{"id":2657,"date":"2011-01-18T23:00:39","date_gmt":"2011-01-18T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/?p=2657"},"modified":"2018-03-31T12:22:51","modified_gmt":"2018-03-31T10:22:51","slug":"vergeben-vergessen-loeschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/vergeben-vergessen-loeschen\/","title":{"rendered":"Vergeben, vergessen,&nbsp;l&#246;schen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die eigene Arbeit Fr&#252;chte tr&#228;gt, man bei Kollegen und Lesern &#8222;erkannt&#8220; wird, einem Auftr&#228;ge angetragen werden, weil Kollegen und Kunden wissen, dass dies genau das Richtige f&#252;r einen ist, dann macht das einen Journalisten stolz. Mich eingeschlossen. Ebenso, wenn positive R&#252;ckmeldungen der Leser oder des direkten Auftraggebers bzw. Redakteurs kommen. So etwas gibt Kraft. Etwa wie die zahlreichen Dankes-Mails und Anrufe, die ich seit Oktober bekomme, weil ich Unternehmer offenbar gut vor den <a href=\"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/tag\/gelbes-branchenbuch.info\/\">gelben Abzockern<\/a> warne oder zumindest Neues berichte.<\/p>\n<p>Stefan Niggemeier kennt das Gef&#252;hl sicher auch. Und ich kann es gut verstehen, wenn er es &#8222;ein gutes Gef&#252;hl&#8220; nennt, wenn &#8222;die eigene Arbeit Wirkung zeigt&#8220;. Trotz allem bin ich mir nicht sicher, ob der Anlass diesmal wirklich geeignet ist. <\/p>\n<p>Konkret geht es in Stefans Blogbeitrag um einen BILD-Journalisten, der vor zwei Jahren einen fremden Artikel als seinen eigenen ausgab. Das BILDblog berichtete dar&#252;ber und nannte auch den Namen des Kollegen. Der Journalist arbeitet nun frei und hat offenbar Probleme, Auftr&#228;ge zu bekommen, da er in jedem Gespr&#228;ch auf den BILDblog-Eintrag angesprochen wird. Folglich bat er Stefan Niggemeier um L&#246;schung seines Namens.<\/p>\n<p>In seinem langen Artikel w&#228;gt Niggemeier das F&#252;r und Wider ab, erkl&#228;rt &#228;hnliche F&#228;lle und schreibt am Ende des Textes:<\/p>\n<blockquote><p>\nEine grunds&#228;tzliche und allgemeing&#252;ltige moralische Antwort, wie mit L&#246;schw&#252;nschen zu verfahren sei, habe ich nicht. Wenn man weder gnadenlos sein noch seine Arbeit pauschal mit einem Verfallsdatum versehen will, bleibt wenig &#252;brig, als sich in jedem einzelnen Fall ein Urteil zu bilden, das einem gerecht erscheint.<\/p>\n<p>Im Fall des ehemaligen \u201eBild\u201d-Journalisten vom Anfang haben wir uns daf&#252;r entschieden, seinen Namen nicht zu l&#246;schen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich gebe Stefan insofern recht, als dass er schreibt, man m&#252;sse sich in jedem einzelnen Fall ein Urteil bilden. Und im Fall des BILD-Journalisten h&#228;tte ich mich daf&#252;r entschieden, seinen Namen zu l&#246;schen. Warum? Der Fall liegt zwei Jahre zur&#252;ck. Der Sachverhalt, n&#228;mlich dass bei BILD offenbar Texte ohne Kontrolle durch eine wie auch immer geartete Instanz gepr&#252;ft werden, hat auch ohne Nennung des Namens Relevanz. Und der Journalist will weiter als solcher arbeiten. Seinen Fehler hat er wohl nicht zugegeben oder sich gar daf&#252;r entschuldigt, zumindest nicht in der Mail an Niggemeier. Die &#246;ffentliche Zurschaustellung und die st&#228;ndige M&#246;glichkeit, dass ihm bei &#228;hnlichen Fehlern wieder ein solcher Pranger droht, sind allerdings gro&#223;.