{"id":2645,"date":"2011-01-14T23:58:09","date_gmt":"2011-01-14T22:58:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/?p=2645"},"modified":"2024-01-26T09:57:59","modified_gmt":"2024-01-26T08:57:59","slug":"schund-stuss-prisma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/schund-stuss-prisma\/","title":{"rendered":"Schund, Stuss &#038;&nbsp;Prisma"},"content":{"rendered":"<p>prisma ist laut eigenen Aussagen Deutschlands drittst&#228;rkstes Print-Medium. 4,5 Millionen Exemplare liegen nach Verlagsangaben jede Woche &#8222;in West und Ost&#8220; diversen Tageszeitungen bei, laut IVW-Z&#228;hlung vom dritten Quartal 2010 waren es 4,2 Millionen. Der redaktionelle Teil beschr&#228;nkt sich auf eine Stars- und Sternchenseite, Gewinnspiele, ein w&#246;chentlich wechselndes Titelthema, eine Rubrik namens Lebensart, R&#228;tsel und Horoskope. Dazwischen findet sich das aktuelle Fernsehprogramm der Woche.<\/p>\n<p>Auf der Umschlagseite 2 oder eine danach darf jede Woche Detlef Hartlap, Chefredakteur bei prisma, einen Kommentar abgeben. Zwischen Stars und Sternchen findet sich also der Mann, der Deutschlands drittgr&#246;&#223;tes Printmedium redaktionell verantwortet. Hier &#228;u&#223;erte er sich k&#252;rzlich &#252;ber Kate Middleton, Kinderwissen, die FDP und Wikileaks oder B&#252;rgerprotest. Im aktuellen Blatt Nr. 2\/2011 schreibt Hartlap &#252;ber <a href=\"http:\/\/www.prisma.de\/thema.2011_02_kommentar.html\">Blogger<\/a>. <\/p>\n<p>In diesem Kommentar, der f&#252;r meine Begriffe etwa f&#252;nf Jahre zu sp&#228;t kommt, springt Hartlap von der kurzen Definition des Bloggers zur Zukunft der Zeitung, gibt zu, dass er auch Facebook nicht verstanden hat und bringt am Ende einen Satz, der wohl der einzige Grund f&#252;r seinen Kommentar ist: <\/p>\n<blockquote><p>Die Blogger aber, statt dar&#252;ber klagen, arbeiten sich an Zeitungen ab &#8211; ihrem Leitmedium, immer noch.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es mag ja sein, dass man, wenn man seit Anfang der 1990er Chefredakteur eines Beilagen-Werbeblatts ist, ein wenig den Sinn f&#252;r die Realit&#228;t und das Leben da drau&#223;en verliert. Dass es aber so schlimm wird, h&#228;tte ich nicht gedacht. <\/p>\n<p>Detlef Hartlap schreibt unter anderem: <\/p>\n<blockquote><p>Blogger verfassen Blogs: Aufs&#228;tze, Eintragungen, Kommentare, alles. Blogger sind immer schlau. Aber viele von ihnen leiden darunter, dass sie nur f&#252;r eine Handvoll Gleichgesinnter schreiben, wohingegen Zeitungen &#252;ber ein gro&#223;es Publikum verf&#252;gen. Deshalb behaupten sie: Wir, die Blogger, stehen f&#252;r Zukunft; Zeitungen sind von gestern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Blogger meinen also, sie st&#252;nden f&#252;r die Zukunft, weil Zeitungen &#252;ber ein gro&#223;es Publikum verf&#252;gen? Mal davon abgesehen, dass die Auflage der Tages- und Publikumszeitschriften seit 2000 stetig sinkt, w&#252;sste ich nicht, wann jemals ein Blogger behauptet h&#228;tte, er st&#252;nde f&#252;r die Zukunft, weil er nur &#8222;eine Handvoll gleichgesinnter&#8220; Leser am Tag hat.<br \/>\nVielleicht liegt es daran, dass prisma meint, jede Woche &#8222;Special Interest&#8220; zu bieten &#8211; etwas, das Blogger ebenfalls leisten: Themen, meist auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten. Wer sich mit 4,2 Millionen Auflage an Bloggern mit angeblich wenigen Lesern abarbeiten muss, hat meiner Meinung nach ein ernsthaftes Problem mit seinem &#252;bersteigerten Ego.