{"id":873,"date":"2007-10-13T10:11:56","date_gmt":"2007-10-13T08:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/2007\/10\/13\/spize-federn-in-der-amtsstube\/"},"modified":"2023-09-12T08:24:33","modified_gmt":"2023-09-12T06:24:33","slug":"spize-federn-in-der-amtsstube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danielgrosse.com\/blog\/spize-federn-in-der-amtsstube\/","title":{"rendered":"Spitze Federn in der&nbsp;Amtsstube"},"content":{"rendered":"<p><em>Gemeinsam mit meinem Kollegen Frank D&ouml;ring habe ich einen Artikel &uuml;ber die witzigen Pressemeldungen der Polizei Leipzig geschrieben. Der Artikel erschien heute, am 13. Oktober 2007, in der Leipziger Volkszeitung. Die Links im Text habe ich hinzugef&uuml;gt.<\/em><\/p>\n<p>Pressemitteilungen von Beh&ouml;rden und Institutionen z&auml;hlen nicht unbedingt zu jener Art Lekt&uuml;re, die junge Menschen &uuml;blicherweise verschlingen. Dr&ouml;ge und kryptisch ist noch das Freundlichste, was man der gemeinen Amtsprosa nachsagt. Nicht so im Fall der t&auml;glichen Pressemitteilungen der Polizeidirektion Leipzig. Diese sind mittlerweile unter Leipziger Bloggern Kult geworden, werden im Internet in Weblogs rege zitiert und verlinkt.<\/p>\n<p>&#8222;Sturmhaube macht nicht unsichtbar&ldquo;, &#8222;Honda jetzt HonWeg&ldquo;, oder &#8222;Cannabis als Vogelfutter&ldquo; &#8211; mit solchen Schlagzeilen machen die Mitarbeiter der Pressestelle t&auml;glich ihre Berichte auf, die nicht nur per E-Mail an einen riesigen Presseverteiler versandt werden, sondern auch im Internet nachzulesen sind. Dort ist dann etwa von einem &#8222;warm angezogenen&ldquo; Dieb die Rede, der gleich zwei Anz&uuml;ge unter seiner Bekleidung aus einem Gesch&auml;ft tragen wollte. Oder von Wildschweinen, die sich &#8222;pflichtwidrig von der Unfallstelle entfernten.&ldquo; Auch &#8222;friedliche Gartenzwerge&ldquo;, die &#8222;attackiert&ldquo; wurden, waren schon Gegenstand der Berichterstattung.<\/p>\n<p>Die saloppe Schreibe sprach sich unter Betreibern von Weblogs schnell rum. Marcel Nowicki beispielsweise empfahl seinen Lesern bereits im Januar die humorige Website. &#8222;Diese unfreiwillige Komik hat mich fasziniert, das musste ich einfach weiterverbreiten&ldquo;, so der 26-j&auml;hrige Systemadministrator. Auch Florian Trei&szlig;, Leipziger Journalist und Blogger, am&uuml;sierte sich k&ouml;stlich &uuml;ber die &#8222;Polizeiprosa&ldquo; und schrieb: &#8222;Subtil formulieren sie eine Mischung aus bestem Amtsdeutsch und h&uuml;bschen Kalauern. Wer kennt bittesch&ouml;n eine Polizeipressestelle, die sprachgewandter ist als die Leipziger?&ldquo; Die Macher von Heldenstadt.de, einem Leipzig-Blog mussten ebenso schmunzeln und ver&ouml;ffentlichten Ausz&uuml;ge aus den witzigen Pressemitteilungen. Betreiber Guido Corleone: &#8222;Wenn die Polizei nun noch anf&auml;ngt zu reimen, h&auml;tte das fast schon Wilhelm Busch&rsquo;sche Qualit&auml;ten.&ldquo;<\/p>\n<p>Ein Kult war geboren. Was fehlte, war ein so genannter RSS-Feed. Der erm&ouml;glicht es, Artikel auf Websites auch &uuml;ber das Mailprogramm oder spezielle Reader zu lesen, ohne die jeweilige Internetseite anzusteuern. Das veranlasste Torsten Baldes von der Medienagentur <a href=\"http:\/\/medienfreunde.com\/\">Medienfreunde<\/a>, f&uuml;r die statische Website einen solchen Service anzubieten. &#8222;Ich habe den Dienst eines Fremdanbieters dazu genutzt, weil mich die Nachrichten interessiert haben. Die saloppe Formulierung der ernsten Themen ist sehr unterhaltsam&ldquo;, sagt er.<\/p>\n<p>Die unverhofften Kultstars in der Pressestelle der Polizeidirektion zeigen sich hocherfreut &uuml;ber die Resonanz auf ihre Schaffenskraft. &#8222;Es ist doch sch&ouml;n, wenn dies auff&auml;llt&ldquo;, sagt etwa Polizeikommissar Andreas Loepki. &#8222;Deshalb lassen wir uns ja auch jeden Tag etwas Originelles einfallen.&ldquo; Sein Kollege Andreas de Parade pflichtet bei. &#8222;Mit einer lockeren Schreibweise und einer knackigen &Uuml;berschrift kann man auch eine Geschichte interessant machen, die auf den ersten Blick eher banal erscheinen mag&ldquo;, hat der Polizeioberkommissar festgestellt. Polizeioberkommissarin Silvaine Reiche berichtet: &#8222;Das ist schon manchmal ein richtiger Wettstreit unter uns, wer die beste &Uuml;berschrift hat. Nat&uuml;rlich w&auml;gen wir jedes Mal sehr genau ab, bei welchem Fall Ironie oder eine flotte Schreibe angebracht sind.&ldquo; Denn Berichte &uuml;ber Unf&auml;lle mit Verletzten beispielsweise oder &uuml;ber Opfer von schweren Straftaten werden bei allem Bem&uuml;hen um Originalit&auml;t weiterhin in der gebotenen Ernsthaftigkeit verfasst.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Pressearbeit stehe stets die Information, betont Mario Luda, der als Leiter des Direktionsb&uuml;ros die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit betreut. &#8222;Als b&uuml;rgernahe Polizei wollen wir diese Mitteilungen auch klar und deutlich artikulieren&ldquo;, erkl&auml;rt der Polizeirat. Die bei Polizeidienststellen normalerweise gepflegten Begrifflichkeiten seien da &#8222;nicht immer verst&auml;ndlich&ldquo;. Mithin bem&uuml;he man sich inzwischen um eine &#8222;junge und frische Art&ldquo; der Pr&auml;sentation. Luda nennt dies &#8222;proaktive Pressearbeit&ldquo; &#8211; ganz ironiefrei.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.danielgrosse.com%2Fblog%2Fspize-federn-in-der-amtsstube%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam mit meinem Kollegen Frank D&ouml;ring habe ich einen Artikel &uuml;ber die witzigen Pressemeldungen der Polizei Leipzig geschrieben. Der Artikel erschien heute, am 13. Oktober 2007, in der Leipziger Volkszeitung. Die Links im Text habe ich hinzugef&uuml;gt. Pressemitteilungen von Beh&ouml;rden und Institutionen z&auml;hlen nicht unbedingt zu jener Art Lekt&uuml;re, die junge Menschen &uuml;blicherweise verschlingen. 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