von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
16.
08.
2011
12:41
Wir wünschten, Du könntest nach Hause kommen.
04.
08.
2011
23:42

Mal im Ernst: Wer sich so an den Schwächsten der Gesellschaft vergreift, hat jedes Recht darin verwirkt. Punkt.
Der großartige Bulo anlässlich dieses aktuellen Falles.
02.
08.
2011
10:46
Mit Büchern zu Fernsehserien ist das immer so eine Sache. Sie erzählen oft nach, was zu sehen war, geben eventuell Einblicke in die Produktion und bieten Hintergründe. Das war’s dann meist. Zurück bleibt ein Gefühl von “Ja, schön – hätte aber nicht sein gemusst.”
Das alles ist bei “heute show, Das Buch” nicht der Fall. Der Spaß an intelligenter Politik-Satire, den das Team um Oliver Welke an jeder Sendung hat, ist dem Buch regelrecht anzumerken. Ohne Umschweife geht es nach einem Vorwort, das eigentlich gar keins ist, sondern direkt mit der Satire beginnt (“Einmal dieses Buch lesen ersetzt ein Grundstudium in Politik, Sozialpädagogik oder jedem anderen Laberfach. Zweimal lesen gilt in SPD-regierten Bundesländern (und an der Uni Bayreuth) bereits als Promotion.”), direkt ans Eingemachte.
So werden die “coolsten Stellen des Grundgesetzes” nebst ihrer Bedeutung aufgelistet. Beispiele gefällig?
Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Bedeutet genau das, was da steht. Wer anderen Leuten die Würde nimmt, ist charakterlich das Hinterletzte. Wenn sich jemand allerdings selbst die Würde nimmt, indem er beispielsweise Cowboystiefel trägt oder mit 14 in die Junge Union eintritt, kann der Gesetzgeber wenig machen.
Artikel 5: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.
Vermutlich fehlte den Vätern und Müttern des Grundgesetzes die Phantasie für eine Welt mit Internet, in der jeder Honk seinen eigenen Blog hat. Der Zusatz für die Bundesrepublik 2.0 lautet daher: Ja, man kann ständig seine Meinung äußern. Man MUSS aber nicht!!!
Artikel 8: Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung und Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
Da denkt der eine oder andere junge Mann aus Berlin-Neukölln spontan: “Unbewaffnet versammeln? Ich bin doch nicht bescheuert, Du Opfer!”
Apropos Opfer: Lieblingsopfer der heute-show im ZDF ist die FDP. Meist zurecht. In “heute show, Das Buch” finden sich all jene Verfehlungen der einstigen 18-Prozent-Partei. “Aufstieg und (vor allem) Fall der FDP” werden auf 16 Seiten thematisiert. Wunderbar an diesem Buch ist, dass nahezu alle Pictos abgebildet wurden. Also jene Bildchen, die neben Moderator Oliver Welke passend zum Thema zu sehen waren. Da wurde zum Anlass der Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hoteliers der RTL-Spendenmarathon zum FDP-Spendenmarathon umgestaltet. Da singt Guido Westerwelle als Max Raabe “Kein Schwein kreuzt mich an” oder steht in der Savanne und bekommt den Spruch “Serenguido darf nicht sterben” angeheftet.
Nicht so schön wie im Bewegtbild mit Ton ist der Kommentar von Gernot Hassknecht zum Nachlesen. Trotzdem ist es schön, den freundlich-cholerischen Kommentator, der in jeder Folge für einen anderen Sender spricht, nochmals nachlesen zu können. Etwa den hier:
Der feine Herr Köhler hat keinen Bock mehr. “Meinem Amt ist nicht der nötige Respekt entgegengebracht worden!” Ja, da kotz ich doch im Strahl!! Ja, wer hat denn das schöne Amt weggeworfen wie eine alte Rotzfahne?! Für solche Leute gibt’s im Lateinischen ein schönes Wort: Pussies!!!
Da fehlt manchmal nur noch die spontane Überblendung mit dem ZDF-Störbild.
Faktenreich wird es in der “heute show-Infobox”, die passend zu jedem Themenbereich des Buches eingefügt wurde. So erfährt man etwa einiges zur Partei Die Linke (unter der Überschrift “Deutschland schönste Parteien”), zur Globalisierung oder zu Religionen: “Wer sich gerne nebulöse Versprechen anhört und es außerdem ganz gut findet, wenn ihm das Geld aus der Tasche gezogen wird, der sollte ruhig einer Religionsgemeinschaft beitreten. Oder 9Live gucken.”
Natürlich finden neben Oliver Welke auch alle anderen Figuren aus der heute show Platz im Buch: Tina Hausten, Martin Sonneborn, Olaf Schubert, Lutz van der Horst, Ulrich von Heesen, Carsten van Rissen und Christian Ehring.
Kurzum: Dieses Buch ist der adäquate Ersatz für die heute show-freie Zeit und ein ultimatives politisches Nachschlagewerk für alle, die politisches Hintergrundwissen und -interesse mitbringen. Und Politik nicht ganz so ernst nehmen. Also genau wie die Politiker dieses Landes selbst.
Oliver Welke, Morten Kühne:
heute-show, Das Buch
Rowohlt Berlin, Hardcover, 240 S., 18,95 €
ISBN: 978-3-87134-699-6
01.
08.
2011
07:21
Irgendwie hübsch, was die Landeswelle Thüringen da am Freitag veranstaltete. Bei der Außensendung “XXL-Grillen” wurde das DABiS-Selbstfahrerstudio auf einen Touchscreen übertragen. “Fast alle Funktionen des Studios ließen sich per Finger auslösen”, teilte der Sender mit. Sogar die Telefonanlage des Senders lief über den Screen am Grill.
