kann. Und auch davon abgesehen, dass quasi alle anderen Radiostationen am Wochenende außer dem Thema Sport nichts weiter kennen. Innovation am Samstag beim “neuen” MDR JUMP also auch Fehlanzeige.
Seichtes am Vormittag. Wie alle anderen.
Belanglos Ungefährlich soll der Vormittag werden. Bernadette Hirschfelder kommt von 9 bis 12 Uhr mit Stars und Sternchen, Lifestyle, Ratgeber und Service. Und einem “guten Mix aus Infotainment und Musik.” Also der perfekte Dudelfunk, den andere auch am Vormittag bieten. Das mag verlässlich und erprobt sein. Man fragt sich allerdings, wo hier die “harte Arbeit” ist, von der Möller spricht.
Aufgebohrtes “JUMP weltweit”
Mit ein wenig Wohlwollen könnte man das neue Mittagsmagazin MDR JUMP AM MITTAG als Neuerung bezeichnen. Von 12 bis 14 Uhr wollen Matthias Rohrschneider und Marko Ramm (im 14-tägigen Wechsel) von Montag bis Freitag Informationen aus der Region und die wichtigsten Ereignisse in Deutschland und der Welt bieten. Dafür wird das ARD-Korrespondenten-Netzwerk genutzt, wie man das schon von den bisherigen 12-Uhr und 18-Uhr-Nachrichten “JUMP weltweit” kannte. Jetzt eben aufgebohrt auf zwei Stunden. So ähnlich hatte das Sputnik ja schon mal im Programm. Ein Musikstück, ein Korri, ein Musikstück, ein Korri – ein MDR Info mit Musik.
Doppelmoderation am Nachmittag.
Von 14 bis 18 Uhr moderieren dann Miriam Schittek und Chris Derer MDR JUMP AM NACHMITTAG. Die Doppelmoderation hat man sich vielleicht von Sputnik abgeguckt, das vor einigen Jahren damit begonnen hatte, quasi jede Sendung mit zwei Moderatoren auszustatten. Inhaltlich sind keine Überraschungen feszustellen: “Die beliebten und bekannten Moderatoren informieren unterhaltsam, geben Updates zu den Themen des Tages und sind intensiv mit ihren Hörern im Gespräch. Außerdem gibt’s Veranstaltungstipps für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – und wie gewohnt den verlässlichen Verkehrsservice von MDR JUMP.”
Rockenberg jetzt am Abend
In die Abendschiene hat man Jörg Spranger alias Tino Rockenberg, den bisherigen Morgenmann, versteckt. Montags bis freitags von 18 bis 22 Uhr will er sich auf die Musik und die Stars konzentrieren. “Es geht um Musik!”, ruft die Pressemitteilung. “Starnews aus aller Welt” wolle man bieten, dazu das “Album der Woche” (hey, genau wie Energy!) und vieles mehr. Außerdem soll es Donnerstags eine “interaktive Radioshow mit spannenden Themen und Gästen geben”. Was ein bisschen klingt wie “Eine Stunde mit…”, das einst Julia Janke bei Energy moderierte.
Warum?
So. Und warum nun dieser launige Blogbeitrag? Weil ich es nicht verstehe. Man versucht aus JUMP, das seit Jahren bei um die 110.000 Hörer dahindümpelt (und das bei DER Reichweite), wieder etwas zu machen und spricht vom “neuen” MDR JUMP. Letztlich sind es aber kosmetische Änderungen, von denen die Pressemitteilung spricht. Innovationen, wie es sie einst bei Sputnik gab, sind Fehlanzeige. Stattdessen springt man auf das, was alle machen, auf und bietet Dudelfunk mit seichten Informationen vom Feinsten. Ja nicht auffallen, der Hörer hat sich doch grad so schön dran gewöhnt, dass Radio nur ein Begleit- und kein Einschaltmedium ist.
Es mag ja sein, dass die Pressemitteilung nicht alles verrät und wir am Montag vollkommen überrascht werden. Was aber wohl eher unwahrscheinlich ist. JUMP soll laut der Sprecherin übrigens auch kein neues Logo bekommen, auch wusste sie nichts von einer neuen Verpackung. Und von der Musik steht auch nichts in der Pressemitteilung.