<\/p>\n<p>Danach folgt ein Satz, der die komplette Ahnungslosigkeit des Detlef Hartlap in Sachen Blogs und Social Media offenbart:<\/p>\n<blockquote><p>Was Blogger nicht wahrhaben wollen: Das Internet hat sich, via Facebook und Konsorten, zur &#252;belsten Entprivatisierungsmaschine seit den &#246;stlichen Geheimdiensten entwickelt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was Hartlap nicht wei&#223;: Facebook ist kein Blog. Nutzer von Facebook sind keine Blogger. &#8222;Entprivatisiert&#8220; wird zudem nur, wer dies zul&#228;sst. Facebook &#8222;und Konsorten&#8220; m&#246;gen nicht die Unschuld vom Lande sein &#8211; trotz allem l&#228;sst sich kontrollieren, was dort steht.<\/p>\n<p>Aber offenbar hat Hartlap ohnehin ein Problem mit dem Internet:<\/p>\n<blockquote><p>Bei Zeitungen bleiben Stuss &#038; Schund auf Reservate beschr&#228;nkt (Boulevard, Yellow etc.). Im Internet wird Entbl&#246;&#223;ung zum Daseinsgrund. Alles scheint gleich verf&#252;gbar, das Sch&#246;ne wie das Schlimme. Die Freiheit des Internets hebt sich selbst auf, weil sie keiner Einschr&#228;nkung unterliegt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht sollte jemand den Chefredakteur von prisma aufkl&#228;ren, dass auch Stuss &#038; Schund seines Hauses bereits im Internet stehen &#8211; auch prisma verf&#252;gt &#252;ber eine Website. Und Hartlaps <a href=\"http:\/\/www.prisma.de\/thema.2011_02_kommentar.html\">Kommentar steht dort auch<\/a>, den man sogar kommentieren kann! Wie in einem Blog!!!1elf<\/p>\n<p>Danach folgt &#8211; komplett aus dem Zusammenhang gerissen:<\/p>\n<blockquote><p>So wird das Internet zum Symbol f&#252;r das unbesiegbare Nichtbescheidwissen der Masse. Die Blogger aber, statt dar&#252;ber klagen, arbeiten sich an Zeitungen ab &#8211; ihrem Leitmedium, immer noch.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mal davon abgesehen, dass nach &#8222;dar&#252;ber&#8220; ein &#8222;zu&#8220; fehlt, ergibt der Absatz &#252;berhaupt keinen Sinn. Erst schreibt Hartlap &#252;ber die Entbl&#246;&#223;ung der Blogger, um gleich im Anschluss anzuprangern, die Masse wisse nicht Bescheid. Was soll das sein? Unterschwellige Kritik an gemeinschaftlich gef&#252;hrten Wissensplattformen? <\/p>\n<p>Insgesamt bleibt es mir ein R&#228;tsel, was Hartlap bewogen hat, diesen Text zu verfassen. Wenn man das Medium Blog so &#252;berhaupt nicht verstanden hat, sollte man vielleicht lieber bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Detlef_Hartlap\">Reisef&#252;hrern<\/a> oder dem Fernsehprogramm bleiben.<\/p>\n<p>Vielleicht wollte er Aufsehen erregen, endlich jemanden interessieren f&#252;r seine Kommentare. Unter seinen w&#246;chentlichen Kolumnen steht flehend der Satz: &#8222;Ihre Meinung ist gefragt. Leserbriefe an www.prisma.de\/leser&#8220;. Eine Rubrik, in der diese Leserbriefe ver&#246;ffentlicht werden, scheint im gedruckten Heft nicht zu existieren. Auch online finde ich keinen Hinweis auf ver&#246;ffentlichte Leserbriefe.<\/p>\n<p>Das ist schade, denn g&#228;be es Leserbriefe, k&#246;nnte Hartlap mal jemand erkl&#228;ren, dass &#8222;Mutter Beimer&#8220; wohl f&#252;r die meisten Deutschen <a href=\"http:\/\/www.prisma.de\/thema.2010_48_kommentar.html\">keine deutsche K&#246;nigin<\/a> ist. Oder dass bereits <a href=\"http:\/\/www.prisma.de\/thema.2010_51_kommentar.html\">sein Kind mehr wei&#223;<\/a> als er selbst &#8211; und er sich mal wieder mit ihm besch&#228;ftigen sollte.