12.
07.
2011
09:33
Die aktuelle Radio-MA ist durch. Nach den Methodenveränderungen bei der ma 2011 Radio I gab es diesmal keine Veränderungen. Die Zahlen spiegeln die Ergebnisse der Befragungen von Januar bis April 2011 wider und sind uneingeschränkt mit der ersten ma 2011 vergleichbar. Hier die trockenen Zahlen für Sachsen mit sehr guten Gewinnen und bösen Verlusten.
JUMP: 113.000 (plus 2000)
Energy Sachsen: 48.000 (minus 19.000)
Hitradio RTL Sachsen: 181.000 (plus 49.000)
MDR 1 Radio Sachsen: 416.000 (plus 42.000)
R.SA: 153.000 (plus 12.000)
Radio PSR: 215.000 (plus 9.000)
Sachsen-Funkpaket (Radio Leipzig usw.): 159.000 (minus 12.000)
Quelle: reichweiten.de, Basis: Gesamt, Angebote: Sachsen, Zielgruppe: Sachsen. Hörer pro Durchschnittsstunde Mo-Fr, 14-49 Jahre
Damit ist Hitradio RTL in Sachsen zum zweiten Mal in Folge der absolute Gewinner, was die Zuwächse angeht. Erstmals ist Hitradio RTL auch wieder vor R.SA. Das Minus für Energy ist bedauerlich. Im Radiozentrum gibt man sich wirklich Mühe, ein passgenaues Programm für die Zielgruppe zu erarbeiten. Die Schwankung bei den Lokalradios in Leipzig, Dresden usw. ist auf normalem Niveau und nicht kritisch. Nachdem es für MDR 1 Radio Sachsen beim letzten Mal nach unten ging, konnten nun wieder mehr Hörer begeistert werden.
Laut Radiozentrale ist die Radionutzung in Deutschland auf unverändert hohem Niveau.
04.
07.
2011
09:20
Taucha. Wer ein Sommerfest veranstalten will, kann für alles sorgen: Ein Festzelt, gute Musik, Essen und Trinken. Was man nicht planen kann, ist das Wetter. Und so fiel das Sommerfest auf dem Gut Graßdorf am Freitag herbstlichen Temperaturen und am Sonnabend dem Regen zum Opfer. Echte Partystimmung wollte daher nicht aufkommen.
Dabei hatte Veranstalter Carsten Wulf im Vorfeld alle Voraussetzungen getroffen: Mit Olaf Schliebe holte er am Freitag abermals den in Taucha mittlerweile bekannten DJ in die Stadt. Als „DJ O-Punkt S-Punkt“ ging Schliebe in den 1990ern mit seiner Sendung „High Energy“ bei Energy Sachsen in die Radiogeschichte ein, moderierte später bei oldie.fm, dem heutigen R.SA. Wer dem quirligen DJ zuschaut, kann kaum glauben, dass er bereits 57 Jahre alt ist. „Hand drauf, ich scherze nicht“, lächelte er, als er die Skepsis bemerkte. Seit 35 Jahren legt er bei Festen, Privatpartys und anderen Veranstaltungen auf, unter anderem auch im Tauchaer Club Einigkeit. „Von dort kennen mich viele und wissen, dass ich eigentlich der Oldies-Mann bin. Da gibt es dann bei manchen Partys wie dieser hier enttäuschte Gesichter, wenn ich eher Querbeet auflege, aber ich versuche, die Mischung zu wahren“, so der Leipziger.

Am Sonnabend unterhielt dann der Ausnahmegitarrist Tino Standhaft das Festzelt vor der Reithalle. „Der Dauerregen war natürlich hinderlich, da bewegte es nicht viele nach Draußen“, resümierte Carsten Wulf. „Das Zelt war trotzdem recht voll, Tino hat wunderbar gespielt und viel Applaus eingeheimst“, so der Veranstalter.
Sorgen machen ihm die zunehmenden Beschwerden der Anwohner über die Lautstärke seiner Events. „Trotz Ankündigung und Genehmigung stehen immer wieder Leute hier, die um Ruhe bitten“, so Wulf. „Wir können das ja verstehen und wollen auch niemanden mit Absicht verärgern. Aber wir planen für die Zukunft und können nur auf Verständnis hoffen“, sagt Wulfs Lebensgefährtin Margot Witt. Als Kompromiss werde ab 22 Uhr die Lautstärke bereits gedrosselt. Ein wenig Besserung könnte nach dem Umbau eintreten, der derzeit in vollem Gange ist. Direkt im Gut entsteht neben der Reiterklause ein Veranstaltungssaal, der für etwa 200 Gäste ausgelegt ist und in dem dann auch Disco stattfinden könnte.
Erschien am 4. Juli 2011 in der Leipziger Volkszeitung.
09.
06.
2011
09:08
Beethovens 9. Sinfonie wird am Pfingstmontag im Gewandhaus aufgeführt. Zu dem Konzert laden die Deutsch-Japanische Gesellschaft Leipzig und die Kampfkunstschule Yoseikan. Es musizieren der Metropolitan Freude Chor Tokio und der Festchor für 150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan. Das Konzert beginnt 15 Uhr im Großen Saal, bereits ab 12 Uhr findet im Hauptfoyer eine Erlebnisausstellung zu japanischen Themen statt. Die Einnahmen kommen einem Kinderheim im von der Reaktor-Katastrophe betroffenen Gebiet Japans zugute.
