{"id":3675,"date":"2010-05-11T16:35:18","date_gmt":"2010-05-11T14:35:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.lvz-online.de\/grossesnetz\/?p=110"},"modified":"2026-05-18T07:54:25","modified_gmt":"2026-05-18T05:54:25","slug":"natuerlich-wissen-wir-dass-wir-streetview-nicht-verhindern-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/natuerlich-wissen-wir-dass-wir-streetview-nicht-verhindern-koennen\/","title":{"rendered":"&#8222;Nat&#252;rlich wissen wir, dass wir Streetview nicht verhindern&nbsp;k&#246;nnen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Leipzig will Google zensieren&#8220;, phantasierte heute die Zeitung mit den gro&#223;en Buchstaben und zitierte zwei <a href=\"http:\/\/fdp-fraktion-leipzig.de\/?p=417\">Antr&#228;ge der FDP<\/a> und Gr&#252;nen (PDF) im Leipziger Stadtrat bez&#252;glich Google Streetview. Die Fraktionen fordern darin mehr Aufkl&#228;rung f&#252;r die B&#252;rger. Au&#223;erdem soll Google die Ver&#246;ffentlichung bestimmter Geb&#228;ude verboten werden. Ob die Antr&#228;ge Erfolg haben, ist bislang fraglich.<!--more--><\/p>\n<p>Man kann regelrecht die Uhr danach stellen. Immer, wenn Google ank&#252;ndigt, demn&#228;chst in einer Stadt seine Streetview-Fahrzeuge fahren lassen zu wollen, setzt bei Politikern, B&#252;rgermeistern und Stadtr&#228;ten der Bei&#223;reflex ein. Da ist von Daten- und Pers&#246;nlichkeitsschutz die Rede und davon, dass eine <a href=\"http:\/\/www.hna.de\/nachrichten\/stadt-kassel\/kassel\/stadt-steht-buergern-gegen-google-seite-738174.html\">Stadt den B&#252;rgern zur Seite stehen<\/a> m&#252;sse. Von &#8222;<a href=\"http:\/\/www.njuuz.de\/beitrag6316.html\">fl&#228;chendeckender Erfassung von H&#228;usern und Objekten<\/a>&#8220; ist da die Rede. Logisch, anders macht ein Kartendienst wie <a href=\"http:\/\/bit.ly\/dbghsh\" title=\"Streetview-Beispiel: Paris, Eiffelturm\">Google Streetview<\/a> auch keinen Sinn. Und so manche Kommune m&#246;chte mit Hilfe des Unternehmens offenbar seine <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/netz\/netzpolitik\/artikel\/1\/street-view-soll-draussen-bleiben\/\">Stadtkasse aufbessern<\/a>.<\/p>\n<p>Auch in Leipzig f&#228;hrt, so h&#246;rt man, seit wenigen Tagen der Opel Astra mit den eigenwilligen Kameras auf dem Dach. Unabh&#228;ngig voneinander reichten darum die Fraktionen der Gr&#252;nen und der FDP im Leipziger Stadtrat Antr&#228;ge ein, in denen gefordert wird, sich in einer der n&#228;chsten Stadtratssitzungen mit Streetview zu besch&#228;ftigen. Google das Fotografieren &#8222;ganzer Stra&#223;enz&#252;ge&#8220;, wie es immer so sch&#246;n hei&#223;t, zu untersagen, sei aber nicht das Ziel.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/sooperkuh\/4397410225\/\"><\/a>&#8222;Nat&#252;rlich k&#246;nnen und werden wir Google Streetview nicht verbieten&#8220;, sagte mir heute Oliver Gro&#223; Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der FDP-Fraktion. Allerdings wolle man pr&#252;fen, inwieweit die Stadt Leipzig ihre B&#252;rger aufkl&#228;ren k&#246;nne. &#8222;Dass Streetview ein innovativer Dienst ist, steht au&#223;er Frage. Allerdings m&#252;ssen die Pers&#246;nlichkeitsrechte der B&#252;rger gewahrt werden. Darum geht mir Datenschutz und Pers&#246;nlichkeitsrecht vor Innovation&#8220;, erkl&#228;rt er. Darum solle in den Stadtrat eingebracht werden, dass die Leipziger umfassend informiert werden, wie sie Einspruch gegen das Fotografieren ihrer H&#228;user einlegen k&#246;nnen. Vor allem ginge es um Dinge, die &#8222;<a href=\"http:\/\/fdp-fraktion-leipzig.de\/?p=429\">R&#252;ckschl&#252;sse auf Nutzer und Besitzer zulassen<\/a>&#8222;, sagt Gro&#223; und meint vor allem signifikante Autos. &#8222;Wenn jemand mit seinem getunten und unverkennbaren Auto vor dem Haus der Ex-Frau steht, kann das unter Umst&#228;nden Probleme f&#252;r den Besitzer geben. Das ist nat&#252;rlich nur ein Beispiel. F&#252;r uns ist es wichtig, darzustellen, dass jeder das Recht hat, gegen die Nutzung der Fotos Einspruch zu erheben&#8220;, bekr&#228;ftigt der FDP-Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrert. Prinzipiell stehe er dem Internet nicht feindlich gegen&#252;ber. &#8222;Ich bin selbst bei Facebook, ich habe einen Twitter-Account und habe per Foursquare erz&#228;hlt, wo ich mich gerade aufhalte. Das sind aber Dinge, die ich selbst sende und auf die ich Einfluss habe&#8220;, sagt er.