von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
20. 04. 2011 09:26
Die Verbraucherzentrale Sachsen ist eine anbieterunabhängige, überwiegend öffentlich finanzierte, gemeinnützige Organisation. Ziel ihrer Arbeit ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher in Fragen des privaten Konsums zu informieren, zu beraten und zu unterstützen.
Kurz gesagt: Die Verbraucherzentrale berät ausschließlich Endverbraucher, müsste (und dürfte) sich um solche Dinge wie die neuerdings massiv auftauchenden Branchenbücher im Internet also nicht kümmern. Da aber immer mehr Selbstständige und Freiberufler bei der Verbraucherzentrale bezüglich der verschiedenen Varianten der Eintragsdienste vorsprechen, hat man jetzt reagiert. In einer Pressemitteiung geht man auf verschiedene Abzock-Anbieter ein und rät dann…
… auch scheinbar kostenlose Offerten genau durchzulesen und auf versteckte Kostenhinweise zu prüfen. Die Kosten können sich auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden. Wer darauf reingefallen ist, kann den Vertrag unter Umständen wegen arglistiger Täuschung anfechten. Ein Widerrufsrecht besteht dagegen nur für den so genannten klassischen privaten Endverbraucher, nicht aber für Gewerbetreibende, Selbstständige oder Freiberufler. Diese sollten sich zur Unterstützung an ihre Kammern (IHK, Handwerkskammer oder Verbandskammer) wenden oder einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.
Dass die Verbraucherzentralen in Deutschland überhaupt von Unternehmern angerufen oder besucht werden, liegt meiner Meinung nach auch an der Polizei. In Gesprächen mit betroffenen Unternehmern wird immer wieder deutlich, dass viele Polizeireviere offenbar durch Stellenabbau und sonstige Personalnot kaum noch Kapazitäten haben, eine Anzeige aufzunehmen. Stattdessen wird mit fragwürdigem Sach- und Rechtsverständnis die Sache abgewiegelt – und die Unternehmer zur Verbraucherzentrale geschickt. Letzteres hat dann aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Personalknappheit zu tun, sondern mit mangelnder Schulung und Aufklärung der Beamten.
15. 02. 2011 09:31
Nur eine kurze Meldung: Nachdem es nun offenbar still geworden ist um das kleine Imperium namens gelbes-branchenbuch.info aus Greifswald, mailen die Freunde von gelbesbranchenbuch.com schon wieder. Ein Update dazu steht hier am Anfang des Textes. Alles, was man wissen muss, steht im gesamten Text.
28. 04. 2010 16:36
In Sachen Gelbes Branchenbuch scheinen sich neue Entwicklungen abzuzeichnen. Heute erhielt ich einen Anruf eines Münchner Anwaltes. Er habe erfahren, die Firmen hinter dem zweifelhaften Angebot würden aktuell zahlungsunwilligen Unternehmern Klagen androhen. Bislang sei jedoch nicht bekannt dass diese Klagen wirklich eingereicht wurden.
Das heimtückische daran: Die MCP Holding Ltd., die GBB Limited oder die Ucalegon Ltd. würden die Klage (laut Androhung) in Prag einreichen. “Wer sich hier nicht zur Wehr setzt, muss damit rechnen, womöglich die Forderung nebst Gerichtskosten zahlen zu müssen”, sagte mir der Anwalt. In Deutschland heiße das wohl “Versäumnisurteil”. Wem tatsächlich eine Klage des Gelben Branchenbuchs ins Haus flattert, der sollte also keineswegs den Kopf in den Sand stecken. “Eventuell können die Betroffenen sich koordinieren, um gemeinsam einen Anwalt in Prag zu beauftragen, der sie vertritt”, rät er.
Wer tatsächlich eine Klage des Gelben Branchenbuchs erhalten hat, kann sich ja mal hier in den Kommentaren melden.
05. 03. 2010 10:49
Zum Gelben Branchenbuch habe ich nun auch einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung veröffentlich. Neben bereits bekannten Fakten finden sich hier auch Zitate der IHK Leipzig und von DeTeMedien.
