{"id":1869,"date":"2009-09-10T12:30:51","date_gmt":"2009-09-10T10:30:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/?p=1869"},"modified":"2009-09-10T09:43:49","modified_gmt":"2009-09-10T07:43:49","slug":"die-sprache-als-schluessel-zum-herzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/die-sprache-als-schluessel-zum-herzen\/","title":{"rendered":"Die Sprache als Schl&#252;ssel zum&nbsp;Herzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Iraker Hayder Mohammed Kadhim absolvierte f&#252;r acht Wochen ein Praktikum in Leipzig.<\/strong><\/p>\n<p>Wer an den Irak denkt, dem kommen die Bilder aus dem Fernsehen in den Kopf. Krieg, ein zerst&#246;rtes Land und jede Menge Leid. Aber auch ein gest&#252;rzter Diktator und die Chance auf einen Neubeginn. Diese Chance nutzte auch Hayder Mohammed Kadhim. Der 29-J&#228;hrige stammt aus dem Irak und weilte f&#252;r ein Praktikum in Leipzig. Er geh&#246;rte zu 20 irakischen B&#252;rgern, die in Deutschland arbeiten.<\/p>\n<p>Eingeladen wurden sie vom Projekt \u201eIrak-Horizonte 2015: Heute s&#228;en, morgen ernten\u201c, das vom Goethe-Institut, der deutschen Botschaft in Bagdad, dem Bundesverband der Deutschen Industrie und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag initiiert wurde. Ziel ist die Weiterbildung junger Hochschulabsolventen, um im Irak qualifizierte Entscheidungstr&#228;ger in der Regierung und Unternehmen aufzubauen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/messe_hayder_2.jpg\" alt=\"messe_hayder_2\" title=\"messe_hayder_2\" width=\"400\" height=\"401\" class=\"alignnone size-full wp-image-1870\" srcset=\"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/messe_hayder_2.jpg 400w, https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/messe_hayder_2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/messe_hayder_2-299x300.jpg 299w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Hayder Mohammed Kadhim verbrachte seine Zeit bei der Leipziger Messe und arbeitete im Auslandsmarketing. Abteilungsleiter Thomas Stenzel hat bereits seit l&#228;ngerem Kontakt in das arabische Land in Vorderasien. \u201eWir hatten vor anderthalb Jahren mit dem Verein Midan zu tun. Das ist die Deutsch-irakische Mittelstandsvereinigung. Deren Leiter erz&#228;hlte uns von seinen Erlebnissen. Dass die Menschen dort vorankommen und wieder arbeiten wollen\u201c, so Stenzel. Zudem sei der Irak ein wirtschaftlich interessantes Land mit viel Wachstumspotenzial. Das derzeitige Wirtschaftsvolumen betrage nur zehn Prozent von der urspr&#252;nglichen Kraft vor dem Krieg.<br \/>\nAls Hayder vor wenigen Wochen nach Deutschland kam, wurde er zum ersten Mal mit der deutschen Sprache und Mentalit&#228;t konfrontiert. Deutsch kann er trotz eines Sprachkurses nach der kurzen Zeit nat&#252;rlich noch nicht. Aber sehr gut Englisch, was wichtig ist, gerade bei Auslandsbeziehungen einer Messegesellschaft. \u201eIch will alles wissen &#252;ber den Handel und professionelles Messegesch&#228;ft. Es ist doch spannend, wenn Firmen f&#252;r eine Messe nach Deutschland kommen, um hier Fu&#223; zu fassen oder einfach nur um ihr Land zu pr&#228;sentieren\u201c, meinte er.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/messe_hayder_1.jpg\" alt=\"messe_hayder_1\" title=\"messe_hayder_1\" width=\"200\" height=\"313\" align=\"left\" style=\"margin:0 10px 10px 0\" \/>Seinen Chef nannte Hayder nur \u201eMister Thomas\u201c und sprach geradezu ehrf&#252;rchtig von ihm. \u201eEr hat mir viel beigebracht, ich verdanke ihm sehr viel und werde das nie vergessen\u201c, sagt er zum Ende seines Aufenthaltes. Im Irak hat Hayder studiert, sp&#228;ter in einer Firma gearbeitet, die Investments aufbaut. Vor seiner Reise nach Deutschland hatte er dort gek&#252;ndigt. \u201eEr h&#228;tte acht Wochen Urlaub nehmen m&#252;ssen, was nicht ging. Also machte er einen kompletten Schnitt\u201c, so Stenzel. Im Leipziger B&#252;ro kniete sich Hayder sofort in die Arbeit, h&#246;rte wissbegierig zu, schrieb sich viel mit. \u201eIch will den Terror in meinem Land mit meiner Arbeit besiegen. Die Deutschen k&#246;nnen mir viel geben, sie haben viele gute Ideen und ich habe sie als Freunde kennen gelernt\u201c, sagt der Iraker, der sich daf&#252;r einsetzt, dass in seinem Land Bildung und Ausbildung wieder zur Normalit&#228;t finden. \u201eIch war extra beim Botschafter in Berlin, um mit ihm dar&#252;ber zu sprechen\u201c, berichtet Hayder. Einen Anfang in dieser Hinsicht macht die Leipziger Messe. Zur n&#228;chsten Buchmesse sollen Lehrer eingeladen werden, die sich vor Ort weiterbilden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>Die Deutschen habe Hayder als intelligent kennen gelernt. \u201eIch habe hier viel Selbstvertrauen und auf alles eine Antwort bekommen\u201c, sagt er. Selbstvertrauen, das dem irakischen Volk in der Vergangenheit genommen wurde. Und auch w&#228;hrend seines Aufenthaltes in Leipzig zuckte Hayder regelm&#228;&#223;ig zusammen, wenn er von neuen Anschl&#228;gen, Toten und Verletzen h&#246;rte. Vor allem in Bagdad, wo er nach wie vor viele Freunde hat. Gegen die USA hat er aber nichts. \u201eIch glaube, das irakische Volk hasst die Amerikaner nicht unbedingt. Wir hatten etwas gegen die fr&#252;here Regierung. Seit Obama ist das anders. Allerdings kommen wohl viele nicht damit klar, dass die USA f&#252;r immer im Irak bleiben wollen\u201c, glaubt Hayder.<\/p>\n<p>Seine Zeit in Leipzig wolle er immer im Herzen tragen. \u201eDas hier ist eine wirklich sch&#246;ne Stadt, die Menschen k&#246;nnen sehr zufrieden sein mit dem, was sie hier haben\u201c, sagte Hayder, der in einer Studenten-WG wohnte. \u201eIn der S&#252;dvorstadt\u201c, erg&#228;nzte Stenzel, worauf sein irakischer Praktikant sofort dieses f&#252;r ihn ungewohnte Wort nachsprach. Es wird nicht das letzte deutsche Wort sein. Denn er will wiederkommen, um noch mehr zu lernen und in seinem Land zu berichten. Zur Vorbereitung darauf hat er sich einen Sprachkurs auf DVD gekauft, denn er sagt: \u201eDie Sprache ist der Schl&#252;ssel zum Herzen der Menschen.\u201c<\/p>\n<p><em>Erschien am 10. September 2009 in der Leipziger Volkszeitung.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fdie-sprache-als-schluessel-zum-herzen%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Iraker Hayder Mohammed Kadhim absolvierte f&#252;r acht Wochen ein Praktikum in Leipzig. Wer an den Irak denkt, dem kommen die Bilder aus dem Fernsehen in den Kopf. 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