<br \/>\nAu&#223;erdem solle gepr&#252;ft werden, ob es rechtlich m&#246;glich ist, von Google Geb&#252;hren f&#252;r das Abfotografieren der Stra&#223;en zu verlangen. &#8222;Es ist schwer vermittelbar, wenn ein Gratis-Dienst ganze St&#228;dte fotografiert und dann damit durch Werbung Geld verdient&#8220;, so Gro&#223;. <\/p>\n<p>Etwas weiter gehen die Gr&#252;nen. Stadtrat Norman Volger reichte einen Antrag ein, der Google vorwirft, &#8222;&#246;ffentlichen Raum zu privatisieren&#8220;. &#8222;Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen im gesamten Bundesgebiet hochsensible Daten von Privatpersonen und Unternehmen zu kommerziellen Interessen sammelt, ohne in irgendeiner Weise hier&#252;ber Rechenschaft ablegen zu m&#252;ssen&#8220;, hei&#223;t es in dem Antrag. Und weiter: &#8222;Die von Google erhobenen Daten unterliegen dem Schutz der Datenschutzgesetze.&#8220; Es best&#252;nde die Gefahr, dass die Daten mit weiteren bereits vorliegenden Daten verkn&#252;pft werden, ohne dass die B&#252;rger davon w&#252;ssten. <\/p>\n<p>Geht es darum nach dem Willen der Gr&#252;nen-Fraktion, solle Leipzig Google die Nutzung aller Fotos verbieten, auf denen st&#228;dtische Geb&#228;ude zu sehen sind, in denen Privatpersonen wohnen oder wo sich diese aufhalten. Das k&#246;nnte also Wohnh&#228;user betreffen, aber genauso das Arbeitsamt. &#8222;Wenn man sehen kann, wer beispielsweise vor der Haltestelle am Arbeitsamt steht, dann verletzt das unter Umst&#228;nden dessen Pers&#246;nlichkeitsrecht&#8220;, so Volger. Das Argument, dass Google Gesichter und KFZ-Kennzeichen bereits seit Langem automatisiert verwischt, l&#228;sst er nicht gelten. &#8222;In den USA gab es schon F&#228;lle, wo das vergessen wurde. Aber auch &#252;ber markante Kleidung oder ein auff&#228;lliges Auto ist die Identifizierung von Personen m&#246;glich&#8220;, sagt er. Darum solle die Stadt Leipzig &#252;berlegen, st&#228;dtische Einrichtungen wie die Drogen- und Aidshilfe oder andere &#8222;sensible Orte&#8220; und das direkte Umfeld aus Streetview heraus zu halten, um die B&#252;rgerrechte zu wahren. Sehensw&#252;rdigkeiten wie das V&#246;lkerschlachtdenkmal oder auch das Neue und Alte Rathaus sollten dagegen sichtbar sein. &#8222;Das sind &#246;ffentliche Pl&#228;tze und wer sich dort eventuell mit einer Liebschaft zeigt, ist selbst schuld&#8220;, argumentiert er.<\/p>\n<p>Populismus oder politische Heuchelei sei das nicht, so Norman Volger. &#8222;Zu wenig Leute wissen Bescheid, wo sie m&#246;glicherweise zu sehen sind. Die Privatisierung des &#246;ffentlichen Raumes schreitet immer weiter voran, auch durch Kameras an Stra&#223;en, auf die nicht hingewiesen wird. Irgendwo muss man Grenzen ziehen. Wir haben jetzt, in dem Prozess, in dem etwas passiert, die M&#246;glichkeit zur Information der B&#252;rger&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>Bevor sich allerdings tats&#228;chlich der Stadtrat mit dem Thema befasst, k&#246;nnen noch einige Wochen vergehen, wie Stadtsprecher Peter Krutsch auf Anfrage mitteilte: &#8222;Die Antr&#228;ge kommen wohl erst nach der Sommerpause in den Stadtrat. Au&#223;erdem ist noch zu pr&#252;fen, ob das Thema &#252;berhaupt im Aufgabenbereich der Stadt liegt.&#8220; OBM Burkhard Jung lie&#223; aber immerhin vorauseilend schonmal mitteilen: &#8222;Ich sehe das Vorhaben mit gro&#223;er Skepsis, weil die Privatsph&#228;re des Einzelnen davon erheblich ber&#252;hrt wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Link:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/maps.google.de\/intl\/de\/help\/maps\/streetview\/privacy.html\">Erkl&#228;rung von Google zu Streetview mit Hinweisen zum Datenschutz und Widerspruch<\/a><\/p>\n<p><strong>Update:<\/strong><br \/>\nNun hat auch die Stadt Leipzig auf ihrer Website einige Hinweise zum Widerspruch ver&#246;ffentlicht.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fnatuerlich-wissen-wir-dass-wir-streetview-nicht-verhindern-koennen%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Leipzig will Google zensieren&#8220;, phantasierte heute die Zeitung mit den gro&#223;en Buchstaben und zitierte zwei Antr&#228;ge der FDP und Gr&#252;nen (PDF) im Leipziger Stadtrat bez&#252;glich Google Streetview. 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Ob die Antr&#228;ge Erfolg haben, ist bislang fraglich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/natuerlich-wissen-wir-dass-wir-streetview-nicht-verhindern-koennen\/\"><span class=\"glyphicon glyphicon-arrow-right\"><\/span>&nbsp;Weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[202],"tags":[55,201,203],"class_list":["post-3675","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik","tag-datenschutz","tag-google","tag-streetview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3675"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6291,"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3675\/revisions\/6291"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}