{"id":57,"date":"2005-10-18T15:49:55","date_gmt":"2005-10-18T13:49:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/2005\/10\/18\/den-halben-tag-durch-den-tagebau\/"},"modified":"2018-03-31T12:08:11","modified_gmt":"2018-03-31T10:08:11","slug":"den-halben-tag-durch-den-tagebau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/den-halben-tag-durch-den-tagebau\/","title":{"rendered":"Den halben Tag durch den&nbsp;Tagebau"},"content":{"rendered":"<p>Zur traditionellen Herbstwanderung startete am Sonntag Zwenkaus B&#252;rgermeister Herbert Ehme mit rund 3500 Interessenten durch den Tagebau. Es war die letzte Chance, trockenen Fu&#223;es durch den k&#252;nftigen See zu gelangen.<\/p>\n<p>&#8222;Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt an und handelt.&#8220; Mit dem Zitat des italienischen Dichters Dante Alighieri beschrieb Zwenkaus B&#252;rgermeister Herbert Ehme am Sonntagmorgen wohl genau das, wof&#252;r ihn die Einwohner der Stadt lieben. &#8222;Er setzt sich ein, ist ein wirklich guter B&#252;rgermeister&#8220;, war oft aus den Reihen der etwa 3500 Wandersleut&#8216; zu h&#246;ren, die auf Schusters Rappen zum letzten Mal durch den Tagebau zogen. Es war ein Anblick, der selbst Ehme beeindruckte: der B&#252;rgermeister-Ahnert-Platz brechend voll, s&#228;mtliche Parkpl&#228;tze und zahlreiche Fu&#223;wege Zwenkaus ebenso. &#8222;Es ist beeindruckend und ich freue mich, dass so viele Leute an diesem historischen Ereignis teilhaben wollen&#8220;, sagte Ehme vorm Anmarsch in Richtung Tagebau. Selbiger dauerte etwa 20 Minuten und f&#252;hrte alle Generationen von jung bis alt mit Wander- oder Walkingst&#246;cken, rucksackbepackt oder mit Hund erst einmal zum Pavillon der Bergbaugeschichte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n&#8222;Vor zw&#246;lfeinhalb Jahren standen wir hier an der Abbaugrube und demonstrierten bei str&#246;mendem Regen daf&#252;r, dass unsere Stadt erhalten bleibt. Vieles war unklar, keiner wusste so recht, wie es weitergeht. Heute stehen wir wieder hier und die Sonne scheint. Was k&#246;nnte es f&#252;r einen besseren Preis geben?&#8220;, sinnierte Ehme. Und er hatte noch eine &#220;berraschung. Wie zur Premiere eines neuen Automodells wurde am S&#252;dgiebel des Pavillons feierlich ein Logo enth&#252;llt, das Zeitzeuge und Zukunftsweiser zugleich sein soll. Unter dem Namen &#8222;Kap Zwenkau&#8220; will k&#252;nftig die S&#228;chsische Seebad Zwenkau GmbH den entstehenden Hafen samt See vermarkten. Das Zeichen, das ein Segelschiff auf blauem Wasser zeige, soll aber auch Marke f&#252;r die gesamte Region werden.<\/p>\n<p>F&#252;r Rudolf Espenhain ein bewegender Moment. &#8222;Wir werden jetzt entsch&#228;digt f&#252;r viele Jahre Staub und Dreck&#8220;, so der 60-J&#228;hrige, der bis zur Zwangsumsiedlung in Eythra wohnte. Das Dorf fiel in den 80er Jahren der Braunkohle zum Opfer. &#8222;Seitdem wohne ich in Leipzig, bin Zwenkau und der Region aber immer verbunden geblieben. Es ist sch&#246;n, dass ich noch erleben darf, wie sich alles zum Positiven ver&#228;ndert&#8220;, schw&#228;rmte er. Nur wenige Schritte daneben liefen Grit Teichgr&#228;ber (14) aus Zeitz und Bernhard Fischler (13) aus Glauchau. Die beiden Sch&#252;ler lauschten gebannt und erfuhren so ganz nebenbei ein wenig Geschichte. Etwa zehn Kilometer betrug der Marsch durch den Tagebau, der ab zweitem Quartal 2006 geflutet werden soll. &#8222;Dazu wird Fremdwasser aus den Tagebauen Profen und Schleenhain verwendet, wie damals beim Cospudener See&#8220;, erkl&#228;rte Bauamtsleiter Siegfried Hahn. Bis Ende 2012, abh&#228;ngig von Niederschlagsmengen und Sommertemperaturen, soll die Flutung dauern. Unbedingt im Zwenkauer See baden will dann Julia Horn. Die F&#252;nfj&#228;hrige nahm mit Mama und Schwester bereits zum zweiten Mal an der Herbstwanderung teil. &#8222;Es ist ein bisschen anstrengend, aber trotzdem spannend&#8220;, sagte sie bei einer kurzen Verschnaufpause. Ebenfalls eine Auszeit auf halber Strecke g&#246;nnten sich die Familien Troitzsch aus Zwenkau und Kalusa aus Leipzig. &#8222;Wir trinken jetzt erstmal einen Bad D&#252;bener Moorkr&#228;uter&#8220;, verk&#252;ndete Holger Troitzsch, der sogar an kleine Gl&#228;ser gedacht hatte. Seine Frau verteilte ausgleichend Vitamine in Form von &#196;pfeln und Bananen.<\/p>\n<p>Bei der ersten Wanderung durch den Tagebau im Jahr 1999 kamen etwa 20 Mann. Diesmal war das Ende der bunten Menschenkette, die sich durch Sand und Staub zog, nicht auszumachen. Der Lohn wartete in Form von Speisen aus der DRK-Gulaschkanone und Getr&#228;nken zu niedrigen Preisen, Gratis-Gl&#252;hwein von B&#252;rgermeister und einer guten Nachricht von ihm an alle, die wild auf Fu&#223;wegen parkten: &#8222;Heute verteilen wir keine Kn&#246;llchen!&#8220;<\/p>\n<p><em>Artikel erschien am 18.10. in der Leipziger Volkszeitung<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fden-halben-tag-durch-den-tagebau%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur traditionellen Herbstwanderung startete am Sonntag Zwenkaus B&#252;rgermeister Herbert Ehme mit rund 3500 Interessenten durch den Tagebau. 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