„Ursprünglich war geplant, den Erlös für unser zukünftiges deutsch-japanisches Kulturzentrum zu nutzen“, so Jörg Schiffner, Inhaber der Kampfkunstschule Yoseikan. In Großzschocher wollen er und Thomas Schulze von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Leipzig der Entwicklung Rechnung tragen, dass sich in der Stadt immer mehr Menschen für die japanische Kultur interessieren würden. Für das Projekt begeistern konnten sie Akio Takano, Pressesprecher des Bach-Archives. „Er war im Frühjahr Teil einer Leipzig-Delegation in Tokio. Dort hat er vor hochrangigen Managern der japanischen Wirtschaft für das Projekt geworben. Leider wackelte drei Tage später die Erde – mit den bekannten Konsequenzen“, berichtet Jörg Schiffner. Als die ersten Bilder aus der Katastrophenregion eintrafen, war für die Organisatoren des Konzertes klar, dass die Bestimmung des Erlöses umgewidmet wird. „Wir wollen ein Kinderheim unterstützen, das von drei deutschen Franziskaner-Schwestern betreut wird. Nach dem Erdbeben ist es unbrauchbar geworden, die Kinder leben derzeit in einer Turnhalle“, so Schiffner.
Die Idee vom Kulturzentrum ist trotz aller Rückschläge auf der Suche nach einer Finanzierung nicht gestorben. Ein Dreiseitenhof in Großzschocher befindet sich bereits in Schiffners Besitz, in dieser Woche soll die Bauvoranfrage an die Ämter verschickt werden. „Wir wollen Kampfkunst mit anderen japanischen Kunstformen kombinieren“, kündigt Jörg Schiffner an. Durch die Verbindung mit Kaligraphie, Tuschmalerei, japanischer Druckkunst, Origami und Gesundheitsdisziplin basierend auf Yoga könne ein Ort entstehen, an dem man die fernöstliche Kultur erleben könne. Die Baukosten schätzt er auf vier Millionen Euro – die Finanzierung ist ungeklärt. Sponsoren werden gesucht. In einem ersten Schritt soll ein Trainingsraum gebaut werden.
Benefizkonzert für Japan, Ludwig van Beethoven: 9. Sinfonie d-Moll op. 125, Karten ab 25 Euro. Beginn: 15 Uhr, ab 12 Uhr japanische Erlebnisausstellung im Foyer, nur für Besucher des Konzerts.
Erschien am 9. Juni 2010 in der Leipziger Volkszeitung, Kultur
Die Verbraucherzentrale Sachsen ist eine anbieterunabhängige, überwiegend öffentlich finanzierte, gemeinnützige Organisation. Ziel ihrer Arbeit ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher in Fragen des privaten Konsums zu informieren, zu beraten und zu unterstützen.
Kurz gesagt: Die Verbraucherzentrale berät ausschließlich Endverbraucher, müsste (und dürfte) sich um solche Dinge wie die neuerdings massiv auftauchenden Branchenbücher im Internet also nicht kümmern. Da aber immer mehr Selbstständige und Freiberufler bei der Verbraucherzentrale bezüglich der verschiedenen Varianten der Eintragsdienste vorsprechen, hat man jetzt reagiert. In einer Pressemitteiung geht man auf verschiedene Abzock-Anbieter ein und rät dann…
… auch scheinbar kostenlose Offerten genau durchzulesen und auf versteckte Kostenhinweise zu prüfen. Die Kosten können sich auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden. Wer darauf reingefallen ist, kann den Vertrag unter Umständen wegen arglistiger Täuschung anfechten. Ein Widerrufsrecht besteht dagegen nur für den so genannten klassischen privaten Endverbraucher, nicht aber für Gewerbetreibende, Selbstständige oder Freiberufler. Diese sollten sich zur Unterstützung an ihre Kammern (IHK, Handwerkskammer oder Verbandskammer) wenden oder einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.
Dass die Verbraucherzentralen in Deutschland überhaupt von Unternehmern angerufen oder besucht werden, liegt meiner Meinung nach auch an der Polizei. In Gesprächen mit betroffenen Unternehmern wird immer wieder deutlich, dass viele Polizeireviere offenbar durch Stellenabbau und sonstige Personalnot kaum noch Kapazitäten haben, eine Anzeige aufzunehmen. Stattdessen wird mit fragwürdigem Sach- und Rechtsverständnis die Sache abgewiegelt – und die Unternehmer zur Verbraucherzentrale geschickt. Letzteres hat dann aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Personalknappheit zu tun, sondern mit mangelnder Schulung und Aufklärung der Beamten.
20.
04.
2011
02:59
Update September 2011: Neue Entwicklungen bei regionales-branchenbuch.info und Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg. Bitte ans Ende des Artikels scrollen.
Update 21. April: Der Anbieter wurde offenbar vorerst gestoppt. Der Provider, der die Faxnummer verwaltet, hat diese abgeschalten. Mehr im Update innerhalb des Textes.
Direkt zu regionales-branchenbuch.info springen
Weitere Updates am Ende des Textes beachten.
