{"id":1128,"date":"2008-05-17T12:46:25","date_gmt":"2008-05-17T10:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/?p=1128"},"modified":"2008-05-17T12:49:30","modified_gmt":"2008-05-17T10:49:30","slug":"gentechnik-in-sachsen-es-ist-noch-nicht-zu-spaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/gentechnik-in-sachsen-es-ist-noch-nicht-zu-spaet\/","title":{"rendered":"Gentechnik in Sachsen: &#8222;Es ist noch nicht zu&nbsp;sp&#228;t&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/schmeiser_2k.jpg\" alt=\"\" title=\"schmeiser_2k\" width=\"240\" height=\"160\" align=\"left\" style=\"margin:0 10px 10px 0\" \/>Taucha. Die Grundschule Am Park am Donnerstagabend: In der Eingangshalle sitzen rund 200 G&#228;ste. Ganz vorn Louise Schmeiser. Sie strickt, w&#228;hrend ihr Mann Percy am Pult seine Rede h&#228;lt. Man kann es der 76-j&#228;hrigen Kanadierin nicht ver&#252;beln, dass sie sich ablenkt. Das Ehepaar setzt sich seit zehn Jahren in einem nervenaufreibenden Kampf gegen den Konzern Monsanto zur Wehr. Das Unternehmen stellt unter anderem genver&#228;ndertes Saatgut her. Die beiden berichten auf Einladung des Aktionsb&#252;ndnis f&#252;r gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen &#252;ber die jahrelangen Rechtsstreits und die Erfahrungen mit genetisch ver&#228;nderten Pflanzen. Sachsen steht bundesweit mit auf 1027 Hektar angebautem Genmais an zweiter Stelle.<\/p>\n<p>\u201eKanada begann 1996 gentechnisch ver&#228;nderte Nutzpflanzen anzubauen. Damals sagte man den Bauern das Gleiche wie heute in Deutschland. Angeblich w&#252;rden h&#246;here Ertr&#228;ge erzielt, die Produkte w&#252;rden nahrhafter sein und es m&#252;sste weniger Chemie eingesetzt werden\u201c, so Percy Schmeiser. Wahr sei an diesen Behauptungen nichts, wie er sp&#228;ter ausf&#252;hrte: Die Ertr&#228;ge gingen runter und eine h&#246;here Nahrhaftigkeit konnte nicht nachgewiesen werden. Am schlimmsten aber sei der Einsatz der Pestizide: \u201eDie Genbauern mussten 15-mal mehr Chemie einsetzen als bei konventioneller Anbaumethode, was Boden und Menschen enorm sch&#228;digte. In Folge des Anbaus der Genraps- und Gensojapflanzen hat sich ein neues Super-Unkraut entwickelt, das auf normale Weise nicht zu bek&#228;mpfen war. Um dieses Unkraut zu vernichten, wurde ein Herbizid auf den Markt gebracht.\u201c Mit fatalen Folgen, denn dieses enthielt zu 70 Prozent Agent Orange, ein Entlaubungsmittel, das auch im Vietnamkrieg zum Einsatz kam. \u201eIn unserer Provinz Saskatchewan haben wir seit dem Einsatz die meisten Krebsf&#228;lle in Kanada. Jede zweite Frau hat Brustkrebs, jeder vierte Mann erkrankt an Prostatakrebs und Kinder im Alter von ein bis f&#252;nf Jahren sind auch von Krebs betroffen\u201c, berichtet er.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/schmeiser_3k.jpg\" alt=\"\" title=\"schmeiser_3k\" width=\"240\" height=\"380\" align=\"left\" style=\"margin:0 10px 10px 0\" \/>Die Aussaat von ver&#228;ndertem Mais, Raps und Soja hatte aber auch wirtschaftliche Folgen. 1998 wurde das Ehepaar von Monsanto angeklagt. \u201eDie sagten, wir h&#228;tten Patentrechte verletzt, weil wir ohne Lizenz deren Saatgut anbauen w&#252;rden\u201c, so Schmeiser. Durch Wind oder Bienen wurde das Gensaatgut auf seine Felder gebracht und somit kontaminiert. Ein Gericht entschied, dass Bauern dann nicht mehr Besitzer ihres eigenen Saatgutes sind, wenn es mit anderem gekreuzt wurde. Im Falle der Schmeisers hie&#223; das: Die Zuchtarbeit von 50 Jahren war zerst&#246;rt. Erst nach zwei weiteren Verhandlungen erkl&#228;rte das oberste Gericht alle Forderungen seitens Monsanto f&#252;r nichtig. Ebenso wurde dem Konzern der Besitz von allen Pflanzen zugesprochen, in denen die ver&#228;nderten Gene nachgewiesen werden k&#246;nnen. Ein Urteil mit Folgen, denn nun ist das Unternehmen immer haftbar zu machen, egal wo ihr Gen auftritt. Der eigentliche Grund f&#252;r den Anbau von Genpflanzen ist laut Schmeiser die Kontrolle &#252;ber das Saatgut und damit die Preise. Denn wer Lizenznehmer von Monsanto ist, m&#252;sse Geb&#252;hren pro Hektar Land zahlen, die Chemikalien nur vom Konzern beziehen und auch Einsicht in Buchhaltung und Steuerunterlagen gew&#228;hren.<\/p>\n<p>Zwei Stunden redete Percy Schmeiser, dann donnerte Applaus durch die Schule. Gefolgt von einigen Fragen. So wollte ein Tauchaer wissen, wie es um die Verunreinigung des Saatgutes in Deutschland steht. Schmeiser: \u201eBei Ihnen ist es noch nicht zu sp&#228;t, sonst w&#228;re ich nicht hier.\u201c Es liege an jedem selbst, einen Brief an seinen Bundestagsabgeordneten zu schicken. \u201eDie sind daf&#252;r da, ihre W&#252;nsche zu erf&#252;llen und &#196;ngste ernst zu nehmen\u201c, so der Kanadier, der voriges jahr mit seiner Frau den Alternativen Nobelpreis \u201ef&#252;r die mutige Verteidigung der Artenvielfalt\u201c erhalten hatte.<\/p>\n<p>Auch zahlreiche Kommunalpolitiker verschiedener Parteien verfolgten aufmerksam den Vortrag. B&#252;rgermeister Holger Schirmbeck dankte am Ende den Schmeisers f&#252;r ihren Besuch und sagte im Anschluss: \u201eDie beiden haben das Bewusstsein f&#252;r ein hochbrisantes Thema gesch&#228;rft. Ich bin f&#252;r gentechnikfreie Zonen, solange die Risiken nicht eindeutig definierbar sind.\u201c<\/p>\n<p><em>Erschien am 17. Mai 2008 in der Leipziger Volkszeitung.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fgentechnik-in-sachsen-es-ist-noch-nicht-zu-spaet%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Taucha. Die Grundschule Am Park am Donnerstagabend: In der Eingangshalle sitzen rund 200 G&#228;ste. Ganz vorn Louise Schmeiser. Sie strickt, w&#228;hrend ihr Mann Percy am Pult seine Rede h&#228;lt. Man kann es der 76-j&#228;hrigen Kanadierin nicht ver&#252;beln, dass sie sich ablenkt. 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