{"id":1196,"date":"2008-07-28T13:16:42","date_gmt":"2008-07-28T11:16:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/?p=1196"},"modified":"2008-07-28T13:16:42","modified_gmt":"2008-07-28T11:16:42","slug":"heiterer-friedolin-und-ernsthafter-schauspieler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/heiterer-friedolin-und-ernsthafter-schauspieler\/","title":{"rendered":"Heiterer Friedolin und ernsthafter&nbsp;Schauspieler"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/koefer_4.jpg\" alt=\"\" title=\"koefer_4\" width=\"410\" height=\"273\" align=\"left\"\/><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<p>Schkeuditz. Manch vermeintlicher Superstar schreibt bereits vor seinem 30. Geburtstag die eigene Biographie nieder. Herbert K&#246;fer tat dies erst mit 87 Jahren. \u201eNie war es so verr&#252;ckt wie immer\u201c lautet der Titel des Buches. Ein Buch, das nach seinem Erscheinen f&#252;r einigen Wirbel in den Medien sorgte. \u201eDie Journalisten pickten sich einen Satz heraus, n&#228;mlich den, dass ich gern ein DDR-B&#252;rger war\u201c, erkl&#228;rte der Schauspieler am Freitag bei einer Lesung am Flughafen.<\/p>\n<p>Auf die &#196;u&#223;erung folgten im Fr&#252;hjahr Verurteilungen, K&#246;fer sollte sich erkl&#228;ren. \u201eIch glaube aber, dass ich das nicht muss. Es gibt viele Leute, die der Meinung sind, dieser Satz sei berechtigt. Ich habe 40 Jahre in dem Land gelebt und sch&#228;me mich nicht daf&#252;r\u201c, sagte er und erntete von den etwa 35 Zuh&#246;rern Applaus. Aufgrund des medialen Interesses um diese &#196;u&#223;erung begann Herbert K&#246;fer seine Lesung nicht am Anfang des Buches, sondern eben an dieser besagten Stelle. \u201eWenn gesagt wird, die DDR war ein Unrechtsstaat, werde ich immer darauf entgegnen: Die DDR war ein Staat, in dem auch Unrecht geschah. Ich will die DDR nicht zur&#252;ck haben. Ich will mich aber gern an die positiven Dinge zur&#252;ck erinnern d&#252;rfen\u201c, las der achtmalige Fernsehliebling vor.<\/p>\n<p>K&#246;fer bezeichnet sich in seinem Buch als \u201eheiteren Friedolin und ernsthaften Schauspieler.\u201c Und auch ein Narr sei er. \u201eNarren machen Menschen gl&#252;cklich, es sei denn, sie sind Politiker\u201c, zitierte er. So hat seine Biographie durchaus auch humorvolle Passagen zu bieten. Unter anderem verr&#228;t der Berliner, dass er mit dem Hinterteil zur Welt kam. \u201eDie Hebamme f&#252;hlte sich deshalb zur philosophischen &#196;u&#223;erung hingezogen, ich wolle so der Welt zeigen, was ich von ihr halte\u201c, scherzte er.<\/p>\n<p>Herbert K&#246;fer las auch vor, wie er zum Schauspiel kam: Durch Schw&#228;nzen eines Ausbildungstages. Stattdessen nahm er an einer Schauspielpr&#252;fung teil. Worauf es abends eine Ohrfeige setzte, ausgeteilt von K&#246;fers Mutter, die ihn bis dato nie schlug. Sp&#228;ter erlaubten seine Eltern aber den g&#228;nzlich anderen Berufsweg. Heute blicke er \u201emit souver&#228;ner Gelassenheit\u201c auf sein Leben zur&#252;ck. \u201eEs war, wie es war.\u201c Nat&#252;rlich mache er sich mit 87 Jahren auch Gedanken &#252;ber den Tod. \u201eIch w&#252;rde liebend gern schon jetzt den Nachruf auf mich lesen\u201c, sinnierte er.<\/p>\n<p>Ans Aufh&#246;ren denkt er aber noch nicht, das ber&#252;hmte Altenteil, auf das sich viele zur&#252;ckziehen, kenne er nicht einmal. Demn&#228;chst steht er wieder auf der Theaterb&#252;hne und spielt bei den Jedermann-Festspielen im Berliner Dom den armen Nachbarn. Auch ein erneutes Auftreten im Fernsehen schloss er nicht aus. Eine Ank&#252;ndigung, die seine Zuh&#246;rer mit Wohlwollen aufnahmen.<\/p>\n<p>K&#246;fer, der \u201eRentner, der niemals Zeit hat\u201c, &#252;bernachtete nach der Lesung im Globana-Airport-Hotel. \u201eDer Krach st&#246;rt uns nicht, wir wohnen in Berlin und sind einiges gew&#246;hnt\u201c, so seine Frau Heike, die ihn begleitete. Am Sonnabend ging es zu einer Lesung nach Beelitz, ab heute will er weiter an seinen Theatertexten lernen.<\/p>\n<p><em>Erschien am 28. Juli 2008 in der Leipziger Volkszeitung.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fheiterer-friedolin-und-ernsthafter-schauspieler%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schkeuditz. Manch vermeintlicher Superstar schreibt bereits vor seinem 30. Geburtstag die eigene Biographie nieder. Herbert K&#246;fer tat dies erst mit 87 Jahren. \u201eNie war es so verr&#252;ckt wie immer\u201c lautet der Titel des Buches. 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