Erneut macht ein “Anbieter” im Bereich der Abzocke mit “Gelben Branchenbüchern” von sich reden. Und weil offenbar sämtliche sinnvollen Domainnamen bereits belegt sind, lautet der Name des Projektes diesmal: gelbes-branchen-buch.info. Man merkt gleich: Hier sind Witzbolde mit zu vielen Bindestrichen am Werk. Witzbolde, die offenbar ausprobieren, wie weit man gehen kann. Und die ihren jugendlichen Leichtsinn noch nicht so ganz im Griff haben. Aber beginnen wir ganz vorn:
Das Fax
Die erste Kontaktaufnahme mit deutschen Unternehmen geschieht mit einem Werbefax. Weil die Masche bislang wohl ganz gut funktioniert, wie man ja auch hier lesen kann, nutzen die beiden Witzbolde, die mutmaßlich dahinterstecken, direkt mal das gleiche Fax wie gelbes-branchenbuch.info von Florian Wilk aus Greifswald, bzw. der DMV Deutscher Medien Verlag Limited:
Auf den ersten Blick ist es tatsächlich das gleiche Fax. Offenbar wurde nur die Faxnummer für die Zusendung der Rückfaxe sowie die Firmierung geändert. Der Strichcode oben links bedeutet nichts – außer “102030405060708090″ hat irgend etwas zu bedeuten.
Die Rückfaxnummer, die angegeben ist, ist eine gebührenfreie 0800er. Oh, wie aufmerksam. Die Nummer lautet 0800 101 096 132 und gehört meinen Recherchen zufolge der multiConnect GmbH in München.
Update, 21.April: Wie mir multiConnect mitteilt, ist die Nummer im Netz der GTC TeleCommunication Stuttgart geschalten. Auf meine Anfrage hin, teilt mit GTC mit, dass man zum Nutzer der Nummer aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussagen macht, die besagte Nummer aber bereits seit 20. April nicht mehr aktiv ist und der Kunde gesperrt wurde. Warum, wollte GTC nicht mitteilen.
Update Ende.
Im Text des Faxes werden faktisch haargenau die gleichen Formulierungen wie bei gelbes-branchenbuch.info verwendet. Nur den Preis haben die Spaßvögel bei mein-branchenverzeichnis.info geklaut: 497 Euro wollen sie für die Eintragung in ihr “Verzeichnis” pro Jahr. Selbiger Preis steht – wie bei den Vorgänger-Varianten auch – klein neben dem Eintragsformular. Wie gewohnt versucht das Eintragungsangebot durch die Verwendung des Wortes “kostenfrei” den Eindruck zu erwecken, hier würde es sich um ein kostenfreies Angebot handeln. Eine exakte Preisauszeichnung, die auf einen Blick verrät, ab wann Kosten in welcher Höhe entstehen, erfolgt nicht. Zudem soll der Zusatz “wie gewohnt” wohl ein bereits bestehendes Vertragsverhältnis vortäuschen, das aber nicht existiert.
Die Spaßvögel nennen sich im Fax “DRZ eingetragener K. Neuer Wall 80 Hmb.” Steht ganz klein, ganz unten. Außerdem ist zu lesen: “GF S. Shahrasbi”. Die merkwürdigen Abkürzungen sind wohl der untaugliche Versuch, sich zu anonymisieren. Klappt nur nicht. Gleich dazu mehr.
Die Website
Es geht also, das muss man ja immer extra erklären, nicht um einen Eintrag in irgendein Branchenbuch im Wortsinne, sondern um die Eintragung in die unbekannte Website gelbes-branchen-buch.info. Schaut man sich diese Seite näher an, kann man eigentlich nichts anderes tun, als laut zu lachen.

Ja, und viel mehr ist es dann auch nicht. Nichts gegen Minimalismus. Aber diese Website ist gar kein funktionierendes Branchenbuch und soll es wohl auch nie sein. Die schnell dahingeschluderte Website besteht aus wenigen HTML-Dateien und einer suche.php, die aber nichts weiter auswirft als den Standardsatz “Ihre Suchanfrage erzielte 0 Treffer”. (Stand dieser Info: 20. April 2011)
Nutzungsbedingungen und AGB wurden 1:1 von mein-branchenverzeichnis.info bzw. gelbes-branchenbuch.info kopiert, lediglich die Firmierung wurde geändert.
Die Betreiber
Wenn ich hier immer von “die Betreiber” spreche, so tue ich das in der Annahme, dass einer allein gar nicht so blöd merkbefreit sein kann. Denn genau so, wie sich die Witzbolde nicht die Mühe gemacht haben, wenigstens den Anschein zu erwecken, ein richtiges Unternehmen zu sein, genau so wenig haben sie getan, um ihre Identität zu verwischen.
Widmen wir uns erst dem “S. Shahrasbi”, der auf dem Eintragungsfax vermerkt ist. Im Impressum der Website heißt er nur noch Sahrasbi, da fehlt also das erste “h”. Macht aber nichts, die Handelsregister-Bekanntmachung verrät uns, wie der Inhaber des Unternehmens korrekt heißt.
Demnach handelt es sich um die DRZ e.K., Neuer Wall 80, 20354 Hamburg. Faktisch also ein Einzelunternehmen, bei dem die Rechtsform “eingetragene Kaufleute” gewählt wurde. Eingetragen wurde das Unternehmen am 14.03.2011. Inhaber ist Shahin Shahrasbi, wohnhaft in Lüneburg, geboren am 08.10.1990.
Geschäftsfeld ist “Das Webdesign sowie die Erstellung und Pflege von Datenbanken mit Ausnahme erlaubnispflichtiger Tätigkeiten.”