<\/p>\n<p>Auch die Titelthemen bei prisma verdienen durchaus Zuschriften auf deren hochwertigen Inhalt. Hier, Heft 48\/2010 beispielsweise. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/prisma.jpg\" alt=\"prisma.jpg\" title=\"prisma\" border=\"0\" width=\"200\" height=\"250\" style=\"float:left;margin:0 10px 10px 0;\" \/> Erkennen Sie es? Zwei magere Topmodels f&#252;ttern sich mit etwas, das laut Titeltext &#8222;feines Geb&#228;ck&#8220; sein soll. Darunter steht: Alle Jahre wieder: prisma verlost 100 Kisten Naschwerk aus dem Hause Lambertz, Aachen.&#8220;<br \/>\nAuf den Seiten 4 und 5 erz&#228;hlt uns dann unter der &#220;berschrift &#8222;Wetterhoch f&#252;r edles Naschwerk&#8220; ein Autor namens J.B. etwas &#252;ber das &#8222;Printenwetter&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Davon spricht kein Meteorologe, dabei ist es f&#252;r Lebkuchenhersteller von gr&#246;&#223;ter Bedeutung: Das Printenwetter entscheidet &#252;ber ihr Wohl und Wehe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Uns wird erkl&#228;rt, dass man von Printenwetter spreche, wenn Ende August, Anfang September die Temperaturen unter 22 Grad sinken. Das w&#228;re laut Lambertz-Chef Hermann B&#252;hlbecker die &#8222;Initialz&#252;ndung&#8220; f&#252;r Konsumenten, zu Herbst- und Weihnachtsgeb&#228;ck zu greifen. Sch&#246;n, dass uns jemand mal auf diese Weise den Irrsinn erkl&#228;rt, warum bereits Anfang September Lebkuchen in den Superm&#228;rkten schwitzen.<\/p>\n<p>Einen Satz sp&#228;ter verkl&#228;rt J.B. dieses Tun als &#8222;sch&#246;n, wenn es in diesen unruhigen Zeiten noch Verl&#228;ssliches gibt&#8220; und bringt diese Verl&#228;sslichkeit mit Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen S&#252;&#223;warenindustrie in Verbindung, wonach jeder Deutsche 1,15 Kilo Lebkuchen im Jahr isst. Tendenz &#8211; wie &#252;berraschend &#8211; zum Winter hin steigend, J.B. berichtet von &#8222;gl&#228;nzenden Gesch&#228;ften&#8220; nach einem &#8222;durchwachsenen Herbst&#8220;. Die PR-Abteilung von Lambertz d&#252;rfte gefeiert haben &#252;ber diese Form der Werbung. <\/p>\n<p>Werbung, die sich neben dem Artikel fortsetzt. &#8222;100 leckere Truhen&#8220; gebe es zu gewinnen. &#8222;edles Weihnachtsgeb&#228;ck&#8220; befinde sich in der schwarzen Holztruhe, in der &#8222;1800 Gramm k&#246;stlicher Leckereien auf den Genie&#223;er&#8220; warten w&#252;rden. Bis 10. Dezember solle man eine Frage beantworten, um mit etwas Gl&#252;ck &#8222;eine edle s&#252;&#223;e Truhe&#8220; gewinnen zu k&#246;nnen. Auch wenn dies eine Verlosung ist, kann ich hier das Trennungsgebot von redaktionellem Inhalt und Werbung nicht erkennen. Es w&#228;re nicht das erste Mal, dass prisma wegen Schleichwerbung<\/a> am Pranger steht. <\/p>\n<p>Link: <a href=\"http:\/\/www.indiskretionehrensache.de\/2011\/01\/detlef-hartlap-prism\/\">Thomas Kn&#252;wer<\/a> hat Hartlaps merkw&#252;rdige &#196;u&#223;erungen auch entdeckt.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fschund-stuss-prisma%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>prisma ist laut eigenen Aussagen Deutschlands drittst&#228;rkstes Print-Medium. 4,5 Millionen Exemplare liegen nach Verlagsangaben jede Woche &#8222;in West und Ost&#8220; diversen Tageszeitungen bei, laut IVW-Z&#228;hlung vom dritten Quartal 2010 waren es 4,2 Millionen. 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