Teurer Eintrag ins Branchenbuch
IHK Leipzig warnt vor Angebot einer ausländischen Firma / Gelbe-Seiten-Herausgeber prüft rechtliche Schritte
Zahlreiche Unternehmer haben in den vergangenen Tagen eine E-Mail erhalten, die teure Folgen haben kann. Unter dem Betreff “Ihr Eintrag im Branchenbuch 2010/2011″ bittet eine Firma um Bestätigung der Daten und Rücksendung an eine Frankfurter Faxnummer. Wer dieser Bitte nachkommt, dessen Unternehmensangaben stehen dann allerdings nicht in den bekannten Gelben Seiten der Deutschen Telekom, sondern auf einer weitgehend unbekannten Internetseite. Kostenpunkt: 780 Euro jährlich bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren.
Die Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) beurteilt das Angebot skeptisch. Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann spricht von “dubiosen und unseriösen Eintragungsofferten”. Zahlreiche Mitgliedsunternehmen hätten sich über das Branchenbuch und die Verantwortlichen beschwert.
Wer bereits unterschrieben hat, dürfte den geschlossenen Vertrag mit der GBB Limited, die laut eigenen Angaben auf den Marshallinseln sitzt, nur schwer wieder los werden. Die GBB gibt als Gerichtsstand Prag an. Auf der Internetseite finden sich weder Impressum noch Kontaktmöglichkeit. Wer genau hinter dem Angebot steckt, lässt sich nicht herausfinden.
Vor zwei Jahren war die Ucalegon Limited aus Bangkok Anbieter des Gelben Branchenbuchs. In den aktuell versendeten Schreiben findet sich dieses Unternehmen wieder: Als Autor des PDF-Dokumentes ist die Ucalegon vermerkt. Zudem bestehen laut Aussage geschädigter Unternehmer Verbindungen zu einem internationalen Inkassobüro mit Geschäftsstellen in Hongkong, Prag, Panama und Johannesburg.
“Leider kann man derartiger Machenschaften nur schwer habhaft werden”, sagt Hofmann. “Wir können nur immer wieder an die Unternehmen appellieren, derartige Angebote mit Angaben wie einem exotischen Firmensitz oder einem fehlenden Impressum vor Unterschriftsleistung genau unter die Lupe zu nehmen und bei Zweifeln nach der Prüfung die Finger davon zu lassen.”
Tatsächlich lohnt sich ein genauer Blick. Wie Stichproben dieser Zeitung ergaben, sind die Suchergebnisse auf der Internetseite www.gelbesbranchenbuch.com veraltet oder fehlerhaft. In Großstädten werden in vielen Branchen nur sehr wenige Einträge gefunden. Zudem ist die Internetseite entweder sehr langsam oder nicht zu erreichen. Bei der Recherche nach Einträgen werden dem Nutzer sehr oft kryptische Fehlermeldungen präsentiert.
Die Deutsche Telekom Medien (DeTeMedien), die in Deutschland Telefon- und Branchenbücher herausgibt, sieht die Branchenbuch-E-Mails als Verletzung der Markenrechte an “Gelbe Seiten” und der Farbe Gelb, wie Markenmanager Michael Hein sagt. “Leider sehen wir uns häufig damit konfrontiert, dass dritte Unternehmen sich an die Bekanntheit und den guten Ruf unseres Produktes anzulehnen versuchen. Er kündigte an, dass die Telekom “alle gebotenen rechtlichen Schritte” einleiten werde, “um die entsprechenden Aussendungen zu stoppen”.
Fachleute raten Firmeninhabern, die sich dennoch für einen kostenpflichtigen Eintrag interessieren, dass sie Reichweite und Zielgruppe eines Branchenverzeichnisses klären sowie den Herausgeber fragen, ob die Auflistung auch in gedruckter Form erscheint. Leipziger Unternehmer, die sich unsicher sind, können sich an die Rechtsabteilung der IHK Leipzig wenden.
Erschien am 5. März 2010 in der Leipziger Volkszeitung.