Nun ist Shahin Shahrasbi ein seltener Name. Was bei der Recherche von Vorteil ist. So findet man recht schnell, dass der 20-jährige Jüngling gern Motorrad fährt, beim HSV Handball spielt oder spielte und ansonsten auf “Fitness, compuer, PARTY!!!” abfährt. Achja, und auf Mädchen steht er. Das alles, nebst einem gar niedlichen Kinderbildchen ist auf netlog.com zu finden. Auch sein Geburtsdatum steht hier noch einmal. (Anmerkung: Das Profil wurde inzwischen gelöscht. Die hier ursprünglich veröffentlichten Fotos und Screenshots habe ich entfernt, nachdem Shahrasbi per Anwalt auf seine Persönlichkeitsrechte aufmerksam machte.)
Im Forum mofapower war er bis 2006 auch unterwegs, bot dort unter anderem öfter Mofas oder Videospiele zum Kauf an, da er dringend Geld brauche. Verständlich, mit 16.
Der zweite im Bunde macht es einem ebenso nicht schwer, ihn ausfindig zu machen. Er ist der Registrant der Domain gelbes-branchen-buch.info. Julian Weiner heißt er und stammt ebenso wie sein Kumpel Shahin Shahrasbi aus Lüneburg. Registriert hat er die Domain am 8. März 2011 bei 1&1. Das mag man ihm fast verzeihen, viele Anfänger und internettechnische Analphabeten gehen zuerst zu 1&1.
Durchsucht man einschlägige Handelsregister-Datenbanken nach Julian Weiner, stößt man auf das Unternehmen ARZ e.K., Neuer Wall 50, 20354 Hamburg. Als Tätigkeitsbeschreibung ist angegeben: “Gegenstand: die Erbringung von Internetdienstleistungen, der Betrieb und die Pflege von Datenbanken sowie Webdesign nebst Durchführung aller damit zusammenhängender Geschäfte.”
Gegründet wurde das Einzelunternehmen am 29.07.2010. von eben Julian Weiner, der am 19.05. 1988 geboren wurde. Noch so ein Jungunternehmer.
ARZ und DRZ also – beide Unternehmen gerade mal 250 Meter voneinander entfernt. ARZ im Neuen Wall 50, DRZ im Neuen Wall 80.
Doch ARZ e.K. ist nicht das einzige Unternehmen von Julian Weiner. Bereits am 12.10.2009 trat er in das Unternehmen AWS Investment UG (haftungsbeschränkt) ein. Selbiges wurde am 27.08.2009 gegründet. Am 6.11.2009 stieg ein Ali Alexander Alagrmi als Gesellschafter ein. Beide sind zu je 50 Prozent am Unternehmen beteiligt. Das Kapital der UG: Sagenhafte 100 Euro.
Tätigkeitsbeschreibung hier: “Gegenstand: Vertrieb von Immobilien und grundstücksgleichen Rechten, Investmentanlagen und Finanzierungen für Immobilien.”
Die AWS Investment UG ist insofern interessant, als dass die Faxnummer des Unternehmens (04131/2846286) bei der Registrierung der Domain gelbes-branchen-buch.info als Telefonnummer angegeben wurde.
Die Firmenadresse
Es dürfte nicht verwundern, dass die Adresse “Neuer Wall 80″ in Hamburg ein recht großes Haus mit vielen Mietern ist. Das Unternehmen DRZ e.K. kannte bei meinen stichprobenartigen Anrufen im Haus niemand. Auch das dort ansässige “Excellent Business Center” (EBC) weiß von nichts. Einen solchen Mieter habe man nicht. Das EBC bietet Büroräume, Tagungsräume und ein virtuelles Office, also eine virtuelle Präsenz, ohne dort wirklich ein Büro haben zu müssen. Die Adresse Neuer Wall 80 ist übrigens nicht die einzige Niederlassung des EBC. Auch im Neuen Wall 50, also quasi direkt nebenan, hat man so ein Business Center eingerichtet. Man kann zumindest mutmaßen, dass ARZ e.K. und DRZ e.K. nur virtuell Hamburger Unternehmen sind.
Und nun?
Was nun folgt? Keine Ahnung. Werden die beiden Jünglinge Weiner und Shahrasbi wirklich den Mumm haben, die Sache durchzuziehen? Werden Sie Rechnungen an Unternehmen schicken, die dieses Abzocker-Fax unterschrieben und zurückgefaxt haben? Ich hoffe nicht. Jungs, ein wirklich gut gemeinter Rat: Wenn Ihr noch ein wenig Restintelligenz besitzt, lasst Ihr es. Noch habt Ihr nicht viel Schaden angerichtet.
Update, 25. April 2011:
Offenbar war meine Einschätzung, die Burschen hätten noch nicht all zu viel Schaden angerichtet, nicht ganz richtig. Ich bekam einen Anruf eines jung klingenden Mannes, angeblich ein Bekannter von Julian Weiner. Dieser sagte mir, er hätte eine Liste mit Namen und Adressen von rund 100 Unternehmen, die bereits unterschrieben und zurückgefaxt hätten. Tatsächlich bekam ich diese Liste zugemailt, mehr als 100 Unternehmen sind dort zu finden. Eine Stichprobe ergab, dass die von mir befragten Unternehmen tatsächlich ein solches Fax erhalten und unterschrieben hätten, angeblich seien auch bereits Rechnungen verschickt worden.
Sollten Unternehmen bereits gezahlt haben, hat Julian Weiner den Betrug bereits ausgeführt. Und dann dürfte es eng werden für den Lüneburger Jung’.
Update, 26. April 2011:
Auch die Inhaberin eines Blumengeschäftes bestätigte mir heute, bereits eine Rechnung erhalten zu haben. Das Ganze liege nun beim Anwalt. Sie wolle nicht zahlen.
