Viscomp geht immernoch um. Heute bekam ich einen Anruf einer verzweifelten Unternehmerin, die den Fehler gemacht hat, und auf die Referenzkundenmasche reingefallen ist. So wie heute bei ihr läuft das in etwa immer ab:

Update 27. November: Muss mich korrigieren – es ging im geschilderten Fall nicht um eine neue Website, sondern um Suchmaschinenoptimierung.

Die Leute von Viscomp kamen in ihr Geschäft, redeten ihr gut zu und warben für die Leistungen. Eine Website Suchmaschinenoptimierung könne man ihr bieten. Normalerweise würde das Konzept dafür 3000 Euro kosten – da man aber auf der Suche nach Referenzen sei, ist’s diesmal gratis. Na aber sicher doch. Man würde später nochmal wiederkommen, hier im Laden sei ja auch grad zu viel los. Die Aufgabe der Unternehmerin: den vorbereiteten Vertrag durchlesen und dann hopp oder top sagen.
Gesagt, getan. Die Herren kamen wieder, die Unternehmerin war skeptisch aber nicht desinteressiert. Allerdings sagte sie, sie könne maximal 75 Euro im Monat ausgeben. Natürlich sei das kein Problem, das vermerken wir im Vertrag – unterschreiben Sie doch erstmal hier. Ritschratschkringel, drunter ist die Unterschrift. Als die Herren weg waren, setzte sich die Unternehmerin erstmal. Denn statt 75 Euro pro Monat standen dort 75 Euro pro Woche.

Nun sind 75 Euro pro Woche bei 52 Wochen pro Jahr zwar knapp 4000 Euro – und an ein Jahr hat sich die Unternehmerin per Vertrag auch gebunden. Allerdings sind diese 4000 Euro nicht mal unbedingt frech für eine Website. Wenn sie ordentlich gemacht ist und gewisse Standards mitbringt, etwa ein CMS zum Pflegen der Inhalte. (Update: Wie gesagt: Es handelte sich in Wirklichkeit um SEO, von daher sind 4000 Euro schon reichlich frech.) Ich kenne die Arbeiten von Viscomp nicht und konnte der Dame daher auch nicht sagen, ob sie nun unbedingt komplett ins Klo gegriffen hat. Allerdings will sie trotzdem versuchen, gegen den Vertrag vorzugehen. Wegen arglistiger Täuschung. Was nicht leicht werden dürfte – das Rücktrittsrecht für Unternehmer ist kompliziert. Einen Rechtsanwalt hat sie wohl bereits.

Schade eigentlich, dass Viscomp so arbeitet. Die Euroweb-Gruppe, zu der Viscomp gehört, hat ein eigentlich lobenswertes Ziel: den Mittelstand ins Netz zu bringen. Und im Werbevideo klingt das alles – trotz sicht- und hörbarer Unsicherheiten der Geschäftsführer, vor der Kamera zu sprechen – auch wirklich gut. Stellt sich also die Frage: Sind es nur die Vertriebsmitarbeiter, die derartige Methoden anwenden, oder wird das Ganze doch von “oben” gelenkt?

Vielleicht befrage ich die Geschäftsführer demnächst mal dazu. Offen sind die Eurowebler ja – seit Januar haben sie auch ein Blog.