“Herzlichen Glückwunsch zu ihrer Million! Dann bekomme ich bitte hier noch eine Unterschrift und 20.000 Euro!”

Bitte was? Ja, so ähnlich dürfte es abgehen, wenn man bei Radio PSR das oft gespielte, oft kopierte und selten erfolgreiche Geldscheinspiel spielt und es tatsächlich schafft, den richtigen 5-Euro-Schein mit der richtigen zwölfstelligen Seriennummer vorzulegen. Denn mit Teilnahme an dem Gewinnspiel willigt man auch in die Teilnahmebedingungen ein. Teilnahmebedingungen, die PSR offenbar während des laufenden Spiels ändern kann. Heute wurden flugs einige Absätze dieser Bedingungen ergänzt. Und das, wo doch die aktuelle Millionen-Aktion schon gestern startete. Genau genommen sogar schon am Freitag, als gegen 15 Uhr “völlig überraschend” der Programmchef Geschäftsführer ins Studio gelaufen kam und versicherte, die bisherigen 500.000 Euro jetzt verdoppeln und unbedingt das Geld ausspielen zu wollen. Man hat’s offenbar. Doch dazu später.
Zurück zu den Teilnahmebedingungen. In diesen steht folgender unglaublicher Absatz:

Er [der Gewinner, Anm. von mir] stellt RADIO PSR sich persönlich und einen Teilbetrag von 20.000,00 EUR des ausgelobten Gewinns für umfassende Audio-, Video-, Foto-, Bild-, Text- und ggf. Bühnenpromotions zu dem Gewinnspiel zur Verfügung und geht eine entsprechende Verpflichtung hierzu in schriftlicher Form ein. (Mit dem zur Verfügung zu stellenden Teilbetrag erwirbt der Gewinner im Beisein von RADIO PSR und ggf. weiteren Medienpartnern Waren oder Dienstleistungen im Wert von 20.000 EUR, die im Anschluss im Besitz des Gewinners verbleiben.)

Das finde ich… mutig. Der Gewinner gewinnt also gar keine Million, sondern nur 980.000 Euro. 20.000 Öre muss er, wenn er das Geld behalten will, an PSR abgeben, um mit diesem Geld seine eigene “Herzlichen-Glückwunsch-Du-bist-ein-Gewinner-Party” zu bezahlen. Und muss sich auch noch verpflichten, sich komplett nackig auszuziehen und in allen erdenklichen Medien ablichten, interviewen und bespucken zu lassen. Na herrlich. Die “Waren”, die hier nicht näher beschrieben werden und die Dienstleistungen*), also die Party, darf der Gewinner dann auch Behalten. “Danke, PSR, danke für die tollen Zeitungsartikel, den Besuch bei Vera am Mittag zum Thema ‘Ich bin ein PSR-Hörer, bitte sperren Sie mich ein’ und danke für die Party, auf der ihr unzählige Male verkündet habt, wie geil ihr seid.”

Die Erklärung der Waren und Dienstleistungen stand bis heute Nachmittag übrigens noch nicht dort. Stattdessen war ein schlecht verschachtelter Satz mit einigen Tippfehlern zu lesen, der in etwa gleiches aussagte. Das mit den Waren und Dienstleistungen hat sich wohl noch schnell einer einfallen lassen, damit es wenigstens etwas aussagekräftiger klingt.

Also hat man’s in der Leipziger Marktgalerie wohl doch nicht so dicke? Einem Sender, der nach Auszahlung eines Millionengewinns darauf angewiesen ist, dem glücklichen, nichts ahnenden Hörer gleich zwei Prozent wieder wegzunehmen, kann’s nicht so rosig gehen, oder irre ich da? Das würde aber vielleicht erklären, warum am Wochenende die Nachrichten des (SÄCHSISCHEN) Marktführers zentral aus Kiel kommen. Aber gut, lassen wir das…

Vielleicht hat PSR auch nur Angst, das nötige Kleingeld für das Milliönchen nicht rechtzeitig reinzubekommen. Die Masche dahinter lässt allerdings erahnen, dass sie es schaffen werden. Die ist nämlich ähnlich der Methodik, die auch 9Live und andere Call-In-Sender bzw. Shows anwenden. Es gehört nämlich eine gehörige Portion Glück dazu, wenn man – oh Wunder – nicht die zwölfstellige Seriennummer auf seinem Schein hat, sondern nur die letzten drei Ziffern übereinstimmen.

Dazu muss man nämlich erstmal durchkommen. Das System dazu scheint dem von 9Live wirklich zu gleichen – ein Weiterleitungsversuch findet nämlich nur bei “durchschnittlich jedem zehnten Anrufer” statt (vgl. Teilnahmebedingungen, Absatz 5: Spielmechanik). Wenn man dann der “durchschnittlich zehnte” Anrufer ist, erfolgt eine weitere Auswahl statt. Ist beim PSR Hörerservice nämlich grad besetzt, weil Lieschen Müller fragen will, wie der Titel hieß, der grad lief, landet man im Nirvana und ist um 50 Cent ärmer.
Wenn der PSR-Hörerservice aber gerade nichts zu tun hat, hebt er vielleicht sogar ab und notiert Name, Telefonnummer und Seriennummer des vermeintlichen Gewinnerscheins. Dann legt der Hörerservice den Anrufer auf eine Telefonanlage, die maximal vier (!!) Benutzer zulässt. Merke: von 10 ausgewählten Hörern, die nach womöglich unzähligen Versuchen endlich durchgestellt wurden, werden also bereits hier sechs ausgesiebt.
Landet der Hörer dann tatsächlich in der Warteschleife, in der noch drei andere auf Geld hoffen, entscheidet der Moderator nach Zufallsprinzip und ohne zu wissen, wer in welcher Schleife hängt, wer die Moneten bekommt. Das sind, wenn ich richtig zähle, vier Vorauswahlen, bevor man an das Geld kommt. Für drei richtige Ziffern gibt es 10000 Euro, für zwei noch 1000 und für eine immerhin 100 Euro.

Schnell verdientes Geld ist das dann allerdings nicht. In den Teilnahmebedingungen fehlt übrigens noch ein Satz: “Achten Sie auf ihr Telefonverhalten”.

Sehr lustig auch der Hinweis, dass das Spiel bis 28. Februar liefe. Wie kann der Sender denn wissen, wann das Spiel endet? Weil er den Schein erst Mitte Februar aus dem Safe holt und dann erst ins Volk wirft, in der Hoffnung, es interessiert sich bis 28.2. jemand für das Gewinnspiel? Rein spekulativ natürlich. Auch schön, dass PSR jederzeit berichtigt ist, das Spiel ohne Angaben von Gründen abzubrechen oder zu verlängern. Glücklicherweise zieht diesmal die Versprechermasche nicht.

Gute Nacht, Formatradio!

*) Update:Na gucke: die LVZ hat heute was dazu im Blatt (nicht von mir). Da heißt es, der Gewinner würde im Beisein von PSR Waren erwerben, die er behalten darf. Also MUSS er von seiner Million Waren erwerben? Wenn er das nun gar nicht will? Das klingt ein wenig wie Kaffeefahrt und macht die Sache auch nicht besser…