Update, 4. Mai 2011:
Nachdem die Website zwischenzeitlich von gelb auf ein urinfarbenes Irgendwas wechselte, ist sie heute nicht mehr aufrufbar. Stattdessen erscheint ein 404-Fehler: Dokument nicht gefunden. Ob das nur an den schlechten bzw. nicht vorhandenen Programmierkenntnissen von Julian Weiner liegt oder er und seine mutmaßlichen Kumpanen bereits aufgegeben haben, wird die Zukunft zeigen.
Update, 26. Mai 2011: Nachdem Sharasbi mit seinem neuen Projekt regionales-branchenbuch.info weitermacht, wurde das Projekt gelbes-branchen-buch.info offenbar beendet. Die Website zeigt seit Tagen eine Fehlermeldung an.
Update, 5. Mai 2011: regionales-branchenbuch.info
Die eine Website geht, die andere kommt. Nachdem gelbes-branchen-buch.info nun verbraucht ist, versuchen es die Herren jetzt unter der Domain regionales-branchenbuch.info. Die Masche ist abermals die Gleiche, das Fax auch. Lediglich die Angabe der Domain hat sich geändert. Abermals ist sehr klein im Fließtext und unter Verwendung von irreführenden Ausdrücken wie “wie gewohnt kostenfrei”. Als Faxnummer für Rückfaxe ist nun die 0800 5892635 angegeben.
Die Domain wurde auf Shahin Shahrasbi registriert. Die bei Registrierung angegebene Rufnummer 0179 9698158 war heute am frühen Nachmittag noch existent. Shahrasbi ging auch ans Handy. “Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wenn Sie etwas von uns wollen, schreiben Sie uns”, meinte er vorhin auf meine Frage, warum er glaubt, Unternehmer auf diese lächerliche Art und Weise abzocken zu können. Mittlerweile hört man beim Anrufen dieser Nummer nur die Ansage, diese wäre nicht vergeben.
Vielleicht sollte man für die Kontaktaufnahme darum Shahrasbis private Mailadresse shahin.shahrasbi@gmx.de nutzen. Denn ob Briefpost wirklich den Empfänger erreicht, dürfte fraglich sein. Laut Fax und Website-Impressum soll der Anbieter von regionales-branchenbuch.info eine “DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft” mit Sitz “An den Brodbänken 5″ in 21335 Lüneburg sein. Allerdings kennt man an dieser Adresse ein Unternehmen mit diesem Namen nicht. Hätte mich auch überrascht. Eine Mitarbeiterin einer dort ansässigen Anwaltskanzlei bestätigte mir, dass eine solche Firma dort nicht existiert, auch ein Briefkasten mit diesem Namen sei nicht vorhanden. Das Amtsgericht Lüneburg verneint ebenso: “Ein solches Unternehmen ist nicht registriert”, so ein Mitarbeiter des Handelsregisters. Eine Anfrage beim Gewerbeamt Lüneburg läuft noch. (Update 10. Mai: Auch das Gewerbeamt kennt das Unternehmen nicht.)
Als Provider der Website muss nun das Unternehmen Revido in Freital herhalten, die Domain wurde offenbar bei United Domains registriert. Und ist noch ganz frisch: Erst am Dienstag, den 3. Mai wurde sie beantragt. Die Website regionales-branchenbuch.info ist wie auch der Vorgänger ein Witz. “Unsere Datenbanken sowie der Webinhalt werden derzeit einer umfangreichen Wartung unterzogen. Wir bitten um Ihr Verständnis und sind in Kürze wieder mit allen Features für Sie erreichbar.”, ist dort unter anderem zu lesen. Eine Suchabfrage bringt derzeit einen SQL-Fehler, der immerhin zeigt, dass versucht wird, auf die Datenbank db2794 bei 1und1 zuzugreifen. Also wohl doch kein kompletter Wechsel zu Revido?
Fassen wir also zusammen: Eine nicht funktionierende Website, ein nicht existentes Unternehmen, Kundenfang per Spam-Fax. Alles in allem natürlich optimale Voraussetzungen, um Unternehmern einen überteuerten Eintrag in Höhe von 497 Euro netto pro Jahr anzubieten. Shahrasbi ist offenbar nicht nur dreist, sondern auch technisch inkompetent und blöd merkbefreit.
Update, 10. Mai 2011: Sie können es nicht lassen. Seit gestern Abend werden erneut Faxe ausgesandt – diesmal lautet die Rückfaxnummer 03222 1640106. Hierbei handelt es sich um eine so genannte ortsunabhängige oder auch nationale Rufnummer. Laut Bundesnetzagentur ist diese im Netz von Vodafone geschalten. Ich lasse dies gerade überprüfen.
Update: Lustig: Ruft man diese Nummer an, landet man bei “Arcor Mail & Messaging. Dem persönlichen Posteingangs-Assistenten von Shahin Shahrasbi”. So wird man begrüßt, wenn man diese Nummer anruft.
Unterdessen bestätigte mir auch das Gewerbeamt der Stadt Lüneburg, dass das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft nicht eingetragen ist.
Update, 24. Mai 2011: Shahin Shahrasbi macht wirklich Ernst: Nun werden Rechnungen verschickt. Die Kontodaten lauten: Sparkasse Lüneburg, Konto: 65088916, BLZ: 24050110.