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit berichtete ich hier von Unternehmen, die ungefragt bei Menschen in ganz Deutschland abbuchen, weil sie sich angeblich f&#252;r eine Leistung registriert hatten. Viele bemerkten die Abbuchungen, lie&#223;en das Geld zur&#252;ckbuchen und bekamen daraufhin Post von einem Anwalt. Jenen Anwalt lie&#223; ich zum einen hier zu Wort kommen, zum anderen stellte ich sein Treiben und seine offenkundige Naivit&#228;t, das Richtige zu tun, an den Pranger. Im Nachhinein bescheinigte er mir einen fairen Umgang mit seiner Person. Pers&#246;nlich und beruflich war f&#252;r ihn allerdings der Ofen aus. Nachdem die betr&#252;gerischen Machenschaften seines Mandanten bekannt wurden, verlor er diesen Auftrag. Und bekam, weil sein Name im Internet verbrannt war, keine neuen Auftr&#228;ge mehr. Bewerbungen bei Unternehmern blieben unbeantwortet oder im Bewerbungsgespr&#228;ch fiel sofort dieser eine Sachverhalt &#8211; mit entsprechendem negativem Ausgang.<\/p>\n<p>Ich habe mich damals auch gefragt, ob mich das stolz machen sollte. Nat&#252;rlich ist es ein gutes Gef&#252;hl, wenn man wei&#223;, man hat geholfen, eine Sache aufzukl&#228;ren. Immerhin wussten damals viele Betroffene nicht, ob es diesen Anwalt tats&#228;chlich gibt. Hier fanden viele &#252;berhaupt erst Antworten auf ihre Fragen. Und f&#252;r viele ging die Geschichte glimpflich aus, sie wurden nicht wieder bel&#228;stigt und die angeblichen Forderungen fallen gelassen. Darum entschied ich mich damals auch, nach einem kl&#228;renden Gespr&#228;ch mit besagtem Anwalt in Anwesenheit meines Anwaltes, seinen Namen aus den Artikeln (und Kommentaren) zu entfernen.<br \/>\nNat&#252;rlich entspricht das nicht dem Wesen eines Blogs und nat&#252;rlich gibt es nach wie vor weitere Stellen im Netz, an dem der Sachverhalt nebst Name auftaucht. Allerdings war mein mir selbst auferlegter Auftrag erledigt, ich hatte geholfen, den Betroffenen eine Richtung zu geben und ihnen erste Infos zukommen zu lassen, die sie sonst nicht h&#228;tten. Ich bin, wie Stefan Niggemeier das auch schreibt, nicht verpflichtet, solch einem Menschen bei der Resozialisierung zu helfen. Trotz allem habe ich mich in besagtem Fall daf&#252;r entschieden. Inzwischen habe ich die Artikel komplett gel&#246;scht, weil der Fall vorbei ist und die Hinterm&#228;nner verurteilt.<\/p>\n<p>Mich hat der Anwalt damals gefragt: &#8222;Muss ich ein Leben lang daf&#252;r b&#252;&#223;en, dass ich einmal einen Fehler gemacht habe?&#8220; Das ist eine gute Frage. B&#252;&#223;en muss er, wenn &#252;berhaupt, nur vor sich selbst. Er muss sich den Rest seines Lebens den Vorwurf machen, mit besserer Vor-Recherche &#252;ber seinen Mandanten ziemlich schnell auf dessen Machenschaften gekommen zu sein. Er muss damit leben, dass teilweise systematisch Konten von Menschen leerger&#228;umt wurden, die dann ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. Einen Zustand, den der Anwalt laut eigenem Bekunden mittlerweile selbst gut kennt. Weil der digitale Radiergummi nur bedingt wirkt.<\/p>\n<p>Man kann Stefan Niggemeiers Handeln verurteilen, ihn <a href=\"http:\/\/www.robertbasic.de\/2011\/01\/stefan-niggemeier-bildhaft\/\">beschimpfen<\/a>, wie Robert Basic das tut. Trotz allem finde ich, dass er Recht hat, wenn er sagt, dass man sich in jedem einzelnen Fall ein Urteil bilden muss, das einem gerecht erscheint. Stefans Urteil kann ich nachvollziehen. Auch wenn ich anders gehandelt h&#228;tte.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fvergeben-vergessen-loeschen%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die eigene Arbeit Fr&#252;chte tr&#228;gt, man bei Kollegen und Lesern &#8222;erkannt&#8220; wird, einem Auftr&#228;ge angetragen werden, weil Kollegen und Kunden wissen, dass dies genau das Richtige f&#252;r einen ist, dann macht das einen Journalisten stolz. 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