Da hofft man ja irgendwie, dass das Ganze nicht so klingen wird wie dieser informationsleere Trailer:
Trailer für die neue JUMP Morningshow by radiowoche
Update, 29.August, 8.54 Uhr:
Der erste Eindruck bestätigt die obigen Interpretationen der Pressemitteilung. Das Jinglepaket wurde ein wenig angepasst, die neue Station-Voice Jan Garcia bzw. die Jingles sind viel zu leise und kraftlos. Die Musikbetten plätschern vor sich hin. Die neuen Morgenmoderatoren Sarah von Neuburg und Lars-Christian Karde sagen in gefühlt jedem Take, dass sie die Neuen seien, klatschnass geschwitzt sind (wie appetitlich am Morgen) und man sich wohl erstmal an sie gewöhnen muss. Souverän ist etwas anderes. Als Claim, oder besser gesagt Floskel, wurde “Echte Abwechslung für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen” auserkoren. Die Sie-Ansprache klingt ungewohnt, aber das war zu erwarten.
Im Gesamtbild mit der Musikmischung aus Aktuellem, 80ern und deutscher Musik ergibt das “neue MDR JUMP”, für das das Team laut Hörfunkdirektor Möller so lange und hart gearbeitet habe, genau das, was bereits auf anderen Wellen aus dem Äther kommt. Nur eine Spur langweiliger. Auch auf der Facebook-Seite des Senders machen Hörer ihrer Verwunderung bis Verärgerung Luft und drohen mit Senderwechsel. Außerdem scheint sich ein Kommunikationsproblem abzuzeichnen. Diverse Hörer sind verwundert, welche Stimmen sie da seit heute begrüßen und warum ihr Sender so sehr anders klingt als vorher. Rockenberg mag mit seiner teils rotzigen Art umstritten, aber eben doch mehr geliebt zu sein. Und das “Sie” verstehen nur wenige. Hier hätte man womöglich statt auf den Überraschungseffekt doch auf Aufklärung im Vorfeld setzen müssen. Dafür gibts jetzt Erklärungsversuche und Durchhalte-Parolen der Moderatoren.
Das einzige, was wirklich schick ist, ist die neue Website. Klar strukturiert, sehr aufgeräumt. Gefällt.
24.
08.
2011
22:06
Die Agiou Ioannou in Stalis auf Kreta. Die Einkaufsstraße am Strand ist nahezu rund um die Uhr belebt. Nur morgens gegen 9 Uhr, wenn die ersten Ladeninhaber ihre Aufsteller und Waren vor die Tür räumen, herrscht noch etwas Müdigkeit. Nur wenige Touristen laufen um diese Zeit durch die Straße, die auch Beach Road genannt wird. Etwa zwei Kilometer ist sie lang und reicht bis in den größeren Ort Malia, wo sie nochmals auf etwa zwei Kilometern Tavernen, Boutiquen, Supermärkte, größere Restaurants, Hotels, Strandbars und so weiter bietet. Ein wunderschönes Sammelsurium an Geschäften der verschiedensten Art mit wirklich netten und hilfsbereiten Mitarbeitern bzw. Besitzern. Ich glaube, so viel Bitte und Danke habe ich während unseres Urlaubes im August noch nie in einer Woche gesagt und gehört.

So richtig entfaltet die Straße aber ihr Flair am Abend. Ab 19.30 Uhr, wenn die Sonne hinter der Lassithi-Hochebene verschwunden ist und die Temperaturen auf angenehme 28 Grad sinken. Dann füllt sich die Beach Road mit Touristen. Vor den Restaurants stehen die Mitarbeiter, die einen auf freundliche Art und Weise hineinlocken wollen. “Look at the menu, we have great fish!”, ruft der eine, während gegenüber Pizzen angeboten werden. Wieder andere fordern auf, einen Cocktail an der Strandbar zu schlürfen. Lehnt man freundlich ab, erntet man ein Lächeln und die Hoffnung, doch morgen wiederzukommen.
Ein Restaurant auf der Straße allerdings ist komplett anders. Das “Marias Golden Beach“. Zwar steht hier auch ein Mitarbeiter (wir vermuteten, es ist der Chef oder zumindest der Chef-Platzanweiser) am Ende der fünf Stufen und ruft: “Kannst Du gucken die Karte, kostet nichts!” Dennoch wird, bleibt man fünf Minuten davor stehen, schnell klar: Hier muss man rein. Erster Grund: Es ist brechend voll. Jeden Abend. Das muss etwas bedeuten. Während die Tavernen wenige Meter weiter überschaubar gefüllt sind, fällt es schwer, bei “Maria” einen freien Tisch zu erspähen. Kein Problem für den Chef-Anweiser. Kurzerhand werden bei größeren Gruppen Tische zusammengerückt, Gäste gebeten, schnell einen Tisch weiter zu rücken. Und dauert es doch mal länger, gibts eine Runde Ouzo auf Kosten des Hauses. Da wartet man gern. Unkompliziertheit trifft griechische Gastfreundschaft und Freundlichkeit.