22. 02. 2010 13:12
ACHTUNG! Sie suchen Infos über die Proformarechnung von gelbes-branchenbuch.info? Dann bitte hier entlang.
Update 15.Februar 2011: Und noch eine neue Welle. Wieder wird ungefragt per E-Mail ein PDF mit dem Namen “offerte” und einer Zahlenkombination verschickt. Im PDF ist abermals die GBB Ltd. mit Sitz “Trust Company Complex, Ajeltake Rd., Ajeltake Island, Majuro, Marshall Islands, MH 96960″ eingetragen. 65 Euro monatlich will die GBB Ltd. für den Eintrag auf gelbesbranchenbuch.com bei einer Laufzeit von zwei Jahren. In Summe ist man also 1560 Euro zzgl. MwSt. los für eine Eintragung auf einer durchweg schlecht bewerteten Website, die wohl niemand zur Suche nach Brancheneinträgen nutzen würde.
Neu ist diesmal die Absenderadresse. Die Mail wird von info@mktmaster.net verschickt. Die Domain mktmaster.net ist registriert auf einen Honig Fernando, mktmaster.net, office #3068186, c/o OwO, BP80157, 59053, Roubaix Cedex 1 in Frankreich. Der Server mktmaster.net steht in Scranton, Pennsylvania (USA). Registriert wurde die Domain erst am 9.2.2011, offenbar nur zu dem Zweck, die Werbemails zu versenden.
Ich rate dringend davon ab, den Link in der Mail zum Download des PDF zu klicken. Womöglich wird dadurch die E-Mail-Adresse des Empfängers bestätigt, was weitere Spam-Mails und andere unnütze und überteuerte Angebote nach sich ziehen dürfte.
Update 12.12.2010: Eine neue Welle wurde nun im Dezember 2010 gestartet. Via Mail, um die man nicht gebeten hat und die vorgibt, nach “§ 33 des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes” nötig zu sein, gibt es auch nun wieder Eintragungsangebote. Die Absendermailadresse ist mail@wcrmailings.net. Als Absender im anhängenden PDF ist nach wie vor die GBB Ltd. eingetragen, die auf den Marshall Islands ansässig ist. Gerichtsstand ist Budapest, Ungarn und es gelte ungarisches Recht. Meine Meinung weiterhin: Unnütz und überteuert, da die Website gelbesbranchenbuch.com nicht oder nur eingeschränkt funktioniert (Stand 12.12.2010)
Achtung! Dieser Eintrag bezieht sich auf gelbesbranchenbuch.com. Sie haben ein Fax von gelbes-branchenbuch.info bekommen? Dann bitte hier entlang.
Im Mai 2008 warnte ich bereits schon einmal vor dem “Gelben Branchenbuch”, das auf gelbesbranchenbuch.com eine Website bereitstellt, die vorgibt, eine Branchenauskunft zu sein. Um die dort zu findenden Einträge in bezahlte Premium-Einträge zu wandeln, versandte der Betreiber, die Ucalegon Ltd., per E-Mail Korrekturabzüge, die man nur kontrollieren und zurückfaxen solle. Wer hier nicht aufpasste, in der Annahme, es handele sich um einen wirklichen Korrekturabzug der richtigen Gelben Seiten, wurde schnell viel Geld los: 780 Euro jährlich bei einer Laufzeit von zwei Jahren, zahlbar im Voraus. Eine Gegenleistung, die diese Summe rechtfertigen würde, gab es nicht. Im Gegenteil: Die Website ist ständig nicht erreichbar, Suchabfragen führen ins Nichts oder dauern ewig. Die Verantwortlichen haben so ihre Probleme mit dem Zend Framework.
