{"id":1903,"date":"2009-10-07T08:59:05","date_gmt":"2009-10-07T06:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/?p=1903"},"modified":"2018-06-26T10:52:24","modified_gmt":"2018-06-26T08:52:24","slug":"baby-simulator-stirbt-durch-schuetteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/baby-simulator-stirbt-durch-schuetteln\/","title":{"rendered":"Baby-Simulator &#8222;stirbt&#8220; durch&nbsp;Sch&#252;tteln"},"content":{"rendered":"\n<!-- google_ad_section_start -->\n<p>Taucha. Es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Sieben Sch&#252;lerinnen der Tauchaer Mittelschule waren &#252;ber ein Wochenende die \u201eM&#252;tter\u201c von Babysimulatoren. Lebensgro&#223;e, an Puppen erinnernde Hightech-Wunder, die zum einen so schwer wie ein echtes Baby sind und sich zum anderen auch genau so verhalten. Inklusive Schreien, Lachen, Atemger&#228;uschen beim Schlafen und einem K&#246;pfchen, das immer gehalten werden will. Und einem internen Speicher, der genau aufzeichnet, wie sich die jungen M&#252;tter auf Zeit um ihr Kind k&#252;mmern. \u201eElternbedenkzeit\u201c hei&#223;t das Projekt, das an mehreren Schulen stattfindet und das p&#228;dagogische Ziel verfolgt, heranwachsenden M&#228;dchen die Verantwortung f&#252;r die Mutterrolle n&#228;her zu bringen. Jetzt wurden die Daten ausgewertet.<\/p>\n<p>Martina Fritzsche und Melanie Burkhardt vom Kreisverband Nordsachsen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) waren gr&#246;&#223;tenteils zufrieden: \u201eDie Ergebnisse sind im &#252;blichen Rahmen f&#252;r dieses Projekt\u201c, so Fritzsche. Nahezu alle Sch&#252;lerinnen erreichten 92 Prozent oder mehr. Nahezu perfekt waren Vivian und Clarissa mit 99 Prozent. \u201eMist, eigentlich w&#228;ren 100 Prozent drin gewesen, aber beim Weitergeben meines Sebastians an eine Bekannte haben wir einmal die Kopfst&#252;tze vergessen\u201c, sagte Vivian, die sich r&#252;hrend um \u201eihren\u201c Sohn k&#252;mmerte. Bei Clarissa kam zur Kopfst&#252;tze ein vergessenes F&#252;ttern hinzu. \u201eDer Computer im Simulator zeichnet gnadenlos alle Verst&#246;&#223;e auf. Und wenn das Baby registriert, dass auf sein Schreien nicht die Flasche an den Mund gef&#252;hrt wurde, gibt das einen Minuspunkt. Insgesamt ist das aber nicht schlimm\u201c, sagte Melanie Burkhardt.<\/p>\n<p>Wirklich schlimm erging es allerdings einem Kind. W&#228;re es ein richtiges Baby gewesen, w&#228;re es jetzt entweder behindert oder tot. Diagnose: Sch&#252;tteltrauma. Ein Schock f&#252;r die junge Mutter, die hier nicht erw&#228;hnt werden soll. \u201eIch habe mein Kind an einen Bekannten gegeben, weil ich weg musste\u201c, so die Sch&#252;lerin. Offenbar war sich der Bekannte der Ernsthaftigkeit des Experimentes nicht bewusst und wollte den schreienden Simulator durch Sch&#252;tteln zur Ruhe bringen. Mit Erfolg \u2013 das \u201eBaby\u201c stellte sich tot und reagierte f&#252;r mehrere Stunden gar nicht mehr. Wie ein echter S&#228;ugling, der eine solche Folter durchmachen muss. Immerhin w&#228;hlte die Sch&#252;lerin die Notfallnummern, quasi die technische Hotline f&#252;r die Simulatoren und vertraute sich am Montag der Schulsozialarbeiterin Ulrike Denkiger an, die das Projekt begleitete. \u201eWichtig ist, dass du dir jetzt im Klaren dar&#252;ber bist, dass ein Neugeborenes nicht Bekannten anvertraut werden darf\u201c, mahnte Martina Fritzsche und erntete heftiges Kopfnicken der noch immer kreidewei&#223;en Probemutter. <\/p>\n<p>Trotz oder gerade wegen dieses Vorfalls und nur wenigen Stunden Schlaf bezeichneten die sieben Sch&#252;lerinnen das Projekt als durchweg gelungen und sehr sch&#246;n. \u201eWir hatten am Montag, als wir die Babys wieder abgeben mussten, schon Entzugserscheinungen. Und im Unterbewusstsein h&#246;rte man immer ein leises Schreien. Bei manchen ging es sogar so weit, dass sie Nachts das leise Atmen neben sich vermissten\u201c, beschrieb Svenja die Gef&#252;hle. Negative Auswirkungen auf die Kinderw&#252;nsche, die fast alle mit \u201ezwei bis drei\u201c angaben, hatte das Wochenende als M&#252;tter auf Zeit kaum. Sp&#228;testens mit 25 Jahren soll bei den M&#228;dchen, Ausbildung und Arbeit vorausgesetzt, die Familienplanung abgeschlossen sein.<\/p>\n<p><em>Erschien am 5. Oktober 2009 in der Leipziger Volkszeitung.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fbaby-simulator-stirbt-durch-schuetteln%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>\n<!-- google_ad_section_end -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Taucha. Es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang. 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