{"id":346,"date":"2007-01-17T09:17:35","date_gmt":"2007-01-17T08:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/2007\/01\/17\/wegen-world-of-warcraft-extraschicht-fur-leipziger-taxifahrer\/"},"modified":"2017-05-30T09:32:51","modified_gmt":"2017-05-30T07:32:51","slug":"wegen-world-of-warcraft-extraschicht-fur-leipziger-taxifahrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wegen-world-of-warcraft-extraschicht-fur-leipziger-taxifahrer\/","title":{"rendered":"Wegen World of Warcraft: Extraschicht f&#252;r Leipziger&nbsp;Taxifahrer"},"content":{"rendered":"<p>Es ist die Nacht von Montag auf Dienstag. Kurz vor null Uhr stehen Christian Nowak und seine Freundin vor ihrem Plattenbau in Gr&#252;nau. Sie warten auf ein Taxi. Das soll sie aber nicht von A nach B bringen. Das Paar bekommt gleich eine Lieferung. Was sich dubios anh&#246;rt, kl&#228;rt sich schnell auf: beide sind leidenschaftliche Spieler des Online-Rollenspiels \u201eWorld of Warcraft\u201c und erhalten die erste Erweiterung \u201eBurning Crusade\u201c p&#252;nktlich um Mitternacht ausgeh&#228;ndigt.<!--more--><\/p>\n<p>Acht Millionen Spieler weltweit tauchen t&#228;glich in die d&#252;stere, digitale \u201eWelt der Kriegskunst\u201c ein. Auf zwei Kontinenten leben in W&#228;ldern, W&#252;sten, St&#228;dten und D&#246;rfern zwei Fraktionen: die Allianz und die Horde. Die eine gut, die andere schlecht k&#228;mpfen sie ums &#220;berleben, erlernen Berufe und bauen sich Existenzen auf. Ziel des Spieles ist es, m&#246;glichst viele Erfahrungspunkte zu sammeln. Die Erweiterung \u201eBurning Crusade\u201c (\u201eBrennender Kreuzzug\u201c) wurde bei den Fans sehns&#252;chtig erwartet. Auch die beiden Leipziger wollten nicht l&#228;nger warten und lie&#223;en sich das Spiel direkt an die Haust&#252;r bringen.<\/p>\n<p>Angeboten wurde der Service vom Computerladen \u201eZur 48\u201c in Lindenau. \u201eDas war eine spontane Idee\u201c, sagt Inhaber Rainer Flohr. Weil viele Kunden nachgefragt h&#228;tten, ob das Gesch&#228;ft \u2013 &#228;hnlich wie einige MediaM&#228;rkte in Deutschland \u2013 auch nachts ge&#246;ffnet hat, musste Flohr handeln. \u201eAus rechtlichen Gr&#252;nden darf ich nicht einfach so einen Mitternachtsverkauf starten, darum w&#228;hlten wir die Taxi-Variante\u201c, so der 35-J&#228;hrige.<\/p>\n<p>Zehn Minuten vor null Uhr ist Taxifahrer Ralf Schult bei dem jungen P&#228;rchen. In der rechten Hand eine T&#252;te, in der sich das hei&#223; begehrte Spiel befindet. In der anderen Hand eine Flasche Sekt. \u201eZur Feier des Tages, weil die beiden wahrscheinlich die ersten in Leipzig sind, die die Erweiterung bekommt\u201c, informiert der 46-J&#228;hrige. Normalerweise f&#228;hrt er Personen an das Ziel ihrer W&#252;nsche. \u201eSo etwas wie heute habe ich aber noch nicht gemacht\u201c, sagt Schult, der 20 Jahre Berufserfahrung hat. Und w&#228;hrend die Zeit nicht vergehen m&#246;chte, zappelt Christian Nowak herum wie ein Raucher, der nach drei Tagen Enthaltsamkeit wieder nach dem Glimmst&#228;ngel verlangt. Doch Ralf Schult bleibt hart. \u201eIch darf das Spiel erst null Uhr &#252;bergeben, sonst droht Vertragsstrafe.\u201c<\/p>\n<p>S&#252;chtig nach dem Spiel sei Christian nicht, wie er sagt. Ihn und Freundin Anika verbinde mit \u201eWorld of Warcraft\u201c sowieso viel mehr. \u201eWir haben uns durch das Spiel kennen gelernt\u201c, sagt die 22-J&#228;hrige. Zuerst spielten sie gegeneinander, kommunizierten innerhalb der Phantasiewelt. Nach dem ersten Treffen spielten sie dann miteinander. Seit anderthalb Jahren sind die Studentin und der Zeitsoldat ein Paar. Die Liebe zum Spiel blieb und ist noch heute Bestandteil ihrer Beziehung.<\/p>\n<p>Auch Katja Tischer aus St&#246;tteritz ist leidenschaftliche Zockerin von \u201eWoW\u201c, wie die eingefleischten Fans das Spiel nennen. Auch sie bekam die Erweiterung in der Nacht geliefert. \u201eIch h&#228;tte sicher bis zum Vormittag warten k&#246;nnen, aber da das Spiel sehr begehrt ist, bestand die Gefahr, dass es ausverkauft ist. Auf eine Nachlieferung warten zu m&#252;ssen w&#228;re keine sch&#246;ne Vorstellung gewesen\u201c, sagt die 30-J&#228;hrige. Ihren Freund Jan hat sie dabei auf ihrer Seite. \u201eEr spielt auch und ihm muss ich nicht erkl&#228;ren, warum WoW keine Teufelei sondern ein Hobby ist. Es gibt Leute, die stundenlang vor dem Fernseher h&#228;ngen. Wir haben seit Jahren kein TV-Ger&#228;t mehr und tauchen lieber in eine Phantasiewelt ein\u201c, positioniert sie sich. Und auf die Frage, ob sie nicht trotzdem manchmal zu viel spielt, antwortet sie: \u201eM&#246;glich. Manchmal lese ich aber auch viel zu lange. Und wieder manchmal gehe ich zu oft ins Kino.\u201c<\/p>\n<p>Etwa hundert Spiele lieferten Ralf Schult und seine Kollegen vom \u201eTaxi mit der M&#252;tze\u201c in der Nacht aus. Im gesamten Stadtgebiet und bis nach Zwenkau und Naunhof, wie zu erfahren war. Christian Nowak testete gleich noch in der Nacht das Spiel. \u201eIch habe extra Urlaub genommen, die Zeit muss genutzt werden\u201c.<br \/>\n<em><br \/>\nErschien am 17. Januar 2007 in der Leipziger Volkszeitung.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fwegen-world-of-warcraft-extraschicht-fur-leipziger-taxifahrer%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist die Nacht von Montag auf Dienstag. Kurz vor null Uhr stehen Christian Nowak und seine Freundin vor ihrem Plattenbau in Gr&#252;nau. Sie warten auf ein Taxi. Das soll sie aber nicht von A nach B bringen. Das Paar bekommt gleich eine Lieferung. 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