Jetzt, im Februar 2010, gibt es offenbar eine neue Welle vom Gelben Branchenbuch. Wieder werden mittelständische Firmen, Freiberufler und offenbar, wenn ich meinen Website-Statistiken Glauben schenken darf, auch börsennotierte Unternehmen angeschrieben. Die Masche ist die Gleiche. Das Gelbe Branchenbuch teilt in der Mail mit, man informiere “gemäß §33 des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes” über den Eintrag im “Gelben Branchenbuch 2010/2011″. Dass es sich dabei nicht etwa um ein Druckerzeugnis, sondern nur um eine schlecht gemachte Website handelt, darauf geht der Versender in der Mail nicht ein. Danach folgen einige Angaben zur Firma, bei der entweder Faxnummer oder Internetadresse fehlen. Außerdem bittet man um Prüfung des Anhangs, den man “gegebenenfalls retournieren” solle.
Der Anhang ist ein PDF-Dokument, auf dem unter der Überschrift “Eintragungsantrag” die Daten des einzutragenden Unternehmens wiederholt werden. Außerdem wird rechts daneben eine Laufzeit angegeben, die zwei Jahren entspricht. Auch in der darunter Leistungsbeschreibung ist von zwei Jahren Laufzeit die Rede. Der Preis blieb stabil: 65 Euro im Monat, sprich 780 Euro im Jahr. Eine Kündigung sei drei Monate vor Ablauf des Vertragszeitraumes schriftlich möglich. Außerdem wird hier die Domain gelbesbranchenbuch.com als Veröffentlichungsmedium für den Eintrag genannt. Allerdings kann sich, so ist zu lesen, die “Internetveröffentlichungsdomain” auch ändern. Heißt: Die Firma, die gelbesbranchenbuch.com betreibt, kann von heute auf morgen die Domain dicht machen und die gesammelten Daten unter einer anderen Website veröffentlichen. Auch steht in der Leistungsbeschreibung, dass der Auftragnehmer berechtigt ist, die Forderungen ganz oder teilweise an Dritte abzutreten. Heißt: Wer zahlen muss, bekommt möglicherweise von so genannten Factoring-Firmen seine Rechnung. Zu beachten ist auch: Wie bereits 2008 steht in dem PDF-Dokument, dass tschechisches Recht gilt und der Gerichtsstand Prag ist.
Vertragspartner ist die so genannte GBB Ltd., die ihren Sitz in Majuro auf den Marshall Islands im Nordpazifik hat. War mir neu, dass die Marshall Islands zu Tschechien gehören – oder wieso glaubt diese Unternehmen, tschechisches Recht anwenden zu können?
Wir halten also fest: War es 2008 noch die Ucalegon Ltd. mit Sitz in Bangkok, die diese Schreiben verschickte, ist es heute die GBB Ltd. mit Sitz in der Hauptstadt einer idylischen Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Was allerdings verwundert: Im PDF-Dokument sind noch immer Spuren der Ucalegon Ltd. zu finden. Der Firmenname steht in den Meta-Daten bei “Verfasser” bzw. “Author”. Auch wurde offensichtlich vergessen, den Titel des PDFs zu ändern. Hier steht immer noch “Unser Angebot 2009″. Ob das nun heißt, dass die Ucalegon Ltd. noch immer für den Versand der “Angebote” verantwortlich ist, weiß ich nicht.
Was allerdings sicher ist: Dieses PDF-Dokument sollte man natürlich NICHT an die genannte Faxnummer mit Frankfurter Vorwahl senden. Denn was dann folgt, ist eine Rechnung über die genannten 780 Euro jährlich bei Laufzeit von zwei Jahren, sprich also 1560 Euro bzw. 1856,40 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) bei quasi nicht vorhandener Gegenleistung. Denn selbst, wenn die Website gelbesbranchenbuch.com mal wider Erwarten funktioniert: Die Daten vieler Firmen stehen längst drin, auch ohne Abzock-Eintragung zu überhöhten Preisen.
Update: Einen guten Eindruck von der Seriosität der Website gelbesbranchenbuch.com bekommt man übrigens auch, wenn man sich den Quelltext der Website anschaut. Dort wird auf eine CSS-Datei gelinkt, die sich offenbar im Verzeichnis “versautesschlafzimmer” befindet.