Update, 26. Mai 2011: Immer mehr geschädigte Unternehmer melden sich bei mir, die eine Rechnung der DMM bekommen haben. Inzwischen wurde offenbar auch die Website regionales-branchenbuch.info überarbeitet. Zumindest finden sich nun jene Unternehmen hier wieder, die zur Zahlung aufgefordert sind. Weitere Einträge wurden offenbar nicht vorgenommen – bei den meisten Suchbegriffen bleibt die Suche erfolglos. Und das, obwohl doch angeblich über 10.000 Einträge vorhanden seien…
Unterdessen teilt mir das Handelsregister des Amtsgerichtes Lüneburg mit, dass die DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft tatsächlich gegründet wurde – am 17. Mai 2011, also erst nach Aussendung der Spam-Faxe, auf denen der Name “DMM” allerdings schon verwendet wurde. Als UG (haftungsbeschränkt) ist die DMM unter der Handelsregisternummer 20AR417 eingetragen. Ob die Verwendung des Namens vor Gründung und das kategorische Weglassen der verpflichtenden Angabe “UG (haftungsbeschränkt)” auf Faxen und Rechnungen eine Ordnungswidrigkeit darstellt oder eine strafrechtliche Relevanz hat, kann ich nicht beurteilen.
Update, 10. Juni 2011: Das Amtsgericht Lüneburg hat in einem Schreiben an mich die Eintragung der DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt) konkretisiert und damit obige Angabe berichtigt. Demnach wurde das Unternehmen am 31.05.2011 im Handelsregister unter der Nummer HRB203168 eingetragen. Das Grund oder Stammkapital der Gesellschaft beträgt 100 Euro, als Vorstand und Geschäftsführer wurde Shahin Kai Shahrasbi, geboren am 8.10.1990 in Lüneburg eingetragen. Dem Amtsgericht wurde ein Gesellschaftsvertrag mit Datum vom 4. Mai 2011 vorgelegt.
Die Handelsregistereintragung kann auch hier eingesehen werden.
Für das Zustandekommen der Verträge heißt das nichts – laut GmbH-Gesetz gibt es eine Rückwirkung. Heißt: Zwar hat Shahrasbi vor Eintragung der UG als Privatmann und auf eigene Haftung gehandelt. Allerdings sind geschlossene Verträge mit der Eintragung der UG nun auf die UG übertragen worden. Ob die Verträge jedoch rechtmäßig zustande kamen – und ob überhaupt zu zahlen ist, müsste im Zweifel wohl ein Gericht beantworten. Es dürfte interessant werden, ob der Lüneburger Jung’ tatsächlich auf die Zahlungen besteht und seine lächerlichen Förderungen vor Gericht geltend macht.
Übrigens fehlt nach wie vor auf der Website des Kaspers die offizielle Firmierung der DMM. Dass es sich um eine UG (haftungsbeschränkt) handelt, erfährt der Nutzer nicht. Damit verstößt Shahin Kai Shahrasbi de facto gegen § 5a, Abs.1 GmbHG.
Update, 16. Juni 2011: Die DMM verschickt nun Mahnungen.
Update, 30. Juni 2011: Laut Mitteilung eines Anwaltes lässt Shahin Shahrasbi bzw. die DMM nun die offenen Forderungen über das Inkassobüro debitas eintreiben. Zuzüglich zur offenen Forderung von 591,43 Euro rechnet die debitas Auslagen, Kontoführungskosten und Inkassokosten hinzu. Die Endsumme beläuft sich auf 707,93 Euro. Der Mandantschaft wurde seitens des Anwaltes geraten, nichts zu zahlen und eine eventuelle Klage abzuwarten.
Mit der debitas dürften Geschädigte der DMM nun endlich mal einen Ansprechpartner haben – auf Faxe wird seit geraumer Zeit nicht mehr reagiert, Post an die Adresse der DMM in Lüneburg kommt als unzustellbar zurück. Laut Aussagen der debitas werden alle Mandanten vorher genau geprüft.
5. Juli 2011: Schau an, plötzlich weiß Shahrasbi, wie er mit ausgeschriebenem Namen heißt und dass man seine komplette Firmierung anzugeben hat. Da wird wohl die IHK einen Tipp gegeben haben…
19. Juli 2011: Wie mir zwei Anwälte unabhängig voneinander mitteilen, lässt das Inkassounternehmen debitas von den Forderungen ab, nachdem die Anwälte eine Anfechtung erklärt hatten. Auf Anfrage teilte mir die Geschäftsführung der debitas soeben mit, dass eine Nachprüfung ergeben hätte, dass dieser Mandant (also die DMM) nicht mehr betreut werden könne. Auf Deutsch: Shahrasbi ist rausgeflogen.
Unternehmen, die nun aufgrund der Forderung der debitas doch noch zahlen oder gezahlt haben, sind ihr Geld trotzdem los. Rechtlich sei es so, dass die Forderung dann noch an den Mandanten weitergeleitet werden müsse, auch wenn kein Vertragsverhältnis mehr besteht. Zurücklehnen können sich Unternehmer wohl trotzdem nicht – es ist durchaus zu erwarten, dass Shahin Kai Shahrasbi aus Lüneburg einen anderen Weg wählt, um seine Forderungen, von denen er offenbar glaubt, sie bestünden zurecht, durchzusetzen.
22. Juli 2011: Unterdessen geht eine Lüneburger Anwaltskanzlei gegen mich vor und macht Unterlassungsansprüche geltend. Im Namen Shahin Shahrasbis fordert die Kanzlei mich auf, angebliche ehrverletzenden Äußerungen zu entfernen. Diese können mein Anwalt und ich allerdings nicht erkennen. Dafür kam ich dem Wunsch nach, auf die Veröffentlichung privater Bilder des Mandanten zu verzichten. Insofern wurden heute Morgen die bis dahin hier zu findenden Fotos, die Shahin Sharasbi zeigen, gelöscht.
