{"id":86,"date":"2006-01-27T20:46:59","date_gmt":"2006-01-27T19:46:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/2006\/01\/29\/kunst-aus-der-dose\/"},"modified":"2006-01-29T21:10:49","modified_gmt":"2006-01-29T20:10:49","slug":"kunst-aus-der-dose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/kunst-aus-der-dose\/","title":{"rendered":"Kunst aus der&nbsp;Dose"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" hspace=\"6\" align=\"left\" alt=\"Uwe Arnold\" src=\"http:\/\/www.danielgrosse.de\/blog\/uploads\/arnold.png\" \/>Sie beschmieren W&#228;nde, Telefonzellen, Haltestellen, ja sogar Z&#252;ge und Autos. Graffitisprayer sind wegen der Sch&#228;den, die sie anrichten, nicht beliebt. Und doch gibt es etwa eine Hand voll Jungs in der Stadt, die sich mit der Kunst aus der Dose selbstst&#228;ndig gemacht hat. Uwe Arnold aus Holzhausen ist einer von ihnen. Mit Auftragsarbeiten verdient er sein Geld. Und muss dabei auch so manches \u201eKunstwerk\u201c seiner illegalen Kumpels &#252;bermalen.<\/p>\n<p><!--more-->Ein Atelier in Holzhausen. Auf einem kleinen Holztisch steht ein Becher voller Pinsel. In einem Regal aus Pappkartons liegen Farbdosen. Der graue Steinfu&#223;boden ist &#252;bers&#228;t von Zeichnungen und Skizzen. Teils zerkn&#252;llt, teils wieder glatt gezogen. Im flackernden Neonlicht steht Uwe Arnold. Vorsichtig tupft er Farbe an eine Leinwand, die auf einer Staffelei vor ihm steht.<\/p>\n<p>\u201eDas Chaos hat System\u201c, grinst der junge Mann mit dem Schnauzbart, w&#228;hrend er weiter an einer mystischen Dame malt. \u201eDas Bild ist nur f&#252;r mich \u2013 zum &#220;ben und Weiterentwickeln\u201c, erkl&#228;rt Uwe, der mit Bleistift und Farbe ebenso gut umgehen kann wie mit der Spraydose. \u201eDie Dose ist nur ein Mittel von vielen. Beruflich sehe ich mich eher als Fassadengestalter\u201c, relativiert er. Die Bescheidenheit wirkt glaubhaft, wenngleich Arnold bereits einige Kunstwerke in Leipzig gesprayt hat. Das Graffiti an der Bereitschaftspolizei in der Essener Stra&#223;e beispielsweise oder den Bachkopf an der Thomasschule. Ebenso entstanden zahlreiche Gem&#228;lde im Auftrag der Wasserwerke, wie am Kl&#228;rwerk Rosental oder der Schieberstation Liebertwolkwitz. Und auch an der Gestaltung des Jugend-Kulturzentrums Conne Island in Connewitz hat er mitgewirkt.<\/p>\n<p>Jugendclubs waren Uwes erste Auftraggeber. Nach seiner wilden Zeit als illegaler Sprayer. \u201eNat&#252;rlich habe ich auch so angefangen. Aber nur an alten Abrissh&#228;usern, in denen schon lange kein Leben mehr war\u201c, sagt er. Irgendwann fasste er den Entschluss, mehr aus seinem Hang zur Farbdose zu machen, nahm erste Auftr&#228;ge von Nachbarn an, sprayte f&#252;r Vereine. Sein Stil sprach sich schnell rum. Mundpropaganda, von der er auch heute noch lebt.<\/p>\n<p>Eine Ausbildung hat Uwe auch nicht. \u201eUrspr&#252;nglich wollte ich Kunstbildhauer lernen. Die wenigen Ausbildungspl&#228;tze waren seinerzeit aber alle weg. Es gibt nicht mehr viele Firmen, die den angestaubten Beruf lehren\u201c, bedauert der K&#252;nstler, der mit 13 Jahren seine Kreativi-t&#228;t entdeckte. \u201eFu&#223;ball fand ich schon immer doof. Meine Leidenschaft geh&#246;rte dem HipHop und den Graffiti.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt kann der Holzhausener vom Spr&#252;hen leben. \u201eIch werde immer dann gerufen, wenn nach Sanierungsarbeiten an W&#228;nden Schmierereien von vornherein vermieden werden sollen\u201c, erkl&#228;rt Arnold. In der Sprayerszene gilt ein Gesetz, dass einmal gestaltete Mauern nicht mehr &#252;berspr&#252;ht werden d&#252;rfen. Ein Gesetz, dass der Freischaffende aber manchmal brechen muss. Dann, wenn Auftraggeber wilde Graffiti &#252;bert&#252;ncht haben wollen.<\/p>\n<p>\u201eKlar ist das ein komisches Gef&#252;hl. Vor allem weil ich ja auch mal auf dieser Seite stand.\u201c V&#246;llig gel&#246;st von der Szene hat sich Uwe Arnold aber nicht. \u201eIch kaufe beispielsweise meine Dosen nicht im Gro&#223;handel, sondern in einem speziellen Laden im Werk II. Der wird von Sprayern geleitet. Mit denen kann ich &#252;ber alte Zeiten quatschen und Erfahrungen austauschen.\u201c<\/p>\n<p>Zum lockeren Plausch hat Uwe vor allem in den Wintermonaten Zeit. \u201eDerzeit gibt es keine Auftr&#228;ge, klar bei der K&#228;lte\u201c, sagt der Sprayer, der darum im Fr&#252;hling und Sommer so viel verdienen muss, dass er &#252;bers ganze Jahr kommt. Mal funktioniere das, mal weniger. Im Durchschnitt zwei Wochen pro Monat arbeitet Arnold, bekommt nach eigenen Aussagen so viel Geld, dass es gut zum Leben reicht. \u201eKlar k&#246;nnte es mehr sein. Aber dann m&#252;sste ich auch mehr arbeiten und h&#228;tte weniger Zeit f&#252;r meine privaten Malereien\u201c, sagt er \u2013 und wendet sich wieder seiner Leinwand-Lady mit dem geheimnisvollen Blick zu.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 27.01.2006 in der Leipziger Volkszeitung.<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fkunst-aus-der-dose%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie beschmieren W&#228;nde, Telefonzellen, Haltestellen, ja sogar Z&#252;ge und Autos. Graffitisprayer sind wegen der Sch&#228;den, die sie anrichten, nicht beliebt. 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