Update II: Wenn ich oben schrieb, “die Daten vieler Firmen stehen längst drin”, dann heißt das natürlich nicht, dass das Gelbe Branchenbuch ein ernst zu nehmendes Verzeichnis wäre. Im Gegenteil. Die Suche nach zum Beispiel “Malermeister” in Leipzig bringt gerade mal drei Treffer – bei gelbeseiten.de sind es 128. Ich wollte es gerade gern noch mit “Schlüsseldienst” versuchen, aber gelbesbranchenbuch.com ist schon wieder nicht erreichbar, bzw. produziert PHP-Fehler, so wie auch beim Bestellvorgang eines Premium-Produktes.
Update III: Auch in Österreich ist das Gelbe Branchenbuch weiterhin aktiv. Dort sind es laut OTS gleich drei Jahre, die man sich binden soll. Schreiben, die an österreichische Firmen gesandt werden, tragen offenbar noch die Ucalegon Ltd. als Absender. Zudem teilt der Herausgeber der Pressemitteilung, die Herold Business Data GmbH, meinen Eindruck, dass das Gelbe Branchenbuch ein fehlerhaftes bzw. unvollständiges Verzeichnis ist.
Update 23. Februar: Die Ucalegon Ltd. hat auf die Pressemitteilung des “Herold” reagiert. Mit einer launischen Gegenerklärung.
Update 25. Februar: Die genannte Pressemitteilung der Ucalegon ist nicht mehr auf news4press.com und firmenpresse.de zu finden. Offenbar hat der Herold die Löschung verlangt.
Update 27. Februar: Unglaublich. gelbesbranchenbuch.com hat ein Update erfahren. Ein neues Design, neuer technischer Hintergrund und bessere Suchergebnisse. Nach wie vor aber ohne Impressum und klare Angabe, an welche E-Mail-Adresse das Kontaktformular gesendet wird. Zudem sei nun ein Eintrag zum Null-Tarif möglich. Am Button “Jetzt buchen” ist ein Sternchen zu sehen. Erklärt wird dieses Sternchen nirgends. Dafür scheinen die Programmierer Humor zu haben. Und Ostdeutsche zu sein. Das Hintergrundbild zum “kostenlosen Basiseintrag” wurde nach der DDR-Fernsehserie “Du und Dein Garten” benannt. Nach wie vor muss allerdings gesagt werden: Wie das Gelbe Branchenbuch versucht, an Premium-Kunden zu kommen, ist unlauter und unseriös. Ob 65 oder 99 Euro für die gebotenen Leistungen angemessen sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Update 1. März 2010: Nun gibt es auch ein Impressum. Herausgeber des Gelben Branchenbuches ist demnach eine MCP Holding Ltd. aus Belize in Südamerika. Zudem suchen die Verantwortlichen jetzt nach den fünf besten Antworten auf die Frage, warum ihr Produkt besser ist als die Konkurrenz. Unfassbar, die nehmen sich tatsächlich sehr ernst.
Update 27. Januar 2012: Derzeit lässt gelbesbranchenbuch.com nicht nur die offenen Rechnungen vom Inkassounternehmen Feigenbaum & Stern einfordern, sondern erlässt auch einen europäischen Zahlungsbefehl. Infos dazu hat Rechtsanwalt Thomas Meier aus Berlin.
19. 05. 2008 08:56
Achtung! Neue Welle in 2010. Bitte Hinweise und Updates lesen.
Am 19. Mai veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel über das “Gelbe Branchenbuch” der Ucalegon Ltd. In diesem Artikel kritisierte ich den Versand von E-Mails durch diese Limited. Dabei benutzte ich das Wort “Spam”. Das Unternehmen forderte mich auf, den ursprünglichen Artikel und die URL zu entfernen. Eine Forderung, der ich nachkomme, weil ich rechtlichen Streitigkeiten aus dem Weg gehen will. Ich möchte aber einige Dinge näher erklären:
Wie die Ucalegon Ltd. in einer Mail an mich mitteilt, versenden weder sie, noch Partnerverlage oder Akquisegesellschaften Spam. Vielmehr würde es sich bei den Mails um Hinweise nach §33 Bundesdatenschutzgesetz handeln, schreibt mir ein Mitarbeiter. Dieser Paragraph regelt die Benachrichtigungspflicht bei Speicherung von Daten durch Dritte, um das Recht auf Auskunft wahrnehmen zu können. Sprich: Das “Gelbe Branchenbuch” teilt mir mit, welche Daten von mir dort gespeichert sind.