5. September 2011: Offenbar hat Shahin Shahrasbi den Sitz seines Unternehmens nach Chemnitz verlegt. Im Impressum heißt es nun:
Regionales Branchenbuch.Info wird betrieben von:
DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft UG (haftungsbeschränkt)
Schulstraße 38
09125 Chemnitz
HRB 203168
In den einschlägigen Auskunftsverzeichnissen findet sich jedoch noch kein Hinweis auf eine Verlegung des Geschäftssitzes. In der Schulstraße 38 in Chemnitz befindet sich der so genannte Europark. Ein Gewerbepark, an dem über 70 Firmen sitzen. Der perfekte Ort, um nicht aufzufallen. Nach meinen Informationen hat sich Shahin Shahrasbi dort nicht direkt eingemietet, sondern nutzt die Dienste der BSD Bürosharing Deutschland UG. Selbige verspricht auf ihrer Website eine “Repräsentative Geschäftsadresse im Europark Chemnitz” und eine “Korrespondenzadresse / Postservice” sowie virtuelle Büros. Auf Deutsch: Shahrasbi nutzt einen Briefkasten in Chemnitz. Post dorthin dürfte unbeantwortet bleiben. (Update: Die Post wird innerhalb des Europarks in einen Briefkasten zugestellt, an dem rund 60 Firmennamen angebracht sind. Die BSD Bürosharing gewährt also rund 60 Firmen mit ihrem “virtuellen Büro” Asyl. Briefkastenfirmen mitten in Deutschland – rechtlich gedeckelt, weil man als Unternehmen eine Postanschrift und einen Geschäftssitz haben darf. Die DMM jedoch gibt auf der Website im Impressum vor, die Postanschrift wäre der Geschäftssitz. Auch auf den neuesten Rechnungen verschweigt das Unternehmen, unter welcher Adresse es seinen Geschäftssitz hat.
Nach meinen Recherchen hat der Empfang des Europarks täglich rund zehn Anfragen von verärgerten “Kunden” der DMM zu bewältigen.
7. September 2011
Shahrasbi macht unbeirrt weiter. Nachdem er vergangene Woche offenbar wieder Eintragungsfaxe versendete, bekamen heute erste “Kunden” neue Rechnungen. Als Absender ist hier schon die DMM mit der neuen Adresse in der Schulstraße 38 in Chemnitz angegeben. Ganz unten auf der Rechnung findet sich aber noch der Hinweis, dass die DMM beim Registergericht Lüneburg gemeldet sei. Interessant ist, dass auf der Rechnung nicht ersichtlich ist, wo man den “Kunden” überhaupt eingetragen haben will. Es heißt nur: “Wunschgemäß haben wir Ihre Eintragung durchgeführt.”
Als Kontoverbindung wird nun die Postbank angegeben. Die Kontonummer lautet: 39 942 202, die Bankleitzahl ist die 200 100 20 – die auf die Postbank in Hamburg vergeben ist. Meiner Meinung nach ein Zeichen dafür, dass sich Shahrasbi weiterhin im Raum Hamburg/Lüneburg aufhält und die Chemnitzer Adresse nur zur Irreführung gebucht wurde.
Lustig auch der Hinweis auf der Rechnung, dass der Zahlungsempfänger das Unternehmen DMM Deutsche Medien- und Marketinggesellschaft sei und nicht das Produkt Regionales Branchenbuch. Offenbar war Shahrasbi sogar zu unbeholfen, bei der Postbank ein Alias für sein Konto einrichten zu lassen.
Im Übrigen fehlt auf der Rechnung die Angabe einer Steuernummer bzw. Identifikationsnummer, wie es laut § 14 Abs. 4 in Verbindung mit § 14a Abs. 5 UStG verlangt wird. Entsprechend kann diese Rechnung als nicht rechtmäßig gelten. Das Finanzamt Lüneburg freut sich sicher über eine entsprechende Mitteilung.
19.
04.
2011
10:43
Weil hier bereits mehrere Artikel zum Thema existieren, es wieder neue Erkenntnisse gibt und für einige der Überblick verloren ging, hier eine Chronik der Ereignisse rund um mein-branchenverzeichnis.info der TM Marketing Service Limited und ihrem verzweifelten bis peinlich-lächerlichen Versuch, ahnungslose Unternehmer abzuzocken.
2. Dezember 2010: Unternehmer, Vereine, Ärzte und andere Empfänger, offenbar in ganz Deutschland, erhalten ein Fax, in dem ein “notwendiges Formular” ausgefüllt werden soll. Der “Grundeintrag” soll kostenfrei bleiben. Was mit Absicht schwammig formuliert ist. Der “Grundeintrag” beinhaltet lediglich Firmierung und Adresse des Unternehmens. Sobald man eine Telefonnummer und andere Kontaktdaten einträgt, den Auftrag unterschreibt und an die Faxnummer faxt, geht man laut TM Marketing Service Ltd. einen Vertrag ein.
Alle Details dazu finden sich hier.
6. Dezember 2010: Immer mehr Unternehmer melden sich bei mir, leiten die Eintragungsfaxe an mich zur Info weiter. Von Nord nach Süd, von Ost nach West. Offenbar werden die Faxe über einen größeren Verteiler als beim Vorgänger gelbes-branchenbuch.info geschickt. Weiterlesen »