von Daniel Große, freier Journalist Leipzig
22. 06. 2008 20:23
Nachfolgender Text erschien am 21. Juni 2008 in der Leipziger Volkszeitung. 15 Jahre nach der Gründung von Energy Sachsen. Glückwunsch in die Marktgalerie und ein freundliches “Hallo” an die Ex-Kollegen und Noch-Mitarbeiter.
Heute vor 15 Jahren startete Energy Sachsen sein Programm in Leipzig, Dresden und Chemnitz. Punkt 12 Uhr sprach am 21. Juni 1993 Moderator Bert Braito als erster zu den Hörern. Danach erklang „Somebody to love“ von Queen. Ein Programm, das „Wirbel machen wird“, versprach Programmchef Adam Hahne. Drei Monate später wechselte er zu delta Radio in Kiel und Wortchef Arno Köster rückte nach. Dieser erinnert sich gut an die Anfänge: „Es war abenteuerlich. Eine Woche vor Sendestart wussten wir nicht, womit wir senden werden. Dann kam gebrauchte Technik vom Lizenzgeber NRJ aus Frankreich, die in Windeseile installiert wurde. Parallel bauten wir alle Tische auf und schlossen Computer an.“ Auch Diana Holtorff, die heute bei R.SA sendet, war eine der ersten. Ihre Zeit beim Sender beschreibt sie als „puren Patriotismus. Es war ein großes Abenteuer, ein bisschen wie Zeltlager und nichts zum reich werden.“
Köster setzte auf Personalities, bewies mit Spezialsendungen wie „Nur Deutsch“ und „Kommunikation und Krach“ die eigene Musikkompetenz. Die Leipziger DJs Raik E und Milk schufen die Techno-Sendung „Stunde Null“, Olaf Schliebe machte sich als O-Punkt S-Punkt mit der Chartshow „High Energy“ einen Namen und zahlreiche Fans. Die Partysendung „ExtraBrait-O“ mit Bert Braito wurde etabliert und sendete in direkter Konkurrenz zu „Maxi-Mal“ auf den Sächsischen Lokalradios (Radio Leipzig, Dresden usw.) Letztere Show existiert noch heute. Seinerzeit gründete sich auch das Comedyduo Stefan Barth und Tilo Liebsch, das perfekt harmonierte. Später auch bei MDR life. Barth ist heute Radioberater und Comedyautor. Rückblickend sagt er: „Wir waren damals alle sehr kreativ. Ich glaube, das lag auch am geringen Budget.“ Doch trotz aller Kreativität und dem Silvestercountdown von 1995 auf 1996 mit nie dagewesener Hörerbeteiligung – in Quoten schlug sich das nicht nieder. Weder zur Mediaanalyse (MA) 1995 noch ein Jahr später konnten Zahlen nachgewiesen werden. In der Konsequenz musste Arno Köster gehen. Mit Nachfolger Markus Käkenmeister konnten sich nur wenige anfreunden. „Er war Verwalter statt Gestalter“, so Jan Schlegel, der 1996 mit Kollege Oliver Döhring in der Morningshow den „Kleinen Nils“ entwickelte. Heute läuft das Format bundesweit im Radio.
Die Nacht vom 1. zum 2. Januar 1997 war rabenschwarz: Der Sender in der Leipziger Nonnenstraße brannte. Nach einer Übergangszeit, in der aus Dresden gefunkt wurde, begann am 17. Februar in den ehemaligen Buntgarnwerken eine neue Ära mit moderner Digitaltechnik. Das Jahr 2000 läutete den „großen Wechsel“ ein, eine Aktion, die endgültig für mehr Quote sorgen sollte. Friederike Lippold alias Freddy ging auf Sendung – entdeckt vom damaligen Programmchef Markus Heinker. Am Freitag, den 13. Juli 2001 gab Frank Wilkat als neuer Mann auf diesem Posten einen beeindruckenden Einstand: Er entließ neun Mitarbeiter. Am Montag darauf fingen zwölf neue Praktikanten an. „Das Radio verliert an Emotionalität“, kommentierte damals der gekündigte Moderator Alex Huth die Entscheidung Wilkats. 2002 wurde Anja Schulze die erste weibliche Programmverantwortliche, 2004 hatte Energy sieben Prozent mehr Hörer. Zwei Jahre später musste sie trotzdem gehen.
Ende 2006 zog der Sender ins Medienzentrum zur PSR-Mediengruppe. Seit April dieses Jahres ist Thomas Wetzel Programmchef. Dieser will wieder auf Personalities setzen, die Marke Freddy ausbauen und Energy zum Kultstatus verhelfen. Ein Ziel, das bei derzeitig 57000 Hörern in der Stunde schwer werden dürfte.
Update: Arno Köster ergänzt in seinem Blog:
Anmerkung: Richtig ist, dass es 1995 und 1996 keine MA-Zahlen gab. Dies war jedoch der Tatsache geschuldet, dass die Analyse für das Bundesland Sachsen durchgeführt wurde. Energy hatte damals nur Stationen in Leipzig, Dresden und Chemnitz, wodurch schon die für die Ausweisung nötige “Fallzahl” nicht erreicht wurde. Von daher wurde erstmals 1994 und dann auch 1995 – in Kooperation mit der SLP - eine eigene Umfrage durchgeführt – damals unter der Bezeichnung “EMA Ost”. Darin wurde Energy Sachsen in den drei großen sächsischen Städten als Marktführer bei den 14 -29jährigen ausgewiesen. Insofern darf spekuliert werden, dass der Sender Mitte der 90er mehr Hörer hatte als heute …(ak)
Ein Kommentar für "Energy Sachsen: 15 Jahre auf und ab"
[...] “Ein Ziel, das bei derzeitig 57.000 Hörern in der Stunde schwer werden dürfte”, schreibt der Journalist Daniel Große als letzten Satz über das Ziel von Energy-Programmchef Thomas Wetzel, dem Sender zu Kult-Status zu verhelfen. Große beschreibt in dem Artikel für die Leipziger Volkszeitung eindrucksvoll die wechselhafte Geschichte des Sender Energy Sachsen, Überschrift: “Energy Sachsen: 15 Jahre auf und ab“. [...]
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