Zweiter Grund: Das Flair allgemein. Es ist kaum zu beschreiben, was in einem vorgeht, wenn aus der leisen Hintergrundmusik plötzlich ein lauter Sirtaki wird. Erst geht ein Teller zu Bruch (mit Absicht natürlich), dann wird “Hoppa” gerufen. Schon eilt der mutmaßliche Chef zu auserwählten Damen (oder Herren), reiht sie korrekt ein, erklärt die wenigen Schritte, die man wissen muss. Und dann gehts auch schon los. Der Sirtaki wird noch lauter gedreht, Platzanweiser und Damen bahnen sich ihren Weg durchs Restaurant. Stühle werden beiseite gerückt, damit die Tänzer ungehindert zwei Runden um die Gäste drehen können. Rund 20 Minuten später wiederholt sich das gleiche Spiel. Mit anderen Damen oder Herren. Und wieder einem Teller, der auf dem Fliesenboden zerspringt.
Es mag nicht viel sein, mit dem im “Marias Golden Beach” die Gäste unterhalten werden. Aber es wirkt. Weil es authentisch und ehrlich ist. Und ja, auch das Essen ist ein Traum. Wer irgendwann mal in Stalis weilt, muss unbedingt dorthin. Und den Griechischen Teller und den Mixed Grill probieren. Ihr werdet Euren Enkeln noch davon erzählen.
17.
08.
2011
22:15
Schon peinlich, wenn eine PR-Aktion, die nach außen gar nicht als solche rauskommen sollte, enttarnt wird. Ausgerechnet die ohnehin schon durch Pannen gebeutelten Profis der Agentur Jung von Matt sehen nun ganz schön alt aus. Weil eine Anhalter-Aktion für Mercedes-Benz nicht ausreichend als Werbung bzw. PR gekennzeichnet war, gabs nun eine “umfassende Rüge” vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR). Das tut in erster Linie genauso wenig weh wie eine Rüge vom zahnlosen Presserat, dürfte aber gerade in der PR-Agentur-Szene schlimmere Folgen haben als der Abdruck einer Rüge in einer Tageszeitung.
In einer mehrwöchigen PR-Aktion hatte der Blogger Stefan Gbureck zusammen mit Jung von Matt gezielt Markenbotschaften zu dem Agenturkunden Mercedes Benz platziert und zur Markenbildung des Unternehmens beigetragen. Dabei waren weder die verantwortliche Agentur noch das Unternehmen selbst als Absender und finanzieller Unterstützer der Aktion ersichtlich. Damit wurden nationale wie internationale PR-Richtlinien nicht eingehalten.
So heißt es in der heute veröffentlichten Pressemitteilung (PDF). Auch der Kunde selbst, also Mercedes-Benz wurde gerügt.
Was mich bei der ganzen Aktion wundert: Für dieses Anhalter-Spielchen, bei dem der Anhalter nur von Mercedes-Benz-Fahrern mitgenommen werden wollte, gabs einen Löwen in Cannes. Obwohl schon da bekannt war, dass das Ganze ein Plagiat ist. Peugeot hat diese “Nur mit…”-Aktion schon 2008 durchgeführt. Und ich gehe noch etwas weiter zurück: Die Leipziger Agentur Heimrich & Hannot hat schon 2007 während der Leipziger Automesse AMI für den Kunden Audi eben dieses Spiel gespielt. Typischer Fall von Henne und Ei?
16.
08.
2011
12:41
Wir wünschten, Du könntest nach Hause kommen.
04.
08.
2011
23:42

Mal im Ernst: Wer sich so an den Schwächsten der Gesellschaft vergreift, hat jedes Recht darin verwirkt. Punkt.
Der großartige Bulo anlässlich dieses aktuellen Falles.
02.
08.
2011
10:46
Mit Büchern zu Fernsehserien ist das immer so eine Sache. Sie erzählen oft nach, was zu sehen war, geben eventuell Einblicke in die Produktion und bieten Hintergründe. Das war’s dann meist. Zurück bleibt ein Gefühl von “Ja, schön – hätte aber nicht sein gemusst.”
Das alles ist bei “heute show, Das Buch” nicht der Fall. Der Spaß an intelligenter Politik-Satire, den das Team um Oliver Welke an jeder Sendung hat, ist dem Buch regelrecht anzumerken. Ohne Umschweife geht es nach einem Vorwort, das eigentlich gar keins ist, sondern direkt mit der Satire beginnt (“Einmal dieses Buch lesen ersetzt ein Grundstudium in Politik, Sozialpädagogik oder jedem anderen Laberfach. Zweimal lesen gilt in SPD-regierten Bundesländern (und an der Uni Bayreuth) bereits als Promotion.”), direkt ans Eingemachte.