Soweit, so gut. Erstaunlich ist aber, dass der “Eintragungsauftrag”, den die Ucalegon mir schickt, sich nicht deckt mit den Daten, die tatsächlich von mir im “Gelben Branchenbuch” verzeichnet sind. Denn online finden sich sowohl meine Telefon- als auch meine Faxnummer. Auf dem Eintragungsauftrag fehlt meine Telefonnummer allerdings. Zusätzlich steht auf dem Dokument, das ich unterschrieben zurückfaxen soll, der Hinweis: “Wichtig: Bitte ergänzen Sie unbedingt Telefon, Faxnummer und Internetadresse, um bestmögliche Erreichbarkeit zu garantieren.” Danach folgt das Kleingedruckte, in dem unter anderem steht, dass der Eintrag jährlich 780 Euro kostet bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren, zahlbar jährlich im Voraus.
Ich vermute dahinter ein System, um unaufmerksame Unternehmen dazu zu bringen, Geld auszugeben, dass sie sich eigentlich sparen könnten. Bei schnellem Überfliegen könnte man nämlich vermuten, es handelt sich lediglich um eine Korrekturvorlage, die man ergänzen und zurückfaxen soll. Diese Auffassung teilt unter anderem auch die IHK Bielefeld. Ich vermute, das Gelbe Branchenbuch will auf diese Weise normale Einträge in Premium-Einträge verwandeln. Natürlich obliegt es jedem Gewerbetreibenden, Freiberufler und sonstigem Selbständigen, gewissenhaft zu prüfen, was er da eigentlich mit seiner wertvollen Unterschrift besiegelt.
Halten wir also fest: Die E-Mails, die Ucalegon versendet, sind kein Spam, sondern unvollständige Auszüge aus den Daten, die vom jeweiligen Adressat im “Gelben Branchenbuch” gelistet sind. Wer diese Daten ändern lassen will, kann das beim Betreiber beantragen. Das ist sogar gratis, wie im Kleingedruckten zu lesen ist, eine E-Mail würde genügen.
Im Übrigen, so teilt Ucalegon mit, sei meine Bewertung, beim “Gelben Branchenbuch” handele es sich um ein unwichtiges Verzeichnis, ebenso falsch wie naiv. Es handele sich vielmehr um das umfangreichste Branchenbuch Deutschlands. In Kürze würde das Angebot sogar noch erweitert. Ich bleibe jedoch bei meiner Einschätzung, dass sich Unternehmen einen Eintrag in einem “Branchenbuch” sparen können, der derart teuer ist. Erst recht, wenn der Gerichtsstand Prag ist und das Unternehmen in Bangkok sitzt. Und die Suchabfrage “Branchenbuch” bei Google die Website nicht unter den ersten zehn Treffern anzeigt. Und auch nicht unter den ersten zwanzig. Oder 30. Oder 40. Und so weiter. Ich schließe allerdings nicht aus, dass es Unternehmen gibt, denen das egal ist. Die sind dann bei diesem Angebot richtig und zahlen sicher gern.
Ich werde meine Austragung aus den Datenbanken der Ucalegon Ltd. beantragen.
Update:Wie mir die Ucalegon mitteilt, besteht “keine Rechtsgrundlage” für die Löschung meiner Daten. Wahrscheinlich gilt hier auch tschechisches Recht. Oder taiwanesisches.
Update 18.2.2009: Offenbar ist das Gelbe Branchenbuch nun in Österreich sehr aktiv auf Kundengewinnung. Die Suchanfragen aus Österreich zu diesem Thema nehmen rapide zu.
Achtung! Neue Welle in 2010. Bitte Hinweise und Updates lesen.