{"id":33,"date":"2005-08-14T21:52:21","date_gmt":"2005-08-14T19:52:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/2005\/08\/14\/die-wiederentdeckung-der-sinne\/"},"modified":"2019-07-18T11:20:25","modified_gmt":"2019-07-18T09:20:25","slug":"die-wiederentdeckung-der-sinne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/die-wiederentdeckung-der-sinne\/","title":{"rendered":"Die Wiederentdeckung der&nbsp;Sinne"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/sinngarten.png' alt='Sinnengarten' align='left' vspace='6' hspace='6' title='Sinnengarten' \/>Der alte Mann steht ratlos vor dem Newton-Pendel. Sechs Kugeln h&#228;ngen an Seilen hintereinander. St&#246;&#223;t man eine Kugel an die restlichen f&#252;nf, bewegt sich nur die letzte Kugel in der Reihe. \u201eProbieren Sie es\u201c, ermutigt Ein-Euro-Jobberin Jenny Klaus den an Demenz erkrankten Rentner und f&#252;hrt seine Hand behutsam an eine der Kugeln.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n\u201eMacht sie das nicht toll?\u201c, fragt Hans Werner B&#228;rsch. \u201eEigentlich br&#228;uchten wir mehr solcher engagierten jungen Leute, aber die Pflegeversicherung l&#228;sst nicht mehr zu\u201c, bedauert der 63-J&#228;hrige. Seit Juli 1998 leitet B&#228;rsch das Altenpflegeheim Brandis an der Bergstra&#223;e. Er kennt die Probleme bei der Betreuung nur zu gut. \u201eIn Sachsen kommen auf eine Pflegekraft laut vorgeschriebenem Personenschl&#252;ssel im Durchschnitt 3,08 Demenzkranke. Es k&#246;nnten aber h&#246;chstens 2,2 sein, um eine optimale Umsorgung garantieren zu k&#246;nnen\u201c, rechnet er vor.<\/p>\n<p>B&#228;rsch ist nicht irgendein Heimleiter. Er ist anders. R&#252;stig vor allem. Und ideenreich. So entwickelte er unter dem Namen \u201eFamilienorientierte Wohnbereichspflege\u201c einen neuen Ansatz zur Pflege Demenzkranker. \u201eWir haben festgestellt, dass man auff&#228;llig demente Personen extra betreuen muss. Nur zusammen in dieser Gruppe k&#246;nnen sie vern&#252;nftig betreut werden.\u201c Und so schuf er ein Konzept, das 2002 in der Errichtung eines Neubaus gipfelte. Drei&#223;ig Bewohner \u2013 zehn auf einer Etage \u2013 leben wie in einer Familie miteinander. \u201eEs kann gekocht, gespielt, Musik geh&#246;rt, Fernsehen geschaut oder Hauswirtschaft betrieben werden, eben wie bei anderen zuhause auch\u201c, veranschaulicht Hans Werner B&#228;rsch.<\/p>\n<p>Damit sich die Bewohner auch wirklich zuhause f&#252;hlen, darf jeder von ihnen ganz pers&#246;nliche Dinge mitnehmen. Eine alte Kommode beispielsweise. Oder eine Garderobe mit Spiegel. Zudem ist jede Etage bewusst &#228;hnlich einer Wohnung aufgebaut. Lange G&#228;nge wie in einem &#252;blichen Pflegeheim gibt es nicht. Stattdessen: Schokoladenpapier auf dem Sofa, ein vergessenes Taschentuch auf dem Fu&#223;boden. \u201eHier muss es nicht steril und k&#252;hl sein, die Leute sollen leben und sich nicht dauernd an Gepflogenheiten halten m&#252;ssen\u201c, meint B&#228;rsch.<br \/>\n<img src='http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/uploads\/baersch.png' alt='Hans Werner B&auml;rsch' align='right' vspace='6' hspace='6' title='Sinnengarten' \/><br \/>\nTeil des Konzepts ist seit kurzem auch der Sinnengarten. Hier k&#246;nnen anhand von Wasserl&#228;ufen, einem Insektenhotel, einem Barfussfeld, Klangspielen, einer Bodenh&#252;lsenorgel, oder erw&#228;hntem Newton-Pendel die Sinne wieder entdeckt werden. \u201eWir ermutigen unsere Bewohner dazu, mal barfuss durch Ostseesand zu laufen oder sich am Kamin zu w&#228;rmen.\u201c <\/p>\n<p>Durch diese Ma&#223;nahmen, so B&#228;rsch, f&#252;hle sich jeder wohl im Altenpflegeheim. Wer doch mal auf die Idee k&#228;me, einfach \u201edurchzubrennen\u201c, wie das bei Demenzkranken h&#228;ufig der Fall sei, wird auf wirksame Weise gebremst: Die Ausgangst&#252;r einer jeden Etage ist im Stil einer Mauer verkleidet. Und wird schlicht nicht als T&#252;r erkannt. Bislang habe diese Maskerade aber noch keinem Bew&#228;hrungstest standhalten m&#252;ssen. <\/p>\n<p>Hans Werner B&#228;rsch ist f&#252;r sein Engagement im sozialen Bereich f&#252;r die Sachsen Asse 2005 nominiert, die am 26. November im Congress-Center Dresden verliehen werden. Die Stiftung w&#252;rdigt jedes Jahr Menschen, Institutionen, Unternehmen oder Vereine, die Besonderes geleistet haben.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 13.08.2005 im Blitzpunkt Mittweida, Blitzpunkt Erzgebirge und der Sonderbeilage &#8222;Leben&#8220; des Blitzpunkt Chemnitz.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fdie-wiederentdeckung-der-sinne%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der alte Mann steht ratlos vor dem Newton-Pendel. Sechs Kugeln h&#228;ngen an Seilen hintereinander. 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