So werden die “coolsten Stellen des Grundgesetzes” nebst ihrer Bedeutung aufgelistet. Beispiele gefällig?
Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Bedeutet genau das, was da steht. Wer anderen Leuten die Würde nimmt, ist charakterlich das Hinterletzte. Wenn sich jemand allerdings selbst die Würde nimmt, indem er beispielsweise Cowboystiefel trägt oder mit 14 in die Junge Union eintritt, kann der Gesetzgeber wenig machen.
Artikel 5: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.
Vermutlich fehlte den Vätern und Müttern des Grundgesetzes die Phantasie für eine Welt mit Internet, in der jeder Honk seinen eigenen Blog hat. Der Zusatz für die Bundesrepublik 2.0 lautet daher: Ja, man kann ständig seine Meinung äußern. Man MUSS aber nicht!!!
Artikel 8: Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung und Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
Da denkt der eine oder andere junge Mann aus Berlin-Neukölln spontan: “Unbewaffnet versammeln? Ich bin doch nicht bescheuert, Du Opfer!”
Apropos Opfer: Lieblingsopfer der heute-show im ZDF ist die FDP. Meist zurecht. In “heute show, Das Buch” finden sich all jene Verfehlungen der einstigen 18-Prozent-Partei. “Aufstieg und (vor allem) Fall der FDP” werden auf 16 Seiten thematisiert. Wunderbar an diesem Buch ist, dass nahezu alle Pictos abgebildet wurden. Also jene Bildchen, die neben Moderator Oliver Welke passend zum Thema zu sehen waren. Da wurde zum Anlass der Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hoteliers der RTL-Spendenmarathon zum FDP-Spendenmarathon umgestaltet. Da singt Guido Westerwelle als Max Raabe “Kein Schwein kreuzt mich an” oder steht in der Savanne und bekommt den Spruch “Serenguido darf nicht sterben” angeheftet.
Nicht so schön wie im Bewegtbild mit Ton ist der Kommentar von Gernot Hassknecht zum Nachlesen. Trotzdem ist es schön, den freundlich-cholerischen Kommentator, der in jeder Folge für einen anderen Sender spricht, nochmals nachlesen zu können. Etwa den hier:
Der feine Herr Köhler hat keinen Bock mehr. “Meinem Amt ist nicht der nötige Respekt entgegengebracht worden!” Ja, da kotz ich doch im Strahl!! Ja, wer hat denn das schöne Amt weggeworfen wie eine alte Rotzfahne?! Für solche Leute gibt’s im Lateinischen ein schönes Wort: Pussies!!!
Da fehlt manchmal nur noch die spontane Überblendung mit dem ZDF-Störbild.
Faktenreich wird es in der “heute show-Infobox”, die passend zu jedem Themenbereich des Buches eingefügt wurde. So erfährt man etwa einiges zur Partei Die Linke (unter der Überschrift “Deutschland schönste Parteien”), zur Globalisierung oder zu Religionen: “Wer sich gerne nebulöse Versprechen anhört und es außerdem ganz gut findet, wenn ihm das Geld aus der Tasche gezogen wird, der sollte ruhig einer Religionsgemeinschaft beitreten. Oder 9Live gucken.”
Natürlich finden neben Oliver Welke auch alle anderen Figuren aus der heute show Platz im Buch: Tina Hausten, Martin Sonneborn, Olaf Schubert, Lutz van der Horst, Ulrich von Heesen, Carsten van Rissen und Christian Ehring.
Kurzum: Dieses Buch ist der adäquate Ersatz für die heute show-freie Zeit und ein ultimatives politisches Nachschlagewerk für alle, die politisches Hintergrundwissen und -interesse mitbringen. Und Politik nicht ganz so ernst nehmen. Also genau wie die Politiker dieses Landes selbst.
Oliver Welke, Morten Kühne:
heute-show, Das Buch
Rowohlt Berlin, Hardcover, 240 S., 18,95 €
ISBN: 978-3-87134-699-6
01.
08.
2011
07:21
Irgendwie hübsch, was die Landeswelle Thüringen da am Freitag veranstaltete. Bei der Außensendung “XXL-Grillen” wurde das DABiS-Selbstfahrerstudio auf einen Touchscreen übertragen. “Fast alle Funktionen des Studios ließen sich per Finger auslösen”, teilte der Sender mit. Sogar die Telefonanlage des Senders lief über den Screen am Grill.